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Galerie Vergangenheit

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Zirkus im Wald auf meinem Wackeltisch aus Ebenholz das Furnier und beschädigt. Aber der Zirkkus im Wald echt und nebenan auf der Kirchenwiese, die jetzt per Format und Adresse auf den Plakaten angegeben wird, nicht mehr als Kirchenwiese. Ich denke an CHRISTINE SUCHT DEN LIEBEN GOTT, mein Kinderbuch aus den Tagen und Nächten und Abenden und der Liebe zu Gott und dem Nächsten.

Länger her: WALD NOCH EINMAL UND IMMER WIEDER NICHT NUR DER HIER UM DIE ECKE NEIN DER IN THÜRINGEN BAYERN RHÖN UND SONST WO

NATÜLICH AUCH DER IN ITLAIEN UND SÜDTIROL

AN DER OSTSEE

AN DER NORDSEE GIBT ES KEINEN

NUR FLUT WENN DIE EBBE VERGEHT.

Seht Ihr die Leidenschaft. Die Flammen der Liebe. Es zündelt wie ein beginnender Waldbrand. ROT WIE BACKSTEIN. Nicht nur. Zinnober Rot.

Heisst es so?

UND BLAU WIE DIE FERNE.

DAS HABE ICH GELERNT VON KERSTIN HOPPE: MALERIN, DICHTERIN. Lange her. An der Ostsee, wo es auch gerade k e i n e n Wald gab. Doch, Kiefern, ganz oben, Rügen. Wenn man auf die höchste Düne am Bodden kletterte, sah man sie – und das Meer.

Seht Ihr das?

Und das Weiss?

Lasst Euch nicht stören von der Eierkiste aus Pappe. Alles ist Pappe, vergänglich. Meine Pappenreste, auf die ich Bilder bringe und aufhebe, bis sie zur Galerie werden, zur Galerie der Vergangenheit.

Kalenderblatt aus dem Jahr 2017 Binz, Goethestrasse

WENN DU AUS DEM WASSER GESTIEGEN BIST

NACHT

DIE SONNE GEHT AUF

GOLDENE BRÜCKE

GOTT

DU KANNST NICHT DARAUF LAUFEN

Wiese, Fluss und Waldberge in Bayern in Oberammergau im Ammergebirge. Das war März/April vorigen Jahres mit Sonne und Regen und Schnee auf den Bergen, vom Winter noch. Hier gerade nicht. Oder kaum zu sehen.

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Der zerschossene Wald, wie in Kriegsfilmen. Es ist das Titelbild von SPUTNIK. Es ist Russland. Es ist die Erinnerung an meinen Vater und sein Wissen um Dankbarkeit, dass er heimkehren durfte aus russischer Gefangenschaft und nicht umkam dort. Sondern im Gegenteil: Zuvorkommenheit erlebte, Johann Sebastian Bach am Morgen zum Aufstehen, Geschicklichkeit der russischen Ärztin beim Herausoperieren einer russischen Kugel, damit er gut laufen konnte. Gespräche mit Freunden, die er traf, weil sie auch in Gefangenschaft gekommen waren. Gute Gespräche für die Zukunft des Glaubens und des Lebens. Die uns Vorbild wurden.

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Goldgerahmte Bildertafel zum Aufklappen. Die Kirche in Kosma bei Altenburg von aussen und von innen zu sehen. In unserem Wohnzimmer. –

Ein Bauer erzählte mir von seinem Enkel, der in Afghanistan eine ganze Kaserne gerettet hat, weil er instinktsicher erkannt hat wer auf ihn zukommt in dem Jeep, der voll mit Sprengstoff geladen war.

Er war schnell im Schießen wie ein echter Dorfjunge, sagt sein Großvater und ist stolz auf ihn.

Schießen war damals aber eigentlich nicht erlaubt. Im öffentlichen Bewusstsein. Kann man fast so sagen.

Heute hagelt es nur so von Kriegsberichten aus allen Kriegen.

Heute wäre der Junge aus Kosma ein Held.

Damals war mehr schamhaftes Schweigen.

Wie verlogen ist das eigentlich?

Das sage ich als jemand, der für die Freiheit eingestanden ist und sie nicht verschwiegen hat in der FRIEDENSLÜGE, Kampf für den Frieden.

Es war Kampf für die Freiheit. Das hat die verschiedensten Menschen zusammen gebracht: Konservative, Progressive. Aber ich bin mutiert. Deutschland ist undankbar und feige geworden. Sie hätten den Amerikanern erklären müssen, dass es Grenzen gibt, auch für die Freiheit. Der ehemalige Oberbefehlshaber der Ukrainischen Armee hat es auch gewußt: Wir haben die Russen provoziert indem wir die Nato als Ziel in unsere Verfassung geschrieben haben.

Auch Freiheit hat ihre Grenzen: Den Frieden. Ich war nie ein so genannter Friedenspfarrer, sondern habe es ausgesprochen:Freiheit.

Jetzt spreche ich das andere Wort deutlich aus: FRIEDEN. Dafür müssen wir j e t z t kämpfen.

Dank an meine Mitstreiter in Altenburg/Thüringen von damals, dass wir das gemeinsam so sehen und nicht anfangen diesem Schwindel und der Hetze zu erliegen.

Dank an Klaus von Klaus von Dohnanyi und an seinen Gesprächspartner von Witzleben. Beide Familien sind miteinander nicht nur blutsverwandt, sondern auch in ihrem Willen zur Freiheit und zum Frieden. Auch zum Frieden mit Russland.

In Europa.

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Heiliger Abend, erster Feiertag, zweiter Feiertag, dritter Feiertag im gemütlichen Pösneck/Thüringen in den frühen 50iger Jahren

Heilig`Abend

1.

Nun haben wir vielleicht schon alle guten Wünsche zur Kenntnis genommen, die in‘ s Haus geflattert sind, alle Gebete gesprochen und gesungen, die wir als Kinder gelernt haben und als Erwachsene versuchen, ja nicht zu verlieren, denn dann verlieren wir unsere Kindheit.

Um Gottes Willen nicht.

Und wenn?

Um so wichtiger: Sich zusprechen lassen, dass wir alle Gottes Kinder sind, weil Jesus in die Welt gekommen ist. Und auch angefangen hat als Kind, als Kind der Maria, als gehorsames Kind des Joseph, als dessen Sohn, der den Beruf des Vaters lernt, in seine Fusstapfen tritt, wie es sich gehört, um der Stabilität der Familie zu dienen.

2.

Joseph, der Zimmermann, Jesus der Jungfrauen Kind, Maria die Himmelkönigin, die Gott geboren hat für diese Erde. Die die Mondsichel betritt wie eine Schaukel und über allem schwebt.

„Maria breit‘ den Mantel aus“, singen sie, die gläubigen Katholiken, wie ich sie erlebt habe.

„Wir wollen umhüllt werden in unserem Glauben“.

„Ja, beschützt“.

Durch die Mutter Gottes.

2.

Wir fliegen in die Türkei, um das Haus Mariens zu besuchen, das Haus der erfahrenen Ratgeberin in den heiligen Dingen. Für die feigen Jünger, die sich dann doch zusammenraufen und sich an ihren Auftrag erinnern und wandern und verkündigen bis ins Osmanische Reich. – Gestern.

Sie wurde so verehrt.

In den ersten Tagen.

3.

Und heute… Haus der Maria.

„..Diesen Boden zu betreten. Dieser Linie zu folgen …“ Begeistert und erschüttert erzählt sie mir ihren Trip in diese Türkei, als ob es das Heilige Land sei. Und nicht das Land der Blauen Moschee, der ehemaligen Kirche von Konstantinopel, der HAGIA SOPHIA.

Was ist heute weise? In Istanbul? In Berlin? Im Gebüsch der Familiengeheimnisse, der Offenlegungen aller Erklärungen, die die Theologie so zu bieten hat. In der Verstrickung des Verrats und der Angst, um jeden Preis der Erste zu sein. Und ja nicht der Letzte. Um Gottes Willen – nicht.

Erster Feiertag, ein Donnnerstag in diesem Jahr 2025

Da ruhen wir uns aus und gehen nicht in die Kirche, weil wir am 4. Advent abends in der Gedächtniskirche waren. Kaiser-Wilhelm-Gedächnis-Kirche am KuDamm/Zoo in West-Berlin, sage ich Ossi immer noch. Ich kann nicht anders. Es ist so eingefleischt. Muss man gerade zu Weihnachten sagen dürfen. Man wir ja auch immer älter und tattriger. Aber das ist fester Boden unter den Füßen: Wo komme ich her? Wer bin ich?

Nicht: Was bin ich ?- wie diese Spielsendung aus dem WEST-FERNSEHEN. Wie haben wir uns das angesehen! Nein, nicht Hans Rosental, aber der war auch gut, aus München.

Also live WESTKIRCHE KuDamm. Was war denn da? Englischer Chor Berlins. 9 Lesungen, Choräle dazu.

Erste Lesung Sündenfall, Erstes Buch Mose: WO BIST DU ADAM? WER HAT DIR GESAGT, DASS DU NACKT BIST?

„Ich musste mich verstecken, als Du gerufen hast, weil ich nackt bin.“ Im Gebüsch. Da ist sie wieder: Die Dornenhecke, gut für Singvögel, die Angst haben vor Katzen und anderen Tieren. Für alle, die Angst haben und sich verbergen wollen und müssen. Gut, dass es sie gibt. Aber nicht im Paradies. Es war zu schön, um wahr zu sein. Da musste die Schlange kommen und das Gespräch suchen mit Eva, der schönen Frau Eva im Paradies.

„Sollte Gott wirklich gesagt haben?“

Ja, er hat gesagt. Aber Eva hat es sich einflüstern lassen und auch Adam davon abgegeben, geteilt. Genau diesen Apfel, von diesem Baum, von dem sie nicht essen dürfen.

„Damit sie nicht werden wie wir,“ spricht der Herr zu seinen himmlischen Heerscharen. Zu den Engeln, Gabriel, Raphael, Michael.

„Eva ist daran schuld. Sie hat mir davon abgegeben, sie hat mich verführt. ALs ob es nichts wäre“.

„Gott ist doch so groß. Wie kann er solche Verbote aussprechen.“ Sagt die Schlange zu Eva. Sie hat es weitergesagt, um Adam damit beruhigen zu wollen.

Es galt das Verbot auch für ihn und er hätte NEIN sagen können. – SÜNDENFALL.

Zweite Lesung Jesaja – wie wir es auch kennen.

ER HEISST RAT, KRAFT, HELD, WUNDERBAR.

Der ganze Aufbau A Festival of Nine Lessons and Carols 2025 erinnert mich heftig an unseren 2. Gottesdienst nach dem Krippenspiel in der Brüderkirche zu Altenburg in Thüringen an jedem Heiligen Abend. Ein Superintendent hat ihn aufgeschrieben und er wurde in allen Kirchen für die“Erwachsenen“ verwendet. Das war die 18.00 Uhr Vesper. Ich habe diesen Ablauf mitgenommen nach Berlin. Er ist eingeordent bei meinen Sing-Büchern.

Im Zentrum der weiteren Lesungen und Gesänge BETHLEHEM.

Und der Abschluss – wie die Lesung am zweiten Feiertag: JOHANNES-EVANGELIUM. Die zweite Schöpfungsgeschichte.

Ein weiter Bogen, sagt die Pfarrerin.

Unser Biblisches Weltbild – Gottesbild – Menschenbild – der Untertitel der Altenburger Akademie, gegründet 1988 eben im Sprengel der Brüderkriche zu Altenburg. – Griechisch das Motto für die damalige Zeit: Metanoia, Charis, Kairos. Busse, Freude, versäume nicht den richtigen Zeitpunkt.

Dass die Schöpfungsgeschichte zu solchen Anlässen i m m e r eine Rolle spielt, ist n ic h t ungewöhnlich. Zum Beispiel auch in den Lesungen zum Jahreswechsel.

Ja, es hat ja schließlich alles einmal angefangen. Und wie!!!

Zweiter Feiertag

Da geh` ich in die Müggelheimer Kirche. Am süd-Ost-Rand von Berlin. Sehr gut angezogen mit Hut und Mantel und eigenem Gesangbuch. Es ist kalt.

Und das ist gut so, sagte der Schmied in unserem Dorf. Wegen des Ungeziefers. Da gibt es kein Jammern.

Und: Jedes Wetter ist gut. Da gibt es nichts zu meckern.

Wir werden sehen, was kommt.

Der Lektor hat dankenswerter Weise den Frieden nicht vergessen, wie ich das heuzutage oft den Eindruck habe. – Ich rede altväterisch, ich weiss. Das hat auch seinen Grund. -Ausführliches Friedensgebet also auch am Stephanustag.

Ungewöhnlich, dass in der evangelischen Kirche so daran gedacht wird: MARTYREIN – ZEUGNIS GEBEN VON DER HERRLICHKEIT GOTTES AUF DIESER ERDE. – ZU WEIHNACHTEN!-

Denn Stephanus sieht den Himmel offen…

Die römisch-katholische Kirche gedenkt ganz offiziell am 2.Feiertag des Weihnachtsfestes ihres ersten Märtyrers. Der Lektor weiss das und zitiert einen Tageshinweis zum 2. Feiertag im Deutschlandfunk. Ja, es stimmt – die Weltkirche hat die Welterfahrung und das Wissen, dass es nach Stephanus noch viele andere gibt, die leiden und sterben für ihren Glauben an JESUS. In vielen Ländern. Und nicht nur in alten Zeiten.

Heute!

Dritter Feiertag- was ist das?

Das ist das gemütliche Pössneck in Thüringen wie ich es als Kind erlebt habe, wenn meine Mutter mit mir eine Tante besucht hat, in einer Familie war, wo ich den Hochzeitsmarsch gespielt habe. Bum, Bum, Bum. Da wurde vom Dritten Feiertag gesprochen, der kein staatlicher Feiertag war, aber ein innerstädtischer. Allerdings – der Bäcker wird wohl sein Geschäft aufgemacht haben für eine Stunde. Oder so. Ich habe mir alte Ritterbücher angeschaut und Mundharmonika gespielt. Auf einer Fensterbank sitzend.

Da war die Schwester der Tante, dieses alte Haus mit den knarrenden Dielen.

Jetzt ist alles anders- oder wieder so.

Wer weiss.

Neulich haben wir auf der anderen Seite des Flüsschens eine Villa gesucht und gefunden, in der wir übernachten konnten. Die Villa gehörte einem Fabrikanten, jetzt als Schnäppchen vor über dreißig Jahren von einem Hallenser gekauft und möbliert mit uralten Stücken. Z.B. am Himmel des Ehebettes herzoglicher Herkunft eine Taube. Sehr ungewöhnlich aber beeindruckend. Ich kenne diese Taube nur von Taufsteinen her oder als Mitbringsel aus einer Tiroler Schitzerei. Was bedeutet das? – Der neue Besitzer wußte es nicht, das war unser Eindruck. Auch seine Frau nicht, aus der Ukraine zu uns gekommen. Beide betrieben nun dieses Hotel mit den wunderlichen und wunderbaren Habseligkeiten. Und Möbeln aus uralten Zeiten. – Ja, da war es wieder: Pössneck in Thüringen, wo es einen dritten Feiertag gab. Kindheitserinnerungen. Oder umgekehrt dieser Tag in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr bringt mich zurück in meine Heimat – Thüringen. Und auf die Frage, wer bin ich, wo komme ich her, wo gehe ich hin (vergleiche Blog PÖSSNECK).

Ankommen. Zu Hause ankommen. Heimat ist dort, wo meine Toten auferstehen (Joseph von Eichendorff). Bleibe aber du vertraut in dem, wo dir Vertrauen entgegen gebracht wurde (Saint – Exupery).

„In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen“, sagt JESUS DER HERR und ist mit uns, wo wir auch seien. „Wo ich an Christus glaube, ist meine Heimat“, sagt Luther. – Das hat mir ein Kirchenlehrer in meine AGENDA geschrieben, nach der ich immer noch Gottesdienste halte – wo auch immer: auf den Dörfer, in den Städten, am Rand von Berlin.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie gesegnete Feiertage gehabt haben. Und Weihnachten leuchtet das ganze Jahr. Auch 2026 !

Ihr

Michael Wohlfarth, Pfr.i.R.

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SAKRAMENT DES BÜFFELS UND DES LAMMES

FORTSTSETZUNGSROMAN DANACH MIT KAPITEL 25

…Damit schlief sie ein mit dem Kind in ihrer Schiffskabine.

Oliver nebenan.

Sie wollten zusammenbleiben.

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Der nächste Morgen bringt Wind in die aufgehende Sonne. Die Besatzung schläft nicht. Jedenfalls der Teil, der um diese Zeit Dienst hat. Es ist ja kein Windjammer, sondern das Segelschulschiff, dass Anne sich schon für die Überfahrt in das ehemalige gelobte Land ausgesucht hatte. Es liegt unkündbar im Plan von Ausbildung und Resozialisation von Jungen und Mädchen, die mit dem Meer zurechtkommen wollen, mit seinen Ungetümen, seinen Riesenwellen, der Angst davor, die rechte Seeleute werden wollen. Die anderen, die nicht Seeleute werden wollen oder Marinesoldaten, werden mitgenommen, um mit dem Wellengang da draußen auf dem Meer des Lebens fertig zu werden. Wenn sie wieder zurück sind von ihrer Reise.

„Alles Übung“, sagen dann die Berliner, andere sagen es anders.

Eine schöne Kombination jedenfalls plus dem Angebot Reiselustige einsteigen zu lassen, mitfahren zu lassen, Begleiter und Begleiterinnen.

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„Es ist komplex“, sagt Anne zu sich selber. Nach ihren Erfahrungen.

Steht auf und geht hinunter in den Speisesaal, um sich Frühstück zu machen in der Selbstbedienungsküche nebenan.

Der Zettel hängt immer noch an der Theke, bei festlichen Anlässen auch besetzt.

„Tagebuchblätter gefunden – der Besitzer möge sich melden!“ Beim Kommandanten.

Ihr fallen die vielen Briefe ein, die sie sich die Zeit genommen hat auf der Hinfahrt zu lesen.

Ihr fällt ihre Freundin ein, die in Deutschland geblieben war und ihr unter dem Siegel des Vertrauens diese Briefe einer Mitschülerin mitgegeben hat.

Eine Opfergeschichte.

Eine Lamm-Geschichte würde der Dichter Heinrich Böll gesagt haben.

Und auch diese Gespräche, das sie zufällig bei You Tube gehört hatte:

Lamm-Geschichten DAVOR UND – DANACH, wie sie in jedem System spielen kann, würde ich nicht sagen, wenn mir der Herzstillstand eines gejagten Bischofs einfällt, den sie rassistisch genannt haben, weil er vor seiner Bekehrung in Berlin als Jura-Student deutsch-nationale Artikel veröffentlicht hat und Mitglied in einer studentischen Verbindung war. Er hat das wohl nach Meinung der Gutachter nicht genügend ausgebreitet, als man ihn fragte, ob er Bischof werden wollte.

Inzwischen Studiosus der Theologie, dann Gemeindepfarrer im Vogtland, verheiratet mit einer Theologin, Kinder.

Ja, was ist eine Bekehrung? Vielleicht hat er gemerkt: erst Gott, dann das Vaterland oder die Verbindung.

Er ist ein sehr frommer Mann geworden. Die Hoffnung für viele Christen, die an Gott glauben, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

Wie haben sie ihn vor sich hergetrieben. Verachtet. Ja, vielleicht hat er von dem Sakrament des Büffels gekostet mit seiner Narbe. Er hat es bereut. Besser: er hat einen anderen Weg eingeschlagen.

Gilt Bekehrung des Apostel Paulus nicht mehr?

Dürfen sich Menschen nicht mehr bekehren und die Weisungen des HERRN empfangen, wie es geschrieben steht.

Der Hohe Rat hat ihn abgesetzt. Er hat natürlich darum gebeten.

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Nur formal vielleicht der Unterschied zu dem Mädchen, das nicht widerrufen wollte, JESUS als Vorbild in einem Aufsatz zu beschreiben mit dem Thema: Welches ist DEIN VORBILD.

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Seine Kinder haben es deutlicher formuliert: RUFMORD! Er darf jetzt für die osteuropäischen Lutheraner aktiv sein.

Herzstillstand? Welche Diktatoren?

Das war nicht in der DDR. Das war jetzt“.

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Die Geschichte in den Briefen, die Anne unbedingt lesen sollte und immer bei sich hatte auf dem Weg zum GRÜNEN SALON mit ihrem Seelsorger Harry, der sie auch kannte, war die Geschichte eines jungen Mädchens, die Jesus liebte, in Weimar, als es die DDR noch gab. Sie wurde gerichtet, getrieben, vertrieben, sie war nicht mehr sie selbst. Und brachte sich um in einem fremden Land. Vor Sehnsucht ist sie gestorben. Und vor Verzweiflung.

Das war außergewöhnlich. Das ist Terror.

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Ein weiteres Gespräch dazu bei You Tube: DAVOR – Eine Lamm-Geschichte – wie sie in jedem System spielen kann – wenn mir die Tischlerei einfällt in Bremen, in meiner Reisezeit – auf den Flügeln Martin Luthers 1983 – als mich meine Frau am BRD/DDR-Telefon zurück koppelte, dass sie gerade eine Sorte Käse bekommen hat, den letzten, den es im Dorf-Konsum gab.

Freude, die Du nicht hast in Deiner großen Auswahl“.

Ich habe nur zugehört…

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Ich bin Tischler und mein Gastgeber brachte mich in diese Bremer Tischlerei.

Alle Hölzer.

Großartig.

Es sah aus wie die Werkstatt in der von Handarbeit die Möbel und die gesamte Innen-Ausstattung einer Erich–Honecker-Jacht hergestellt würden.

Natürlich nicht.

Hier war der Kunde König und jeder, der es bezahlen konnte, durfte sich die „Mahagoni“– Hölzer aussuchen für seinen Wohnzimmerschrank.Ich wusste übrigens nicht, ob der Staatsratsvorsitzende solch ein Jacht besaß.

Sie wissen schon, was ich meine?“

Nicht abschweifen:„Christ sein? Was bedeutet das? Ist es nur in der DDR ein Heldenlied? Mitnichten“.

Wenn einer der Kumpels in der Holzbude NEIN gesagt hätte zu einem SCHMUTZIGEN GESCHÄFT, EINEM DEAL, weil er ein Gewissen hat, was wäre dann?“

Du bist ein Nestbeschmutzer!“

Du versaust die Norm und das Kollektiv“. Die Argumente legitimieren, egal wo.

Und diejenigen meinen es dann auch noch gut. Angeblich.

Und weiter:„Über Glauben und Geld spricht man nicht!“- eine alte Regel der Ost–West–Begegnungen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Es ist nicht einfach Christ zu sein auf der Welt. Lamm sein.

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Sakrament des Lammes und das Sakrament des Büffels:“Jetzt haben sie eine stille Frau zur Leitenden deutschen Bischöfin gemacht.

Die Mehrheit, sonst wäre sie es ja nicht geworden. Demokratie.

Sie wird nach kurzer Zeit im leitenden Bischofsamt der EKD angesprochen wegen eines Missbrauchsfalls, geschehen in der Zeit, als sie für einen bestimmten Kirchenkreis als leitende Pfarrerin zuständig war“.

Der Vorgang erinnert mich sofort an den Sächsischen Bischof aus Berlin-Spandau: „Ich bin rein vor Gott und meinem Gewissen“, sagt sie.

Das gilt nicht.

Politik.

Schmutzig a priori?

Weil die Welt böse ist und trotzdem regiert werden muss?“

Diskussionen, in der es um Frieden und Freiheit ging.

Und um Wahrheit.

Und dann kamen

rußige Gesichter

mit schrillem berechtigtem Schrei

aus den Gassen und Schluchten.

GEZEICHNET VON KÄTHE KOLLWITZ

ENTDECKT

von Weltverbesserern

lehren sie

zu singen die INTERNATIONALE

in den Chören der Vernunft

und der Arbeiterklasse

und das MENSCHENRECHT.

Wild um sich schießend.

Und gruben sich ein

um aufzubauen den

INDUSTRIELLEN

MILITÄRISCHEN KOMPLEX

WIE LENIN

sagt in seiner Schrift

BEWAFFNUNG DER ARBEITERKLASSE.

L E N I N !

DER NEUE GOTT.

DAS BRAUNE GOLD.

7

Nun stehen

nachdem alles vorüber

in über hundert Jahren

die Kräne und schlafen

wenn keine Besucher da sind, sie zu wecken.

Eine Kulisse aus der ehemaligen zukünftigen Zeit.

Wie Vieles.

Aus ZEITLOS – GEDICHTE VON MICHAEL WOHLFARTH

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Oliver findet angeblich weitere Tagebuchseiten von wem auch immer -Fortsetzung des Romans DANACH

Februar 24.2.22 und davor – seit dem verschwiegenen Krieg*.

*Propaganda der Gegenseite.

RUSSISCHE SPRACHE – UKRAINISCHE SPRACHE. 2014.

S. a. Jugoslawienkrieg.

Die Krimbesetzung ist die Fortsetzung der Geschichte von 1945. Befreiung durch die Sowjetarmee.

Ich höre ihn tönen: Friedrich von Weizsäcker. Im Deutschen Bundestag.

Ich höre den Applaus in Berlin für WLADIMIR.

MIR heißt Frieden.

Die Sehnsucht nach Versöhnung mit dem Reich im Osten, ob STALIN oder von weiter her.

Dzierzynski, Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und andere.

Der russische Weg des Heils.

Der Weg STALINS.

Der Heilsweg.

Die Eschatologie.

Die Sonne geht im Osten auf.

Russland und Deutschland vereinigen sich.

Lies die Reden Zetkins im Reichstag“.

Frauenchor: „Wir sind Kommunisten“.

Männerchor: „Brüder zur Sonne zur Freiheit, zum Lichte empor“.

Politnik: „Wir auf dem euroasiatischen Festland im Unterschied zu den britischen Inseln.“

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Der Pfarrer zu Hause im Gespräch: „Theologie, Pastoralpsychologie. Autorität ist etwas Gutes“.

Der Vater“.

Die Vaterlose Gesellschaft nach dem Krieg“.

Die Gesprächspartnerin: „Wo sind sie geblieben?“

Im Krieg, im Krieg!“- rufen die Geister der Verstorbenen und schweben über die Erde hinweg.

Deshalb: „Der Vatertag. Der Muttertag, die Gedenktage. Sie sind gut, wenn sie uns anregen, darüber nachzudenken“.

Was ist Autorität. Was ist Kollektiv?“

Autoritär?“

Was ist das?“

Ungarn, Türkei, Russland. Da wird nur gewählt“.

Polen ist populistisch“.

Kommentar: Die Kirche darf keine Autorität sein.

Sie m u s s zerschlagen werden.

Es ist alles nicht wahr.

Wahr ist, dass wer nicht den libertinistischen Freiheitsbegriff von Gysi bis… verteidigt, ist kein Patriot.

Dabei hat dieser libertinistische Freiheitsbegriff ganz genau alles ausgehöhlt, was uns verbinden könnte: Nation, Europa, Ethos, Eros, wissenschaftlichen Eros.

Das Wort Patriot zu benutzen, verbietet sich unter diesen Umständen von alleine, weil wir nur noch Sex haben.“

Einmal am Tag“.

Wie Kennedy sagte“.

Kommentator: Das reicht. Das kann aber nicht reichen. Denn wir haben auch Kinder und Enkel. Wir haben eine Welt, für die wir verantwortlich gemacht werden eines Tages im Himmel und auf Erden.

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Stimmengewirr

1.Stimme: „Kommen Sie bitte nicht mit AMERIKA!“

2.Stimme: „Mit den Gemeinden dort, die ihre Pastoren wählen je nach Geldbeutel.“

3.Stimme: „Und dann vielleicht noch falsch!“

4.Stimme: „Wie meinen Sie das?“

5.Stimme: „Wie soll ich das meinen? Man nimmt den Besten.“

6.Stimme:“Wer ist der Beste?“

5.Stimme: „Der oder die. Wer die richtige Theologie hat.“

6. Stimme: „Was ist die richtige Theologie?“

5. Stimme: „Wo Inhalt und Form zusammenpassen und keinen Gegensatz darstellen.“

Lange Pause im Dialog.

1.Stimme: „Jetzt bin ich echt gespannt.“

2.Stimme: “Und das ist bezahlbar?“

5.Stimme: (sehr leise) „Letztens Endes: natürlich nicht, weil man das erst hinterher merkt. Ob das, was gepredigt wird, mit dem Leben des Predigers und – mit dem Bemühen des Predigers in seinem eigene Leben – ü b e r e i n – s t i m m t.“

Alle im Chor: „Wenn das, was der Prediger predigt mit seinem Leben gedeckt ist.“

4.Stimme: „Das gilt doch dann für alle Konfessionen. Für Amerika und Russland. Überall, wo es Gemeinden gibt, die an Jesus glauben.“

Community s? “

Ja, Communitys”.

Gemeinden. Ja.“

Pause im Stimmengewirr.

Orthodoxie – Gemeinde?“

Sie ist stark im Gebet.“

Gehen sie auf den Athos und erleben Sie, wie gebetet wird.“

Das sind Mönche.“

Ja, sie bitten für das Gleichgewicht der Welt. Was der Riese nicht geschafft hat.“

25

Oliver und Anne hatten die Betten zusammen gestellt aus Kabine 22 und 23 und lasen beide bis Anne die Augen zugefallen waren. Wie weiter, was werden ihnen die Tage bringen.

Versöhnung, sonst können sie nicht stark sein und Verantwortung übernehmen.

Für ihre Tochter Sophie

Für den Anfang in dem Land, wo alles begonnen hat.-

„Morgen legen wir an“, denkt Anne und nimmt ihr Kind in den Arm.

„Es wird sicher alles gut.“

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Fortsetzungsroman DANACH

„Wie sagt man heute?“ fragte sie sich laut: „Wir leben alle auf einem Planeten.“

„Auf einem Planeten, ja, ja in der Zeit der Mondfahrer und Gefährten, die den Mars tangieren sollen und auf ihm landen sollen schließlich, wenn das Tempo stimmt zum Anfliegen und Landen“. Ihr Mann dazu von nebenan, wo das Kindchen schläft , um das er sich kümmert, damit Anne in Ruhe lesen kann.

„Schläft sie ?“

„Alles gut. Die Seeluft tut ihr gut.“

„Ich habe noch ein Blatt “, sagt der Geheimdienstmann.

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Mai 22. Tagebuchblatt

Betrifft Anschluss an den Westen. Ukraine – WEST.

Junge Generation wie im „Osten“(DDR) 1989. Mehr nicht.

Aber auch nicht weniger.

Wir wollten FREIHEIT“, rufen die weißhaarigen Bürgerrechtler im Keller des Hauses, in dem sie sich wöchentlich versammeln um zu beratschlagen, wie es weiter gehen soll: „Was sollen wir machen?“

Eine Frau nach einer solchen Versammlung zu Hause: „Wir müssen doch auf die Straße. Es brennt. Es geht abwärts.“

Sie ist wirtschaftsorientiert. Ihre Familie hatte ein Hausimperium im Leipzig aus der Sicht ihres Mannes, aus einer armen Pfarrersfamilie stammend.

Sie war Staatssekretärin für Familie, Frauen und Jugend. Sie hat praktische Politik gemacht.

Sie war in der Mühle und ist ausgestiegen, als das Vaterland sich vereinigt hat.

Sie hatte zu wenig an sich gedacht.

Zu wenig an ihre Familie. Die wäre gerne mit nach Berlin gegangen. In das Zentrum.

Sie hat nicht einmal ihren Titel als Urkunde abgeholt in der allgemeinen Überstürzung damals vor über dreißig Jahren. Als sie aufgehört hat.

Sie hat die Deutsche Demokratische Republik mit beerdigt.

Wir wussten zum Teil nicht, was wir tun.

Jetzt ist die AfD stark.

Alternative für Deutschland.

Meine Frau, Margard Wohlfarth in Oberammergau im März 2025.

Kultur-und Theaterwissenschaftlerin, Bereichsassistentin an der HU bis kurz vor unserem Umzug 1975 von Berlin nach Thonhausen in Thüringen. Dort Pfarrfrau, erkämpfte Anstellung beim Landestheater Altenburg. Deswegen Umzug 1988 in die Skatstadt Altenburg, Bürgerrechtlerin, Staatsekretärin für Familie, Jugend und Frauen 1990 in der letzten demokratisch gewählten DDR-Regierung. Nach der Wiedervereinigung Abgeordnete im Stadtparlament Altenburg/Th. und Kulturbürgermeisterin.

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Juni 22 Tagebuchblatt handgeschrieben

Ich sage: „TERROR ist das Schlüsselwort für Diktatur. Autoritär ist etwas ganz anderes.

Sogar in den farblichen Darstellungen by Stoere wird so unterschieden“.

Ticker nennen wir diese Infos.

Und finden uns großartig, weil wir uns dann so fühlen, als wären wir auch Journaille und gucken auf die Fernschreiber“.

ROTER TERROR – SOZIALISMUS wie wir ihn erlebt haben“, flüstert ein Bürgerrechtler im Keller“.

Als Hintergrund, an den man sich gewöhnt hat, wie an ein Bild“, pflichtet ihm ein Rentner bei, früher Dokumentarfilmer.

Pause.

Selbst wenn „nur“ noch psychologisch gehandhabt“.

Von besseren Psychologen als in Westdeutschland (alte BRD)“, lacht die Gruppe.

Ha, Ha, Ha.“!

Der Literaturexperte:“DZIERZYNSKI, das Vorbild für unseren Deutschen Geheimdienst in der Deutschen Demokratischen Republik.“

Für den gesamten Ostblock“, pflichtet ihm sein Freund, der Physiker bei.

Ach, was sind wir doch alle alt geworden“, lachen sie wieder im Alt – Männer-Chor.

Wir sollten ein Kabarett aufmachen: Wühlmäuse oder so aus dem Osten, wo die Sonne aufgegangen ist. Schon immer. Jeden Tag. Und nicht unter, wie uns manche Schlaumeier aus dem Westen neuerdings weiß machen wollen“.

Sagen sie.

Hin und wieder.

Wenn es besonders spaßig wird.

Jetzt aber mal die Luke auf“, ruft die einzige Frau, die an diesem Abend anwesend ist. Sogar eine Jüngere.

Sie ist neugierig.

Was war die Antwort auf den Roten Terror in der Geschichte der ruhmreichen Sowjetunion, in der Geschichte Russlands? Der die Welt nicht verändern, sondern die Partei erhalten wollte?“, fragt der Redner im Keller, der für heute bestellt war.

Antwort der WEISSE TERROR.“ Der wollte nicht die Welt verändern. Sondern die Partei der Bolschewiki abschaffen: Die Kommunistische Partei Lenins.“

Ein Fragesteller: „Siehe DER STILLE DON?“

Jedenfalls in der Fortsetzung“.

Damit wären wir mitten im BÜRGERKRIEG eines ehemaligen Landes mit der Grundlage: Furcht und Schrecken. Dostojewski hat das zur Genüge beschrieben“, fuhr er fort. –

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Kranzniederlegung 2023 auf den Friedhöfen in Gorzow (Landsberg/Warthe) mit Kadetten der Polnischen Armee. Hier der Neue Friedhof in Gorzow, auf dem auch deutsche Staatsbürger umgebettet wurden, nachdem der alte Landsberger Friedhof entwidmet wurde. Auf diesem Friedhopf gibt es polnische und russische Soldatengräber aus dem 2.Weltkrieg. Die Zeremonie im Park (ehemals deutscher Friedhof) und auf dem Neuen Gorzower Friedhof fand anlässlich des Tages der Versöhnung im Januar statt.

DANACH

ESSAYISTISCHER ROMAN, Fortsetzung aus dem 24. Kapitel

Michael Wohlfarth, unveröffentlicht.Privatdruck. Bei Interesse bitte melden.

michael.wohlfarth@t-online.de

Blick von der bb (BUCH BERLIN) Treptow.

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Danach

In Deutschland, haben sie sich vorgenommen, werden sie gewisse Dinge aus Amerika nicht vergessen oder der Anpassung unterwerfen. Es wird ihnen erst hier klar werden, wenn sie an Land gegangen sind – wie aus einer Arche, wer und was sie eigentlich zusammengebracht hat. Nicht eine augenblickliche Idee, oder eine große Not, ein zufälliges Treffen bei einem Fußballspiel oder in der Pause während eines Theaterbesuches als sie plötzlich beide ein Glas Sekt in der Hand hielten und gar nicht anders konnten als anzustoßen und zu sagen: „Na denn.“ Zusammenbringen ist das falsche Wort. Zusammenhalten ist schon besser. „Was sie gehalten hat“ – am besten.

Trotz aller Ausflüchte und Versuchungen sich in Wohlstand und Glück einander aufzugeben und das Weite zu suchen. Die Einsamkeit auszuloten als Existenzgrundform der Post–Moderne.

Ja, was hat sie zusammengehalten? Der Glaube?

Die Grundform aller Bedürftigkeit nach Gott und dem Heiland der Welt. Damit wir froh werden und bleiben können.

Wo ist ihnen der Glaube geschenkt worden.

Oder genauso gut: bewusst geworden – eine Gottesgabe zu besitzen.

In der Baptist Church. Nebenan in der großen Stadt New York.

Das werden sie nicht vergessen, wenn sie deutschen Boden betreten und die Mutter von Oliver am Kai steht und winkt. Henry, der Amerikaner aus Magdeburg und seine Frau werden ihnen helfen.

Wenn sie die Welt nicht verstehen, werden sie ihn anrufen.

Aber jetzt ist erst einmal die Überfahrt. Oliver und Anne und das Meer und Sophie. Sie wird sich wundern, wenn die Schiffsfahrt zu Ende gegangen ist und die Freiheitsstatue nicht winkt und Amerika nicht der Strand heißt, sondern ein Land, welches sie nicht kennt.

Gut, dass sie nicht die Einzigen sind, die Kinder mitgebracht haben, so dass sie zusammen spielen können auf dem riesigen Deck, wenn die Sonne glänzt über den Wassern. Und die Gischt eine Schönheit ohne Schrecken ist.

Das sind die Eindrücke, die gesund werden lassen an Leib, Seele und Geist.

21

Er erzählt seiner Frau an einem sonnigen Nachmittag auf Deck, dass er ein Tagebuch gefunden hat.

Sie: „Ein Tagebuch?“

Er: „Ja, ein Tagebuch.“

„Kannst du mir das zeigen?“

„Ja, sicher… aber ich habe es nicht bei mir – so etwas kann man nicht einfach mit sich herumtragen auf solch einem Schiff. Dann kommt der Sturm und weht es mir aus der Hand. Und es ist nicht einmal meins, sondern das eines russischen Soldaten, der kämpft auf russischer Seite in dem gegenwärtigen Krieg… weswegen wir ja auch Amerika verlassen um uns zu vergewissern: Deutschland ist unsere Heimat. Oder?“

„Eben.“

„Hast du es gelesen?“

„Ich traue mir das nicht“. Schweigen.

Nur das Plätschern, dass sie nun schon wochenlang begleitet um zur Ruhe zu kommen.

Dann sie, die Mutter, die voll in der Verantwortung steht, sonst hätte sie ihren Mann ja nicht zurück geholt aus dem Dickicht der Selbstfindung, der literarischen Exposees und Kostproben, veranstaltet von einem gutgelaunten Prekariat, welches sich in den Dienst der Nation stellen wollte nach dem Motto: Wir dürfen es uns von der Seele schreiben. Dann geht es uns besser und dem Volk auch. Und sie kommen auf keine dummen Gedanken.

Alles in dem Grünen Salon.

Also sie:

„Ich glaube, wir müssten das melden, damit der Besitzer sich melden kann nach einer entsprechenden Bekanntmachung“.

„Ich wollte genau darüber mit dir sprechen.“

„Ja, dann tu das. Und dann werden wir weitersehen. Ob der Tagebuchschreiben sich dazu bekennt. Ich bin schon neugierig in diesen Zeiten… Und russischer Soldat? Hier mitten auf dem Ozean zwischen den Welten.

Das Kind spielt wie die Weisheit auf den blank gescheuerten Dielen.

22

Eine Traube in der Nähe der Theke im großen Saal der Gesellschaft vor einem Aushang. Was erregt die Neugier der Reisenden? Ein Aufruf wie zu Zeiten der Revolution in ziemlich großen Buchstaben.

TAGEBUCH GEFUNDEN VON EINEM RUSSISCHEN SOLDATEN! DER BESITZER MÖGE SICH BEI :::::::::::::::::::::: MELDEN HANDYNUMMER :::::::::::::::::::: ODER BEI DER LEITUNG DES SCHIFFES!

KULTUR UND ORGANISATION „PAX AMERIKA“ ES LEBEN DIE NATO UND

IHRE FRIEDLIEBENDE VERTEIDIGUNG DER FREIHEIT UND DER DEMOKRATIE.

UNTERSCHRIFT

::::::::::::::::::::::::::::

Ein Getuschel und Gewispere in allen möglichen Sprachen, fast wie das Rauschen des Meeres. „Gut, dass kein Sturm ist, sonst hätten wir ganz andere Sorgen,“ sagt eine Dame im Rollkragenpullover. Alle drehen sich nach ihr um. Und schauen sie mit giftigen Blicken von oben bis unten an.

Auch die Männer.

Gerade die.

23

Es hat sich niemand gemeldet auf den Aushang hin. Oliver liest sich fest in dem Tagebuch, welches er gefunden hat. In einem Schiffswinkel.

Der geübte Agentenblick hat es entdeckt.

Jetzt hockt er in seiner Kabine neben der Kabine von Anne und ihrem Kindchen Sophie.

Aus dem Tagebuch:

Im Februar 2022 rücken russische Truppen vor bis an die Grenze Kiews. Biden fragt an, ob er einen Hubschrauber schicken soll, um Selenskyi zu evakuieren – und seine Familie.

Selenskyi lehnt empört ab und will kämpfen.

Die Ukraine ist ein selbständiger Staat und der Angriffskrieg Russlands ist in keinster Weise gedeckt durch das Völkerrecht. Im Gegenteil: weite Kreise der politischen Klasse werden fordern, dass Putin vor dem Internationalen Gerichtshof erscheinen muss. Allen voran Selenskyi, der gewählte Präsident der ukrainischen Republik.

Angeblich gibt es Verhandlungen in Istanbul bei den herausgekommen sein soll: ein Verhandlungsfrieden.

Der Vormarsch wird gestoppt und Kiew ist vorläufig außer Gefahr. Die Bilder von Butscha gehen um die Welt und alle schlimmen Dinge russischer Kriegsführung fallen den Kindern der Soldaten im Zweiten Weltkrieg wieder ein. Wenn man sie nicht davor bewahrt hat.

Aber das war wohl gar nicht möglich.

Aus dem ethnischen Konflikt wird ein antikommunistischer Konflikt heraufbeschworen. Das ist sträflich und vollkommen unangemessen.

Als Bürgerrechtler sage ich NEIN dazu. Das ist eine Fälschung. Europa muss das wissen. Den Amerikanern kann man es kaum übelnehmen. Sie kommen von der Freikirche her und es gäbe sie ohne die Große Erweckungsbewegung im 18. Jahrhundert überhaupt nicht.

Pax america.

Pax sowjetica.

Die Sowjetunion gibt es nicht mehr. Amerika gibt es noch.

Wird Amerika seiner Verantwortung als Supermacht gerecht? Nein.

Als Ordnungsmacht? Nein.

Die religiöse Komponente in dem Konflikt Ukraine/Russland wird ausgeblendet. Beziehungsweise – und das ist noch viel schlimmer – sie muss ausgeblendet bleiben, weil der säkularisierte Westen so stolz auf seine Trennung von Staat und Kirche ist, dass er v e r – blendet ist und nicht mehr in der Lage ist, die andere Seite zu sehen. Wer keine Religion hatte, konnte Russland nie verstehen. Das ist ein Unglück für die Beziehungen des wiedervereinigten Deutschlands zum größten Land der Erde. Vor allen Dingen paradoxerweise für den Osten des Landes/DDR mit ihrem diktierten Atheismus – selbstredend hervorgegangen aus der Diktatur des Proletariats. Lebensgefährlich: das alles zu vergessen. Und sich rückhaltlos einer Macht anzuschließen, die überhaupt nicht von europäischen geschweige deutschen Interessen ausgeht.

Es ist wie mit den muslimischen Flüchtlingen.

Helfen können nur die, die selber wissen was Glaube bedeutet. Sonst gibt es kein Verstehen.

Nur Politik.

Und Politik ist Geld.

Das kann gute Politik sein und schlechte.

Ich zitiere die TAZ: Putin will kein Weltreich zurück. Er möchte einen Nationalstaat. Ich finde, dass ist sein gutes Recht. Dann erst kann man sehen, so aber geht es nicht. Damit es aber so nicht geht, hätte vor dem Einmarsch gehandelt werden müssen.

Verantwortungsbewusst ohne machtpolitische Hintergedanken. Das ist nicht geschehen.

Mitleidlos.

Die Vorgeschichte wird ausgeblendet. Der Bundestag wird ausgeblendet.

Wie froh wir waren, dass niemand Atomwaffen bekommt, der sie nicht bekommen darf. Wir waren froh, dass jemand sich darum gekümmert hat.

Der Westen hat versagt in Folge, wie in SUEZ – ÄGYPTEN. Wie in Ungarn.

Wie in Deutschland 1953 am 17. Juni. Um des Friedens willen.

Und jetzt?

Sie wissen nichts vom heiligen Russland. Hoffentlich haben sie wenigstens Rilke gelesen und Barlach angeschaut.

Und Tolstoi?

Sie haben die Ökumene außer Kraft gesetzt, wo es gerade auf sie ankäme.

Gott sei Dank hat im Ökumenischen Weltrat niemand auf die Stimmen gehört, die forderten, die ROK auszuschließen.

Kyrill ist vom Teufel“.

Er muss ausgeschlossen werden.“ Feige (Bischof in Magdeburg) sagt: Kyrill kann gar nicht anders, weil es um das Heilige Russland geht. Dafür fühlt er sich verantwortlich.

Die Orthodoxe Kirche betet sogar für den Teufel, den gefallenen Engel.

Verstehe ich auch nicht auf Anhieb, aber macht mich nachdenklich wegen unsres Fausts, dem Himmelssaal, wo er auftritt, der Versucher, der Diabolus, der Durcheinanderbringer und Mephisto wird auf Erden.

HA SATAN.

Ich sah den Satan vom Himmel fallen.

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg.

Schonung. Verschont bleiben. Nicht hundertfältig vergewaltigt worden sein von ganzen Kompanien, die mit Heißhunger nach Todesangst und der Gier zu leben sich auf jede Frau stürzten wie auf den Feind, um ihn zu vernichten. Wie schön ein Bild von einem Westberliner Filmmann, das eine junge Frau zeigt, die vorübergeht. Ein Spalier sitzender fröhlicher Soldaten in sowjetischer Uniform. Worauf sitzen sie? Auf den Trümmerresten mitten im zerstörten Berlin. Charmant. Ein schönes Bild.

Und Butscha? Der Zweiten Weltkrieg? Der Sieg? Das Hissen der Fahnen? T-34. Unbesiegbar. Kalaschnikow.

Ostpreußen. Die Nackte, die ans Kreuz genagelt wird. An das Scheunentor.

Im Kleingarten in Berlin.

Dann sterben sie.

Leichtsinn, nicht zu wissen, mit wem man es zu tun hat.

Mit dem Tier in uns immer.

24

Anne schüttelte sich, nachdem sie auch die fliegenden Blätter überflogen hatte, die OLIVER seiner Frau weiter gegeben hat mit der Bemerkung: „Schau doch einmal hinein, damit du dich an die alte Welt gewöhnst.“

Er hatte es nicht ausgehalten und an ihre Kabinentür geklopft auf die Gefahr hin, dass Sophie schläft und Anne zornig wird, wenn sie wach wird durch sein Klopfen. Aber hier ging es ja auch um die Zukunft von Sophie.

Sie kam in seine Kabine, um zu lesen.

Oliver ließ sie in Ruhe und ging in Annes Kabine.

„Wie wird es werden“- fragt sie sich in der Kabine, als ihr klar wird, dass die Welt nicht nur aus den Vereinigten Staaten besteht, auf die sie sich so gefreut hatte und dort Oliver kennen gelernt hat , ihren Mann und mit ihm zusammen eine Familie gegründet hat im Vertrauen auf ihre innere Stimme und im Gespräch mit ihrer Familie zu Hause und mit der baptistischen schwarzen Gemeinde, wo sie und Oliver sprechen gelernt haben über Glauben, Liebe und Hoffnung. Und dass sie überhaupt einen haben: GLAUBEN. Und Liebe, viel Liebe.

Sie musste nach oben, das Meer sehen, den Himmel, die Sterne.

Es war längst dunkel über dem Meer und ein leiser Nachtwind machte deutlich, dass wir auf einer Erde leben. Ob in Russland oder Amerika, Deutschland oder Indien, China oder Afrika. Südpol. Nordpol, Australien.

Sie geht die Schiffstreppe unruhig hinunter.

„Wie wird es werden“- fragt sie sich wieder und immer wieder in der Kabine ihres Mannes – als ob er es hören sollte.

Ausschnitt aus dem Buch DANACH, erhältlich bei Michael Wohlfarth mail:michael.wohlfarth@t-omline.de

Bild, englischer Maler in Altenburg

DANACH UND SEINE VORLÄUFER: Ach Dostojewski; America; Der Grüne Salon. In allen Buchhandlungen.

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Predigt

Liebe Gemeinde, alles hat seinen Ort.

Zum Beispiel gibt es im Neuen Testament den Ort des Berges, von dem aus Jesus wirkt. Zuerst denke ich da jedenfalls an die Bergpredigt, die berühmteste Predigt der Christenheit überhaupt. Der Berg – der Ort der Seligpreisungen und der Überspitzung all dessen, was wir denken wollen und können: die Feindesliebe. Liebet Eure Feinde steht da tätsächlich im Evangelium des Matthäus. Das haben wir weniger vorgelesen in unseren Fürbittandachten wärend der Friedensdekade des Schicksal-Herbstes 1989. Wir haben die Seligpreisungen gelesen wie auch zum Reformationstag. Feinde gab es nicht. Haben wir gesagt.

Natürlich gab es sie auch, aber wir haben sie nicht so genannt. Aus taktischen Gründen, wenn man so will. Wir wollten ja alle eine Friedliche Revolution, deren wesentlicher Auslöser die vom sozialistischen Staat unabhängige Kirchliche Friedensbewegung war. Eben festzumachen an der DEKADE. Den 10 Tagen für den Frieden. Freiheit war damals auch erst einmal tabu, um keine schlafende Hunde zu wecken. Selig sind die, die Frieden stiften, das genügt. Dachten wir. Und für damals reichte das auch.Es war alles, wenn auch riskant so doch sehr konstruktiv, könnte ich jedenfalls im Rückblick nach 36 Jahren sagen, einem halben Menschenleben.

Und Heute?- heute hier in dieser Kirche zur Eröffnung der Friedensdekade 2025 in Müggelheim?

Der Ort in der Bibel ist ein anderer: ein Feld. Der Berg war zum Ruhe finden, zum Gebet, zur Berufung der Jünger mit Name und Adresse. Aber die Predigt fand auf dem Feld statt. Vielleicht sogar ein weites Feld, vielleicht so groß wie ein Schlachtfeld, oder so klein wie das Stück Land in dem der Schatz liegt um dessentwillen jeder, der es weiss, dieses Feld kaufen würde.- Das muss ein großer Schatz sein. Ist es auch, jedenfalls einBild dafür: Das Himmelreich, die baseleia theou. die mögliche Liebe untereinander im Namen Gottes, des Allmächtigen und Barmherzigen, der die Welt geschaffen hat und sie erhält, wenn wir nach seinen Geboten leben und handeln in der Nchfolge seines Sohnes Jesus Christus.

Es war ein großes Feld, denn viele waren gekommen vom Meer, aus Judä und Jerusalem, sehr viele, denn sie wollten alle gesund werden an Leib, Seele und Geist. Sie wollten ihn berühren, denn von ihm, dem Christus, XRESTOS, ging ein Kraft aus. Das spürten sie. Und die anderen waren auch da, die mit hinunter gekommen waren vom Berg, wo sie sich gesammelt hatten und berufen wurden.

Ja, alle haben die FELDPREDIGT GEHÖRT. Das Feld war der Ort. Das weite Feld. Vielleicht das Schlachtfeld. Oder einfach das Feld auf dem gesät und geerntet wurde. Da werden sie selig gesprochen, die Hungrigen, die Weinenden, die Verfolgten um des Herrn Jesus willen. Sie sollen satt werden, sagt er ihnen, lachen und eine Zukunft haben.

Und dann das, worüber wir nicht gepredigt haben damals vor jeder Demonstration: Liebet Eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen, segnet, die euch verfluchen, bittet für die, die euch beleidigen. Seid so zu den Leuten, wie ihr wollt, dass sie zu euch sind, Haltet die GOLDENE REGEL!

Heute tun wir das. Jedenfalls ich. Sie sicher auch, angesichts nicht nur der Weltlage, sondern angsichts der nächsten Generationen, die auf uns zukommen und die Zukunft haben sollen. In einer Zeit. wo ein tiefer Riss durch die Gesellschaft geht, auch vor den Gemeinden nicht halt macht, wo wir alle den Heiland suchen, der u n s anrührt, damit wir gesund werden an Leib, Seele und Geist. In der Vielfalt der Meinungen, in der Diversität der Haltungen im Leben und im Sterben.

Und damit der Rote Lautsprecher auf dem Plakat der diesjährigen Friedensdekade Worte des Friedens findet und nicht des Hasses, mehr noch, Worte, die in der Lage sind Frieden zu stiften, Verhandlungen zu befördern und nicht zu behindern. Dass der Chor des Friedens anschwillt, nicht zu einem Bocksgesang, sondern zu einem Weckruf, aufzuwachen und bei sich selber anzufangen, Recht zu schaffen, Bitte, Gebet und Fürbitte zu üben, dass wir wieder lernen zu vergeben und nach Wegen des Friedens zu suchen, damit wir leben können.

Der Evangelist Lukas, der Evangelist der Weihnachtsgeschichte, wie wir sie lieben und kennen, legt uns die Worte in den Mund, damit wir mit ihnen beten können und den Dreieinigen Gott anrufen können: Herr erbarme Dich in aller Ungewissheit und gib uns ein feste Herz und einen gewissen Geist. Er bringt uns den Tenor bei, in dem wir reden sollten. Nicht Hetze und Kriegsgeschrei, sondern Barmherzigkeit mit uns selber und mit unserem Nächsten. In der Nähe und in der Ferne.

Dazu helfe uns der Herr über Leben und Tod, der Erlöser von all unseren Sünden, Jeus Christus, der sich um des Friedens zwischen Gott und dem Menschen und den Menschen untereinander dahin gegeben hat und der Heilige Geist, der uns führen wird in allen Lebenslagen, wenn wir ihn darum bitten. AMEN.

Predigt für den 9. November* 2025, Text Lukasevangelium Kapitel 8, 27-38

*Tag der Erinnerung: Novemberrevolution 1918, Progromnacht in Deutschland 1938, Öffnung der innerdeutschen Grenze 1989.

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Bellizisten… zwei Kapitel weiter… aus DANACH

1.Buch, KAPITEL 15 fortgesetzt Michael Wohlfarths Blog lt.EINTRAG DANACH(https://kaparkona.blog) bis einschließlich Kapitel 17

Aus D A N A CH von Michael Wohlfarth (Privatdruck), bei Interesse Bestellung über michael.wohlfarth@t-online.de, Preis 20.-Euro incl. Porto.

„…Verherrlicher des Krieges“.

„Der Krieg, der Vater aller Dinge“.

„Mein Kampf“. – Ein Stimmengewirr sondergleichen.

Unheimlich.

Das war der wahre Grund, warum der Spezialagent Oliver Thielemann zurückwollte nach Europa, nach Deutschland. Er konnte nicht von ferne zusehen.

Anne teilte seine Ansichten und meinte auch, dass die Deutschen erst noch lernen müssten, sich selber zu bestimmen. „Sie können nicht ihre Interessen definieren“. Das richtet großen Schaden an (von Dohnanyi).

Selbstbestimmung.

Das, was sie dauernd für andere Völker und Ethnien einforderten. Marionetten brauchen wir nicht, sagte sie immer und ihr Mann wunderte sich über seine Frau. Er meinte immer, mit Politik habe sie nicht viel zu tun.

Es klang eigentlich ganz natürlich. Sowohl wie Oliver sich ausdrückte als auch seine Frau.

Anne war wach geworden durch das Erlebnis mit dem Grünen Salon und der Sehnsucht ihres Mannes nach mehr als Business im Rahmen der amerikanischen Möglichkeiten. Vielleicht war es auch eine Sehnsucht nach Heimat und Sprache, die man die Muttersprache nennt. Nicht ohne Grund. Sehnsucht nach der Mutter, die er kaum kannte. Eigentlich gar nicht kennen konnte.

Ein Bodelschwingh-Bild: „Weihnachten ist nach Hause kommen“.

„Die Feste wieder feiern wie früher. Kindheit, Jugend. Karfreitag, Ostern, Pfingsten.

Weihnachten. In der Familie“. So haben sie gesporchen.

Familie? Die kleine Familie. Ja, die haben sie. Anne auch die große Familie. Aber Oliver? Familie, wenn es sie auch gar nicht gibt.„Ist das die Lösung?“„Ja, gerade diese Familie, die es gar nicht gibt, ist die Lösung. Die Weihnachtsfamilie. Maria und Josef. Das Kind in der Mitte. Es ist paradox. Die Paradoxie des Glaubens“. Henry predigt wieder.

„Weihnachten ist, wenn wir nach Hause kommen“. (Friedrich von Bodelschwingh)

„Werden wir ein zu Hause haben. Sind wir eine Familie?“ Das sind die Gedanken von Anne und Oliver.

„Wir gehen zurück“, sagten eines Tages Oliver und Anne zu Lissy und Henry, nachdem sie tagelang und nächtelang über alles gesprochen hatten, was es zu sagen gab.

„Lasst und aufbrechen, nicht in die Zukunft aber dorthin, woher wir gekommen sind“, sagten sie zu sich selber.

Und sie brachen alle Zelte ab, die sie mühsam errichtet hatten, liefen tausend Wege, um an das Ziel zu kommen. Der Arbeitgeber musste überzeugt werden. Die Kollegen besänftigt. Ein paar riefen VERRAT. Aber schließlich soll man Reisende nicht aufhalten, auch wenn sie nur zurückwollen. Bleiben ist etwas anderes. Die Schiffskarten mussten gelöst werden. Sie wollten wieder so gehen, wie sie gekommen waren. Jedenfalls Anne. Oliver nicht. Der flog gerne und wäre auch gern zurückgeflogen. Aber Anne wollte die Wellen des Ozeans.Sie wollte getragen werden. Und Sophie nahmen sie zwischen sich: Engel, Engel: flieg. Das Kind geboren im Staate New York.

Es gibt eine Umkehr. Wie wenn ich auf Gebirgstour bin. Nein kein Gewitter, bei dem ich rennen muss, um eine Hütte zu finden oder den Berg hinunter in das Quartier, wenn das noch geht und dich das Unwetter nicht überrascht hat am Hang. Noch schlimmer am Fels.Es gibt eine Umkehr. Ein besseres Beispiel: Du siehst die Spitzen der Wipfel unter dir und schaust weg, damit du keine Zustände bekommst und die Angst wie ein Habicht über dir kreist. Und dir fällt Sören Kierkegaard ein, der Däne. Du bist tapfer und gehst weiter. Auf dem schmalen Weg. Dann wird es eine Gratwanderung und dir begegnen frohgemute Leute mit ihren Stöcken.Du erkennst dich selber und weißt, in dem Stil kommst du nicht über die Berge.Selbst wenn deine Frau bei dir ist, schämst du dich nicht und kehrst um. Das ist nicht nur eine vernünftige Überlegung.Wer nicht umkehren kann, begibt sich in Gefahr.Er versündigt sich gegen sich selber.

„Risikogesellschaft. Ich möchte nicht grundsätzlich werden. Aber Umkehr predigen, wenn es sinnvoll ist. Und natürlich ist. Keine Gewalt. Auch nicht gegenüber sich selbst“.Dieses waren die Worte des Predigers und Seelsorgers Henry aus Magdeburg, der in Amerika bleibt.

Er hatte sie gesprochen vor der Wende in der DDR. Von der Kanzel. Vom Pult. Niemand hat ihm an der Kirchentür gesagt, dass die Predigt schlecht war. Sie war gut. Das spürte er. Und auch seine Frau, auch aus Magdeburg. Eine Amerikanerin, mit der er dann wirklich auswanderte in die Staaten, nachdem alles vorbei durch die Wende.

Und nun? Die neue Wende, die angekündigt wird durch den derzeitigen Bundeskanzler: der Krieg mit Russland. Russland, einst die große ruhmreiche Sowjetunion, die den Krieg nicht den 2.Weltkrieg nennt, sondern den Großen Vaterländischen Krieg, der aus Popen Jagdflieger und Panzerfahrer machte, denn die die große ROK steht naturgemäß nicht dem Staat gegenüber. Nein, sie ist der Staat, sein innerstes Wesen. In Harmonie, so eine Theorie aus den ersten Jahrhunderten des Christentums. Die ersten Christen waren Orthodoxe. Naturgemäß. In Bethlehem gibt es orthodoxe Christen, schon immer. Die Spaltung kam in der Entwicklung. Ost und West entfremdeten sich. Die einen wurden Rom. Die anderen blieben Konstantinopel, später Kiew und Moskau. Den Bussgang von Canossa kann man sich im Osten nicht vorstellen. Aber in der Lateinischen Welt! Immer.

Im Kommunismus war das auch so? Nein, mehr wie eine Wolke aus der Zarenzeit/Kaiserzeit. Wie eine Vergangenheit, die wirkt… Strukturell ist es aber doch so vorangelegt, auch im Sozialismus. Gerade im Stalinismus, als der Georgier die Kirche, seine Kirche, wiederentdeckte, nachdem er in seiner Datsche von Hitler überrannt wurde an der völlig instabilen Grenze. Da hieß es plötzlich nicht mehr Gesellschaft, sondern Volk. Die Grenzen waren heilig. Der Krieg auch. Und sie gewannen ihn. Die Russisch-Orthodoxe Kirche mit. Es musste den Machthabern sehr schlecht gegangen sein durch den Überfall auf die Sowjetunion. So schlecht, dass die Ehen nicht mehr so einfach aufgelöst werden konnten mit einer Postkarte an das Bürgeramt – würden wir in Berlin heute sagen. Oder an den Dorfbürgermeister.

Und die Kirche hat nur darauf gewartet, wieder ernstgenommen zu werden.Es ging um Tod und Leben. Nicht um gemütliche Nachmittage oder sangesfreudige Gruppenabende. Es ging darum, dass der Staat erhalten geblieben ist. Es ging um Russland – auf einmal wieder. Es ging um die Auferstehung Christi. WOSKRESSENIE. Die Auferstehung Russlands, falls es unterzugehen trachtete durch Selbstzerstörung und Ohnmacht.

Die Auferstehung Polens auch! Weißt Du das? Deshalb waren und sind die Kirchen so voll. Die Auferstehung Süd-Amerikas.

Gerade weil ein Bischof während der Austeilung der HOSTIE aus nächster Kommunikantennähe erschossen wurde im Freiheitskampf. Weißt Du das?

Die Vereinigten Staaten haben sich so herausgebildet in der Großen Erweckung.

Es ging um das, was einen Staat zusammenhält. Was ein Volk ein Volk sein lässt. Eine Ehe eine Ehe.Es geht immer um das EINE Gemeinsame. Sonst geht es nicht. Weisst du das? Haben wir das vergessen?

Ja, wir haben Rilke gelesen und von seiner Reise in das Wohnzimmer des lieben Gottes gehört. Von Barlach. Wir haben Bondartschuks Filme gesehen und geahnt: Die Erde ist Gottes und gehört nie irgendeinem Grundstücksspekulanten. Sonst ist es aus. Die Chöre.Aber die rostigen Schiffe auf den Wellen der Ostsee. Wann gehen sie unter? Die furchtbaren Bilder der Frauen, die vergewaltigt werden, weil Menschen zu Tieren werden und sich Grausamkeiten angewöhnen.Die Bilder des Zweiten Weltkrieges, den die Russen den Grossen Vaterländischen Krieg nennen, damit sie ihn gewinnen konnten.

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Er blieb, Henry. Und konnte gar nicht zurück.

Aber er gab seinen begründeten Segen dem Oliver und der Anne mit ihrem Kind, als sie aufbrachen in die deutsche Vergangenheit, um dort zu bestehen und nicht auseinanderzudriften mit den gegenseitigen Beschuldigungen in ihren gequälten Herzen. Weil ihnen die Heimat fehlte. Die Erinnerung. Henry ihr geistlicher Vater blieb. Sie gingen zurück. Wie auf dem zu hohen Berg und dem zu schmalen Grat. Es war eine Frage des Überlebens.

Henry hatte in einer seiner Predigten das Beispiel aus dem Gebirge mit seinen unabwägbaren Wanderwegen gewählt in seiner flach- und tiefgelegenen Heimatregion Magdeburg. Das haben die Leute trotzdem verstanden und keinerlei Frömmelei dahinter vermutet. Er konnte das auf der Straße erzählen u n d auf der Kanzel. Es stimmte überall. Und es traf … in einer Zeit… in der Vorsicht geboten war. Jetzt auch. Wie weit traust du dich hinaus zu gehen? Wann ist es besser umzukehren und das Gleichnis vom verlorenen Sohn zu erzählen und zu hören! Von den Dirnen und den Treben. Von den Sündern und Gerechten.Wann ist die Zeit dafür?Umkehr. METANOIA.

„Unseren gefallenen Helden im 2. Weltkrieg, 1945“. Der Schaukasten hängt an der Kirchenmauer einer bayerischen römisch-katholischen Dorf-Kirche, nahe der Grenze zu Österreich (Salzburg).

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Es ging auch um die Mutter von Oliver. Sie war ein Rätsel. Sie wollten auch deshalb in ihrer Nähe sein. Keine allzu große Zuneigung gab es da von Annes Seite aus gesehen. Aber Solidarität.

Wenn jemand entwurzelt ist, ist er besonders gut zu manipulieren. Auch zu regieren, sage ich mir (schlag nach bei Simone Weil im Blog).

Die Wurzeln von Oliver liegen in Deutschland. Deswegen will er zurück, da wo seine Mutter lebt. In Frankfurt am Main. Seine Mutter hat sich dort nach ihrem Zuchthausaufenthalt und dem Amerikabesuch bei der Familie ihres Sohnes eingemietet, um ihrem Auftrag gemäß von dort aus ihren Pflichten als Spionin nachzukommen. Ihr Auftraggeber hatte sich für ihren Lebenslauf interessiert, der abenteuerlich genug war, um politisches Kapital daraus zu schlagen – so das Dossier, welches ihrer Einstellung zugrunde lag. – So wie die Dinge auch bei Oliver lagen.Geheimdienstliches Kapital kann man ganz neutral sagen. Die Russen hätten das ebensogut gesagt. Oder die Franzosen, die Engländer.

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Mit den Russen wollte sie nichts zu tun haben. Abgesehen davon, dass sie längst ausser Landes waren und mit Maus, Mann und Kegel in den Steppen ihres riesigen Landes abgeladen wurden nach der Friedlichen Revolution in der DDR. Man sagte, mit Unterstützung von Helmut Kohl und seinen Milliarden. Eigentlich ein dunkles Kapitel und auch nicht vorstellbar. Jedenfalls für mich nicht, den Schreiber dieser Zeilen. Ich weiß es noch genau: Jugendliche haben in diesen heißen Zeiten Plakate im Übermut der Revolution geklebt, auf denen genau das zu lesen war: sie gehen. Ein Jahr später ist es passiert. In Wirklichkeit. Wir haben getanzt mit den Frauen der Offiziere in unserer Kaserne des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Altenburg in Ostthüringen. Beziehungsweise mit den Offizieren die Frauen unserer Bewegung.- Manche haben geweint, hat mir eine Pfarrerin in Berlin erzählt, deren Gemeinde nahe an dem Wald gelegen war, in dem die Pioniere in der DDR ihre hauptstädtischen Feste feierten: WUHLHEIDE.

Als wir noch in Berlin-Mitte wohnten, in tiefen Sozialismuszeiten, 8 Jahre nach dem Mauerbau, haben wir aufmüpfig: Schwul-Heide formuliert. In der Zeit der sehr kurzen Röcke, selbst zu Hochzeiten als Aufstand und Anpassung zugleich: Aufstand gegen Ulbricht aus dem tugendhaften Sachsen, wo die schönen Mädchen wachsen. Und Anpassung an das Westradio und das Westfernsehen, wo uns alle möglichen und unmöglichen Moden gegen Karl-Eduard von Schnitzler zur Begeisterung für die Freiheit animierten. Ja, ja, es war alles etwas animalisch. Anima – die Seele und das Tier Animus. Der Bazillus flog – und die Klänge vom Waldstadion herüber zu uns in den Osten. Von Woodstock ganz zu schweigen. Aber die BEATLES waren die BEATLES für viele, ganz viele.

Manche haben geweint wegen der Russen.„Sie taten uns leid,“erzählte sie.

„Sie standen in ihren Paradeuniformen am Waldesrand von WUHLHEIDE und säumten die Allee, die hinein nach Berlin führt. Zur Verabschiedung. Jeder konnte jedem die Hände drücken und Blumen überreichen“.

„Wie lange haben wir zusammengelebt.“

„Wie waren wir durch unser Schicksal zusammengeschweißt.“

„Wie russisch sind wir geworden.“

„Die Literatur.“

„Die Musik.“

„Und das Größte: Ballett. Nussknacker. Dornröschen“.- Jeder konnte dazu etwas sagen.

Zum regelmäßigen Tag der Versöhnung im Januar in Landsberg an der Warthe, meine Geburtsstadt, jetzt GORZOW, jenseits der Oder, in der so genannten Neumark. Kadetten der in den unmittelbaren Nähe von Gorzow gelegenen Kaserne (Ausbildung) legen zur Erinnerung Kränze nieder für gefallene polnische und sowjetische Soldaten.

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In Altenburg in Thüringen haben die Leute erzählt, wie sie Schreie gehört haben hinter den Mauern der Kaserne. Schreie von Frauen.

Die Landbewohner haben Essen gebracht, wenn der Russe an der Ecke des Fachwerkhauses saß am Straßenrand der alten Heerstraße auf dem Fuchsberg bei Crimmitschau. Er konnte sich nicht melden mit seinem Feldtelefon. Aber er konnte Befehle empfangen. Er wartete auf den Durchmarsch der Kolonnen während der Übung. Die Befehlshaber wussten, dass die Frauen ein mitleidiges Herz hatten und den jungen Männern, die ihre Söhne hätten sein können, Essen bringen, damit sie nicht verhungern oder Schlimmeres angefangen hätten: nämlich zu stehlen.

Diese alte Soldatenregel: Das Land ernährt euch, wenn ihr es erobert.

Sie hatten es ja erobert beziehungsweise ausgetauscht mit den Amerikanern, damals.

Das war aber eine Ausnahme: Thüringen, Sachsen zum Teil.

Dort wurden schließlich die Männer erschossen hinter den Kasernenmauern, die immer noch vergewaltigten und sich das nicht abgewöhnen konnten, was man ihnen mindestens gestattete wenn nicht befohlen hatte, wie einige Untergrundmuseen das belegen wollen und behaupten.

Vergewaltigung als Strategie wie bei den Fremdenlegionären. Übrigens, selbst der Kriegspremier des Königreiches und Weltreiches England soll solche Dinge für möglich gehalten haben.

Nicht nur Stalin.

Schicksal.

