Liebe Gemeinde,
der letzte Sonntag hatte es in sich:Thema Klassenkampf. Der Arme und der Reiche. Sie erinnern sich vielleicht – wer die Lesungen verfolgt. Durch Gottesdienstbesuch oder die Lesungen in den Herrnhuter Losungen, die ja auch die Sonntagslesungen anzeigen.
Jedes Jahr um die ähnliche Zeit, je nachdem wie Ostern liegt, früher oder später, ist dieser aufwühlende Text an der Reihe.
Diesmal nicht der Arme Lazarus und der Abgrund zwischen ihm und dem Reichen Woken Mann. Wenn man so will und Jugendliche dieses Stichwort benötigen um neugierig zu werden.
Aber auch ARMUT, nicht Reichtum. Aber anders.
Da geht es nicht um den Einzelnen, sondern um ganze Gruppen, die kommen oder auch nicht, wenn sie eingeladen werden zum Großen Abendmahl. Der Mittelstand versagt, er kommt nicht. Er will Ochsen kaufen oder Autos. Freien oder gefreit werden. Verreisen oder zu einem Esoterikkurs. Was eben so in Mode ist. Nicht alles ist sinnlos.
Aber die Einladung Gottes auszuschlagen bedeutet ein Risiko an Leere und Sinnlosigkeit größen Stils. Bis dahin, dass es Leute gibt, die von reinigendem Gewitter sprechen – vormals wie heute – wenn es um Krieg und Kriegslüsternheit geht. Vielleicht, weil dann endlich wieder etwas los ist in ihrer Großen Langeweile (Pascal).
Ja, Gott lädt dann die anderen ein. Eben die Armen, wie den Lazarus, hinter den Zäunen der Stadt, auf den Landstraßen(Friedrich von Bodelschwingh). Die beiden Sonntage bergen Sprengstoff, auch sozialen.
Auch wenn wir heute sagen Prekariat statt Proletariat.
Und da hinein nun dieser Brief an die Epheser. In Ephesus gab es auch Arme und Reiche, die sogenannte Mitte, verschiedene Geistesströmungen. Ein Ort in Kleinasien, den Paulus durch seine Missionsreisen gut kannte, vielleicht dort sogar im Gefängnis gelandet war wegen seiner XRESTOS – CHRISTUS- Verkündigung. Eine Goldhändlerin sah ihren Devotionalienhandel in Gefahr und lief Sturm in Richtung Rathaus.
Die antike Welt war ein multikulturelle Welt mit verschiedenen Konkurenzen. Auch in geistlicher Hinsicht. Alles unter dem Friedensschirm der PAX ROMANA. Und dann erzählt dieser Paulus etwas vom Frieden Christi, den Nahen und den Fernen. Wie meint er das.
11 Darum denkt daran, dass ihr, die ihr einst nach dem Fleisch Heiden wart und »Unbeschnittenheit« genannt wurdet von denen, die genannt sind »Beschneidung«, die am Fleisch mit der Hand geschieht, 12 dass ihr zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und den Bundesschlüssen der Verheißung fremd; daher hattet ihr keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. 13 Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst fern wart, nahe geworden durch das Blut Christi. 14 Denn er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht hat und hat den Zaun abgebrochen, der dazwischen war, indem er durch sein Fleisch die Feindschaft wegnahm. 15 Er hat das Gesetz, das in Gebote gefasst war, abgetan, damit er in sich selber aus den zweien einen neuen Menschen schaffe und Frieden mache 16 und die beiden versöhne mit Gott in einem Leib durch das Kreuz, indem er die Feindschaft tötete durch sich selbst. 17 Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren. 18 Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater. 19 So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, 20 erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, 21 auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. 22 Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.
(Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017 )
Historisch gesehen ist das Thema des Heidenmissionars Paulus das Verhältnis zwischen Juden und den anderen Völkern.
Das ist sein Alleinstellungsmerkmal, dass er als bekehrter Christ keine Angst hast vor Berührungen mit den Anderen. Von seiner jüdischen Herkunft her wäre das anzunehmen. Seine Apostelkollegen waren da nicht immer so weltbürgerlich eingestellt.
Wenn man so will:Paulus war ein Ökumeniker. Noch mehr, er war in seiner Mission ein Beschenkter, der die Freiheit predigen konnte: Bestehet nun in der Freiheit, in die euch Christus gebracht hat.
Der Glaube an den einen HERRN ermöglicht Freiheit.
Das war unsere Theologie 1989.
Das klingt ja auch ganz gut. Aber ganz so einfach ist es in der Umsetzung dann doch nicht. Im Alltag der Gemeinde, die z.B.multikulturell zusammen gesetzt ist: Juden aus den Synagogen und so genannte Heiden aus der ganzen Welt, die in der pax romana, im römischen Weltreich, zusammen gefasst sind.
Auch und gerade in der berühmten Kulturmetropole und Genussregion EPHESUS.