Das alles verbindet.

Es hat eine Geschichte, was die Eltern erzählen und die Großeltern und was ich erlebe.

Was ich höre, dass mit nacktem Oberkörper die jungen Soldaten in Deutschland Gräben ausheben und der Unteroffizier schlägt zu mit der Peitsche, wenn sie sich ausruhen wollen.

Zur Unzeit.

Natürlich haben wir Dostojewski gelesen, um besser zu verstehen. Oder wir haben plötzlich verstanden.

Das große Mitleid.

Das große Verbrechen bei den Helden um Sonja im Raskolnikow–Roman.

Unsere Eltern haben sich abgefunden und trösten lassen. Manche sind weiter geflohen. Immer weiter. Nach Westen. Sogar viele.

Bis zuletzt.

Der Sog war unwiderstehlich.

Wir haben uns nicht mehr trösten lassen, wir haben den Sender gepeilt – WEST.

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Der Text beinhaltet ein Gedicht gegen den Krieg von Werner Bergengruen, einem Dichter aus Ostpreußen.

In Vorbereitung für die Friedensdekade 2025. Busstag. Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag (Totensonntag).

Ein Gottesdienst zur Eröffnung der Friedensdekade mit Heiligem Abendmahl findet am 9. November um 10.00 Uhr in der Dorfkirche zu Berlin-Müggelheim statt. Herzliche Einladung dazu. Vielleicht sehen wir uns ja. Das Thema des Gottesdienstes, die Spitzenmeldung der Bergpredigt JESU: LIEBET EURE FEINDE...

Hinweis: Lesung aus dem Vorgängerbuch zu DAMALS:“ACH DOSTOJEWSKI – IN DEN HÄUSERN DES LEBENS UND DES STERBENS“ JETZT SCHON VORMERKEN 18.August 2026 in der Gedenkbibliothek für die Opfer des Stalinismus. Beginn 18.00 Uhr im Lessinghaus/Nicolaiviertel Berlin.

Mit freundlichen Grüßen zum Reformationstag am 31.10.2025 Michael Wohlfarth

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Jürgen Habermas

Ich lese, dass der Vater aller derzeitigen lebenden Denker in Deutschland, zweite Generation Frankfurter Schule, Jürgen Habermas, Pfarrer und Pfarrerinnen daran erinnert, wozu sie eigentlich da sind. Nämlich das Wort Gottes zu verkündigen, damit die Leute es hören und verstehen. Dann können sie es auch beherzigen.

Gerade dann ist die Welt in Gefahr, wenn das Christentum sich nicht mehr als Religion begreift mit all den Zumutungen, die eine Religon so in sich birgt. Das ist das Risiko.

Das Risiko ist aber um ein Vielfaches größer, wen man meint, man müsse dieses Risiko umghehen und könne den Menschen nicht mehr zumuten, das Glaubensbekenntnis ihrer Kindheit und Jugend, ihrer Eltern und Großeltern „nachzubeten“. Denn dann ist Leere und Ödnis, ja Wüste, die so viel heraufbeschworen wird, in der religionslosen Apokalyptik. Schlimmer noch: Wodurch unterscheidet sich dann Kirche von allen anderen Wohltätigkeitsorganisationen und humanitären Einrichtungen. Der Allerweltssatz: Der Glaube stirbt zuletzt“ taugt vielleicht für einen Thriller oder Kriegsroman, aber nicht als Alleinstellungsmerkmal des Christentums.

In seiner Festschrift für einen seiner Schüler, Thomas Schmidt, glaubt er nicht, dass es genügt in irgendeiner Form die Hoffnung trotz alledem nicht zu verlieren. Da ist auch keine Reduktion von Inhalten. Reduktion gibt es nur, wenn noch etwas da ist. Es ist nichts da. Kein Inhalt. Inhaltsleer. Der alte weise Mann erklärt erst recht von links, dass es Unsinn ist an etwas zu glauben, was es nicht gibt. Die Hoffnung muss es geben in der Person Jesu Christi. Man höre und staune. Ich tue es jedenfalls und bin dankbar, dass der entscheidende Anstoß von einer Seite kommt, ja, die Hilfe, die Rettung möchte ich pathetisch sagen, von der ich es nie erwartet hätte. Ich muss mich korrigieren. Richtig l i n k s denken braucht das Gegenüber. Nicht irgend eine Idee, die auch vergeht, wenn die REALITÄT VERLOREN GEGANGEN IST. Es geht um die Realität der christlichen Verkündigung als Gegenstück zu aller Religion, die keine ist, nur eine Wohlfühlreligion, ein Dampf, ein Kosmetik-Hauch. Eine Sache zum verwechseln ähnlich mit allem, was es sonst noch so gibt. Ohne Konsequenz.

Die FAZ überschreibt ihren Artikel dazu mit:“Aufgepasst, Bischöfe.“ – In Preußen hat ab und zu der preußische König darauf geachtet, wenn etwas übertrieben wurde. Zum Beispiel mit der Freiheit oder mit der Humanität – statt christlichem Glauben. Das wäre dann sozusagen die berühmte Sache: Von oben, nicht von unten. Vielleicht sogar ein bisschen russisch.

Ich wünschte mir, heutige Herrscher würden auch ab und zu einem Bischof in s Gewissen reden und auf die Folgen aufmerksam machen, die eine falsch verstandene Freiheit nach sich zieht und i m m e r die Erniedrigten und Beleidigten letzten Endes noch niedriger macht und das Leiden noch mehr verschlimmert.

Nun, wir haben keinen König. Die Regierenden stimmen zwar einmütig ein in den Gesang: Wie wichtig sind die Kirchen. Aber sie trauen es sich nicht zu sagen wie der Philosoph. Der letzten Endes weiss, dass Philosophie und Theologie eben nicht zu trennen sind. Jedenfalls nicht, wenn es drauf ankommt. Da helfen keine Ausflüchte mehr. Ohne Jesus Christus geht es nicht. Weder die Kirche, noch die Verkündigung, gerade wenn sie menschlich sein will. Habermas traut es sich zu sagen. Ja, das Evangelium muss entmenschlicht werden, wenn es wirken soll. Mir hat ein sibirischer Bischof das so erklärt: Nichts hinzutun, nichts weglassen. So nur geht die Gratwanderung mit den Abgründen auf beiden Seiten. Das Evangelium ist von Gott. Das darf nicht vergessen werden. So würde ich das sagen. Gottes Wort! Wenn das unmenschlich ist? – Dann sollten wir ehrlicher Weise die Kirche zu machen.

Wir können nicht aus den Gerichtsworten Jesu Gute-Nacht-Geschichten machen um der Freundlichkeit Gottes willen. Auch mit den Gerichtsworten seines lieben Sohnes Jesus Christus, mit den klärenden Worten der Heiligen Schrift wird die Liebe gestiftet, die wir brauchen zum Leben.

Danke an Jürgen Habermas.

Danke an die wirkliche Philosophie, die das Denken in Gefahr sieht, wenn das Gegenstück zu aller Welt fehlt. Den Glauben in Gefahr sieht, wenn das Wort Gottes fehlt, Jesus Christus.

Das Evangelium, das keine Welthaltigkeit, von welcher Seite auch immer, benötigt, weil es schärfer ist als ein Schwert und Wirkung zeigt, wenn es verkündigt wird landauf landab. Wieder! Nicht mehr und nicht weniger als das fordert der alte weisse Mann, der ein Weiser ist von der ganz anderen Seite. Wie gut ist Gott und wie treu. Danke! Ein Weckruf!!!

Pfr.i.R. Michael Wohlfarth

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Lohengrin

Mein lieber Schwan!

Das kenne ich als geflügeltes Wort: Mein lieber Schwan, pass auf. Oder es gibt eine Verwunderung. Es kann sehr ernst gemeint sein. In einer sehr ernsten Situation, aber in einer intimen. Ein Beitrag in einem Dialog, einem Zweiergespräch. Sogar am Biertisch, einem kultivierten. Oder Wein?

All` das könnte ich von Richard Wagner sagen: Mein lieber Schwan. Du Schwerenöter, Du. Ihm scheiben in einem Brief. Als Freund. Nicht feindlich. Überhaupt nicht.

Mein lieber Schwan. Wenn er da erscheint wie die Erlöserfigur, am Theaterhimmel, über der GRAUEN SEE.

Vorher, beim Vorspiel das BERLINER BÜHNENBILD DER DEUTSCHEN OPER, wo Götz Friedrich nach seinem Übertritt über die deutsch-deutsche Berlin-Berlin-Grenze gewirkt hat mit seinem Glauben an die Oper, an das Werk schlechthin: Wir leben in Kriegszeiten, jedenfalls ungeteilt noch am 4. Oktober, dem Aufführungstermin, dem wir beigewohnt haben – so möchte ich es ausdrücken bei RICHI, wie schwärmerische Teenager, die jetzt um die 80 sind, DDR-Aktivisten an Leipzigs Bühnen im Kleindarstellerformat, es ausgedrückt haben- ihr Liebe zur Oper, besonders zu RICHI.Richi hier und da und sogar in Bayreuth nach dem Mauerfall.

Ich habe vor dem Mauerfall von Thüringen aus WAGNER GESEHEN UND GEHÖRT!!! Als Dorfpfarrer aus der WISMUTGEGEND BEI RONNEBURG IM ALTENBURGER LAND, oder war es schon Altenburg, der Stadtpfarrer, kurz v o r dem 7. Oktober und 9. Oktober 1989. Egal, kann ich sagen. Ich war begeistert von einer Wagneroper, diesmal nicht in der DEUTSCHEN OPER BERLIN, nein Staatsoper Berlin, Ost, Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik. BAROCK,BAROCK. Am meisten vom Publikum aus dem WESTEN. Noch nie erlebt, nur aus Büchern bekannt:Sie standen auf, die hinteren Reihen – und überschlugen sich vor Begeisterung.

BRAVO,BRAVO. BRAVISSIMO.

Das hätten wir uns doch nie getraut. So aus sich herauszugehen. Wie im Film.

Aber es war nicht nur das.

„Psychologie der Deutschen, ihre Tragödie, ihr Wahn, ihre Treueschwüre, ihr Reinheitsgebot. Niebelungentreue. Bis zuletzt“.

Es war eine Offenbarung innerhalb der GRAUEN DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK.

GRAUEN.

Vor der Wende, aber die Friedliche Revolution war schon längst zu Gange, untergründig, hintergründig.

Vordergründig auch.

Lesen Sie meine Stasi-Akten, kann ich da nur sagen. Wenn Sie stöbern, finden Sie etwas. Mindestens das Heft: „Altenburger Akademie“, heraus gegeben von der Leitstelle Erfurt in Zusammenarbeit mit einer Historikerin.

Das wusste ich also von Wagner, den Nibelungen. Den deutschen Heldensagen. Diesmal, 35 Jahre nach der Deutschen Einheit, ein Geschenk. Für mich und meine Frau, der Kleindarstellerin in Leipzig, der Assistentin als Praktikantin bei HERZ wärend ihres Studium vor vielen, vielen Jahren, auch in Leipzig, wo sonst. Mit gedecktem Pausentisch im Stehen. Resignation, GAZA. UKRAINE. Ein Grosser Dank an die Theater-Regie, Wagner ist THEATER, was sonst: Die herrliche Einführungsmusik. Ja, ja. Da können einem die Augen nass werden. Nass. Sie hat es gekontert. Man durfte trotzdem in` s Theater gehen. Sogar in die Oper.

Da liegen sie, die die Toten, auf der Bühne der Weltliteratur, der Weltgeschichte.

Schlachtfeld.

ANTIK.

Und wie ANTIGONE, erscheint die ERSTE am Horizont. Klagend, klagend sie und die anderen , die ihr folgen, in ganzer Breite des BÜHNENBILDES(!). Mütter, Ehefrauen. Liebste. Junge Frauen, alte Frauen. Sie schauen sich die Toten an. Ob sie sie erkennen. Ob sie es sind. Ob er es ist: ihr Mann, ihr Liebster, ihr Sohn. Manche müssen gewendet werden. Sie klagen den Toten in das geliebte Gesicht. Sie wehklagen.Die Musik spielt weiter. Der Vorhang fällt. Danke, Regie!

Dann die vielen anderen Fragen der Saga, wer wen verhext in den Schwan. Wer woher kommt. Und wer er ist. Der Graal und der Graalshüter. In der Mitte: das Gottesurteil. Jeder fleht zu Gott. Zu seinem Gott? Hilf! „Gott mit uns!“-Die Bitte auf den Koppelschlössern in den Kriegen. „Bitte hilf uns , Gott. Uns! Wir sind doch die Guten. Wir haben doch Recht. Für Frieden und Freiheit. Die anderen haben Unrecht. Sie sind nicht für die Freiheit. Sie sind Tyrannen. Das haben wir schon immer gewußt.“Mal sehen wie es ausgeht. Wir wissen nicht wer recht hat. Der König weiß es auch nicht und auch nicht sein Herold.“Unsere Weissheit ist Einfalt,“ sagt der König.Die Unterlegene Ortrud beugt sich nicht dem Gericht Gottes. Dem Gottesurteil. Weil es ihrer Meinung nach Zauberei war. Nicht ihr Gott, der das Urteil gesprochen hat!

Jetzt wird es ein Krieg zwischen Christentum und dem, was vorher war. Die Götter der Erde. Wotan. Reya. „Auf sie schwören wir“, sagt Ortrud zu ihrem Mann Telramund in seinem Elend, weil gegen ihn Recht gesprochen wurde, der Gott der neuen Religion Gericht gehalten hat. Er war der Unterlegene in dem Krieg, in dem Kampf zwischen Lüge und Wahrheit. Er lag am Boden und LOHENGRIN schenkte ihm das Leben. Welche Schande. Fluch. Fluch.

„Ich bin verflucht.“ Wie die Heimkehrer aus dem Weltkrieg. Sie haben ihn verloren. Nicht nur sie, auch der Gegner hatte ein Koppelschloss mit der Behauptung: Gott ist mit uns. In Wirklichkeit eine Bitte. Gott sei mit uns. Er war es nicht. Sondern mit den anderen. Welch ein Elend.

Da hilft nur Transparenz. Bis in s Letzte, nachdem die Beschwörerin der Götter und Göttinnen der Erde ORTRUD ELSA VON BRABANT HINEINGEZOGEN HAT IN DIE NEUGIER:Wer bist Du LOHENGRIEN? NIE SOLLST DU MICH BEFRAGEN, die Bedingung, dass er gekämpft hat für sie, die angebliche Mörderin ihres Bruders, damit sie den Thron erbt und nicht er. Das wird ihr im Auftrag von Ortrud vor dem König zur Last gelegt. Der Hauptmann mit den anderen Hauptmännern macht das bei einem Fahnenapell zur Kriegsertüchtigung. Es ist dieses böse Shakespeare-Paar. Aushecken, was schlimm ist:“Wir bekommen den Ehrenpreis. Niemand sonst, wenn ELSA, die rechtmäßige Erbin weg ist“. Ihr Bruder ist ja schon weg gehext. „WIR WERDEN HERRSCHEN. WIR HABEN ES VERDIENT.“ Aber die Rechnung geht nicht auf, die Fürsten trollen sich, nachdem der, den sie aufgehetzt hat, nicht aufzugeben, fällt: LOHENGRIN wird nicht das Opfer eines nachträglichen nächtlichen Überfalls auf offener Straße.

Aber Ortrud hat es geschafft, sich in das mitleidvolle Herz der angeblichen Freundin einzuschleichen. Elsa von Brabant bricht ihr Versprechen und fragt auf dem Ehebett in der Hochzeitsnacht nach dem feierlichen Gepränge vor dem Dom zu Brabant Lohengrin: WER BIST DU. Aus der Hochzeitsnacht wird nichts, Lohengrin fordert Aufklärung jetzt selber, aber nicht im Bett, von Ohr zu Ohr geflüstert, sondern öffentlich. Es wird ihm gewährt. König, Herold, die Fürsten alle, Ortrud müssen hören. wer er ist. Der Sohn des Graalshüters Parzival im hohen Norden über dem Meer. Er kann nun nicht bleiben. das Geheimnis ist gelüftet. Die Ehe wird nicht vollzogen.Aber die Hoffnung – der böse Zauber der Ortrud bricht. Die Hoffnung kann wieder auf dem natürlichen Nachfolger des Herrschers von Brabant liegen.

Mir fiel wieder ein, was meine Großmutter erzählte: „Mit Mann und Ross und Wagen, so hat sie Gott geschlagen.“ Das war Napoleon, den sie meinte.

Und:“Mein Junge, es ist Gericht!“ Sie meinte die Katastrophe Deutschlands, wenn wir darüber geredet haben. Sie hatte eine Erklärung. Das war ihr Frieden, ihre Vergebung, ihre Auferstehung, ihr Trost nach der Flucht quer durch die russischen Linien, nachdem sie ihren Mann, meinen Großvater in Ehren begraben hat in meiner Geburtsstadt Landsberg an der Warthe..

Eben: Die Wahrheit des Kreuzes Christi.

Ich finde die germanischen Sagen nicht so schlecht, wenn sie uns die Wahrheit und damit die Weissheit der Bibel in Erinnerung rufen.

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Gutes tun

Ich erinnere mich noch sehr genau, wie der Urenkel vom Gründer der Inneren Mission Dr. Fliedner aus Offenburg, Westkollege aus der Partnerstadt von Altenburg meiner Frau Margard Wohlfarth (Kulturamtsleiter) meiner Frau und mir dringend empfahl LIONS zu werden bezw. sie zu gründen. Wir haben das weitergegeben – heute würde man sagen an die Zivilgesellschaft Altenburgs. Und sie haben LIONS gegründet. – Ich kam mir vor wie mein Vorgänger in meinem ersten Stelle:Thonhausen, der in tiefsten DDR-Zeiten die CDU in seinem, dann meinem, Dorf gründete, ohne selber Mitglied zu werden. – Vielleicht ist das ein Beamtenideal, was überholt ist und heute nicht mehr gelten sollte: Keine Mitgliedschaft eines Sparkassendirektors oder eben eines Pfarrers/einer Pfarrerin in einer Partei oder eben auch in den LIONS. NEUTRALITÄT. – Dann kamen die Rotarier und „sahnten“ die nächste Reihe ab. Dieselbe Situation. WERBUNG – NEIN! – Soweit meine Erinnerung nach 35 Jahren DEUTSCHE EINHEIT – von einem Vorort Berlins aus : Müggelheim am Müggelsee. – Alles Gute im GUTESTUN! WIR TUN WAS- EIN AUFRUF AN DIE ANDEREN?- Michael Wohlfarth, Pfarrer in der Wendezeit in Thüringen: Altenburg STADT UND LAND.

Das ist ein Kommentar zu einem Bild: Rotarier und Rotarierinnen, die Treppe hoch und `runter aufgestellt in einem Hotel, in dem die Rotarier tagen und lernen, wie man Gutes tut. Fotografiert von einer Taufmutter in Thüringenl/Skatstadt Altenburg, wo ich von 1988 bis 2007 an der Brüderkirche als Pfarrer und Jugendpfarrer/Erwachsenenbildner – gearbeitet habe.

Ich möchte heute berichten von Frauen und Männern, die einen Verein gegründet haben, der die BUCH BERLIN trägt und organisiert.

Ich beteilige mich seit einigen Jahren an dieser Buchmesse, weil ich das Anliegen gut finde, gerade junge Leute anzuregen ihrer Phantasie Taten folgen zu lassen, nämlich zum Beispiel ein Buch zu schreiben oder sie mindestens anzuregen, ihrer Neugier zu folgen und mit Autoren und Autorinnen in s Gespräch zu kommen. Das gilt in unserer Freizeitgesellschaft übrigens ganz und gar nicht nur für Leute, die unter dreißig sind, sondern für Menschen aller Altersgruppen. Besonders aber für die „ganz Alten“. Ich gehöre zu den Letzteren und muss mich jedes Mal aufrappeln in die ARENA oder andere Veranstaltungsorte zu gehen (s. auch BLOG in den vergangen Jahren). Denn es ist eigentlich nicht meine Sache, mich in diese Zirkuswelt zu begeben und die jeweiligen Kostüme zu bewundern, in denen – inzwischen nicht nur Jugendliche – dort auftreten, um die nötige Aufmerksamkeit zu erreichen, die sie scheinbar brauchen, um dann wieder zurück zu können in den Alltag, wie immer er aussieht. Aber ich tu s. Immer wieder.

Da war ich mir einig mit der Mutter einer Autorin, die ein Buch geschrieben hat über eine junge Frau, die verwirklicht hat, was man von ihr forderte: Selbständigkeit im Denken und Handeln – und nun zu weit gegangen ist, nach Ansicht ihrer Zeitgenossinnen und Zeitgenossen. Ihr Mutter erzählte mir kurz den Inhalt im Stehen an „meinem Bücher-Tisch“, von Beruf – wie ihre Tochter – Lehrerin. Sie unterstützt nun ihre Tochter auf der bb 25 ARENA, Berlin. Ihr Dialekt: Sachsen-Anhalt.

Oder eine andere Besucherin, die sich für meine Familien-Saga „Ach Dostojewski“ interessiert: „Eigentlich ist das nichts für mich, bunt, bunt, bunt, Wolke, Wolke, Wolke. Aber ich komme trotzdem“.

„Da geht es Ihnen ja wie mir…Warum tun wir uns das an?“

Ja, warum wohl.

Eine Türkin, die eine Autorenschule besucht hat, nicht in Leipzig:“…in Berlin gibt es so etwas auch… Aber ich bekomme meine Texte trotzdem nicht unter.“

„Gehen sie doch zu EPUBLI, das ist ein seriöses und faires Unternehmen…“

Sie kaufte schließlich:“HEILE WELT-Berliner Erzählungen“ zum halben Preis, weil es schon ziemlich alte Titel sind in meinem Angebot, vor bald 20 Jahren geschrieben – und gedruckt.

„Sie hat es immer noch mit Berlin“, sage ich mir beim Zurückholen der BILDER UND BEGEGNUNGEN vom gestrigen Sonntag und davor.

Zwei volle Tage geht das. Der Vorabend, an dem aufgebaut wird. Du musst einen Parkplatz finden im KARRE`.

Eine Villen – und Slum-Gegend gleichermaßen. Wie New York, von dem mir vor sehr langer Zeit ein Delegierter einer Kirchentagung in den USA erzählt hat. „So dicht beieinander!“

Slum und Villa. Du fährst das Adlergestell hinunter und biegst nicht ab über die Elsenbrücke, sondern fährst geradeaus weiter, Puschkinstraße, bis du die blauen Röhren siehst über die Straße reichend. Da rechts `rein…EICHENSTRASSE. ARENA.

Glück gehabt und einen Stellplatz für den Golf gefunden. Wenigstens zum Aufbauen: Tisch von zu Hause, Stuhl von zu Hause. Und Bücher, selber geschrieben und z. Teil verlegt.

Besonderen Dank an den grundsoliden und fairen Verlag/Plattform EPUBLI BERLIN. Ebenso wie an Steffi-Biber Geske, Tatjana Schmischke und ihre Mitstreiterinnen, die Gutes tun für Alte und Junge, Frauen und Mäbnner, die es nicht lassen können und schreiben was das Zeug hält.

Ohne hier greifbaren Cover:
Lyrik: „Rad der Zeit“, „Tage, Nächte, Daten“.

In allen Buchhandlungen und Portalen unter Angabe des Verfassers und des Titels.

Bitte auf diesn Blog hinweisen:MICHAEL WOHLFARTHS BLOG oder

https://kaparkona.blog .

Lyrik und Berliner Erzählungen sind gekauft worden.

Motivation: Am ersten Tag schon ein Gespräch mit einer Verlegerin für englische Literatur, damit in der Schule gute englische Literatur in der Sprache des Herkunftslandes gelesen wird. Mit Freude!- Wenn ich sie richtig verstanden habe. Jammern bei ihr: Fehlanzeige. Sie hat die Gunst der Stunde genutzt und einen Verlag für gute Schulbücher gegründet.

Das geht.

Deswegen gehe ich da trotzdem hin, obwohl mir nicht alles gefällt. Du triffst Menschen, die etwas unternehmen.

So ein Büchertisch kann es also in sich haben. Glück auf! Treffpunkt Bücher trotz allem Firlefanz. Eben Erlebnismesse. Laßt Euch nicht entmutigen. Macht etwas daraus.

Michael Wohlfarth, langjähriger Jugendpfarrer, Gründerpfarrer des SPALATINGYMNASIUMS ALTENBURG.

Berlin-Bilder zum Tag der Deutschen Einheit 3.Oktober 2025 von Michael Wohlfarth (Ausgangspunkt Spreeufer hinter der ARENA) von oben:“Silhouette“, „Unterirdisch“, „Büchertisch“, „Über Wasser gehen“, „Fliegender Holländer“.

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Danach

In Erinnerung an die Biografie Dietrich Bonhoeffers. Er solle unbedingt bleiben, sagten die Freunde in den Vereinigten Staaten. – Zur Vorbereitung des ROMANs DANACH.

Fliegende

Blätter

werden

gelesen, vorgelesen

auf Deck in der Sonne

auf

dem

Ozean.

Atlantik

bei der Überfahrt von

USA/Deutschland.

Um endlich zurück zu

kommen.

Denn es ist Krieg.

Spannungen

Leben zwischen Krieg und wieder Krieg

Eine essayistischer Roman

Michael Wohlfarth

Impressum

Texte: Michael Wohlfarth
Umschlag: © Copyright epubli

Verlag: Michael Wohlfarth

Philipp-Jacob-Rauch-Str. 30

12559 Berlin

email: michael.wohlfarth@t-online.de

Druck: epubli-ein Service

der neopubli GmbH, Berlin

Personen:

Oliver, Geheimdienstler in den USA, Adoptivkind aus Hessen; Henry, eigentlich aus Magdeburg, Geheimdienstler und spezieller Begleiter von Oliver mit Sonderauftrag; Kollegen von Oliver und Henry; Anne, die junge Frau von Oliver aus Deutschland im Wald, – gemeinsames Kind von Anne und Oliver: Sophie, getauft in einer Baptistengemeinde New Yorks. In der Erinnerung Waldemar Fischer, Vater von Oliver; Mutter: Erna Thielemann alias Dr. Brunhilde Lengenfeld, Vater von Anne: Horst Leskow

„…s’ ist leider Krieg –

und ich begehre, nicht schuld daran zu sein...“

Matthias Claudius

Gewidmet allen ehrlichen Friedensfreunden, mit denen wir „seit Menschengedenken“ für den Frieden gearbeitet, demonstriert und gebetet haben. Unabhängig von ihrer Religion und Weltanschauung: Männer und Frauen, denen wir dadurch immer nahe waren.

Margard und Michael Wohlfarth

Stand Arena bb 25 Grosses I Nummer 10 unter Kriminalisten oder Bellestristik

ARENA LINDENSTRTASSE BRLIN bb25 mittig L 10 (Stand)

1. Buch

1

Wenn du meinst, es geht nicht weiter, schlag das Buch der Lieder auf – und singe.

Singe dem HERRN und von den Menschen. Warte, bis dir ein Zeichen gegeben wird.

Und geh’.

Wohin?

Wohin?

Sag wohin?

Hinaus in die weite Welt, zu den Menschen, die auf den Bus warten. Zu den Bäumen, die bis in den Himmel wachsen. Aber halte dich nicht zu lange auf und verirre dich nicht.

Kehre um und warte in deinem Haus, bis es klingelt und du weißt nicht, wer vor der Tür steht. Wer steht vor der Tür? Der Christus? „Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an?“

Der Stalker? Der dich verfolgt. Der Verbrecher, der schon lange einen Fuß in die Tür bekommen wollte? Wie er schamlos deine Niederlagen ausnutzt, alle Zeitfenster benutzt zum Einsteigen, die es nur gibt?

Ist es schon dunkel, dass du ihn nicht mehr erkennst im mageren Schein der Lampe aus dem Nebenzimmer. Oder ist es Tag und du kannst ausschließen den Bösen, weil du glaubst, du erkennst ihn im Licht der Stunden.

2

Es ist Nacht und du öffnest. Da steht sie – die Frau deines Lebens. Und du hattest geglaubt: nie seht ihr euch wieder. Zusammen den Kinderwagen geschoben durch den Sand – und dann bist du gegangen, die Gabelung nutzend.

In eine andere Richtung.

Du hast gewartet. Tagelang.

Nächtelang.

Jetzt hat sie den Bogen geschlagen und ist zurückgekommen von der Stadtmission. Umwege. Untiefen. Sie haben ihr Mut gemacht. Es noch einmal zu versuchen.Dabei war es doch alles so gut und schön. Sie kommen in dem verheißenen Land an und finden Heimat in der Baptistenkirche in der großen Stadt New York. So viel Heimat, dass sie sich trauen lassen, obwohl sie aus dem Osten Deutschlands gekommen sind, wo Kirche ein Feind – oder fremdes Wort – war und nur aufmüpfige Genossen und Nicht–Genossen und vor allen Dingen deren Kinder den Weg in eine Kirche fanden, weil es dort die Freiheit des Wortes gab und das Gefühl: hier kann man alles sagen. D.h. das, was man in der Schule, in der Partei nicht sagen konnte. Sie lassen ihre Ehe segnen und versprechen den Weg der Taufe zu gehen. Alles gut? Ich weiß nicht, ob ihre Vergangenheit sie quält. Die vaterlose Gesellschaft. Die Geschichten, die ihnen niemand erzählt hat. Ihre Familiengeschichten, weil sie noch Gegenwart sind.

„Weil es besser so ist.“

3

Der schwarze Pastor sagt: „Geh’ wieder hin zu deinem Mann. Auch wenn er dir unheimlich ist in seinem Beruf. Es ist ihm ja selber alles unheimlich, sonst wäre er nicht weggelaufen.

4

Ja, es stimmt. Das dunkle Geheimnis seiner Herkunft hat ihn getrieben in die Eisenbahnwaggons, wo die Dichter lesen. Dort auf dem weiten Feld in Amerika. Dorthin, wo Walt Whitman die Gräser singen hört. Er konnte seine Frau dorthin nicht mitnehmen. So einsam ist der Mensch, wenn es darauf ankommt. So einsam kann er sein.

„Deswegen ist er noch lange nicht glücklich, wie einige Leute uns weismachen wollen“. Sagt der Prediger unvermittelt und fängt an zu singen von den Sklaven, die frei werden, wenn sie nur glauben.

5

„Komm rein“, sagt Anne zu ihrem Mann. „Setz dich!“ Sophie schläft im Nebenzimmer. „Willst du sie nicht sehen?“ „Oh doch.“ „Dann komm.“ Auf Zehenspitzen öffnen sie die Tür ins Nebenzimmer und Sophie liegt gut versorgt in ihrem Stuben-Wagen. Wem sieht sie ähnlich? Keine Frage. Die Strapaze mit den Zügen und irren Hin- und Herfahrten im PKW wegen der Vermisstenanzeige ihres Vaters hat ihr nicht geschadet. Warum auch. Sie war immer ganz nah bei Anne, ihrer Mutter, die sie behütet hat wie Gott die Kinder Israels behütet in der größten Gefahr. Das hat Oliver überzeugt. Sie ist in der Dunkelheit gekommen, hat eine Freundin gebeten, auf das Kind zu achten, um Oliver zu zeigen: Ich liebe dich. Du sollst zurückkommen nach den Stunden und Tagen. Sie ist in das billige Motel gekommen mit den Türen zur Straße in der Nacht. Jetzt stehen sie wieder in dem Holzhaus und er nimmt sich vor, seine Arbeitsstelle zu kontaktieren, um zu fragen, ob er seine Auszeit abkürzen darf. Ob alles gut wird. Nicht, wenn er draußen bleibt. Es gibt zu viel Menschen, die draußen bleiben, weil sie die Welt bewegen wollten, aber in Wahrheit nicht mit ihr zu Recht kommen. Mit der Geschichte ihrer Welt. Vielleicht sollte er sich vielmehr von Henry helfen lassen. Er hatte sich angeboten unterwegs, als sie den Zug hinter sich ließen, den Grünen Zug, den Grünen Salon, den Club der Toten Dichter. Der sich in dem Moment in Luft auflöste, als die Kriegserklärung durch den Äther kam. Die Spezialoperation Putins im fernen Europa/Ost.Keiner hat geglaubt, dass es vorbei war mit der Sowjetunion. An den Zaren und sein Reich wollte niemand glauben. Dass es wiederkommt. Der Kommunismus war tot, es lebe die Nation. Die Weltrevolution bestand nur noch im Gegeneinander der Raketen mit Atomsprengköpfen. Wie hat Kennedy gesagt: unterirdisch geht alles weiter. Selbstfindung war gestern. Luxus auch. Luxus verteidigt man nicht. Das macht keinen Sinn, sondern nur Schuld. Weil nicht alle in Luxus leben können. Dann wäre es auch keiner mehr. „Du hast deine Sachen nicht dabei?“ Anne schaut ihn mit großen Augen an. „Ist das nur einmal ein Besuch?“ Lange Pause.„Nein, ich habe den Motel-Schlüssel nicht abgegeben.“-

„Ich hatte nicht mit dir gerechnet.“-

„Du brauchst Zeit?“

„Ja.“

Fühlst du dich schuldig?“

„Ja.“

„Das musst du nicht.“

„Warum nicht? – Ich habe dir von Anfang an etwas verschwiegen. Meine Mutter ist im Gefängnis mit einer schweren Schuld, die sie aus Rache auf sich genommen hat. Sie hat die Liebe benutzt und meinen Vater einen Abhang hinuntergestoßen. Das ist immer noch die alte STASI-SCHEISSE. Und das weißt du. Wir müssen zurück in unsere Heimat.“

„Über den Ozean?“-

„Kein neues Leben hier in den Staaten?“

„Nein!“

„Keine Neue Welt?“ Schweigen.

6

Natürlich hat strukturell gesehen der FREIKIRCHLICHE WEG – american way of live – seine Wirkung auf Oliver nicht verfehlt. Warum hat er sich denn eigentlich anwerben lassen, als er noch auf der Uni war und Betriebswirtschaft studierte. Seine Pflegeeltern, die er sehr liebte, fanden das am besten für ihn und sein Weiterkommen in dieser Zeit. Der FBI hatte nicht lockergelassen und den Judith – Plot nicht ruhen lassen. Ein Grenzübertritt mit tödlichen Folgen auf dem Boden der Deutschen Demokratischen Republik und die Rache danach von den Kindern des Opfers an dem Täter beziehungsweise dem Befehlshaber des Täters, der seinen Dienst an der Grenze versah. Das Dumme auch noch, dass der Offizier der Liebhaber ihrer Mutter war und seinen besten Freund mit ihr betrogen hatte. Er meinte, er hätte ein Recht darauf. Sie hatte ihn doch geliebt und nicht ihn. Die Kinder der Täter, die Rächer müssen nun damit klarkommen. Ein regelrechtes Angebot für Dienste, die nach Energien suchen, die unterirdisch graben und bohren.

Die neue Welt, die wir alle wollten. Die wir aber erst suchen mussten, als die alte zusammengebrochen war. Warum nicht gleich Amerika. Das ist doch wohl der Westen. Die stabilste Demokratie, wo die Freiheit so sicher ist, wie der Schuss aus dem Revolver im guten alten Western, den auch Leonid Iljitsch Breschnew so gerne gesehen hat. Der kleine Mann neben Erich Honecker in der Karosse die Straße hinunter. Vor dem Mauerfall. Und – ach – der Kuss – an den Mauerresten. Bunt.

Danach.

7

Und nun Krieg. Ausgerechnet jetzt, wo alle dachten es ist vorbei: Der kalte Krieg. Die Angst vor der Bombe. Wir konnten die Story nicht zu Ende erzählen. Der Plot ist uns im Halse steckengeblieben. Der Schöne Schluss in dem GRÜNEN SALON im Club der Toten Dichter wollte nicht zustande kommen: Da sitzen sie gelangweilt, nicht wie in der einen Nacht von den Tausend, nicht einmal so wie in den Märchen von Hauff aus einem deutschen Mittelgebirge. – Sie hofften alle, dass keiner mehr kommt. Keiner mehr geschickt wird. Keiner den Zug anhält und aufspringt, um seine Predigten los zu werden. Auch Oliver kann ruhig den Mund halten – oder hatte er ein paar Gedichte dabei, die er unbedingt noch vortragen wollte?

Wie das Kaffee Gedicht?

Komm wir gehen in das Café wo der Kaffee noch schmeckt.

Die Zitrone noch gelb ist ausgequetscht ins Stundenglas.

Die Torte vergiftet wird von den Heinzelmännchen die sie dann auch selber essen.

Und nicht etwa den Kuchen servieren.

So in etwa, das hatte er schon im Ärmel. Und noch viel mehr. Aber es sollte nicht dazu kommen. Er war auch zu schüchtern – in Wirklichkeit. Aber seine Schüchternheit war es diesmal nicht. Diesmal war es etwas ganz anderes. Höhere Gewalt. Schicksal? –

8

Krieg im Heiligen Russland, in der ehemaligen Sowjetunion. In der Heimat von Nikita Chruschtschow, Sergej. Ja, der mit den Schuhen. Wie ein Araber, wenn er besonders jemanden verachten möchte. Das ist die Ukraine. Seit dem Zerfall der Sowjetunion nach 1989 nicht mehr in der Föderation. Ein großes herrliches Land. Schwarzer Acker – du mein Gesicht, wie es Johannes R. Becher singt. Noch viel mehr. Wenn der Mond über der Weite aufsteigt und wir Kiew ansteuern, die RUS, im Spätsommer 1989. Wir müssen zurück nach Europa, dem Zipfel von Europa. Da im Westen. Durch Polen. Ein Land? Ja und nein. Grenzland zwischen dem Westen und dem Osten. Zwischen ROM und KONSTANTINOPEL – Moskau, das 3. Rom. Zwischen Polen und den Russen. Den Echten? DIE RUS IN KIEW, der Geburtsort aller Russen und Ukrainer in der Russisch-Orthodoxen Kirche. Die Geschundene.Die Priester, die ihr Grab schaufeln mussten, bevor sie durch Genickschuss fielen. Der Bolschewismus war kein Kinderspiel. Und die Gerechtigkeit ist es auch nicht. Klappen sie jetzt nicht das Buch zu, lieber Leser, geneigte Leserin. Wir müssen über Gott sprechen.Was ist ORTHODOXIE? Der rechte Glauben. Der sich nicht ändert. Der eigentlich Gremien und Konferenzen ausschließt, in d e r Annahme, es wird nicht besser, sondern eher schlechter, wenn es Veränderungen gibt, die aus unserer Sicht nötig sind. Sind sie nötig? Nur weil wir es im Moment meinen. Hinterher sagen alle: schlechter als vorher. Oder ist das russischer Fatalismus oder gar abgründiger Humor. Gogol.

„Ehe wir die Macht innerkirchlich austarieren zwischen Männern und Frauen, Alten und Jungen und sie umsetzen in Bürokratie – das Büro herrscht – lassen wir doch lieber alles beim Alten und versuchen Einfluss zu nehmen auf die Macht“. –

„Ja, es stimmt, wir beten sogar für den Teufel“.

„Wie im deutschen Kaiserreich, als Thron und Altar eine Allianz bildeten und sich gegenseitig zu ergänzen suchten von je dem eigenen Standpunkt aus?“

„Oder in England, wo die Königin die oberste Kirchenherrin ist zugleich?“

„Nein, so weit gehen wir nicht, wir reichen nur den Füllfederhalter, den goldenen, wenn der linke Ministerpräsident in Griechenland ein Gesetz unterschreibt“.

Sagen die Griechen, die Nachfahren von Homer.

„Ja, das kann doch nicht sein!“

„Aber es ist so“.

„Es ist sehr unterschiedlich“.

9

Nichts ist vergessen.

Wie der Stahl gehärtet wurde. Der stille Don. –

Die Schulzeit.

Die Budjonny–Mützen.

Der schwarze Acker. Der Mond. –

Der klapprige Moskwitsch.

Der Terror.

„Wir haben für die Freiheit gekämpft mit diesem Gefühl der Liebe und des Zorns“.

„Den haben wir immer noch“.

„Immer wieder“.

„Den schlimmen Jähzorn der Geschichte“.

„Der Zorn Gottes in unseren Herzen“.

„Den Heiligen Zorn“

So raunen sie, die Veteranen, die Wutbürger, die Revolutionäre und Rebellen. Auch die Neunundachtziger. Sie schauen sich erst einmal um wie früher, damit sie auch ja niemand hört und sie ihre Pensionen eventuell verlieren.

Paradox.

Die Kategorie des Glaubens seit Sören Kierkegaard. Positiv.

Nur so konnte die Einheit Deutschlands gelingen nach so vielen vergeudeten Jahren der Spaltung. Dachte ich, der Schreiber dieser Zeilen.

Wie habe ich geglüht in diesem Glauben vor und nach 1989.

Gegen Unterdrückung mit Hilfe von Solidarnosc, den Erinnerungen an Ungarn und Tschechien. Mit GORBI auf den Lippen. Zitternd vor Angst auf dem RING in Leipzig. Heldenstadt. Und jetzt? GORBI weg. Putin da. Nationale Konflikte im Osten, die einen Krieg heraufbeschwören. Das ist kein Klassenkampf. Ja, natürlich IMPERIALISMUS WIE AMERICA.

Das passt.

Uralte Nationen.

200 Jahre zählen nicht.

Der Zar ist für die Gläubigen da, wie die englische Königin. Er hält sie zusammen. Er wiedervereinigt sie: die vielen kleinen Emigranten-Kirchen der Russen in die große R O K. Ja, es kann sein, dass die Metropoliten alle beim KGB waren, wie unsere Theologieprofessoren an der Humboldt – Universität zu Berlin.

„Verschwulte Gesellschaft.“

Kyrill heizt den Krieg an und fühlt sich moralisch auf der richtigen Seite.

Kreuzzug?

Ja, fast.

Das ist nicht neu.

Ich erinnere mich Mitte der 60iger Jahre. Vietnamkrieg.

Laszive Bilder in der eingeschmuggelten BILD aus Westberlin.

Besuch aus der Tschechoslowakei oder weiter aus dem Osten: DIE SCHLAMMFLUT KOMMT aus dem Westen.

Dieser Satz ist bei mir hängengeblieben. –

Wir sitzen in dem kleinen Zuschauerraum in der Otto – Schill- Straße.

Der Intendant Herbert D. hat neben sich den Popen aus einem Ostland.

Wahrscheinlich war es nicht einmal ein Pope. Sondern ein Reverend. Egal.-

Wir hören zu. Die Spieler und Spielerinnen dieser österreichischen Erfindung: SPIELGEMEINDE. – Der Mann aus der Singebewegung verkauft sie an den Sozialistischem Deutschen Staat als ein landeskirchliches Unternehmen. In meinem SVK – Ausweis ist eingetragen für diese Zeit: Volksmissionarischer Mitarbeiter.-

Ein Trost für meinen Vater.

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Danach…

…in den Zehner-Jahren des Neuen Jahrtausends im Ruhestand, der mir die Zeit gibt zu schreiben und zu predigen auch noch und zu reisen in einem Kleinbus westlicher Bauart der Oberpfarrer des Kirchenkreises kurz vor der Weichsel auf der Fahrt nach Königsberg-Kaliningrad über die Heimat seiner Vorfahren:

„Die Westtüren der Kirchen in Ostpreußen mussten geschlossen bleiben: der Teufel kam durch diese“.

Vor der Kaliningrad–Reise von Berlin aus… immer wieder mein auch weitergegebener Eindruck nach Reisen ins Heilige Land:

„Die griechische Linie im Heiligen Land ist mir glaubhafter als alles andere. Die christliche Kirche, durch den Apostel Paulus in Rom gegründet, mag katholisch geworden sein durch ein Bedürfnis des im Untergang befindlichen Weltreiches nach Frömmigkeit, die zusammenhält. Die Kirche – in der Heimat Jesu geblieben – hat orthodox – vielleicht sogar theokratisch im Kern – ihren Siegeszug angetreten über das Mittelmeer nach Griechenland, in den Balkan bis nach Kiew.

Wo ist Iphigenie geopfert worden? Im Schwarzen Meer.

Insel. Osten. Wo die Sonne aufgeht und nicht unter.

DAS GEMALTE BILD JESU DIE IKONE.

HABEN SIE MITGENOMMEN. DIE MISSIONARE.

EIKON.

Männer, geht auf den ATHOS und bewundert die Sammlungen der Mönche – Bewahrung der Philosophie Griechenlands in kluger Absprache mit den Weltherrschern, dem Osmanischen Reich, den Sultanaten.

Besucht die Klöster!

Das größte – Putins Werk – mit eintausend Betten. Am Strand. Da musst du keine Treppen steigen.

„Besorgt euch die Genehmigung zum Wandern in der Mönchsrepublik, Griechenland verpflichtet. Ganz knapp dem Kommunismus entronnen. Auf der Kippe, in der Geschichte des 2. Weltkrieges – und kurz danach“

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Vorwärts und nicht vergessen aus dem Geschichtsunterricht der Deutschen Demokratischen Republik in den entsprechenden Klassen : Die Russen haben den Großen Vaterländischen Krieg mit den Ukrainern und allen anderen Völkerschaften, die zu ihnen gehörten in der Roten Armee, gegen Hitlerdeutschland gewonnen.

Jetzt: Den Kommunismus haben sie verloren. Aber die Skepsis gegenüber dem Westen blieb.

Den Teufel nicht durch die Hintertür hereinlassen.

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Ich war neulich…in einer Akademie. Jemand hat gelesen. Danach Ständerling, wie die Schwaben sagen. Gab es Salzgebäck, Sekt? Ich weiß es nicht mehr. Eine Pastorin, mit einem Juristen verheiratet, zuständig für Kultur-Ansagen der evangelischen Kirche, diskutierte heftig positiv mit Studierenden der Humboldt – Universität.

Sie duldete keine Unterbrechung oder gar Störung bei diesem Empfang.

Sie wurde später Oberkirchenrätin.

In den Talkshows ungewöhnlich überzeugend.

Ich sollte mich gedulden, bis ich dran kam, um ihr dieses Kompliment zu machen.

Das war mir doch zu blöde. So fiel ich dem Nächstbesten in die Arme, einem NATO–Mitstreiter aus Regensburg.

Auch das noch.

„Wenn Russland in die Nato käme. Was soll sie dann noch. Dann können wir sie ja gleich auflösen.

Wir haben sie ja wegen Russland gegründet.“

„Wegen der Sowjetunion,“ entgegnete ich nicht, sprachlos. Ich ließ ihn stehen.

Waren nicht Millionen zum Opfer gefallen wie das französische Schwarzbuch des Stalinismus sagt. Mehr als in Deutschland zwischen 1933 und 1945?

In Frankreich darf man solche Rechnungen veröffentlichen.

Wissen sie eigentlich etwas von dem weiten Weg der Schauprozesse in der Sowjetunion der dreißiger Jahre zu heute, lese ich gerade von einem Betroffenen?

Wissen Sie, dass wir Bibeln schmuggeln mussten, weil sie verboten waren in der Sowjetunion. Könnten die Schmuggler fragen.

Russland ist nicht die Sowjetunion.

Umso schlimmer: jetzt ist Krieg. Die Offenbarung des Menschen.

Irgendwie ist es wie bei unserem Globus, den wir nachts erleuchten, damit er uns leuchtet in der dunklen Wohnung, wenn wir herumtappen und keinen Schlaf finden. Als er ankam bei uns wurde er gründlich inspiziert. Herstellung in einer bestimmt sehr soliden kleinen Firma im Südwesten. Alles gut. Die Farben nachts und die Farben am Tage. Aber da – die große ruhmreiche Sowjetunion, das Feindbild schlechthin für jeden anständigen Biedermeierbürger im Westen Deutschlands. Sie haben es nicht verbessert. Einfach nicht für nötig gehalten. Sie haben keine neuen Grenzen ziehen wollen. Zu teuer? Keiner hat es bis jetzt beanstandet. Wir auch nicht.

Das Lachen allerdings ist uns vergangen, welches wir bis dato zur Not auf Lager hatten für solche Fälle der geschwätzigen schwäbischen Gemütlichkeit: Wir lassen es. Die Grenzen. Die Größen des Landes. Die Namen, die fehlten, wurden nicht neu gestaltet über den östlichsten Erdball gezogen in feiner neuer Schrift: Föderation Russland, Usbekistan, Ukraine. Kasachstan, von den kleinen Staaten im Kaukasus ganz zu schweigen. Wie kann man nur. Wie weit weg kann man nur.

Ich habe mich inzwischen an den Globus gewöhnt, den alten und daran, dass sich nichts geändert hat im Westen. Die alten Feindbilder, damit wir die NATO weiter so betreiben können wie bisher. Mit allen Vorteilen.

Das ist gefährlich.

So gefährlich ist die Russlandpolitik Amerikas, Englands. Wir machen mit? Sogar Frankreich? Italien?

Gönnen Sie den Russen keine Nationalität ohne die Sowjets. Keine Identität durch ihren neu gefundenen Glauben. Denn einen Glauben braucht der Mensch. Ein Band, was die Menschen (SMAIL) zusammenhält. VERBINDET. Über alle Unterschiede hinweg.

NACH DEM KOMMUNISMUS IN RUSSLAND. Die pax sovietica ist zu Ende. Die amerikanische geblieben. Schon deshalb sollten die USA aufhören von Freiheit zu reden.

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Oliver verabschiedet sich und wird zurück in sein Motel gehen. Aber er wird wiederkommen. Das hat er versprochen.

Er geht jeden Morgen los und wartet an einem bestimmten Punkt, bis ein schwarzer Wagen hält und ihn mit nimmt in die Dienststelle.

Er ist immer noch Spion im Auftrag und erfüllt seine Aufgaben gewissenhaft.

Am Abend kann er in einem Bus steigen, der ihn fast bis vor das Motel bringt. Abends schaut er meistens fern.

Das ist ganz und gar nicht ergötzlich. Vor allen Dingen alleine nicht.

„Da brauchst Du jemanden, der neben Dir sitzt oder in greifbarer Nähe“. SMAIL.

Er ist nicht schwul, sondern begehrt immer noch schöne Frauen, wenn er sie sieht. Gerade in der letzten Zeit merkt er es. Seitdem er sich zurück-gezogen hat auf Anraten seines Freundes und Seelsorgers Henry vom amerika-nischen Geheim-dienst für besondere Fälle.

Eigentlich Mädchen – unverdorben – die sich ihre Mädchenhaftigkeit bewahren. Das waren und sind seine Idole.

Da war er gut aufgehoben bei seiner Frau Anne.

Nun hat er sie vor den Kopf gestoßen und sie ist gekränkt. Sie haben ja auch ein gemeinsames Kind, Sophie.

Auf dass sie sich so sehr gefreut haben.

Da ist das natürlich nicht mehr nur eine Sache von zweien und Idolen, sondern sie sind zu dritt, eine Familie.

Das hatte vielleicht zu wenig auf dem Programmzettel seines verheirateten Lebens gestanden.

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Oliver Leskow, Agent des FBI in den USA.

Eine heilige Familie, wie Henry sagt.

„Ihr seid Weihnachten!“- das ist seine ständige Rede.

„Vergesst das nicht!“ Predigt er.

Lasst es Euch nicht ausreden, sagt er. Von irgendwelchen Leuten, die im Unglück sind und andere damit hineinziehen wollen, wie Betrunkene, die andere mit betrunken machen, damit ihr Delirium stimmt und sie sich sozial abgefedert fühlen: finanziell, gesellschaftlich und persönlich. Nach dem Motto: „Ich bin so, viele andere sind auch so. Gut so. Und wenn sie es nicht sind, müssen wir sie so machen. Dann haben wir ein soziales Problem und der fürsorgliche Staat handelt!“

„Ist das nicht unsozial wie Du redest?“ sagt Oliver in einem Gespräch mit Henry.

„Ich suche doch auch nur meine Freiheiten.“

„Genau darum geht es“, sag dann Henry und wiederholt

„Weihnachten, Karfreitag, Ostern, Pfingsten. Feiert das Leben.“ Er ist ein frommer Mann. Und das mit dem Feiern hat er von einem katholischen Freund seiner Frau, der das ihr mit auf den Weg gegeben hat, als sie Berlin verlassen haben, um Gemeinde in einem Wismut- Dorf in Sachsen und in einem Bauerndorf in Thüringen aufzubauen. Wenn es damals auch nur Bezirke gab, Rayons nach sowjetischem Vorbild. Jeder wusste wo Sachsen lag und wo Thüringen und das es Grenzdörfer gab; die Landeskirche Thüringen war übergreifend. Ob nun Rayon im Sozialismus. Oder Königreich Sachsen und Herzogtum Altenburg in der Kaiserzeit oder Freistaat Sachsen und Freistaat Thüringen in der Weimarer Republik oder im sogenannten 3. Reich.

„Er kommt in Wirklichkeit nicht mit seiner Vergangenheit klar, weil er in Wirklichkeit keine hat,“ sagt Henry im Austausch mit seinen Kollegen.

Und dann: „Eigentlich hat er ja gar keine Vergangenheit, weil man sie ihm verschwiegen hat“

„Nein, noch mehr: Man hat sie ihm erschossen an der Grenze zwischen GUT UND BÖSE in dem alten Europa.

Vermint, Beton, Stacheldraht, Schießbefehl- Demarkationslinie, Eiserner Vorhang. Seinen Großvater, den Vater seiner Mutter.

„Oder in einen Abgrund gestürzt. Aus Kalkstein“. Seinen Vater. Das ist eine lange Geschichte mit biblischem Ausmaß.

„Im Westen Deutschlands dann“?

„Ja.“

Die Kollegen in dem Verwaltungsgebäude lassen Henry laut nachdenken, als ob er allein in dem riesigen Gebäude wäre. Das schätzt er an ihnen.

Sie sind nicht nur kollegial, sondern solidarisch. Sie wissen, wer er ist.

Als einsamer Mensch hier angereist, aus gutem Elternhaus in der Magdeburger Börde.

Er, der eine Vergangenheit hat.

„Und Oliver?“

„Also ein Geheimnis? “, flüstert der Konvent.

„Sogar ein mörderisches“, antwortet der Geistliche seinem Vorgesetzten, als der ihn rundheraus fragt und wissen will, wie es denn nun weiter gehen soll mit dem jungen hoffnungsvollen Mitarbeiter aus der Pflegefamilie in Deutschland.

Mit der Mutter und so weiter?

„Gute Leute brauchen wir,“ nickt der General.-

„Können wir ihn gut gebrauchen?“-

„Missbrauchen?“- Der General schaut zum Fenster.-

„Kann sein. Sie sind gefügig. Sie sind angewiesen auf uns.“ Pause

„Aber die Zuverlässigkeit ist ein Problem. Die müssen wir ersetzen.“-

„Wir sind die Familie. Corporate Identity.“- Sie sind sich einig.

Der General und der gesamte Konvent.

Henry hatte das nicht vergessen.

Henry, der Sozialarbeiter und Seelsorger.

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Auf dem Schiff.

Aber es war alles überholt durch die Ereignisse. Anne und Oliver saßen längst auf der Schiffsbank auf dem Deck des Segelschulschiffes, dass zurückfuhr nach Deutschland in seinem vierteljährigen Hin und Her zwischen der alten und der neuen Welt. Sie hatten sich dann doch sehr, sehr schnell entschlossen, um ihre Ehe zu retten, dem Kind die Eltern als Zusammenhalt zu erhalten und nicht nur als Erzeuger und Empfängerin.

Sie hatten Glück, dass sie nicht zu spät kamen und die Rückfahrt des Schiffes nicht verpassten. Die Formalia dauerten nicht so endlos lange und die Arbeitsstelle von Oliver war nicht gar so böse, weil es ja immerhin eine Krise gab in der Beurteilung von Oliver, was Zuverlässigkeit anging und Zukunft für den Mitarbeiter des Geheimdienstes in den Vereinigten Staaten von Amerika. Nicht, dass sie ihn nicht behalten hätten – auch im Auge behalten hätten müssen – sie waren dabei, sich Mühe zu geben. Henry, der Magdeburger war ihr Gewährsmann.

Aber das Entscheidende muss dann schließlich von den Betroffenen selber kommen. Das meinte auch Henry, als er erfuhr, dass sie nichts mehr halten würde. Er wünschte ihnen Glück und war sich nicht mehr so sicher wie sonst bei solchen Gelegenheiten, ob er nicht auch am liebsten zurückkehren wollte.

Bei der Weltlage. Krieg und Kriegsgeschrei. Apokalyptik aller Orten. Da kommt man schon auf dumme Gedanken. Aber seine Frau hinderte ihn. Sie war Amerikanerin durch und durch und glaubte nicht an den Weltuntergang. Und fühlte sich zwar ihrem Mann verpflichtet, aber nicht einem LAND WIE DEUTSCHLAND.

Oliver mit seinen deutschen Verwandten und Anne mit der Großmutter in der Muschel hörten den Wald immer wieder rauschen, den deutschen mit seinen schrecklichen Geheimnissen und notwendigen Offenbarungen.

Ihr Kind musste sich bemerkbar machen und Anne ging mit ihr auf Deck in die Sonne des Meeres.

Die Familie vertrug sich mit der Mannschaft und der üblichen Klientel dieser Route. Harmlose junge Leute, die – eigentlich wie Oliver – eine corporate identity brauchten, um nicht schutzlos der Willkür ihrer eigenen Stimmungen ausgeliefert zu sein und Drogen zu nehmen, wenn sie ausblieben.

Sie waren einfach auf viel Freundlichkeit angewiesen. Und dazu war dieses Schiff gerade richtig. Die Mannschaft entsprach dem voll und ganz.

Sophie war inzwischen drei Jahre alt und der Krieg in Europa dauerte. Jeder behauptete keine Kriegspartei zu sein und schob Waffen zu seinem Favoriten, nicht einmal heimlich. Alle Werte von vor dem unausgesprochenen Krieg galten nicht mehr oder wurden auf den Kopf gestellt. Aus den Freiheitskämpfern wurden Friedensfreunde und aus den Friedensfreunden wurden Freiheitskämpfer. Die Friedensfreunde nannten sie Bellizisten…

…Eintragung Kondolenzbuch in Russische Botschaft, danach Cafe Unter den Linden, gegenüber———————————————————————-

…über die berühmte Brücke in der Nacht wegen Mauerfall feiern und Gedenkgottesdienst in Grünau, auf Wunsch des Gemeindekirchenrates. Die Mauer entlanggefahren , die nicht mehr steht. Nur in Ausnahmen.

…Schriftsteller unter sich in dem Bürgerhaus Frankfurt/Main, in dem sich Bader -Meinhoff versteckten, als sie gesucht wurden. KÜCHENLESUNG MIT VERLEGER EINGETRAGEN ALS ERSTE VERANSTLTUNG ZUR BUCHMESSE.

Aus dem 2. Buch

…Anne kehrt zurück nach Berlin. Sie hat genug gehört und gesehen. Sie hat die gute Waldluft ein und ausgeatmet und sich beruhigen lassen von der Großmutter, ihrem Vater, ihrem Kind. Sie hat das Grab ihrer Mutter besucht und den Pastor. Sie weiß was Stille ist. Und die wird ihr keiner nehmen.

3

In eigener Sache…

Dies ist eine Szene mit Chor, Fragesteller und Bewohner von Müggelheim, den südöstlichsten Rand von Berlin, betreffend. Gefunden als Textheft für ein Amateurtheater, sogar aufgeführt und in Regie gebracht auf Kosten des damals noch kulturfreundlichen SENATS VON BERLIN bezw. Des Stadtbezirkes Berlin Treptow-Köpenick. Es soll Applaus gegeben haben nach der Aufführung des Stückes in dem Wohnort, um den es geht:

Fragesteller:„Sie wohnen in der Philipp-Jacob-Rauch-Straße?“

Bewohner:„Und zwar dort, wo früher versucht worden ist Wein anzubauen wie in der rheinländischen Pfalz. Dann doch besser Kartoffeln wie in Preußen und Amerika. Und Korn und Weizen“.

„Sie haben sich in diesem Berliner Dorf eine Wohnung genommen, nachdem sie gerechnet haben wegen der Miete?“

„Es ging. Der Weg zur Arbeit war nicht wesentlich beschwerlicher als der innerhalb der Stadt“.

„Philipp Jacob Rauch muss ein Pionier gewesen sein, den der Preußische König angeworben hat, um seinen Sandboden, in dem nur Kiefern wuchsen, zu bevölkern?“

„Die Sage geht: in Konkurrenz zu Amerika“?

„Und eigentlich war der Oderbruch gemeint und nicht das Wald-und Seengebiet, welches später nach dem Müggelseee und den Müggelbergen Müggelheim genannt wurde“.

„Die Sumpf-und Mückenplage im Oderbruch waren so allgemein und unbekannt für die Pfälzer, dass sie, die vor den Erbfolgekriegen im 18. Jahrhundert flohen, lieber an den Ufer des Müggel-Sees wollten“.

„Und sollten dann! Und nicht mehr an die Oder, wo Friedrich der Große doch Großes vorhatte mit ihnen“.

„In der DDR hat man gerne verschwiegen – und das deckte sich mit der Berliner Säkularisierung in alten und neuen BRD-Zeiten – dass es konfessionelle Gründe gab, von der Pfalz weg zu gehen, die Heimat zu verlassen“.

„Sie waren Protestanten und wollten nicht in die Hände eines katholischen französischen Herrschers fallen“. „CONFESSIO heißt Bekenntnis und in der DDR gab es nur ein Bekenntnis, nämlich das zum Sozialismus“. – Zwischenruf aus dem Publikum:„Welches Bekenntnis prägt uns?“ – „Nur verwunderlich, dass selbst in sogenannten kirchlichen Kreisen diese Fälschung herunter gespielt worden ist und stattdessen alles Mögliche unwidersprochen gedruckt wurde, was für den Ortswechsel ausschlaggebend war, nur nicht der Glaube der Glaubensflüchtlinge“.

Lange Pause

Bewohner:„Da ich selber, Bewohner hier und gleichzeitig der Autor dieses Sketch , Vorfahren habe, die aus solchen Gründen ihre Salzburger Heimat verlassen mussten und unter unsäglichen Mühen mit Sack und Pack sich eine neue Heimat gesucht haben…in den Niederlanden…andere in Ostpreußen, möchte ich dieses Lied singen, wenn es um die Entstehung dieses Ortsteiles geht. Zumal das Kirchlein, welches ausschaut wie ein Feuerwehrhäuschen im Quadrat, dem Autor ebenso wenig gleichgültig ist wie die Fluchtgeschichte selber, aber genau damit auch zusammenhängt. Das erste bei den Siedlern war immer: Kirche und Schule. Auch in Preußen. Nicht nur in Amerika“.

„Übrigens auch in jeder missionarischen Unternehmung weltweit, soweit es christlich ist“.

Pause.

Fragesteller:„Ich nehme aber an, dass es in andern Konfessionen und Religionen ähnlich sein wird, wenn es um ein spirituelles Erbe geht, dass – egal , wo auf der Welt – etabliert wird“.

Bewohner:„Ich erzähle das so ausführlich, weil es uns immer ärgert, auf welche Weise Profil verloren geht zugunsten einer Menge von Fakten, die einen dann erschlagen (beeindrucken) wie ein Steinschlag“.

Chor:“Oh – wie schön. Wie toll!“

Chor:“Oh Wissenschaft. Oh Akademie!“ –

Bewohnerin:„Oh, wie fallen wir immer wieder darauf herein und wundern uns dann, wo alles, was doch gut war, verloren gegangen ist. Nicht nur der Himmel, nein auch die Erde. Sie wird auf diese Weise wüst und leer – wie vor dem Beginnen“.

Bewohner:“Müggel heißt eigentlich MUGEL. Mugel heißt Grab. Der Müggelberg ist ein Kultberg der Sprewanen, der Urbevökerung dieser Gegend abwärts vom Spreewald kommend. Immer der Spree und der Dame entlang. Woher ich das weiß? Mit dem Fahrrad unterwegs an einem großen Hotel am See lese ich: MUGEL und die dazugehörige Erklärung. Damit die Hotelgäste wissen wo sie sind. Das sollten sie dann nicht mehr. Gab es Ängste? Das war schon vor Corona. Nein sterben wollen wir noch nicht. Das ist unheimlich. Dass die alten Völker eine Religion hatten, vielleicht eine primitive mit Kult-Berg, nicht ganz so wie auf Rügen, aber immerhin, muss kein Tourist wissen“.

Chor:„Wir sind empfindsam.“

Chor:„Sagt wer?“

Chor:„Sagen sie“.

Chor:„Wer, die Gäste oder der Anbieter?“

Fragesteller:„Irgend ein Programmierer hat es entdeckt, als der dem Ganzen neuen Schwung verleihen wollte und nahm sich dieser Info an“.

Bewohner:„Ich war sehr enttäuscht, als ich bemerkte wie flach und hohl alles wurde, was ja immerhin einen gewissen Tiefgang hatte. Man konnte sich schon wundern. Erst, dass solche Dinge in einem Schaukasten zu lesen waren und dann: nicht mehr. Auf einmal“.

Jemand aus dem Publikum:„Ja, alles kostet seinen Preis“.

Chor:„Die Neue Zeit“. Lange Pause.

Chor:„Der Glitzer und der Glammer“. Pause.

Chor:“Wir wollen so etwas nicht hören. Oberfläche bitte. Bitte, bitte!“

Bewohner:“Mugel gleich Grab gleich Kultberg, der Müggelberg und der Müggelsee. Mit Mücken hat das absolut nichts zu tun“.

Bewohnerin:„Wie Kitzbühel in Tirol nichts mit Kitzen zu tun hat“.

Fragesteller:„Da mag es noch so viele Holztiere davon geben, weil man ja schließlich etwas mitbringen muss für die Kleinen“.

Chor:„Vergiss es“.

Chor:„Verzeih es“.

Es ist alles so lange her und selbst Napoleons Truppen haben das Dorf nicht finden können auf ihrer Futtersuche…und mehr.

Zum Autor der Szene noch einmal extra gewendet der Schauspieler, der die Fragen aufwarf:

Sie Sie haben sich als Autor dieses SKETCHES geoutet. Sie wohnen dort also wirklich?“

Ich und meine Frau M. seit nunmehr über 18 Jahren. Seit meinem Ruhestand. Unsere Kinder und Enkel kommen uns dorthin besuchen und auch andere, die gucken wollten, wo wir geblieben sind. Damals: erste Besuche. Es ist natürlich sehr weit draußen hinter den sieben Bergen. In dem Fall die Müggelberge. Über dem See. In diesem Fall über dem Müggelsee. Wenn Du auf der Terrasse sitzt und lauschst, am besten gegen Abend, noch besser in der Nacht: Du hörst ihn rauschen: Den Wald, den Henry-Potter-Wald. Du hörst, wie das Wetter umschlägt. Du siehst wie auf einmal die Flugzeuge vom Flughafen Schönefeld nicht mehr starten, sondern landen, je nachdem aus welcher Richtung der Wind kommt.

Allein die Strömung ist aussschlaggebend, damit die Flügel tragen. Wie wenn Du Drachen steigen lässt. Du musst den Finger in den Wind halten, um zu wissen in welche Richtung du rennen musst, damit er steigt. Das bringst du Deinen Enkeln bei auf der Kirchenwiese, wo jetzt eine KITA gebaut wurde. Eine Freude, wenn er steigt. Und Trauer, wenn er abstürzt, weil du nicht wusstest, wo der Wind herkommt.

Oder das Bellen des Hundes ganz weit draußen in der Siedlung, wo früher die Äcker waren. Oder natürlich das Singen der Nachtigall, bei offenen Fenster. Das Käuzchen. Die Glocken der Gottesschachtel in Richtung Osten. Bei Westwind hörst Du sie nicht?“

Möchten Sie noch etwas sagen?“

Nein.“

4

Oliver holt Anne und Sophie ab vom Hauptbahnhof in der Mitte Berlins und alle drei sind wieder froh vereint.

„Ach mein lieber Iwan, was machst du mir für Kummer. Du schreibst nicht. Du appst nicht, du telefonierst nicht. Hast du überhaupt keine Sehnsucht nach uns?“, sagt sie schließlich selig in Wagen 3 der Erknerbahn. Sophie nickt eifrig. „Ja, Papa, Mama hat recht, du hättest ruhig ‚mal anrufen können. Die Großeltern und die anderen haben sich nur gewundert. Immer mussten wir anrufen und ein paar Worte aus dir herausquetschen.“

„Ihr könnt das eben alles viel besser, als ich.“

Damit war das Gespräch beendet und jeder guckte weiter selig vor sich hin oder zum Fenster `naus, als es durch die Wuhlheide ging. Endlich Köpenick, das Straflager in Volker Kutschers Berlin-Babylon für sozialdemokratische Polizisten im 3. Reich.

„Was sind wir doch, was haben wir…“summte plötzlich jemand in der Nachbarschaft.

„Ein lustiger Vogel“, dachte Anne und Oliver schaute sich um, wer noch alles im Abteil sitzt. Sophie summte mit. Plötzlich wurde Iwan Leskow lebendig und fragte;“Wie war es denn nun, erzähle doch `mal, Anne. Und du, Sophie, bist nicht so vorlaut.“

Da war aber auch schon das Kaufhaus und die Station. „Erst einmal aussteigen!“

Und man musste sich sputen zum Bus zu kommen.

„Erst mal`, erst `mal“, brummelte Oliver, eingetragen als Iwan (Russlanddeutscher).Als sie endlich im Bus saßen, hatte jeder vergessen, was er sagen wollte, weil sie so glücklich waren, sich wieder zu haben nach der langen Trennung.

Es war ja auch spannend, das Leben in Berlin.

Da gehen sie. Sie mit ihrer berühmten Umhängetasche aus Amerika und Oliver zog den Wagen mit den kleinen Rädern für alle Rollbahnen der Welt. In diesem Falle für die Bahnsteige nach Süden in den Fichtenwald und wieder zurück zu den Kiefern und den roten Dächern auf der Südseite der Müggelberge, dass es nur so knallt, wenn die Sonne scheint. Gerade im Winter. Aber jetzt ist Frühling. Ostern steht vor der Tür. Sophie mit Extra-Wagen von Oma geschenkt. Oma von Anne. Die Gute, die immer telefoniert hat über den Ozean, mit der Anne immer reden konnte. Die ihre Tochter verloren hat und eine neue Familie gewonnen hat durch den Schwiegersohn aus dem damaligen Osten, der überlebt hat gemeinsam mit Sophie, als die Autos schlingerten auf der Hochstraße. Damals kannten sie sich noch nicht. Diejenigen, die in den Autos saßen. Im Gegenteil. Sie waren Feinde und wollten sich töten. Ein Rachefeldzug mit den falschen Leuten im Visier.

Nun erreichen sie endlich das Gartentor zum sogenannten Wohnpark, eine Erfindung der Gartenbauarchitekten und Architekten, die diese Siedlung neu bauten.

Da kommt ihnen Petruschka aus Marzahn entgegen. Iwan hat sie angeheuert für die Wiederkunft seiner Frau mit Sophie aus dem Wald im Westen Deutschlands, der Heimat von Anne. Jetzt eilt sie und hält die Tür zum Bungalow. Alles gut. Zu Hause zwischen Müggelberg und Müggelsee.

Petruschka ist großartig und hat Kuchen besorgt und trägt den Kaffee auf.

„Hallo Petruschka, das ist ja toll, dass ihr mich nicht vergessen habt!“

„Wie sollten wir.“

„Wo ist Dein Mann?“

„Er wollte nicht mitkommen.“

„Warum?“

„Er ist immer noch so bedrückt, weil es diesen Krieg gibt im Osten.“

„Da muss er doch gerade mitkommen.“

„Das stimmt“, sagt Iwan.“

„Wir können uns doch nur gegenseitig trösten und Gott um Hilfe bitten in diesen wirren Zeiten.“ Sophie hält die Hände der Petruschka fest und zieht sie neben sich auf das Sofa. Dann erzählt sie von den Erlebnissen, die sie gerade hinter sich haben. „Der Großvater war ganz prima. Er ist ein richtiger Auto-König geworden in seinem Wald. Und Oma und Uroma haben getratscht, was das Zeug hält.“

„Die Oma ist die 2.Frau von Opa nach einem Unfall“, fügt Anne an.“Bei dem Unfall ist meine Mutter um s Leben gekommen“. –

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Am nächsten Tag wollten sich Anne und Sophie von ihrer Reise erholen. Am übernächsten auch noch. Dann war wieder Alltag. Die Schule begann wieder und Anne musste sich vorstellen auf dem Arbeitsamt. Sie haben ihr eine Stelle in Aussicht gestellt.

Lehrerin für die Klassen 1-4. Ihr Traumberuf, den sie schon angefangen hat zu lernen in Amerika.

Mal sehen was sie sagen. Ja, sie müsse einige Kurse besuchen, um die Eignung vor Berliner Schulklassen garantieren zu können. Was allerdings für Amerikaner nun gerade kein Problem sein dürfte.

Und auch noch, wo sie doch aus dem New Yorker Umfeld nach Berlin umgezogen ist. Außerdem ist ihr Mann auch ein pädagogischer Typ, der nicht ohne Grund als Ausbilder in der russischen Armee eingesetzt war von der Behörde, die für Freiwillige aus dem Ausland zuständig war. Und auch die erste Zeit in Berlin: Berufschule, in die Jugendliche aus dem Holzfach ein und aus gingen!

Also los. Nachdem sie die Kurse besucht hat und die Eignung bestätigt wurde hat man ihr zwei Schulen angeboten. Da die Familie ihren Wohnsitz in Köpenick hatte, hat sie sich die Köpenicker Schule ausgesucht und einen Termin vereinbart mit Hilfe des Arbeitsamtes und und der entsprechenden Einrichtung des Berliner Senats. Es wurde die Humboldt-Schule. Sie hätte auch ein christliches Gymnasium wählen können mit KITA und unteren Klassen, aber sie wollte sich zumuten in einer typischen Ostschule zu unterrichten, gerade weil ihr Elternhaus im Westerwald zu finden war und ihre Jugend und Ausbildung US-amerikanisch gelenkt wurde. Wenn man das überhaupt so sagen darf.

Also freute sie sich: Auf die Kollegen und Kolleginnen, auf den hoffentlich smarten Direktor und vor allen Dingen auf die Kinder.

Sie war in der Lage alle Fächer für die Unterstufe zu übernehmen. Am 5. September 2024 sollte der Unterricht beginnen. Sophie ging in eine andere Schule und war inzwischen in der 8. Klasse. Sie würden alle zusammen aus dem Haus gehen. Jeden Morgen. Und in verschiedene Richtungen fahren. Oliver in seine Holzbude, weil er auf einmal wieder als Tischler mit Kopf , Herz und Händen arbeiten wollte.Sophie in ihre Schule weiter nördlich und Anne Humboldt. Oliver musste sich nicht großartig darauf vorbereiten. Sein Urlaub ging zu Ende, den er sich genommen hatte, um Frau und Kind würdig zu empfangen. Sophie jaulte, wie alle Kinder, wenn die Ferien zu Ende gehen. Aber sie freute sich doch.

Oliver freute sich auch.

Es ging einfach weiter. Maschine anwerfen nach Hallo und Umziehen im Umkleideraum. Sägen, Hobeln, profilieren. Pause für Mitgebrachtes.“Wie war es zu Hause im Waldgebirge für Anne und Sophie?“ „Ja, jetzt schwärmen sie vom Wald mit Fichten und Tannen.“ „Na, sie werden sich wieder an die Kiefern und Birken gewöhnen.“ „Ja, hoffentlich.“ „Hättest eine Russin mitbringen sollen.“ „Ja, da gibt es noch mehr Birken“, pflichtet ein anderer Arbeitskollege bei. Sie kannten sich von Betriebsfeiern und-Ausflügen. Es war ein gut funktionierender Familiebetrieb

Natürlicher Weise kennen sie ihn nur als Russlanddeutschen und er muss froh sein, dass niemandem sein Deutsch, mehr amerikanisch als russisch, so merkwürdig vorkam, dass sie ihn -jedenfalls bis jetzt – dazu löcherten. Arbeiter können sehr taktvoll sein und sensibel. Zumal die sogenannten Holzwürmer. – Sprichwörtlich!

Es gibt ja sehr viele Russlanddeutsche gerade auch in Ost-Berlin, denen man sicher mehr Russland zugetraut hätte als ihm. Wenn man sie hört in den U-Bahnen, den Bussen und S-Bahnen, Straßenbahnen. „Wir machen uns darüber nicht all zu viel Gedanken,“ sagen sie .

„Er ist gebildet“.

„Jeder Mensch ist anders.“

Aber perfekt russisch kann er. Sie haben ihn gebeten, einmal dasselbe in russisch zu sagen, was er eben in astreinem deutsch gesagt hatte. Da haben sie gestaunt. Sie kennen Russisch noch aus der Schule, wenn sie alt genug dazu sind.

Es war meistens nicht ihr Lieblingsfach.

„Wer das nicht lesen kann, ist ein dummer Wessi“ in kyrillischen Buchstaben. Dazu reichte es.

„Ich habe gehört, das hängt in manchen Tischlerbuden“, sagt einer. Wenn sie herumsitzen in den Pausen oder beim Bier zum Feierabend. Also, die Russen waren doch mehr Freunde als so mancher Wessi? „Kann man sagen“, sagt einer.“Besonders, wenn sie arrogant sind und eingebildet, die Wessis“, sagt der rotblonde Vorarbeiter.

„Nun aber los, genug geschwatzt. Der Auftrag lockt. Wir können gutes Geld verdienen. Ein reicher Pinkel will selbst gebaute Küchenmöbel. Preis spielt keine Rolle.“ „ Da wird sich der Alte aber freuen.“ „Na, nicht nur der, wir bekommen eine Prämie wenn wir den Termin schaffen, den sie uns gesetzt haben.“

So ging das den lieben langen Tag, wenn es gut ging. Manchmal ging es auch nicht so gut. Da musst du höllisch aufpassen, dass Dir nicht eine Spanplatte beim Abladen an die Hacke fährt. Die Dinger rutschen auf der Rutsche durch das breite Kellerfenster und können jeden treffen,wenn jemand die Gewalt verliert über die Dinger. Ober auf der Straße. Pass auf. Und sieh zu, dass du nicht einen Stiefelabsatz spürst im Gesicht, wenn es leidenschaftlich wird. Das Gebrüll – schon wegen der Maschinen.

„Du musst dich konzentrieren.“

Oliver hat Tischler gelernt nach dem Abitur.Vor dem Studium. Bei seinen Adoptiveltern. Dann haben sie ihn geholt, die Amis. Und die Eltern haben ihm gut zugeredet, darauf einzugehen: „Es ist eine Chance!“ Sie wussten aber auch: Handwerk ist immer gut. Und jemand erzählte aus der Kriegsgefangenschaft, wie gesucht Tischler waren in den Lagern. Holz ist ja auch ein ganz besonderer Stoff. Es lebt. Es arbeitet.Es hat Schönheit, wenn die Maserung zu sehen ist. Ja, ja gefährlich ist es auch, seit es Maschinen gibt auf dieser Erde. Kein Rad dreht sich so schnell wie die Kreissäge. Wenn Du Metalle vor dir hast, musst du behutsam sein wegen der Härte. Da ist nichts mit schnell, nur mit Geduld wie mit dem Stein, der ausgehöhlt wird vom steten Tropfen, der ihn trifft.

Aber Holz?

Im Nu.

Eben das gilt auch für Holzbohrungen. Alles schön schnell. Alles schön gefährlich. Kein Rad der Welt dreht sich so schnell, wie die Sägeblätter und die Bohrer, wenn sie auf Holz treffen. Und die Fräßen! Oliver ist trotzdem froh, nach dem Gymnasium ein Handwerk in Deutschland gelernt zu haben und nicht nur Studium und dann SECURITY in den USA. Jetzt kann er das gut gebrauchen. Übrigens der Betrieb, in dem er Arbeit gefunden hat, heißt TALITZKOW. Das war ein Holzbetrieb mit ungefähr 20 Mitarbeitern auf privatrechtlicher Grundlage sogar noch in der DDR jedenfalls bis zur letzten Sozialisierungswelle in den 60iger/70iger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Dann hat es Honey gepackt und er musste den Sozialismus vollenden indem die kleinen noch im sozialistischen Privatstatus verbliebenen Privatbetriebe verstaatliche wurden.

Ich weiß nicht welcher Teufel ihn da geritten hat. Alte Ideale? Der FDJ-Sekretär.

Und Sophie in der Schule? Sie wurde auch ausgequetscht, wie es denn im Westen unseres Vaterlandes gewesen ist. Wie kann ein Wald WESTERWALD heißen?

„Prima“, hat sie geantwortet.

5

Nun war also Anne im Schuldienst des Senats von Berlin, des Landes Berlin. Sie war nicht verbeamtet.

„Diese feinen Unterschiede einer typischen BRD-Diskussion“, moniert der Chor der Unzufriedenen mit ALLEM.

Die Begrüßung und Vorstellung im Lehrerzimmer ging reibungslos. Ihr wurden die Cafe-Maschine gezeigt, die ganze Art und Weise „wie das hier geht“, wer für was und wo zuständig ist. Also die allgemeine Ordnung, die ungeschrieben war, aber deshalb um so wichtiger. Dann nahm sie der smarte Direktor bei der Hand und führte sie in die Klassen, in denen sie unterrichten würde. Es waren Arbeiterkinder, von Angestellten, ein paar Intellektuelle gab es auch, die ihre Kinder dieser Schule anvertrauten. Es war eine Ost-Schule mit Ostbevölkerung, eben Köpenick, der östlichste Bezirk. Hätte man früher gesagt, durch Generationenwechsel, grünes Lebensgefühl und anderes mehr begann aber auch hier die Fluktuation, die Grenzen sind verschwommen. Es gab auch die AfD, die Rechten und die Linken, die demokratische Mitte mit außerordentlich wenig Christentum. Nicht nur DDR, sondern Berlin eben. Gysi war immer noch der Patron und wurde regelmäßig direkt gewählt. Obwohl im Nordosten ein Messdiener die LINKE verdrängte und der Flecken im Bundestagswahlspiegel auf einmal schwarz geworden war. Und blau. Das ist bemerkenswert. Und deswegen fühlte sich Oliver Iwan hier so wohl. Nicht nur die Russlanddeutschen wählten blau, nein, auch die Ossis, die genug von Krieg haben und Jewtuschenko glauben wenn er singt:“Glaubt Ihr die Russen wollen Krieg?“ Wie nahe sind sie sich inzwischen alle: dieses Bündnis, welches die Schülerin aus Jena gegründet hat, Sarah Wagenknecht, die Linken, wenn sie ehrlich sind und nicht machtversessen. Wenn sie treu sind den Idealen der „Großen Ruhmreichen Sowjetunion“, die Alternative für Deutschland, zu denen alte SPD – Genossen geströmt sind und ehemalige SED-Genossen ebenso – manches Mal gab es da sowie keinen Unterschied. Jetzt nicht. Damals nicht. Ja, ja, die Deutsch-Nationalen, die leider verboten werden mussten vor 75 Jahren, weil es zu schwierig war den Alliierten die feinen Unterschiede zu erklären, die es aber ausmachen. Was ist deutsch-national. Was ist Nazideutschland. Die Deutsche Demokratische Partei hat man nicht verboten, die Liberalen der Weimarer Republik, die ja auch in Teilen dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt hatten aus Angst vor der Bedrohung aus dem Osten. Die Bedrohung hieß Kommunismus, Bolschewismus. Trotzki, Stalin, ja auch die wütenden jüdischen Genossen der Kommunistischen Partei in dem großen Russland.-Wer kennt eigentlich noch die Geschichte der KPDSU? Auch Arbeiter und Arbeiterinnen hatten Angst und wollten diese Art von Sozialismus gar nicht. Auch und gerade in Berlin nicht. Mehr als in München, wo die Schwärmer der Räterepublik ihren bayerischen Ton angaben und scheiterten. Ja, auch das Zentrum hat man nicht verboten, die Katholische Einheitsfront. Sie haben auch mit abgestimmt, ob der Führer Sondervollmachten bekommen darf angesichts der Lage. Sie blieben: die CDU, die FDP mit dem ersten Präsidenten der Republik, der auch mit gestimmt hatte. Er hat es selber gesagt.

Nur die SPD, die jetzt bei 16 Prozent liegt, sie hat gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt. Und sie hat mit Fritz Reuter gerufen: „Die rot lackierten Faschisten!“ von WEST NACH OST. Über die Mauer, die erst nach diesem Ruf gebaut wurde. – Das ist die politische Gemengelage im Ostteil Deutschlands im Ostteil Berlins. Dort, wo Anne, Sophie und Oliver Iwan leben und arbeiten. Das ist die Politische Decke, die über alles gelegt ist, darunter bewegt sich das alltägliche Leben. Oder darüber. Je nachdem wie man es sieht. Politik als Untergrund oder als Schutz. Eben der Staat. Der übrigens auch geschützt beziehungsweise gestützt werden muss und nicht verteufelt und ständig angegriffen. Es sei denn, er entwickelt sich zu einem räuberischen Haufen (Augustinus).

Ob das alles Anne so bewusst war?

Aber im Großen und Ganzen hatte sie ein Gespür und war auch deshalb geeignet Kinder im Staatsdienst zu unterrichten mit einem Schwur auf den demokratischen Rechtsstaat. Und – was noch wichtiger ist – der Direktor wird es gewusst haben. Er selber war der SPD treu geblieben und war bekannt mit dem Ortsteil-Bürgermeister in Berlin Treptow-Köpenick, auch SPD von der letzten Wahl her. Wer grün war im LehrerInnenkollegium und wer rot oder schwarz, lila-rot, SARAH, heimlicher oder offener Sympathisant wird Anne mit der Zeit schon noch erfahren. Hauptsache war die Liebe zu den Kindern, den Mädchen und Jungen, die lernen mussten sich zurecht zu finden in dieser Welt, die für ihre Großeltern so neu war, wenn es Einheimische waren, echte alte Berliner, Ostberliner, Köpenicker. Und zwar nicht nur durch Lesen und Schreiben, sondern auch durch Malen, Singen und Tanzen. Ja, auch tanzen und Märchen erzählen. Das dachte die gelernte und studierte Lehrerin mit amerikanischer und deutscher Lebenserfahrung, einem Abschluss für Lehrerinnen in en USA und in Westdeutschland in der Zeit, als ihre Mann verschollen war im Krieg Russlands gegen die Ukraine und nun zurück gekehrt war als Antragsteller Oliver Iwan Schostakowitsch, deutscher Herkunft aus Russland, Wolgagebiet. Wenn jemand seinen wahren Lebensweg weiß, kann er ihn anzeigen. Bei wem? Bis dahin war es Beichtgeheimnis. Nur wenige wussten Bescheid. Sie waren auch deshalb zu Hause in einer Kirchengemeinde, die besonders engagiert war für Menschen, die von den Deutschen als Russen und von den Russen als Deutsche beschimpft wurden. Jedenfalls war es zu Beginn so, als CDU-Regierungen den Weg ebneten für Rückkehrer. Eigentlich sind das alles Jahrhundertereignisse, die früh angezeigt haben, das nichts so bleiben wird wie es war.

Wie wird es? –

Ja und auch deshalb wird es darum gehen: Mathematik, Rechnen, Smartphone. 2 plus 2 bleibt 4 . 6 plus 8 bleibt 14. Beziehungsweise wird wieder 14. Es gab so viel Ideologie, das sogar das infrage gestellt worden ist.

Bei der Vorstellung im Lehrerzimmer wurden ihr die Kollegen vorgestellt. Sie fragte, gibt es auch einen Lehrer für Religion, eine Lehrerin? – Wir haben erst ab 7.Klasse dieses ordentliche Wahlfach. Aha, und wo erfahren die Kinder etwas von dem was sie ausmacht. Der Glaube? – In ihren Gemeinden und zu Hause , schaltete sich der Direktor ein. -Das gilt sowohl für die christlichen wie auch muslimischen Kinder?- Ja, es ist eine kleine Minderheit. Die DDR war ein atheistisches Land. Die Ureinwohner sagen: es reicht uns BerlinerInnen zu sein. –

Heute hatte Anne noch keinen Unterricht zu geben. Das war eine allgemeine Vorstellung. Sie bekam die Stundenpläne ausgehändigt und ab nächsten Montag ging es los. Das war im Mai 2025 als alle Welt von Trump sprach, Selenski und Putin, dem Verbrecher. Und vom Frieden nach über drei Jahren Krieg. Die GROSSE WOLKE über allem: 80 Jahre Frieden, eben nicht, in Europa. So hat es sich jeder gewünscht. Aber es konnte dann nur heißen für die Siegermächte und das arme Deutschland mit seinem erstickenden Wohlstand KRIEGSENDE 80 JAHRE. Und Russland war auch Sieger. Und das war das Schlimmste. Niemand begriff das mehr als Anne und Oliver, der Iwan heißen muss, sonst hätte er nicht zurück kommen können.

Insofern war es gut, dass Anne nur „die Kleinen“ hatte, nicht die Großen.

Sie hoffte und betete für den Frieden in ihrer Familie und für zu Hause im Westerwald und für die Welt. Für die Freunde in AMERICA, für die Menschen, die Oliver vor Jahren getroffen hatte während seiner Flucht aus amerikanischem Gewahrsam über Berlin, über Pommern, Polen, Belarus – bis nach Russland. Für die Russinnen und Ukrainerinnen, die Mütter und Väter in Russland und der Ukraine, die ihre Söhne und Töchter verloren haben, die in den Krieg zogen, um für die Freiheit der Ukraine zu kämpfen. Ihr Ideal seit Hunderten von Jahren. – Was für eine Freiheit heute? Frei von Russland, dem Großen Bruder, frei von der Übermacht im Osten und Süden? Frei von der Geschichte – endlich – im WESTEN ankommen.

Nur Lust und Liebe und ZEIT? Und Tod? Leben, Leben, Leben.

Wann hört die Operation auf, ein schreckliches Wort für einen grausamen Krieg.

Ja, ja, das Spezielle. Der quere Krieg. Querfront. Der Krieg ohne Kriegserklärung. Der Einmarsch. Die Agression. Die Geschichte, der schwächste Punkt.

Geschichtslos. Gottlos. Was ist besser. Was ist schlechter. Was ist gut, was böse. Das böseste Dunkel. Das Abgründige. Das Verstörende. Asymetrisch. Partisanen.

„Frieden. Frieden“, schreien sie.

Die Menschen auf dem Feld der Ehre, die Opfer. Die Idealisten. Die Chefin einer Abteilung des amerikanischen Geheimdienstes, deren Sohn sich durchgeschlagen hat an die russische Front im fernen Europa, um für Russland zu kämpfen, weil Russland für den GAZA ist und ihr Sohn seine Heimat hasst. Hat die Mutter keinen Mann. Ist die Ehe geschieden? Davon kein Wort in der Meldung. Aber jetzt weint sie. Er soll gefallen sein. Nicht auf ukrainischer sondern auf russischer Seite. Der einzige Sohn in einer emanzipierten Ehe, in einer gescheiterten Ehe. Davon kein Wort. Der Spiegel zitiert die Todesanzeige der Eltern: „Nun hat er seinen Weg des kriegerischen Geistes und des Heldentums vollendet.“ Noch ein paar Tage vorher war der Eindruck entstanden, es handel sich um einen Freiwilligen auf ukrainischer Seite. Passte ja auch viel besser in das progressive Deutschland, deren Diplomaten sich einst verpflichtet haben, die Gräber der Roten Armee zu pflegen. Das waren die Zeiten als Steinmeier als russlandfreundlich galt und Russland laut jetzigem russischen Botschafter in einer Diskussionsrunde im THEATER OST in OSTBERLIN das beliebteste Land in Deutschland war. Das halten zwar Einige auch für übertrieben. Aber wer weiß.- Wann wird das Ganze auffliegen? Der Krieg? Apokalypse. Das Elend. Wann ist ERLÖSUNG? Wo ist Gott? Kommt er nun wirklich.- Und der falsche Russlanddeutsche? Die Notlüge, damit er nicht verhaftet wird und den USA übergeben, denn er ist immer noch amerikanischer Staatsbürger. Im Dienst des amerikanischen Geheimdienstes. Er wird gesucht. Er ist Geheimnisträger. Er hat das Vertrauen missbraucht, welches man ihm entgegengebracht hat vor allen Dingen wegen der Fürsprache eines Geistlichen. Nämlich Henry aus Magdeburg – ursprünglich.

Er durfte eine Auszeit nehmen und seine Frau mit der Tochter Sophie nach Deutschland begleiten. Sie wollte dort in ihr Elternhaus ziehen, um eine Lehrerausbildung für die unteren Klassen zu beginnen und abzuschließen, um später auch in diesem Beruf arbeiten zu können. Man wird sehen, haben sie gesagt, ob das mit Oliver geht, ob es eine Möglichkeit gibt für den Geheimagenten in Europa zu arbeiten. Für eine längere Auszeit war es eigentlich zu früh. Zu wenig Dienst-Zeit. Zu wenig Verdienste. Besondere Verdienste. Ein Sabbatjahr kommt in der Regel höchstens nach zehn Jahren infrage. –

Erst einmal fliegt gar nichts auf. Die Beamten fragen nicht nach. Scheinbar haben sie keine Anhaltspunkte um nachfragen zu können in dem deutschen Rechtsstaat. Seit kurzem nicht mehr rot-grüner Prägung nach der letzten Bundestagswahl.

„Jetzt sind wir Schwarz-Rot.“, sagen die Mächtigen.

Ob die Farben das Entscheidende sind wird sich zeigen. Vielleicht spielt ja auch eine Rolle, wer den Krieg gewinnt: der Friedenswille des Donald Trump. Oder? – Alle Menschen wollen Frieden. Alles neu macht der Mai. Erster Mai – alle Menschen werden frei. Tag der Befreiung. Gestern Spitzennachricht, dass WLADIMIR SELENSKI am Donnerstag nach Istanbul reisen will, um mit WLADIMIR PUTIN zu sprechen. Das erste Mal.

Haben wir verlernt, dass es Grenzen gibt, die bei Überschreitung Krieg bedeuten?

Ja oder nein.

Haben wir verlernt, dass Räder nicht einfach zurückgedreht werden können, weil wir keine Mechanik sind, keine Aufzieh – Puppen. Dabei geht es nicht nur um Grenzen, die eingetragen sind auf den aktuellen Landkarten, sondern auch um Grenzen, die respektiert werden müssen. Einfach. Einfach respektiert. Sonst gibt es Hauen und Stechen. Was wollen wir sprechen? Die Sprache des Friedens oder die Sprache des Kampfes, des Freiheitskampfes, der Waffen. Des Horrors. Der Vernichtung?

Die Supermacht AMERICA drängt darauf direkt zu verhandeln. Ohne Vorbedingung. Keine europäischen Spielchen. Kein 1. Weltkrieg. Kein Schlafwandeln mit Christopher Clark.

Nun gibt es seit der Inauguration von Donald Trump die Hoffnung, dass Gott gerade diesen zu seinem Werkzeug des Friedens machen will. Schon andere sind zum Werkzeug geworden, wo wir nur den Kopf schüttelten.

Das ganze neue Jahr hindurch. Wann kommt der Durchbruch. Nicht der russischen Truppen. Bis wohin wollen die ukrainischen Truppen durchbrechen?

Nicht St. Georg, der Verbotene, bis Kiew. Werden neue Grenzen gezogen. Weil es soviel Opfer gibt. Jeder Tag zählt. Jeden Tag werden Kreuze im Osten aufgestellt. Die orthodoxen Kreuze mit dem Querbalken die.

„Ich erinnere mich an den Bergsteiger, der mit Vornamen Reinhard heißt. Du kannst mit einem Korb zu ihm hochgezogen werden in Tirol. Im frommen ehemaligen Tirol. Wenn du das willst. Dort wohnt er. Habe ich gehört. Inzwischen ist er steinalt geworden und hält Vorträge. …lebt er eigentlich noch? Jedenfalls fordert er, dass die Unsitte mit den Kreuzen auf den Gipfeln aufhören soll. Die eine bauen ab. Die anderen auf. Die Welt ist aus dem Gleichgewicht. Höre ich jeden Tag im Radio, sehe ich im Fernsehen. Vom Internet möchte ich nicht reden. Es ist sowieso an allem Schuld. Die Frommen meinten zu Beginn des Internets, es sei vom Teufel. Jedenfalls Einige. Wir werden lernen müssen, damit umzugehen“.

Jetzt haben sie ein Problem damit, dass es in America nicht mehr US-Präsident Biden ist, der den Wandel, die Wende, CHANCE mit und ohne Kekse herbei geführt hat, sondern Donald Trump, der mit dem Sterben aufhören möchte. Seit seiner Wiederwahl nach vier Jahren BIDEN. Wie stehen sie jetzt da? Die hörigen Nachfolger der Supermacht, die geblieben ist, die sie hätten aufklären können über die Tücken in Europa.

Jedenfalls war heute vorbeugend Oliver Iwan bei einem Hörtest. Wegen der Maschinen, die einen wirklichen Höllenlärm machen. Da brauchst du Kopfhörer zum Schutz, damit Du nicht zu früh aufhörst die feinen Töne zu hören, die zwischen den Menschen schwingen. Die Entscheidenden, wenn Du aufwachst und die Stille hörst. Jedenfalls ab und zu. Er hat den Test bestanden und der Betriebsleiter ist stolz auf seine Fürsorge und das Zertifikat, dass Oliver Iwan ihm zeigt. Nun kann er sich wieder seine tiefblaue Tischlerschürze umbinden, in die Hände klatschen und sagen: „Los geht s.“ Wie ein richtiger Berliner Facharbeiter. Bei der nächsten Pause wird er erzählen, wie die Ärztin war und die AUDIO-Laborantin – so was hören die Leute gerne.

Spätestens morgen beim Frühstück.-

Kein kritischer Blick, keine Nachfrage, warum auch. Die Praxis ist froh ihr Geld zu verdienen, denn sie wartet nicht: die nächste Rate wegen aller Neuanschaffungen und Modernisierungen. Eigentlich ist das ja verwunderlich in der großen Stadt Berlin mit seinen bald vier Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, dass ihn n i e m a n d erkennt. Dass ihn niemand fragt:“Wer sind Sie wirklich.“ Ist er so echt russisch geworden in BELARUS, in RUSSLAND in den Gebieten, die vor einem Menschenalter mit Russen besiedelt worden sind, weil STALIN endlich Ruhe haben wollte in der Ukraine und besonders in den lebenswichtigen Industrie-und Bergbaugebieten am Don.

Es wird wohl eher umgekehrt sein: bei so Vielen fragt man nicht.

Wo sind die vorherigen Einwohner im Donezk? Wurden sie umgesiedelt oder haben sie gemeinsam versucht mit den Neuankömmlingen ihr Land zu gestalten?

Viele Kriege wurden begonnen mit dem Argument, der Staat ist dazu ist dazu da, seine Bürger zu schützen. Die Nation zu schützen.

Friedlicher:„Heim holen… in s Reich“.

Wie oft wurde ein Staat zum Verbrecher, weil seiner Meinung nach die falschen Bürger auf den wichtigsten Schätzen der Erde saßen, die er verwaltete. Die Sowjetunion konnte auswählen und hat sich das Recht heraus genommen umzusiedeln, um die richtigen Bürger dort zu sitzen zu haben. Zuverlässig. Zum Beispiel die Russen. Daher gibt es im Osten der Ukraine überwiegend die russische Bevölkerung.

Ein edles Motiv sich um jeden Einzelnen zu kümmern wie ein Vater (Vater Staat) und eine Mutter (Mutter Kirche). Die negative Entsprechung dazu ist dieBevölkerungspolitik indem vertrieben wird.

Umvolkung u.s.w. Das ist Diktatur. –

Aber es ist lange her. Wie lange? Du kannst die Geschichte nicht einfach zurückdrehen. Aber die Erinnerung bleibt, die kollektive. Die Ungerechtigkeit, sagen wir. Sie wirkt nach. Auch um den Preis eines Krieges? Ist es nicht auch ungerecht, drei oder vier Generationen zu bestrafen, weil sie damals von STALIN positiv umgesiedelt wuren, damit Russen die Kohle abbauen und nicht Ukrainer, die Stalin hasste. Können wir das zurückdrehen? Wollen wir das unterstützen ? Demokratie ist gefährlich. Jeder hat eine Stimme:“Wir sind Russen, wir leben in der Ukraine und wir haben gewählt. Wen? Na den, der uns am nächsten ist. Ist das verboten. Wir wollen nicht zum Westen wie ihr. Lasst uns autonom bei Euch leben. Und unsere Sprache sprechen. Nein, die Denkmäler gefallen mir auch nicht. STALIN, LENIN, aber die in der WESTUKRAINE auch nicht: Die Helden mit den Runen am Gürtel, dem Blut ihrer Großväter an den Händen. Wer hat auf den Dächern gesessen und dafür gesorgt, dass es Tote gab, die gerächt werden müssen. Gerechte Gewalt. Provokation. Keiner weiß das wirklich. Ich auch nicht. Es kippte. Es sollte und musste kippen. Schicksal? Die Deutschen sollten ihren Hang in Richtung Osten zügeln. Das ist wichtig. „Der Osten – ein Verhängnis.“Ein Buchtitel, der eines Abends auf dem Tisch lag.- Auf dem Weihnachtstisch. Zum Heiligen Abend in den frühen neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Es ist schwer zu regieren und gerecht zu sein. Es ist schwer nicht zu einer kriminellen Bande zu werden(Augustinus). Wie ist es mit dem GAZASTREIFEN? Wegen Israelischer Bürger und Bürgerinnen, die zu einem Tanzfest entführt wurden, gefoltert, gequält, umgebracht, gibt seit anderthalb Jahren Krieg im Nahen Osten. „Der Staat muss uns schützen!“ Tut er auch.-

Die Amerikaner würden bomben… wenn amerikanische Bürger entführt und misshandelt werden.

Menschenraub in der Antike. Raub der Sabinerinnen. Raub, Raub, Raub – der trojanische Krieg. Das Trojanische Pferd. Was ist Gerechtigkeit. Was ist ein gerechter Krieg? Gibt es ihn? Wo soll das verhandelt werden. Hilft uns hier die Bergpredigt weiter? Ja, ich glaube, dass wir, wenn wir im Geist der Bergpredigt Jesu denken, reden und handeln kreativ genug sind, um zu einer vernünftigen Lösung zu kommen. Keiner bekommt den Himmel auf Erden. Und ich glaube, dass die Deutschen in ihrer Friedensrolle versagt haben. Sie haben sie schlichtweg vergessen. Sie sind dem Goldenen Kalb hinterher gerannt und tun es noch. Warum waren sie nicht dankbar, dass Gorbatschow ihnen die Freiheit schenkte, auch die Freiheit sich wieder zu vereinigen. Oder nicht.

„Wissen Sie noch wie sich die Opposition spaltete?“, fragt jemand Herrn K.

„Nein, ich weiß es nicht.“

“Nicht mehr?“

„Kann sein.“

„Oder wollen sie es nicht mehr wissen…?- Die einen fassten sich an den Händen und bildeten lange Menschenketten den Straßen entlang, um zu demonstrieren: MIT UNS NICHT. KEINE WIEDERVEREINIGUNG! Sie haben es aufgeschrieben oder vorher in den Zeitungen und auf Flugblättern kund getan: MIT UNS NICHT. KEINE WIEDERVEREINIGUNG! KEIN VOLK!“

Die andern verfassten Gegenflugblätter und waren begeistert von der IDEE: Wir sind das Volk. Sie waren gesellschaftlich gesehen die Schwächeren. Die Konservativen auf dem Abstellgleis. An eine Schriftstellerin erinnere ich mich noch genau. Vorher noch nie gehört. DIE LINKE nahm ihren Einfluss. Und ihr Recht. Denn sie hatten den revolutionären Impuls auf die Straßen gebracht.Sie waren die Fortschrittlichen, die das verhasste Honecker-Regime ablösen wollte. Mit Mut und Verstand.

Trotzdem musste es ja nach der Revolution weiter gehen. Und da kommen dann die g a n z a l t e n Erzählungen zu ihrem Recht. Natürlich haben wir eine Sprache gesprochen, waren wir ein Volk. Nicht nur die übrig gebliebenen 16 Millionen in der Deutschen Demokratischen Republik. Auch die anderen. Auch eine gemeinsame Geschichte h a t t e n wir. Jedenfalls unsere Eltern und Großeltern. Nicht nur schön. Nein ganz und gar nicht. Nicht einmal nur hässlich. Nein, ganz und gar nicht. – Das Dritte Reich war abgehakt in der Zone, weil Wir ein antifaschistisches Land waren. Wir mussten eigentlich über diese Dinge nicht mehr reden.

„Oh, hatten wir es gut“, ruft einer dazwischen.

„Zynismus?“

„In den Gesprächen ging es meistens gar nicht so hoch her“, wirft eine ein.

„Meinen sie Parteiversammlungen?“

„Wo wurde denn richtig heiß diskutiert?“

„Und nach den zukünftigen Grundlagen gesucht?“

Richtig, sagt der Mediator.

„Ich meine Ihre Frage.WO?“

Mediatoren gab es später, also war jetzt schon eine Weile Zeit vergangen in der so genannten Wendezeit. Wir sagten noch Moderatoren und haben auch selber moderiert, weil wir uns dafür befugt sahen mit der kirchlichen Neutralität.Außerdem haben wir das auch gemacht, als es noch keine Unterhaltung war, sondern bitterböse ernst und unter Umständen mit Folgen. Ziel: Umsturz. Was sonst. Wie sonst- das ist auch eine Frage. Und überhaupt das WIE, das WIR und das WAS.

ES. Substanz. Um was ging es.

Das sagten uns dann die Nachfolger und Nachfolgerinnen, die den Steuerknüppel in der Hand hielten, damit das bundesdeutsche Schiff nicht in Untiefen geriet.

Vermeintlich. Wie wir erst viel zu spät mitbekommen haben. Um was es ging: Demokratie, an die wir glauben sollten. Wir mussten aber gar nicht beigebracht bekommen, was Demokratie ist. Wir kannten nämlich die Diktatur. Und zwar nicht nur aus Geschichtsbüchern.Sondern aus eigener Erfahrung.

„Ja, ja, die Deutungshoheit, die haben sie uns uns aus der Hand gerissen und belehren uns jetzt wie es zur Friedlichen Revolution gekommen ist. Und warum.“

„Mein Gott, ist das peinlich!“

„Diese Oberlehrer.“

„Und wir die Untertanen“, schrie ein Alt-Acht-und-Sechziger dazwischen.“

„Sei du ruhig!“, wurde er von den Seinen zurechtgewiesen.

Wessi, was für ein schöner Schimpfname. Ebenso Ossi, ebenso Wossi und was es sonst noch so gibt. BUNDI ist schon fast BND. Die Deutschen haben ein Problem. Sie müssen miteinander auskommen in einem politischen Land namens BRD. Sie sind deshalb froh, endlich eine Ossi-Frau als Bundeskanzlerin zu haben u.s.w.u.s.w. Damit hat Oliver alias Iwan oder umgekehrt absolut nichts zu tun. Sie haben ihn gut erzogen, die Adoptiveltern nahe Frankfurt am Main. Sie haben ihn gehen lassen, als man ihm ein Zukunft in den USA vorführte. Sie hingen immer noch an ihm. Während der Ausbildung dort. International. Im Westen. Nein, in Amerika, USA. Damit hat auch seine leibliche Mutter nichts zu tun, sie war in ihrer Rachsucht unterwegs und hat sich schuldig gemacht. Bis sie nicht mehr konnte und sich stellte. Von Diskursen hat sie nie etwas gehalten.Sie handeltNicht immer zu ihrem Vorteil, sondern wie sie meinte aus Gerechtigkeit. Weil das Recht auf ihrer Seite stand. Vom Jüngsten Gericht hat sie nie etwas gehört. Höchstens, dass am 30. Mai die Welt untergeht. Aber das war ihr auch egal.- Seit Oliver in Berlin als Iwan Schostakowitsch gelandet war und Iwan der Russlanddeutsche und Anne Leskow sozusagen zum zweitenmal als Familie aufgetreten sind, war der Kontakt zu den Adoptiveltern und der leiblichen Mutter mehr als spärlich. Eigentlich Null. Die Adoptiveltern waren alt und die Mutter eine Spionin des FBI. Das konnte gefährlich werden und zur Aufklärung führen, wer Oliver/Iwan wirklich in Berlin war: ein übergelaufener Spion des FBI, der auf russischerSeite im Krieg sein technisches Wissen weiter gegeben hat an die zum Teil altmodische Armee des Heiligen Russland. Dem dann aber ein Pope den Rat gegeben hat, zurück nach Deutschland zu gehen, in seine Heimat, in der er geboren wurde, wenn auch im Gefängnis.

„Werde ein Russland-Deutscher“, sagte er zu Oliver.“Das ist besser für dich und auch für dein Kind und deine Frau, die auf dich warten. Das sind jedenfalls die Werte, deretwegen ich hier in der Armee Putins diene. Im Auftrag Kyrills, im Geist der Orthodoxie, der ROK“.

„Bringe deine Liebe zum Heiligen dort ein. Im Alltag. In der Community der vielen Russlanddeutschen, die Stalin verfolgte, umsiedelte, ihnen ihr Deutsch verboten hat, wodurch sie sich heimlich treffen mussten in den Gemeinden, wo sie nicht leugnen mussten, wer sie waren. Sein wollten. Bleiben wollten. Sie wussten, was Konspiration ist. Überleben und trotz allem: FORTKOMMEN. ALLTAG IN RUSSLAND, dem großen Russland, dem zaristischen Russland, dem bolschewistischen. Sie haben das mitgenommen. Auch nach Berlin, was du suchst.“

„Aber ich bin doch auf der richtigen Seite? – oder nicht. Auf deiner Seite.“

„Du bist hierhergekommen, weil du glaubst, das ist ein gerechter Krieg, den wir führen. Jedenfalls ein gerechterer als ihn die andere Seite führt trotz ihrer Propagandaphrasen von Völkerrecht und Völkerrechtswidrigkeit. Jeder führt einen gerechten Krieg. Die einen für das. Die anderen für jenes. Daraus wird jedenfalls kein Frieden, mit großer Bestimmtheit nicht. Jeder hat ja auch recht. Seine Geschichte gibt ihm recht. Daraus wird aber auch kein Frieden.“

„Aber ist denn Frieden so wichtig? Wichtig ist doch allein der Sieg.“

„Ja, aber wenn es kein Blitzkrieg ist oder gar ein Blitzsieg, wird die Sache anders ausgehen. Eben in Richtung Frieden und nicht in Richtung Sieg. Verhandlungen. Sieh einmal: aus der Putinschen Spezialoperation im Heiligen Russland Belarus, Ukraine, Russland ist auf einmal Krieg geworden.“

„Mit vielen Opfern.“

„Ja mit vielen Opfern.“

„Auf jeder Seite.“

„Ja – und da fragt man sich: wo ist der Sinn?“

„Ist denn der Punkt jetzt erreicht?“

„Ich finde: ja. Andere nicht.“

Oliver hat die Dialoge noch sehr genau in seinem Gedächtnis. Sie sind ihm wichtiger als jemals.

6

Als Anne von ihrem ersten Arbeitstag nach Hause kam, wunderte sie sich über einen Streifenwagen, der vor ihrem Haus stand. Alles ehrbare Bürger in ihrem Haus. Das Fahrrad ihres Mannes war auch schon angekettet, viel früher als sonst. Sie stieg die Treppe hinauf und klingelte sozusagen zum Spaß um Oliver zu erschrecken. Aber das Erschrecken war bei ihr als ein vermummter Polizist die Tür aufmachte und sie hereinbat.

„Wir müssen Ihnen leider mitteilen, das heute Ihr Mann verhaftet wurde und dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde“.

„Warum steht sein Fahrrad unten, schon zu dieser Zeit angekettet, wo er sonst noch im Betrieb war.“

„Wir haben ihn früher nach Hause beordert als sonst, weil wir ohne großes Aufsehen Ihren Mann vorführen mussten und auch wollten. Er ist ein Verräter, wie sogar wir es wissen aus der untersten Verhaftungsebene. – Zufrieden mit der Erklärung zum Fahrrad?“

Pause.

„Wir müssen Sie bitten, sich uns zur Verfügung zu halten.“

„Aber ich muss unsere Tochter abholen von der Schule.“

„Das können Sie. Nur nicht verreisen und so etwas – wie neulich in den Westerwald. – Ja, wir beobachten Sie schon sehr lange“.

Man sah Anne an, dass sie sehr verwundert und erschreckt wirkte. Solche Geschichten wurden zu Hause gemunkelt bei ihren Eltern, als die ganze Sache noch nicht so lange her war wie jetzt. Ihr Vater war zwar Grenzer aber er lief nicht mit verbundenen Augen und zugestopften Ohren herum, sondern bekam mit, was in der sogenannten Bevölkerung so gang und gebe war, wenn sie zusammen saßen außerhalb des offiziellen Rahmens des Sozialismus, „den wir alle aufgebaut haben.“

„Ja und was ist jetzt?“ fragte sie.

„Was soll sein?“ antwortete der Polizist.

„Wollen Sie hierbleiben und warten bis ich wiederkomme?“ „Nein, nein, ich gehe mit ihnen aus dem Haus.Wir wollten nur nicht unhöflich sein und Sie so alleine ihrem Schicksal überlassen. Einer musste es Ihnen ja sagen. Stellen Sie sich vor: Sie kommen nach Hause. Keiner macht auf, obwohl Sie geklingelt haben. Und das Fahrrad steht unten. Da haben wir uns die Zeit genommen.“

„Danke!“ Anne wurde deutlich und wandte sich wieder zur Tür. Mit einer Geste, der Herr möge zuerst und erst dann sie. Schließlich war es ihre Wohnung im ersten Stock eines Berliner Hauses in der Bahnhofstraße Köpenick.

Was die Leute dachten, war ihr egal. Sie dachten schon etwas, denn der Herr trug Uniform.

„Soll ich Sie zum Kindergarten fahren?“, fragte der Herr und meinte es scheinbar ernst mit seiner Freundlichkeit.

„Nein, danke, ich brauche jetzt frische Luft und bin froh zu gehen.“

Damit schlug sie ihren Weg ein in Richtung „Generalshof“, das Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde, dorthin, wo auch die KITA untergebracht war. Sie war sich immer noch nicht sicher, ob sie so offen mit der Leiterin und dem dazugehörigen Pfarrer reden konnte, wie sie es in New York erlebt hatte, als ihr Mann verschwunden war. Allerdings auf andere Art. Eigentlich auf innerbetriebliche Art in Form eines kulturellen Sonderprogramms zur Glättung aufgewühlter Geheimdienstseelen. Sie hatten einen Sonderstatus: beide aus dem Osten jenseits des Eisernen Vorhanges. Er in noch einmal besonders spezieller Weise. Sie in punkto NORMAL. Eigentlich genossen sie Privilegien:Terrorregime Kommunismus eben hinter Mauer und Stacheldraht. Eiserner Vorhang klingt ja fast schon harmlos und machbar.Dafür Kenntnisse weitergeben in die Spionage hinein, Erfahrungen der Mutter, der Großmutter, des Vaters, des Großvaters: Tote und Lebendige.-

Aber jetzt nix privilegiert. Sie wieder punkto NORMAL. Er Russland-Deutscher, schwierige Leute, die alles besser wissen, wenn es um die Hetze gegen Russland geht. Um das Feindbild. Da schweigen wir doch besser. Das Schlimme: sie wissen es wirklich besser. Wer sonst. Nun ja, die Sache mit dem Festhalten daran, dass sie Deutsche sind. Verdächtig vor knapper Zeit noch. Jetzt müsste man doch etwas daraus machen können, wenn sie nur nicht so stur wären mit ihren Ansichten und Erfahrungen. – Aber jeder hat eben seine Lebensgeschichte. Gott sei Dank! Sonst ließe sich ja jeder so einfach wie nur möglich instrumentalisieren.

„Aber dass sie nun AfD wählen“.

„Das geht wirklich nicht“, sagt die westdeutsche Dame aus dem Norden im Chor unisono mit den westdeutschen Heeren im Süden.

„Nicht mit allen.“.

„Das stimmt auch“.

„Aber sie bestimmen“, sagt Iwanowna und Petruschka.

„Sie bestimmen“.

„Die Ossis leiden auch“.

Oder ist es die Religion. Die nicht aufgeklärte, die sie so widerstandsfähig gemacht hat, die sie sich einverleibt haben indem sie lutherisch geblieben sind in der Orthodoxie des großen weiten Sibiriens.

„So weit die Füsse tragen.“

„Wir haben auch etwas abbekommen trotz des Atheismus der vier Jahrzehnte als Staatsdoktrin“, murren sie, die Einwohner der soundsovielten Sowjetrepublik.

„Wie gesagt vierzig Jahre lang und mehr.“

„Ob es nun „die Postkarte STALIN“ist (Waleri Grossmann).“

„Oder das Gebinde zu SEINEN Füßen, wenn wir geheiratet haben.“

„Und nicht in die Kirche gegangen sind!“ „Oder KALINKA geschaut haben und gehört!“

„BRÜDERCHEN SARAFAN oder was“, ruft einer ausgelassen dazwischen.

„Oder RILKE!“

„Oder Barlach in Güstrow“ mit seinen russischen Figuren“.

„Wir lassen es uns nicht einreden, dass Russlands der Feind ist.“

„Wir werden Verschwörungstheoretiker!“

„Wir werden mit Armbrusts auf sie losgehen.“

„Wenn sie frech werden!“

„Jawohl!“

„Bis sie uns schnappen.“

Inzwischen reden sie alle durcheinander in den Hochburgen Marzahn und anderswo. Überall, wo sie sind.

„Wir haben unsere eigenen Erfahrungen.“

Das rufen sie im Chor, wie die Waldgeister in den gruseligen, ach, so wunderbaren russischen Märchenfilmen: “…die wir als Kinder gesehen haben.“

“Ach, waren das Zeiten,“ sprachen sie, nachdem sie erfahren haben, was sie mit ihrem Iwan dem Schrecklichen gemacht haben, dem Oliver aus Deutschland und den USA, der heimlich zu den Sowjets, äh – Russen, übergelaufen ist aus einem eigenartigen Gemisch von Gefühlen heraus und Überzeugungen bei seiner Suche nach Wahrheit, denn sie ist die Voraussetzung für Gerechtigkeit.

„Sie haben ja keine Ahnung!“

Alle haben sich bei Petruschka im Garten versammelt und flüstern ihre Parolen und trösten Anne. Sogar Sophie ist mitgekommen. Sie merkt trotz Jugenstil – und Schminke was los ist.

„Sind wir im Krieg?“

7

Derweil haben sie Oliver in das Hauptquartier der Amerikaner in Deutschland gebracht, wo gemunkelt wird: da liegen auch die Atombomben.-

Ach, wir haben den Grund genossen in der Nähe Lenins, vergraben im märkischen Sand. Niemand soll dort vorbeikommen und buddeln dürfen um eine paar Reste mit nach Haus zu nehmen. Den Kopf haben sie schon einmal vorsorglich getrennt vom Riesen aus Stein, der an dem Platz stand, der jetzt PLATZ DER NATIONEN heißt. Ach, wie sind wir im milden Frühlingsgrün, weiß schimmernd, an dem Wasser entlang gewandert und wussten nicht, dass genau dort das unterirdische Zentrum lag, von wo aus der Atomschlag koordiniert werden würde, „…wenn der Feind uns dazu zwingen würde.“ Alles Vergangenheit. Wie gut.

Die Russen sind weggegangen. Friedlich haben sie erobertes Land frei aufgegeben, damit die Wiedervereinigung gelingt. Wie schlecht muss es um das Land Gorbatschows gestanden haben, dass sie tatsächlich die Hände aufgehalten haben, als Kohl ihnen Milliarden hineinschüttete. Wo ist das Geld geblieben? Haben die Soldaten davon profitiert, als sie in den Waggons nach Hause fuhren in der Ungewissheit, die in allen geschichtlichen Ereignissen sich der Menschen bemächtigt, die regiert werden und nichts zu sagen haben. Um wie viel mehr bei Befehlsempfängern von Natur aus, bei den Soldaten. Es sei denn, sie machen Aufruhr. Sie machten keinen.

Hat sich Deutschland freigekauft, fragt sich alle Welt.

Die andere Seite vom Heiligen Russland.

Die andere Seite dann weiter des Helden, der auf den Panzer gesprungen ist wie LENIN, um es den putschenden Generälen zu zeigen: JELZIN. Und jetzt machen sie Rabbatz. Nachdem sie sich wieder heraus gebuddelt haben.

WÜRDE!

PUTIN. Der KGB-Mann wie Gorbatschow auch.

„Nein, sie hätten trotzdem klug bleiben müssen und keinen Deal machen. Sie hätten sich in die Atommacht hineinversetzen müssen: Keinen Schritt über die Oder. Jetzt ist die Grenze wie der Eiserne Vorhang – wieder- angefangen im höchsten Norden, wo Russland an Norwegen grenzt, an Polen in dem sensiblen Gebiet um Kaliningrad, dem Land der Tausend Störche und schlafenden Soldaten, die die Brücken bewachen, damit sie niemand sprengt. Kriegszustand.

WEISSRUSSLAND.

UKRAINE. Der Westen ist überhaupt nicht reif für den OSTEN EUROPAS, der eigentlich immer noch die MITTE ist – bis zum URAL gedacht.

„Was wissen wir?“hätten sie mit KANT fragen müssen.

“Was können wir?“

„Was dürfen wir?“

„Ja, ja, ich weiß, Kant ist Scheiße.“ Ich höre ihn noch, den Zwischenrufer auf dem anderen Marktplatz in Breslau, wo die Balkone gefährlich bröckeln. Und der Kaffee ist schwarz und alt aus der Nescafé-Dose.

Jetzt sind wir in Polen.

Bis dahin hat ja niemand etwas gesagt. Sie haben es verdient. Solidarität. Solidarnosc.

Aber Change in der Ukraine? Kekse? Ach, der Westen. Die naiven Amerikaner. Blauäugig. Germanisch. Die eigentlichen Germanen, glaube ich inzwischen. Die mit den Gruselgeschichten. Ja, auch die Angelsachsen.

Putsch oder Revolution.

„Reiht Euch ein!“

„Mischt euch ein?“

„Wollt Ihr bis zum Ural?“

„Mit Budionny bis zum AMUR!“-

„Wie liebe ich dieses Lied der Rotgardisten, der Weltrevolution.“ Nur damals haben sie die Finger davon gelassen, die Weißen haben schmählich verloren. Die Weisgardisten im Bürgerkrieg. Wie schreibt Schischkin heute: Verrat. Der Westen hat die Ukraine verraten. Ja und Ungarn auch. Und auch zum 17.. Juni haben sie die Greisinnen im Wasser der STASIGEFÄNGNISSE stehen lassen.

„Die Welt ist verrückt“, sagt meine Frau. Wie recht sie hat.

8

Nachdem alles geklärt war – die Ehefrau durfte ihren Mann sehen, zusammen mit der Tochter Sophie, die Aufregung legte sich, die Kollegen im Holzverarbeitungswerk tuschelten. Sie wussten nicht wie hoch sie den Fall einschätzen sollten. Sie kannten keinerlei Strafansätze oder Maßstäbe zum Bestrafen. Es war ihnen ja auch gar nicht bewusst, das ihr Kollege Oliver, der Russe Iwan, ein Fahnenflüchtiger war und auch noch aus dem amerikanischen Geheimdienst. Gab es da die Todesstrafe? Er war wie Dimitri oder Alexander jemand aus dem ehemaligen Bruderland, dem man freundlich entgegenkam, wenn er sich loyal verhielt und die deutschen Gesetze achtete. Und er achtete sie mehr als mancher andere.

Dass er mit einem Spionageauftrag im Osten Berlins sein Unwesen trieb, wussten nur die Amerikaner in ihrem Agentennetzwerk.

Der Werksleiter suchte und fand einen Ersatz, nachdem man ihm mitgeteilt hatte, dass sich der Fall in die Länge ziehen könnte und es womöglich zu einer Überführung eines amerikanischen Staatsbürger namens Oliver in die Militärgerichtsbarkeit vor Ort in den Staaten kommen könnte.

„Mit Sicherheit!“

„Danke!“

„Bitte behandeln Sie aber diese Angelegenheit als geheim, weil sie ja auch geheim ist. Verstehen Sie?“

„Ja.“

„Gut.- Dann haben wir uns verstanden.“

„Jawohl, Herr Oberst“, hätte der Werksleiter am liebsten gesagt. Aber er war sich nicht sicher, was heute sicher ist.

„Lieber zivil“, dachte er, nachdem er den Hörer aufgelegt hatte.

„Hört her, Leute, ich kann Euch zur Zeit nichts Näheres sagen, weswegen unser Kollege in Gewahrsam genommen wurde. Ich bitte euch, verhaltet euch ruhig und sagt, wenn Ihr gefragt werdet, was mit Iwan los ist: Es sind Beweisstücke aus seiner Vergangenheit aufgetaucht. Die müssen gemeinsam mit ihm geklärt werden. Iwan hat einen langen Weg hinter sich gebracht, bevor er bei uns vorbei gekommen ist, um hier zu arbeiten. Der Name Oliver ist sein deutscher Name. So wurde er aber auch in den USA genannt.“

„USA?“

„Ja, USA!“

„Ist er ein Betrüger?“

„Hochstapler?“

„Nein, keines von beiden“.

Schweigen.

„Mehr darf ich Euch nicht sage.Bitte akzeptiert das. Und haltet Euch daran.“

Was er damit meinte, bleib für Viele ein Rätsel.

Wir haben inzwischen gelesen von Menschen, die entweder auf der Seite der Ukraine oder auf der Seite Russlands kämpfen, obwohl sie dazu niemand gezwungen hat. Sie Suchen sioch ihren Feind aus quer durch alle po0litische und extremen Lager hindurch. Global. Die für mich erschütterndste Geschichte ist die des Sohnes eine Diplomatin in Amerika. Ihr Sohn ist so entsetzt gewesen über den GAZAKRIEG, den die Israelis führen in diesen Zeiten, dass er sich in die Russische Armee geschlagen hat und dort gegen den WESTEN kämpft, der Israel unterstützt, insbesondere Amerika. Im sogenannten extremen rechten Lager ist die Meinung gespalten und daher auch die Parteinahme. Man könnte die Beispiel ohne viel Aufhebens leicht erweitern. Sie sind ja ein gefundenes Skandalfressen für einige Blätter ob nun digital oder wirklich.

Das alles hilft Oliver nicht, dem Geheimagenten´, geboren in einem Gefängnis in Deutschland nach der Wiedervereinigung, zu Hause und aufgewachsen bei fürsorglichen Adoptiveltern, in Verbindung mit seiner wirklichen Mutter, die inzwischen wieder auf freiem Fusse ist und für die STAATEN arbeitet, deren Dienste.

Das hilft auch nicht seiner Frau, die nun alleine zurecht kommen muss in dem preussischsten Berlin, im Ostteil der Stadt, gerade als sie begonnen hat in ihrem Beruf zu arbeiten: Lehrerin für die ABC-Schützen. Auch nicht der gemeinsamen Tochter, die gerade durch alle Abenteuer der Berliner Jugend kommen muss um erwachsen zu werden.

„Sie sind als amerikanischer Staatsbürger ausgezeichnet worden mit dem Auftrag für unsere Sicherheit zu arbeiten. Sie sind auf unsere Kosen ausgebildet worden zu einem hervorragenden Agenten unserer AGENDA VON FREIHEIT WIE WIR SIE VERSTEHEN“.

Stille im Vernehmungsraum auf dem amerikanischen Stützpumkt in GERMANY.

„Was haben Sie dazu zu sagen?“

„Ja, ich muss meinen Förderern dankbar sein, angefangen bei meinen Adoptiveltern unweit von hier.“

„Ich rede nicht von Ihrer Dankbarkeit, die Sie uns schulden, aber von Ihrem Schwur, den Vereinigten Staaten zu dienen und nicht irgend einer anderen Macht.“

„Sie sind ein Überläufer und Desserteur und Sie kennen das Strafmaß. Seien Sie froh, dass das Land, in dem Sie waren uns nicht den Krieg erklärt hat oder wir ihm“.

„Darüber bin ich sowieso froh und ich werde immer dafür arbeiten, wenn ich kann, dass es nicht wo weit kommt“.

„Wir werden Sie nicht an Ort und stelle erschießen, sondern wir werden versuchen Kapital aus dieser Affäre zu schlagen. Das heißt einen Top-Agenten frei zu bekommen.“

„Ich bin deutscher Staatsbürger und Russlanddeutscher. Mein Name ist Iwan Schostakowitsch.“

„Diesen Ausweis können Sie stecken lassen. Das ist längst geklärt.“

„Sie verkennen die Abhängigkeit des deutschen Geheimdienstes.“

„Von wem?“

„Von uns.“

„Immer noch?“

„Ja, immer noch.“

Pause

Damit hat sich das erste einigermaßen ernsthafte Gespräch der amerikanischen Seite mit dem Überläufer Oliver erst einmal erledigt. Er wurd wieder in seine Zelle verbracht und musste im Militärstrafvollzug ohne abschließendes Urteil abwarten, was die Zeit bringt.

Die Verpflegung war einigermaßen gut und seinem Wunsch, eine Zeitung lesen zu dürfen wurde entsprochen. Er bekam eine englischsprachige Zeitung und eine deutschsprachige Zeitung, jeden Morgen. Das Handy blieb ihm auch und eines Morgens las er, dass ein ehemalige Berater eines amerikanischen Präsidenten folgendes sagt, an seine kosmische Tafel schreibt: Entweder die Deutschen wählen eine Partei, die am Pranger der alten Bundesrepublik steht oder die Bundesrepublik muss gar nicht mehr wählen, weil es nämlich Deutschland nicht mehr gibt…

Ja sicher, ich erinnere mich wie eine linksliberale Zeitung schreibt, das für die Deutschen nur Europa d a s Vaterland sein kann. Ja, sie schrieb sogar:“Das Ersatz-Vaterland.“ Es ist immer wieder erstaunlich mit wie offenen Karten gespielt wird und keiner bemerkt es. Ähnlich zu Beginn des Krieges , des Angriffskrieges, als Präsident Biden hundertprozentig die Verteidigung der Ukraine unterstützt hat, ja die Meidan – Revolution vollendet hat, indem er die Waffen lieferte, die seiner Meinung nach Wolodymir Selenskyj braucht. Allerdings wie wankelmütig das Ganze letztendlich erscheint ist durch die Tatsache belegt, das am ersten Tag des Einmarsches der Hubschrauber vor der Tür stand, hinter der der Schauspieler und Politiker mit seiner Familie wohnte. Oder war es die Tür des Präsidenten-Palastes?

NEIN SCHALLTE ES DEM KÄPT`N ENTGEGEN“, als er klingelte, nein, nachdem der Präsident die Tür aufriss entweder seine Haustür oder das GLAS des Fluchtschiffes, auf ukrainischem Boden dröhnend.

So stelle ich mir das vor.“

Was du dir so vorstellst.“

Na, du weißt doch, die Ladys aus den USA, wie sie Kekse verteilte, um Stimmung zu machen, Stimmung für den WESTEN. Sie wollten die Bestrebungen unterstützen, schmackhaft machen, scheint es, die Freiheit, wie fürsorglich und einstehen für Freiheit und Frieden? Das Wort Frieden kam wohl nicht vor wie bei unseren Friedensfreunden, die vergessen haben, dass sie eins als Freunde des Friedens mindesten wahrgenommen worden sind und deshalb gewählt wurden mit Höhenflügen, dass jeder meinte, der nächste Kanzler ist grün hinter den Ohren“.

Nein, das habe ich vergessen, jedenfalls im Moment. Aber wo du es sagt…“

Siehst du: oder wir unverblümt uns gesagt wurde, es gibt nur eine Großmacht und das sind wir.“

Die Amerikaner.“

Ja, die.“

Ich bin verwirrt.“

Ja, ich auch.“

Lass uns beten.“

Ja, das wäre jetzt dran. Aber wir sind müde geworden, die Geschichte hat uns müde gemacht, wir müssten schlafen können im Stehen wie Napoleon in der Schlacht.“

Jemand mischt sich ein:“ Er hat trotzdem verloren, alles, seine Soldaten, seinen Ruhm: Mit Mann und Ross und Wagen, so hat sie Gott geschlagen.“

Trump benutzt neuerdings die Geschichte, wie wir sie alle benutzen, Putin auch. Der eine darf das, der andere nicht. Wir müssen sie benutzen, damit das Unheil nicht noch einmal über uns kommt wie die Nacht. Da passen wir auf.

„Auf jede noch so kleine Regung“.

Das Böse schleicht, wie die Pest im Psalm und wir merken es nicht. Wir drehen uns nicht um, wir dürfen das nicht wie in einer Beschwörungszeremonie.

„Der Plumsack geht um.“

„Keiner darf sich umdrehen“.

„Und nachschauen!“

„Das ist verboten!“

„Dreht euchnichtum. Der Plumsack geht `rum!“

Niemand verdirbt das Spiel. Niemand geht aus dem Kreis!“

„Habt ihr gehört?“

Das alles nützt Oliver Thielemann wenig. Das hat schon seiner Mutter wenig gebracht. Erst recht seinem Vater nicht. Und den Großeltern. Die lebten friedlich hinter ihrem Stacheldraht und den Sprengköpfen, versteckt unter Grasbüscheln. Sie mussten nicht nachdenken, es wurde ja für sie gedacht und aufgeschrieben was denkbar war und was nicht. Oh wie gut hatte es dieser Staat ohne aufmüpfige Wilde aus guten Häusern. Die gab es nicht. Oder doch? Unterirdisch? Doch, doch sie gab es. Da sind wir wieder am Ausagangspunkt von 1989 und was davor und danach passierte.

Das Loblied auf die Demokratie muss gesungen werden. Sie ist schwer und kaum zu handhaben.Und der alte weiße Mann sagte nicht ohne Grund, dass sie aber trotzdem das beste aller Übel ist, was uns begegnet im politischen Konzeptangebot.

Schluss aus.

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Jetzt kommt aber erst einmal jemand auf die Bühne, der helfen kann. Helfen dem Oliver Iwan, dem schrecklichen Schostakowitsch aus Russland und Deutschland und den Vereinigten Staaten. Da ist dieser JEMAND auch schon: ANNE.

Anne, die angereist kommt in die Eifel, nach SÜDWEST, Rheinland-Pfalz, um ihren Mann zu sehen. Die Ermittler hoffen auch, dass das etwas bringt. Ihnen ist dieser ganze Fall unangenehm und als gute amerikanische Patrioten hätten sie früher kurzen Prozess gemacht mit einem Fahnenflüchtigen des Sternenbanners. Aber mit Trump, dem Republikaner?

Sie haben Anne und Oliver in ein gemütliches Zimmer gesetzt. Es gab Cafe und Kekse. Der zuständige Wärter flüsterte Anne etwas in s Ohr:“Dein Mann hat gute Freunde in Übersee.“ Und öffnete die Tür in einen sehr amerkanisch eingerichteten Raum mit Blick nach draußen. Ein Verlockung für jeden,d er eingesperrt ist. Oliver stand auf und ging seiner Frau entgegen.

„Was macht Sophie?“, wollte er als erstes wissen.

„Sie konnte nicht mitkommen, weil ja Schulalltag ist. Petruschka kümmert sich jetzt um sie“.

Er nahm sie in den Arm und sie begrüßten sich nicht wie Schuldige, sondern wie Unschuldige.

„Wie geht es dir?“fragte sie nach einer Weile, nachdem sie sich an den ovalen kleinen Tisch aus Mahagoni – Holz gesetzt hatten. Ersteinmal haben sie geschwiegen, der wachhabende Soldat wunderte sich, aber dann erinnert er sich: es ist ein besonderer Fall. Der Mann hat Freunde und auch die Frau. Zu Hause in Amerika. Ach, ja. Da gibt es längere Sprechzeiten, zumal das Treffen auch im Interesse der Strafverfolgung liegt, wurde gemunkelt. – Oliver hat auch Post bekommen von Henry und der bittet ihn bei der Wahrheit zu bleiben und alles offen zu legen.„Ich rate dir das dringend in diesen Zeiten.“

„Wie soll es mir gehen?“ fragt schließlich Oliver zurück.

„Ich bin ein Fahnenflüchtiger und im Kriegsfall werde ich erschossen.“

„Du lebst aber noch.“

„Ja, das stimmt… zu meiner großen Verwunderung haben sie keinen kurzen Prozess gemacht.“

„Das Kriegsrecht ist nicht ausgerufen“, sagt seine Frau.

„Woher willst Du das wissen.“

„Ich habe mich erkundigt.“

Nach einer Pause sagt Anne:“Ich soll Grüße ausrichten, die Gemeinde betet für alle, die in dieser Zeit Orientierung suchen.“

„Das gilt auch für mich?“

„Ja, für Dich besonders, sagt der lutherische Pfarrer, der sich besonders der Russlanddeutschen annimmt. Übrigens auch der Pfarrer, den ich besucht habe in meiner „deutschen“ Heimat.“

„Du meinst in Westdeutschland.“

„Ja, die Leute reden immer noch von Deutschland, wenn sie die alte Bundesrepublik meinen. Vom „Osten“ wenn sie uns meinen zum Beispiel. Wobei Berlin einen Sonderfall darstellt…schon immer dargestellt hat.“

„Grüße doch bitte die Gemeinde zurück und ganz besonders Petruschka und ihren Mann.“

„Fehlt dir hier etwas, außer Deiner Freiheit?“

„Eigentlich nicht. Ich bin Schlimmeres gewohnt. Das weißt Du“.

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Wie war das in Polen, als sie ihn ausgequetscht haben und nur aufgrund seiner amerikanischen Papiere haben laufen lassen.

Was wollen Sie in Polen, fragte der Offizier der polnischen Eliteeinheit. Erzählen Sie.“

Das darf ich nicht. Das wissen Sie selber ganz genau. Bei aller Freundschaft.“

Ja, bei aller Freundschaft. Das wissen wir genau.“

Dann trat er ihn in den Bauch und befahl:“Zurück in die Zelle. Dort soll er ausnüchtern. Ich halte ihn für einen deutschen Spion. Das sind zwar auch unsere Freunde. Aber: wer weiß schon heute etwas Genaueres“.

Was habe ich mich mit ihm herumgequält: Was wollen Sie hier. Warum sind sie hier und so weiter.“

Er will Polen kennen lernen und vielleicht auch Belarus. Reine Neugier. Privat. Er sei ein guter Geheimagent der Vereinigten Staaten. Dabei kamen mir nicht einmal die Papiere echt vor. Echt schwieriger Fall.“-

———————————————————————————-

Sie schwiegen wieder eine Weile, so wie sie es gewohnt waren, wenn es keine Lösung gab oder geben konnte.

„ Ich werde mir jetzt ein Quartier suchen, damit ich morgen wieder bei Dir sein kann.“

„Danke, dass Du gekommen bist und mir zeigst, dass wir zusammen gehören“. Der wachhabende Soldat war für eine kurze Zeit verschwunden und kam jetzt wieder zurück in das Besuchszimmer.

„Hat er sich neue Direktiven geholt und berichtet?“, flüsterte Anne.

„Wahrscheinlich.“

„Ich werde Henry einen Brief schreiben und von Dir und Sophie grüßen,“schrieb Oliver auf einen Zettel und gab ihn seiner Frau Anne. Das duldete der Soldat nicht und nahm den Zettel an sich. Aber Anne hatte schon gelesen, was auf dem Zettel stand.

„Hat Deine Mutter sich gemeldet?“

„Ich habe ihr auch einen längeren Brief geschrieben, sie gehört ja eigentlich zur Truppe, wie du weißt…damit sie Auskunft geben kann, falls sie gefragt wird“.

„Und hat sie geantwortet?“-

Jetzt sah der Diensttuende doch auf die Uhr und bedeutete, dass die Zeit um sei.

Vielleicht konnte er so gut deutsch, dass er es für richtig hielt, an dieser Stelle das Gespräch abzubrechen.

Sie standen auf und Anne hüllte sich in ihren Sommermantel, der über dem Stuhl hing und wollte Ihren Mann nicht wieder los lassen, als sie sich umarmten zum Abschied.

Sie erkundigte sich draußen, ob es eine Möglichkeit gibt, hier zu übernachten. Die gab es. Sie wurden wie amerikanische Staatsbürger behandelt, dachte Anne, als sie endlich in dem annehmbaren Zimmer ankam, welches ihr zur Verfügung gestellt worden war.

Die Flure waren lang und die Kaserne lag im Abendlicht.

Der nächste Morgen brachte eine Überraschung. Als sie mit ihrem Mann im Besuchszimmer saß und der Mariner in entsprechender Entfernung im Türrahmen stand, klopfte es an der Tür. Schon ungewöhnlich genug in einer Kaserne.

Ein Postbote trat ein, er hatte einen Passieschein des Amerikanischen Weges in der Hand und ein großes Couvert dazu, scheinbar der Grund seines Kommens.

Der Wachhabende lies ihn zu dem Ehepaar gehen und er zog einen Stuhl zu den Zweien. Sie schauten ihn groß an und erkannten ihn. Es war Henry.

Henry legte den Finger auf den Mund und kam ganz nah an die beiden heran.

Flüstern:“ Ich habe hier die Begnadigung des amerikanischen Präsidenten in Händen. Er bat mich kein Aufsehen zu machen und euch die Rehabilitierung persönlich in Deutschland, in der Pfalz auszuhändigen. Ihr wisst, seine Vorfahren sind selber aus dieser Gegend. Ihr wisst auch, dass er alles umstürzt, was bisher gegolten hat in unserm Land USA. Dazu gehört eine gewisse Sympathie für dieses riesige Land Russland, dem jaua einaml Alaska gehört hat….“

„Darf ich Dich unterbrechen, Henry, als ich in Russland gewesen bin, in der Ukraine, wurde mir auch klar wie ähnlich sich diese beiden großen Länder sich sind. Im Empfinden, im Pathos.“

„Ja, wenn es stimmt, dass die Landschaft prägend ist für die Seele des Menschen, dann kann es ja gar nicht anders sein. Aber dazu kommt natürlich noch die Religion, besser Konfession, eben die OSTKIRCHE: Wir sind die WESTKIRCHE IN ALL IHREN VERÄSTELUNGEN;“

„Aber was die Moral angeht ist doch der Südbaptismus in den Vereinigten Staaten von Amerika der Moral der Orthodoxie viel näher, als dem links-liberalen Klerus in Europa.“

„Ja – und das sollte man arangieren, so wie das jetzt mit Dir geht, das die Führer dieser Kirchen miteinander zu tun bekommen. Ich weiss zum Beispiel nicht, ob suthern batist convention im ökumenischen Rat (Weltkirchenrat) vertreten ist“.

„Eine Aufgabe für dich.“

„Ja.“

„Das wäre doch gut für den Frieden, den der Präsident will.“

„Ja, das stimmt, jedenfalls für seine Argumentation in Verhandlungen mit Russland… Etwas ganz anders ist es, ob die Westukraine das will.“

Jetzt wurde es dem Wachhabenden zu bunt. Immerhin ist das hier Sicherheitsgebiet, murmelte er vor sich hin. Egal, wer in Washington regiert.

„Die Redezeit ist überschritten. Ich muss jetzt den Gefangenen zurück führen.“

„Alles gut“, sagte Henry und übergab den großen Umschlag. Anne war nun gar nicht zu Wort gekommen. Aber sie ahnte, dass das jetzt nicht von Belang war. Sie folgte Herny und hakte sich draußen bei dem Postboten ein.