Der Glaube an Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen stiftet nicht nur Freiheit, sondern auch Einheit in der Abendmahlsgemeinschaft.
Er erreicht die Fernen und die Nahen. Die, die schon immer im Gesetz Gottes gelebt haben und die, die erst durch Jesus Zugang zu diesem guten Gesetz des HERRN gefunden haben und jetzt in seiner Ordnung leben wollen.
Zuerst die Freiheit in Christus, dem anderen zu begegnen.
Das ist wahr.
Und dann?
Noch leben wir nicht im Himmel, sondern auf dieser von Gott geschaffenen Erde.
Wir sind Menschen mit unseren Eigenheiten und Gewohnheiten und Traditionen. Es sind die Gaben Gottes, die wir einbringen können in die Gemeinschaft zum Segen und zur Auferbauung seines Hauses. Aber wehe, wenn wir nicht um SEINEN Geist flehen, der uns leitet und führt, dann können sie umschlagen, die Begabungen und Traditionen und an und für sich guten Eigenschaften. Sie verkehren sich in ihr Gegenteil und füttern unseren Stolz, unsere Eitelkeiten.
Wir kommen zu der Selbsterkenntnis:Wir sind Sünder und bedürfen täglich der Vergebung.
Durch sein Blut sind wir erkauft zum Frieden, damit die verheißene Freiheit nicht in ihr Gegenteil umschlägt. So ist die Predigt, die der Apostel hält.
Christus ist unsere Freiheit.
ER ist aber auch und gerade jetzt unser Friede. Den wir brauchen zum Leben.In der Gemeinde, zu Hause, in der Welt. Wie sehr bekommen wir das gerade jetzt vorgeführt.
Dann wird das Haus des HERRN ein Haus des Friedens und nicht des Streites. Und wir bezichtigen uns nicht gegenseitig fremd zu sein. Sondern wir wissen, das wir durch Jesus Mitbürger werden in seiner Schöpfung.
Da muss niemand auf die Traditionalisten schimpfen oder umgekehrt auf die Progressiven. Niemand Feind sein dem anderen.
Die Feindschaft ist aufgehoben.
Gottes Hausgenosse zu sein ist schon etwas. Mitarbeiter in seinem Plan. Im Glauben an den Dreieinigen Gott. Ihm zur Ehre und zu seinem Lob.
Das ist dann auch Reichtum. Der nicht vergeht. Gott schenke es uns, dass wir das auch immer wieder erfahren dürfen und nicht kleinmütig werden, sondern mutig. Amen.
2024 2.Sonntag in der Trinitatiszeit in der Müggelheimer Dorfkirche um 10.00 Uhr, Linie 69
Liedvorschlag
Aus Tagebuch eines Predigers Erstausgabe epubli Berlin 2018
Lied zum Epheserbrief
Jesus will uns bau’n zu einem Tempel,
als Wohnung für den heil’gen Gott.
Dieses Haus des Herrn ist die Gemeinde,
die Säule und der Wahrheit Grund.
Wie Edelsteine schön geformt,
aus seiner Gnade durch das Wort.
Wenn wir uns lieben uns vertrauen,
(Halleluja!) dann wächst der Tempel mehr und mehr,
dann wächst der Tempel mehr und mehr!
Aus:Unser Glaube 1998
| Lieder für die ganze Gemeinde | 256 |

Zur Ergänzung
Aus Tagebuch eines Predigers weiter
s.o.epubli 2018 Erstausgabe
Der geheimnisvolle Brief.
Der Epheserbrief ist ein geheimnisvoller Brief, in dem das Licht und das
Dunkel eine große Rolle spielen, das Geheimnis zwischen Mann und Frau
beschrieben wird als ein Mysterium, welches widerspiegelt das Verhältnis
zwischen Christus und seiner Gemeinde und wir ausgestattet werden
sollen in dem Kampf zwischen Gut und Böse mit dem Schutz der
Wahrheit und dem Panzer der Gerechtigkeit.
Ephesus, eine „antike Welt“ – Stadt in Kleinasien, der heutigen Türkei, in
der der Apostel Paulus Ärger bekam mit den Herstellern der Amulette,
die eine Göttin darstellten und Schutz und Glück bringen und alles Unheil
abwenden sollten. Die Händler beschwerten sich, weil die Käufer von
ihnen „abfielen“. Das ist verständlich. Sie zetteln einen Aufstand an.
Paulus wird verhört und seine Begleiter.
Aber wieder auf freien Fuß gesetzt mit der unmißverständlichen
Empfehlung, weiter zu ziehen.
Die Gemeinde wächst. Sie wird aus der Ferne betreut, unmißverständlich.
Das Briefgut des Testamentes Gottes in Christus Jesus gibt Zeugnis
davon.
Wichtigster Satz: CHRISTUS ist gekommen und hat verkündigt im Evangelium
den Frieden euch, die Ihr ferne waret und Frieden denen, die nahe waren.