„Ein Glück, dass Du da bist, wenn auch verkleidet“.

In seiner geräumigen Zelle angekommen, öffnete Oliver-Iwan den Umschlag.

Sehr geehrter Herr Thielemann, in Anbetracht der Tatsache ihrer Kenntnisse die Vereinigten Staaten betreffend und betreffend die sogenannte Spezialoperation Russlands in der Ukraine, die wir einen Krieg nennen, der beendet werden muss und angesichts der hundertausenden von Toten und Verwundeten auf beiden Seiten, fordere ich Sie auf, umgehend für Kosultationen zur Verfügung zu stehen. Legen Sie dieses Schreiben mit dem Wappen des Präsidenten dem Kommandierenden vor mit der Bitte, umgehend einen Rückflug zu ermöglichen. Die Sache eilt. Ich verliere die Geduld.

Unterschrift, Datum und Ort.

Oliver, der Geheimdienstmann, betätigte den Notknopf in seinem Gefängnis und tatsächlich erschien der Mann vom Dienst und fragte, warum zum Teufel, er solch ein Drama veranstalte.

„Nein, ich muss auf keine Toilette und benötige im Moment auch keinen Arzt, aber ich möchte dem Kommandierenden vorgeführt werden, weil es der Präsident der Vereinigten Staaten so will, laut diesem Schreiben, welches mir übergeben wurde während der Sprechzeit heute vormittag.“

Der Diensttuende überflog den Bogen und ließ den Kommandierenden holen, was ungewöhnlich genug ist.

Der Kommadierende tat das, worum sein Chef in der Hauptstadt seines Landes ihn bat.

Ende des 2. Buches von DANACH.

Featured

Altenburg-Leipzig

Leipzig und Umgebung

1.

Die Züge fahren immer noch im Takt

Wenn sie halten

Du musst nur auf den Zettel schauen

an der Lade aufgeklappt

des großartigen Fensters

im großen Garten

vierhundert Meter im Quadrat

Zehn nach um hin

und vierzig nach um

Richtung

Las Vegas zur Spielhölle,

Tankstelle

Große Kaufhäuser

Läden unter einem Dach

von der Puppenstube aus gesehen

mit Puppenklo, wo du zum Freund wirst der Ameisen

und anderem Kleintier

Spinnen an der Wand.

Die Wunder, die du nicht mehr siehst

in deinem Trotteltrott.

Ja, so ist das.

Lass dich umwuchern von Brombeeren und Himbeeren

Lebensbäumen en gros,

sei skeptisch

gegenüber

den gezüchteten

und eingefärbten

Tannen

blau.

Jetzt marschieren sie auf,

die Kleingärtner aus Leidenschaft,

und zeigen dir

ihre Früchte

und wenn du Glück hast

legen sie dir über Nacht oder am Morgen

den Kürbis vor die Tür.

Iss ihn andächtig auf.

2.

Stück

Regentropfen

trommeln nicht an die Fenster im Ostwind,

dem ständigen seit über vier Wochen,

der die Erde austrocknet seit Ostern im Mai.

Aber das Stück heißt so in der Grundschule,

die die Klavierlehrerin mit benutzen darf für Auftritte ihrer Schülerinnen,

zu guten Gelegenheiten

inzwischen ist sie voll integriert

in der Schule mit kreativem Ansatz

Im Museum der

Clara Wieck.

Außerdem.

Sie soll extra eines bekommen.

Vernachlässigt bis dato

die einhellige Meinung der Kultur

Clara,

die Tochter des Lehrers Wieck

aus dieser piefigen Kleinstadt

am Fluss

der Ost und West verbindet

Dresden und Hamburg

Sachsens Karl May

Weit Schlimmeres

und Hanseaten, Protestanten.

Wie fühlt sich das an?

Schumann

Kinderszenen

der fröhliche Landmann

Nikolaus

Robert-Schumann–Haus.

Aber es kommt

die Revolution.

Alle Menschen werden Brüder.

Jetzt Regentropfen,

von Chopin eigenartigerweise.

Der Klassiker der

Klavierstunde.

Hat man mich belehrt.

Nacht

der Museen.

Auftakt mit stolzen Eltern

und Großeltern

und natürlich der Lehrerin.

Sie weint vor Rührung.

Ich auch.

Wo ist der Tanz

das Ballett

der Walzer

Tschaikowski

Chopin

Den spielt meine Enkelin

für uns

im vollen kleinen Saal .

Applaus.

Regentropfen trommeln an die Scheiben,

nein.

Wir warten auf Regen in diesem kalten trockenen Wind

aus Ost.

Wir wollen ja zurück

in das Paradies

den Garten

vierhundert Meter im Quadrat.

Putin schickt seine Signale.

Der Westen versteht wie immer

immer noch nichts.

Nicht einmal das.

Verkehr

Du

kommst aus dem Wald der Kiefern

gebohrt in den Sand der Mark Brandenburg

atmest durch

nach der Erfrischung

steuerst zu

auf den Hund

wo du nicht weißt

ist es eine Schmusekatze

oder ein Raubtier

und bittest um Entschuldigung

weil du stören musst

auf dem Bürgersteig für alle.

Ein böses Fauchen

und „Bitte“ mit Betonung

ABSCHRECKUNG.

Nachdem ich danke sage.

Nie wieder Fahrrad

immer zu Fuß.

In den Staub

Kennst du

das Land wo die Zitronen

blühn?

Du bist nicht Goethe

Ich weiß.

Aber du

solltest dich bewegen

hin zu den Strömen

die nicht fließen

sondern stehen.

Ein bisschen

wie Bobrowski

Fontane nicht

mit seinen ewigen

Beschreibungen.

KLAGELIED

(zur Gedenkfeier am 1. September 2018 in Kyritz)

Wir reformieren

und beschmieren

Zettel

klug und fein.

Dann kommen wir zur Tat

über das Feld

mit Stecken und Stab

und erschüttern die Welt.

Vor lauter Gerechtigkeit

ohne Barmherzigkeit.

Wir reformieren

und beschmieren

Zettel

klug und fein.

Dann säubern wir die Akten

und schaffen Fakten

schreiben Geschichte

und ich Gedichte

über die Ungerechtigkeit.

Was soll nun werden

auf dieser Erden

Wenn ich jetzt …

1

Wenn ich jetzt nach Berlin fahre

auf der Nord–Süd–Autobahn

Nummer 9

in Buchstaben Neun

dann danke ich Gott

wenn ich wohl angekommen bin

zum Beispiel ohne Sabotage

wie es in den Neunzigern sie noch gab:

„Schrauben locker,

ich habe es

irgendwann gemerkt

bevor es zu spät war

und bin

an die Box gefahren.

In den Rennstall

der Weltpolitik,

die wir damals

machten, weil wir auf die Straße gegangen sind

ohne zu fragen

mit List und Tücke

frei nach Lenin.

Und das war das Schlimmste!

Er spricht:

DENN DIE SPIESSER IN DEUTSCHLAND

WERDEN NIE DEN RASEN BETRETEN

DAS GIBT ES DORT NICHT

DESHALB KÖNNEN SIE KEINE

REVOLUTION

BEGINNEN

SIE TRAUEN SICH NICHT

ZUG ZU FAHREN

OHNE EINE FAHRKARTE GEKAUFT

ZU HABEN.

Natürlich nur ein Bild mit der Box:

Tankstelle

schon Esso

ich weiß es nicht mehr.

Halt doch

Minol.

Aber schon

von den Franzosen gekauft.

Es war nicht der Nürburg–Ring.

Inzwischen aber pleite?

Sondern der Leipziger Ring.

1989 in Worten

neunzehnhundertneunundachtzig

ineinander verschlungen die Achten und Neunen.

Und neuerdings habe ich erkannt:

Die Sexen.

Die Nixen.

Achtung 68

in Worten

neunzehnhundertachtundsechzig

Sex Acht!

Von dem kamen wir.

Von diesem Heuhaufen mit den vielen Nadeln,

die sich entpuppen müssen

nun.

Es war diese Box

dieses Rennstalles

Revolution und Politik

Wenn Sie so wollen!

Sprach er.

Er hätte sich dann

einen passenden Schraubenschlüssel geliehen

8 – ter, 10 – er

Achter, Zehner

und die Schrauben der Vorderräder

seines alten Trabant`s

wieder angezogen.

Und konnte so weiter fahren

nach Berlin

der alte

Bürgerrechtler auf der A 9.

So hat er es mir am Telefon erzählt,

als ich ihn fragte

wie es ihm gehe.

Lange her?

Ich bin mir überhaupt nicht mehr sicher.

2

Der Rapper

Wenn ich überhaupt

unterwegs bin

und endlich

gut angekommen

wenn auch müde oder

alt und bekümmert

und krank

stoße ich ein Gebet

zum Himmel:

in keinen Unfall verwickelt

nicht verursacht

nicht geschnitten

bei 100

bei hundert.

3

Wie damals bei Dresden

Die Bautzener Nummer.

Ich forsche nicht, was die Buchstaben bedeuten.

Denn du musst ja persönlich fahren

du kannst die Verantwortung nicht abschieben.

Ja, das ist anstrengend.

4

Oder neulich nachts

wo Du nicht weißt

die Sekunde.

Ich bin schuld.

Jetzt auf einem anderen Ring

nicht Breslau

nein

oder in einer anderen Stadt

auf dem Erdball

sondern seit 2000 und…

die Bahnen um Leipzig

in seiner Umgebung

in Beton gegossen und Teer.

Hüte dich.

Bleibe behütet.

Amen.

———————————————————————————-

Aus Gedicht-Form

von Michael Wohlfarth

epubli Berlin

Veröffentlichung (Softcover)

ISBN: 978-3-759859-29-7

Erscheinungsdatum: 14.08.2024

Bilder

Stasiakte

Stückentwurf

Land der zwei Ströme: Dahme und Spree, Zweistromland Berlin

Vor der Grünauer Kirche: Freiluftausstellung

Brüderkirche zu Altenburg, am Markt: DAS AMEN IN DER KIRCHE, DER FRIEDENSGEBETE UM FREIHEIT, UM SCHUTZ FÜR DEN PILGER, FÜR MENSCHEN UNTERWEGS IN IHRER MISSION, IN IHREM ALLTAG UND SONNTAG, IN IHRER RASTLOSIGKEIT UND ZERRISSENHEIT.

WIR BETEN: HERR, BLEIBE BEI UNS IN DIESER ZEIT DU EWIGER GOTT UND GELEITE UNS AUF ALLEN UNSEREN WEGEN.

AMEN.

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Erlebnis mit Fjodor Dostojewski in der Stadt

Jesus sagt , der Glaube kommt aus dem Hören.

„Wir wollen sehen, wie der Glaube wächst aus dem Hören auf das Wort Gottes in einem feinen bereiten Herzen, gleich dem Acker im Gleichnis, der das ausgeworfene Korn birgt und aufgehen lässt im Regen und Wind und ernten lässt in der Hitze des Sommers“.

„Kant betont das Hören ebenfalls über alle Maßen, woraus die Hersteller von Hörgeräten die Impulse für ihre Werbung beziehen. Plötzlich lesen wir es in großen Lettern an Giebelwänden, selbst wenn wir schnell die Straßen nehmen weil hinter uns die Nächsten drängeln und hupen. Um die Wegstrecke zum Ziel in der Stadt abzukürzen, treten wir auf das Pedal und der Golf braust davon. Aber das lesen wir von Kant.“

Und Jesus im Hintergrund.

Seine Mutter war eine fromme Frau.

„Eine Pietistin, von der er gelernt hat, was der Himmel ist, das Gewissen und die Vernunft.“

Jetzt sitzen wir also in der Kirche, die Glocken haben geläutet, die Orgel braust und wir schlagen das Buch auf, in dem die Lieder der Gemeinde zu finden sind.

Wir sitzen viel zu lange und viel zu viel.

Warum stehen wir nicht den ganzen Gottesdienst hindurch.

Nein, wir haben es bequem, küssen keine Ikonen, die vorher das Mütterchen berührt hat mit ihren Lederlippen aus Russland, Rumänien oder Bulgarien. Wir werden auch nicht in Ohnmacht fallen. Wegen der undefinierbaren Dünste, die der Priester mit seinem Wedel und seinem Schwenkgefäß oder seiner Wasserpistole verbreitet.

Es ist eine friedliche leere Versammlung, kein ausverkauftes Haus, beileibe nicht. Aber das ist es nicht, was mich stört. Sondern der Ton, der Ton der die Musik macht in dem Gotteshaus. Es werden alle Dinge erklärt für Leute, die noch nicht dabei waren und aus irgend einem Grund heute zum ersten Mal dabei zu sein scheinen, was aber niemand beweisen kann.

Vor jedem Wort steht ein Wort.

Vielleicht sind es Stufen der Himmelsleiter.

Oder es ist das Palmöl des Friedens, das uns gelenkig macht für den Sport im Paradies.

Jedenfalls habe ich mich geschämt.

Immer dachten wir, jetzt kommt es. Aber es kam nicht..

Die Predigt weckt den Glauben.

Der Glaube kommt aus der Predigt.

Die Predigt ist das Wort Gottes.

Traut sich der Geistliche nicht. Traut er sich nicht, das Wort Gottes in den Mund zu nehmen, weil schon alles gesagt ist?

Ist Gottes Wort nicht ewig?

Ist es nur zeitgemäß – oder auch nicht?

Gut, dass es die Liturgie gibt, die bleibt. Gut, dass die Lieder so alt sind und die Gebete von Herzen kommen und die Besucher bekommen, weswegen sie gekommen sind.

Wir sind nicht bis zum Schluss geblieben, weil nach der Predigt noch verschiedene Angebote folgten und ein Sing Sang, der uns nicht herausgetrieben hat, aber uns mit Blicken verständigen ließ, dass wir uns über acht Tage in einer anderen Kirche verabreden wollten, um dort zu hören, was uns nahe ist und Erfahrung bringt aus Geduld und Liebe, die der Hoffnung nicht im Wege steht, sondern ihr Grund ist. Nicht, dass der Sing Sang uns sonderlich gestört hätte. Im Gegenteil, er hat bei uns den Eindruck hinterlassen, dass es gleichgültig ist, ob wir da sind oder nicht. Vielleicht waren wir auch nur nicht die richtige Zielgruppe und haben uns in dem reichhaltigen Programm das Falsche heraus- gesucht, wie eine Henne, die ewig und drei Tage kein Korn mehr gefunden hat und nun alles nimmt, was sie findet.

Vom Schatz im Acker möchte ich gar nicht reden. Von Gold und Silber nicht.

Und von Gott?

Am nächsten Sonntag

“Paulus schreibt an die Gemeinde der Freude, die ihn tröstet, als er im Gefängnis sitzt, wenn er nur an sie denkt. Er schreibt ihr einen Brief und wir können ihn lesen und buchstabieren für unsere Lebensverhältnisse.

Paulus schöpft letzten Endes auch – wie wir – aus dem Vermächtnis Jesu, wie es seine Jünger im Gedächtnis hatten. Nachdem sie mit ihm gewandert sind, um ja nichts zu versäumen in dieser Zeit auf Erden.

Die Briefe des Paulus finden wir im Briefteil des Neuen Testamentes und seine Missionsreisen in der Apostelgeschichte, in der beschrieben wird, wie im Glauben an das Wort des Jesus Christus, des Gekreuzigten und Auferstandenen, Gemeinden in Kleinasien, Griechenland und dem heutigen Italien gegründet und geleitet werden. Zu den Reisen und Neugründungen gehören die Briefe, die die Gründer an die Gemeinden schickten, um ihnen ihre Treue und Liebe zu beweisen. Das Beste, was man tun kann, damit die Gemeindeglieder nicht in die Irre gehen und sich verführen lassen. Das Beste auch in Verfolgung und Bedrängnis. Das wussten sie.

Die Gemeinde der Freude, wie Philippi genannt wird, muss etwas Besonderes gehabt haben, dass Paulus sich mit ihr so verbunden weiß. Gerade auch in den Sorgen, die er sich um sie macht. Was schreibt er an die Menschen, die mit Christus verbunden sind?“

Der Prediger hält inne und schaut von seiner Kanzel auf die Menschen herab, die in der großen Stadtkirche sitzen und bis jetzt den einführenden Erläuterungen ihres Pfarrers gefolgt sind.

Stille. Peinliche Stille.

Einer steht auf und geht. Er protestiert!

Als ob der Pfarrer verhindern will, dass noch mehr gehen, liest er nun endlich den Predigttext vor, um den es heute gehen soll:

„Folgt mir und seht auf die, die so leben, wie ihr uns zum Vorbild habt.

Denn viele leben so, dass ich euch oft von ihnen gesagt habe.

Nun aber sage ich ’s auch unter Tränen:

sie sind die Feinde des Kreuzes Christi.

Ihr Ende ist die Verdammnis.

Ihr Gott ist der Bauch

und ihre Ehre ist in ihrer Schande.

Sie sind irdisch gesinnt.

Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel

Woher wir auch erwarten den Heiland

den Herrn Jesus Christus

der unseren nichtigen Leib verwandeln wird

dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe

nach der Kraft

mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.“

Wieder Pause. Lange Pause. Da liegt eine Spannung in der Luft. Fühlt sich jemand angesprochen. Unangenehm berührt. Ja. mehrere stehen auf. Es sind die Bänke, die ächzen. Bei Stühlen wäre es auch nicht besser, die rutschen und quietschen auf dem Stein.

Die Gruppe hat geräuschvoll die verschlossene Tür aufgerissen und hinter sich ins Schloss fallen lassen. Der Kirchendiener konnte nicht mehr die Tür halten in ihrer Wucht. Es war eine schwere Eichentür. Er lief, er hätte rennen müssen.

Er hatte es dem Pfarrer gesagt, diese Epistel ist zu schwerwiegend, „zu unverständlich“ und bat darum, den Mittelteil wegzulassen. Er stand im Lektionar in Klammern! Der Pfarrer meinte, der solle mit gelesen werden. Er sei nicht verboten, nur weil er in Klammern stünde.

Auf diese Weise kam der Freudenbrief zur Geltung, weckte die Neugier des Predigers und wurde der Text, der der Predigt zugrunde lag und nicht die Fürbitte Abrahams für die Städte Sodom und Gomorra.

Der Kirchendiener war zufrieden. Er las als erste Lesung den Besuch Gottes bei Abraham und die Ankündigung der Katastrophe.

Wie recht hatte der Kirchendiener mit seiner Vermutung, dass der Text des Paulus unverständlich sei. Weil, hätte man ihn verstanden, sich vieles ändern müsste. Bei jedem einzelnen. Lebensgefährlich auch für den Prediger?

Wie Recht hatte der Kirchendiener.

Wir alle wissen doch wie es um Johann Wolfgang von Goethe stand – mit diesem Kreuz – so allein auf weiter Flur.

Auf den Gipfeln der Alpen und überall auf der Welt.

An den Straßenrändern. Das versteht man ja noch – als Warnung für zu schnelles Fahren im jugendlichen Übermut.

Oder Woizeck, der fragwürdige Held eines Georg Büchner.

Alle urinieren auf das Kreuz.

Es tut weh.

Dummerweise steht es viel zu viel herum in der Landschaft.

Oh – wie hasse ich es, wird mancher sagen.

Sogar in Schulen soll es anderwärts hängen.

In Gerichtssälen, sogar in Frankreich.

Es ist ja auch wahr, dass es umgedreht wurde von den vielen Kreuzrittern und ein Schwert wurde. Und ein Zeichen gegen die Protestanten in vielen Ländern, die es küssen mussten.

Und dann noch so ein schreckliches Wort. „Ihr habt mich zum Vorbild…“, schreibt der Apostel. Vorbild sagen wir nicht mehr. Leitbild, ja. Aber nein. Nicht doch. Vorbild ist primitiv. Das können wir niemandem mehr zumuten. Dabei weiß jeder, dass nichts anderes funktioniert als das Vorbild. Aber das ist es ja gerade. Wir sagen es nicht. Noch lange nicht. Da mag die böse Welt es längst eingesehen haben, dass es ohne Vorbilder nicht geht, in der Schule. Und ohne Liebe nicht. In der Schule. Und zu Hause. Und dass Vorbild und Liebe zusammengehören. Strenge auch. Ja, Zucht, flüstert einer und erinnert kaum hörbar an Dietrich Bonhoeffer, der natürlich in diesem Punkt nicht vor uns hergetragen wird wie eine Monstranz. Aber wir sagen es nicht. Noch lange nicht. Was ist das für ein kafkaeskes Spiel.

Warum ist man eigentlich so gegen Paulus, gegen Augustinus, gegen Luther. Warum ist die Leidenschaft aus der Kirche verbannt. Warum darf die Wahrheit nicht gesagt werden? Weil zu wenig Liebe da ist, um sie aufzufangen?

Was ist denn die Wahrheit? Ist die Wahrheit hässlich? Ist sie schön?

Lässt sich die Welt wirklich nur ästhetisch rechtfertigen, wie der Sohn eines Pfarrers, Friedrich Nietzsche, dort, wo jetzt die Braunkohle liegt, es leidvoll erfahren musste.

Golgatha, Gethsemane, Graf Zinzendorf: “Das tat ich für dich. Was tust du für mich?“ Er las das auf einer Reise in London unter einem Kreuzigungsbild und wollte fortan etwas tun, weil er das Kreuz nicht verachten wollte, sondern würdigen und annehmen in seinem Leben.

Auf dass er mit Christus auferstünde.

Wie viele Menschen haben das erfahren, es geht nicht alles auf, nicht alles glatt schon gar nicht, vieles ist krumm, wie ein Weg, auf dem Gott kommt. “Und er schreibt auf krummen Linien“, haben die Leute früher behauptet. Und wir? Wir fliegen und – haben Handschriften, wie Kinder in der Klasse minus eins. Wir können kaum noch lesen, geschweige denn schreiben. Es sind Fächer in höheren Klassen: Lesen. Kreatives Schreiben.

Wer seinen Körper verachtet und damit Schindluder treibt, entweiht ihn, verachtet den Tempel Gottes. Das Haus des Heiligen Geistes, wir können damit nicht tun, was wir wollen. Weil Gott uns das Leben schenkt, sollen wir so damit umgehen, dass wir das Opfer Christi zur Heilung und Heiligung unseres Lebens nicht verachten.

Skandalon, Skandal, Ärgernis, töricht den Weisen dieser Welt aber Gottes Weisheit – das Holz, das Konstrukt für unser Tun und Lassen.

Warum schreibt Bismarck seiner Frau von dem See, auf dessen tiefstem Grund das Kreuz sichtbar wird als einem großartigen Bild für die Ehe. Ist das passe‘ ? Ist deshalb das Wort Beziehung das Schlüsselwort und Partnerschaft, statt Ehe? Wer das Kreuz verachtet, verachtet das Hässliche in seinem Leben, will es nicht wahrhaben, dass das Leben ohne Kreuz nicht zu haben ist. Wer die Crux leugnet, den Widerspruch, belügt sich selber.

Es geht um mehr als Moral, nämlich, dass, wer behauptet es gäbe keinen Gott, kann tun und lassen was er will…das hatten wir schon, nicht wahr Dostojewski?“

Es wurde folgendes festgehalten in der Sitzung der Gemeindeleitung: „Als die Predigt zu Ende ging, waren noch fünf Männer und vier Frauen in der Kirche. Alle anderen waren gegangen, weil sie es übertrieben fanden, so krass und deutlich die Dinge auszusprechen.“

„Das wäre doch nicht nötig gewesen und widerspricht dem Gebot der christlichen Nächstenliebe“.

Sie wollten den Prediger anzeigen bei der Kirchenleitung, weil er das Konsensgebot und die gegenseitige Verträglichkeit missachtet habe. Die Einvernehmlichkeitsklausel wurde zitiert.

Allerdings, wir haben die Predigt gehört und sind bis zuletzt geblieben. Sie war nicht gesetzlich, sondern evangelisch. Es ging ja auch nur um die Klammer, auf die der Kirchendiener hingewiesen hatte.

Es war ja auch gar nicht die Predigt, die Anstoß erregte, es war das Skandalon des Kreuzes selber.

Es war die Torheit derer, die das Kreuz wegwischen wollen wie einen Flecken an ihrer Weste, von der sie meinen, sie müsste immer weiß aussehen, auch wenn sie schmutzig geworden ist.

Es waren genau diese Sätze der Bibel.

Sie waren eingeklammert !

Das stimmt.

Wir brauchen es nicht, das Kreuz Christi. Wir leugnen es. Warum ist es eigentlich da. Es wirkt so abstoßend. Weg mit den Kruzifixen.

Symbol?- Ja, das können wir deuten. Denn wir haben ja die Deutungshoheit.

Den Zusammenhang von Tugend, Jugend und Kreuz – nein danke. Es gibt ihn nicht. Das haben wir einhundert mal betont.

Dass die Moral auch ein Kreuz sein kann. Ja, wo kommen wir denn hin, wir haben es genug behauptet, dass wir keine Moralprediger sind.

Und das Kreuz Christi uns ausmisst in der Höhe und in der Breite, in der Tiefe, in der Länge des Atems den wir haben.

Wenn wir uns wenigstens nicht scheuen, christliche Wahrheiten auszusprechen in einer Zeit, in der darauf gewartet wird.

Erst waren es hundert. Dann zehn.

Und erst, wenn junge Leute anfangen wieder ehrlich zu predigen ohne Furcht und Tadel, sind zuerst diese zehn da, dann zwanzig und zum Schluss hundert. Und mehr.

So muss es sein und das andere ein böser Traum, denn sonst kann es nicht wahr sein, dass die Kinder von denen, die sich gegenseitig umgebracht haben, sich versöhnten und liebten und so Heilung in die Geschichte ihrer Familien einzog wie durch ein Wunder.

3.Versuch – Das Ewige Haus

„Vor der Wiedervereinigung Deutschlands und Europas haben wir erst im Rundfunk, dann im Fernsehen gehört und gesehen, daß es in der alten Bundesrepublik einen so genannten Volkstrauertag gibt, an dem die Repräsentanten des Staates Kränze niederlegen im Gedächtnis an die Gefallenen der Weltkriege.

Allerdings habe ich nie als Pfarrer darauf gedrungen, daß die Ehrentafeln für die deutschen Gefallenen aus den Kirchen entfernt wurden und auch die Ehrenmale in den Dörfern und Städten sind, so viel ich weiß, nicht entfernt worden.

Wenn der Martinsumzug durch unser Dorf zog, haben wir an dem Kriegerdenkmal angehalten und darauf hingewiesen, wie anständig der römische Soldat und Offizier Martin gewesen ist, als er seinen Soldaten- und Reiterumhang in einem kalten Winter geteilt hat mit einem Bettler, der fror. Niemand hat uns daran gehindert, den Martinstag innerhalb der so genannten Friedensdekade so zu begehen, daß nicht alle Soldaten im alten Rom nur Mörder gewesen sind, sondern auch Wohltäter gewesen sein können.

Jetzt haben wir das wiedervereinigte Deutschland (und Europa – ohne Russland) und gestalten die offiziellen Kranzniederlegungen mit im Andenken an alle Verfolgte, Flüchtlinge, vom Terror Bedrohte und im Krieg umgekommene Soldaten und Zivilisten.

„Aber wir haben auch einen biblischen Text aus einem Brief des Missionars Paulus an die christliche Gemeinde in Korinth.

„Wir wissen aber, wenn unser irdisches Haus zerbrochen wird, daßwir von Gott eine anderes Haus haben, das ewige Haus. Und deshalb sehnen wir uns nach dem Himmel und uns verlangt, dass wir damit angetan werden wie mit einem Kleid. Dass wir nicht nackt und bloß sind.

In unserer sterblichen Hülle sehnen wir uns nicht nach Entkleidung, sondern nach der Verklärung, damit das Sterbliche verschlungen wird von Leben.

Der uns aber dazu bereitet, das ist GOTT, der uns das Pfand, den Geist dazu gegeben hat.

Wir wissen, dass wir fern sind vom Herrn in unserer sterblichen Hülle, in der wir unterwegs sind in unserer Pilgerschaft. Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.

Der Glaube ist unser Trost.

Wir haben aber Lust näher bei Gott zu sein. Damit wir nach Hause kommen in seine Ewigkeit. Daheim bei dem Herrn zu sein.

Deshalb strengen wir uns auch an, ob nun auf der Erde oder im Himmel, damit wir ihm wohl gefallen.

DENN

WIR MÜSSEN ALLE OFFENBAR WERDEN VOR DEM RICHTERSTUHL CHRISTI, AUF DASS EIN JEGLICHER EMPFANGE SEINEN LOHN DAFÜR WIE ER GEHANDELT HAT IN SEINEM LEBEN, ES SEI GUT ODER BÖSE.“

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,

der Herbst ist eine deutsche Jahreszeit.

Angefangen mit Heinrich Heines Gedicht vom traurigen Monat November, der unweigerlich auf das Wintermärchen Deutschland verweist.

Wenn Sie wollen, können sie gleich noch an einer Schubertiade teilnehmen und die Winterreise in großartiger oder rührender Besetzung anhören. Die Stimmung ist perfekt.

Gleichzeitig protestieren Schüler auf den Straßen wegen mangelhaftem Unterricht und mir fallen die Studentenunruhen in Frankreich und Westdeutschland ein, wenn es auch nicht immer der Herbst war. Aber im Herbst beginnt das Lernen und Studieren.

Weltkrieg. Weltkriegsende. Novemberrevolution. Russische Revolution, die an Grausamkeit nicht zu überbieten war.

Die SA hat geputscht.

Hitler hat die Macht ergriffen.

Das Glas splitterte und Juden wurden abtransportiert.

Weltkriegsende.

Teilung des Landes.

Gewalt, Terror, Bomben,
Flucht und Vertreibung. Alles kam zurück.

40 Jahre später Herbst in Leipzig. Mauerfall in Berlin.

Jetzt. Jetzt ist die Zeit der Gnade.

Der Herbst- er kann auch schön sein. So der Karl Valentin.

Volkstrauertag. In einer halben Woche ist Bußtag. Nur in Sachsen, Sieger im Pisatest, gesetzlicher Feiertag. Dann ist EWIGKEITSSONNTAG. Und es war Reformationstag und Halloween. Warum nur die Leute sich darüber so aufregen.

Warum wollen die Leute den Richterstuhl streichen. Ist Weltgeschichte nicht mehr Weltgerichte. Hat die Geschichte kein Ziel mehr. Ist es nicht gut, dass es einen Richter gibt – bei so viel Unrecht und Unvermögen, Recht sprechen zu können. Man denke nur an die Unfähigkeit mit der Vergangenheit Deutsche Demokratische Republik fertig zu werden, mit dem himmelschreienden Unrecht, das gepflegt und gehegt wird, wie ein literarisches Denkmal.

Warum wollen die Leute nur getröstet werden mit dem Kleid, das ihre Blöße zudeckt im Licht Christi. Weder das Licht, noch die Nacht, noch das Feuer, noch den Rauch, noch die Trompete, noch den Wandel – nicht einmal den Handel – gibt es, wenn das Gericht ausbleibt. Licht ist Licht. Und kein Dunkel mehr. Ja, Dunkel ist Licht.

Nacktheit ist keine Nacktheit mehr. Frost nicht mehr Frost. Sommer nicht mehr Sommer. Wenn die Posaunen nicht rufen und die Toten nicht auferstehen, vom Schlaf. Wie es in einem alten Lied heißt.

Wie es in den Gospels gesungen wird.

Weder Bekleidung gibt es, noch Leben, das uns verschlingt. Weder Gut noch Böse, sondern Fadheit und Geschmacklosigkeiten am laufenden Band.

Was sollen die Menschen an den Kriegsgräbern sagen, wenn ihre Mütter nicht mehr leben, um dort weinen zu können. “Es gibt keine Schuld mehr…?“ Es gibt sie doch und Christus verheißt uns Leben und qualifizierte Zeit, Bedeutung. Ewiges Leben. Er steht dafür ein. Als Richter.

Wir sind unterwegs in das EWIGE HAUS. Aber wir werden gefragt, wo wir und bei wem wir gewesen sind auf dem Weg. Ehe wir uns im Wohlgefallen üben mit den Engeln. Im Himmel und auf Erden.

Buße tun ist umkehren, wenn der Weg lebensgefährlich wird für uns. Tun wir das. 1989 war das angesagt und wurde ausgepfiffen. 1945 war das angesagt und wurde versucht. Und 1918?

„Dass wir weinen können über der Schande, die uns widerfahren ist und Vergebung erlangen, damit wir nach vorne schauen können. Das ist nicht WEITER SO. Sondern Neubeginn im Namen Gottes, des Vaters, der uns geschaffen hat, im Namen Gottes des Sohnes, der uns erlöst hat und im Namen des Heiligen Geistes, der uns tröstet tief in unserem Herzen“. AMEN.

Alle Bilder: Erntesegen, wie ein Freund schreibt“ Kresse, Tomaten, Gurken, Segen.“ Vor unserem Haus als Trost für den Garten in Nordsachsen, den wir abgeben mussten, weil wir uns weigerten, die herrlichen alten Bäume der Vorgängerfamilie zu fällen. Wir haben sie gefällt. Sie sind im Kamin gelandet. Nicht in unserem. Aber wir wollten den Garten nicht so. Vielleicht ein Fehler. Oder?

Das Bild über der Predigt aus dem Archiv eines Dorfpfarrers ist eine Einladungskarte zum Valentinstag in die Brüderkirche zu Altenburg von dem katholischen Kollegen. Es war ein Generationsunter- nehmen und Ökumene. Mit Segnung. Bitte, Gebet und Fürbitte für die Paare am Altar vor dem Segen.

„Unterwegs in der Stadt mit D.“ ist die Voraussetzung für das Buch ACH DOSTOJEWSKI bei Haag und Herchen. Im Roman zu finden, bevor sie sich entschließen, gemeinsam weiter zu machen.

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Die Freude in Christus: Eine Botschaft aus dem Gefängnis

Bitte erst den Vorgängerblock lesen mit allen Schriftstellen.

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,

das ist ein Brief der Freude, den ich da gelesen habe – wenn ich ihn ganz lese.

Alle 4 Kapitel.

Das Erstaunliche: er wird aus dem Gefängnis geschrieben: Und Paulus beschreibt die Freude, die in Christus Jesus gegeben ist.

Der erste Vers unseres Predigtkapitels ist:“Weiter, liebe Brüder: Freut euch in dem HERRN!“

Paulus erzählt – immer wieder – wie er zu der Freude im Glauben trotz aller Trübsale gekommen ist. Und wie er die Gesetze seiner Religion als berühmter Gesetzeslehrer gehalten und interpretiert hat und dabei zum Verfolger der Christen geworden ist, wie er Zeuge und Täter bei der ersten Steinigung eines Nachfolgers Jesu geworden ist.

Und erst durch die Begegnung mit dem HERRN sehend geworden ist für Jesus und seine Auferstehungsgemeinde. Wie er auch sein Nachfolger geworden ist. „Sein Follower…“ würden heute Jugendliche sagen.

Aus dem Verfolger ein Nachfolger. Eine 180 Grad-Wendung.

Der angesehene Gesetzeslehrer seines Volkes ist in die Nachfolge Christi getreten und schreibt jetzt aus dem Gefängnis Briefe der Freude.

Ganze Kapitel.

Verkündet die Botschaft, die er empfangen hat in der Begegnung mit Christus seinem HERRN. Ganz in der Tradition auch seines Volkes, der prophetischen Tradition, siehe den Text umseitig aus dem ersten Testament Gottes/Neues Testament/ JEREMIA 1, 1 – 4.

Er bittet seine Lieblingsgemeinde in Europa: „Bleibt in dieser CHARIS gleich Freude, bleibt in dieser GNADE GOTTES und verzettelt euch nicht in den Fragen der religiösen Bräuche. Verwechselt nicht Ursache und Wirkung in der Nachfolge Jesu. Sucht den Heiland der Welt, das HEIL in Christus und nicht darin, wer Recht hat. Wer den richtigen Glauben hat. Wenn Ihr auf den Gekreuzigten und Auferstandenen schaut, werdet ihr Wahrheit und Gerechtigkeit finden“.

„Könnt ihr in der Liebe bleiben!“

„Nicht durch Zynismus (cynos- der Hund), durch hündisches Verhalten, werdet Ihr untereinander klar kommen“.

„In Christus liegt die Erfüllung des Gesetzes!“, ruft er den multiethnischen Gemeinden zu.

Paulus möchte nicht den Rückfall in eine falsche Gesetzlichkeit erleben.

Er erinnert deshalb immer wieder an seine eigene Geschichte, wenn er wegen s e i n e r Verkündigung des Evangeliums angegriffen wird in der Auseinandersetzung, was wichtiger sei: die Einhaltung der rituellen Vorschriften oder der Glaube an Jesus Christus, den Auferstandenen, der Früchte trägt.

Er könnte sich gut auf seine Leistung berufen und sich darauf ausruhen, aber er tut es nicht, sondern schaut auf den HERRN und folgt ihm nach. – Ja, er geht noch weiter: „Alles was diesem meinem Glauben im Wege steht, halte ich ferne.“

Schlimmer noch:“ist Dreck!“ Wörtlich übersetzt Kot . In der Jugendsprache: Scheiße, wie heute oft zu hören ist. Ja, Paulus ist ein leideschaftlicher Christ geworden, so wie er vorher ein leidenschaftlicher Verfolger eben dieser Christen gewesen ist. Sonst wäre er nicht rund um den Erdball gezogen mit seiner Botschaft, beziehungsweise in der Welt unterwegs gewesen, die damals die Welt war.

Ich selber, als ordinierter Pfarrer, sehe in der Kirchengeschichte Augustinus, Martin Luther und Sören Kierkegaard als Christen, die das besondere Anliegen des Apostels in jeweils ihrer Zeit weiter entfaltet haben.

Ich sehe den Zug durch die Jahrhunderte, die Väter und Mütter des Glaubens, unseres Glaubens, wie sie mit dem Geschenk des Glaubens wucherten und nicht kleingläubig umgingen, wie der Ängstliche und Kleingläubige im Gleichnis von den Pfunden, das Jesus erzählt.

Leidenschaft: Was ihm schadet in der Erkenntnis Gottes in Jesus, den er gefunden hat- weg damit! – da kennt er keine Kompromisse. Da wird er radikal. Und deshalb kann er alle Verfolgung, Diskriminierung und Verleumdung, auch innerhalb seiner Kirche und Gemeinde ertragen und dafür leiden. Leidenschaft.-

Es geht um das Leben in der Taufe, in die Christ/Christin hineingetauft werden: In den Tod Christi, damit wir mit Christus auferstehen von den Toten. Es geht um das Leben der von ihm gegründeten Gemeinden. Ja,das ist wirklich jüdisch-christliche Tradition. Paulus ist Jude, der sich von nichts, aber auch von gar nichts abbringen lassen will in der Erkenntnis Gottes. Und damit in der Liebe Christi bleibt, durch die ihm das Leben ja erst neu geschenkt worden ist. Diese Erkenntnis gibt er weiter. In jedem seiner Briefe. Dadurch wird er zum Lehrer der Völker.

Die Offenbarung Christi vor Damaskus gibt ihm die Begeisterung, die ansteckt und sicher auch polarisiert. Sie gibt ihm das gute Gewissen, wenn sie ihn vor die Räte bringen. Gott schenkt ihm die Kraft, Gemeinde Jesu zu bauen. Auch und sogar vom Gefängnis aus, in das ihn die Mächtigen, die Zyniker der Macht bringen.

Er bringt das Evangelium nach Europa, nach Griechenland bis nach Rom.

Er weiß, dass er alles verloren hat: Reichtum, Anerkennung, Akademische Ehren, seinen guten Ruf – weil er mehr gewonnen hat: Christus.

Deshalb kann er mit den Gesetzlichen reden, mit den Juden und Griechen, mit den Libertären, mit den Linken und Rechten. Mit den Starken und Schwachen. Ja, er kann sogar die Falschen Fünfziger akzeptieren, wenn er ohnmächtig im Gefängnis sitzt, wenn nur – auch von denen- der CHRESTOS verkündet wird. – Gott ist größer als unser Herz das weiß.

Übrigens ein Trost für alle, wenn sie an der Kirche oder den Verhältnissen verzweifeln.

Die Taufe in Christus ist es, die uns stark macht. Die uns ein WERDEN bedeutet in der Liebe und der Erkenntnis Gottes. Gemeinde bauen läßt. Die es möglich macht: ein Leben zwischen Kreuz und Auferstehung zu führen im Alltag, in den Kämpfen der Zeit.

Gebet: Danke Gott für alle Zeugen deiner Auferstehung in Jesus Christus, für alle Menschen, die Briefe geworden sind deiner Herrlichkeit und Wahrheit. Wir bitten dich: mache uns zu Salz für deine Erde, wenn es fade um uns herum wird, zu Licht in deiner Welt, wenn die Dunkelheit einzubrechen droht. Amen.

Die Predigt wurde in Vertretung von Pfarrerin Anke Schwedusch-Bishara wirklich gehalten heute am 9. Sonntag in der Trinitatiszeit in der Dorfkirche zu Müggelheim.

Berlin d. 17.08.2025, Michael Wohlfarth

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Vorbereitung

Ich habe mich verpflichtet am Sonntag über acht Tagen in meiner Dorfkirche zu predigen. Das heißt, ich werde mir die angebotenen Texte anschauen, die den Abendmahlsgottesdienst ausmachen sollen. Und in der Reihe, wie sie meine Kirche vorschlägt. Das ist sinnvoll:Vorgeschlagene Texte, nicht von mir ausgewählte. Also nicht meiner Stimmung gemäße Texte, meinem Unbehagen gemäße Texte, meiner Wut gemäße Texte, meinem Zorn gemäße Texte. Oder nach dem Motto: was ich schon immer einmal sagen wollte.

Sondern im Auftrag.

Es geht um die Heilige Schrift, die Bibel, das Alte und das Neue Testament Gottes, sein erstes und zweites sagen moderne Theologen heute, um nicht etwa die Hebräische Bibel als nur“alt“ zu apostrophieren.

Nein, ich wähle sie nicht aus, sondern schaue nach in meinem Losungsheft der Herrnhuter Brüdergemeine oder in meinem mir immer noch zugeschickten Amts- und Dienstkalender. Und möchte sie an meiner Vorbereitung teilnehmen lassen.

Unter Liedern steht ein Predigtlied: Evangelisches Gesangbuch 397 „HERZLICH LIEB HABE ICH DICH O HERR.“ Das Lied hat drei lange Strophen. Es werden noch mehr Lieder gesungen. Soweit bin ich aber noch nicht. Vielleicht haben Sie einen Vorschlag.

Unter Predigt steht dort: Brief an die Gemeinde zu Philippi.

Die Lieblingsgemeinde des Apostels. Einige Verse, die es – wie immer bei PAULUS – in sich haben und Leute dazu bringen außer sich zu sein, vor Freude, vielleicht aber auch im Gegenteil.

Unter Evangelium lese ich Matthäus, früher zumindest nannte man dieses Evangelium das eigentliche Kirchenevangelium. Nirgend wo ist die Spannung Gesetz und Evangelium so ausgebreitet und geht unter die Haut.

Und dann der Psalm.Im Vorschlag Lob und Dank, was mich gewundert hat. Denn der zweite Teil, der Schluss handelt auch von einer möglichen negativen Perspektive.

Dialektik.

Lobpreis und Sehnsucht Gott nahe zu sein in der Wüste, auf der Flucht vor denen, die ihn töten wollen: den Sänger, den König, DAVID.

Gottes Güte ist besser als Leben (Psalm 63 (1) 2-9 (10-12)
1 Ein Psalm Davids, als er in der Wüste Juda war. 

2 Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir, mein Leib verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist. 3 So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit. 4 Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich. 5 So will ich dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben. 6 Das ist meines Herzens Freude und Wonne,[1] wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann; 7 wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach. 8 Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich. 9 Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.

10 Sie aber trachten mir nach dem Leben, mich zu verderben; sie werden in die Tiefen der Erde hinunterfahren. 11 Sie werden dem Schwert dahingegeben und den Schakalen zur Beute werden. 12 Aber der König freut sich in Gott. / Wer bei ihm schwört, der darf sich rühmen; denn die Lügenmäuler sollen verstopft werden. 

Und dann Altes Testament,der Prophet, JEREMIA: SEINE BERUFUNG! Vor seiner Zeugung!

Aus einer alten Priester -Dynastie stammend.

(Das wäre dann der Nachteil des ZÖLIBATES).

Und natürlich ziert er sich: zu jung u.s.w..

Wir kennen das.

Immer dasselbe.

Die Aufgabe ist ja auch zu mächtig gewaltig.

Vorstellung und Berufung des Propheten Jeremia (1, 4 – 10)

Dies sind die Worte Jeremias, des Sohnes Hilkijas, aus dem Priestergeschlecht zu Anatot im Lande Benjamin: 

Zu ihm geschah das Wort des HERRN zur Zeit Josias, des Sohnes Amons, des Königs von Juda, im dreizehnten Jahr seiner Herrschaft  und hernach zur Zeit Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs von Juda, bis ans Ende des elften Jahres Zedekias, des Sohnes Josias, des Königs von Juda, bis Jerusalem weggeführt wurde im fünften Monat. 

Und des HERRN Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen. 

Das Evangelium nur drei Verse, zwei Sätze (Mt.13, 44 – 46):
Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker.  Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie. 

Ja, das ist radikal. Die Radikalität am richtigen Sitz im Leben. Wenn es um das Ganze geht. Um den Sinn des Lebens.

Und nun der Predigttext, auch wie das Evangelium im Neuen Testament , der gleichzeitig als Epistel dient (Briefteil des Gottesdienstes). Wir finden ihn im Philipperbrief des Apostel Paulus, 3. Kapitel, (4b – 6) 7 – 14

Wenn ein anderer meint, er könne sich aufs Fleisch verlassen, so könnte ich es viel mehr, der ich am achten Tag beschnitten bin, aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, nach dem Gesetz ein Pharisäer, nach dem Eifer ein Verfolger der Gemeinde, nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig gewesen.

Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, auf dass ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott kommt durch den Glauben. Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden, 1damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.

Das Ziel

Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Brüder und Schwestern, ich schätze mich selbst nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Ja, das ist Leidenschaft. Leidenschaft in Christus Jesus, dessen Name über alle Namen ist. Das ist Argumentation. Nicht umsonst schätzen gerade Marxisten Paulus als d e n Philosophen (Agamben).Haben ihn geradezu entdeckt, für sich, für andere. Und als Jugempfarrer im Altenburger Land? In der Stadt und auf dem Land: „Ja, alles ist Scheiße, nur JESUS nicht.“Das ist keine Blasphemie, auch keine Anbiederung an den Zeitgeist. Und ja, es ist Jugendsprache. Jugendliche haben manchmal auch Recht! Auch und gerade in ihrer Sprache. Im Übrigen ist die Übersetzung so wie s.o.. So war Paulus mit seinem Lebensweg, der hervorragend Rabbi, der junge ehrgeizige Rabbe und Bibelausleger, der diese Sekte verfolgt, von einem gewissen Jesus inspiriert. Sie nennen sich Christen. Sie glauben, Jesus ist der Messias, auf den alle warten um die Welt zu erlösen. Uns alle, damals und heute. Der den Mantel hält für diejenigen, die Steine werfen auf Stephanus, bis er begraben liegt unter den Steinen. „Das geht alles nicht, das ist Gottes Lästerung.“ Aber aus dem Vorzeigegelehrten wird ein Mensch in seinem Wahn, der vom Pferd fällt und eine Erscheinung hat:“Saulus, warum verfolgst du mich?“ „Wer bist du?“ “ Ich bin der, den du verfolgst.“ Wir können das alles nachlesen in der Apostelgeschichte und Paulus selber erzählt es immer wieder.

Weil dieser ehemalige Saul oder Saulus eine Geschichte hat, die zu seiner Namensänderung führt, glauben ihm die Leute. Er weiss wovon er redet.

Soviel aus heutiger Sicht von mir aus gesehen zu den Texten des Gottesdienstes am 17. August d. J..

Mit ein paar Bemerkungen, die neugierig machen sollen, z.B. eine Predigt an zu hören, einen Gottesdienst zu dem Thema zu feiern, das es sich lohnt Christ zu sein.

Dass wir alles andere vergessen können, wenn es um ein erfülltes Leben geht im Glauben an JESUS Christus, um seine Wahrheit in und Gerechtigkeit.

So wie bei dem Kaufmann, der alles verkauft, um diese eine Perle zu bekommen, bei dem Bauern, der alles daran setzt, um den Acker zu haben, in dem der Schatz liegt. – Bitten wir Gott, dass alle Gottesdienste an diesem Sonntag schön werden und uns klarer wird, was wirklich wichtig ist, damit wir leben können. In seiner Güte und in seinem Auftrag!

In der Nachfolge unseres HERRN JESUS CHRISTUS, DEM HEILAND DER WELT.

Herzliche Grüße

Michael Wohlfarth, Pfr.i.R.

Der Gottesdienst findet in Berlin-Müggelheim in der Dorfkirche statt, leicht zu erreichen mit dem 69iger Bus. Und zwar um 10.00 Uhr am 17. August. Es ist ein Abendmahlsgottesdienst.

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Erinnerungen an die Wendezeit: Glauben und Dankbarkeit

Fortsetzung des Vortrages in der Hans-Seidel-Stiftung für Lehrer und Lehrerinnen (Gymnasialstufe) 2015

Fortsetzung vom letzten BLOG mit Kapitel 16:

Intellektuelle, Priester, Märtyrer.

Gut, daß wir in Leipzig im Frühjahr 1990 zum 50. Geburtstag meiner Frau Richard Rohr, einen deutschstämmigen Franziskaner aus Amerika, gehört haben in der Nicolaikirche. Dass ich seine einschlägigen Bücher kannte, die er ja alle nicht geschrieben hat, sondern seelsorgerlich gesprochen hat und ein Freund hat sie aufgeschrieben. Übrigens ein bayerischer Lutheraner. Gut, dass wir Bonhoeffer kannten zwischen Widerstand und Ergebung. Zwischen Revolte und Anpassung mussten wir das für uns übersetzen.
Meiner Frau redete ich zu, als Staatssekretärin für Familie und Jugend nach Berlin zu gehen und die DDR fröhlich mit anderen und Gospelmusik zu beerdigen.
Denn schon die Umzüge in Leipzig hatten nicht nur etwas Dramatisches, sondern auch etwas Fröhliches.
Der Satz meines Freundes im Glauben Georg Harpain: “JESUS WAR AN DER SPITZE “ ist für uns letztlich Grundton geworden dessen, den ich als ordinierter Pfarrer zu verkündigen habe: JESUS, der die Welt überwindet.
Es gibt Augenblicke im Leben, wo einem das bewusst wird: Sieg.
Dafür sind wir dankbar.
Und dafür: Nach dem Lesen unserer Akten in der Runden Ecke war nur einer dabei, der uns verraten hat aus unserem Vorbereitungskreis für die Themen und Referenten der Altenburger Akademie, ein Berufsschullehrer, den sie erpresst haben, weil er einem Mädchen zu nahe gekommen war.
Sonst alles OKAY.
Ich bin weinend und lachend herumgegangen und habe mich bedankt für die Treue.

Wir sind uns um den Hals gefallen.
Trotz und wegen aller Fürbitten nie die Dankesstrophe vergessen, schärfte mir mein Vater in dieser Zeit ein.
Leider hat meine Mutter den 9. Oktober 1989 in Leipzig nicht mehr erleben dürfen. Sie war die Tochter eines Rechtsanwaltes, der unter Lebensgefahr Juden verteidigt hat, Pfingstler u.a., die im 3. Reich denunziert wurden. Ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie mir mitten im Sozialismus die Kategorien des Denkens erhalten haben trotz aller Schablonen, die uns in der sozialistischen Schule um die Ohren gehauen worden sind.
Dank?
Natürlich Dank. Auch am 3.Oktober 1990, wo wir alle zu feige waren – oder Schlimmeres(?)- die Kirchenglocken zu läuten. Schließlich war der offizielle Kalte Krieg zu Ende und wir tanzten mit den Offiziersfrauen der Roten Armee. Bevor sie abzogen aus den alten herzoglichen Kasernen in einer ostthüringischen Residenzstadt in ihr armes russisches Land. Wir haben mit den Katholiken eingeführt, dass am 3. Oktober bzw. zu ERNTE-DANK auf dem Markt vor der Franziskanerkirche-Brüderkirche gebetet, gesungen, Posaune geblasen, gepredigt worden ist.
Wir haben den Hirten zum Krippenspiel Plakate in die Hand gedrückt, auf denen stand: WIR SIND DAS VOLK.
Zur gleichen Zeit, als die Soldaten in der nahen Kaserne nicht wussten, was sie mit ihrem Gewehr anfangen sollten…Und die Richter riefen, sie hätten kein Recht mehr in den Händen, nach dem sie urteilen könnten. Die Gefangenen hingen ihre Bettlaken zum Fenster des Gefängnisses heraus mit Losungen, die sie darauf gemalt haben, für bessere Haftbedingungen. Die Telefonleitungen nach Berlin waren gekappt.

Auch in Leipzig wusste in der Großen Friedlichen Oktoberrevolution niemand, was er machen sollte. Außer dem Volk und einer Handvoll mutiger Künstler mit Parteisekretären der besonderen Klasse und natülich vielen, vielen Kirchenleuten.

In Berlin stand immer das Westfernsehen bereit und der RIAS, SFB. In Leipzig niemand. Nur das Auge der STASI auf den Dächern. Wir sind dankbar gegenüber Gott, das nichts passiert ist.

17.

FÜRBITTE UND DANK!
Die Altenburger Akademie war weiterhin notwendig, um der Sprachfähigkeit willen in einer auf uns zukommenden Diskursgesellschaft. Um zu lernen, dass es Argumente gibt, die ausgetauscht werden müssen.
Wir haben später im Rahmen der Altenburger Akademie-Offene Kirche f ü r den Religionsunterricht gekämpft innerhalb der Evangelischen Kirche in Thüringen. Und haben gewonnen – im Gegensatz zu später Berlin.
Daraus ist nach 10 Jahren eine freie Schule, gebunden an das Evangelium, mit dem Vorbild Leipzig in der Nähe, hervorgegangen, jetzt 500 Schüler, vor über 10 Jahren 20.
“Lehren durch Lernen, Lernen durch Lehren!“ war angesagt. Unser Kirchenfenster mit dem 12-jährigen Jesus stand PATE. Universitas. Schulgemeinde.
Das war noch einmal eine Revolution. Keiner konnte sich das vorstellen „in dem roten Nest“. Westdeutsche haben uns geholfen, die sich das vorstellen konnten. Soviel Feindschaft war noch nie. Soviel Freundschaft war noch nie. Und immer auf Anfang geschaltet. Auf den Zauber des Beginnens (Mörike), der in der Initialzündung Gottes
begründet ist, der Taufe.

Zwischen CRUX und WOSKRESSENIE.

„Ich bin getauft“, hat Luther in sein Eichenholz geritzt, wenn es ihn überkam: die Verzweiflung, die Anfechtung. Taufe, das Werk Gottes und nicht irgend eines Menschen Werk. “Die Angst in den Wasserfluten der Taufe ertränken…“, sagte die Leiterin des amerikanischen Lutherzentrums in Wittenberg zu uns, als die Mulde überlief und die Arbeitslosigkeit überhandnahm.

Aus meinem Tagebuch:
„Sie laufen nachts heulend unsere Gasse herunter, wenn wir nicht schlafen wollen oder können und uns fragen, was haben wir angerichtet: Früher hatten sie ihre Werkbank, wenn auch ohne Material, jetzt besaufen sie sich und verdreschen ihre Familien. In Altenburg-Nord, der sozialistischen Bergarbeiterstadt. Die sowjetische Aktiengesellschaft WISMUT hat dicht gemacht.Frauen laufen zu Weihnachten aus dem Haus, um all den Widersprüchlichkeiten, den PARADOXA zu entkommen. Die Männer kommen und weinen.“

18.

„WO IST DER BEICHTSTUHL?“ Diese Frage einer Frauengruppe werde ich Ende der 90iger nie vergessen…
…die Vikare wollten sofort einen bauen.

Sie haben ihre Gebete, Fragen, Antworten an die Wand geheftet und ich wusste, was ich zu predigen hatte.
Die Kirche war nicht mehr im Untergrund, auch nicht zur Hälfte. Sie war öffentlich. Wir hatten endlich das erreicht: Öffentlichkeit.

Durch die Gründung des Gymnasiums – also durch die WELT haben wir das GEBET neu entdeckt.
Nach einem Besuch in Bayern, Selbitz, haben wir angefangen mit communitären Strukturen ernst zu machen: am Dienstag Mitarbeitertag, am Mittwoch Schola, Vorbereitung der Tafel, Mittagsgebet (in der Ordnung der alten Kirche FRIEDENSGEBET genannt), gemeinsames Essen, ERWACHSENENBILDUNG, Kaffee.

Die Christusbruderschaft in Selbitz und anderswo (Halle) lebt nach benediktinischen Regeln und wurde von einem lutherischen Pfarrerehepaar gegründet. Sie hat uns eine Spiritualität mitgegeben, die standhält in der Welt des Pluralismus und der Säkularisierung. Diese Formen der Frömmigkeit tragen auch über Pfarrstellenwechsel und Ruhestandregelungen hinaus. Dafür sind wir dankbar.

19.

ORA ET LABORA war und ist das Leitwort der Gemeinde in Altenburg. Schließlich war Luther auch Mönch, wenn auch später verheiratet. Und uns wird auch das Jubiläum 2017 nicht umbringen, sondern im Gegenteil. Selbst Modephilosophen in Berlin blicken voll Verwunderung und heimlicher Bewunderung auf die evangelischen Communitäten. So gesehen müssen wir über Ökumene nicht streiten. Sie ist gegenwärtig in jedem Gebet, in jedem Lied.

Jemand, der kein Modephilosoph war, sondern ein Gezeichneter durch linke Anfeindung und Falschaussage, war für uns Günther Rohrmoser aus Stuttgart, der das Christlich-Soziale, wie Sie vielleicht wissen, auf ganz Deutschland bezogen wissen wollte. Seine Lieblings-CDU war die sächsische, da hat er keinerlei Hehl daraus gemacht. Da waren die Pietisten des Erzgebirges, die schon Pater Gordian, dem Jesuiten und Volksprediger aus Leipzig, aufgefallen sind als Brüder und Schwestern im Geist.
Da wir politisch vom DA (Demokratischen Aufbruch) herkamen, machen wir uns heute noch Gedanken über die richtige Richtung in der Politik. Daran hindert nicht die
Freude darüber, dass wir es geschafft haben mit Angela Merkel und Joachim Gauck bei allen bitteren Pillen und Wermutstropfen, die jede weltliche Freude so zu bieten hat.

Oder endlich der Aufsteller bei Leipzig. – Autobahn 9: Leipzig, Stadt der Friedlichen Revolution. Oder auch die Palme aus der Nicolaikirche draußen auf dem Markt. Oder an unserem Pfarrhaus : Station auf dem Weg für Recht und Demokratie: “Hier trafen und treffen sich der Friedenskreis und die Altenburger Akademie, um brisante Themen der DDR/BRD zu diskutieren. Medaillon 13.Dez.2013 Friedrich-Schiller-Universität, überreicht durch den Minister für Justiz in Thüringen. Oder der Anstecker im Erinnerungsjahr 2014 für Zivilcourage 1989, angesteckt durch Christine Lieberknecht in Gera. Die Kirche muss ein Scharnier bleiben zwischen Volk und Regierung, damit sich die einen von den anderen nicht einfach so abschotten können, dass es unheimlich wird. Wir haben es erlebt wohin das führt. Überflieger en gros. Ich begleite meinen Sohn in seinem Jugendpfarramt im Werratal, in der Arbeit mit Romas, die in Altenburg angefangen hat.Vikare, die inzwischen gestandene Pfarrer und Pfarrerinnen sind. Gott sei es gedankt.Und nicht zuletzt meine ehemaligen Gemeinden in Stadt und Land. Wenn ich die Täuflinge von damals sehe, die Schüler…du musst kein Wutbürger werden, aber ein Zeitgenosse bleiben, der weiterhin Verantwortung übt. Im Beten und Tun. Und überhaupt: das ist der Schlüssel. Nicht über die Leute reden, sondern statt einer Meile, um die sie Dich bitten, zwei Meilen mit ihnen gehen, wenn es deine Kräfte erlauben. Das habe ich auf meinen „Universitäten“ gelernt, den anderen (Maxim Gorki – Der Bittere), in „meinen“ Dörfern und in „meiner“ Franziskanerkirche am Markt in der Stadt. Ich hoffe, die Türen werden nicht zugemauert.

DANKE!

Bilder eines englischen Malers, der in Altenburg/Thüringen zu Hause ist- wie man sieht. Natülich etwas fantasy.

Titel der Wendezeit und der Lebensfreude in Vollmershain mit Klingendem Spiel der Arbeiterklasse in einem traditionell CDU-geprägten Bauerndorf Ostthüringens.

Die Kirche der Revolution mit dem Revolutionspfarrer. In seiner ersten Pfarrstelle (Arbeiterdorf und Filiale Mannichswalde/jetzt Sachsen: Roter Pfarrer).

Mittagsgebet

Sie klingt jetzt: Freiheitsglocke

Brüdergasse 11, 04600 Altenburg mit Übernachtungsmöglichkeit

Berliner Zeitung Zehner Jahre, Zitat Rückseite

Es fehlt: Weltbild, Menschenbild, Gottesbild.

Die Übersetzung: Freude (überschwengliche Freude/Paulus/Philipperbrief); Umkehr(…wer nicht umkehren kann risiert abzustürzen…meine Laienerfahrung im Gebirge), Zeitpunkt (wer ihn verpasst macht sich schuldig!- Biblisches Wissen). Das Henkelkreuz ist ein ganz wichtiges Zeichen in Ägypten (Kopten) und wurde 1988 vom damaligen Kaplan Mothes der Epiphaniasgemeinde Altenburg eingebracht.

Das erste Kapitel des Buches Glauben und Erkennen in der Wendezeit 89, als OFFENE KIRCHE im Inhaltsverzeichnis apostrophiert, ist somit hier abgebildet.

Einen schönen 7. Sonntag in der Trinitatiszeit 2025!

SCHALOM! WOSKRESSENIE!

Michael Wohlfarth

Details

Einband

Taschenbuch

Altersempfehlung

1 – 99 Jahr(e)

Erscheinungsdatum

22.01.2024

Herausgeber

Michael Wohlfarth

Verlag

Epubli

Seitenzahl

128

Maße (L/B/H)

0,9/12,5/0,7 cm

Gewicht

133 g

Auflage

4. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7584-6314-3

Herstelleradresse

epubli
Köpenicker Str. 154a
10997 Berlin
Deutschland
Email: kontakt@epubli.de
Url: http://www.epubli.de
Telephone: +49 30 617890200
Fax: +49 30 617890299

Featured

Glauben und Erkennen Teil 1

Glauben und Erkennen

in der Wendezeit nach 1989

in Ostdeutschland

Margard Wohlfarth, Michael Wohlfarth, Sven Thriemer

Impressum

Michael Wohlfarth

Philipp-Jacob-Rauch-Straße 30

12559 Berlin

Umschlag epubli 2023

michael.wohlfarth@t-online. De hppts://kaparkona.bog

Inhaltsverzeichnis
Offene Kirche – Altenburger Akademie6
Suchet der Stadt Bestes51
Quellen93
Schulgeschichte76
Bilder einer Ausstellung83
Erwachsenenbildung92

Krippenspiel (Bildnachweis Glaube und Heimat, erlaubt Edgar Nönnig, Thonhausen ) 95

Das Heilige 96

Persönlicher Nachtrag 97

Topos Amthor 98

Dialog zu Heil und Unheil 103

Quellen 124

Sonntag 2.August 2015 Hans-Seidel-Stiftung

Michael Wohlfarth:„Verhältnis Staat – Kirche in der DDR.- Die Entwicklung der Kirche in den Neuen Ländern nach 25 Jahren Deutsche Einheit.

Am Beispiel der Altenburger Akademie – Offenen Kirche.

Sehr verehrte, liebe Anwesende,

als mich Thomas Luckow („Erich-Mielke-Museum“ in der Normannenstraße Berlin) anrief und fragte, ob ich mir vorstellen könne, einen Vortrag zu obigem Thema zu halten, blieb mir ein wenig der Atem im Halse stecken. So wirkt allein das Wort, der Absender „Normannenstraße“ auf mich, auf den 20 IMs angesetzt waren, nur weil ich als ganz normaler Pfarrer, Jugendpfarrer und Erwachsenenbildner meine Sache ernst genommen habe, zuerst für knapp 13 Jahre in einem Kirchspiel im Altenburger Land mit stark bäuerlicher Tradition, aber gleichzeitig voll in der sozialistischen Moderne des sowjetischen Uranabbaus stehend mit allem, was dazu gehört: Wismutschnaps, Goldgräberstimmung, zuerst (1945) mit Schießen, wenn es einer gewagt hätte, auch nur einen Klumpen von dem strahlenden Zeug über den Stacheldraht zu bugsieren.

Meine Dorf-Akten sagen aus, dass sämtliche Kirchgänger Sonntag für Sonntag notiert worden sind. – Sie sagen aus, dass meine Briefe an Gemeindeglieder zur Erinnerung an ihr Taufversprechen, die Kinder in die Christenlehre zu schicken, über den Bürgermeister zum Ministerium für Staatssicherheit (Kreisstelle Schmölln) getragen worden sind. Das alte Verhältnis Kirche und Obrigkeit wirkte in traditionsreichen Orten besonders stark nach und hat dem sozialistischen Staat geholfen, die Kirche im Blick zu behalten, dem atheistischen Staat, dessen Schwert (Martin Luther redet vom Staat auch als vom Schwert in seiner

Zwei-Reiche-Lehre) das MfS gewesen ist. Übrigens: der IS

redet auch vom Schwert. Die Salafisten vom Wort als Mittel der Mission. Das nur am Rande des zivilen Berlin. Es gab Menschen in der DDR, die glaubten, Amtsträger der Kirche würden – wie übrigens auch in der Tschechoslowakei geschehen – vom Staat bezahlt. Da hätte man sie noch mehr unter einer viel natürlicheren Kontrolle gehabt als so: un- heimlich durch die Staatssicherheit.

Also, nachdem ich den Kloß im Hals heruntergeschluckt hatte, habe ich gerne JA gesagt und will versuchen am Beispiel Thüringen/Altenburg-Altenburger Land, 50 km von Leipzig entfernt und 40 km von Gera und Zwickau entfernt, etwas Vernünftiges zum Thema zu sagen.

1.

Erst einmal muss gesagt werden, dass der verlorene Kalte Krieg ein verlorener Religionskrieg für viele Menschen gewesen ist, die ehrlich an den Sozialismus geglaubt haben. Der Sozialismus – oder richtiger der KOMMUNISMUS – hatte nicht nur religiöse Affekte, nein, er war Religionsersatz für viele Menschen.

Deshalb musste es auch ( u.a.) gar kein Verhältnis von Staat und Religion in der Deutschen Demokratischen Republik geben, weil Religion und Staat eins waren.

JEDENFALLS DIE STAATSRELIGION.

Die Trennung von Staat und Religion gab es nicht. Der Sozialismus war die Religion.

Die DDR war ein Weltanschauungsstaat (Heinrich Fink). Der Sozialismus war die Neue Religion.

Der Kommunismus die Lehre vom Neuen Menschen.

In der Tradition der Missionsgeschichte gesprochen heißt das, w i r waren die Anbeter der Teufel, der a l t e n (bösen) Götter und Geister. Etwas gelinder ausgedrückt, die Märchenerzähler, Verdummer, die

Blöden, mit weniger Gehirnzellen im Kopf als die vom Wissenschaftlichen Kommunismus (WIKO) Geprägten (Kindergartenausbildung Leipzig). Die ewig Gestrigen! (S. dazu besonders rumänische Zeugnisse von Seelsorgern und Geistlichen.)

2.

Dass die Wirklichkeit etwas ganz anderes war, war eine ganz andere Sache.

Kirchenpolitik war eine Sache von leninscher Strategie und Taktik, wenn es sie gab.

Dass insbesondere nach dem Tod von Walter Ulbricht die Taktik sich verselbständigte und die 2. und 3. Generation in den kommunistischen Familien sich begann einzurichten – eigentlich mit dem ganzen DDR-Volk – um das Leben zu genießen, ist praktisch ein Stück Kenntnisnahme dieser Realität.

Dazu gehört auch das Praktizieren des Intershop, Flüchtlingsverkauf für Devisen,Gespräche Mitte der 70-iger Jahre zwischen Erich Honecker und den Bischöfen der evangelischen Landeskirchen.

Aus dem Sozialismus/Kommunismus/Stalinismus wurde der so genannte real existierende Sozialismus mit all seinen Lebenslügen, die sich nun umgekehrt im ideellen Horizont bemerkbar machten, sozusagen vor der Folie des verlorengegangen Traums einer Welt ohne Geld, Soll und Haben, die im Sozialismus der DDR eben auch nicht funktionierte bei aller deutschen Gründlichkeit.

Daran ist er schließlich zugrunde gegangen. Schade, sagen manche.

Gut so, sagen andere, die wissen, daß nun die Offenbarung des Menschen beginnt (ungarische Pfarrersfrau), vor dessen Größe und Niedrigkeit nicht ein Pseudoglaube, sondern der bis dahin als Aberglaube abgetane christliche Glaube

meines Vaters und meiner Mutter schützen, und der – gleichzeitig – wie Kain geschützt wird in der Hoffnung der Vergebung und der Liebe zu Gott und dem Nächsten.

„Die heute Lebenden wissen nicht mehr, dass ihre Eltern und Großeltern Gott verloren bzw. vergessen haben“ – so Bischof Noack zur Situation nach 1989 in der ehemals besetzten Zone durch die Sowjetunion/später seit 1949 DDR. Es ist die Aufgabe der Kirche heute, diese Hoffnung wiederzufinden mit denen, die sie verloren oder vergessen haben.Es ist eine seelsorgerlich-missionarische Arbeit, die da auf die Kirche im Osten wartet: 60 Jahre Gottlosigkeit, Gottvergessenheit, Gottverlorenheit: erst Hitler und dann übergangslos das Spiegelbild der 1. deutschen Diktatur strukturell in der 2. deutschen Diktatur nicht national- sozialistisch, sondern international kommunistisch mit dem Machtfaktor pax sowietica. Der Sozialismus in der DDR ist nicht durch eine Revolution eingeführt worden, wie in Russland oder Kuba, sondern die „Speerspitze der Revolution“ ist durch den Sieg der Roten Armee über Hitlerdeutschland über Ungarn, Polen, Tschechoslowakei nach Thüringen, Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg- Vorpommern, Berlin, Sachsen-Anhalt gekommen, – wie Wladimir Iljitsch Lenin es vorausgesagt hatte.

Sie können sich vorstellen, was zusammenbricht, wenn diese pax sowjetica in sich zusammenbricht (Putin:größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts). Eine gesellschaftliche Depression ohnegleichen, ein unglaublicher Vertrauensverlust. Das war der Zustand dieses Zusammenbruchs nach 1989 im gesamten Ostblock.

Allerdings in Ostdeutschland mit einer Besonderheit. Wir waren keine Nation, die das zu bewältigen hatte, sondern eine Viertelnation.

Die Bürgerrechtsbewegungen in den national- kommunistischen Ländern in der pax sowjetica waren

g a n z, e r w a c h s e n und ließen sich nicht teilen in solche, die bleiben und solche, die gehen oder abgekauft/verkauft werden.

Das wurde von den Polen um Solidarnosc moniert, von den Tschechen um Vaclav Havel herum. Die Schicksalsgemeinschaft in Deutschland war gespalten.

Übrigens, erst als die PDS in einem quälenden Prozess nach Jahren JA sagte zur Wiedervereinigung, konnte sich Deutschland anfangen wirklich wieder zu vereinigen.

3.

Die nationale Frage war Walter Ulbricht bewusst, auch Erich Honecker.

Als Erich Honecker wegen seiner Haft im Zuchthaus Brandenburg befragt wurde von Pionieren und FDJ lern im Blauhemd und roten Halstüchern, woher er die Kraft zum Durchhalten bekommen hat, hat er geantwortet: “Aus der Liebe zu meinem deutschen Vaterland.“ Eine bemerkenswerte Antwort vor dem Hintergrund heutiger Verächtlichmachung aller auch nur annähernd natürlicher nationaler Gefühle.

Sogar Herr Lucke hat scheinbar damit Probleme. In der Schule /12.Klasse habe ich das so erklärt:

NATUS – woher das Wort Nation sich herleitet, heißt nicht mehr und nicht weniger als GEBORENSEIN. Das SOZIALE – das ist der Nächste. Daraus ergibt sich manchmal eine Spannung.

Es muss aber eine Spannung bleiben um Gottes und der Welt willen und darf nicht national-sozialistisch kollaborieren, eine Versuchung, die ja nicht nur in Europa zur Katastrophe geführt hat.

4.

Aber jetzt in dem Dilemma Wiedervereinigung ist es wichtig, “dass Ihr euch wiederfindet und Eure Identität und Geschichte!“, so mein Freund und Religions-Gelehrter Yuval Lapide neulich in der Urania in Berlin, sein Großvater mütterlicherseits Franke und im 1. Weltkrieg ausgezeichnet mit dem eisernen Kreuz. Natürlich bedeutet Nation, wenn sie wieder

eine werden möchte , erst zwei verschiedene Schicksale, die aber im Zurückliegen ein Schicksal k e n n t, Geschichte, der sie nicht hilflos ausgeliefert sein muss in der Götzenverehrung von Volk und Vaterland, Familie und Heldenverehrung.

5.

Hier ist Kirche gefragt, jede confessio, jedes Bekenntnis. Hier ist inzwischen der Islam in Deutschland gefragt und die Jüdische Community, die mir ebenfalls schon Antworten gegeben hat. Z.B., dass sie wiederkommen, die Jungen Frommen in die Anklamer/Brunnenstraße Berlin, an der ehemaligen Mauer, wo ich und meine Familie Jahre des Studiums zugebracht haben in der Stille der tödlich bewachten Demarkationslinie und ihren Explosionen.Ich sehe das als Verheißung, seitdem die Goldkuppel der Großen Synagoge in der Oranienburger Straße leuchtet. Ich sehe das als Aufforderung zu Normalität, wenn Israelis dort einen Campus gründen, Geschäfte aufmachen, jüdischen Glauben praktizieren, beruflich Hochtechnologien installieren. Nur sie können uns sagen: Betet einen regelmäßigen Bußpsalm in euren Gottesdiensten, wir werden ein regelmäßiges Klagelied wie Jeremia in unsere Liturgien einbringen. Ich sehe vor

diesem Hintergrund die Vergebungsgeste einer KZ-Insassin gegenüber ihrem inzwischen über 90-jährigen Peiniger und Aufseher im letzten deutschen KZ – Prozess.

Jüdisches Leben in Deutschland bedeutet deutsches Leben in der Vergebung.

Natürlich dürfen wir so JA sagen zu Familie, weil wir die familia dei, die Familie Gottes sind. Natürlich dürfen wir JA sagen zu VOLK, weil wir als Christen und Juden Volk Gottes sind, das durch alle Wüsten und blühende Landschaften geleitet wird von einem gnädigen Gott. Für Christen: Ein Gott,der in Jesus Christus versöhnt.

Unterschied zwischen Juden und Christen? Der Messias kommt wieder, der Messias kommt. (Jüdisches Zitat).

S. dazu auch Rede des Vorsitzenden der CDU – CSU Fraktion im Deutschen Bundestag Kauder am 20.5.15 während des Kongresses „Ist Jüdisches Leben in Deutschland gefährdet?“

In einem interreligiösen Dialog Christen – Muslime – Juden müsste das d a s Thema in Deutschland sein, das um seine Einheit ringt oder sie als Geschenk annimmt. Und es m u s s ein religiöser Dialog werden, nicht nur ein politischer etwa, denn „Theologie ist subtil“(Bertolt Brecht).

“Und die Kirchen kennen den Jahrtausend – Schritt“ (Bertolt Brecht).

Weil die Themen subtil sind und nicht oberflächlich, vordergründig verhandelbar, sind die Religionsgemeinschaften gefragt, womit wir beim Thema dieser Veranstaltung sind, warum Religion überhaupt vorkommt in einer Rücksicht: 25 Jahre Deutsche Einheit.

4.Zum Staat-Kirche-Verhältnis.

Dieses wurde in der DDR repräsentiert von einem Staatssekretär für Kirchenfragen, der Bekannteste war der Vater von Gregor Gysi. Ein Staatssekretär für

Kirchenfragen ist von Anfang an geschuldet der Tatsache, dass die angestrebte Religionslosigkeit nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen war, sondern eine Sache für Generationen, sowohl im aktivischen wie auch passiven Sinn.(s.o.) Durch die Offene Grenze bis zum 13. August 1961 und die kirchenrechtliche Zuständigkeit der EKD im ganzen Nachkriegsdeutschland („mit meinem Gott will ich über die Mauer springen“ – Berliner Bischof – und „die Verbotsschilder auf den Straßen der DDR sind letztendlich nicht gültig, weil sie von einer Diktatur aufgestellt worden sind“– Dibelius) war das Verhältnis spannungsvoll bis aggressiv.

Ehemalige FDJ l er des Anfangs, die als Christen ehrlich mitarbeiten wollten, sind „aus dem Boot gekippt worden“, als man sie nicht mehr brauchte, den Bauern wurde ihr Land weggenommen und damit Deutschland im Osten radikal verändert – bis heute!!! Amerikanische sprich sowjetische Großraumwirtschaft war angesagt. Den Jungen Gemeinden wurde vorgeworfen, sie sabotieren den Staat und seien Handlanger des westdeutschen Imperialismus.

Kinder durften nicht Abitur machen – ich gehöre dazu – weil sie die falschen Eltern hatten.Entweder hatten diese die falschen Berufe (z.B. Pfarrer, Kleinunternehmer, Besitzer jedweder Couleur) oder schlichter: sie entzogen sich dem Jugendweihediktat des Weltanschauungsstaates DDR.

Von der Nichtmitgliedschaft in einer sozialistischen Massenorganisation ganz zu schweigen: Pioniere, FDJ, DSF.

Studium?

Auf Schleichwegen gelang es uns, mit der biblischen Klugheit der Schlange und der biblischen Sanftmut der Taube doch noch irgendwie mit Sonderreifeprüfungen und Abendschulungen in eine akademische Laufbahn zu geraten,

die aber nie auf dem höchsten gesellschaftlichen Treppchen enden konnte, sondern höchsten über LDPD, CDU, NDPD auf einem darunter liegenden – olympisch gesprochen.

Der beste Weg für die Karriere: SED-Mitgliedschaft. Der beste Weg nicht in die SED gepresst zu werden – wie meine Wismutkumpel – Freunde – war zu sagen „Ich bete jeden Abend!“.

Selbst reaktionäre Pastoren haben dann aber noch zur Absicherung zum Eintritt in die CDU geraten. “Als sanftes Ruhekissen!“ (Pfr. Jencio, einer meiner Nachbarpfarrer, selbst CDU- Mitglied.)

Hier möchte ich einmal der Schelte der für manchen überlebenswichtig gewordenen Blockparteien etwas entgegenhalten. Ungarische Pastoren waren z.B.neidisch auf die CDU-Möglichkeit für Christen. Im Baltikum und in Prag durfte kein Weihnachtsbaum öffentlich aufgestellt werden und kein Weihnachtsoratorium erklingen!

Etwas weiter zurückblickend: In russischen Oktober- Revolutionszeiten durften nicht nur die orthodoxen Popen erst ihre Gräber ausheben…und dann…???!!!

Das haben uns Baltikums – Flüchtlinge erzählt, Pfarrerskinder. Für diese Popen und lutherischen Pastoren singe ich heute an dieser Stelle auch mein Lied und bin dafür dankbar, dass ich es singen darf.

Und dass es jemand hört.

5.

Die Seelsorge in den Dörfern der 70iger und 80iger Jahren, also meiner DDR-Zeit, führte den Bürgermeister mit seinen STASI-Verpflichtungen und den Popen (sowjetisch gesprochen) zusammen. “Ja spraschiwaju po russki“. – Ich frage auf russisch.

So zusammen, dass der Spitzel zum Pfarrer sagt: “Wenn ich in

der Nähe bin, redest du bitte nichts Politisches! Verstanden!?“ Okay!

Das war dann schon mehr italienisch: Don Camillo und Peppone: wenig Bürokratie, aber nachts kann es klingeln und der Parteisekretär steht in der Tür und bittet darum, dass sein Kind getauft wird.

Jetzt.

Allerdings – meine Eltern hatten zu Zeiten Ulbrichts Angst, wenn sie nachts Schritte ums Haus hörten.

„Abholen!“ – Ein schreckliches Wort, dass mir ins Bewusstsein kam, als ich das erste mal in meinem Leben wegen eines Luthervortrages in Bremen im Interzonenzug von Berlin nach Bremen saß und – endlich – in der BRD weiterfuhr. Es war wie ein Schiffshebewerk.

Sie kennen diese Grenzgeschichten auch?

“Zeige mir Deine Grenze, und ich sage dir in welchem Land du lebst!“, erzählte mir der finnische Konsul in München, der gleichzeitig Pfarrer der finnischen Gemeinde dort war .“Schlimmer als im Irak“, sagte er. – Damals schon berüchtigt: Sadam Hussein.

Sie kennen diese Grenzgeschichten?

Wenn Ihnen gestandene Westfrauen als Verwandte bei einer Hochzeit a n v e r t r a u t e n, w i e s i e u n t e r s u c h t

w o r d e n w a r e n an der Grenze von Bayern zu Thüringen. Ich möchte Ihnen Einzelheiten ersparen. Es war wie eine Beichte.

Sie haben sich geschämt. Für sich und für die anderen.

Ich weiß von jungen dynamischen linken West-Besuchern und Besucherinnen, wie sie gezittert haben in Jena, wenn sie plötzlich m u t t e r-s e e l e n-a l l e i n an einer Bushaltestelle standen – und es kam kein Bus. Es muss über sie hereingebrochen sein.

Oder sie eilend ihren Eltern mitteilten, sie möchten

zurück nach DEUTSCHLAND. Das hat uns – besonders meine Frau – verletzt.

Wir waren doch auch Deutschland!

Oder nicht? Wir waren sogar Europa? Oder nicht? 6.

Der Lackmustest noch heute ist die Jugendweihe.

Die Jugendweihe ist der eigentliche kulturelle Unterschied zwischen „beiden deutschen Gesellschaften“ – auch heute noch. Nichts macht die kulturelle Differenz so deutlich. Es gibt sie also noch, die beiden Gesellschaften. Die DDR ist noch anwesend und heißt heute postsozialistische Jugendweihe-Gesellschaft.

Bestimmte Kreise möchten das aufheben und es verbinden sich ganz besondere Elemente in dem Reagenzglas Deutsche Wiedervereinigung.

Politische Einheit ist etwas – sowjetische Truppen `raus

u.s.w. Gesellschaftliche Einheit? Sie gibt es nicht. Kaum gibt es eine kirchliche Einheit. Freiraum für Fragen.Wir haben zu allem ein schönes Wort erfunden: Die Sozialisation. Der fade Beigeschmack bleibt trotz aller Soziologie und trotz aller Psychologie und vor allen Dingen trotz aller Phänomenologie und des Positivismus als einem Grundübel, wenn man eine Diktatur mit dieser Philosophie beurteilen will.

Das ist die CRUX.

Ein Gräuel in unseren Augen: formal-juristisch.

Keine Aufarbeitungs – Möglichkeit in einem rechtlichen Sinn! Der ja auch ein moralischer Sinn wäre. Wir streichen die Moral – und wir sind zu nichts mehr verpflichtet und können unseren eigenen Monologen begeistert lauschen und die Atomisierung der Gesellschaft hinnehmen als einen Beleg für die Richtigkeit unserer grundfalschen Ansichten.

Bitte ja nicht beim PREDIGEN so!

Siehe „Predigen auf dem Markt – Verkündigung in der postsozialistischen Jugendweihe-Gesellschaft“(Ein Kolumnen- Report, gedruckte erste Aufsätze in Sachen Religion

7.

Ein Wort zu Sören Kierkegaard – übersetzt Kirchengarten. Also Friedhof.

Es erschüttert mich, dass die Kirche Kierkegaards in Kopenhagen als Café dient und es fällt mir ein, was er zu Luther gesagt hat und dessen historisch bedingter Polemik gegen das Mönchtum.

Gerade weil er mir geholfen hat die paradoxe Situation in Deutschland nach 89 eben als Paradoxum zu begreifen.

Und deshalb auch anzunehmen mit Gottes Hilfe und dem Glauben meiner Eltern und Großeltern sukzessive.

Weil das Paradox eine Kategorie des Glaubens ist: ALLES WIRD GUT! Weil Christus auferstanden ist! WOSKRESSENIE – Auferstehung gleich Sonntag im Russischen.

Und: Die Sonne geht im Osten auf. EX ORIENTE LUX. XRESTOS EX ORIENTE.

Im Westen geht sie unter: Christliches Abendland? Warum ist es so schlimm, Abendland zu sagen? – Man überlässt es damit PEGIDA?

Auf dem ATHOS haben sich diese Wahrheiten bestätigt. Auf einer Geburtstagsfeier in Altenburg/Thüringen fragen mich Menschen, die nicht konfessionell gebunden sind, warum die evangelische Kirche ihre Stellenpläne nach Gemeindegliederzahlen ausrichtet und nicht nach Einwohnerzahlen. Ist das Evangelium nicht für alle da? – Mission?

Frage danach von Nichtkirchenmitgliedern! Wollen Sie missioniert werden? Eine Schriftstellerfreundin aus Frankfurt am Main stellt mir dieselben Fragen im Zusammenhang mit der PEGIDA-Bewegung.Warum stellt Ihr Euch nicht an die Spitze der Bewegung und bringt den Leuten bei, was christliches Abendland bedeutet nach totaler Entchristlichung, Entkirchlichung, geistiger Betonierung, stalinistischen Verbrechen?

Ein Freund antwortet auf diese Fragen: Weil die Gehälter so hoch sind und es eine Anstellung auf Lebenszeit ist, können mehr PfarrerInnen nicht angestellt werden, die vielleicht in ein paar Jahren nicht mehr gebraucht werden.

Aha, das Beamtenrecht.

Sind Beamte nicht mehr verfügbar in großer Not, frage ich zurück. Das ist doch der Sinn des Beamtentums – der königlichen Beamten – auch des Neuen Testamentes, die Verfügbarkeit …

Ein junger Pfarrer sagte mir 1983 in Bremen zu Luthers

500. Geburtstag, zu euch kann ich nicht kommen, das reicht nicht einmal für die Versicherungen….

Erich Löst+ (Leipziger geblieben bzw. wieder geworden nach dem Herbst 89 in Sachsen) gibt resigniert auf, weil –

Originalton -: “. die Kirchen so schwach sind. Ich wusste es nicht!“

“Wissen Sie es?“

Kein Wunder, wenn andere das Vakuum füllen. Selbst Salafisten sind möglich.

NPD-vor allen Dingen als ideologische Projektion-halte ich mehr oder weniger für überinterpretiert.

Die Kirche macht sich schuldig, wenn sie ihrem missionarischen Auftrag nicht unverschämterweise gerecht wird (Missionssynode EKD in den 90er Jahren in Leipzig). Wir machen uns schuldig, wenn wir solche Synoden gut und richtig finden – und dann?

Natürlich steckt auch hier der Teufel im Detail.Und nicht in der PDS oder in der Linken. Nicht einmal in Thüringen.

8.

Was war die Kirche in der DDR?

Nach meiner ersten Westreise für ökumenische Leitungskader nach Bremen anlässlich des schon erwähnten Lutherjubläums (1483-1983) frage ich meinen Freund Michael Damm (mein späterer Nachfolger in der Jugendarbeit im Kirchenkreis Schmölln):“Was ist die Kirche hier bei uns?“ Schweigen.Dann:Halb Untergrund. Aha – wieder halb.

Zu Recht und Unrecht.

Nicht öffentlicher Raum, weil keine Körperschaft Öffentlichen Rechtes, jedenfalls nicht vom Staat aus gesehen, weil es das gar nicht gab, nur in den Köpfen der Kirchenfunktionäre im Westen, weil es das dort gab – aber doch nicht hier. Karnickelzüchterverein?- so in etwa? So ähnlich. Obwohl es nicht einmal Vereine gab. Nur einen: den Karnevalsverein in Wasungen.

Kirchensteuer gab es auch nicht.

Sie hieß so, weil sie „früher“ so hieß. Es war Kirchengeld, das eingesammelt wurde in mühevoller Kleinarbeit. In Sachsen musste das der Pfarrer selber tun, sein Gehalt war darin strukturiert.Wenn er es nicht tat, gab es keinen neuen Teppich, den sich seine Frau so sehr wünschte.

Das Wort Pfarrerschaft war verboten.

Wenn ein Pfarrer, es war mein Vorgänger in Thonhausen- Mannichswalde – Schönhaide – Wettelswalde in der Evang.-Luth. Kirche in Thüringen, eine Anzeige in die Lokalpresse geben wollte, etwa einen Sterbefall – und die Pfarrerschaft wollte ihre Anteilnahme zum Ausdruck bringen etwa wegen eines Amts-Bruders: n j e t – den Ausdruck nehmen Sie zurück.Es gab ja auch offiziell

keine geschnitzten Engel im Erzgebirge, sondern Jahresendflügelfiguren. An was erinnert mich das bloß?…Sprachregelungen. Sozialistische Correctness.

9.

Das Verhältnis zwischen Staat und Kirche war ein diplomatisches, kein freundschaftliches oder gar freundliches, dass auf Entgegenkommen basierte.

Es war so: Auf einem kirchlichen Friedhof – kirchliche Friedhöfe, die gab es – ein Johannesfeuer in einem sächsischen Nachbardorf. Der Schussel von Ortspfarrer vergisst einen Eimer voll Wasser darüber zu gießen und es glimmt noch am nächsten Morgen. Meldung an Bürgermeister, der weiter an Polizei, Stasi u.s.w., egal. Keiner traut sich das diplomatische Verhältnis infrage zu stellen. Eine Ebene höher (Kreis), – die auch nicht, also Bezirk Karl-Marx-Stadt. Die sagen: glimmen lassen. In der Asche verlaufen lassen… So war das. Gut für` s sozialistische Kabarett.

10

Sachsen ist ein Sonderfall.

Die sächsische lutherische Kirche hat nie akzeptiert, daß die Jugendweihe gar nicht so schlimm sei und man ja bitte- schön eigentlich am selben Sonntag beides machen könne: Jugendweihe u n d Konfirmation. Ich übertreibe im Wesentlichen n i c h t!

Es gab ein Strafjahr dazwischen. Zwischen dem Jugendweihejahr und dem Konfirmationsjahr. In der Zwischenzeit musste der Konfirmand, die Konfirmandin die Junge Gemeinde besuchen. Mein sächsischer Dorf- Bürgermeister (politisch war der Ort bezüglich des R a j o n (russisch) – d.i.Bezirk – Karl-Marx-Stadt, kirchlich Eisenach –

Thüringische Kirche) war heilfroh, dass ich ein liberaler thüringischer Pfarrer war und nicht solch ein orthodox- lutherischer Sachse, wie ihn seine sächsischen Bürgermeister- Kollegen kannten. Ich hatte da ziemlich einfaches Spiel.

Trotzdem war ich heilfroh, gerade noch rechtzeitig ein Jahr vor der so genannten Wende 89 – d.i. griechisch: Katastrophe – zurück übersetzt – in meine zweite Pfarrstelle gekommen zu sein wegen eines Berufsverbotes meiner Frau (s. a. verbeamtete Kommunisten in der Adenauerzeit). Ich konnte mir alle Klarnamen holen von einigen, die

„berichtet“ haben (IM). Es war viel einfacher, etwas weiter weg die Sache mit der STASI im Dorf zu verkraften.

In der neuen Stelle in der Stadt Altenburg ging mich das Ganze nicht so viel an, obwohl – in dem einen Jahr bis 1989 gab es auch 500 Seiten wegen Gründung einer Akademie und dem Beginn der Offenen Kirchenarbeit. Der Hauptspitzel hier war gleichzeitig der Staatssekretär (Referent) für Kirchenfragen auf Kreisebene , der einen jedes Jahr einmal besuchte mit einer Flasche Wein in der Hand.

11.

Schlimm-und das ist der Untergang des Systems – wir haben keine Angst mehr.Ich war geschult im WIKO(Wissenschaftlicher Kommunismus) an einer Staatlichen Universität.

In meinem Fall auch noch in der Hauptstadt.

Diesen Sachverhalt konnten und wollten oder durften die Kommunisten im geteilten Bildungsdeutschland nicht abschaffen, evangelische Theologie zu studieren an einer sozialistischen Hochschule mit Abschluss – Diplom.

Nicht in 40 Jahren.

Die Tochter von Ruge schreibt aus Moskau in ihrem Buch NADESCHDA (Hoffnung): “Und sie sahen sich tief in ihre

blauen Augen die Büroangestellten in Moskau – und jeder wusste, es ist bald vorbei“. So ging es auch uns. Intershop, Halbnackte Girls auf Schauwagen bei Mai – und anderen Demonstrationen. „Honni“, zärtlicher Ausdruck der

„Arbeiterklasse“ für Erich Honecker, hin und hergerissen zwischen Arbeiterliedern und der neuen Freizügigkeit. Er wollte doch auch nur, dass alle glücklich seien. Wie jeder Diktator das will.Wenn er nur labil und senil genug wird im Älterwerden. Mielkes Ausruf 1990 in der demokratischen Volkskammer ist ja bekannt: „Ich liebe euch alle“.

12.

Inzwischen bin ich auch ein bisschen älter und er/sie tun mir auch alle ein bisschen leid.

Übrigens bin ich bewusst auf eine sozialistische Universität gegangen (mit Sonderreifeprüfung in Germanistik und Geschichte) und nicht in eine Kirchliche Hochschule. Ich war Pioniermitglied und auslaufendes Modell à la FDJ, bis keiner mehr gefragt hat und etwas bezahlt haben wollte. Ich habe den Wehrdienst nicht verweigert aber war – auch deswegen – begeisterter Besucher des Königswalder Friedensseminars bei Werdau, gegründet von den ersten Bausoldaten in der DDR aus Sachsen. Hier wurde nicht abgehört, weil die Veranstaltung – wieder KIERKEGAARD („…ein Christ ist ein SPION GOTTES…“) – auf dem Kirchlichen Friedhof stattfand und Kaffee anschließend in der Kirche getrunken wurde. Dieses laufende Seminar und seine Philosophie/Theologie tragen mich bis heute.

13.

Wir haben keine Angst mehr und sagen in’s Telefon:

“Euch schneiden sie auch noch einmal die Ohren ab“.Ist ja fast IS, wenn ich das mit westlicher Zivilgesellschaft vergleiche.

Angst habe ich nachträglich bekommen beim Lesen der STASI-Akten: Lutherreise Bremen. Da haben sie mich abgehört bei einer guten Freundin in Frankfurt am Main, früh um 5 Uhr nach einer Nachtzugreise (schwarz nach DDR- Recht) von Bremen nach Frankfurt.

Richt-Peil-Mikrophon.

Die STASI war und ist nicht auf ein Territorium beschränkt und auch nicht in einem Zeitfenster unterzubringen, sie ist global in Raum und Zeit.

Die einzigen, die mit mir über die Grenze fuhren, waren Rentner, Sportler und STASI- Angehörige. Und einige Gemeindeglieder in der lutherischen Randgemeinde in Bremen hatten auch mir gegenüber den Verdacht…Das ist die Logik dieser Teufelei. Bis heute!

Angst nach der Wende, obwohl alles vorbei war?- Ja, als wir das in den Akten fanden in der Runden

Ecke in Leipzig, meine Frau und ich. Nichts ist vorbei. Nirgendwo bist du sicher.

Grenzerfahrung ist Gotteserfahrung.

Da kann ich nur Literatur daraus machen, denn eine saubere juristische Aufarbeitung gibt es leider nicht. Schade.

Das ist in Polen anders.

Da sitzt der Staatsanwalt mit in den Aufarbeitungsetagen. Ein Freund unserer Altenburger Akademie hat uns dort eingeführt – in meinem Geburtsort Landsberg an der Warthe. Jetzt Bischofsstadt GORZOW.

Der deutsche Rechtsstaat hat versagt am Unrecht des totalen Staates DDR, – auch ein deutscher Staat. Vielleicht deswegen…

Walter Schilling durfte im Westen Theologie studieren. Sein Vater, konservativer Superintendent in Sonneberg. Er kam zurück in die DDR mit Scheitel, gut angezogen. Kümmerte

sich dann mit langen Haaren und ewigen Niethosen um straf gefangene Jugendliche, die mit dem DDR-Gesetz in Konflikt geraten waren. Er war der einzige Pfarrer, des es bis in die Open-Air- Ausstellung auf dem Alexanderplatz

in Berlin geschafft hatte (2 Jahre lang, ich habe sie noch gesehen).

Nicht geschieden. Leider gestorben vor zwei Jahren.

Er sagte: Der Westen schiebt immerzu die Verbrechen der Nazis vor , um nicht über die Verbrechen der DDR reden zu müssen. Die bundesdeutsche Volkskirche hat versagt am Volk der DDR. Die DDR- Oberen in der Kirche: WIR – waren zu schwach, um Sonderregelungen für das Gebiet der ehemaligen DDR durchzusetzen. Z.B. ein anderes Muster für die Anstellung von Geistlichen.

Wir haben in Leipzig auf dem Ring gerufen: WIR SIND DAS VOLK. Hat das niemand gehört?

Wo ist unsere Volkskirche? 14.

WIR SIND MISSIONSGEBIET. Der Feind war nicht mehr zu sehen. Es gab keine Feind-Seligkeiten mehr. Das Feindbild war im Schwinden. Ja, wir hatten die Theologie der Nachfolge.

Wir haben ernst genommen: “Wenn sie euch auf eure Rathäuser führen, habt keine Angst. Der Heilige Geist wird euch sagen, was ihr zu sagen habt.

Jedes einzelne Wort.“ (Sog.kleine Aussendung der Jünger Jesu bei Matthäus.) Aber wir hatten auch die Theologie der Ideologie und die Ideologie der Theologie. Ja – und wir hatten den Kulturschock, Grenzerfahrungen, Zeitmauern.

Und Grenzerfahrung als Gotteserfahrung.

Jetzt war die Welt keine Scheibe mehr, sondern eine Kugel, man konnte herunterrutschen, wenn man nicht aufpasste.

Viele konnten das.

Vor 1989 haben wir auf dem Land Ostermärsche organisiert und haben uns diebisch gefreut, wenn der STASI-Mann in der Kirche mit lauschte – ohnmächtig schon damals…

Ich habe ihn nach vorne gebeten als Kreisjugendpfarrer in der Dorfkirche zu Nischwitz, damit er besser hören konnte. Wie die Großmutter mit zu großen Ohren, die in Wirklichkeit ein Wolf war.

Nach unserem 30 km-Umzug von Thonhausen nach Altenburg, Residenz- und Theaterstadt in Ostthüringen, im Mai 1988 haben wir sofort in der Stadt Altenburg die Kirche aufgemacht, fast Tag und Nacht, damit die Leute einen Ort des Gebetes und der Besinnung haben. Die Offene Kirche war das Kontinuum zwischen alt und neu. Sozialismus und Kapitalismus. Immer in großer Not wurden die Kirchen aufgemacht. Das war in den Kriegen so und auch in dieser spannungsvollen Zeit, in der KRISIS, der Zeit der Entscheidungen, als die Polen gekommen sind und uns ausgelacht haben wegen unserer Feigheit.

In der Zeit der deutschen Friedhofs-Stille, als wir in der Sowjetunion waren und kurz darauf in Ungarn. Als wir in der SU gelernt haben, wirklich keine Angst mehr zu haben und die DDR-Grenztruppen uns ausgelacht haben, weil wir treu und brav im Sommer 1989 aus Ungarn zurückgekommen sind über das Erzgebirge mit dem ganzen Altenburger Posaunenchor.

Endlich, endlich ging es los – und weiter, richtig weiter.

Wir sind am 9. Oktober zu den scharfen Hunden gegangen nahe der Oper am Karl-Marx-Platz und haben mit den Kampfgruppen geredet. Sie erinnert, dass es ihre Söhne und Töchter sein könnten…

Eine Pfarrersfrau aus Schwaben wusste nicht, was sie in Leipzig erwartet und musste wieder nach Hause. Sie konnte es sich nicht vorstellen, wie viele andere sicher auch.

Es fiel kein Schuss.

Das Wunder von Leipzig.

Die DDR hatte die Midlife – Crisis nicht überlebt.

Oder: Wie um das biblische Jericho. Dann fielen die Mauern. Gospels…Als Israel in Ägypten war…

Der 9. Oktober war der Stichtag.

Neulich sind wir den Ring entlang gelaufen. Am 9. Oktober 2014. Zum 10. Jahrestag 1999 gab es noch das Telefon am Ring (Post – jetzt zugehängt wegen Renovierung).

Ich rufe 03447 4336 an. Es meldet sich meine Frau in Altenburg “Es wird nicht geschossen!“Sie hat verstanden. Wörtlich damals punkt 18.36 Uhr.

Wir hatten Angst um unseren Sohn, der damals ein Praktikum bei einer CDU- Zeitung machte.

Er hat dann auch die Idee einer Litfaßsäule mit nach Altenburg gebracht, das Symbol für die Wende in Altenburg.

15.

Offene Kirche – Brüderkirche – Altenburger Akademie

Margard Wohlfarth (Staatssekretärin für Familie, Frauen, Jugend) hat die ABM-Idee mit aus Berlin gebracht.Wir stellen Heere von ABMs auf: Damit die Kirchen offen sein können. Bildungsarbeit passiert, damit Schulunterricht bis zu 15 Stunden in der Woche gegeben werden kann.

Konfirmandenunterricht.Teamarbeit möglich wird.Jugendarbeit.Erwachsenenbildungsreisen nach Israel, Österreich,Irland, Westdeutschland.

Hilfstransporte nach Rumänien. Gremienarbeit, damit Kirchentage vorbereitet werden können. Friedhöfe aufgeräumt werden. Formulare ausgefüllt und verzehnfachte Büroarbeit getan wird. Aber v o r allen Dingen Raum bleibt und wird für SEELSORGE.

Nie werde ich nach 1989 den Polen vergessen, den wir eingeschlossen haben, weil niemand nach vorne geschaut hat… wo ein Mann auf Knien lag und betete…

Wir haben eine riesige Gebetswand aufgestellt und ein Nagelkreuz, Holz ehemalige Eisenbahnschwellen, die Nägel vollgestochen mit Zetteln, auf denen Gebete

standen, die wir in der Osternacht dem Osterfeuer übergeben haben: Gott, dem Gekreuzigten und Auferstandenen.

Was habe ich gelernt dabei?

Dass die Kirche oft Antworten gibt auf Fragen, die niemand gestellt hat.

Die wirklichen Fragen hingen an der Wand und am Kreuz Christi.

Tod, Liebe, Frieden, Krieg, Gesundheit, Arbeitslosigkeit, Sterben, Leben, Schmerz, Schrei.

16.

Intellektuelle, Priester, Märtyrer

Gut, daß wir in Leipzig im Frühjahr 1990 zum 50.Geburtstag meiner Frau Richard Rohr, einen deutschstämmigen Franziskaner aus Amerika, gehört haben in der Nicolaikirche. Dass ich seine einschlägigen Bücher kannte, die er ja alle nicht geschrieben hat, sondern seelsorgerlich gesprochen hat und ein Freund hat sie aufgeschrieben. Übrigens ein bayerischer Lutheraner. Gut, dass wir Bonhoeffer kannten zwischen Widerstand und Ergebung. Zwischen Revolte und Anpassung mussten wir das für uns übersetzen.

Meiner Frau redete ich zu, als Staatssekretärin für Familie und Jugend nach Berlin zu gehen und die DDR fröhlich mit anderen und Gospelmusik zu beerdigen.

Denn schon die Umzüge in Leipzig hatten nicht nur etwas

Dramatisches, sondern auch etwas Fröhliches.

Der Satz meines Freundes im Glauben Georg Harpain: “JESUS WAR AN DER SPITZE “ ist für uns letztlich Grundton geworden dessen, den ich als ordinierter Pfarrer zu verkündigen habe: JESUS, der die Welt überwindet.

Es gibt Augenblicke im Leben, wo einem das bewusst wird: Sieg.

Dafür sind wir dankbar.

Und dafür: Nach dem Lesen unserer Akten in der Runden Ecke war nur einer dabei, der uns verraten hat aus unserem Vorbereitungskreis für die Themen und Referenten der Altenburger Akademie, ein Berufsschullehrer, den sie erpresst haben, weil er einem Mädchen zu nahe gekommen war.

Sonst alles OKAY.

Ich bin weinend und lachend herum gegangen und habe mich bedankt für die Treue. Wir sind uns um den Hals gefallen.

Trotz und wegen aller Fürbitten nie die Dankesstrophe vergessen, schärfte mir mein Vater in dieser Zeit ein.

Leider hat meine Mutter den 9.Oktober 1989 in Leipzig nicht mehr erleben dürfen. Sie war die Tochter eines Rechtsanwaltes, der unter Lebensgefahr Juden verteidigt hat, Pfingstler u.a., die im 3. Reich denunziert wurden.Ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie mir mitten im Sozialismus die Kategorien des Denkens erhalten haben trotz aller Schablonen, die uns in der sozialistischen Schule um die Ohren gehauen worden sind.

Dank?

Natürlich Dank. Auch am 3.Oktober 1990, wo wir alle zu feige waren – oder Schlimmeres(?)- die Kirchenglocken zu läuten. Schließlich war der offizielle Kalte Krieg zu Ende und wir tanzten mit den Offiziersfrauen der Roten Armee. Bevor sie abzogen aus den alten herzoglichen Kasernen in einer ostthüringischen Residenzstadt in ihr armes russisches Land. Wir haben mit den Katholiken eingeführt, dass am 3.

Oktober bzw. zu ERNTE-DANK auf dem Markt vor der Franziskanerkirche-Brüderkirche gebetet, gesungen, Posaune geblasen, gepredigt worden ist.

Wir haben den Hirten zum Krippenspiel Plakate in die Hand gedrückt, auf denen stand: WIR SIND DAS VOLK.

Zur gleichen Zeit, als die Soldaten in der nahen Kaserne nicht wussten, was sie mit ihrem Gewehr anfangen sollten…Und die Richter riefen, sie hätten kein Recht mehr in den Händen, nach dem sie urteilen könnten. Die Gefangenen hingen ihre Bettlaken zum Fenster des Gefängnisses heraus mit Losungen, die sie darauf gemalt haben, für bessere Haftbedingungen. Die Telefonleitungen nach Berlin waren gekappt.

Auch in Leipzig wusste in der Großen Friedlichen Oktoberrevolution niemand, was er machen sollte. Außer das Volk, eine Handvoll mutiger Künstler mit Parteisekretären.

In Berlin stand immer das Westfernsehen bereit und der RIAS, SFB. In Leipzig niemand. Nur das Auge der STASI auf den Dächern. Wir sind dankbar gegenüber Gott, das nichts passiert ist.

FÜRBITTE UND DANK!

Die Altenburger Akademie war weiterhin notwendig, um der Sprachfähigkeit willen in einer auf uns zukommenden Diskursgesellschaft. Um zu lernen, dass es Argumente gibt, die ausgetauscht werden müssen.

Wir haben später im Rahmen der Altenburger Akademie- Offene Kirche f ü r den Religionsunterricht gekämpft innerhalb der Evangelischen Kirche in Thüringen. Und haben gewonnen – im Gegensatz zu später: Berlin.

Fortsetzung folgt.

Michael Wohlfarth, Juli 2025 …

…aus dem Buch „Glauben und Erkennen“ neu bearbeitet unter Mithilfe von Günter Schade, 22.02.2024 Berlin, jederzeit zu erwerben. In jeder guten Buchahndlung, über alle wichtigen Portale.

Besonders zu empfehlen epubli-Shop mit Ansicht aller anderen Veröffentlichungen zu dem Thema: Gegen das Vergessen! (Kollege an der Gethsemanekirche Berlin)

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Und nun die dritte Reisegeschichte.

Die Reise nach Mitteldeutschland

Wenn du dich verläufst.

Wenn du verschläfst.

Wenn du vergißt, den Wecker aufzuziehen. Und noch peinlicher: die Sommer- mit der Winterzeit verwechselst.

Aber wenn du pünktlich bist. Früh genug aufgestanden. Aus dem Haus gekommen. Viel zu früh auf dem zugigen Bahnsteig ohne Überdachung wartest auf d e n Z u g. Und dann kommt er – und du merkst es nicht, weil du viel zu weit vorgelaufen bist. Schon in Richtung des Ziels. Nein, weil eine Bank so schön frei war und du diesen spannenden Artikel lesen wolltest.

Du hättest ja genau so gut warten können. Im Zug ist es gemütlich und warm. Schließlich geht die Fahrt nach Sachsen, wo sie geschrieen haben: “Zieht Eich um!“, wenn sie in Uniformen aufmarschiert sind.

Einmalig.

So friedlich war nirgendwo eine Revolution und ohne große Dialoge, die doch nur Langweiler sind.

Aber es war anders. Der Zug rollte ein – und ich saß und saß und las und las. Und dann rollte er an mir vorbei. Ein Stück bin ich ihm noch entgegen gerannt. Aber er hielt nicht.

Der Lokomotivführer sah mich nicht.

Dieser Zug – so fein säuberlich im INFORMATIONSZENTRUM für mich ausgekaspert, wie die Sachsen sagen – war einfach weg. – Ah, da fallen mir alle sächsischen Witze ein, wie sie sich selber auf die Schippe nehmen.

Wer kann das schon.

Nun: “Zurück, zurück“, rufen die Waldgeister im Müggelwald.

Nein, ich will nicht zurück.

Ich mach mich doch nicht lächerlich vor meiner Frau und den lieben Nachbarn. Die wissen doch alle, daß ich heute nach Sachsen in meinen Garten fahre.

Und sie haben immer so etwas auf den Lippen.

Zurück, ja, aber nur bis zum INFORMATIONSZENTRUM: Neuer Zug.

Also Karte lösen, nicht für den Zug. Die habe ich ja schon. Ich hoffe, sie hat nun nicht ihre Gültigkeit verloren. Nur weil der nächste Zug in die richtige Richtung zu einer anderen Zeit fährt und – vielleicht einen kleinen Umweg fährt.

Oh, wäre das eine Freude für unseren mittelkleinen Enkel. Er sieht Züge im Traum. Flugzeuge liebt er auch im Unterschied zu allen anderen Leuten, die sich nur bedrängt vorkommen, aber immer damit fliegen. Wir warten schon auf den 5 min-Takt. Erst dann will er wiederkommen – in den Müggelwald.

So ist das.

Es geht gar nicht Kindern wie Leuten.

Also 2.Stock des Riesenbahnhofs. Info. Karte lösen. Warten, bis die Kartennummer aufgerufen wird.

Auf respektablen roten Kunstledersitzen.

Geht doch.

Nächster Zug in 2 Stunden.

Bis dahin Kaffee.

Viel Zeit für den Artikel.

Endlich im Zug. Im richtigen Zug. Diesmal wie alle anderen brav gewartet, wo alle warteten und nicht die Einsamkeit gesucht auf dem Bahnsteig. Diesmal nicht hoch droben, nicht unmittelbar unter dem Dach des großen Bahnhofs oder weiter draußen, sondern im Keller. Dort kannte ich mich aus.

Es war kuschelig u n d zugig. Aber der Zug kam. Gute Leute, mit Fahrrädern zum Teil, bepackt.

Naherholung oder Schichtwechsel, Schichtende, Hausfrauen, die mal kurz von Lichterfelde einkaufen waren irgendwo in der Innenstadt, in der Ostcity oder in der Westcity.

Es war ein Kommen und Gehen, weil alle paar Minuten gehalten wurde. INTERREGIO.

Ein tolles Wort wie Toilettenzentrum oder Fahrkartenzentrum, Reisezentrum. Hier redet kaum einer mit dem anderen aber alle sind zufrieden und froh, dass sie wieder – erfolgreich – nach Hause kommen.

Ich fuhr weg.

Sie fuhren nach Hause.

Ihre Kurzstrecken.

Immer die Lieder im Ohr und die Zeitung griffbereit.

Eigentlich war sie längst von gestern.

Wir sahen immer den Ministerpräsidenten vor uns, wie er die Liedangaben machte nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Wiederaufleben des preußischen roten Adlers: Brandenburg.

In den Staub.

Nein, nein friedlich. Sehr friedlich.

„Wem Gott will rechte Gunst erweisen.“

Und dann immer die Backsteinbahnhöfe, allerdings besser, weil genutzter, als in Sachsen, Nord–Sachsen.

Ruinen bald, wenn wir erst die Grenze überfahren hätten.

Aber erst umsteigen.

Das Handy klingelt nicht und ich wage mich auf den Weg in Richtung einer brandenburgischen Kleinstadt.

Diese Weiten.

Kaufhallen.

Brachen.

Endlich ein HINWEISSCHILD: Bäckerei. In der und der Seitenstraße.

„Gut, dann essen wir eben Brötchen, nackt und bloß“, rede ich mit mir selber in Ermangelung eines

nichtvirtuellen Gesprächspartners.

Vielleicht sollte ich das Handy bedienen und beichten: Zug verpaßt – zwei Stunden später.

Alles.

Ich höre das Gelächter.

„Ah, da noch ein Hinweis: PIZZA!“

Das war ich.

Niemand sonst.

Aber es stimmt.

„Können sie mir die und die Pizza backen in ca 10 min.?“

„Aber sicher, mein Herr.“

„Gut, dann warte ich draußen.“

Aber die kam nicht. Erst nach 20 min oder mehr.

Ich ließ sie mir einpacken und rannte, was ich konnte, beißend und kauend los zurück zum Umsteigebahnhof in Luckenwalde.

GOTT SEI DANK.

Alles klar.

Es ging weiter.

Auf die Sekunde genau.

Bis in die Lutherstadt.

Sie hasste ich. Das kann sich niemand vorstellen.

Zuerst einmal kann ich ein gewisse Abneigung nicht unterdrücken, wenn ich mir die Programmbilder der Reformation ansehen musste mit Konfirmanden – oder Schülergruppen.

Dazu noch eine saumiserable Persönlichkeit an Führerin, die nahtlos 1989 überlebt hatte in ihrer Funktion als Erklärerin des und des Gebäudes. Das war auch noch das älteste – und erste – Pfarrhaus der Welt, mit einer Pfarrfrau, deren Bild – mich ebenso erschreckte: Fast ebenso breit wie hoch.Wie ein Archivschrank in einem alten Thüringer Pfarrhaus.

Ach ja, der Holbein, den sie beauftragt haben.

Inzwischen gibt es die Führerin nicht mehr. Sie ist in Rente gegangen.

Das ehemalige Kloster, dann Pfarrhaus mit Käthe Luther und Kindersegen und Studenten und Tischreden.

Alles ist jetzt gut.

Das Lutherjahr, die Dekade, diese atheistisch-französische Einheit im Denken und Fühlen: Sonntag abgeschafft. Nie hätte ich das so genannt. Aber es heißt ja alles so. Dekade der…Dekade der…Dekade des…

Bahnhof zum Aussteigen?

Nee.

Schon immer eine Schande. Sie irren herum wie ich und suchen den Ausgang, den Lift, den Bus, ein Cafe in der Nähe, um auf den nächsten Zug warten zu können.

Im Zeitalter des Autos und des Fahrrades sollte man nicht mit dem Zug von Berlin nach Mitteldeutschland reisen. Und auch noch so tun, als ob das nichts wäre. So mal um die Ecke biegen. Schnell mal seinen Dienstkalender holen, den man in der Laube in Nordsachsen vergessen hat.

Nein, nein.

Wittenberg war schon immer eine einzige Katastrophe.

Ein Anspruch.

Die Amerikaner kommen.

Und Wüste.

Gut, jetzt leuchtet die preußische Pickelhaube weit in das Land hinein. Und die Stadtkirche wird diskutiert mit ihrem Schandbild.

Aber es ist immer noch nicht das, was es einmal sein sollte…

Was habe ich mir schon für Nachtstunden hier um die Ohren geschlagen in umgekehrter Richtung.

Der Zug kommt. Einsteigen. Immer fröhliche Menschen um mich her. Bis Bitterfeld….

Was war in Bitterfeld?- Ah, Pfeifengeschirr liegen gelassen von Gera kommend beim Umsteigen nach Berlin – mit Liedern in der Nacht und Einfahrt über Südkreuz, ganz anders als früher in Schönefeld.

Inzwischen geschenkt bekommen ein neues…Aber das nur nebenbei.

Also Bitterfeld, die Dichter der Arbeiterklasse. Der Bitterfelder Weg. Ausgerechnet hier: NICHT EINSTEIGEN. VERBOTEN.

Der Zug steht noch da.

„Sprengstoffattentat“, höre ich.

Ich frage:“Ja aller Zugverkehr ist gesperrt.“

Das war im Herbst.

Es war nicht das erste Mal, daß ich über Luckenwalde, Wittenberg nach Bitterfeld fahre und zurück, um endlich in mein geliebtes Zschortau zu kommen, ein Dorf mit Teich, Fleischerei, stillgelegtem Bahnhofsgebäude, stundenweise geöffneten IMBISSEN mit Mädchennamen oder noch Schönerem.

Und der Sparkasse. Der Schlitz verlangt hier die CARD verkehrt herum hineinzu stecken. Jedenfalls am Hauptbahnhof Berlin gemessen. Wer weiß schon, was so herum oder andersherum ist.

Und jetzt.

Aufgeschmissen hätte meine Oma gesagt.

Und das stimmt.

Alles huschte herum wie in Luckenwalde, wo ich den wartenden Anschlusszug auf der gegenüberliegenden Seite verpasst habe und dann Pizza im Fluge essen musste, um den 2. Anschluß nicht zu verpassen. Oder war das in Wittenberg. Ich hoffe nicht. Um Luthers willen nicht.

Also Lutherstadt Wittenberg.

Und der Weg, der der berühmte Bitterfelder Weg heißt. Jeder Arbeiter soll ein Gedicht schreiben, oder eine kurze Geschichte.

Walther Ulbricht hat das angeregt.

Das war natürlich anders: Seine Sterndeuter waren das.

Die Wahrsager.

Wie heißen die heute noch mal?

Oder gibt es die nicht.

Doch die gibt es.

Wie zu Herodes des Großen Zeiten.

Also schauen.

Wie kommen wir nach Nord-Sachsen.

Zschortau. 27 km von Leipzig entfernt und 5 km von DELITZSCH.

Da tun sich welche zusammen.

Es muss doch einen Ersatzverkehr geben.

Ja, ja sie rennen auf die Straße vor dem Bahnhof und telefonieren mit ihren APPS wie die Kaputten. Und tatsächlich kommen sie.

Zwei Kleinbusse.

Der Fahrer freundlich.

Die Österreicherin nickt, als ich sie frage, ob ich mitfahren könnte. Ihr Partner brummelt. Weitgereiste, die eine Deal vorhatten im Rundfunkgebäude, dort wo das Hochhaus steht, wo die Studenten 1989 studiert haben und nicht herunterwollten aus ihren 15 oder 20 Stockwerken.

Es waren die Abgehängten. Zwanghaft Abgehängten. Die haben demonstriert. Die von der Kirche.

Nun wollten sie ausbrechen aus der Kirchen heiliger Nacht.Sie wollten politische Gleichberechtigung und ließen sich nicht mehr still stellen, wie in Rumänien die Kinder in den Heimen.

Dorthin wollte, musste angeblich mindestens sie. Er in der Nähe. Ah, sie waren doch kein Paar.

Sie hatten sich zufällig getroffen, als sie ausgeladen wurden aus dem Inter-City, der nach Leipzig fuhr, aus gutem Grund. Da saß einer im Rollstuhl und wurde agressiv. Es kam auch durch das Radio. Hat man mir hinterher berichtet.

Was hatte er denn nun.

„Ich sprenge eure ganze Schoße hier in die Luft.“ Er umklammerte seinen Einkaufsbeutel.

Das könnte eine Bombe sein. Vielleicht sogar eine ferngesteuerte. Wer war hier die Bombe. Der Zeitzünder funktioniert . Wer sind die lebenden Bomben.

„Papiere“, sagte der Schaffner.

Er hatte keine.

“Vielleicht fühlte er sich auch nur bedrängt und ausgestoßen“, vermerkte der Österreicher, dessen allgegenwärtige Mutter von `s JANZE die Wirtschaft war, nach eigener Aussage. Und der Vater der Staat.

Im Klein-Bus sagte er das nach dem Bericht aus dem City.

Seine Kollegin pflichtete ihm bei.

„Es ist ja auch so schwer.“

„Wie sage ich es meinem Kinde.“

„Wie erzieh` ich es ?“

„Was sage ich ihm, wenn es zu solch einer Situation kommt.“

Mit dem Rollstuhlfahrer.

„Wir kennen ja seine Geschichte nicht. „

Er ist ausgerastet.

Plötzlich agressiv geworden.

Hat die Nerven verloren.

„Ich sprenge alles in die Luft.“

War der Ton falsch von dem Beamten?

„Fahrscheinkontrolle.“

„Ausweispapiere.“

Das Leben ist schwer.

Die richtigen Entscheidungen zu finden ist schwer.

Wir saßen in der 1. Reihe des Kleinbusses: Die Dame mit dem Kind zu Hause, die genau wusste, dass ihre Kind viel Zeit braucht. Ihre Zeit. Dann der Mann aus Österreich. War er ein Vertreter, der etwas anbietet zur Aufrechterhaltung des Wissenschaftsbetriebes in der Messestadt.

Aber hinter uns saß die schweigende Mehrheit – von hier. Sie sagen nichts zu all dem. Sie wussten es besser und hatten ihr Herz nicht auf der Zunge.

3 Männer, die sich nicht zu erkennen gaben. Außer, dass sie auch in die sächsische Metropole wollten. Weil sie dort zu Hause waren. Sie hatten alle schon bezahlt, nur ich nicht. Ich gab 10 Euro nach vorn. Der Fahrer hielt sich auch zurück und wusste, dass dieses Durcheinander sein Geschäft belebt.

„10 Euro? Ist das nicht zu wenig?“ fragten die Hinteren zu Recht. Sie bezahlten mehr.

„Ich möchte in Zschortau aussteigen, 20 km vor Leipzig.“

Sie beruhigten sich und die Dame sagte: “Ist doch gut so.“

Wenn der Staat der Vater ist und die Mutter die Wirtschaft.

Also in dem Wirtschafts– und Staatsbus in Klein fuhren wir durch das Land um Bitterfeld und tauschten uns aus über den Zwischenfall in dem Inter–City, mit dem wir schon längst in Leipzig angekommen wären, wenn nicht jemand vermuten ließe, er habe einen Sprengsatz in seinem

Einkaufsbeutel.

Alles abgesperrt mit rot-weißem Band.

Der Zug fuhr nicht.

Der Fahrplan wurde nicht eingehalten.

Der Terrorist isoliert.

Die Züge wurden umgeleitet.

Die Strecke war blockiert.

Eine wichtige Strecke.

Nicht jeder wusste Bescheid.

Eigentlich keiner.

Die Handys wurden abgeschaltet.

Funkstille.

Keine Verbindung.

Kein Netzwerk.

Keine Terrorgruppe.

Wir ließen das Geschehen hinter uns.

Die Mitreisenden im Bus erzählten nicht, wo denn nun eigentlich der Zug zum Stillstand gekommen war.

Waren sie auf dem freien Feld mit ihrem Gepäck ausgestiegen.

Fluchtartig?

Wie viel waren es?

Auf dem Bahnhofsvorplatz, wo sich alles traf, um sich auszutauschen: “WIE GEHT ES WEITER?“ Es waren Hunderte. Kamen sie alle vom Feld. Vom Acker. Doch nicht. Wo kamen sie alle plötzlich her?

Oder war der Schauplatz ein angekommener Zug in Bitterfeld nach dramatischen Sekunden auf der Strecke.

Hat der Terror die DDR erreicht, die ehemalige. Dieses graue Gebilde, wo es noch den wirklichen Vater Staat gab aber keine Mutter Wirtschaft. Weil die Wirtschaft und der Staat eins waren: IN VOLKES HAND.

Im Untergrund allerdings haben wir die a l t e n Formeln gewusst: Vater gleich Staat, Mutter gleich Kirche: EKKLESIA.

Ich enttarnte mich und gab mich zu erkennen in dem Schienenersatzverkehr auf wendiger Privatgrundlage: “Nur `ranhängen. Nur `ranhängen!!!“

Das schöne Wort EKKLESIA.

DIE HERAUSGERUFENEN.

DIE KIRCHE.

Ja die Kirchen in Leipzig, wie Erich Löst sie vermisst, um geistlich und geistig auf die Füße zu fallen und nicht auf s Gesicht, das blutende jetzt, völlig.

Erstarrt.

Die Nicolaikirche.

Die Kirchen am Ring.

ASYL.

ASYL für Tausende im Herbst.

Jetzt ist wieder Herbst, ein Viertel Jahrhundert danach.

Es wird immer Herbst sein.

Deutscher Herbst.

Inzwischen suche ich das Papphaus am Horizont, dass ich nie sehen werde.

Aber die Kleingartenanlage und die Häuser davor.

Wir nennen sie GOTTL.

Das hat eine Bewandtnis.

Uralt, als COMENIUS mit den Augen JESU das Dorf sah.

Das Dorf im Tal im östlichsten Thüringen.

Als er beordert wurde von der großen volkreichen Stadt in diese Provinz mit Sack und Pack und Kind und Kegel und Frau und Mutter, diametral gegenüber dem Thüringen, was er kannte und liebte.

Na, ja – nicht ganz. Seine Kindheit war auch schon beheimatet östlich von Jena.

Aber Altenburg und das ganze Altenburger Land waren eine Märchenspiel von dem übergroßen Kater und der kleinen Maus im Festsaal des Schlosses hoch über der Stadt.

„Ihr kennt es?“

„Was?“

„Na, das Spiel – DER GESTIEFELTE KATER, der dem armen Müllerburschen hilft, weil der ihm – wahrscheinlich – geholfen hat – und ihm ein ganzes Königreich – nicht verspricht, nein – aber schenkt, nachdem er ihn verschlungen hat, den ZAUBERER in seinem märchenhaften Gewand aus schwarzer Seide in dem finsteren Anwesen. Es war nun ihres. Nein seines.“

„Ihr wisst doch, sie fahren in der Kutsche durchs Land, die Bauern verbeugen sich und grüßen, weil es die Kutsche des Herzogs ist.“

„Alles unser Land.“

„Aber es fehlt durch einen dunklen Schwur das herrliche Schloss auf den Bergen in der Ferne nach der List mit dem Bad der Prinzessin und den wieder aufgetauchten Klamotten.“

Erst das Land, dann das Haus.

Aber jetzt nach Jahren, Tür aufgeschoben, `raus gesprungen – aufs Feld. Da fahren sie, die Wirtschaftsweisen aus dem Rheinland und aus Österreich.Und der ganze hintere schweigende Teil

von hier. Die nichts sagen. Die noch nie etwas gesagt haben. Die weder die Schlösser kennen, noch die Zauberer . Die nur immer dasselbe gesagt haben: WIR KÖNNEN NICHTS TUN.

Das schreien sie, indem sie still sind.

Das schreien sie, indem sie stumm sind.

Bis zum Ziel.

Und aufpassen, daß das Geld stimmt.

Ihr Geld.

Ihr weniges Geld.

Der Taxifahrer wird entlassen, wenn das Ziel erreicht ist.

Ihm soll es recht sein.

Er kann es auch nicht ändern, den Osten wie den Westen, den Süden und den Norden.

Er fährt ihn aus.

Jeder Gast ist ihm willkommen, wenn sie nicht plötzlich die Taschen öffnen und auf die Bombe zeigen, von der niemand weiß, ob sie scharf ist.

Es kam übrigens alles im Radio.

Auch in Berlin.

Aber nun GOTT

Gotthold Baller. Ihm möchte ich ein Denkmal setzen, wenn er auch in Ausübung seines Amtes als Ortsbürgermeister über den Bach gestiegen ist in seiner Fülle und die Tochter von Lehmann vielleicht nicht nur beschützt hat kraft seines Amtes von Partei und Staat.

Sie hatte wohl einen Jungen und keinen Mann. Oder der war weg. Wo, weiß keiner so genau in diesem Miniland mit Selbstschussanlagen.

Es war ein sozialer Fall.

Die Frau von Gotthold Baller war Lehrerin.

Eine überaus gute Lehrerin, die es gut meint mit jedem Schüler und mit jedem Vater und mit jeder Mutter. Hätten wir nur noch viele davon. Aber nein, sie sterben aus. Ist allerorten zu hören.

Ihr Mann war zur Stelle, wenn der Tod zuschlug. Nachts und der Pfarrer geholt wurde.

Wenn die Verhältnisse nicht klar genug waren, um eindeutig eine Meinung zum besten geben zu können.

Da schrillten bei ihm alle Glocken. Ich weiß nicht, welches Sensorium ihm zur Verfügung stand.

Bekam er jede Bewegung im Dorf zu spüren?

In angemessener Entfernung stand er plötzlich im Hintergrund.

Er wohnte, wenn er nicht in seinem Bürgermeisteramt der Dinge wartete, die da kommen würden oder telefonierte, in einem dieser 10–Familienhäuser am Berg.

Der Sandige Berg . So hieß das Viertel.

Neubauten des Sozialismus für all die Zugezogenen und nicht so Angestammten.

Er kam aus dem Osten.

Ja, solche Häuser waren das auch hier in Zschortau.

Wie überall im Osten. Das waren Siedlungen für die Umsiedler. Davor der Sportplatz von der B 7 aus gesehen, wo ich ausgestiegen bin aus dem Kleinbus – vonwegen einer Bombendrohung. Also nicht aus dem Zug, wie geplant. Der fuhr den ganzen Tag nicht mehr. Die Infrastruktur ist außer Kraft gesetzt.

Der fröhliche Lärm schlägt mir entgegen. Und ich weiß plötzlich nach dem Kirschenweg am Feld entlang mit Bänken, daß ich fast da sein mußte.

Den Wind von der Seite.

Einbiegen in die Gasse, da GOTT – gegenüber die Kleingartenanlage.

Gartengedicht

Im Garten war es schön,

so schön,

wie nie zuvor.

Und nur ein Tor

glaubt

ohne Müh.

Kriminalgeschichte nie.

Dafür Läuse

Zecken, Mäuse

leider auch Fledermäuse.

Aber nie

mehr

Unkraut

Ex

und Rattengift in die Kloos

wie damals in Berlin.

Nein, so nie.

Viel komöizierter, raffinierter

Hochglanz, bunt und

wunderschön

im Garten

bei vielen, vielen Reimen, die lachen und die weinen.

Da kannst du lernen von den Kindern

nicht von den Leuteschindern.

Februar

Irland

nach den

Wolken

unter mir

Watte

Bausch

Lebens

S

gefährlich

in der

BOING

307288

Blau

abgesetzt

mit

Neid

Farbe

Gelb

und Harfe oder einer

nackten Schönen, die

geflügelt in Richtung

Westen zeigt, wenn Du

hinfliegst.

Berlin Sonntag 20. Juli, 4. Kriegsjahr in unserer östlichen Nachbarschaft anno domini 2025

Featured

Die nächste Geschichte aus dem gleichen Buch-Sommertheater

Die Zeit in Frankreich.

1.

Diese Weiten.

Felder.

Ein Gehöft.

Zwei Gehöfte auf dem Rübenacker, dem Getreidefeld.

Riesengroß beschriftete Leinwände.

Museen, die den Krieg, den siegreichen, beschreiben und in Erinnerung rufen.

Für die müßigen Gäste.

Tack, tack, tack ; – jetzt spielen sie auf.

Ja, wer?

Sind das die Straßenmusikanten an den Straßenrändern, in den Straßengräben von früher in Deutschland, vielleicht auch in den Bäumen?

Ja, ja, da kommen sie, die Skelette von den Blousons derer, die sich am Leben messen.

Von den Bäumen auch herab.

Von den Humoristen im PKW herab, die eines mutigen Aufhängers bedürfen, keiner Riechnadel.

Das wollten sie nicht, diesen kleinen grünen Tannenbaum, der sein Industrieparfüm verströmt auf den Fahrer und seine Geliebte.

Das Kreuz?

Nein, das nicht.

Sie haben keine Angst vor dem Tod, sagen sie.

Herab von den Bäumen kommen sie, die Musikanten seit Jahrtausenden, als die Missionare sie noch anprangerten und den Königen die Botschaft der Auferstehung brachten.

Die Heiden.

Die Angst.

Blasmusik woher auch immer.

Warum auch immer.

Plötzlich.

Gegeneinander.

Miteinander.

Schräg und tolerant.

Bayern?

Böhmen?

Jericho bestimmt nicht!?

Barock.

Balkan.

Oder ist das die Einbildung. Spielt die Fantasie mir einen Streich.

Von Ferne ein Dorffest.

Des Dorfes Gewimmel.

Wie ein Osterspaziergang.

Tack, tack, tack, – jetzt spielen sie auf .

In den Kopfhörern.

Das ist der Balkantrip, der Tanz auf dem Vulkan, wo es keine Vulkane gibt, aber andere Grausamkeiten.

Das ist er, der Balkanjazz, der schmissige, den jeder gut findet. Er ist Mode. Jede tanzt danach.

Und dreht sich voller Absichten vor aller Augen mit Waffen, die nur sie kennt.

Und wälzt sich danach im Heu.

Ja, ja, das ist es.

Balkan.

Verbotene Spiele auf dem Bürgersteig.

Kreis schlagen. Einheimsen.

Davonjagen.

„Die Polizei!“

„Die Polizei!“ – rufen die Verdächtigen.

Süd-Ost Berlin.

Westberlin.

Alexanderplatz.

immer noch – und gerade auf den Straßen in den Westen?

Ja, jetzt hören wir ihn alle ganz deutlich.

Den Sound.

Er beschleunigt den Bus auf der Straße in die Metropole, die schönste Stadt der Welt.

„Lassen Sie jetzt bitte den Balkan in Ruhe“, sagt eine Dame neben uns.

Nur der Gang im Luxusbus mit den 5 Sternen der Liebe trennt uns.

„Jetzt fahren wir nach Paris – in die Kombüse am Nordrand, wo es billig genug ist zum Übernachten für 5 Tage. Dann ist das Spiel zu Ende“, ergänzt ein grauhaariger Herr in solo.

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2.

Plötzlich trommelte es an die Busfenster.

Fäuste.

„Avanti!“

„Avanti!“

„Guernica!“

„Guernica!“

Der Busfahrer beugt sich über das Lenkrad: Kugeln flogen über ihn dahin von allen Seiten.

Wir zogen die Köpfe ein. Als ob wir in einem Flugzeug saßen und es droht Gefahr:

Beine zusammenpressen.

Die Lehne des Vordermannes, der Frau, schützt.

So ging das eine Stunde.

Wie konnte der Busfahrer sehen.

Aber er sah.

Wer führte ihn.

Wer war der Souffleur.

Vielleicht der Beifahrer, der auf dem Boden lag und zwei Einschußlöcher einer früheren Fahrt nutzte. Jedenfalls den Kurs von unten sozusagen dirigierte, den Straßenverlauf nicht verfehlte

und aus den Augen verlor.

Niemand kam von der Straße ab.

Die Fahrgäste in ungefährer Sicherheit, wenn sie den Kopf nicht hoben.

„Wie von Geisterhänden des Waldes im Hochgebirge Graubünden wirst du getragen.“

„Davongetragen.“

Sind das die Gespenster der Vergangenheit.

„Wenn du dein Ohr auf die Schiene des Zuges legst, hörst du sie kommen, die Reiterscharen“, schreibt der große Dichter George Bernanos in einem seiner großartigsten Bücher.

Die Stunde war um und der Fahrer konnte sich wieder erheben und der Beifahrer stand auf und reckte sich.

Das war eine dunkle Geschichte am hellen Tag.

Und wir haben nichts gesehen.

Hoffentlich wiederholt sie sich nicht.

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3.

Doch sie wiederholt sich.

Schlimmer.

Besser.

Endlich finden wir den Mut zur Selbstverteidigung und tricksen nicht herum mit den Einschußlöchern von vorgestern in unserem Gelben Wagen, damit wir nicht vom Weg abkommen, ob nun als Beifahrer oder als Fahrer. Oder als Gäste.

Wir kommen wieder und immer wieder in ein Gewitter.

Wir müssen uns darauf vorbereiten.

Unsere Schauspieler und Schauspielerinnen standen auf wie ein Mann, wie eine Frau und stupsten die Sitzengebliebenen an: den Clown, den Tänzer, den Sänger, der noch nicht begriffen hatte,

als es wieder losging.

Wo kramten sie die Schrotflinten her. Waren sie doch keine Attrappe, als sie ihre Indianertänze aufführten in der Höhle des Käthchens von Heilbronn. Oder war das alle Berechnung und kalkuliertes Abenteuer für die gelangweilten Gäste der Liebe in dem 5 – Sterne – Bus:

Die Kugeln flogen, aber sie trafen nicht. Die Geschichte bleibt dunkel.

Aber der helle Mittag.

Die Helle Mitte in Berlin-Marzahn-Hellersdorf lassen wir zurück.

Wir wissen es nicht.

Nicht, wo sich das Schicksal abspielt.

In welchen Köpfen.

In welchen Betten.

In welchen Verweigerungen.

In welchen Zusagen.

Es bleibt dunkel.

Und es ist gut so, sagt ein nachdenklicher Mitreisender, der gerade gekämpft hat.

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4.

Es wiederholt sich nicht.Scheinbar haben die Angreifer begriffen, daß wir zum Widerstand bereit sind.

Wir kommen wohlbehalten im Norden von Paris an und suchen unsere Kombüse auf, in der wir übernachten können.Das sind Container, wie wir sie aus den Camps kennen in Berlin, wo Flüchtlinge untergebracht werden, bis sie ein zu Hause bekommen, in dem sie abwarten, ob ihr Asylantrag positiv beschieden wird.Sie können von dort aus Deutsch als Fremdsprache lernen, eine Schule besuchen oder sich vermitteln lassen.

Wir müssen das alles nicht.

Nein, wir haben Urlaub.

Wir haben frei.

Man wird uns führen.Zuerst in eine Restaurant, wo wir uns etwas zu essen kaufen sollen. Der Wirt wartet schon.Nicht nur auf die Gäste, sondern auch auf den Manager, der uns überreden wird, dies und das zu kaufen, was es überall gibt, aber eben auch hier.

Das ist eine Abmachung zwischen dem Veranstalter, dem Gastwirt und dem Warenverkäufer einer

großen Handelskette.Diese Abmachung senkt den Gesamtpreis der Fahrt.

So geht das mit der Werbung.

Aber niemand will mitmachen.

Besonders die Rostocker sind sehr renitent.Sie weigern sich auszusteigen und in das Restaurant zu gehen. Sie sagen, das ist doch nur eine Falle.

Alle werden von den Rostockern aufgefordert, nicht auszusteigen. Sie hätten das schon erlebt:

eine Halle ohne Ausgang oder mit Türen, die verschlossen waren.

Kaufen oder Einsperren das Motto.

Nur hier wären wir sicher.

So bleibt dem Manager nichts weiter übrig als zu telefonieren und sich sagen zu lassen,

was er nun tun soll. Er wird ungehalten. Aber wir bleiben. Im Bus.

Wir rufen wie auf dem Leipziger Ring: „Wir sind das Volk.“ – Da bekommt der Manager es mit der Angst zu tun und gibt dem Fahrer, der sich bis jetzt ganz schön raus gehalten hatte, ein Zeichen,

daß er zurück fahren soll in den Containerhof.

Die Strafe ist, daß wir dort alle aussteigen und der Fahrer sagt, jetzt gibt es kein verbilligtes Essen.

Der Vormittag sei gelaufen.

Was machen wir jetzt?

Ah, da machen sich welche auf zur Vorort-Bahn. Sie wollen mit der Bahn nun endlich nach Paris kommen in die Stadt der Scholaren, in die Stadt der Liebe.

So mutig sind wir nicht.

Wir tasten uns vor bis zum nächsten legendären Vorort-Straßencafé in der Nähe des Vorortbahnhofs.

Tausend Bilder, von denen neunhundertneunundneunzig mit Sicherheit gelöscht werden.

Immer wieder sind wir erschrocken über die Sensibilität der elektronischen -, die dann zu den Endlosschleifen führen in unseren Bildbetrachtungen auf dem Monitor. Wir können nie richtig umgehen mit den Multiplikationen, die als Verheißungen verkauft werden, bunt und schrill und uns erschlagen und erschrecken.

Also erst einmal tausend Bilder: ich sitze in der Veranda eines französischen Vorort-Cafés, sozusagen auf der Straße.

Gott sei Dank habe ich das Telefon dabei. Ein Handy. „Unentbehrlich“, sagt meine Frau: „Für den Zusammenhalt!“ Wir fliegen alle durch den Weltraum, aneinander gekettet mit diesem unsichtbaren Kabel der Erreichbarkeit.

„Also – ich habe den Vorortbahnhof gefunden.“

Pause.

„Du kannst nachkommen.“

Pause.

„Ich sitze hier gegenüber der und der Kreuzung, ah – den Dichternamen kann ich erkennen, nachdem die gegenüberliegende Straße benannt ist.“

Da ist sie auch schon. Sie kommt aus dem Dunkel des Viaduktes direkt auf mich zu. Ich sehe sie.

Sie mich nicht.

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5.

Am Nachmittag endlich wieder im Bus.

Wir müssen nicht mit der Vorortbahn an die Seine fahren. Nicht zu Notre Dame. Auch nicht zum Platz der Republik, zu den Tuilerien, zum Garten de Luxembourg. Nein – wir werden gefahren.

Wir stehen nicht in einem deutschen finsteren Wald – sagen wir in der bayerischen Rhön – und müssen mitgenommen werden, bis uns endlich einer aufliest. Der Busfahrer eines Busses,

wo die Gäste müde zusammengesackt sind hinter den Sitzen ihrer Vordermänner – und Frauen.

Sie verstecken sich vielleicht und reden nicht miteinander, es sei denn sie lachen sehr laut,

damit sie nicht schon wieder schlafen müssen, die Leute aus dem Spreewald, nicht die Aufständischen aus der DDR – Hafenstadt Rostock, wie wir es hier erlebt haben. Eben.

Ob das gut war?

Wir erinnern uns sehr genau.

Es ist ja auch noch gar nicht lange her.

Wir sind zusammengeschweißt.

Eine Schicksalsgemeinschaft, entgegen aller Voraussagen, daß es kein Schicksal mehr geben wird. Nie.

Wir sind der Bus der Indifferenten und Ambivalenten. Das ist auch ein Schicksal.

Gerade durch unsere Unentschiedenheit wollten wir genau das verhindern: Schicksal. Volk. Familie.

Mit Gottes gnädiger Hilfe könnten wir es aber wieder werden. Aber nur dann.

Jetzt zu dem Platz, wo das Gefängnis stand, die Bastille, wo wir uns treffen mit den Mutigen, die selbständig ohne Gruppe voraus gefahren sind. Das waren auch nicht die Rostocker. Die hatten für diesen Tag schon ihr Pulver verschossen.Und saßen nun brav aber froh auf ihren Sitzen und ließen sich führen.Wir auch. Wir sind ja eigentlich aus Leipzig, jedenfalls aus der Nähe.

Jetzt stieg Madelaine zu. Unsere Führerin. Sie schwenkte ihren großen rosa Hut. Das war das Zeichen, wenn wir einmal nicht mehr wußten, wo wir waren. Oder wo sie war. Oder die anderen.

Immer auf den Hut achten, wie er geschwenkt wurde. „Du wirst ihn schon sehen in dem Gewühl“, tröstete mich der besonders freche Spreewälder mit viel Erfahrung im Genick mit diesen Offerten aus der Welt der Liebe und des Reisens quer durch Europa. Er war Rentner und wollte nicht ständig

seinen Garten an der Spree umgraben oder Ähnliches. Seine Frau bestärkte ihn darin.

Seine Machtworte hatten immer Wirkung.

Ich zanke mich mit meiner Frau, weil sie so unpünktlich ist und die Uhr vergißt, den Stellplatz und die Heimreise. Was sagt er?

„Nun ist aber wieder gut!“

„Schluß nun!“

Gut, daß es die einfachen Leute gibt.

Das Gute ist banal.

Nicht nur das Böse.

Also der Hut, der große Hut, der Hut mit Farbe. Pink. Rosa. Eigentlich ein Sonnenhut.

Im herrlichen Paris. Der schönsten Stadt der Welt. Die meisten Touristen.

Madeleine hat einen Vater, der ist Deutscher.

Sie ist eine Brückenbauerin.

Ein Pontifex.

Ihre Rede ist wie ein Fluß.

Wie die Seine persönlich.

Sie hat nichts zu verlieren.

Nur zu gewinnen.

Sie ist eine würdige und selbstbewußte Pariserin. Keine Libertinage und so weiter.

Konservativ links sicher. Sie hat uns in der Hand, wie alle Reiseführer in der ganzen Welt.

Ob Hannan in Haifa, oder der Wattführer vor Sylt. Denn das Wasser kommt und der Wurm ist weg, wenn du nicht aufpaßt.

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6.

Paris – ein Zeitfenster.

Wie waren wir in den Bus geraten. Was war das für eine Passion?

Was ist uns da in ’s Haus geflattert.

Viele Herzen auf einem Stück Papier, das meistens weggeworfen wird. In einer zornigen Faust zerknüllt wird: Reklame.

Diesmal nicht. Jede/Jeder hat uns abgeraten. Betrug. Werbereise. Wie viel hatten wir gehört von eingeschlafenen Busfahrern einer Rentnerfahrt. Und die Bögen, die Einzelnen, die an irgend welchen einsamen Ecken stehen und mitgenommen werden möchten. Die Um- und Umwege.

Das Gestrüpp vor der Spree – fast wurde das Wasser von dem winkenden Beifahrer übersehen.

Aber das ist ja noch ein komischer Aspekt. Diese stillen Wasser, man weiß nie, ob sie einen herunterziehen, wie in den Gedichten von Johann W. von Goethe: Halb sank er hin. Oder ob der weiße märkische Sand leuchtet und die Sache eigentlich nur ein Fußbad frei nach Kneipp bedeutet.

Diese stillen nördlichen Wasser. – Du weißt nicht, ob der Fluss ein Fluss ist oder ein See.

Das fasziniert dich so, daß du wie Kant auch bleiben möchtest.

Nein – mein Frau wollte.

Endlich Paris.

Also wir haben sie alle eingesammelt und wußten nicht, wer sie waren.

Wir sind ja auch eingesammelt worden nach einer schlimmen Fiktion.

Ohne die Fiktion sind wir zum ZOB Berlin, beim Funkturm, getigert mit dem Wagen; der springt von 30 km pro Stunde zur Höchstgeschwindigkeit, um das GRÜN nicht zu verpassen.

Ah – gut, daß kein INTERNET im Spiel war.

Alles schön super Post, Papier.

Wie früher.

Wie früher.

Wie früher.

Aber wie man nach Karl-Marx-Stadt jetzt Chemnitz wieder, manche sagen Karl-Chemnitz-Stadt,fahren kann, um an einer einsamen Kreuzung zu schauen,

ob dort jemand steht?

Eigentlich drei.

Dann doch nur einer.

Wir schütteln die Köpfe und verstecken uns hinter den Lehnen.

Jetzt heißt es wieder Chemnitz.

Der große Kopf ist noch da.

Nicht wie der große Lenin im märkischen Sand.

Egal wie wir gekommen sind im Romanfieber des Terrors und der Selbst-Verteidigung oder durch die Einladung einer gut kalkulierenden Group.

Nach einem sehr eigenartigen HÖHLENERLEBNIS.

Nach den Ereignissen in einem finsteren Wald, den wir aufgesucht hatten nach einer Schießerei,

von der wir bis heute nicht wissen, ob sie uns gegolten hat. Doch. Sicher. Einschüchterung.

Alte und neue Seilschaften, zum Verwechseln ähnlich. Gemietete Bürgermeister, klassische Agenten. Zerrissenes Deutschland in Nord und Süd und West und Ost, Gott sei Dank in Europa,

wo es sich im Glückstaumel und in der Not der seelischen Verzweiflung austoben darf.

Die Spareinlagen sind hoch genug – für viele. Im Durchschnitt. Wir kamen nicht zu Hermann Hesse und konnten unsere Steckpferd nicht weiter reiten: Rote Wachskerzen am Baum, nichts da! NEON.

Wir werden das jetzt nicht wieder aufrollen.

Schlussstrich.

Also Paris. Normal. Mit Bus auf jeden Fall. Einem Liebesbus. Die Optionen bringen uns nur durcheinander. Jetzt geht der Bericht weiter.

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7.

Sie führt uns eines Tag darauf auf den Tower.

Wir sehen das Neue Paris, jenseits des Eifelturmes,hinter der Seine.

Kühn.Dort wollen wir hin.

Verteidigung.

Verteidigung der Stadt gegenüber einer Übermacht.Die Freiheit winkt und stirbt in den Kugeln, weil Bismarcks Truppen immer näher rücken.

Wir fotografieren uns zu Tode.Kein Platz für ein Wort.

Ich verliere den Anschluß. Wo ist der Bus?

Ah-dort.

Die Gruppe trollt sich.

Da ist kein deutsches Maß. Kein Maßhalten.

Nur Kühnheit gegen den Himmel.

Die große Nation.

Auch wenn wir damals gesiegt haben.

Die Reaktionäre aus Preußen, um das Vaterland zu einigen.

Jetzt sind wir die Verlierer, die als Touristen gekommen sind, um die Stadt der Liebe auszukosten

bis zum Letzten. Daß ich nicht lache.Auf etwas fallen wir immer wieder herein.Auf die Werbung, auf das große Vergnügen, daß bei aller Billigkeit gar nicht stattfinden kann, weil es zu schnell geht.

Wie bei so genanntem schnellen Sex.

Ich glaube, die Pariser wüßten jetzt gar nicht, wovon wir reden oder gar träumen.

Die neue Stadt im Hintergrund.

Das mußt du gesehen haben.

Die Linien, die in den Himmel führen.

Die Schande von damals.

Auf den Gebeinen der Communarden wurde sie errichtet.

Die Niederlage hat sie beflügelt.

Die Verteidigung, diese riesige Frau, umgeben von Bajonetten und Kanonen ist gestorben und immer wieder auferstanden.

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8.

Wie das Heilige Herz.

Sacre Coer.

Madeleine hat es mir gesteckt.

Dort wo sie Tag und Nacht die Messe lesen, Mont Matre, Sacre Coer.

Das andere Frankreich.

Nicht die Libertinage, sondern das Heilige Frankreich.

Schon im Garten de Luxembourg ihr großer rosaroter Hut und das Karussell des Rainer Maria Rilke.

Mit dem weißen Elefanten:“Dann und wann ein weißer Elefant…“

Sie wußte es nicht.

Jetzt auch hier an der Treppe zum SACRE COER.

Ist das die Kirche der Buße?

Weil es mit der Freiheit nicht geklappt hat.

Wenn Du nach Hause fährst in Deine Kombuese, den Container, im Norden der Stadt, in Deine Flüchtlingsunterkunft, Du Asylant…Schau nach Süden, schau zurück wie Lots Weib und du siehst auf dem Hügel Mont Martre die Kuppel wie sie glänzt – und Du beginnst zu fragen. Wärend die Silberflieger über dir zur Landung ansetzen.

9.

Längst sind wir wieder zu Hause.

Madeleine verlassen.

Es waren ja nur 5 volle Tage.

Nicht einmal und eine Nachtfahrt nach der anderen, wenn ich die Hinfahrt mitrechne.

Es war schlimm.

Um ein Haar wären wir in Frankreich geblieben.

Im goldenen Versaille, wo die Franzosen gedemütigt wurden.

So hat sie es einfühlsam, wie es nur Brückenbauer können, beschrieben.

Der Sonnenkönig,schon als Kind verfolgt, baute sich diesen Zufluchtsort. Gerade hier mußte sie, nicht Madelaine, sondern Margarete, meine Frau die Zeit und den Ort verpassen.

Sie schaute nicht auf die Uhr, wie verabredet, als wir uns trennten.Die Abfahrt war genau ausgemacht – nach Hause.Die Zeit auch.

Sollen wir mit der Eisenbahn fahren, der berühmten französischen.

„Nein!“

Wir sollen nicht.

„Wir warten!“, sagt Madeleine.

Die Gruppe nickt nicht.

Noch bleibt sie verhalten.

Die Reisegruppe, alle, die bereit waren zur Verteidigung, als sie angegriffen wurden.

Erinnern Sie sich: Als die Felder sich ausbreiteten wie in den Kolchosen Sowjetrußlands und in der DDR und den jetzigen Agrargenossenschaften in der post – DDR .

Diese fiktive Situation.

Oder dann:Als sie ausgebeutet werden sollten von den Händlern, die ein fetten Fang witterten.

Diese reale Situation.

Ein Rostocker Lehrer – Ehepaar nahm sich der Sache an und veröffentlichte diese Sache in der SUPERILLU.

Wir haben alle unterschrieben.

Oder sollten es wenigstens.

Mindestens gegenlesen, dazu hatte ich mich bereit erklärt.

Nichts kam.

Trotzdem sehr gut, es kam in der SUPERILLU.

Wir haben es gehört von Leuten, die sie gelesen haben, oder welche kannten, die sie abbonieren.

Madeleine war mutig.

Sie riskierte das Murren und überzieht:Jetzt ist es 12.15 Uhr.

Endlich kam sie angetrottet.

Margarete.Plötzlich stand sie neben mir, als ob es nicht gewesen wäre.

Schlechtes Ortsgedächtnis.

Kein Handy.

Wir konnten nicht anrufen.

Das ist eine Schande.

Uhr ja.

Aber die nutzt gar nichts, wenn man vergisst, wo der Ort ist.

Großes Gezänk im Bus, bis der Lausitzer Gärtner aus Sachsen oder Brandenburg zur Ruhe mahnt und zum Frieden.

So war das.

Unser Abgang aus den Lustgärten des vergoldeten Fankreich.

Einmalig.

Oh Gott, war mir das peinlich, gerade wollte ich einen Flirt beginnen, über Internet mich austauschen, wenn wir zurück sind: über die -wie immer- nur angerissenen Dinge, Frankreich und Deutschland betreffend.

Wir hatten ein Recht dazu – aus der Zone.

Heitereitei- Sommer mit Regen, Sonne und Frieden im Herzen wünscht

Michael Wohlfarth

Featured

Kalendergeschichte aus Kalender: Erzählungen und Lyrik by unitid.p.c.

Die eigenartigen Wagen

1

der Ägypter.

Sie legen die Rollen aus.

Darauf die Pyramide

damit

sie nicht

den Himmel verdunkelt

und den Sonnenwagen

des Gottes mit ihrer Spitze

zum mathematischen

Punkt macht.

Also woanders hin.

Aber wohin.

Wo die Sonne nicht

aufgeht und

nicht untergeht.

2

Ich habe geträumt

das Blasgerät ist wieder unterwegs

auf vier Rädern

zum Wegblasen der Blätter.

Der Mann

der auf dem Wagen sitzt

im blauen Arbeiteranzug

steuert in die Mitte der Straße

vom Rinnstein weg,

um auch dort das letzte Blatt

zu erwischen.

Immer wieder siehst du

solche eigenartige Fahrzeuge

klein, gelb, orange,

funktional,

die Straßenkehrmaschinen

für einen Mann

die Laubfeger

oder Sauger.

3

Aber der Postilion

Der Gelbe Wagen,

das Mädchengesicht

so hold

wie Luischen.

Singt Brüder,

damit es wiederkommt

das Lied vom Gelben Wagen.

Oder sind das jetzt die Mondkarren

die die Gesteinsproben entnehmen.

Vielleicht

Wir suchen weiter.

4

Der Große

und der kleine Wagen

am Himmel

über dir.

Nur eine kleine Anstrengung

und du weißt es wieder:

Im Schoß des Waldes

Auf der Insel in der

Irischen See

Auf den Sandhügeln

der Eiszeit

rund um die Hauptstadt.

Schau einfach nach oben

im aufrechten Gang.

Halte inne.

Kein Stillstand.

Kein Fortschritt.

5

Der große

und der kleine Klaus

die saftigen Wiesen

und die Sumpfotter

– geh du nicht hin –

fallen dir ein,

wenn du nach unten schaust

und dich vergewissern möchtest

wohin dich dein Stern geführt hat.

Laß jetzt.

Laß dir Zeit in der Nacht

wenn es sie gibt.

6

Ich, Hieronymus Bosch

habe nicht den Heuwagen gemalt

um die berühmte Nadel zu finden

sondern um zu zeigen

wie verworren die Welt ist

wenn das Gebet verloren geht

und damit

jegliche

innere

Ordnung!

Er fährt

ja er fährt

mit den unseligen Gestalten

zur Hölle

wollte ich sagen.

Ich, Hieronymus Bosch

habe sie umgehend illustriert

damit keiner denkt

sie sei nur virtuell zu verstehen

als gedachte Alternative.

Nein, nein

wir wissen

wie realiter sie sein kann

meine Brüder und ich

aus dem Orden der

Malerfreunde und Dichter.

Aber

da schaut die Lust hervor

in ihrer Absurdität der Un–Lust

und Langeweile: Seid lustig

damit die gnadenlose Zeit

niemand bemerkt.

Aber irgendwann bemerkst du sie

doch.

Da schaut die Geilheit

aus allen Halmen des

gemähten Grases und des

gedorrten in der

niederländischen Sonne

und kann nicht mehr

zwinkern

geschweige denn lächeln.

Das tut sie eben nicht.

Wer schaut denn da noch

und wird geschaukelt

weil die Höllenpferde

beginnen zu ziehen

und die Erdlöcher sich

bemerkbar machen

die Räder brechen

weil der Stellmacher

kein Eisen kennt.

Hü Schimmel hü.

Der Kutscher sitzt oben auf

und hat seine übervolle

Fuhre.

Ein eigenartiges Bild.

Sie werden alle abgeworfen

am Strand

und das Heu verfliegt

mit dem Wind.

6

Wollen wir noch andere Bilder finden

von dem Maler in Utrecht

oder anderswo?

Der absurden Spiele

der Urteile,

die vollstreckt werden?

Des verdammten Höllenschlundes?

Des Halses, durch den alles geht?

Der Mühle

die alles mahlt?

Faszinosum bis zum

Stillstand.

Wir haben seiner gedacht

des H.B. in diesem Jahr

des HERRN.

Und viele sind losgefahren

um in seiner Heimat

die Dinge besser

zuordnen zu können.

Lob.

Lob.

7

Das Rad der Geschichte

ist abmontiert

auf dem Platz

vor

des

Volkes

Bühne

im Osten

unweit

der

unsichtbaren

Grenze

Berlins.

Sie haben es beleidigt

nicht nach Berlin

West verbracht

sondern

wenn schon

dann schon

in das Land der Freiheit

der Marianne

des Hahns

der

Maria Magdalena

sie soll ein Flüchtling des Mittelmeeres

gewesen sein von Jerusalem an die

französische Riviera

Cannes und so.

Das Rad der Geschichte

das kaputte Rad der Geschichte

das Sinnbild eines zerbrochenen Rades

nicht auf der Zinne

– nie wieder –

sondern auf dem Rasen

gar nicht rostfrei

gegenüber dem Parteihaus

mit dem schönen Namen

ROSA.

Texte auf dem Pflaster.

Babylon gegenüber.

Schräg.

Ein Nachtbold

hat das Straßenschild

überklebt

mit einem

anderen Namen:

Ronald Reagan.

Nachdem ein Freiherr in Hohenschönhausen

und Kornblum diesen Präsidenten gewürdigt

haben

zu seinem 100. *-TAG.

Wegen dem Fall

der Mauer.

Jetzt wird es ein Allzwecktheater

wie Babylon.

Und auch in der Zeile:

Gauckbehörde

Berlin.

Schlimmer geht’s immer.

Schlimmer, Schlimmer.

Nimmer?

8

Troika

Quadriga

zerbrochenes Rad

Lenkrad?

9

Steuerbord rechts oder links.

Geradeaus sowieso.

Denn der Sturm bläst

wie er will.

Der Wind.

Steuerbord

Rad

Schiff ahoi

Kahn der ewigen kleinen Leute

Fröhliche Wissenschaft ahoi.

Kahn der fröhlichen Leute.

Halt es fest

wenn alles bricht

Vergiß es nicht.

Das Rad.

Oder greif hinein.

Wenn du kannst.

Kalendergeschichte – Dezember

  1. Eine der vielen Weihnachtsgeschichten.

Endlich klingelt es einmal wieder in unserer Zweisamkeit.

Nachts.

Wir fahren auf und stehen in den Betten.

„Geh du!“

„Nein du!“

Als ob wir wüßten, wer es war.

Grauen.

Tatsächlich, es stehen zwei Kapoleute vor der Tür, die gehört haben, es sollen sich Weihnachtskerzen aus rot-und weißgefärbtem Wachs in unserer Wohnung befinden.

Im Keller.

Zum Anzünden am Heiligen Abend.

„Nie und nimmermehr!“ rufen sie im zweistimmigen Chor. „Unterstehen Sie sich!“

Wir fragen, auch zweistimmig (Tenor und Sopran),

wer sie geschickt hat.

Sie antworten: „Das Amtsgericht. Es ist untersagt, Kerzen zum Anzünden aufzubewahren.“

„Warum?“

„Es ist eine Gefährdung.“

„Wieso?“

„Wachs brennt und außerdem haben Sie eine Fichte

aus dem Kirchenwald Mannichswalde im Thüringisch-Sächsischen Grenzgebiet – extra schön – geschlagen.

Wir haben das Gespräch mit dem zuständigen Pfarrer abgehört.“

„Dürfen Sie das?“, fragen wir zu zweit in die fahle Lichtdämmerung der Beleuchtungsanlage im Wohnpark Nr. 8 -13.

„Wir dürfen alles, wenn es um die Sicherheit der Bürger geht und um ihre Gesundheit.“

Zweistimmiges Kapolied:

„O-O-O b e r s t e P r i-o-r i-t ä-t ä t !“

(Tenor-Kopfstimme und Bariton).

Dieser Refrain, diese Strophe kam immer wieder.

Und es hallte zurück aus dem naheliegenden Wald.

Wir konnten es nicht mehr hören und knallten, unhöflich wie wir sind, die Tür zu.

Da brachen sie sie auf. Die Tür.

Wir ahnten nicht, daß sie es ernst meinen.

Die schwarzen Helme der Sicherheitsleute glänzten im Mondlicht und strahlten unter den Parkleuchten, die die Nacht so grell fade erscheinen lassen, daß es einen umtreibt.

Nur eine flackert und geht stundenlang aus.

Worüber sich alle freuen.

Aber es darf nicht sein.

Es hätte längst gemeldet werden müssen und abgestellt, also angestellt.

Ohne Flackern und Pause.

Der Hausmeister hat bestimmt deswegen

ein schlechtes Gewissen.

Ich fürchte, es hat ihm schon jemand gesteckt.

Oder auch nicht.

Weil sich wirklich a-a-a-lle freuen.

Ausnahmsweise.

Also wir gehen einmal davon aus,

daß der Hausmeister es gar nicht weiß,

weil im Morgenlicht, wenn er kommt,

alle europäischen Birnen nur noch Glas sind,

ohne brennenden Docht.

Abgeschaltet.

Obwohl – im Winter stimmt das nicht ganz.

Inzwischen haben sie die Tür wieder aufbekommen

und wir stehen zitternd vor Kälte und Schreck.

„Lassen Sie uns durch! Haussuchung!“

Neulich Nacht hatten wir die Schweine zu Besuch, die wälzten sich in der Lake unterm Dornenstrauch. Nur ihre Spuren hatten wir am nächsten Tag zu Gesicht bekommen. Das war doch was. Einen Kurzbericht wert an die Enkel.

Aber das?

Sie nahmen ihren Helm nicht ab und stürmten die Wohnung.

Sie fanden nichts.

Dann zeigten wir ihnen den Weg.

Auf dem Wohnparkweg ums Haus durch den Haupteingang in den Keller.

„Aber bringen Sie erst das Schloß in Ordnung“, sagte ich und zog eine Pistole, die ich mir bei einem Waffenhändler in Tirol gekauft hatte unter Vorlage einer Berechtigung. Sie wurden nervös. Bloß keinen Aufruhr mitten in der Nacht unter Ausleuchtung aller Details.

Sie rannten zu ihrem Überfallwagen und brachten

ein Ersatzschloß, das sie einsetzten mit Hilfe eines Schlossers, der die ganze Zeit auf der hinteren Sitzbank geschlafen hatte. Niemand hatte damit gerechnet, daß wir ihnen die Tür vor der Nase zuknallen.

Am wenigstens der Schlosser, ein friedlicher Mann.

Nun haben sie ihn also wachgerüttelt.

Nach all dem nun hinunter zur richtigen Kellertür.

Dort lagen sie: die Schachteln mit roten und weißen Christbaumkerzen.

Vom Schwarzmarkt.

Aus Rußland eingeschmuggelt, sagte uns vertrauensvoll unser Händler.

Eins, zwei, drei, vier mal zugreifen und hinein in den Beutel aus schwarzem Samt.

Keine Verhaftung aber Beschlagnahmung.

Wieder oben.

Sie gingen zu ihrem Jeep.

Kein Gruß.

Der Handwerker stand auf dem Parkweg, auf dem er gewartet hatte. Dann stürzte er als erster auf den Jeep zu und riß die hintere Tür auf.

Endlich war die Aktion abgeschlossen.

Irgendwo gibt es Löcher in dem Zeittunnel,

über die die roten und weißen Christbaumkerzen

zu uns gekommen sind. Das Geheimnis ist beschädigt worden. Ja, es hat jemanden so in Aufregung versetzt, daß er geplaudert hat. Vielleicht auch angezeigt bei den obersten staatlichen Behörden.

Wir mußten nun eine elektrische Baumkette kaufen.

Europäische Norm, dachte ich.

Aber mein Frau nahm mich beiseite: „Sie sind dumm, sie haben nicht nachgeschaut unter dem Rost, auf dem sie gestanden haben, als sie geklingelt haben, mitten in der Nacht. Den sie fast durchgetreten haben, als sie mit Gewalt das Schloss zerstörten, indem sie sich dagegen stemmten.“

Kalendergeschichte – Februar

Oder – der Grundriß einer Wohnung.

Anfang Februar.

Plötzlich klingelt es – wieder.

Es hat tagelang nicht geklingelt.

Auch nicht nachts.

Der Postbote, der das Paket des Nachbarn los werden möchte?

Der Nachbar selber, der es endlich wissen möchte?

Was geschehen war.

Neulich nachts.

Uns trennt nur ein schmaler Fußweg und beidseitig so etwas wie ein grüner Graben.

Vorsicht Ökologie“, rufen die Ewiggestrigen.

Es gibt ja keinen Frühling, Sommer, Herbst und Winter mehr und man erkennt an den Stoppelfeldern, über denen die Drachen hoch fliegen nicht mehr, ob es wirklich Herbst ist. Stoppelfelder vielleicht noch als Erkennungsmarke einer Jahreszeit. Eben kurz nach der Ernte. Wann ist die. Na ja – ungefähr noch wie früher.

Aber Drachen.

Geht doch an die Ostsee.

Dort fliegen sie immer.

Oder in Kopenhagen haben wir sie über die Dächer fliegen sehen mitten im Sommer, von einem Fenster aus gehalten.

Nichts stimmt mehr.

Sofort der Pflug.

Sofort kommt der Samen in das Land.

Fruchtfolge.

Also, der Graben ist immer grün. Man könnte meinen, es ist Kunstrasen.

Alles nur Deko“, singt der Chor in der Parkaue.

Und dann noch einmal die Ewiggestrigen:

Vorsicht Ökologie!“

Das Regenwasser läuft besser ab nach den Berechnungen.

Die Büsche in den Gräben sind kurz gehalten.

Sie sollen dem Haus nicht schaden und uns keine Dunkelheit bereiten.

Dabei wollen wir sie, die Dämmerung des Gebüschs, wenn die Sonne hernieder scheint im Sommer.

Nein, nein, nein!“ rufen einige Bewohner. Sie wollen noch mehr eigene Fahrzeuge.

Und überhaupt nicht mit dem Bus fahren!“

Hört auf mit dem Gemaule“, schaltet sich der Hausmeister, der auch als Parkwächter fungiert, zwischen die streitenden Parteien.

Also kein Nachbar?

Auch nicht einer von den vielen gegenüber vom Fußweg: Doppeltes Längshaus.

Wir sind Parterre. Eigentlich Souterrain.

Und wenn es klingelt, stehen sie sofort im Haus,

in der Wohnung. Wenn du erst einmal aufgemacht hast.

Kennst du die Geschichte vom Schuhmacher, der auf Jesus wartet, weil im Traum ihm jemand gesagt hat: „Der wird dich morgen besuchen!“

Du kennst sie nicht? Hol‘ es schleunigst nach.

Nimm und lies und mach dich auf!

Hau auf die Trommel, die du finden wirst,

damit sie aufwachen: die Schläfrigen und Müden.

Du weißt auch nicht, wer wirklich kommt?

Der Mensch kommt, du wirst lachen, der Mensch, der gerade verlorengegangen ist. Der sich verliert im ganz und gar Unmöglichen und andern unsäglichen Dingen.

Aber es sind die Armen, vergiß es nicht.

Nimm und lies den Schriftsteller Tolstoi,

oder wo es sonst noch zu finden ist.

Du wirst es selber sehen.

Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an“,

spricht CHRISTUS DER HERR.

Erinnere dich an den russischen Schuhmacher im Souterrain.

Hat es wirklich geklingelt, ich bin allein zu Haus.

Und mach nicht jedem auf.

Es ist in der Dämmerung eines grauen Februarnachmittags.

Gut, daß die Büsche kurz geschoren sind,

sonst wäre es dunkel, gerade jetzt.

Wie recht haben sie: die Grünzeugflotte des Senats und die Kolonnen für die Bepflanzungen.

Gut, dass die Büsche kurz geschoren wurden, gegen unseren Widerstand“, werden wir uns immer wieder zuflüstern, wenn es ernst wird.

Und du erkennst niemanden mehr in der Dämmerung,“ murmeln wir einträchtig in voller Harmonie mit allen Bewohnern des Wohnparks.

Vor allen Dingen kommen ja auch noch die Wölfe von Polen herüber. Die Zeiten ändern sich.

Einen Spion haben wir nicht. Also öffne ich die Tür. Und wieder stehen zwei Männer in schwarzer Uniform mit der Aufschrift vor der Tür. Sie halten mir einen Beutel unter die Nase. Er kommt mir bekannt vor.

„Gehört der Ihnen?“

„Nein, aber ich habe ihn schon gesehen.“

„Wann?“

„Vor Weihnachten.“

„Erzählen Sie!“

Ich bat sie, herein zu kommen, aber sie wollten nicht.

Es muß POLIZEI sein. Schwarze Klamotten…

Die betreten nicht so einfach eine fremde Wohnung ohne einen Hausdurchsuchungsbefehl.

Einer von beiden dreht sich nach links so, daß ich auf seinem Rücken in großen Buchstaben

POLIZEI lesen kann im Dämmerlicht

des späteren Nachmittags.

Diese bewaffneten Uniformierten. Sie hüten sich davor, die Bürgerinnen und Bürger in Angst und Schrecken zu versetzen. Bei der deutschen Geschichte.

Sie sind scheu.

Die beiden schwarzen Polizisten halten mir immer noch den schwarzen Beutel hoch vor meine Nase.

„Entschuldigen Sie, wenn Sie nicht hereinkommen wollen, dann muß ich den Türstopper durchtreten, damit ich nicht immerzu die Tür mit meinen Händen aufhalten muß. Das ist hinderlich, wenn ich mit Ihnen rede.“

„Ist Ihre Frau nicht zu Hause?“

„Warum?“

„Sie war Zeuge eines Vorfalls in der Zeit vor Weihnachten“.

„Wie ich auch?“

„Ja.“

Sie redeten im Wechsel einzeln oder im Chor

und endlich übergab der eine dem anderen den Beutel. Und sie hielten ihn nicht mehr ständig vor mein Gesicht.

„Wollen Sie nicht doch hereinkommen. Es ist Februar. Und der Wind macht die Wohnung kalt.“

Das haben sie eingesehen und sie kamen in den engen Vorraum und ich konnte zwei Schritte rückwärts gehen aus dem kleinen Vorraum, in dem die fremden Männer standen in Uniformen mit der Aufschrift POLIZEI,

aber ohne Namen.

Ich ging rückwärts durch die zweite Tür in den wesentlich größeren Mittelraum, von wo aus Wohnzimmer, Wintergarten, Küche, Arbeits-Dienstzimmer und das Zimmer mit der Um – die – Ecke – Schlafmöglichkeit abzweigen.

Alle Türen waren verschlossen und die beiden Polizisten waren nicht neugierig, so wenig, daß sie nicht einmal um eine Ecke geschaut hätten.

Gute Preußen am Süd-Ost-Rand Berlins.

Nach einer langen schweigenden Minute sagten sie dann aber doch:

„Ach wissen sie, wir nehmen Ihr Angebot an!“

„Welches?“

„Von vorhin!“

„Platz nehmen?“

Sie nicken im Chor.

Ich öffne die Wohnzimmertür und führe sie in den Wintergarten, der daneben liegt.

Die Tür ausgehängt, weil es meine Frau so wollte.

Ich zünde die Kerze an auf dem Tisch und bitte,

Platz zu nehmen.

Die Herren haben jetzt die Möglichkeit nach draußen zu blicken, dahin, von wo sie gekommen sind.

Wenn sie nicht zu abgelenkt sind von den Unmassen

an Bildern, die alle Wände schmücken.

Ah, ja, da kommen die Heimkehrer von der Arbeit auf dem Laufsteg und die hübsche Verkäuferin aus der Boutique von einem Großmarkt am See.

„Sie wissen inzwischen, warum wir geklingelt haben?“, der eine.

„Noch nicht ganz!“

„Weil wir Ihnen etwas zurückbringen möchten!“

Pause.

„Was Ihnen zu Unrecht abgenommen wurde.“

Damals mitten in der Nacht, vor Weihnachten?“

„Richtig!“

„Sie sehen ähnlich aus – wie… die… damals!“

Pause.

Weiter: „Ich weiß nicht mehr genau, ob der Schriftzug POLIZEI auch auf ihrem Rücken zu lesen war.“

„Das können sie ja auch nicht, weil im Mondlicht und in dem fahlen Licht der Parkbeleuchtung das nicht so einfach war“, sagt der andere.„Ach so, ja. Sie standen uns ja auch nur gegenüber. Und dann der Überfall, Haussuchung. Wir waren froh, Sie in den Keller zu den Kerzen führen zu können.“ Dabei haben sie nicht an Lesen gedacht?“, der Linke vor der Wand mit Blick auf die Verglasung. „Kapo, Kapo,“ und weiter: „So geisterte es durch das fahle Licht in unseren Köpfen.“

„Na ja, Sie gingen ja auch vorneweg und haben ihnen nie auf den Rücken geschaut. Ein richtiger Polizist wird immer auf so etwas achten.“

Um zu zeigen, wie vertrauensvoll anders die Situation diesmal war, standen sie auf und drehten sich um.

„Lesen Sie!“

„Ihr Kollege hat sich vor der Tür bewußt so gedreht, daß ich den Schriftzug gut erkennen konnte. Auch in der Dämmerung eines späten Nachmittags im Februar: Polizei!“

„Sehen Sie“, der eine.

Wir alle drei: „POLIZEI!“

Berliner Polizei.

Die Sanftmütige.

Überhaupt keine Bullen.

„Und neulich?“

„Lassen wir das jetzt. –

Wir sind hier, um Ihnen zu sagen, daß alles seine Richtigkeit hatte. – Sehen Sie, hier sind Ihre ROTEN KERZEN aus Wachs.“

Der Linke öffnete den schwarzen Beutel, der mir so bekannt vorkam und zeigte sie mir.

Lange Pause im Wintergarten. Jeder sah den anderen an in der Dämmerung. Dann machte einer der Besucher das elektrische Licht an und telefonierte.

Der andere blies das Teelicht aus.

Im Chor der Linke und der Rechte: „Wir möchten aus Sicherheitsgründen noch die andere Packung haben.“ Keine Antwort von meiner Seite.

„Wir wissen, wo sie ist.“

„Deswegen hätten Sie uns auch nicht herein bitten müssen.“

„Viel zu viel Umstände.“

Der etwas Rundlichere – bei genauerem Hinsehen: „Die schwarze Tasche gehört uns“.

„Bitte gehen Sie vor die Tür und hebeln sie den Rost aus!“

„Warum?“

„Weil Sie dort die restlichen ROTEN KERZEN versteckt haben.“

„Unsere Recherchen haben ergeben, daß Sie doppelt so viel rote altdeutsche Wachskerzen bei dem Händler, der inzwischen in den Ruhestand gegangen ist, gekauft haben. Unsere Kollegen sind noch in der Ausbildung und haben sich mit der Hälfte zufrieden gegeben.

Sie haben natürlich auch Fehler gemacht: Grob, verwüstend u.s.w.“

Schweigen.

„Aber jetzt sind wir gekommen und erschrecken Sie nicht in der Nacht. Das machen nur Anfänger.“

Der Hagere: „Bitte gehen Sie jetzt!“

Er zog eine Pistole.

Ich stürzte durch alle Türen unter das Glasdach des Einganges, riß den Rost hoch und war froh, daß meine Frau noch nicht bis dahin gekommen war, wirklich alle Dekorationen in den Keller zu bringen.

„Hier, die Kerzen!“

„Danke!“

„Darf ich noch eine Frage loswerden?“

„Woher?“

„Ja, woher.“

„Der Nachbar hat es uns gesagt. – Geben Sie es doch zu, wie gefährlich es ist, einen Baum anzuzünden!“

Sie erhoben sich aus unseren Korbstühlen. Der eine steckte seinen Revolver wieder ein und der andere schmiss die doppelt gefüllte Tasche über die Schulter. Dann gingen sie zurück in den immer dunkler werdenden Tag. Sie warfen das Auto an.

Scheinwerfer – und surften davon.

Ich weiß bis heute nicht, ob es Polizisten waren oder andere vergleichbare Menschen, die sich umgezogen hatten, um ordentlich zu sorgen – für ihren Kiez.

Kalendergeschichten März bis Juni

Im Frühling.

Diesmal klingelt es überhaupt nicht.

Es kann gar nicht, weil: wir sind nicht zu Hause.

Aber auf einer Parkbank im Frühling

kommen zwei Beamte auf uns zu und stellen sich vor: „Erwin Schmidt, Geheimpolizei in Stuttgart.“

„Roland Gürtler, ehrenamtlicher Ortsteilbürgermeister in Schleendorf.“

„Ja, bitte“, ich.

„Ja, bitte“,meine Frau Gemahlin.

„Wir sind auf Reisen“, setzen wir noch hinzu,

als ob wir uns entschuldigen müßten.

Na und ob.

Natürlich.

Wir sind einmal wieder zu schnell gefahren und einer hat uns gesehen.

Nicht das Auge Gottes wie in den Abraumhalden

New Yorks in den 20er Jahren des Großen Gatsby. Nicht der Staatsicherheitsdienst „Zur Schorfheide“ 1988, nicht einmal die fröhlichen Nachbarn in Berlins äußersten Waldbezirken, die sind viel zu weit weg.

Oder?

„Wir sind auf Reisen!“

Auch nicht der Starkasten, der die Geschwindigkeiten fixiert. Ob er nun oval und schön aussieht wie in Schweden. Oder immer noch häßlich wie in Deutschland. Militärisch grün, pure DDR.

Die beiden sagen nichts.

„Na, wer hat uns denn angezeigt, diesmal?“

Eigenartig, daß selbst ein ehrenamtlicher Ortsteilbürgermeister es fertig bringt zu schweigen.

Das wird der Geheimpolizist mit ihm trainiert haben.

„Das falsche Benzin?“

„Du kannst sie nicht provozieren“, sagt schließlich

meine Frau.„Und du solltest es auch nicht!“ Nach einer gebührend langen in der Oper gelernten Kunstpause.

Ich rate weiter: „Ha,ha, ha – die irreguläre Glühlampe. Oder haben wir einen zu grünen Salat im Kofferraum, gemessen an europäischen Standarts?“

„Nichts von alledem“, sagt Erich: „Wir wollen Ihnen etwas zurückbringen!“

„Das haben mir im Februar in Berlin schon einmal zwei verkleidete Beamte gesagt. Sie haben es mir sogar gezeigt aber dann – verdoppelt – wieder mitgenommen.“

Meine Frau wird nervös, weil sie bei dieser Geschichte nicht dabei war. Ich nehme an, sie glaubt mir immer noch nicht. Es ist ja auch fast nicht vorstellbar: friedlich – sanftmütig – kriminell mit großen Buchstaben auf den Jacken: P O L I Z E I.

„Zurückbringen?“ rufen wir aber dennoch im Chor.

„Kommen Sie doch einmal mit an unser Auto“,

sagt Roland.

„Weshalb?“

„Das werden Sie schon sehen.“

Wir erheben uns ein wenig unschlüssig und gehen mit in die Richtung der beiden.Es beruhigt uns kolossal, daß der Ortsteilbürgermeister dabei ist und der Wagen von Roland und Erich gleich um die nächste Biege steht des breiten Kiesweges, der knirscht, was das Zeug hält.Von da ist es nicht weit bis zu unserem Quartier in Schleendorf im schönen Schwäbischen.

Halt, hatten sie vielleicht geklingelt an unserer Tür dort, in der Urlauberwohnung. Dann haben sie uns gesucht. Herausgefunden, daß wir nicht sehr weit weg sein konnten. Es lag noch Kaffeedampf in der Luft, die Türen waren nicht so hermetisch abgeriegelt wie in Neuzehlendorf, Berlin.

Die Frühlingssonne war gerade im Begriff unterzugehen in der künstlichen Sommerzeit.

Und wir waren nun wirklich gespannt.

„Haben Sie etwas gefunden, was uns gehört?“, fragte ich ahnungsvoll. So etwas war mir schon oft passiert.

Der Ermittler: „Nein, sie haben nichts verloren, da würde sich das Fundbüro melden und auch der Ortsteilbürgermeister hat anderes zu tun.“

„Haben Sie denn etwas verloren?“ unterbrach Roland.

„Nicht, daß wir wüßten“, meine Frau und ich gemeinsam, fast zweistimmig.

Erwin Schmidt, Geheimpolizist, Ermittler, Kriminaler feierlich: „Wir haben etwas gefunden in mühevoller Kleinarbeit, was Ihnen gestohlen wurde.“

Uns fielen alle unsere Sünden ein, wie in DDR-Zeiten, wenn wir aufs Revier bestellt worden sind, als plötzlich der Kriminale Erwin vor uns stand mit Roland, der Staatsmacht des Ortsteils Schleendorf in Baden-Württemberg. Das geht uns leider immer noch so bei jedweder Berührung mit diesen Außerirdischen.Wir kommen eben aus dem Ghetto, aus dem Untergrund. Aus dem Osten. Und das Licht zu dem wir uns mühsam empor gekämpft haben in der lang anhaltenden friedlichen Revolution blendet uns noch all zu oft.

Und wir lassen uns täuschen und fallen auf fast jeden faulen Trick herein in der Individualwirtschaft des Landes, wo die Sonne untergeht: WEST.

Und jetzt diese Wendung: Uns fielen wirklich die ROTEN KERZEN AUS WACHS ein, die im Keller unserer Parterrewohnung, die in Wirklichkeit eine Souterrainwohnung war, den Besitzer gewechselt hatten vor Weihnachten, nach Weihnachten wiedergebracht wurden für einen Augenblick. Aber nur um die zweite Packung auch noch mitzunehmen, die meine Frau listigerweise unter dem Rost vor der Tür versteckt hatte – unter Androhung von Gewalt! POLIZEI! Ordnungskräfte. Selbsthilfegruppe mit gestohlenen Uniformen? Jetzt kommt die Aufklärung der Geschichte. Da hat es sich doch gelohnt.

Aber warum Baden-Württemberg?

Kapo-Leute haben wir sie genannt, schwarz, wie die Tschechenpolizei im Sozialismus, wenn wir über die Grenze machten. – Highway. – Ungarn. – Freiheit.

„Sie schlagen schnell…“ flüsterten wir uns damals zu.

Es ist wie gestern.

Heute?

Wir sagten aber nie etwas…

Wir machen jetzt eine Pause, aber keine Angst:

die Geschichte geht gleich weiter.

Ich bin unterbrochen worden.

Irgend etwas wichtiges.

Vielleicht das Fernsehen.

Oder die AfD.

Oder ein nicht zu umgehender Telefonanruf, der getätigt werden muss.

Wahrscheinlich hat wirklich das Telefon geklingelt. Oder waren die Kinder noch da. Ich weiß es nicht.

Sie kommen immer zu Besuch, wenn in Sachsen Ferien sind oder in Thüringen: die Enkelkinder.

Jedenfalls: es gibt Wichtigeres als die Phantasien zu roten Kerzen, die alles volltropfen: Teppiche, Tischdecken. Und dann sind doch auch wirklich die Kunstkerzen aus elektrischem Licht viel geeigneter.

Und wir müssen keine Geschichten dazu erfinden und europakritisch werden mit seinen abstrusen Maßeinheiten. Nein, das müssen wir nicht.

Günter Grass hat über die KPD nachgedacht.

Wir über AfD.

So ist das.

Das war damals das eigentlich Erschütternde:

Im Bett liegen und über KPD nachdenken.

Der Trommler glaube ich. Und wir in der DDR mit unseren heiß ersehnten WestbesucherInnen,

die Günter Grass mitbringen. Und den Spiegel.

Man muß wirklich nichts schreiben.

Auch keine Kerzen an die Bäume klemmen und eventuell noch anzünden. Nein, nein.

Wir können es alles lassen, aber wir lassen es nicht.

Vielleicht gerade auch wegen der Enkel.

Es ist wie der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen bringt: Der Tropfen!!!

Aber es ist nicht einfach.

Plötzlich Pause und Unterbrechung.

Es gibt Wichtigeres.

Aber nur, wenn es auch Unwichtiges gibt. Ist doch so.

Nein?

Also zum Beispiel Österreich, diese Protestanten, diese Minderheit. Sie machen Ärger.

Es gibt noch andere Beispiele.

Hesse.

Ich habe ihn das erste Mal – wieder – in Österreich gelesen. Im schönen katholischen Tirol: auf 100 Leute ein Protestant. Die Atheisten lassen wir außen vor.

Sonst wird es kompliziert.

Hesse.

Ich erinnere mich noch ganz genau: Besuch getrickst aus der DDR zu einer Tante, die es nicht gibt.

Hesse.

Pietismus.

Schlag 10.00 Uhr.

Ich renne über die Wiese und spüre die Engigkeit in Baden-Württemberg nördlich von Stuttgart.

Alles gut.

Technik gut.

Mercedes.

Schiller.

Ich fliege über die Wiese, dem Bach zu und ich weiß, hier war Hesse zu Hause.

Und jetzt, also damals Urlauberseelsorge in Tirol – und der Hesse unter meinem Kopfkissen.

Mir war das immer so schwülstig…Aber was soll man machen. Irgend etwas muss der Mensch machen.

Dann bekommt er solch eine Biografie zwischen die Finger…..

Du kannst nicht nur predigen, auch nicht immerzu wandern. Trinken kannst du, einen Wodka unten bei die Russen. Das sind ja solche Gewölbe in Schwaz, wo sie uns einquartiert hatten. Neben der Garage, viel zu teuer für uns.

Aber auf den Berg könntest du.

Ist das wichtig.

Es ist beeindruckend.

Für Kinder auch, Erwachsene, Eltern und Großeltern.

Weiter geht’s.

Weißt du noch, geneigter Leser, wieso es uns nach Baden-Württemberg verschlagen hat im Frühling.

Hesse.

Von Berlin aus.

Von den Kellern aus, wo die Kerzen versteckt werden, damit die Kontrolleure sie nicht finden, die allen unnötigen Kitsch verdammen und Europa zum Opfer bringen.

Inzwischen ist der März vorüber und wir sind am Ende des schönen abwechslungsreichen Monats April, der macht was er will. Stürme. Schneeflocken. Regen. Minusgrade am Morgen.

Plusgrade am Morgen. Erste gärtnerische Versuche. 200 km von hier in Nordsachsen, um nur ja nicht zu versäumen, wenn der Vorsitzende des Kleingarten-vereins das Wasser anstellt, durch jeden Garten persönlich geht, aber wieder umkehrt, wenn der Sturm und die Flocken zu heftig sind kurz vor Ostern.

Also weiter mit diesen Kanistern, die gefüllten Krüge, zum Kochen und Waschen in der Minilaube am Rande von Z., wo die Leute reden wie in Halle an der Saale.

Aber endlich klärt es sich auf und nach Ostern Wasser Marsch aus allen Brunnen und die Leute sind glücklich. Es geht los. Die Saison hat begonnen.

Also Schwaben.

Das schöne Schwaben.

Hermann Hesse.

Die Abendsonne.

Nach den vielerlei Unterbrechungen wegen vieler wichtigerer Dinge als Aufschreiben einer völlig unwichtigen Erzählung über rote oder weiße Kerzen aus Wachs, die nicht mehr konform sind in der EU. Christbaumkerzen. Ah, Christbaum, vielleicht liegt da schon der Hase im Pfeffer, inzwischen im April der Osterhase, das alte Fruchtbarkeitsgeschenk.

Christbaumkerzen.

Der korrekte Ausdruck könnte ja auch anders heißen.

Wir haben länger die Zeitung nicht gelesen, das Radio nicht angeschaltet und den PC mißbraucht als Schreibmaschine ohne die ganze wunderbare Nachrichten- und Reklamewelt, aus der man ja alles erfährt, alles Notwendige.

Nun ja, jetzt hatten wir Ostern, das christlichste aller Feste – wenn da keiner etwas dagegen hat.

Wie sollte er.

Also ich erzähle weiter: Sie erinnern sich – die Biege. Dahinter das Auto von dem Kriminalen und dem Bürgermeister. Der Sand knirscht. Die Kiesel quietschen.

Die Sonne geht langsam auf den Horizont zu. Die Abendsonne.Wir sind im Frühjahr. Und machen einen Kurzurlaub. Hesse hat uns dazu verführt.

Sind wir einen anderen Weg gegangen als den, der zum Dorf führt? Die Biege müßte längst zu Ende sein .

Erst jetzt fällt mir auf, wie der Schlapphut herumläuft, besonders meiner Frau. Sie flüstert es mir ins Ohr: „Sieh dir den einmal ganz genau an und den anderen, bevor es zu dämmerig wird und du gar nichts mehr erkennst. – Wo ist denn nun der Wagen des Geheimpolizisten in Lederjacke?“

Der Ortsteilbürgermeister steckte sich eine Zigarette an, obwohl linkerhand der Wald begann. Aber es stand nicht POLIZEI auf seinem Rücken. Bei beiden nicht. Es war nicht so eng wie in unseren Räumen und Vorräumen zu Hause in Müggelheim (Berlin). Es war Freiheit in Baden-Württemberg, dem Musterländle.

Draußen im Freien gegen Abend bei schönem Wetter.

Endlich der Mannschaftswagen?

Ja, der Mannschaftswagen. Hier würden wir erfahren, was der Geheime uns zu sagen und zurückzubringen hat.

Wir fragten.

Er zeigte auf die Treppe, die „auf Deck“ führt.

Es saßen keine Soldaten auf den seitlichen Bänken, auch keine Polizisten.

Der Planwagen war leer.

„Zoll“, dachten wir. Rauschgiftdezernat.

„Bitte nehmen sie Platz!“sagte der Ortsteil-bürgermeister von Schleendorf, der er natülich nicht war, obwohl er so harmlos aussah.

„Sie wollten uns etwas zeigen?“

„Wir sind extra im Vertrauen darauf, daß Sie uns die Wahrheit sagen, mitgekommen.“

„Ja, wir waren dummerweise auch neugierig“,bemerkte meine Frau resigniert. „Der schöne Abend“, jammerte sie.

„Es wird noch viel schöner werden“, sagte die Lederjacke mit Schlapphut. Die Freundlichkeit in Person im Gegenlicht der untergehenden Sonne

vor der Parkbank.

„Wie meinen sie das?“

„Kommen sie endlich zur Sache, wir wollen nach Hause in unser Quartier. Und ich bestehe darauf, daß wir nicht zu Fuß zurückwandern, sondern Sie uns bitte schön nach Hause fahren.“

Plötzlich packten sie uns und legten uns Handschellen an und fesselten uns – wie den Spürhund – an jeweils eine mittlere Stützstange des Planwagens.

„Wir protestieren!!!“ – im Chor….

Längst waren die beiden Männer im Führersitz und fuhren los. Sie hatten uns gefangen genommen, wie zwei Schwerverbrecher. Sie haben uns angelogen. Zumindest der eine, der sich ständig als der joviale Ortsteilbürgermeister ausgab und mit seiner schwäbischen Zunge schnalzte. Und mit dem Daumen schnippte.Wie ein Berliner aus dem Ostteil der Stadt.

„…hab ich zahlt“, hören wir immer im X69, wenn wieder einmal eine schwäbische Gruppe im ehemaligen INTERSHOP, jetzt MÜGGELSEEPERLE-HOTEL, zu Gast ist.

„…hab ich zahlt“, dachten wir.

Wofür zahlen wir jetzt.

Sind wir schuldig geworden.

Ein Justizirrtum?

Sie hatten uns gelockt in das Dunkel des Waldes und des Abends im Frühling. Wir hatten uns keinen Dienstausweis zeigen lassen.

Wir sind naiv.

Uns fielen die horrendesten Geschichten ein:

Wir werden durch ganz Deutschland gekarrt,

den Rhein hinauf und hinunter…..

Aber erst einmal: sie steckten einen Hund unter die Plane. Er tat uns nichts, sondern legte sich winselnd neben den Eisenfuß einer Holzbank. Auf so einer

saßen wir. Hatten sie ihn aufgelesen, bemerkt im grellen Scheinwerferlicht ihres Holz-Vergasers.

„Aha, sie sind tierlieb und bremsen auch für Tiere.

Das hat man ja bei solchen Leuten“, dachte ich.

Und es fiel mir die deutsche Geschichte ein.

Ja wirklich, vorhin bremsten sie kurz und schmerzlos.

Es war der Hund.

Was wollten sie?

Wollten sie uns vor ein Gericht zerren.

Ein selbst erfundenes oder ein ordentliches.

Wenn er wirklich von der Kripo war, war es schon ganz gut. Wenn…

Und der Ortsteilbürgermeister?

Jetzt hatten sie erst einmal für eine Sekunde die Plane gelüftet, um den Vierbeiner unterzubringen.

„Können Sie uns sagen, was das soll?“, schrie meine Frau die Leute an. Es muß schlimm um uns stehen, sonst würde sie so etwas nicht machen. Es hat mich immer kolossal aufgeregt, wie ruhig sie oft geblieben ist, wo man sich schon mal aufregen konnte, ja mußte, nach meiner festen Überzeugung.

Keine Antwort.

Die Planen waren wieder undurchdringlich geschnürt in ganz raffinierten Mustern. Wahrscheinlich elektronisch untersetzt. Eingebaute Luftschlitze ermöglichten allerdings einen Frischluftzug.

Was sollen wir dem Vermieter sagen im Schwäbischen. Er hatte uns eingeladen zum Frühstück am nächsten Morgen in sein Haus. Er wird sich wundern wegen der Unhöflichkeit. Nur gut, daß wir uns noch einmal umgeschaut haben, wie immer, wenn wir aus dem Haus gehen, als wir die Ferienwohnung verlassen haben. Damit wir sie im Gedächtnis behalten, wenn wir wieder heimkehren.

Man kann ja schließlich einmal eine Nacht wegbleiben.

Das werden die Nachbarn in den anderen Ferienhäusern nicht übelnehmen, wenn sie es überhaupt registrieren.

Jetzt schüttelte es und rüttelte es aber. Es war ein Waldweg. Durch die Schlitze der Plane sahen wir, daß der Himmel sternenklar wurde….

Der Ortsteilbürgermeister stieg aus dem Fahrerhaus und kam zur Plane: „Aussteigen, bringen Sie den Hund mit!Wir machen hier eine Rast.“ Er schloss uns die Handschellen auf und schickte uns in den Wald.

„Hinten rechts sehen sie Toiletten. Die können sie benutzen“.

Tatsächlich sie standen da.

Kultiviertes Land.

Wo waren wir?

Wir wagten nicht zu fliehen. So schlimm war es ja auch noch gar nicht.Wir konnten schreien. Wer hört uns?

Außerdem glaube ich die Geschichte mit dem Hund nicht mehr. Wahrscheinlich ist er abgerichtet für Leute wie uns, wenn sie Angst zeigen und weglaufen.

Gebremst haben sie wahrscheinlich wegen Komplizen, die sie beauftragt haben, ihnen den und den Hund an die und die Stelle zu bringen an unseren Fahrweg.

Was w a r unser Weg?

Wir haben uns getroffen in der Mark Brandenburg, meine Frau und ich, nicht zu weit von dem Bäcker entfernt, dessen Frau so tolle Gedichte redigiert und selber schreibt.

Eines vom ungeborenen Leben.

Eines vom Baum in der Landschaft, der man selber wird.

Man muß nur bleiben in einer Welt des Grau.

Nein mit Grün hat das ganz und gar gar nichts zu tun.

Nur mit GRAU.

Das war lange her.

In Hirschluch.

Sie, die Studentin der Theater-und Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität. Worauf ich stolz bin: Auf die Theaterwissenschaft, wenn auch nur im Zweitfach dazu gemogelt. Auf die Kulturwissenschaft nicht, das war doch nur die Raffinerie der Ideologie, die Umwandlung von Salz in Zucker für das Volk, das sich dann später erhob und schrie:

WIR SIND DAS VOLK.

Kein Wunder.

Sie haben den Zucker, der kein Zucker war, ausgespien, den Polizisten vor die Füße.

Hirschluch ganz in der Nähe von unserem Vorort, wo wir in die Kirche gehen, wo die Spießer wohnen, die Sozialisten im Rentenalter, eine ansehnliche Wählerschicht, die Kopp-Bücher verbreitet und Verschwörungstheorien glaubt, falls ihr alter Glaube ins Wanken geraten ist.

Die Frau des Bäckers heißt Strittmatter, EVA und er, der Bäcker heißt auch Strittmatter, ERWIN, ein wenig pornografisch wie alle Handwerker vom Orgelbauer bis zum Bäcker. Es muß ja schließlich auch flutschen.Was ist wohl flutschen…?

Schreiben, ja schreiben, ruft ERWIN STRITTMATTER auch und legt los mit seinem Wundertäter. Dazu fällt mir nur Ulbricht ein und daß die Leute sagen, er sei der, der aus dem ROT-LICHT kommt in dem neobarocken Leipzig, um die Ecke.

Erwin Strittmatter in der Nähe von Leipzig und Berlin im gesamtdeutschen Maßstab der deutschen Wiedervereinigung: Seele ist Ausdehnung, sagt Konrad Lorenz, der Tierforscher. Na – zwischen Leipzig und Berlin, da gibt es noch Einziges – und Einiges. Die Lausitz, die Oberlausitz, die Niederlausitz.

Wo ist Fontane gewandert?

Wir müßten das prüfen im Internet.

Und den Grafen, nach dem das Eis genannt ist, auch solch ein Frauenheld: Wie war doch gleich sein Name, sein Gesicht?

Seine Herkunft?

Seine Zukunft?

Pückler.

Seine Parks.

So nahe an Polen.

An den polnischen Trödelmärkten.

Mädchen gab es hier nicht wie in Tschechien.

Ah.

Na, ja.

„Allet zwischen Oder, Neiße, Berlin und Leipzig,“ ruft der Berliner dazwischen.

„Da liegt Musike drin!“

Jetzt reden sie wieder alle durcheinander:

„In einem Polenstädtchen.“-

Der Chor.

„Der Grass ist hier auch gewandert.“-

Einer der Quertreiber.

„Mit der SS.“

Muß der das sagen.

In seiner Zwiebelperspektive des Weinens, für das man nicht kann wegen der Zwiebel, sage ich.

Sie ist schuld.

Hitler ist schuld.

Wir nicht.

Der Verbrecher.

Im Krieg, als der schon verloren war.

Da liegt ja auch noch Cottbus, nach dem das Cottbuser Tor benannt ist in Kreuzberg in dem Land Berlin. Kreuzberg mit „Golgatha“, ein wenig darunter, wenn man einkehren möchte. Ich nie, weil – Blasphemie ist nicht meine Sache in dieser Programmtheologie dieser Zeit und Stadt, wo nur noch am Stadtrand die Kirchen nach Heiligen heißen. „Marien“ und „Sophien“ ausgenommen.

Das stimmt.

Ein Glück, würde die Frau des Buchhändlers in der Biedermeierstadt Altenburg sagen.

Jetzt haben wir aber erweitert den Dunstkreis -nach Süden von Leipzig aus.

Am östlichsten liegt Dresden.

Sachsen und Preußen u n s e r Land.

Mein Land Thüringen.

Ihr Land Sachsen.

Aber geboren in der Mark, der Neumark.

Landsberg an der Warthe.

Ich.

Flucht.

Umsiedlung.

Mörsdorf.

Schöngleina. Schöngleine. Ich höre die Kinderstimmen und sehe den Opel P 4 mit dem Tierarzt.

Nein, ich höre ihn. Ein fernes Geräusch zwischen den Hügeln, auf denen jetzt Blockhütten des Sozialismus stehen: Datschen nach russischem Vorbild, damit wir uns ausruhen können nach der Mühe der Ebene. Altenburger hatten dort unter Umständen solch eine Hütte – im Holzland.

Meine Kindheit.

Zuflucht im Pfarrhaus, weil der Krieg jenseits der Oder verloren ist.

„Seele ist Ausdehnung“, ruft der Chor im Wald während der Pinkelpause für die, die hocken muss und den, der im Stehen pinkeln darf, wenigstes im Wald bei den Schwaben.

Schwabenwald?

Oder wo?

Wo sind wir, ruft der kleine Junge, wenn er unter die Kiefer gesetzt wird, weil die Mutter und die Großmutter, die Mutter des Vaters Reisig suchen müssen für den Winter.

Der kommt bestimmt.

Zwitschern diesmal nur die Vögel, ruft nicht auch Rübezahl im Holzland bei Mörsdorf und macht den Schlesiern Mut, die den Krieg hinter sich haben und ihre Heimat.

Und die Russen und die Deutschen.

Die Frauen. Die Männer. Die Kinder.

„Nun aber mal nicht alles durcheinander!“

„Ja, es ist aber alles durcheinander!“ gibt der Chor der Waldgeister dem Schreiber recht.

Und gerade ist Sonntag und wir wollten zur Besinnung kommen, Choräle singen und beten lernen.

Wir dürfen aussteigen aus dem Karren, der uns fährt.

Sie kennen die menschlichen Bedürfnisse und wollen nicht, daß ihr Karren beschmutzt wird weder durch Menschen noch durch Tiere.

Wenigsten dieser Ordnungstrieb hat sich erhalten.

Aber wir haben Angst.

Was wird noch kommen auf großer Fahrt. Wir wissen ja nicht einmal, wer uns fährt. Der Postillion, der Kapo, der Administrator. Eigentlich sind wir ganz weit weg von unserem Urlaubsort in Schwaben im Frühjahr diesen Jahres.

Um Hermann Hesse nachzuspüren.

Eine irre Idee, wo ich ihn nie leiden mochte. Dieses Weichei, bis, ja bis wir den Glockenschlag hörten über der Wiese und wussten: nein, diese Enge in Baden-Württemberg. Das war im Kalten Krieg, wo wir eigentlich andere Sorgen hatten. Aber vielleicht sind das ja die eigentlichen Sorgen, die wir uns nicht nehmen lassen wollten. Einmauern lassen wie den Hund im Mittelalter, der das Haus abergläubisch beschützen sollte?

Wir kamen uns wie der Hund vor.

Die eingemauerten Sorgen.

Nein, er war nur ein Anlass.

Hermann Hesse.

Nicht nur. Es zieht uns immer wieder in diese Gegend, als wir ihn gelesen haben im Süden, in den Alpen, ist uns das klar geblieben. Er hat uns bestätigt, dass wir eine Seele haben.

„Schwaben reicht bis zum Bodensee“, sagt jetzt meine Frau.

Wir steigen wieder auf.

„Wir müssen.“

Der Motor springt an und der Ortsteilbürgermeister entschuldigt sich bei uns für die Entführung. Er sei gar kein Ortsteilbürgermeister aus dem schwäbischen Örtchen, sondern ein gedungener Mörder, der frei herumläuft uns aber nichts tun wird, weil er nichts gegen uns hat.

Im Prinzip nicht.

Dann gibt er dem Kriminalen, der sicher auch nur ein Krimineller ist, das Lenkrad in die Hand von diesem elenden Holzvergaser mit Russenplane, die elektronisch untersetzt ist, und IFA-Motor und sagt: „Weiter!“

Nach einigen Kilometern wagen wir wieder zu fragen, was mit uns wird. Da gibt es nämlich ein Fensterchen, das wir aufmachen können zum Führerhaus.

„Das werdet ihr sehen.“

Der Hund winselt und tut uns nichts.

Es ist Nacht.Wir haben es gesehen.

Draußen im Wald.

Inzwischen wussten wir, es ist unser Schicksal.

Wir wussten nicht was.

Aber – das….

Wir fingen an zu überlegen.

Handy?

Nein.

Unsere Kinder?

Erst nach Wochen.

Wir hatten von drei Wochen gesprochen im schönen Schwabenland, wo die Schilder an der Straße stehen und auf Hölderlin aufmerksam machen, auf Möricke und na – ja: Hesse. Das Idol der Blumenkinder in Amerika.Wir hatten noch viel vor: hinüber nach Frankreich fahren zu den strengen französischen Eltern, wo sie noch Sie sagen, die Kinder, angeblich.

Wo die Eltern bedient werden, nicht die Kinder.

Strasbourg, wo der Troubadour in Goldweste und weißem leinenen Hemd auf Kosten des Staates die Leier führt mit den herzzerreißenden Melodien der FRANZÖSISCHEN REVOLUTION.

„KUNST, KUNST. KUNST…“ ruft der Chor dazwischen, von einer unangenehmen Zeitung

bestellt!

„Freiheit, Freiheit, Freiheit!“, singt die Lorelei und der Hahn pfeift sich eins, die deutsche Henne gackert.

Johanna kannst du pfeifen?

Holde Kunst und holde MUSICA.

Was ist das für ein herrliches Land.

Oder eben hinunter ans Schwäbische Meer.

Oder in die Liederhalle Stuttgart.

Weinberge wie in der Bibel im Gleichnis.

Tabak, daß es nur so kracht in der Gesundheit.

„Wein, Wein, Wein!“-

Aha, der Winzerchor ist durchaus präsent.

Die Raucher? – Keine Lobby!-

Höchstens in der verachteten 2. Welt.

Lettische Tennisschläger… und so.

Wir werden keinen Chor dazu aufmachen.

Obwohl: es kotzt mich an, der Gärtner versteckt seine Zigarette in einem freien Land auf dem Parkweg des Wohnparks in Berlin, den er pflegt.

Wie ein Halbstarker.

Er heißt Karl May.

Ungelogen.

Und die BIBEL bei den Frommen.

Die Pietisten in der Verfassung.

Die Bischofswahl in der Öffentlichkeit.

Jetzt sind wir wieder in Württemberg, nicht in Baden.

Und wir aus Ostberlin.

Ehemals Thüringen/Sachsen.

„Abraham ischt gesegnet“, hören wir noch den Vater des Posaunenchores.

„Nicht nur die Armen“, der Posaunenchor.

Aber nun?

Unter der Plane?

Im Schneckentempo durch den deutschen Wald.

„Wohin geht die Reise“, fragte mich neulich eine Leiterin eines kleinen südwestdeutschen Verlages.

FRAGEN WIR UNS AUCH.

Jetzt.

Heute.

Werden sie uns erschießen, weil wir irgend einen Strich durch eine Rechnung gemacht haben, von der wir nicht wissen, daß sie existiert.

In was sind wir geraten?

Wir schlingern durch den geordneten Wald ohne neuerliche Konzeption der süddeutschen Förstereien.

Das Benzin beziehungsweise das Buchenholz dampft zum Autoschornstein neben dem Cockpit hinaus in die frische Waldluft.

Es schlingert wie auf den Kaliningrader Straßen, wo der Prediger und Chauffeur uns von Schlagloch zu Schlagloch balancierte in seinem nagelneuen Moskowiterauto.

Fahren eine Kunst.

Mit weißen Glacéhandschuhen einer Großmacht, Rußland.

So, genau so, kam ich mir vor. Und erzählte es ausführlich, weil meine Frau nicht dabei war .

Vor Jahren Richtung Ostpreußen, Königsberg, Kaliningrad, eine Abschußrampe für Atomraketen der ruhmreichen russischen Armee.

Das ist Jahre her.

Jetzt ist jetzt.

Wahrscheinlich.

Schwarzwald oder Rhön, oder Taunus, deutsche Mittelgebirge jedenfalls. Die uns verbinden: Ost und West.

Schlingern.

Ist das Gestell hin.

Das Hirschgeweih – haben wir im Volkswagen der DDR gelernt.

Oder habe ich mich damals verhört.

Verführen lassen von der Poesie des DDR-Alltags: Trabant.

Ist das Lenkrad hin.

Die Aufhängung.

Gibt es WISMUT-Schnaps da vorne im Gehäuse.

Und wir unter der Plane, mittlerweile zwei Hunde

unter der Bank.

Was sollen wir sagen?

Was sollen wir tun.

Wir sind entsetzt.

Die Pinkelpause liegt schon lange zurück.

Ja vielleicht ist es immer noch die vornehm durch geforstete katholische Rhön.

Damals ist vor einer Stunde.

Ein Tag.

Ein Jahr.

Ein Mond.

Haben wir geschlafen.

HABEN SIE UNS EIN Gemisch verabreicht aus Kinderlimonade und…

Vielleicht.

Vielleicht.

Vielleicht.

Sind wir Tage unterwegs.

Jahre, Monate, Jahreszeiten.

Ach ja, das Fenster, wie ein Zeitfenster.

An der Decke des alten Armeelasters.

Was machen der Geheimpolizist und der Ortsteilbürgermeister mit uns.

Sie wollen uns quälen.

Bestrafen.

Der Weg ist das Ziel, wenn man kein Ziel hat.

„Goethe hat recht“, tönt der müde und immer matter wirkende Chor der Waldgeister.

Sie verstehen auch die Welt nicht mehr.

Eigentlich müssten sie keifen.

Sie sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren.

Warum nicht.

Es wird eben sachlicher.

25 Jahre deutsche Einheit ist ja auch genug, daß man sich wieder beruhigt.

Oder sind sie da vorne, der Kriminale und sein Gegenteil auch längst ausgewechselt worden von einem Geheimdienst, der selber längst ausgewechselt worden ist, weil er nicht länger zu rechtfertigen war.

Solche Fragen stellen wir uns.

Nichts ist zu vermitteln.

Wie es heute so schön heißt.

„Ja, ja besser unter einer Russenplane im Schwarzwald als im falschen Blätterwald Berlins!“, tönt es aus einer Ecke des Carrés,

War das der zugelaufene Hund.

Der wirkliche Mephisto.

Wir sind Faust.

Na, na.

Nun ist es aber wieder gut.

„Satiriker allet!“

So ein Berliner, der Köter.

Die Ecken scheinen besetzt unter den Bänken.

Quark, Quark.

Was für ein Wagen.

Wir gucken uns groß an und nehmen uns vor,

mehr auf die sogenannten überflüssigen

Stimmen im Marktkonzert zu achten.

Auf Fahrt.

„Thespis, Thespis!“, jetzt erwachen die Geister zu neuem Leben im Wald, im Wald.

Die Plane ist durchlässig.

Karre, karre dich durch die Landschaften Germaniens, wo vielleicht die Imperialisten geschlagen worden sind von den Thüringer Ersatzheeren, als die Römer frech geworden, sim, sim, sim.

Simsalabim.

Durch die undurchdringlichen Wälder. Wir schmiegen uns ungewöhnlich eng aneinander.

Weil wir nicht wissen, was kommt.

Schicksal.

Plötzlich lichtet sich der Wald.

Wir hören sein Rauschen nicht mehr weiter.

Elektrischen Licht fällt durch das Zeitfenster.

Kein Geräusch mehr von Gesträuch an den Seitenplanen.

Hört der Waldweg auf?

Wähnen sich die Fahrer, Gangster in Sicherheit.

Öffentlich auf einer Stadtautobahn.

Wir wollten uns doch gerade in des Waldes Dunkel

und Licht und seiner Dämmerung unsere Geschichte,

unsere Rebellion in Erinnerung rufen.

Jetzt Geschwindigkeit.

Anhalten.

Der Schornstein wird als Kulisse überflüssig und abmontiert.

Ein tolles Stilmittel.

Schade.

Sie schieben ihn zu uns in den Waggon.

Wir stellen die Füße darauf.

Nichts da.

Es wird eine Treppe besorgt, sogar die.

„Bitte!“, der Fahrer.

Wir steigen ab.

„Sie können jetzt das Weite suchen!“

Pause.

„Allerdings, wir finden Sie, jederzeit.“

„Falls Sie uns wieder in die Quere kommen!“,

tönt es vom Beifahrersitz aus.War das immer noch

der Kriminelle aus Schwaben.

Wir erkennen sie nicht mehr.

Wir standen unschlüssig.

Sie schoben den Transporter noch näher an den Straßenrand. Er stand vollkommen abschüssig.

„Geht!“

Wir gingen.

Zurück.

Nicht ins Helle, sondern dahin, wo wir meinten, hergekommen zu sein.

„Geht!“

„Schneller!“

Dann krachen Schüsse.

Wir schmeißen uns auf den Boden.

Die Kugeln pfiffen über uns hinweg.

Sie hätten uns treffen können.

Alles wegen roter Kerzen am Christbaum in Müggelheim?

Weil die Mitbewohner das nicht mochten von wegen der Sicherheit.

Ganz bestimmt n i c h t!

Und wegen uns verkleidet und austauschbar hinterher gereist.

In das Land Hermann Hesses, eines Schriftstellers, der uns nie viel gesagt hat.

Aber pflichtgemäß kundig gemacht.

Sein Leben ernst genommen.

Und unseres?

Wir wagten wieder aufzublicken.

Sie stiegen in einen Flitzer um.

Ein Dritter hat ihn aus Straßburg gebracht.

Der Planwagen stand schräg.

Beleuchtung fahl.

War hier die Grenze.

Wir kennen uns überhaupt nicht aus.

Außer in Berlin-Ost, Brandenburg, Mecklenburg, Thüringen, Sachsen.

Auch Sachsen-Anhalt, nicht so.

Was sind wir doch für eingezwängte Leute gewesen.

Die Hälfte unseres Ehelebens hinter Stacheldraht.

„Die Freiheit ist nicht so einfach“, stellen wir immer wieder fest und seufzen.

Der Wald verschluckt uns wieder.

Wir haben einen langen Marsch vor uns.

Nur keine Panik. Bald sind wir zu Hause.

Wir tun so, als ob nicht passiert ist, wenn wir den Ort finden, wo wir zuletzt saßen auf der Bank in der Wegbiege, um zu schauen, wie der Feuerball des Herbstes hinter dem Horizont verschwindet und uns zurück läßt in unserer Einsamkeit zu zwein.

Wir werden es den Wirtsleuten ein paar Häuser weiter erklären, wenn wir sie finden.

Aber wir bleiben nicht länger, wir brechen ab

und reisen.

Und nichts falsch machen, sonst finden sie uns, denkt jeder von uns beiden, aber sagt es nicht.

Schweigen im Walde.

Im wieder deutschen Wald?

Wer sind sie und wer sind wir?

Kalendergeschichte Juli

Endlich frei

Nach einer Weile des Wanderns im Zwielicht der Ungewißheit und des eben noch Erlebten eine Lichtung im Wald und wir suchen uns Steine, auf die wir uns setzen und warten.

Wir haben keine Landkarte und keinen Kompaß.

Wir sind ja von einer Parkbank im Schwäbischen entführt wurden, als die Sonne im Sinken begriffen war und wir gerade in unser Quartier zurückwollten , uns vorlesen wollten aus dem Club der toten Dichter oder Hermann Hesse, nachdem wir französischen Wein, Käse und deutsches schwarzes Brot aus dem Gästekühlschrank bescheiden aufgetafelt hätten

auf dem quadratischen Tisch am Fenster nach Osten,

wo die Sonne aufgeht.

Allmählich fiel uns das alles wieder ein, wie weiße Flocken, die von einem grauen Himmel fallen.

Was hatten wir erlebt.

Inzwischen.

Ist das alles wahr?

Oder Einbildung.

Es ist wahr und keine Einbildung.

Wir müssen uns wappnen.

Von was hatten wir gelebt.

Gab es eine Rationierung.

Oder haben sie uns in einen Tiefschlaf versetzt mit einer Dreifachspritze, in der auch Ernährung inbegriffen war.

Wie lange wird das vorhalten?

So einsam ist Deutschland nicht.

Nicht wie in den Märchen der Gebrüder Grimm, wo

der Wald kein Ende nimmt und des Rätsels Lösung

die Hexe ist, ohne die es kein Überleben gibt.

Die Hexe, die Brücke.

Die Hexe zum Überleben.

Allerdings: Immer der Kampf mit ihr.

Der siegreiche Kampf.

Die Eroberung des Terrains.

Nur dann kommt der Schwan

und die Kiesel leuchten im Mondlicht.

Und die Eltern ändern sich.

Kein Hexenhaus in Sicht.

Kein Pfefferkuchen.

Windstill.

Dort, ein Wartehaus.

Und da kommt er schon, der lustige Bus der deutschen Mittelgebirge, um uns aufzuladen, gegen ein geringes Entgelt.

Der Postbus, dachten wir.

Niemand in dem Bus.

Außer der Kraftfahrerin in schickem Hemd und roter Schleife.

Gut gemacht.

Wir fassen uns an der Hand und steigen ein.

Wir fassen Mut.

Es wird schon nicht wieder etwas passieren.

Eigenartigerweise hat uns die Fahrerin nicht gefragt, wie weit wir wollen. Wahrscheinlich verkauft sie Pauschalkarten für einen Weg ins Unendliche. Mindestens für ein Bundesland.

Wir hatten ja auch wirklich unsere Seniorenkarte dabei.

Bestens versorgt.

„Es muß ein Touristenbus sein, der angemeldete Mitreisende aufsammelt für eine der schönsten Reisen der Welt“, sagten wir uns.

Denn nach einer Weile des Fahrens wurden wir noch einmal begrüßt: „In unserem Luxusbus mit vier Sternen auf der Fahrt von Warnemünde, Rostock, Berlin nach Paris über Luckenwalde, Chemnitz, Thüringen, Saarbrücken!“

„Fahren Sie wohl!“

Eine eigenartige Ausdrucksweise: „Fahren Sie wohl!“

Es wird wohl eine Ausländerin sein,

die es besonders schön machen wollte.

Es war die Fahrerin.

Wie sie sparen!

Auch hier.

Wir hatten die Gruppe nicht wahrgenommen.

Oder waren sie so hinter den hohen Lehnen versteckt in ihrem geübten Reiseschlaf, daß wir sie nicht sehen konnten nach dem, was wir erlebt hatten.

Völlig benommen.

Verängstigt.

Es wurde immerhin geschossen an der Grenze.

Wir waren an einer Grenze angekommen.

An unserer eigenen Grenze.

Und liefen wie Ausgesetzte und Verschonte von Baum zu Baum, von Strauch zu Strauch.

Taumelten vor Glück, daß die Schüsse, absichtliche oder nicht, uns nicht getroffen haben.

Es waren doch Schüsse, die wir gehört haben?

Oder?

Der Transporter stand doch schief am Straßengraben und die Gangster entfernten sich?

Sie sollten uns einen Schrecken einjagen.

Das war ihnen nicht nur gelungen.

Wir sind fassungslos.

Wir sehen Gespenster.

Wir sehen den Gespensterbus.

Und dabei ist es ein Bus auf der Fahrt in die Stadt

der Liebe.

Oh.

Wir sehen, daß er leer ist.

Dabei verstecken sich die Insassen hinter ihren hohen Lehnen.

In der Dämmerung.

In der Nacht.

Das Licht ist ausgeschaltet.

Die Scheinwerfer draußen suchen den Weg.

Vornübergebeugt der Fahrer,

die Fahrerin jetzt neben ihm.

Aha, ein Wechsel hat stattgefunden.

Der Beifahrer ist nach vorne gekommen,

er hatte auch einen Gästeplatz

hinter einer Lehne auf der vorletzten Reihe.

Gleich neben uns.

Erst als er sich ächzend erhebt, bemerken wir ihn.

Die Fahrerin bleibt vorn.

Mit der Zeit werden wir müde und schlafen ein.Wären wir wach geblieben hätten wir uns an die Dunkelheit gewöhnt und die Gesichter hinter den Lehnen erkannt.

Zudem huschte ab und an der gute alte Mond an den Fenstern vorbei und traf mit seinem Strahl den einen oder anderen.

Sie werden uns wecken, wenn wir am Ziel sind.

Dann werden wir weiter sehen.

Kalendergeschichte August

Auf einmal fanden wir uns wieder in jener riesigen Höhle. Sie haben uns aufgelesen mit vielen anderen. Das kann ein Vergnügen werden.

Wie viele Tage waren wir eigentlich allein unterwegs mit dem Kommando, welches uns von unserer Aussichtsbank – der untergehenden Sonne entgegen – aufgelesen hatte und uns unter einem fadenscheinigen Vorwand weggelockt hatte zu einem Fahrzeug,

das sich als ein Vehikel der besonderen Art herausstellte: nämlich ein Gefängnis.

Es war ein Transporter für Gefangene, zeitlos, geschmacklos, stillos. Einmal Benzin, einmal Diesel, einmal Holzvergasung.

Keine Pferde, nein.

Nur Neuzeit.

Mehrteilig im Antrieb.

Ein Kunstwerk vielleicht auch.

Wer weiß.

Darin wurden wir herumgefahren, bis uns schwindlig wurde vor lauter Interesse und Freiheit und Gefangennahme, knurrendem Hund – der arme – unter den Pritschen zum Liegen, Schlafen und Sitzen.

Wir saßen ein am Tag.

Wir saßen ein in der Nacht.

Aber wir sind sie wieder los geworden.

An der Grenze zu Frankreich.

Zwar gab es noch eine Schießerei.

Wer weiß, wem sie wirklich gegolten hat.

Wir konnten uns zurückziehen und hofften,

sie würden nicht zurückkommen

in ihren Lederjacken und Kostümen.

Die beiden.

Immer dieselben.

Wer weiß.

Wir liefen und liefen.

Immer gefaßt an den Händen.

Wie Hänsel und Gretel.

Die Alten inzwischen.

Vielleicht hatten wir uns in‘ s Gras gelegt an einem lauen Sommerabend. Da waren sie und nutzten ihre Chance. Natürlich haben sie immer auch ein Betäubungsmittel zur Hand.

Sie brauchen nur die Nacht abzuwarten.

Nein, so war es nicht.

Das Haus in Schwaben für eine Auszeit als Ziel der Rückwärtsbewegung?

Es war zu gravierend an der Grenze.

Wir müssen uns durchschlagen bis in die Kiefernwälder des Nordostens, um schließlich in unsere Stadtwohnung zu gelangen am südöstlichen Rand Berlins.

Wir sind eingestiegen in den Linienbus.

Ganz freiwillig.

Endlich in ein System.

Endlich ein Fahrplan.

Endlich eine Haltestelle.

Wir haben gewartet.

Wir waren viel zu müde.

Wir sind eingestiegen in den Ferienbus.

Wir sind eingestiegen in den Bus, der sein Ziel kennt.

Die Stadt der Liebe.

Paris.

So ist das.

Wir sind eingestiegen in den Bus der Liebe

L‘ AMOUR.

Wir hatten schon viel vom Jüngsten Gericht gehört

und gelesen.

Die Bilder gesehen.

Zur Rechten und zur Linken.

Schafe und Böcke.

Christus der Weltenrichter.

Wir hatten uns schon viel zu sagen gehabt unterwegs

in dem umgebauten Mannschaftswagen

aus seligen DDR-Zeiten, als sie uns durchgeschüttelt hatten auf holprigen Waldwegen.

Jeder hat seine Geschichten erzählt.

Und jetzt diese Höhle, in der wir aufwachen.

Ku Klux Klan?

Ein etwas höher angelegtes Schiedsgericht?

Die Weisen aus dem Morgenlande?

Eine Gerichtsbarkeit, wie wir nicht kannten.

Situation um Situation spielten sie uns vor.

Es waren schlecht bezahlte Schauspieler und auch Schauspielerinnen.

Das ist nicht selbstverständlich.

Schauspielerinnen waren lange Zeit verboten.

Und überhaupt das Schauspiel.

Im katholischen Paris mußten die Rollen gesungen werden.

So entstand die Oper.

Oder es waren die Simultanspiele, die Mysterienspiele, die verkündigten, was gut und böse sei.

Hier in der Höhle haben wir es mehr

mit Schulbeispielen zu tun.

Wie aus der reformatorischen Tradition, um die rechte Lehre besser und einfacher „herüberzubringen“.

Ab und zu rieselte der Kalk von den Seitenwänden und die Flammen der Fackeln legten sich, richteten sich dann aber wieder auf.

Es war also nicht so schlimm mit der Zugluft.

Uns hatte man auf eine Bank gewiesen,

die nicht so furchtbar stabil schien.

Aber besser die, als gar nix…

Vielleicht war diese Bank

als Erziehungsmittel geeignet:

wir mußten schön still sitzen.

Die erste Situation

Ein Mädchen, das schmollte, weil sie fand, nicht genug geliebt zu werden.

Das ging wohl in meine Richtung.

Ich hätte sie ja auch mehr lieben können.

Demütig schaute ich nach unten

Meine Frau tröstete mich.

„Siehst du, jetzt weißt du, was du falsch gemacht hat.“

– Pause – „Damals“…

Blackout.

Alle Scheinwerfer an.

Mit der Dunkelheit war es jetzt zu Ende.

Der anwesende Richter gab ein Zeichen.

Er schnipste.

Und sieben andere Richter strömten aus den Ecken des Raumes und beratschlagten mit dem Obersten der Richter, wie diese kurze Szene zu bewerten sei.

Während sie beratschlagten,

ein Blick auf die Darsteller.

Sie setzten sich in den Sand und warteten,

ihnen jemand den nächsten Text in die Hand drückte.

Wie von Geisterhand wurde dem Anführer

eine Rolle gereicht.

Ein großer zusammen gerollter Bogen, eng beschriftet.

Er bat zwei seiner Mitspieler, ihm zu helfen,

das starke Papier am oberen Ende fest zu halten,

damit er es „aufrollen“ konnte in der Manege.

Sie lesen.

Und nicken sich zu.

Sie verteilen die Rollen für die nächste Geschichte.

Jetzt durchflutet helles klares Sonnenlicht den Raum.Vielleicht kam das Licht von oben und nicht aus diesen widerlichen Großscheinwerfern, auch nicht von den Fackeln, die dem Ganzen einen Hauch von Jugendveranstaltung gaben.

Ein junger Mann sitzt am Klavier und spielt und spielt.

Plötzlich springt er auf und rennt in die Tiefe der Höhle und reißt dort ein Fenster auf.

Der Wind fing an zu wehen und alle mußten ihre Hüte fest halten, der Regisseur die Rolle auf dem Sand, auf die er sich vorsichtshalber legte.

Der jetzt verstärkt herabrieselnde und vom Wind getriebene Kalk legte sich auf alles.

Auf die Gesichter, auf die Spieler.

Auch auf uns.

Ich fing an mich zu erinnern.

Ich liebte ein Mädchen über alle Maßen.

Aber ich wagte nicht, es ihr zu sagen.

Immer kam mir das Bild des russischen Bauern vor die Augen, wie er eine selbst geschnitzte kleine Ente fast den Nacken einer jungen Frau berühren ließ.

Aber dann abließ mit seinen Versuchen,

sich dem Mädchen zu nähern.

Das Mädchen konnte ihn nicht wahrnehmen.

Sie konnte seine Zärtlichkeit nicht bemerken, die er ihr schenken wollte.

Er wagte nicht, sie zu berühren.

Ja, da riß ich das Fenster auf und ließ die kleine Nachtmusik über das ganze Tal erschallen, daß sie hinüberreichte bis in die Kammer.-

Meine Frau fragte mich, warum weinst du, es ist doch eine so schöne Musik, die der junge Mann da zaubert an diesem Ort.

Auf einmal ist es ein guter Ort.

Ich schaute sie an und nickte ihr zu.Wie recht hatte sie.

Plötzlich schlug das Fenster im Finstern zu und augenblicklich legte sich der aufgekommene Wind.

Und der Kalkstaub fiel von uns ab.Und die Gesichter waren nicht mehr weiß und verkalkt, sondern braun, rot, fahl, blass, gesund, krank. Mit stechenden Augen, mit freundlichem Blick.

Ob es nun die Richter waren, alle wieder getaucht in das Halbdunkel.

Die Luke hoch über uns wurde wieder geschlossen.

Ob es der Oberrichter war.

Die Spieler rollten die Rolle wieder ein und übergaben sie dem Spielmeister.Wenn ich mich nicht täusche, wurde ein Gefährt von oben herabgelassen.Auf seine Ebene wurde die Rolle gelegt und nach oben gezogen.

Die Truppe konnte sich erst einmal wieder

zurückziehen.

Wir warteten auf den Richterspruch.

Aber es kam keiner.

Der Sekretär hatte seinen Block gezückt

und sich Notizen gemacht.

Wahrscheinlich ist alles noch längst nicht zu Ende.

Die Richter setzten sich auf die Bänke uns gegenüber.

Wahrscheinlich schliefen wir ein,

nachdem sie uns eine Tablette gegeben hatten.

Eine Mehrfachtablette mit mehrfacher Wirkung:

Nahrung, Gesundheit, Schlaf.

Nachts wachte ich auf.

Eine Fackel an der Höhlenwand

leuchtete spärlich den Raum aus.

Wir waren allein in der Höhle.

Wahrscheinlich hatten sich die Mitspieler

und die Auswerter des gezeigten Spiels in bequemere Gemächer zurückgezogen.

Wir lagen auf einer Kamelhaardecke vor unserer wackeligen Bank.

Ich dachte an Flucht. Aber es gab keinen Ausgang.

Auch keine Leiter, um an die Luke in großer Höhe heran zu kommen.

Die Luke wird von außen gesehen solch eine kleine Betonerhöhung in der Landschaft sein. Wie man sie oft findet, um die Kanalisation ab und an mit dem Tageslicht zu verbinden. Dann müßte jemand von außen auf Signalton den Deckel wegschieben,

oder dergleichen.

Wie war das mit dem Flutlicht der Sonne und des Sommers.

Es gab ja sogar Schatten, wie draußen.

Dann verbinden uns die Schatten mit der Welt

da draußen.

Ich weiß noch wie ich die Jugendlichen das Gruseln gelehrt habe über der Existenzphilosophie der Griechen: Wir alle sitzen im Blues.

Das ist die platonische Höhle.

Aber Christus im Grab. Rolling Stones.

Der Stein ist weg.

Christus im Licht.

Ich bin wieder eingeschlafen. Gott sei Dank.

Keine Leitern an den Wänden.

Kein Ausgang.

Vielleicht liegen wir in der Tiefe der Höhle,

an ihrem Ende.

Und die Akteure von außen, von draußen, aus dem gleißenden Licht der Scheinwerfer und der Sonne.

Wir sind die Gefangenen.

In Untersuchungshaft.

Das Gefängnis ist eine rotbraune Erdhöhle mit Kalkelementen.

Aber sind wir nicht in der Bundesrepublik Deutschland. Mindestens in Europa. Nahe der französischen Grenze oder der belgischen.

Es wird wohl eine der vielen Erziehungsmaßnahmen sein, die sie anwenden, bei Leuten,

wo der Gesetzestext versagt.

Hoffen wir es.

Gibt es eigentlich Anwälte in dem Spiel?

Die zweite Situation

Auf einmal taghell.

Wir werden wachgerüttelt von Kapo-Leuten,

die wir kennen aus allen Zeiten,

die uns zugänglich sind.

Verkleidet?

Ja, es waren die Schauspieler.

Einer tanzte als Clown an uns vorüber.

„Der Bagger!“ riefen sie im Chor

„Der Bagger, der Bagger!“

„Der Baggerfahrer!“

„Eine zwielichtige Gestalt“, flüstert mir eine Tänzerin ins Ohr.

Die Richter in ihren Roben erheben sich müde

von ihren Bänken gegenüber.

Wir hatten sie völlig vergessen.

Aber sie waren noch da.

Hatten sie kein zu Hause?

Tatsächlich, ein Bagger schob sich langsam nach vorn, geradewegs auf uns zu. Es war eigentlich kein Greifarm, der märkischen Sand oder Thüringer Erde oder Geröll in den Alpen in seine Schaufeln nahm und sie herüber schwenkte auf den bereit stehenden Lastwagen. Dazu war es hier zu eng, jedenfalls nach jetzigem Ermessen.

Nein, es stand da ein Prediger auf der kleinen schwenkbaren Hebe-Bühne, mit Gitterstäben gesichert.

Er fuchtelt und fuchtelte.

Aber wir verstanden kein Wort.

Vielleicht sollte er singen.

Jetzt wurde der Motor abgeschaltet vom Baggerführer mit Helm. In Schwarz-Gelb.

Die Bühne senkte sich auf den Boden.

Der Clown sprang und öffnete das Gittertürchen für den Neuankömmling.

„Hoch lebe der Neuankömmling!“, riefen die Schauspieler und Schauspielerinnen.

„Bravo“, riefen die Richter in ihren Roben und klatschten dezent, dann aber mehr und mehr.

Ja, mit den Füßen stampften sie irgend einen Takt.

Dem Neuankömmling wurde ein Ehrenplatz zugewiesen.

Allmählich stellten die Beleuchter wieder dieses eigenartige Dämmerlicht her, wie es heute allgemein beliebt und beliebter wird.

Der Mann mit Helm stieg vom Bagger herunter, ein hellgelbes schönes Fahrzeug, und mischte sich

unter die Truppe.

Er war der Mittelpunkt. Unbestreitbar.

Die Damen umgarnten ihn.

Er flog auf Frauen, hatte man den Eindruck.

Der Spielführer erschien mit einem silbernen Tablett und überreicht ihm einen Wismutschnaps.

Dann kam ein Bäcker und bot Salzbrezeln an.

Nachdem dieser kleine Empfang glücklich überstanden war, wurde das Licht noch weiter heruntergeschraubt.

Man sah nichts mehr.

Wir legten uns wieder.

Die Roben wurden unsichtbar.

Und der Kumpelmann rief: „Licht aus, Licht aus…!“

Ein unanständiger Kinderreim aus meiner Jugendzeit, aus glücklichen Dorf-Kinder-Tagen.

Er schien aber auf sein Gefährt zu steigen.

Grelle Scheinwerfer.

Motor heult auf.

Rückwärtsgang.

Jetzt schien es mir, ich würde sein Gesicht,

diese Maske wieder erkennen.

Ja, als winkte er mir zu.

Dann dreht er sich um.

Er mußte den Weg aus der Höhle finden.

Wir konnten nicht mehr schlafen. Wenn auch das Licht ausging und heruntergeschraubt wurde auf Null. Stockfinsternis. Es wurde gehuscht und getuschelt.

Wir legten uns neben unsere Bank wie schon gehabt. Die Bilder tanzten an uns vorüber.

War das ein Event, den das Reiseunternehmen organisiert hatte, für das der Bus fuhr, der uns aufgelesen hatte und dem wir uns anvertrauen wollten.

Natürlich wußten wir nicht, wer wirklich in dem Bus saß. Und wir wollten es gar nicht wissen. Jedenfalls nicht so genau. Wir wollten einfach nicht mehr laufen und hofften so mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, daß wir Orientierung und Hilfe bekamen,

wie wir am besten zurückfinden konnten.

Es mußte Schnittmengen und Schnittlinien geben, Kreuzungen, wo man entscheiden konnte, in welche Richtung man umsteigen wollte.

Bis wir merkten, das war kein Linienbus, sondern ein Bus des Himmels und der Erde.

PARADISO. Ein Gefährt der Freude. Der Liebe und der Hoffnung.Keiner wollte uns sagen, wohin die Reise geht. Es war ihr Geheimnis.Wir konnten den Bus auch nicht anhalten, höchstens, daß es zu einem Halt kam, weil die Passagiere das in ihrer Mehrheit verlangten wegen Notdurft, Bewegung und frischer Luft.

Das muß eingeplant werden, auch von den verrücktesten Unternehmungen der Werbebranche,

die die Welt beherrscht. Nun warteten wir auf den Halt, um uns dann dort zu erkundigen, wie es weiter geht.

Vielleicht gab es ja auch eine Tankstelle, einen Imbiss, einen Grenzübertritt, einen freundlichen Tankwart und entgegenkommende Verkäuferinnen und Verkäufer.

Und nun waren wir hier in der Kleistschen Höhle des Käthchen von Heilbronn. Mystisch, verkehrt. Gelb, Schwarz. Da – es schien einen Totenkopf auf einem Faß zu geben.Gab es einen Mond, der bis hierher seine Strahlen sendete, daß die Uranfässer anfangen konnten zu fluoreszieren? Wollen Sie uns zeigen, wo das Millionen-Atom gelagert wird. Schon der Bagger kam mir verdächtig vor.

Mein Frau stieß mich an:

„Rezitiere dein jüngstes Gedicht! Bitte!“

Ich tat ihr den Gefallen nicht.

Sondern schwieg.

„Erzähle du eine Geschichte!“

Plötzlich huschte der Strahl einer Taschenlampe

über unsere Gesichter.

Wir verhielten uns ganz ruhig und taten so,

als ob wir schliefen.

Wir mußten mitspielen. Wohl oder übel.

Entweder einer der Richter in seiner Robe, auf seinem Schlafplatz – es erging ihm so wie uns, er konnte keinen Schlaf finden -, aber nein, es war mit Sicherheit eine Schauspielerin, die auch gleichzeitig als Tänzerin angestellt war, das belastet das Budget weniger, – jedenfalls wurde ein Lied gesungen, von einer Harfe begleitet:

Das Schlaflied.

Flaches Land. Flaches Land

wie bist du abgebrannt.

Wolltest aufsteigen in den Himmel

bist geblieben bei der Bimmel:

Immer dasselbe.

Immer dasselbe.

Dein Bäume wuchsen bis in den Himmel

Der Sturm hat sie entwurzelt

Der Gärtner gestutzt

mit scharfer Scher.

Die Grenzenlosigkeit war dein Ziel

Welch ein Unterfangen.

Es gibt sie nicht.

Weil alles endlich ist.

Trotz Goldener Raketen

und Bällen, die um den Erball kreisen.

Flaches Land.

Nagel deine Zäune dicht

Miss deine Entfernungen aus

Damit du berechenbar bleibst

für deine Bewohner.

Allmählich konnte man nichts mehr verstehen.

Weder an Text noch an Melodie.

Die Sängerin entfernte sich in die Richtung des Baggers. Sie hatte den Ausgang gefunden.

Wir sahen uns an, so gut das ging in der Finsternis

der Höhle.

Das Lied war gut.

Jetzt war es ganz verklungen.

Als der Bus hielt in einer flachen Weingegend, war es gegen Morgen. Wir waren ja mitten in der Nacht zugestiegen.

Es gab keinen Imbiss. Aber Wasser.

In einiger Entfernung Chemietoiletten.

Dann Aufstellen und Abmarsch zwei und zwei.

Wir waren nicht mehr allein.

Wir waren ein Kollektiv.

An einer Kurve des Feldweges war ein Verpflegungspunkt aufgebaut.

Wir konnten im Gehen etwas essen,

wie bei einem Langstreckenlauf.

Alles sehr ungewöhnlich.

Da am Horizont ein Schacht mit einem Fahrstuhl in die Tiefe. Das war die Attraktion. So sind wir hinunter- gekommen und liegen nun mit Spießen und mit Stangen. Verschollene Goldgräberinnen, verstohlene Tänzerinnen, verlegene Spießer und ein paar Profis, von denen aber niemand weiß, wer es wirklich ist, werden uns unterhalten und ihren Prüfungen unterziehen.

Du kannst niemanden ansprechen….

Alles schläft.

Uns fallen die Hunde ein, die in unserer Kutsche saßen, von der wir nicht wußten wie sie wirklich angetrieben wird. Ein Vehikel. Aber das ist ja jetzt vorbei.

Oben einen schöne flache Weingegend in Deutschland (noch) und ein komfortabler Liebesbus, der uns in die Stadt der Liebe bringen wird.

Aber wir müssen erst diese Prüfungen bestehen.

In diesen Schacht fahren, Angstproben bestehen von wegen Fässern mit einem Totenkopf als Symbol, gelb – schwarz, notdürftig beiseite geräumt, damit die Tänzer und Tänzerinnen genügend Raum und Zeit finden für ihr und unser Vergnügen: Tanzen.

Aber sie schlafen nun auch oder entwickeln in einem Nebengang ein Konzept, wie es weitergehen wird.

Ich bin gespannt, denn auch das Theater der Worte und Gesten ist eine Option in der Dämmerung dieser Höhle, in der wir keine Schatten sehen, wenn wir nach oben schauen.

Zu tief.

Wegen des Atoms.

Hat die Atombehörde der Bundesrepublik Deutschland diese Höhle freigegeben für gruppendynamische Übungen, verpachtet an Busgesellschaften,

die den Kick suchen für ihre zahlenden Gäste.

Eine Unterbrechung, die sich sehen lassen kann.

Dann haben sie liederlich gearbeitet beim Beräumen. Oder sie sind noch mitten dabei.

Siehe der GELBE BAGGER. Die Endlagerung scheint zu klappen und über Neunutzungen kann nachgedacht werden.

Wir sind die Neunutzung. Wir – die Menschen.

Wir, die etwas erleben wollen. Hart an der Kante.

Das Schlaflied ist gesungen.

Wann werden die Richter das Signal geben und den Urteilsspruch verkünden.Wir nehmen an, sie arbeiten nicht daran, sondern schlafen den Schlaf der Gerechten.

Ungewöhnlich früh schrillen tausend Wecker und wir werden aufgerufen durch den Lagerfunk, uns in die Duschräume begleiten zu lassen, damit der Richterspruch vollzogen werden kann. Die Richter in Perücken und Roben – bis zur Unkenntlichkeit verkleidet – kommen uns gestriegelt und gebügelt entgegen auf dem Weg zu den Duschkabinen.

Ihre Mienen sagen uns nichts. Vielleicht haben sie Masken auf.

Meine Frau sagt, ich soll das Dritte Reich meiden.

Nicht schon wieder.

Auch das noch.

Aber es ist eine Geschichte. Von lange her.

Mit meiden ist da nichts.

Es ist das Quantum, sagt uns der Richter in Gera.

Extra aus Berlin gekommen. Ihr habt ja recht…

geben wir uns mühselig zufrieden, weil ja die Richter und Oberstaatsanwälte auch schlafen möchten, wie die Funktionäre in der DDR – so ein Oberkirchenrat in der Arbeitsgemeinschaft: Arbeit auf dem Lande.

Da müssen wir quantifizieren und dürfen nicht absehen von den Volumina der Verbrechen.“

EINTAUSEND VERBRECHEN SIND SCHLIMMER ALS EIN VERBRECHEN.

Das muß Berücksichtigung finden in der Beurteilung.

Ja, ja, ja!“ ruft der Chor.

Aber im Ansatz ist es doch dasselbe!“, ruft der Gegenspieler.

Der Gegenspieler bin ich. Der Haarschopf auf meiner Seele wird grau und die Haare stehen zu Berge vor Grauen, was das wohl bedeuten würde.

Einen Juden umbringen ist nur kriminell und überhaupt – die Judenfrage.

Viele Juden – das ist der HOLOCAUST, die SHOA.

Mit gutem Gewissen (Pascal).

Die DDR war nur kriminell.

Nein, nein, nein!“ rufen wir.

Was denn.

Ungewöhnlich früh schrillen tausend Wecker und rufen zum Appell. Wir schnellen auf wie gute Pioniere und rennen in die Toiletten, um uns hübsch zu machen für die Weiterfahrt.

Denn es soll ja weitergehen mit dem Bus da oben, in die Zukunft der blauen Berge und unendlich weiten französischen Felder. Wahrscheinlich läuft sich der Motor schon warm und der verantwortliche Fahrer schaut nach dem Rechten.

„Schnell, schnell!“ rufen wir uns alle zu und die Richter stehen schon in Reihe mit den Protokollen ihrer Nachtberatungen in Händen.

Frühstück ist nirgends zu sehen.Die Tänzerinnen und Tänzer werden im Morgenlicht die Klapptische aufgestellt haben vor dem Transportmittel und der Reiseleiter ist unterwegs über die Grenze, um uns einen ersten Vorgeschmack französischer Küche zu vermitteln. Wir werden in alter DDR-Manier sammeln in einer Mütze, um uns bei ihm extra zu bedanken.

Endlich sind wir alle versammelt und erwarten den Spruch.

Oben betätigt einer – von außen – die Klappe, so daß Morgensonnenlicht einfällt in das rotbraune Höhlensystem mit Baggern, Fässern, Pritschen, Decken auf dem Boden und anderem.Im Grund sehen alle ein wenig übernächtigt aus. Aber alle sagen, es war prima. Wir schauen uns an und hoffen, daß das Schauspiel in der Tiefe zu Ende ist. Eine redselige Mitfahrerin gibt uns zu verstehen, daß alles im Programm zu finden ist und nichts zufällig.

Wir haben keine Ahnung, ob sie mitbekommen hat,

daß wir kein Reiseprogramm haben können, weil wir uns gar nicht angemeldet haben zu dieser Reise, sondern, daß wir nur froh waren, nicht weiter in der Nacht zu Fuß unterwegs zu sein.Wir wissen ja bis jetzt nicht, was die Fahrerin bewogen hat anzuhalten.

Es ist jetzt an uns zu entscheiden, so zu tun als ob wir dazugehörten. Sozusagen als die Letzten der aufgelesenen Reisegruppe in den Himmel der Liebe. Andererseits wird sich doch jeder Irrtum aufklären, sobald die Unterlagen des Reiseleiters, der gleichzeitig der zweite Fahrer des Busses ist, vervollständigt werden und ein Häkchen hinter unserem vermeintlich angemeldeten Namen gemacht werden muß.

Das Problem ist nur, warum hat er uns nicht längst gefragt.Er hätte doch auf uns zukommen können und seine Fragen stellen.

Jetzt wird geläutet.

„Nummer 1 und 2“

Sie treten vor.

Der Richter in der Mitte übergibt den beiden ein Zertifikat und beglückwünscht die Reisenden zur ihrer 1.und 2. Probe „GUT bestanden“.

„Sie können schuldenfrei weiterfahren! Gratulation!“

Wir merken, es ist ein weit verzweigter Platz.

Die Klappe oben bleibt die ganze Zeit offen.

Es muss inzwischen gegen Mittag sein, fast alle Paare sind aufgerufen, nur wir noch nicht. Sie sind aus den Gängen gekommen. Alle sind numeriert für den Glücksbus. Ja, sie haben wie Nummern-Girls ihre Nummern vor sich hergetragen, kamen tänzelnd zum Teil aus ihren Unterkünften für die Nacht. Sicher haben sie so genächtigt wie wir und bestimmt haben die Tänzer und Tänzerinnen alle auch zu ihnen Texte in die Hand gedrückt bekommen, die dann zu Szenen wurden in dem Labyrinth. Allerdings wurde die Zeremonie unterbrochen durch wiederholtes Auftreten des Baggers mit dem Prediger auf der Schaufel und dem Kumpel, der uns zuwinkte.

Endlich war es so weit. Von der Kapazität der Sitzplätze her müssten wir jetzt nach vorne gerufen werden. Aber wir wurden nicht gerufen.Der Vorsitzende nahm sein Perücke ab, zog seinen Talar aus. Seine Kollegen taten es ihm gleich. Und sie brachen in ein höchst ungelenkes Gelächter aus, zogen sich zurück mit irgendwelchen Attrappen von Akten unter dem Arm.

„Dürfen wir nicht weiter mitfahren? Wenigstens bis zur nächsten Haltestelle oder zur Grenze, wo mit Sicherheit Umsteigemöglichkeit besteht für unsere Heimkehr?“ riefen wir. – Keine Antwort. Die Richter verloren sich in den Gängen. Allerdings warfen sie ihre Kostüme in hohem Bogen in irgend welche Ecken.

Der Gerichtsdiener kam auf uns zu und verkündete uns, wir benötigten kein Zertifikat.Wir wären nur Gast.

Allerdings der Gerichtsdiener begleitete uns nicht nur bis zum Fahrstuhl, sondern bis in den Bus und setzte sich neben uns, wo in der Nacht vorher der Beifahrer geschlafen hatte. Die Reisegruppe hatte schon Platz genommen.

Käthchen von Heilbronn war zu Ende.

Schlußwort – Auf ins große Vergnügen

Es wäre ja nun die Gelegenheit gewesen, mit den Reisenden ins Gespräch zu kommen. Der Tag war sonnig. Der Wind wehte sacht und erfrischend.

Wir hatten alle viel erlebt.

Es war eine erstaunlich ruhige Reisegruppe. Nur einer machte ein paar Witze über die Pariser in seiner Jugend. Er meinte Kondome und keiner lachte. Der Busfahrer machte ein paar überleitende Bemerkungen. Auch er begrüßte uns nicht als Zugestiegene.Vielleicht hat ihm sein Arbeitgeber bedeutet: nicht fragen, nichts sagen. Also lag es jetzt an uns, auszubrechen und schleunigst zu verschwinden.

Irgend etwas hielt uns fest. Wir stiegen ein, als gehörten wir dazu und studierten die Reisehefte, die verstreut in den Netzen hinter den Lehnen der Sitze lagen. Auch bei uns.

Ein letzter Blick zurück auf den Busplatz, die Chemietoiletten, in der Ferne der Schacht…

Ohne ein erklärendes Wort geht es weiter. Der Motor wird angelassen, heult kurz auf und der Bus der fröhlichen schweigenden Leute setzt sich in Bewegung Richtung Westen, wie wir annahmen. Er schwenkte auf die Autobahn ein. Der Beifahrer, jetzt vorn etabliert, macht eine Durchsage, daß wir in einer halben Stunde die Grenze passieren und wir einen Haltepunkt ansteuern, an dem wir uns die Füße vertreten könnten, einen Kaffee kaufen, von ihm selbst aufgegossen. Brötchen könnten auch geschmiert werden.

Beifall.

Endlich Frühstück.

Keine all zu lange Pause, kein Umweg, um auch noch den letzten Mitreisenden kurz vor Paris sozusagen aufzunehmen in die Gesellschaft der Liebeshungrigen.

Keine dummen Witze. Jeder war dankbar für den nun geordneten Gang der Dinge, wie man sich das vorstellt.

Es war ein schöner milder Morgen im Frühsommer.

Allerdings nach der mehr oder weniger durchwachten Nacht waren wir müde und schliefen ein. Die Sonne im Osten, im Rücken. Nichts blendete uns.Wir konnten die Gardinen zuziehen und keiner störte uns.

Tatsächlich nach einer halben Stunde hielt der Bus, knapp hinter der Grenze zu unserem großen Nachbarland im Westen. Es gab ein Restaurant, in dem man geordnet seinen menschlichen Bedürfnissen nachkommen konnte. Freundlicherweise haben wir dann noch irgend etwas gekauft.

Die Reisegruppe saß auf Findlingen, die verstreut aufgebaut waren, dort einer, dort zwei u.s.w. Alle hatten etwas vor sich: Kaffee, Brötchen oder die eigene Proviant-Tasche.

Wir kannten die Gestalten und Gesichter aus der Höhle. Es waren die Schauspielerinnen und Schauspieler, die auch die Tänzer waren; es waren die Richter ohne Roben und Perücken, nur der Baggerfahrer und der Prediger auf der Schaufel des Baggers fehlten. Sie werden ihre Arbeit weiter tun in der platonischen Höhle, ob da nun Theater gespielt wird oder nicht.

Mit oder ohne Beifall.

Allerdings der Prediger so ganz ohne Gemeinde?

Nur der Fahrer des Baggers, der die Tonnen stapelt? –

Wer hat den das Zertifikat bekommen? Die Spieler für ihr Spiel. Die Tänzer für ihren Tanz. Sollten wir etwa die Richter richten?

Das war aktive Erholung. Die Reisenden hatten zu tun.

Ich hätte dem Obersten Richter das Zertifikat verweigert, weil er im Überschwang seine Robe respektlos in die Ecke geworfen hatte.Und die anderen taten es ihm gleich. Das wirkt ansteckend auf die anderen.Sie nehmen dann ihre Rollen nicht mehr ernst.

Sie müssen durchgehalten werden bis zur letzten Sekunde.

Nein, sie waren immer beides: Spieler und Publikum, Reisepublikum. Das war der Geck.

Wenn wir auch eine Rolle gehabt hätten, würde ich sagen, WIR waren beides: Richter und Gerichtete, Tänzer und Zuschauer, Schauspieler und Textlieferanten mit ihrem einfachen normalen Alltagsleben.

Nun hatte sich alles aufgeklärt und die Fahrt konnte weitergehen.Wir stiegen ein und jeder nahm seinen Platz wieder ein. Noch wurde nicht gewechselt und da und hier ein Besuch abgestattet, um zu fragen: „Alles gut?“- oder so…..

Es gab nur noch ein Ziel. Auf große Fahrt!

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Kaffee Gedicht

Komm

wir gehen in das Cafe`

wo der Kaffee noch schmeckt.

Die Zitrone noch gelb ist

ausgequetscht

in s

Stundenglas.

Die Torte vergiftet wird

von den Heinzelmännchen

die sie dann auch

selber essen.

Und nicht etwa

den Kuchen

servieren.

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Kelcheinholung – wie es dazu kam?

Wer den BLOG Kelcheinholung gelesen hat, sollte diesen Blog auch lesen.

Liebe Schwestern und Brüder,

sucht euch eine Reisegruppe (Reisemission Leipzig wäre zu empfehlen). Oder fahrt selbständig dort hin: Italien, Umbrien, ASSISI.

Auf dem Berg gelegen.

Wie die Stadt auf dem Berge, beschrieben in den Gleichnissen Jesu.

Die Stadt auf dem Berg, wo der Wind am Abend kühlt, wenn die Tageshitze unerträglich war.

„Ihr seid das Salz der Erde. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man’s salzen? Es ist hinfort zu nichts nütze, denn das man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“.(Aus der Bergpredigt Jesu.)

Dorthin fahrt. Unten in der Ebene – die große Kirche, wo die Dornen wachsen, die ihn nicht gestochen haben, obwohl er herein fiel.

Aber oben?

Halb oben.

Einen Seiten-Weg herunter von der Stadt, wo du Quartier genommen hast. Vorbei an der Stelle, wo ihm Christus erschienen ist, seit dem er seine Angst überwunden hat in Berührung zu kommen mit den Unreinen, den Aussätzigen. In der Nachfolge – der FRANZ VON ASSISI, das Bürgersöhnchen, dass nicht wollte wie sein Vater wollte bis hin zum Nackt-Ausziehen. Provokation.

ARMUT.

Steiniger Weg.

Endlich die kleinere Kirche, in der die Menschen stehen – und WARTEN. Warten auf wen, auf den Messias? Ja, vielleicht. Letzten Endes. Wie immer, wenn gewartet wird. Wann kommt er. Wie kommt er. Und überhaupt.

Nein, es ist die Kelcheinholung. So überraschend, wenn es dir niemand vorher gesagt hat, was da halbunten, halboben los ist. Sie stehen und warten. Auf dem Steinfussboden und auf der Empore.

Kein Wort.

Keine Handlung.

Nichts.

Stille bei so Vielen. Unglaublich. Kein Fußscharren in der Erinnerung.- Doch, da tut sich etwas. Der Priester trägt den KELCH. – Es ist der Kelch von GETHSEMANE. – Der HERR bittet, dass er vorrüber gehe, wenn es Gott gefällig ist. Wenn nicht. Dann eben nicht.- Ich rede jetzt für Jugendliche aus Berlin, vielleicht aus der ARCHE am Rand der Stadt. Als Streetworker auf den Bidermeierplätzen einer ostthüringischen Mittel-Stadt, in den Gassen der Revolution von 1989, die es erst möglich gemacht hat, dass wir mehrmals dies Stadt auf dem Berg besucht haben in Juda oder Umbrien. Seit ich den Film von PASSOLINI kenne: MATTHÄUSEVANGELIUM, die Schauplätze, ist das so verwandt miteinander.

Mittelmeer wie Grichenland, Riviera in Jugoslawien, Italien, Fankreich oder eben das Heilige Land.

Jetzt geht es eigentlich erst los glauben wir. Die Kelcheinholung.

Aha.

NEIN.

NICHTS GEHT LOS.

Seht euch den Film an: DIE STILLE.

Das ist es.

NOCH NIE HABE ICH SIE SO GEHÖRT:

DER KELCH AUF DEM ALTAR.

DER PRIESTER HAT IHN DORTHIN GETRAGEN.

Ich weiss aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – in den 90iger Jahren nach der Revolution in Deutschland und Osteuropa – dass junge Arbeiter und Arbeiterinnen vor der Schicht in die Kathedrale gegangen sind. Sich hingekniet haben und angebetet haben. TABERNAKELFRÖMMIGKEIT nennt man das. Blut Christi, welches uns rein wäscht wie Schnee, wenn wir schmutzig sind. TABERNAKEL. AUFBEWAHREN DAS HEILIGE.

„DA knien wir uns“, sagen die Katholiken, die ihren Glauben so praktizieren und stärken. Er muss ja gestärkt werden in dieser Welt.

Tabernakel in der Wand.

Der KELCH.

ER WIRD EINGEHOLT SICHTBAR GEMACHT UND AUF HALBER HÖHE. NICHT VERSCHLOSSEN IN EINEM SCHRANK. KELCHEINHOLUNG. Jetzt ist er zu sehen. ANSCHAUNG, ANSCHAUUNGSUNTERRICHT.

NEIN. DAS GEHEIMNIS. GOTT DAS GEHEIMNIS DER WELT. GEHEIMNIS DES GLAUBENS. STUNDEN LANG.

Die Leute kehren um.Sie haben genug gesehen. Sie sind sich wieder sicher. Sie können den Berg weiter hinunter gehen in die Wildheit des Lebens. Sie können wieder hinauf gehen, vorbei an der Station des FRANZISKUS, wo er den HERRN gesehen hat. Im Gebet. Und seitdem seinen Weg gegangen ist. Wie ihn die Welt kennt.

Jetzt wissen Sie, wie es zu der Kelcheinholung in Berlin-Müggelheim in der kleinen Dorfkirche kam. Zum zweiten Mal übrigens. Vergegenwärtigung.Erinnerung. Aufarbeitung. Zukunft. Machen Sie es gut. Wählen sie gute Reiseziele. Bleiben Sie gestärkt und behütet.

Ihr

Pfarrer i.R. und Erwachsenenbildner Michael Wohlfarth , Juni 25, Berlin, im Dorf Müggelheim.

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KELCHEINHOLUNG

Pfingstsonntag 8.Juni 2025 in der Dorfkirche zu Müggelheim

Eingangslied

O Heilger Geist, kehr bei uns ein EG 130, Vers 1-3
Psalm 118, Liedzettel
Lobgesang (Doxologie), Liedzettel

Ho’onani i ka Makua mau*
Wochenlied
Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist EG 126, Vers 1.2.7
EG 805: Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel
Vor der Predigt

O Heilger Geist, kehr bei uns ein EG 130, Vers 4.5
Nach der Predigt
O Heilger Geist, kehr bei uns ein EG 130, Vers 6.7
Einholung des Kelches (Kantorin leitet den Gesang, mehrfach wiederholt)

Ubi caritas et amor
Anschauung des Kelches

Oculi nostri ad dominum deum EG 789.5
Nach dem Abendmahl

Nun bitten wir den Heiligen Geist EG 124
**Fürbittengebet: die Gemeinde antwortet mit
O Heilger Geist, kehr bei uns ein (aus EG 130)
Entlassung
Verleih uns Frieden gnädiglich EG 421

Besonderheiten
Lobgesang (Doxologie) nach dem Psalmgebet
Entfaltetes Kyrie mit Friedensgebet
Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel
Einholung und Anschauung des Kelches vor dem Abendmahl
Dank- und Fürbittengebet: Liturgen und GK

Die Verheißung des Heiligen Geistes

Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.

Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. Es ist noch eine kleine Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.

Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Der Friede Christi

Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Dialog-Predigt Thomas Tunsch und Michael Wohlfarth

zu Johannes 14, Verse 15 -19 und 23 – 27

Thomas Tunsch

Einstieg

Pfingsten hat es schwer …
Das meint jedenfalls Tobias Götting– und für ihn liegt das am Heiligen Geist:
Pfingsten hat es schwer. Der Heilige Geist hat unter uns wahrlich ein
Vermittlungsproblem. Oder wir mit ihm. Alles pfingstlich Begeisternde findet kaum
Gehör bei meinen skeptischen Nachbarinnen und Nachbarn.
Wie sag‘ ich‘s also Ihnen oder meinem Kinde? Mit christlicher Mathematik: Dass bei
uns Christen nämlich 1+1+1=1 ist. Weil Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist aus
demselben Holz geschnitzt sind. Weil wir einen Gott kennen, der sich auf drei
verschiedene Arten und Weisen zeigt, vielleicht sogar spürbar wird?

Auslegung

Liebe Gemeinde,
wenn Tobias Götting sagt, „Pfingsten hat es schwer“, wollen wir es uns heute leicht
machen und noch einmal in die „Gute Botschaft“ schauen, die wir gehört haben.
Da verspricht Jesus den Jüngern damals und uns heute:
16… ich will den Vater bitten
und er wird euch einen andern Tröster geben,
dass er bei euch sei in Ewigkeit:
17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann …
Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch
und wird in euch sein.

18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen;
ich komme zu euch.

Jesus ist wahrhaftig auferstanden von den Toten und aufgefahren in den Himmel.
Aber wir sind nicht allein und verwaist im Glauben:
Der Geist steht uns helfend bei, er bleibt
bei uns, ja sogar
in uns!2
In uns? Was bedeutet das? Auch hier finden wir im Johannesevangelium die Antwort:
23 Jesus antwortete und sprach zu ihm:
Wer mich liebt, der wird mein Wort halten;
und mein Vater wird ihn lieben,
und wir werden zu ihm kommen
und Wohnung bei ihm nehmen.

Wohnung bei mir nehmen …
… wie soll das denn gehen?

In der Kantate zum Pfingstsonntag
„Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten“ von Johann Sebastian Bach gibt zunächst eine Arie die gesungene Antwort: „…komm doch in die Herzenshütten,
sind sie gleich gering und klein,
komm und lass dich doch erbitten,
komm und ziehe bei uns ein!“
Zu Pfingsten möchte der Heilige Geist also bei uns einziehen – und Platz ist
schließlich in der kleinsten Herzenshütte…und wenn der Geist dann in meiner „Herzenshütte“ eingezogen ist, können er und meine Seele sogar ein Duett singen:

Dazu Aufstellung von Lektor und Pfarrer zu beiden Seiten des Altars.

Seele :“Komm, lass mich nicht länger warten,
komm, du sanfter Himmelswind,
wehe durch den Herzensgarten!“

Heiliger Geist:“Ich erquicke dich, mein Kind“.

Seele:“Sei im Glauben mir willkommen,
höchste Liebe, komm herein!
Du hast mir das Herz genommen“.

Heiliger Geist:
„Ich bin dein, und du bist mein!“
———————————————————————————

Michael Wohlfarth

Liebe Gemeinde,

Brüder und Schwestern,

zu Pfingsten 2025 in Müggelheim,

eigentlich hätten wir das Duett singen müssen: zwischen dem Heiligen Geist und der Seele und zwar so barock wie BACH, der 5. Evangelist wie ihn manche nennen, sich das gedacht, komponiert hat. Wie er es gehört hat in seinem Innersten, denn er komponierte ja GOTT zur EHRE, JESUS zur Ehre. Dem HEILIGEN GEIST zur Ehre.

Dem DREIEINIGEN GOTT.

Das Gespräch zwischen der Seele des Menschen und dem Heiligen Geist.

Heute feiern wir das Pfingstfest; WER ES KANN, kann eine Kantate komponieren wie Bach das in seiner Zeit per Auftrag sicher in Leipzig getan hat. Oder eine Fabel schreiben wie Goethe über den Fuchs und all die anderen großen und geringeren Tiere – über allem der Löwe. Oder einen Aphorismus abgeben wie Berthold Brecht: zu Pfingsten sind die Geschenke am geringsten.

Manche Kirchen sehen das übrigens anders: für sie ist Pfingsten das GRÖSSTE. Das Charisma der Liebesgabe Gottes an sein Volk, der TREUEGABE des HERRN Jesus Christus an seine NachfolgerInnen.-

In meiner Kindheit wurden Birken aus dem Wald geholt und aufgestellt, besonders, wenn es gleichzeitig der Konfirmationssonntag war – oder ist – wie heute in der Erlöserkirche Lichtenberg, wo die Köpenicker Konfirmanden den Segen Gottes empfangen zur Befestigung ihres Lebens – wie zu Christi Himmelfahrt die Müggelheimer.

Jesus will zum Vater beten, ja ihn bitten. Für uns. Ja, wir haben es nötig, gerade in diesen Tagen, in diesen Monaten, in diesen Jahren des Kalten und Heißen Krieges. Der Ödnis. Der Geistlosigkeit, der Sinnentfremdung. Des Amusements ohne wirkliche Freude. Der Ratlosigkeit. Der Verirrung in die Ich – Sucht und des Versteckspielens in allen möglichen WIR-KONSTELLATIONEN, die uns Glück und Erfolg verheißen.

Damit wir einen Tröster haben. Darum will er bitten.

Zu seinen Jüngern sagte er es so in den so genannten Abschiedsreden der Kapitel 13-17: es steht geschrieben und fest, der Vater wird euch einen Tröster geben. Ja gerade dann, wenn sie nicht weglaufen, die Jünger und Jüngerinnen.Nicht weg von Golgatha. Sondern umkehren nach den Fragen, die Christus ihnen und uns stellt: quo vadis. Wenn sie oder wir verwirrt zum Himmel schauen. Und IHN vermissen. Und nicht verstehen können oder wollen, dass er jetzt für alle da ist durch Christi Himmelfahrt.

Aber es ist ein Gott, der VATER, der SOHN und der HEILIGE GEIST.

Das Geheimnis: Der andere Tröster, von dem JESUS spricht, ist der Heilige Geist. Es ist wichtig um ihn zu flehen, damit wir getröstet werden tief in unserem Herzen, wenn wir mit einem Freund sprechen, der krank ist oder an Gräbern stehen.

Wenn wir uns Sorgen machen um unsere Kinder, wenn die Traurigkeit nicht weichen will. Wie in dem GOSPEL…“Wir werden überwinden/We shall overcome… deep in my Heart. Tief in meinem Herzen.

Tief in unseren Herzen wird er uns trösten.

Der Geist, um den wir bitten, weil Christus ihn uns verheißen hat. Seinen Jüngern und Jüngerinnen.

Uns.

Wenn wir nicht mehr aus noch ein wissen.

Wir den richtigen Weg suchen für uns und unsere Kinder und Kindeskinder, in diesen Zeiten.

Für unsere Kirchen und Gemeinden.

Für unsere Arbeitsgemeinschaften und Gaubensgemeinschaften.

Für unsere Gebetsgemeinschaften: Herr, was sollen wir beten? Wie sollen wir beten. Es bedrückt uns alles so sehr.

Für die EWIGKEIT, sagt der HERR.

Für unser Land. Für unser Volk. Ja und auch für unser politisches Zusammenleben.-

Jesus wird uns nicht allein lassen.

„Herr ich möcht` Dein Jünger werden in meinem Herz“, haben wir gesungen in der Jungen Gemeinde in Thüringen, sicher auch hier…

„Herr, ich möchte dein Bote werden mit meinem Lied“, in der nächsten Strophe.

Die Gospels wissen es auf dem Erdenrund.

Wenn wir Jünger werden, Jüngerinnen, wissen wir, es gibt Gebote, die Grammatik der Liebe, des Zusammenlebens, die wir einzuhalten haben, so wie es Christus lehrt. Sein Wort halten die, die ihn lieben. In der Liebe des Vaters. Kein Krampf, denn der Geist Jesu wird Einzug Halten bei uns, sein Evangelium verändert unser Gesicht, das zu Himmel schaut ins Licht.

Wie Gerhardt Teerstegen singt, der niederländische Mystiker.

Und auch die Wahrheit ist kein Tabu mehr, dass wir lieber nicht berühren, denn der Geist, um den wir zu Pfingsten in besonderer Weise bitten, ist der Geist der Wahrheit, der uns leben lässt…

auch und gerade zusammenleben lässt.

Die Jünger konnten ohne Jesus nicht sein. Jetzt werden sie ihn wiederhaben, gerade da, wo sie glaubten, ihn verloren zu haben.

Die Verheißungen des Gottessohnes haben sich erfüllt.

Jesus schenkt mit der Verheißung seines Geistes, des Vaters und des Sohnes etwas, was wir gerade jetzt so dringend nötig haben: Frieden.

Auch die Gabe zu vermitteln, Frieden zu stiften, im Kleinen wie im Großen.

Denn es ist der Friede Gottes, der nur die Welt retten kann, nicht der Frieden, den wir mit Gewalt erzwingen wollen.

Der Frieden des Dreieinigen Gottes ist d a s Geschenk, damit wir leben können. „Denn siehe ich lebe – Ihr sollt auch leben!“, sagt der CHRESTOS, der KYRIOS zu seinen Nachfolgern und verheißt damit Zukunft und nicht Angst!

Und wir?- Wir rufen:

„Herr, schenke uns den Geist des Friedens, wie Du es Deinen Jüngern versprochen hast, damit wir leben können“.

AMEN.

**F ü r b i t t e n

Herr unser Gott, wir danken dir für deine Gegenwart.
Wir bitten dich um deinen Geist, der uns stark macht im Glauben,
fröhlich und geduldig,
der uns mit Hoffnung erfüllt und unsere Phantasie beflügelt,
der uns deinen Frieden bringt.

Komm, Heiliger Geist!

Wir singen:O Heilger Geist kehr bei uns ein

Wir bitten dich, Gott, um den Geist der Freude
für alle, die ihre Freude am Leben verloren haben,
für alle, denen das Lachen vergangen ist,
die verzweifelt sind, die im Dunkel der Trauer gefangen sind.

Wir singen: Komm, Heiliger Geist!

O Heilger Geist kehr bei uns ein

Wir bitten dich, Gott, um den Geist des Verstehens
für alle, die sich unverstanden fühlen,
für alle, die für andere kein Verständnis aufbringen können,
für alle, die versuchen, dich mit Hilfe der Vernunft zu leugnen.

Komm, Heiliger Geist!

Wir singen: O Heilger Geist kehr bei uns ein

Wir bitten dich, Gott, um den Geist des Friedens
für alle, denen Macht wichtiger ist als Leben,
für alle, die unter Gewalt und Krieg leiden,
für alle, die mit sich selbst uneins sind,
für alle, die in Streit leben.

Komm, Heiliger Geist!

Wir singen:O Heilger Geist kehr bei uns ein
——————————————————————————————

*Hoʻonani i Ka Makua mau nachgereicht von Dr. Thomas Tunsch nach der BLOG-Veröffentlichung.
„Herr Gott, dich loben alle wir“ (EKG 115, Ausgabe 1976), Text nach dem lateinischen Dicimus grates tibi Philipp Melanchtons, deutsch von Paul Eber 1561, Melodie Louis Bourgeois 1551 (Genfer Psalter) • “Praise God, from Whom All Blessings Flow” (Thomas Ken, 1637-1711), mit der gleichen Melodie (nach Psalm 100 “Old Hundredth” genannt) • „Ho‘onani i Ka Makua mau“ (Hiram Bingham, 1789-1869, Missionar in Hawai‘i)

Der Vormittags-Gottesdienst mit Kelcheinholung und fortgesetztem Heiligen Mahl kam in seiner Dialog-‚Form zustande, weil Dr. Thomas Tunsch und Pfr. i.R. Michael Wohlfarth die Kelcheinholung schon einmal praktiziert haben. Daran erinnernd hat mich Thomas Tunsch angerufen und diesen Vorschlag gemacht: Liturgie mit der Besonderheit des Hawai-Gesanges, Liedauswahl er selber. Beide predigen s.o.! Leitung Michael Wohlfarth : Kelcheinholung und fortgesetztes Abendmahl. Die Veröffentlichung an dieser Stelle mit ausdrücklicher Zustimmung mit späterer Ergänzung in Form des HAWAI-LIEDES durch Pfr.i.R. und Erwachsenenbildner Michael Wohlfarth mittels seines BLOGS. Wir freuen uns auf Reaktionen und darüber, dass Kelcheinholung z.B. wärend jesuitischer Exerzitien gar nichts Besonderes darstellen. Aber im evangelischen Raum schon – meine ich.

Mit freundlichen Grüßen in der Trinitatiszeit

Ihr Michael Wohlfarth

Zum Singen:

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Kolumne

Die Gedanken sind frei

Die Gedanken sind frei ist eines meiner Lieblingslieder und zu meiner großen Freude haben es auch immer jugendliche Schüler gern gesungen. Friedrich Hölderlin, der große deutsche Dichter aus Schwaben sagt, die Deutschen seien gedankenschwer, zu schwer, als daß sie sich aufraffen könnten zur rechten Zeit etwas zu tun, was getan werden müsste. Da kann man an die Große Koalition in Berlin denken oder an bestimmte Fußballspiele, wo erst in letzter Minute das erlösende Tor gefallen ist… Dietrich Bonhoeffer äußert sich ähnlich nach seinem Amerika- Aufenthalt: Die befreiende Tat…. Wo ist sie? Die Deutschen sind gehorsam, sie sind bescheiden, ja misstrauisch sogar der Stimme ihres eigenen Herzens gegenüber….Ja – wir kennen das auch ganz persönlich, wenn wir uns schwer tun, wie wir sagen, wenn wir uns quälen mit Entscheidungen, die gefällt werden müssen. Goethe sagt, etwas zu denken ist die eine Sache, etwas zu tun die andere, aber nach dem Gedachten zu handeln – das ist es! Wie recht er hat. Hilft uns das? Gedanken zum Sonntag, Sonntagsreden, Predigten, Moral-predigten vielleicht sogar? Die Juden meinen in ihrer Weisheit – übrigens auch der preußische Dichter Theodor Fontane: Oh – du sollst mit dem Herzen denken und mit dem Verstand fühlen. Ich würde sagen, jetzt hört es auf, eine Gedanken-spielerei zu sein mit lexikalischem Grundwissen in Sachen Religion, deutscher Literatur oder anderer Kunstarten. Ich meine, jetzt sind wir bei dem Wort, um das es geht: LIEBE. Die LIEBE höret nimmer auf, steht in einem Brief des Apostel Paulus an eine Gemeinde in Korinth in Griechenland. Sonst würden die Taten aufhören, die befreiend sind und die Gedanken, die die Grundlagen dazu bilden. Alles andere hört auf, aber die LIEBE nicht. Die LIEBE ist eine Himmelsmacht, die Menschen zusammenführt und zusammenhält, Familien gründen lässt, Generationen Verträge schließen lässt, das soziale Gewissen eines Volkes am Leben erhält. Sie soll der Maßstab sein all dessen was wir tun, steht in einer Andacht in meinem Gesangbuch. Ja, sie ist das Göttliche in unserem Leben. Ja, sie macht uns zu Ebenbildern Gottes, singen die Mönche im Karthäu-serkloster bei Grenoble in Südfrankreich. Insofern laßt uns das HOHELIED DER LIEBE SINGEN mit allen Aposteln und Propheten, daß Gott nicht seine Gnade von uns nimmt und wir diese Fähigkeit verlieren: Zu hoffen, zu glauben, zu lieben und die Lieblosigkeit immer mehr Raum gewinnt. Der Apostel, der dieses Hohe Lied der Liebe aufgenommen hat in seinem Brief, lässt uns aber nicht im schöngeistigen Regen stehen. Er sagt es ganz konkret: Macht Euch Jesus zum Freund, geht in seine Schule, dann werdet Ihr leben und volles Genüge haben. Dann werdet ihr es erfahren trotz aller gegenteiligen Erfah-rungen: DIE LIEBE HÖRET NIMMER AUF. Lesen sie es selber nach in der Bibel, im Neuen Testament, 1. Brief an die Korinther, 13. Kapitel. Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag!

Herr, höre meine Stimme!“

Ich schreibe diese Zeilen zwischen zwei Sonntagen. Der eine, der vergangene, heißt ROGATE- gleich BETET! Und der andere heißt EXAUDI- Übersetzung aus dem Lateinischen s. Überschrift. Der berühmte Schriftsteller aus der Schweiz Max Frisch schreibt: Die kleinste Einheit des Friedens ist das Gebet.

Ein zweites Motto unserer Kirche, an der ich Dienst tue, lautet seit vielen Jahren: Treten sie ein – hier dürfen Sie schweigen (Reiner Kunze, ein vogtlän-discher Dichter, den die DDR verjagt hat).- Hilft Beten? Hilft Schweigen? – Fangen wir mit dem Schweigen an. Schweigen ist Gold, heißt ein deutsches Sprichwort, u n d – Morgenstunde hat Gold im Munde, auch. Der Morgen ist die Zeit des Schweigens. Der Morgen ist die Zeit der ersten Christen gewesen, als sie erfahren haben, daß ihr HERR auferstanden ist von den Toten. Jedes

Schweigen, jeder Morgen hat seit dem diese Qualität und erneuert geistiges, geistliches und physisches Leben. Versuchen Sie es doch einmal – einen Moment Stille am Morgen, ohne Radio, ohne Zeit – eine Handvoll Zeit (fünf Minuten) sich vorbereiten auf den Berufsalltag.- Ein Wort aus der Bibel lesen. Die Herrnhuter Losungen sind dafür geeignet. -Und das Beten? – das kommt dann von alleine. Bleiben Sie dabei nicht sitzen, wenn sie das Wort GOTTES lesen, stehen sie auf, lauschen Sie nach innen u n d nach draußen und blicken sie nach oben, – stärken Sie den i n w e n d i g e n Menschen. Geben sie ihm Halt für den Tag. Sagen Sie die Worte des Vaterunsers oder eines schönen Liedes und sagen Sie die Namen der Menschen, um die Sie sich sorgen, sprechen sie laut die Anliegen aus, die Sie quälen.- Und sonntags? Genau so! Aber sagen Sie vor allen Dingen danke für all das, was gut ist, was Sie stärkt, was sie gestärkt hat in der vergangenen Woche. Am schönsten ist, wenn daraus LAUTER LOB wird mit anderen zusammen. Suchen sie sich eine GEMEINSCHAFT VON CHRISTEN, in der es Ihnen FREUDE macht gemeinsam zu singen, zu beten und zu hören, was Gott sagt in seinem heiligen Wort – am Morgen. Ich wünsche Ihnen einen GESEGNETEN SONNTAG!

Gedanken zur Wortverkündigung in einer christlichen Kirche

Wie soll ich predigen?

Was soll ich predigen?

Das Wie und das Was hängen naturgemäß engstens zusammen .

Ich soll CHRISTUS predigen, der der Weg ist und das Leben. Ich muß es so tun, daß der Zuhörer merkt , daß die Geschichte, s e i n e Geschichte ist. Das Heil sein Heil, von dem da die Rede ist. Oder auch sein Unheil, wenn davon nicht die Rede ist.

Heilsgeschichte

Wenn wir eine Predigt gehört haben und sie läßt uns kalt, dann haben wir keine Heilsgeschichte gehört, die auch unsere Heilsgeschichte sein möchte. Das ist das Angebot. Wenn nicht Heilsgeschichte erzählt wird in der Katechese, nicht gepredigt wird in der Sonntagsrede des Pastors, nicht gelehrt wird an den Universitäten, muß ich mir es nicht anhören, denn ich suche das Heil. Nur aus diesem Grunde bin ich Hörer. Und kann nur so Täter werden. Der Zuhörer muß den Eindruck gewinnen, daß es s e i n e Geschichte ist, wenn es Heils-geschichte ist, die verkündet wird. Es ist überhaupt nicht seine Geschichte, wenn Christus nicht verkündet wird. Denn die Geschichte Christi ist die Geschichte des Getauften u n d des Ungetauften. Es ist die Heilsgschichte des Menschen-geschlechtes.

Anmerkung

Alle Kolumnen,Predigten, Gebete, Impulse in PREDIGEN AUF DEM MARKT, Saarbrücken Frommverlag oder Eigenverlag in Zusammenarbeit mit epubli Berlin

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Jahre vergehen…

Aus „Predigen auf dem Markt“(Saarbrücken, Frommverlag/29.5.2013 und Berlin, epubli/14.1.2019, e-book – kindle 13.11.2024)- Kolumnen in der Wendezeit , in Zeitungen im Altenburger Land/Thüringen. Da diese Kolumne m.E. aktuell ist, habe ich sie heute in meinen BLOG gestellt – mit den Anmerkungen.

Damals waren es Afghanistan und der Irak. Sie können heute dafür die Ukraine und GAZA einsetzen.

Wenn Ihnen das eine Hilfe ist.

Als PREDIGT aufgeführt in den Inhaltsverzeichnissen an erster Stelle im vierten Kapitel der angezeigten Bücher unter der Kapitel-Überschrift: Jahre vergehen.

Jesus Christus spricht: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ (Johannesevangelium Kapitel 14, Vers 1). – Euer Herz erschrecke nicht!

Jeden Tag werden wir zugedeckt mit einer Flut von Informationen und Nachrichten, die sehr oft, zu oft, Negativmeldungen zum Inhalt haben. Ob es sich dabei um das Klima handelt, um den Krieg in Afghanistan oder im Irak, um nur einige Beispiele zu nennen, ob es um den Hunger in der Welt geht, oder um Korruption gigantischen Ausmaßes. Nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht, weil sie sich gut verkauft !? – So einfach ist es sicher nicht. Die Welt wird nicht einfach dadurch besser, daß wir die schlechten Nachrichten weglassen und nur die guten zu unserer eigenen Erbauung zu Kenntnis nehmen. Das Leben ist wie es ist, es gibt gute Zeiten und schlechte Zeiten, gute Nachrichten und schlechte Nachrichten. Alles hat seine Zeit. Das Grauen, das Erschrecken, das Davonlaufen. Das Hierbleiben, die Freude, die Dankbarkeit. – Wir sollten aber nicht wie gelähmt auf die Katastrophen in der Gesellschaft und in unserem ganz privaten Leben schauen, vergleichbar dem Kaninchen, das auf die Schlange starrt, sondern uns erinnern, das Gott uns ein Grundvertrauen mitgegeben hat in unser Leben und einen Vor-Läufer in allem was geschieht, sei es zum Heulen oder Zähneklappen, zum Lachen oder Triumphieren: Jesus Christus. In seiner Nachfolge sind wir gut aufgehoben in allen Verwirrspielen, die das Leben so bereit hält für uns, in allen Täuschungen, die uns von der Wahrheit des Lebens ablenken sollen, in Freud und Leid. Denn wir wissen ja nicht auf unserem Weg, was wirklich hinter der nächsten Biege kommt. Deswegen ist es gut , wenn wir dieses Vertrauen nicht vergessen, sondern – im Gegenteil – damit wuchern. Weil es stärker ist als das Entsetzen und weil es uns bewahren kann, hochmütig zu werden gegenüber unserem Nächsten, wenn es uns gut geht.

Eine gute Zeit! Und verliert Euren Stern nicht aus den Augen!

Unmittelbar danach plaziert in derselben Veröffentlichung:

Gedanken zur Wortverkündigung in einer christlichen Kirche

Wie soll ich predigen?

Was soll ich predigen?

Das Wie und das Was hängen naturgemäß engstens zusammen .

Ich soll CHRISTUS predigen, der der Weg ist und das Leben. Ich muß es so tun, daß der Zuhörer merkt , daß die Geschichte, s e i n e Geschichte ist. Das Heil sein Heil, von dem da die Rede ist. Oder auch sein Unheil, wenn davon nicht die Rede ist.

Heilsgeschichte

Wenn wir eine Predigt gehört haben und sie läßt uns kalt, dann haben wir keine Heilsgeschichte gehört, die auch unsere Heilsgeschichte sein möchte. Das ist das Angebot. Wenn nicht Heilsgeschichte erzählt wird in der Katechese, nicht gepredigt wird in der Sonntagsrede des Pastors, nicht gelehrt wird an den Universitäten, muß ich mir es nicht anhören, denn ich suche das Heil. Nur aus diesem Grunde bin ich Hörer. Und kann nur so Täter werden. Der Zuhörer muß den Eindruck gewinnen, daß es s e i n e Geschichte ist, wenn es Heilsgeschichte ist, die verkündet wird. Es ist überhaupt nicht seine Geschichte, wenn Christus nicht verkündet wird. Denn die Geschichte Christi ist die Geschichte des Getauften u n d des Ungetauften. Es ist die Heilsgeschichte des Menschengeschlechtes.

Die Gesschichte endet nicht. Sie geht weiter. Manche dachen mit 89 hört sie auf.
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America

Michael Wohlfarth

Gedicht oder Roman

Texte: Michael Wohlfarth

Umschlag: Aus privater Nutzung

michael.wohlfarth@t-online.de

In allen einschlägigen Buchhandlungen

Zueignung

Genug, genug.

Enough.

Es ist genug von den Autoren geredet worden.

Oder haben sie es nötig.

Müssen Sie getröstet werden.

Hat es Fjodor Dostojewski

aus dem alten Russland so nötig.

Seine Tränen.

Heiß.

Sie fließen in den Nächten.

Auch wenn du ihn verwendest.

Gebrauchst.

Auch wenn du ihn vorkommen läßt

in deinem Roman, der keiner ist.

Er ist im Club der toten Dichter.

Die Tränen längst verdunstet.

Oder der Co-Autor.

Was geht er uns an.

Er soll seine Arbeit tun.

Geist – Schreiber.

Mitschreiber.

Mitläufer.

„Geh mit!“ – ruft der Chor dazwischen.

Auf schaukelnden Wellen.

Im Wind.

Jetzt sehen sie Irland.

Der Luxusdampfer legt an.

Grün.

Tiger.

Alles vorbei.

Wer jetzt kein Haus hat, findet keines mehr.

Und die Katholische Kirche.

Die sanfte Mission.

Bitte jetzt nicht Odenwald.

Und auch keine Tonbandaufzeichnungen.

Alles verjährt.

„Alles verjährt!“ –

ruft der Männerchor dazwischen.

„Nein!“ – rufen die Erinnyen.

Die Nadel ist nicht gesprungen,

der Nordpol noch lange nicht erreicht.

Und es ist ein Segelschulschiff.

Aber Irland.

Irland ist erreicht

Armer Böll.

Du und das Lindenblatt der Deutschen.

Alles von Bord.

Anlegen bei Sturm.

Anne bleibt. Sie mag nicht.

Sie wartet an Bord.

1

Symbol

Endlich, endlich.

Wir sehen die Freiheitsstatue winken.

Nein, wir karikieren sie nicht, weil wir wissen, wie ernst es den Siedlern war,

den Sträflingen

wie in Australien.

Den Frei – Kirchlern, die aus den Gefängnissen

der Herzogtümer entkommen sind.

Den Juden, die mit einer Stimme Mehrheit „zugelassen“ wurden für die Besiedlung des gelobten Landes.

Aber mit Anne ist das anders.

Sie ist nicht einem Dorf entflohen,

das vor Armut anfing zu trinken,

in Gänze,

bis auf ein paar wenige,

im 19. Jahrhundert.

Sie hat – wenn man so will –

den globalen Spleen.

Sie hat etwas geerbt von ihrem Vater,

der den Sozialismus bewachen musste

auf der anderen Seite.

Nun das ganze Gegenteil.

Sie wollte weg.

Ja, weg.

Sie wollte aus dem dunklen deutschen Wald

ins Helle.

Hat sich einem Schiff anvertraut,

wo gelernt wurde, die Segel zu setzen,

wenn der Wind günstig ist.

Sie durfte bedienen und in der Küche helfen.

Ihre Großmutter hat ihr alles Gute gewünscht.

Sie sind ja per Handy verbunden.

Nein, es war kein Forsthaus, aus dem sie stammt. Die gibt es ja noch in Deutschland.

Solche Forsthäuser mit rotem Ziegeldach.

Wo schon längst die Pfarrer

ihre Pfarrhäuser fliehen,

bleiben die Förster:

So ein ehrwürdiges Forstamt,

ringsum Wald,

der deutsche Wald.

Das ist was.

Nein, daher kommt sie aber trotzdem nicht

in unserer Weiterführung der Geschichte.

Auch nicht aus einem deutschen Pfarrhaus,

das es vielleicht gar nicht mehr gibt.

Oder angeblich. Auf die näheren Hintergründe möchte ich hier aus sicher verständlichen Gründen nicht eingehen.

Über den Glauben spricht man nicht

in Deutschland – und auch nicht über Geld,

im Unterschied zu Amerika.

Hat sie gehört: Anne aus der KfZ – Werkstatt

mit schönem Wohnhaus am Rand eines gefährlichen gesamtdeutschen Waldes.

In dem schon viel passiert ist.

Schüsse. Abgründe. Umwege.

Wir haben das alles schon mehrfach berichtet.

Grenzoffiziere, die sich zu Unternehmern gemausert haben, die einen Wald besitzen,

der gut bewirtschaftet wird.

Von Wäldern und Grenzen, Minen und Politik.

Aber Anne hat sich aufgemacht über das Meer und hat gewartet, bis die Matrosen von ihren Landausflügen zurückgekommen sind und auch die Biologen – Gruppe, die nach Wegen suchen,

um Getier und Pflanzen dort zu belassen,

wo sie hingehören.

Zuletzt war das in Irland.

Irische See.

Stürmisch.

„Aber jetzt geht es weiter“.

In der Takelei.

All die frohen Lieder.

Die Frische des Windes.

Das Steuer.

Der vertrauensvolle Lehrausbilder.

Die Jungs, die Mädchen.

Wenn das unsere Bundeswehr wird.

Wie gut.

Wahrscheinlich haben sie Jahre vorher

das Wetter studiert, den Golfstrom, die Eisberge, um eine Schneise für die Ausbildung zu finden, eine Fahrt, die sich gewaschen hat und geeignet, um zu lernen.

Das Leben zu lernen.

Den Kurs zu halten.

Den Stürmen zu trotzen.

Das Handwerk.

Zur See fahren.

Ein Traum.

Nicht abstürzen.

Disziplin, weil sie nötig ist und solidarisch.

Da hat sie aber Glück gehabt, solch ein Timing. Solch einen Zeitpunkt.

KAIROS.

Ausgerechnet, nach dem Frühjahr der Stürme

eine Stille, Wind, Wind, gemäßigter Sturm. Ausgerechnet heute musste ein solches Schiff aufbrechen, in See stechen mit allerlei

Hokuspokus, fast wie zur Leipziger Messe.

Aus Japan soll das kommen.

Mit einigen Originalen.

Aber Respekt: einer Mannschaft,

der sich Anne anvertrauen wollte.

Hamburg – was für eine Stadt. Das Tor zur Welt.

Und schon bis Irland. Jetzt geht ’s aber los.

Na ja, über die Reling, wenn ’s losgeht?

Jemand klopft auf die Schulter:

„So haben wir alle angefangen. Wir Landratten.“ Auch Darwin hat das erlebt.

Ja, in stürmischer See. Wenn sie brüllt. –

Wenn der Matrose hinaufklettert,

um die Segel zu kappen,

damit der Hauptmast nicht bricht.

Wir könnten den polnischen Grafen zitieren,

der den Wald nicht kennt, aber die See.

Wir könnten den Teufel heraufbeschwören,

den Hai, den Wal, die Walfänger mit dem Käptn, der es mit dem Bösen aufnehmen möchte.

Aus Wut.

Weil der ihn verletzt hat bis zum Krüppel.

Den einst Mächtigen auf seinem Schiff

in unwegsamen Gegenden des Ozeans.

Wir wissen das.

Wie oft sind wir gefahren auf den Autobahnen und Landstraßen unseres geteilten Vaterlandes und plötzlich tauchten die Angebote auf an den Litfaßsäulen und in den Glashäusern

der Omnibusunternehmen, in denen die Mitsechzigerinnen und ihre Männer warteten,

dass der Bus käme und sie abholte zum Ziel.

Nicht ihrer Träume, sondern ihrer Arzttermine wegen und Weh – Wehchen, was es so gibt zwischen Himmel und Erde und Haarwurzeln und Fußzeh.

Jetzt America.

Endlich.

New York.

Eine Nacht, zwei Nächte, drei Nächte,

vier Nächte, fünf Nächte.

Nun ist es aber genug für diesen einmaligen Vorzugspreis.

Also haben wir uns aufgemacht,

den veralteten Diesel stehen gelassen,

eine Reise gebucht zu den Wolkenkratzern

in Gottes gelobtem Land.

Es wird Zeit, dass wir alles hinter uns lassen

und über den Wassern der Erde fliegen zu denen, die längst dort sind: Unsere Protagonisten.

Anne ist inzwischen dort.

Sie kämpfte sich durch.

Sie hat in Irland nicht das Segelschulschiff verlassen, wie die Gärtner aus Deutschland,

die sich mit den Amerikanern verbrüdern wollten, wenn sie versprechen, zu kooperieren

und keine artfremden Getiere und Pflanzen

in die Alte Welt zu lassen.-

Es muss überschaubar bleiben in der Botanik.-

Wie die Matrosen, die endlich wiederkamen

von ihrem Landgang, die Gräfin mit ihrem Pferd, die Große Moderatorin aus Berlin.

Alle, die gesund werden wollten,

indem sie ein Abenteuer bestehen.

Geschickt vom Jugendamt.

Sozialamt.

Sie hat gewartet, bis sie wiederkamen

vom Landgang und es konnte endlich

von Irland aus weitergehen.

Sie konnte Dienste übernehmen, die Versorgung der Besatzung und der Passagiere betreffend.

Nein, sie wollte nicht fliegen,

sondern wie die Alten die Neue Welt entdecken durch die Wasserwüsten hindurch.

Nein, nicht fliegen?

„Irland ist dazu prädestiniert. Als Stützpunkt für Flieger, die nicht genug getankt haben.“

Die alte Bauart eben.

Das Schiff sticht in See.

Der Flieger bleibt am Boden.

Sie sortiert ihre Briefschaften.

Jetzt hat sie genügend Zeit.

Deshalb hat sie sie mit genommen.

Das ist ihr wichtig.

Besonders die Briefe einer ihrer Freundinnen,

in denen das Schicksal

eines Mädchens erzählt wird.

Viel trauriger als ihr eigenes Schicksal.

Immerhin hat sie ihre Mutter verloren

bei einem nicht aufgeklärten Verkehrsunfall.

Wenn das Schiff gleitet

und eine Brise für Kühlung sorgt auf den Planken, wirft sie sich in eine Ecke voller Seilschaften

für den Schiffsbetrieb und liest diese Briefe, genauer Manuskripte.

Sie sollte sie unbedingt lesen,

hat ihr das Mädchen aus Weimar geschrieben. Deswegen hat sie sie mit genommen, weil in den letzten Wochen zu viel los war

durch ihre Abreise.

Was war los gewesen in Weimar, der Stadt Goethes und Schillers, Herders, Klopstocks, all die versammelten Heroen.

Viel.

Die Republik.

Die Republik von Weimar, das Fundament

siehe oben.

Das Denkmal hat sie alle überdauert. Sie reichen sich die Hände auf dem Sockel

vor dem Deutschen Theater: Goethe und Schiller.

Der eine ein Schürzenjäger – oder keiner –

wenn die Alternativen forschen, der andere…? Das Drama, ach Dostojewski,

der erste Kriminalroman: Aus verlorener Ehre.

Das alles interessiert Anne nicht so furchtbar.

Doch, wir müssen uns das in‘ s Gedächtnis rufen, vielleicht mit Franz Liszt und seiner rasenden Klaviermusik. Oder seiner Orchestrierung zu BARBAROSSA.

Die Klassikerstadt.

Die Kleinstadt.

Thüringen.

Die Wächter da oben auf dem Ettersberg.

Aus den Bauernstuben mit den großartigen Bohlen.

Die Bohlenstuben.

Die Fachwerkhäuser.

Die deutschen Namen der Orte.

Die Kirche. Wie ein Glucke, die ihre Flügel ausbreitet, wenn der Adler erscheint.

Oben am Himmel.

Die SS, das Reservoir aus unseren Dörfern.

Haben jüdische Händler das Vieh zu billig bekommen?

Ettersberg Buchenwald.

Der Turm, den unsere Deutsche Demokratische Republik gebaut hat nach dem Sieg über den Hitler – Faschismus durch die Rote Armee.

Fritz Cremer die Figuren, den Christus, der vom Kreuz herabsteigt und nachträglich siegen möchte.

Herder aus Ostpreußen.

Der Generalsuperintendent.

Wilhelm von Humboldt mit seinen vielen Sprachen, aber einer besonders.

Sie ist gar keine Sprache,

weil sie die Sprache Gottes ist.

Das Bild.

Zeichen.

Semiotik.

Das alles in Weimar und der darüber thront.

Jetzt kannst du Kaffee dort trinken,

du sollst zivil werden. Urban, aufgeräumt.

Nicht mehr nur die Asche – Felder, Paul Schneider, Ernst Thälmann. Die Osterpredigt aus dem Keller hinausgeschrien: Christus ist auferstanden.

Haben sie es in Weimar gehört. Bestimmt nicht. Viel zu weit oben im Buchenwald.

Haben sie den Gesang der Häftlinge gehört?

Oder war das nur der romantische Gesang

Jahre später an den Lagerfeuern.

Es musste ja weitergehen in der Jugendarbeit

der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen. Mit Klampfe. Ich spiel sie heute noch.

Wenn ich so traurig bin wie die Lorelei.

Nein, nein, das muss gesagt werden.

Weimar hier und dort. Klassiker.

Braun brauner am braunsten.

Sie mußten dann die Filme sehen, als alles vorbei war. Die Weimaraner.

Es gab bestimmt auch Aufrechte.

Neben Sauckel mit seinen acht Kindern.

Alle vergiftet von ihm selber.

Was wollen wir also sagen, nur weil Anne Briefe lesen wird von einer Freundin?

Was steht da drin,

dass wir uns so erinnern müssten?

Wer hat geschrieben.

Ein Mädchen aus Weimar, das sich nicht beugen wollte, konnte. Sie wusste nicht, was sie getan hat?Sie hat gar nichts getan. Sie hat nur einen Aufsatz geschrieben zu einem schönen Thema:

Dein Vorbild.

Ihr Vorbild war JESUS. Der Mann aus der Bibel. Der gute Hirte. Der Mann am Kreuz.

Den sie gemartert haben, gefoltert,

wie das Otto Pankok malt als die Geschichte der Menschheit. Eine ständig weitergehende.

Sie hat es aufgeschrieben. Hat dieAMERIC

In das Direktorenzimmer der erweiterten Oberschule in Weimar-Süd.

Die Oberschule hieß nach

Johann Wolfgang von Goethe.

Goethe war das Kreuz auch unheimlich.

Vielen.

Sie sagte: „Nein, ich ändere meinen Aufsatz nicht. Ich schreib ihn auch nicht neu. Ich sollte mein Vorbild beschreiben. Ich habe es getan.“

Sie war immerhin die Klassenbeste und hatte einen gewissen Stolz als Mädchen in der Klasse mit ihrem Glauben, den sie zeigen wollte.

Seine Schönheit.

Aber Jesus ist doch gar kein Mensch gewesen“,

sagte der Direktor.

Doch!“

Warum nimmst du nicht deine Eltern, wie die anderen,“ sagte vermittelnd ihre Deutschlehrerin.

Warum nimmst du nicht deine Großeltern

wie andere?“

Ich will nicht andere nehmen! Ich will nicht Goethe und Schiller nehmen

ich will sie alle nicht,

nur Jesus.“

CHOR:

Nobody knows the trouble I’ve seen…

but JESUS.

Niemand kennt das Leid, das ich sehe

nur Jesus.

Sie hat es schwer.

Sie fällt zurück.

Sie wird blass.

Sie geht nach dem Westen

In den Schwarzwald

Sie stirbt.

Die Freundin des Mädchens hat sich noch lange geschrieben mit ihr bis zum bitteren Ende.

Sie hat die Briefe aufgehoben und an die Tochter des ehemaligen wehrdienstpflichtigen Grenzsoldaten geschickt.

Sie waren sich oft begegnet.

Die Eltern kannten sich. Die Mütter. Um viele Ecken herum.

Natürlich hat Anne Leskow die Briefe schon alle überflogen, jetzt wird sie sie lesen.

2

New York – Glückliches Ende und Ausblick

Sie hat sich eine Billigwohnung genommen.

In der soundsovielten Straße in New York.

Es geht.

Sie hat einen Job angenommen. Sie kann also ihren Lebensunterhalt selber aufbringen.

Sie kann sich sogar nach ihren Schichten auf einen Barhocker setzen, nahe ihrer Unterkunft.

Sie hat jemanden gefunden, mit dem sie alles teilen will. Ein, zwei Jahre jünger als sie.

Sie haben sich lange unterhalten über die Welt, aus der sie kommen. In den Parks.

Bis sie es wusste, er hatte auch etwas damit zu tun, wo ihr Vater vor der Wiedervereinigung Deutschlands zu Hause war.

Der Grenzer. Der Vater von Anne.

Er war der Sohn eines Werktätigen in der Deutschen Demokratischen Republik, wo die Menschen nicht an Gott glauben, sondern Atheisten sind. Wo sie gebildet sind, weil sie an die Naturwissenschaften glauben, Darwin und

Karl Marx und Friedrich Engels und viele andere“.

In Kurzform gesprochen. Die Klischees sind mit fotografischer Genauigkeit bedient.

Und der Sohn einer Werktätigen in der Deutschen Demokratischen Republik, die Arbeit und Beruf gut mit den Pflichten einer Hausfrau und Mutter unter einen Hut brachte“.

Da sind sie denn doch erst einmal eingekehrt in eine der vielen Bars und haben Swing getanzt.

Am nächsten Tag war Sonntag. Da haben sie sich eine Kirche angesehen, wo schwarz gesungen und gebetet wird, aber Weiße erlaubt sind.

Sie haben zugehört.

Ein bisschen Englisch konnten sie schon.

In der Kirche lernt man gut englisch, weil der Prediger gezwungen ist, zu artikulieren, damit die Botschaft von Jesus Christus auch ankommt.

Am besten war das Lied von den Sklaven, die frei werden, wenn sie glauben. Da haben sie mitgesungen, weil sie frei werden wollten von ihrer Angst, etwas falsch zu machen. Sie haben sogar geschunkelt und ihre Augen blitzten.

Eigenartig, sie sind doch völlig unreligiös erzogen worden“.

DDR-Bürger glauben nicht an Gott.

Sie sind Atheisten“.

Anne ist nicht völlig anti-christlich erzogen worden, sie ist getauft worden und ihr Vater, der Grenzer hatte nichts dagegen“.

Sie sind anschließend zu dem schwarzen Pastor gegangen und haben ihm erzählt, wer sie sind und woher sie kommen. Der Pastor hat zugehört und ihnen eine Bibel geschenkt. Jetzt lesen sie englisch die Bibel.

Nach einer gewissen Zeit sagt Anne zu ihrem Freund: „Ich werde mich nicht melden bei der Adresse, die ich habe, um dort für ein Jahr die Kinder zu hüten. Ich werde ihnen einen Brief schreiben.“ – In dem Brief stand: „Liebe Familie Wilder, leider muss ich Ihnen mitteilen, dass sich etwas geändert hat in meinem Leben und ich die Austauschstelle nicht antreten werde.

Ich hoffe, sie finden bald einen Ersatz.

Mit herzlichen Grüßen

Anne Leskow“.

Der Brief ging an eine Adresse in Pensylvanien. Und die Ersatzeltern machten sich ihre Gedanken und haben sich auch geärgert, weil sie fest damit gerechnet haben: Anne Leskowim Austauschverfahren als Au – pair- Mädchen. Sie wollte doch hier Englisch lernen und dann vielleicht studieren.

New York ist eine riesige Stadt.

Viel größer als Berlin und viel höher gebaut.

Die Entstehungszeit ist aber ähnlich. Mittelalter hat sie nicht, geschweige eine Römerzeit oder so.

Also unsere Maßstäbe können wir erst einmal vergessen.

Sie liegt am Meer.

Die Freiheitsstatue winkt.

Die Yankies wohnen hier.

Ihre Nachfahren.

Die Weißen, die gegen die Südstaaten gekämpft haben, weil die dagegen waren, die Sklaverei rechtlich zu beenden.

Die Geschäftsleute.

Das Business.

Der Biss.

Der Gott der Stadt?

Das weiß ich nicht.

Ich war nicht dort.

Aber ich kenne sie vom Hörensagen.

Von Filmen.Von Katastrophenfilmen.

Aus Kurzgeschichten, die eigentlich Romane sind.

Der GROSSE GETSBY.

So etwas. In der Art.

Oder Tennessee Williams.

Ich weiß es nicht, ob der jemals in New York gewesen ist.

Doch durch die Verleger.

Mindestens.

Die Hochhäuser sind Türme, die Kirchen sind klein dagegen. Aber es gibt sie.

Zum Beispiel die Schwarzenkirche, wo

Anne Leskow und ihr Freund hingehen,

wenn der Sonntag kommt.

Läuten dort die Glocken? Insider fragen. –

Das deutsche Glockengeläut soll ja das schönste sein. Siehe Gretchen vor dem Dom.

Kennen Sie die Aufnahme mit Gründgens?

Anne hat ihren Job, sie wäscht wirklich Teller und ihr Freund auch.

Es ist wie im Bilderbuch und in den vielen Storys

seit Jahrhunderten oder mindestens Jahrzehnten.

Trotzdem machen sich die Eltern Sorgen.

Hat Oliver Eltern?

Anne hat eine Großmutter und einen Vater,

der eine KfZ – Werkstatt aufgebaut hat am Rand eines Waldes. Ihre Mutter ist bei einem mysteriösen Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

Wir sagten das schon.“

Mit der Großmutter hat sie das letzte Mal in Hamburg telefoniert. Es wird Zeit, dass sie anruft.

Sie hat die Stürme des Meeres vorüberziehen lassen, den Lärm der Schiffsmannschaft,

als sie nach ihren Ausgängen zurückkam.

Das Gewäsch der Kleingärtnergruppe und die großartige Ankunft mit dem Pathos der Statue.

Und immer noch nicht hat sie zum Handy gegriffen und die Nummern eingetippt, die das Handy zu Hause von der Großmutter zum Zittern bringt oder Klingeln: Die Großmutter hat sich ein Volkslied gewünscht als Weckmelodie.

Aber das ist ja verzeihlich, hat Anne Leskow doch nun einen Freund gefunden für das amerikanische Leben in New York, in den Häuserschluchten,

vor den Towers, in den Parks.

Er heißt Oliver und hat ziemlich abstehende Ohren, groß genug, um alles zu hören und zu verstehen, was sie sagt. Wie Segel, die den Wind „von drüben“ einfangen.

Dann müsste es eigentlich Ostwind sein.

Gibt es den in Amerika?

Immerhin kommen sie ja beide „von drüben“, vielleicht sogar von ganz drüben, mehr als ihnen lieb ist.

Und den anderen auch. Die haben Biss.

So könnten sie vermuten:

jenseits der Demarkationslinie geboren.Wenn sie einen ehemaligen Soldaten zum Vater hat, der in der DDR diese Demarkationslinie unter allen Umständen zu verteidigen hatte und beinahe ums Leben gekommen ist bei einem Verkehrsunfall,

von dem manche wussten, er hätte etwas mit dem vormaligen Beruf ihres Vaters zu tun.

Wissen wir“.

Und bei dem ja ihre Mutter, ausgerechnet ein Westkind Deutschlands, ums Leben gekommen ist.

Wissen wir“.

Gut, dass es dann die Großmutter gab, die sich auskannte in dem Dschungel der BRD alt –

auch neu?

Oliver erzählte nicht so viel von sich.

Wenn Anne nicht fragte, sagte er gar nichts

zu seiner Vergangenheit.

„Wo komme ich her?“

Sie wusste bis jetzt nicht einmal, warum er in die USA gekommen war.

Bald hörte er mit dem Tellerwaschen auf und ging regelmäßig in ein Büro. Er erzählte ihr, „drüben“ seinen Abschluss gemacht zu haben und dann ein Flugzeug genommen zu haben, um hierher zu kommen. Ein bisschen früher, als er sollte, zu einem Eignungstermin, damit er „schnuppern“ konnte.

Nun war der Termin und „sie“ haben ihn genommen.

Er sagte ihr, er wäre jetzt Staatsbediensteter und sein Aufgabenfeld nennt sich Sicherheit und Ordnung. Sie wollte aber ihre kleine Au – pair-Wohnung nicht aufgeben und sie wollte auch erst einmal weiter arbeiten in dem Hotel, das sie aufgefangen hatte, wie sie sagt, nachdem sie ihren Fuß in dieses Land gesetzt hatte.

Er erzählte nichts von seinen Eltern, geschweige von seinen Großeltern. Allerdings … es gab Anrufe aus Deutschland. So redet man nur mit einer Mutter. Und eines Tages gestand er ihr,

dass seine Mutter eine lebenslängliche Strafe abbüßt, sie aber aus dem Gefängnis ihn regelmäßig anrufen darf. Einen Vater gibt es nicht.

Für ihn nicht.

Aber Pflegeeltern.

Vorher Heim.

Damit das Schweigen nicht unerträglich wird, gehen sie in den großen Stadtpark in der Nähe.

Wo die Tauben gefüttert werden.

Sie machen Picknick und stecken sich ihre Hörmuscheln hinter die Ohren, um George Gershwin zu hören: Porgy und Bess.

Erst die Decke.

Gott sei Dank regnet es nicht.

Sie können den ganzen Tag draußen bleiben.

Der Rotkäppchen-Korb steht neben ihnen.

Nicht weit von ihnen ist eine weiße Bank unbesetzt. Seit einer Stunde.

Er schlägt vor, sich auf die Bank zu setzen und die Sachen dort zu deponieren.

So sitzen sie schon einige Minuten, ohne ein Wort miteinander gesprochen zu haben.

„Weißt du, Anne, das ist eine lange Geschichte…

meine Mutter hat mir auch nicht den Grund erzählt. Wie sollte sie auch. Sie ist im Gefängnis.Und ich bin im Gefängnis zur Welt gekommen. Bald kommt sie frei…

Vielleicht kommt sie dann nach.

Wenn sie darf. Ich bin in ein Heim gekommen, weil sich niemand gefunden hat, der für mich zuständig war. Der Vater meiner Mutter war ein Flüchtling, als die Welt noch geteilt war in Gut und Böse. In Ost und West. Er meinte im Westen sei alles besser. Vielleicht war es wirklich die Freiheit, die er suchte. Er konnte sich nicht vorstellen, dass ein Stacheldraht oder Minen sein Leben auf Dauer begrenzen. Er konnte es nicht ausprobieren wie es in der Freiheit ist, wo da die Grenzen liegen. Die wirklich eigenen.

Die Gott setzt. Oder seine Veranlagungen. Freiheit ist für meine Begriffe immer eine Begegnung mit Gott. Doch, da steckt schon ein wenig Transzendenz in diesem Verlangen.

Frei zu sein.

Aber es war ein tödliches für ihn geworden,

wie für viele. Er hat sich nicht fügen wollen.

Und er war auch rücksichtslos gegenüber seiner Frau und seinen Kindern. Seine Tochter musste es nun ausbaden.“

Pause

„Wie rücksichtslos sind die Heiligen, wenn sie ihre Kinder im Stich lassen und ihre Pilgerschaft antreten.“

Lange Pause.

Tauben fliegen im Park

„Das ist kein DDR-Problem, das gehört zu uns. Immer.“

Der Abendwind kam auf

in der großen Stadt New York.

Die Sonne ging nicht unter.

Sie sahen sie nicht.

„Also sie haben ihn geschleift, als corpus delicti …und sicher auch irgendwo verbrannt und zu Asche werden lassen…

Er war ein Republikflüchtiger. Eine Schande für die ganze Familie…“

Hier brach der Erzähler ab und wollte die Sachen zusammenpacken. Er begleitete Anne nach Hause in Richtung Wohnung im soundsovielten Stock eines Hochhauses der so und so vielten Straße in New York in Amerika.

„Willst Du noch einmal in Dein Büro?“

Er blieb stehen.

„Nein, aber so lange die Geschichte nicht zu Ende erzählt ist, geh ich in mein Haus, dass mir zur Verfügung gestellt wurde als Bediensteter eines Geheimdienstes der Vereinigten Staaten von Amerika.“

Anne wurde weiß und grau im Gesicht und begann zu schreien und zu weinen.

Die Leute drehten sich um.

Oliver Thielemann wendete sich ab und wollte gehen.

Sie klammerte sich an ihn.

Die Nacht brach herein.

3

Zu Hause

Zu Hause in Europa in den Gefängnissen taten die

Beamten ihren Dienst und schlossen die Türen auf

und zu. Heute morgen in Deutschland sollte eine Frau Erna Thielemann entlassen werden, nachdem sie eine so genannte lebenslange Haft absolviert hatte in einem zivilen Gefängnis. Ohne anschließende Sicherheitsverwahrung.

Frau Thielemann war vor Jahren geständig und hat zugegeben, ihren Bruder angestachelt zu haben ein Fahrzeug von der Fahrbahn abzudrängen und den Tod dreier Menschen dabei in Kauf genommen zu haben. Nein – ihn damit bewusst herbeigeführt hat.

Weiter: Sie hat eine intime Beziehung zu einem Mann hergestellt, um ihn dann in einem passenden Augenblick während eines gemeinsamen Waldspazierganges so an eine Klippe heranzuführen, dass ein Stoß genügt hat…

Ein Kind aus dieser Beziehung, ihr Sohn, lebt jetzt in Amerika. Sie schreibt ihm regelmäßig Briefe. Oder ruft an, bzw. : Wird angerufen.

Jetzt freut sie sich, dass ihre Strafzeit zu Ende ist und sie das Frauengefängnis verlassen kann.

Sie hatte sich gestellt, weil sie die Jagd auf sie nicht mehr riskieren wollte, Ermittlungen behördlicherseits wegen ihrer Straftaten war die eine Sache, die andere, sie war nicht sicher, inwieweit alte Seilschaften weiter in den deutschen Wäldern ihr Unwesen trieben und sie aufs Korn nahmen.

„JETZT IST SIE DRAN!“

Es hatte sich herumgesprochen in den einschlägigen Kreisen.

„Wir halten zusammen.“

„Wenn uns jemand antastet.“

„Sie ist eine Mörderin“

So schallte es durch den deutschen Wald.

Den Grenzwald.

Obwohl alle Minen längst beseitigt waren.

„Das tut man nicht.“

Biblisch, sagen wir.

Verworfen.

Dunkel.

Abgründig.

Was sonst.

Es gab sie noch, die alten Seilschaften.

Sie funktionierten noch.

Sie waren nötig zum Schutz der alten Truppe.

Zum Schutz der alten Schwüre.

Auf Verrat stand immer noch die Todesstrafe und nicht nur „lebenslänglich“ mit anschließender Sicherheitsverwahrung bei Gefahr des Rückfalls.

Oder keiner.

Was musste sie sich auch an einem harmlosen Waldbesitzer vergreifen, die alten Geschichten aufwärmen, die niemanden mehr interessieren.

Der Klassenkampf geht weiter.

Im Untergrund.

Menschen werden entsorgt.

Keiner weiß, wo sie abgeblieben sind.

Unaufgeklärte Fälle für die deutsche Justiz.

Nein, da war ein ordentliches Gericht die einzige Möglichkeit um dem Fememord zu entgehen.

Allerdings – hoffentlich haben sich keine Wachleute auf Grund ihrer soliden Ausbildung eingeschlichen in den Apparat und schließen am Morgen und am Abend die Türen auf und zu in deutschen Gefängnissen in Deutschland West und Ost.

Gott sei es gedankt: es war nicht so.

Jedenfalls nicht in der Geschichte, die wir beauftragt sind hier zu erzählen.

Nicht an diesem Ort in Thüringen.

Sie sind ja auch meistens in den Westen gegangen, die grauen Mäuse.

Graue Mäuse.

Erna konnte ihre sieben Sachen packen.

Sie kam in den Keller, wo ihre Habseligkeiten aufbewahrt wurden und von zwei Wächterinnen, die fein säuberlich die Dinge auf die Bank gelegt hatten, übergeben wurden mit Unterschrift des Empfanges.

Erna nickte.

Ihr Koffer war auch noch greifbar.

Dann wurde sie hinaus begleitet.

Bis an das Sicherheitstor.

Dann Freiheit.

Niemand, der sie abholte.

Doch, dort winkte jemand aus dem Auto.

Wie in unzähligen Filmen.

Sie ging über die Straße.

Sie sollte angeworben werden.

Man steckte ihr Geld zu.

„Wissen Sie, wir haben Ihren Lebensweg verfolgt und schon den Ihrer Eltern, auch den Ihrer Großeltern und natürlich wissen wir Bescheid, dass es Ihrem Sohn gut geht und sein Vater in der Hölle schmort. Ha, ha, ha, ha.“

Der Engländer mit seinem englischen Humor lachte sehr ausgiebig, zu ausgiebig über eine Familientragödie, die nicht die seine war.

Der Fahrer griente ebenfalls. Das konnte Erna sehen im Rückspiegel von der hinteren Sitzbank aus, neben dem englischen Spion.

„Was wollen Sie von mir?“ fragte sie schließlich nach längerem Schweigen, die lebenslängliche Insassin des Frauengefängnisses.

„Wir wollen erst einmal gar nichts“ , sagte der Unbekannte mit Mantel und Hut neben ihr.

Nach einer Biege im Thüringer Wald:

„Aber wir haben Mitleid.“

„Warum, Sie wissen, ich bin eine Mörderin.“

„Sie sind ein Opfer des geistigen Terrors in der DDR und waren bis heute in einem bundes-deutschen Gefängnis – und wie viele laufen herum, die Blut an ihren Händen haben, sie aber so fein gewaschen haben, dass sie nun blütenweiß sind.“ Darauf weiß Erna nichts zu erwidern.

Nächtelang hat sie sich diese Fragen gestellt und musste im Gerichtsaal bedauern, zur Selbstjustiz gegriffen zu haben, in der Hoffnung, die Strafe zu mildern.

Wie viel hätte der Vater ihres Kindes und Liebhaber ihrer Mutter bekommen,

wenn sie und ihr Bruder ihn angezeigt hätten in der neugewonnenen Freiheit?

Nacht, Laub raschelt, Schritte. Ein anderer schießt: auf Grund des Grenzbefehls.

Ihr Vater stürzt, weil er sich verlassen hat auf die Aussage seines Freundes, des Offiziers an diesem Abend.

Was willst du da beweisen. Du weißt es nur.

Ein dunkles Geheimnis. Hat es ihnen ihre Mutter doch weiter gegeben. Sie war dabei, als die beiden Freunde diese Nacht skizzierten mit dem erfolgreichen Grenzübertritt, damit endlich „zusammenwächst, was zusammen gehört“ –

ihre Liebe. Ihre Liebe zu dem Mann an der Grenze, der darauf achtet, dass die Grenzen nicht verwischt werden.

Sie mochte beide. Wie das so ist. Dann hat sie Erich geheiratet und nicht Waldemar, den Soldaten und Offizier, sondern den Maurerpolier, der es bis zum Fachschulabschluss brachte. Aber sie waren immer zusammen.Und eines Tages, als die Liebe angeblich erkaltet war und die Gewohnheiten über Hand nahmen, sprang der Funke, von dem jeder weiß, dass er immer da ist, wenn du ihn nicht schützt und in Grenzen hältst. Sie, Eva aus Hinterdermbach hatte einen Geliebten, der schon immer ein Freund war ihres Mannes und auch ihrer. Und er, der unverheiratet geblieben war, Waldemar Fischer, hatte endlich seine Jugendliebe wieder. Der andere ausgeschaltet durch das mörderische System zwischen den Welten.

Tod.

Getragen auf der Weltbühne in sein Dorf.

Asche zu Asche, Erde zu Erde, Staub zu Staub.

Der granitene Block kündet von Erich Thielemann geb. 1944 und gestorben 1988.

Das war eine Gnade, dass der Republikflüchtige in seinem Heimatdorf zu Grabe getragen werden konnte, weil die STASI – Leute sich unter die Trauergemeinde mischten.

Das war die Bedingung der Gnade.

Der Pfarrer weiß das.

Er ist lange genug in dem Grenzdorf mit besonderen Auflagen und Belobigungen seitens seiner Amtskirche.

Denn die Grenze hatte es in sich.

Nicht nur, dass sie vermint war zuletzt und man schon mindestens einen Grenzoffizier kennen musste, um durch ein raffiniert ausgeklügeltes Zeitfenster bei Nacht steigen zu können in die andere verbotene Welt.

Hoffentlich sind die Diener Gottes sauber und verraten nicht, was sie wissen. Brechen das Beichtgeheimnis nicht, für das sie sterben müssten, wenn du es streng auslegst. Dem Priester ist das früher – auch jetzt noch – so auferlegt. Das ist das Kreuz Christi.

Auf einmal.

Mitten im Leben, zweitausend Jahre nach GOLGATHA.

Das Geheimnis lebt.

Das Geheimnis Gottes und des Menschen und seiner Liebe, seines Verrates, seines Todes.

Nein, es durfte kein Besuch empfangen werden im Grenzgebiet – so einfach. Dafür gab es Genehmigungen – oder eben keine.

Die Kreisstadt war außerhalb der Grenzzone

und bot sich als Treffpunkt an, wenn weder die Besucher noch der zu Besuchende oder die zu Besuchenden clean waren in den Augen der Regierenden. Pfarrer sind angewiesen auf Besuche und Konsultationen, auf Geschwister in der familia Dei oder ganz einfach auf alle natürlichen Verwandten und Freunde – gerade in der Einsamkeit einer Grenznähe, die tödlich ist, wenn du sie nicht einhältst – die Regeln

im Kalten Krieg. Gerade hier muss Wärme entwickelt werden, sonst erfrierst du wie am Kältepol in der RUS.

Es gab Dauergenehmigungen für alle Familien, die hier wohnten. Das stimmt. Ein bestimmter begrenzter Personenkreis war zulässig.

Hermetisch abgeriegelt.

Wie war das damals, als aufsässige Bauern umgesiedelt wurden, ihre Äcker als Grenzland beschlagnahmt wurden. Bei Nacht und Nebel weggebracht wurden auf Lastwagen in ’s Innere des Landes.

Gut, es war nicht so schlimm, wie der andere terminus technicus: ABHOLEN.

Wohin abgeholt? In den Zeiten Walter Ulbrichts und Josef W. STALINS.

Vielleicht hat Ulbricht ja sogar noch Schlimmeres verhütet mit seiner Gruppe, die damals in Schönefeld gelandet ist, um die DDR aus der Taufe zu heben.

„Sie haben den und den abgeholt“, wurde gezischelt am Morgen beim Milchmann.

Er kam nicht wieder.

4

Der Erzähler

Als er mich holte,“ habe ich gelesen als Titel eines Buches, in dem eine indische Christin beschreibt, wie sie Christin geworden ist.

Wer hat hier wen geholt.

Ja, ja, es ging um die Weltrevolution und die Zukunft der Welt, als die Kolonnen zu den Weltfestspielen fuhren in BLAU.

Berlin Berlin.

Sei Berlin.

Schon immer.

RUSSLAND

Zur gleichen Zeit in der Ukraine, als es unruhig wurde in den Städten und Dörfern der Republik, die sich die Deutsche Demokratische nannte, sich die letzten aufmachten, um in den Westen zu fliehen, wo es gar nicht mehr nötig war, wenn sie die Handlinien der Zeit hätten lesen können wie die Wahrsagerin in Rumänien oder in einem Westberliner Club eine Edel-Sinti mit unglaublichem Schmuck und Gepränge,

Samt und Seide und einer dröhnenden Stimme, die die Männer um Einsturz brachte.

Ob es Edelmänner gewesen sind, wage ich zu bezweifeln.

Zur gleichen Zeit also in der siegreichen Sowjetunion mit den Riesenstatuen am Dnjepr wie an der Wolga etwas weiter östlich. Als mir ein Atomwissenschaftler folgenden Witz erzählte.

Da seid ihr gespannt, wa?

Ich auch. Immer wieder. Ihr mit eurem Putin und euren eingeübten Phobien, die ihr nicht wißt, was vorher gewesen war. Und wie es gewesen war.

Die ihr vergessen habt, dass sie den Revolver gezogen haben wie im Wilden Westen.

Am runden Tisch des Zentralkommitees im Kreml, falls jemand erledigt werden musste ohne viel Aufhebens.

„Es muss sein, Brüderchen“.

„Es muss“.

Als der Wodka noch floss und die Zahnputzbecher knapp wurden in den Geschäften für den alltäglichen Bedarf, weil sie neuerdings zu oft nach dem Getränk an die bröckelnden Wände geschmissen wurden in der überschäumenden Siegerfreude der Weltrevolution.

Das soll sich geändert haben.

Beria.

Stalin.

Chruschtschow.

Das Volk wusste, dass alles gut wird.

Und gut gemacht wird: Letzten Endes.

Blindes Vertrauen.

1989 im August.

Gorbatschow.

In der DDR Friedhofsruhe.

In den Schaufenstern der Sowjetunion

ISWESTIJA und PRAWDA.

GLASNOST und PERESTROIKA.

Was sagt Ilja – immer noch.

Glaubt er nicht?:

„Weißt du mein Lieber, was ist Fortschritt?

Sie sind gekommen, haben geklingelt.

Wir haben die Tür aufgemacht.

Sie sind in die Wohnung gekommen und haben uns erschossen.

Aber wir sind wieder auferstanden, wenn auch meine Kinder geweint haben und erst die Frau.

Also sind sie wiedergekommen nach der allgemeinen Verbesserung der Lage.Und haben geklingelt, denn wie gesagt, es gab uns ja noch immer.Wir machen die Tür auf. Diesmal meine Frau, unsere Tochter ist in die hinterste Ecke der Küche geflohen und fing an schrecklich zu schreien. Es hat niemanden gestört.

„Wo ist Ihr Mann?“

„Im Keller!“

„Oh, das ist gut! Da gehen wir hinunter.“

„Nein, bleiben Sie! – holt nur die Kohlen, sonst erfrieren wir ja in diesem Winter.“

„Nun, wir warten, wir sind ja keine Unmenschen.“

Ich brauche nicht weiter zu erzählen. Die Herren nehmen Platz und warten.

Ich komme, der wieder auferstandene Ilja.

Sie erheben sich. Nehmen mich bei den Armen und führen mich die Treppe hinunter. Die Türen werden leicht geöffnet. Es wird <<<<<<<<<<<<<´rein geballert.

Schnell gehen sie wieder zu.

Jetzt sind wir bei den Kohlen.

Fünf Treppen tief.

Es knallt. Sie haben mich diesmal im Keller erschossen. Ein Fortschritt gegenüber früher.

Ihr kennt die dritte Stufe der Verbesserung?

Sie klingeln wieder und bitten mich mitzukommen.

Sie warten.

Wir gehen in den Keller des KGB und dort werde ich erschossen.

Das ist die Verbesserung.“

Ha,ha, ha.

Ungarn

Zur gleichen Zeit, nur ein bisschen früher, als in Ungarn der Gulaschkommunismus herrschte und wir uns wunderten über die Schwierigkeiten dieser Sprache, gab es unglaublich erfolgreiche Spaziergänge mit einem ehemaligen Türken-missionar, der seine Studien in Deutschland getrieben hatte und uns seinen Garten zur Verfügung stellte, damit wir unser Fünf-Mann-Zelt nahe Budapest und Donau aufstellen konnten, um Westen zu spielen. Immer mal Gefängnis und mit echten Kommunisten im Loch. Das sind schon Abenteuer.

Von den kanibalischen Vergnügungen der zu Missionierenden in grauer Vorzeit ganz zu schweigen.

Ferenc hatte etwas zu erzählen und die Gänge wurden immer länger und der Schlaf im Garten immer aufgeräumter, weil es hier ein Weltbild gab, eine Nation, ja auch eine Zeitgrenze auf deren einer Seite zum Nationalfeiertag Flöte gespielt wurde, wie ein Volkslied. Ich habe das nie vergessen bei den ganzen Anfeindungen,

die aufgesagt werden wie ein Gedicht von Feinden.

Heute.

Jetzt.

Gerade eben wieder.

Sie haben keine Ahnung, sage ich mir, wissen sie nicht, was der Ungarnaufstand bedeutet hat für niedergehaltene Völker, um es in der Sprache der Evangelien zu sagen.

Wissen sie nicht, wie es zu dem Hass kam.

Zum Aufstand?

Kennen sie Europa so wenig?

Also da wird der Pfaffe nach oben geholt zur Vernehmung. Immer die gleichen Fragen.

Es ist wie das Lernen beim Katechismus. Wiederholung ist alles.

Aber es wird nicht besser dadurch.

„Bitte bring mir unbedingt Zigarettenstummel mit, ich verdurste,“ sagt der Altkommunist in der Zelle zum reformierten Pastor, dem ehemaligen Türkenmissionar.

Der tut es.

Der Dank?

„Weißt du, Diktatur ist wie Faust. Immer Faust, immer Faust. Aber Du bekommst Krampf in die Faust. Du musst sie öffnen. Das ist Diktatur.“

Ferenc hat mir den Witz weiter erzählt, den er aus dem Gefängnis mitgebracht hat.

Es ist kein Witz. Es ist die wahre Geschichte von der Weltrevolution. Die Faust öffnet sich.

Sie musste sich öffnen. Ich habe das nie vergessen, 89 auf der Straße nicht, nirgendwo.

So haben wir allmählich gelernt, keine Angst mehr zu haben. Wir waren eine Schicksals-gemeinschaft und sind es. Wir wissen, dass die Sonne im Osten aufgeht und nicht im Westen. Dort geht sie unter. Auch schön.

„Oh, wie wohl ist mir am Abend.“

Der Weltabend?

Gibt es ihn.

Oder zieht sich das ewig so hin.

Zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig?

Die Teilung Europas wird nicht überwunden durch Geldzahlungen, denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein. „Sondern von einem jeglichen Wort Gottes, das aus seinem Munde geht.“

Davon leben wir auch.

Nicht nur die Osttypen, sondern auch wir, ich, der sogenannte westliche Mensch.

Der es vielleicht nur nicht sagt, weil er nie gelitten hat. Nicht so. Oder andere hat leiden lassen.

Ja ja, wir Abendländler.

In Trachten und mit hoch erhobenen Weingläsern auf primitiven Wahlplakaten der AfD.

Oder weil er zu stolz ist, unbändig stolz.

5

Tief im deutschen Sozialismus

Lenin oder Urlaub.

Im Sozialismus waren wir froh, daß die Kinder solch lange Sommerferien hatten, in denen sie ausgebildet wurden zu wahrhaften und später beziehungsweise immerzu wehrhaften preußischen kleinen Soldaten und Soldatinnen mit rotem oder blauem Halstuch.

Dadurch hatten die Eltern Zeit, sich zu erholen.

Wovon?

Von ihren Kindern?

Von den Schulaufgaben ihrer Kinder?

Die Kinder, die nicht mit in die Lager fuhren, fuhren mit ihren Eltern in den ideologiefreien Urlaub von der Schule, vom real existierenden Sozialismus, vielleicht, um vom „wirklichen“ Sozialismus zu träumen?

Dann waren da aber die Scheinwerfer nachts über der See, die Truppenübungsplätze.

Die langen Ferien bedeuteten Stillstand –

wie im Auge des Orkans vielleicht.

Die „andere DDR“ verschnaufte an den FKK-Stränden und regenerierte sich – auch die Ferien nutzend. Die Kibbuzim-Ferien…

Das sind Verhaltensweisen des Hinauszögerns, des Bummelns, des Nach-Vorschrift-Arbeitens, des heimlichen Streiks, die sich da herausgebildet haben. Ferien und Urlaub als ideologiefreier Raum. Natürlich: als Zeitnische.

Allerdings – 89 wurde sie ein Timetunnel, diese Zeitnische für die Generation, die 1994 um die

50 war. Die damals noch Jüngsten von den Alten.

Die sich auf Günter Grass berufen haben und andere, die noch nicht wussten, daß er auch nur ein Mensch war, ein junger Mensch, nur er hätte es besser laut gesagt und nicht so getan, als wäre er unfehlbar, der SPD-Mann und Nobelpreisträger.

Sie schlüpften durch den Tunnel in Botschaften, durch Zäune und Drähte, so massenhaft, daß es keine Einzelfälle mehr waren und Karl-Eduard von Schnitzler Lügen gestraft wurde, weil auch er nicht mitbekommen hat, dass eine neue Generation herangewachsen war, unter der Hand der Partei sogar.

Nicht Ländergrenzen wurden überwunden, sondern Zeitgrenzen deutlich.

Zivilisationsgrenzen, Kulturgrenzen wurden empfunden mit Aussprüchen wie: „Wenn du zurückkommst, darfst du nicht mehr riechen, fühlen, sehen, hören.“

Die Willkür wurde nicht mehr gelten gelassen…

Der Glaube an den Kommunismus als Idee war bei den Machtträgern zur reinen Ideologie verkommen, mittels derer man andere diszipliniert.Vielleicht war genau das das Böse, gegen das im biblischen Sinne Widerstand nötig wurde und weswegen sich von Haus aus Konservative – nicht Aufsässige – den Bürgerbewegungen anschlossen. Gerade auch katholische Christen z.B. im Demokratischen Aufbruch. Oder in der Aktion Katholische Christen. Ja, weswegen in dunklen Stunden Ronald Reagen Recht gegeben wurde mit seinem „Reich des Bösen“ und der These vom Totrüsten der Sowjets..

Ja, Intellektuelle lügen auch. Übrigens auch in der Hitlerzeit. Gerade da.

Reagen vor dem Brandenburger Tor.

Die Bildzeitung lässt sich auch von Oberlehrern

in der ZEIT nicht davon abbringen, die Tage der Mauer zu zählen.

Es war letztendlich ein konservativer Widerstand, um mit Karl Marx zu sprechen – eine konservative Revolution – wie in den damaligen Ausgaben der WELTBÜHNE betont wurde, die den Ausschlag gegeben hätte.

Das lähmende Entsetzen bei der deutschen Sozialdemokratie angesichts des Zusammenbruchs aller bisherigen Weltkonstellationen im Ost-West-Konflikt spricht Bände. Auch Äußerungen von führenden Gewerkschaftern, die jetzt entschuldigend ihre Mitglieder anmahnen, nicht alle wirtschaftlichen, finanziellen und sozialen Irritationen auf die Wiedervereinigung zu schieben. Es stimme ja nicht (im Gleichklang mit dem Kanzler Kohl).

Es wäre auch ohne die Wiedervereinigung so gekommen.

Das macht mich fassungslos, heute noch, wenn ich das nach Jahrzehnten lese. Und viele meiner Landsleute haben das auch so empfunden.

Und wenn die Wiedervereinigung ursächlich daran Mitschuld getragen hätte? Was dann?

Dann hätte man wohl empfehlen wollen, darauf zu verzichten? Dem Zynismus sind weiß Gott keine Grenzen gesetzt.

Der Patriotismus (s.auch Grass in ambivalenter Weise) ist den Rechtsradikalen überlassen worden. Von Anfang an.

Den jugendlichen Rechtsradikalen.

Den so Genannten. Im Osten wie im Westen.

Der Verlogenheit sind keine Grenzen gesetzt.

Der Sinnlosigkeit auch nicht.

Da gedeihen Extreme.

Ob nun Lenin in Finnland Kohlrüben essend oder in Polen Patiencen legend mit seiner Schwiegermutter, Frau und Kind – unser Urlaub war eine Auswanderung von Anfang an.

Zuletzt vor 1989 Ungarn, wo wir WESTEN spielen durften. Ein wenig, wie wir heute wissen.

So weit der Erzähler.

6

Amerika ist ein Traum.

Onkel Toms Hütte.

Die Sklavenbefreiung.

Die Gospels.

Die Predigten in Musik.

George Gershwin, Hemingway.

Aber der große Hemingway konnte sie nicht begleiten.

Er war in seiner Jagdleidenschaft verunglückt.

Keiner weiß Genaues.

Warum die Kugel sich gelöst hat.

Manche wissen es.

Es war ein Unfall und er war im Schwarzwald.

Oft.

Habe ich zufällig gehört, als Männer zusammenstanden vor dem Lessinghaus

in Berlin Mitte Nikolaiviertel, gegenüber der Nikolaikirche. Ein Topos der Erinnerung an die Opfer.

Welcher Opfer?

Ich habe gelesen, dass die Jüdische Gemeinde sich dagegen verwahrt, dass es einen Gedenktag gibt an die Opfer der totalitären Regime im

letzten Jahrhundert. Ich habe auch Solschenizyn gelesen in Bezug auf die Oktoberrevolution und die Roten Garden. Und von dem AfD-Mann in Fulda, der sich mehrmals entschuldigt hat, missverständlich geredet zu haben von Tätern und Opfern, als er noch in der Christlich Demokratischen Union war.

Havel, Landsbergis und Gauck haben es erfolgreich eingebracht, dass es einen Gedenktag im September zu geben habe an diese Opfer in Europa. Es ist in der Europäischen Union beschlossen worden. Und die Jüdische

Gemeinde hat dagegen protestiert.

Warum. Mir haben vor allen Dingen die Juden in Deutschland geglaubt, wenn es um die Repressalien ging, die der totale Staat Deutsche Demokratische Republik auf mich ausgeübt hat. Vor allen Dingen eine Jüdin, die nach Hause gekommen nach dem Zusammenbruch des Hitlerreiches, einen Offizier anstellte in ihrem Gemüseladen mit der Bemerkung, es müsse nun wirklich Schluss sein. Sie hatte ihr Kind versteckt bei freundlichen Nachbarn in der Kleinstadt. Niemand hat gefragt. Wo kein Kläger ist, ist kein Richter. Immerhin ging es um Lebensmittelkarten.

Und in der Schlange vor dem Ofen, nackt, redete sie zu ihrer Schicksalsgenossin:

Ha, die Krätze hatte ich noch nicht, –

auf altenburgisch – thüringisch.

Das hörte der Wachhabende:

Du bist wohl aus Altenburg, der Skatstadt? – Ja!

Geh nach rechts einen Schritt weiter in die Schlange, die zum Steinbruch führt. Dort bekommst du etwas zum Anziehen und das Werkzeug. So ist sie gerettet gewesen und nicht verbrannt in dem Ofen. Nicht vergiftet unter der Dusche mit Gas. Vorher.

Hamas. Hamas. Juden in‘ s Gas. Rufen sie jetzt wieder auf den Straßen Berlins. Und eigentlich geht keiner hin und verhindert das.

Wo leben wir.

Sie war in der SED.

Ihr Sohn nach der Wende SPD-Bürgermeister in einer Stadt an der Ostsee. Viel zu früh gestorben.

Das Kind, das die unpolitischen Nachbarn versteckten.

Nacht. Träume. Die Nummer auf ihrem Arm.

Sie nehmen mir mein Kind weg.

Gott habe sie selig.

Gott sei es gedankt, ich durfte mit ihr reden.

Gnade.

Es ist das Gleiche – wie damals.“

Wie damals? Hat sie gesagt.

Andere auch.

Die müssen es wissen.

Nicht das Geschrei der Zeitungen.

Das war tief in der Provinz.

Wo es kein Multikulti gibt, aber Agitatoren 1989/90, die nicht die Kirchen aufsuchten, sondern frech die Pfarrhäuser.

Sie wussten, dass ihnen da aufgemacht wurde, wenn die Klingel schrillte.

Sie haben den Leuten erzählt, wie man es macht.

Auch Bildchen waren dabei.Von rechts und links.

Von der Vielfalt, von den sexuellen Neigungen.

Sie nannten es Orientierungen. Inzwischen weiß ich, dass auch die Odenwaldschule vorkam:

Mit Tricks können wir vieles durchsetzen.

Wir warten einfach bis die falschen Leute gegangen sind. Dann der Antrag„Angenommen.“

Alle denken, alles ist gut. Die, die geblieben sind.

Die meinen, das ist wohl jetzt modern.

Wie war das damals tief in der Provinz, wo Homosexuelle und Christen als Minderheiten angesehen wurden in der Deutschen Demokratischen Republik, wenn man die Kinder und Jugendlichen danach gefragt hat.

Und mit ihnen ins Gespräch kommt.

Wie eine geschickte Lehrerin.

Es stimmt sogar für eine Mehrheitsgesellschaft mit 99% igen Wahlergebnissen.

7

Aus diesen Verhältnissen ist unser Held geflohen mit Hilfe seines Freundes, des Offiziers der Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik.

Er wollte ein besseres Leben.

Freiheit?

Er kannte das West – Fernsehen.

Die Reklame.

Die Süßigkeit des Lebens wollte er schmecken. Das Verwöhnaroma probieren.

Der Offizier?

Der Freund?

Die Mutter konnte nicht mehr schweigen ihren Kindern gegenüber, als sie von dem Unfall erfuhr im Schwarzwald. Und dass sie ihn bewusst verursacht haben, um den Mörder ihres Vaters zu strafen. In Selbstjustiz, weil niemand der Justiz mehr etwas zutraut, was die Vergangenheit angeht in Deutschland-Ost. Von West sollen andere reden. Aber vielleicht gibt es da ja auch Überschneidungen.Sie hat es gewusst, warum die Flucht nicht gelungen ist.

Und es jagten ihre Kinder den vermeintlichen Täter in jener Vollmondnacht, der seinen Dienst versah. Sein Vorgesetzter neben ihm, der so tat, als geschehe nichts.

Dem Sohn wurde es unheimlich: Eine tote Frau, ein einfacher Soldat, der seine Frau verloren hat.

Ein kleines Mädchen, das seine Mutter an einem Abend verliert am Rand einer nicht sonderlich befahrenen Straße in der Bundesrepublik Deutschland.

Er bedankte sich bei seiner Mutter für die Wahrheit, für die ganze Wahrheit und zog in die Welt. Bis jetzt wissen wir immer noch nicht wohin.Wir wissen ja noch nicht einmal, wo er eigentlich herkam. Plötzlich war er wieder im Dorf.

Eigentlich wissen wir gar nichts.

Und sind doch nicht gar aus.

Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?

Wer sind wir.

Wo liegen unsere Grenzen.

Haben wir sie längst überschritten und wissen nicht, wo und wann.

Oder liegen die Minen noch verstreut.

Aber du wirst geführt, wie auf einem Pfad durch den Sumpf.

Wer führt uns.

Die Tochter hat nicht locker gelassen.

Sie schreibt die Judithgeschichte neu und findet den Freund und Geliebten von damals.

Sie freundet sich an.

Das ist eine böse Geschichte.

8

Wer war der Grenzoffizier?

Jemand aus dem Dorf?

Nein, ein einfacher Soldat aus Berlin, der nicht die Mauer in seiner Heimatstadt Berlin bewachen sollte. Um Loyalitätskonflikten aus dem Weg zu gehen.

Es könnte ja sein, dass er die Schusswaffe zu gebrauchen hätte, es aber nicht tut, weil er fürchtet, jemandem tödlich nahe zu sein, der ihm nah ist, verwandt, Freund, Freundin. Wer weiß das in einer ehemaligen ganzen Stadt, jetzt aber geteilt durch einen so genannten Eisernen Vorhang.

Berliner an die Front. Aber nicht in ihrer Stadt. Sondern möglichst weit weg in dem kleinen Reststaat des Kommunismus in dem ehemaligen Großdeutschen Reich, in Jammer und Elend zugrunde gegangen. Gegenüber der neue große Feind, der deutsche Imperialismus, die BRD.

Weit weg bedeutet Thüringen.

Grenzdorf.

Tanzen.

Soldaten.

Einheimische.

Ein Mädchen.

Es könnte fast ein Polenmärchen werden, wenn es nicht so schlimm zu Ende gegangen wäre.

Zwei Freunde, ein Mädchen. Sie entscheidet sich.

Für den Ansässigen.

Doch.

Aber sie bleiben alle drei: „DREI FREUNDE“. Bis – wir haben es schon erwähnt.

Viel zu oft.

Der Funke.

ISKRA.

Die Kinder sind noch klein.

So klein auch wieder nicht.

Sie werden einander erkennen,

später, wenn der Vorhang aufgezogen wird.

Und aus zwei Geschichten

eine Geschichte werden muss.

Sie, die Tochter, die ihren Vater rächen will, findet ihn – endlich. Sie erkennt ihn.

Er erst einmal nicht. Bis man es ihm sagt.

Er steht sowieso auf Kriegsfuß

mit alten Erinnerungen.

Sie sind feindlich – jetzt. Früher war das anders.

Ist das die Schuld?

Man kann nicht alles auf den Staat schieben.

Aber sie erkennt ihn. Sofort.

An seinem Gang, seiner Rede. Seinem Lachen.

Sie hat ihn ja auch gesucht, nachdem sie und ihr Bruder wussten, der Grenzer war es nicht.

Er hat nur geschossen.

Er musste schießen.

Aber wer hat ihn in die Falle gelockt.

Wissentlich in Kauf genommen, dass es eine Todesfalle war.Einer ihrer Nächsten neben den Eltern, Großeltern und Verwandten rings in den Dörfern.

9

Sie war ein Dorfkind.

In der Natur groß geworden. Eigentlich hatte sie vor, ihn als toten Mann zurück zu lassen nach dem Liebesakt.

Er war hungrig nach Liebe. Wie ein Wolf.

Sie ließ sich nehmen. Aber dann versagte ihr Arm und sie ging. Wortlos. Aus dem Zimmer in der Gastwirtschaft, in der sie sich eingemietet hatte als Aushilfskraft, für ein paar Wochen.

Ein paar Mal setzte sie sich zu ihm, wenn er in die Wirtschaft kam. Und sie unterhielten sich, als ob nichts zu sagen wäre.

Aber es war etwas zu sagen. Inzwischen.

Sie hatte ihm schon mitgeteilt, wer sie war.

Und dass sie gute alte Bekannte seien von früher.

Er erinnerte sich.Und das war gefährlich. Für sie.

Denn sie entzog sich ihm.

„Weiß sie mehr?“

„Ahnt sie alles?“

Fragte er sich jetzt häufiger.

Die sozialistischen Mechanismen funktionierten nicht mehr so recht, wenn er sich zurechtlegen wollte, wie recht er doch gehandelt habe mit solch einem Strolch so umzugehen: Land verlassen. Land verraten. Aufhängen. Jawohl.

Da war das noch eine Gnade. Auf Kosten des Staates studieren. Dann labil in den Westen gehen. Alles auf Kosten anderer.

Die Rechtfertigung versagte.

Der Überbau fehlt. Sagt er.

Er fragte die alten Genossen und Genossinnen nicht, was er tun sollte. Zu heikel.Wenn sie sich trafen insgeheim, wie die alten Nazis in den Grenzdörfern. Wo sie sich sicher fühlten.

Das sind Privatgeschichten vermengt mit dem Grenzregime. Damit muss er schon allein fertig werden.

Zu einem Priester könnte er gehen.

Wir wissen nicht, ob seine Familie aus dem Osten nach Berlin gekommen, schon vor dem Krieg, ihm da eine Hilfe gewesen ist.

Wahrscheinlich nicht, sonst hätte er sich vielleicht auf den Weg gemacht.

Er musste mit jemandem sprechen.

Wollte das die Tochter seiner großen Liebe von Anfang an in dem Walddorf. Wollte sie ihn quälen, dass er sich jetzt so quälen muss.

Sicher.

Es ist eine Judithgeschichte. Sie hat eine Mission.

Ob das Gerechtigkeit ist, was sie antreibt?

Das lassen wir einmal dahin gestellt.

„DIE RACHE IST MEIN!“

Sie hätte zur Polizei gehen können, zur Gauckbehörde. Nein, wirklich strafbar hat sie sich gemacht, indem sie den Tod von drei Menschen billigend in Kauf genommen hat, als sie ihren Bruder anstachelte, das andere Auto von der Straße zu drängen.

Der Klassenkampf endete im Straßengraben, tödlich für die Mutter des kleinen Mädchens.

Fahrerflucht? Ja, mindestens, wenn man

die Hintergründe nicht weiß. Natürlich wollte sie zuerst auch nicht glauben – und ihr Bruder auch nicht – dass ihr Freund die Regie geführt hat in dem finsteren deutschen Märchenwald, der West und Ost vereinigt. Allerdings, den Grenzpolizisten hätte man recherchieren können…

10

Nach der Fahrerflucht sind ihnen Zweifel gekommen und sie haben die Mutter aufgesucht.

Jedenfalls der Sohn, wir haben es gesagt, der genug hatte.

Die Mutter gestand, was sie wusste.

Sie ist heute noch in dem Haus, wo das entscheidende Gespräch stattgefunden hat.

Sie wussten alle drei, dass ihr Freund in der Nacht die Regie führt, wenn e r durchbricht. Die Mondnacht hat alles gesehen, gehört und der Soldat hat den Schießbefehl ausgeführt nach dreimaligem Rufen, wie nachzulesen ist. Und Warnschuss.

Niemand durfte ihn daran hindern.

Es kann immer etwas schief gehen.

Jeder hat sich seine Gedanken dazu gemacht im Dorf, nachdem es ruchbar wurde, wie die beiden zueinander standen – wieder, weiter und immerzu.

Jeder, jede, die lebt.

Dann kam die Wende und die Flucht aller in alle Himmelsrichtungen. Und der Neuanfang, der ein Abgrund war, für viele. Sie hat nicht mehr von ihm gehört. Und die Kinder sind gegangen. Sie pflegt das Grab.

Die Bleibenden haben resigniert. Sie haben ihre Zeichen zurückgesetzt, die Zeichen ihrer Liebe, ihres Glaubens und ihrer Hoffnungen.

„Der Frust war unausbleiblich und unaussprechlich.“

„Nur Stammeln? Nur Gebet?“

„Ja.“

11

Er wusste, dass sie ein Waldläuferin war .

Im Film, nach dem ich hier erzähle, spielt eine große Rolle: ein Doppelschuß. Er fällt – und von einer unbekannten Kugel getroffen eine Waldläuferin.

Eine Verwechslung.

Wie sich herausstellt.

Getroffen werden sollte wirklich eine andere:

eine blonde schöne junge Frau, wie ihrer Mutter aus dem Gesicht geschnitten immer noch im ehemaligen Osten, in Thüringen, einem damaligen Grenzdorf an der Zonengrenze, einer Grenze zwischen den Welten.

Er hatte sich geirrt und seinen Waldpfleger in Verwirrung gestürzt, weil der auch nicht wusste, dass neben seinem Wild, auf dass er im Begriff war anzulegen, noch ein anderer Wilderer am Werk war. Der Besitzer des Waldes auf unerklärliche Weise, der vormalige Grenzoffizier, der um seine neu erfundene Identität bangte, weil eine junge Frau ihm zu nahe gekommen war,

um ihn zu enttarnen.

Jetzt musste erst recht gehandelt werden.

Trotz und wegen der Aufklärungsarbeit der Polizei. Ein klassischer Tatort. Es gab einen Handlungszwang für den Jäger ebenso wie für die Gejagte. Sie spielt ihre Reize aus, als ob nichts gewesen wäre.

Oder hat sie wirklich nicht kombiniert?

In diesem Spiel der Basisinstinkte.

Jedenfalls ein Briefchen in der Othello-Art:

„Bitte komm doch ans Ende des Ortes gegenüber dem windschiefen Fachwerk, zur Gabelung.

Ich freue mich auf den Spaziergang.

Wir müssen reden.“

„Weiß sie nicht, wer geschossen hat?“

Er macht sich auf den Weg. Sie winkt.

Das leerstehende Fachwerkhaus. Die Gabelung. Sie gehen rechts. Das Ende des Weges ist ein Abgrund, felsig. Dort stößt sie ihn hinunter.

Sie stellt sich, wir haben es schon erwähnt.

Sie konnte es nicht mehr aushalten

nach einem Jahr. Das große Halali nach dem Untergang.

Und nun, nach dieser Zeit im Wagen des britischen Geheimdienstes.

Jemand kümmert sich um sie.

12

Wir haben von den Gefängnissen gehört,

in denen

sie saßen; die mutig genug waren, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in Beziehung setzen zu wollen. Die mutig genug waren, Freiheit und Sozialismus als Begriffspaar anzuerkennen.

Die mutig genug waren, gegen Unterdrückung im Namen der Deutschen Demokratischen Republik aufzustehen. Das war lebensgefährlich.

Es existierte die Todesstrafe im sozialistischen Bruderland DDR bis 1988. Erst dann wurde sie ausgesetzt.

Wir wissen, wie unterschiedlich Gefängnisse sein können.Wo viel Federlesens gemacht wird und wo nicht.Wo Folter angewendet wird und wo nicht.

Ja,

wir leben in einer Zivilgesellschaft.

Jetzt.

Allerdings meinen viele, die damals auf die Straße gegangen sind: Für den Westen haben wir nicht gekämpft, sondern gegen die Unfreiheit.

Jetzt sagen sie das auf einmal, seitdem sie endlich merken, dass im Westen auch nicht alles Gold ist was glänzt. Bananenrepublik hat unser Freund aus Südafrika das genannt.

Und er hatte Recht.

Nur eine Tote gab es 1989 auf einem Bahnsteig in Leipzig. Eine alte Frau wurde tot getreten bei dem Ansturm auf einen Waggon, der in Richtung Berlin rollen sollte mit vielen anderen, alle überladen und voll, weil sie alle ihr WESTGELD abholen wollten auf der Straße des 17. Juni im Tiergarten zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor.

Sie rutschte auf einer Bananenschale aus bei dem Gedränge. Sie war zu gierig. Alle waren zu gierig.

Das Wort des Jahrhunderts: GIER.

Freiheit auch. Unser Bundespräsident, der es inzwischen nicht mehr ist, weiß das auch.

Hat er es deutlich genug gesagt?

Ich glaube, ja.

Die es nicht gehört haben, wollten es nicht hören. Aber es stimmt: In seinen diplomatischen Höhenflügen hat er nicht immer die Augen eines Adlers gehabt, der die Maus, die Katz, das Huhn, das Küken, sieht.Weil er keinen Hunger mehr hatte. Er war gesättigt. Das haben ihm Viele übel genommen.

„Man musste schon ganz schön zwischen den Zeilen lesen, um zu bemerken, dass er nicht verbogen ist.“

Das zischelten seine Getreuen.

Mit der Freiheit wird das also so eine Sache bleiben. Und das ist ja auch gut so.

Frau Erna Thielemann weiß von diesen Gedanken nicht allzu viel. Sie war viel zu sehr mitten drin und froh, endlich aus der Strafvollzugsanstalt entlassen worden zu sein. Wie froh sie war, vom englischen Geheimdienst in Empfang genommen zu werden, wird sich noch zeigen.

Beziehungsweise nicht, weil sie sehr schnell übergeben worden ist an den CIA, der sie bis in die USA begleitete und eines Morgens nicht unangemeldet vor der Tür ihres Sohnes stand und klingelte. In der soundsovielten Avenue

im 20. Stock. Dort öffnete nicht ihr Sohn die Tür, sondern ein neuer, aber informierter Mitarbeiter, weil Oliver Thielemann ein typisch amerikanisches Holzhaus auf dem Land bezogen hat im Einverständnis – ja sogar auf Befehl – seines Arbeitgebers.

Es wurden Papiere ausgetauscht und Informationen.

13

Indes, was macht Dostojewski.

Wir haben ihn völlig aus den Augen verloren. Zu Unrecht.

Denn: er hat sich gefangen, ist zurückgekommen nach Deutschland, um hier sein Glück zu machen.

Zuletzt fanden wir ihn in den Alpen. Dort wo die Klänge des Wolfgang Amadeus die Wut vertreiben. Du musst sie nur hören, wie sie herauf wehen aus dem Tal der Salzach.

Sie sind ja überall – die Russen, bauen sich teure Zweitwohnungen am Hang und wollen die große russische Erde, die Allgewaltige hinter sich lassen – für ein Zeit, bis sie es zerreißt und sie nicht anders können als zurück, zurück zu den Ursprüngen, in die Heimat. Als sie ihn schließlich fanden im Heuschober auf der Alm, welch eine Vorstellung, nahm er Reißaus und wollte – immer noch nicht zurück. Vielleicht nie mehr.

Im Gegensatz zu seinen Brüdern und Schwestern, den Kapitalisten aus dem Reich des Wladimir Putin. Nein, er schritt tage – und nächtelang die Schienen entlang. Wich aus, wenn ein Zug sich angekündigt hat. Er legte sein Ohr auf die Schiene, aus Sicherheitsgründen und sprang in die Büsche, wenn der Intercity sich näherte. Es war lebensgefährlich, aber er wollte gehen und nicht wieder unter einem Güterwagen, wie ein Asylsuchender eingeklemmt hoffen und bangen, dass alles seinen sozialistischen Gang geht.

Einmal abgesehen von den verbesserten Vorkehrungen der Behörden an den Länder-grenzen, die es auf einmal wieder gibt.

Jeder Hund jagt ihm einen Schrecken ein. Seit es ihn gibt, den Fjodor Dostojewski. Nord – Süd,

Süd – Nord war sein Thema und sein Problem.

Er sehnte sich auf einmal zurück zu den Studenten und Studentinnen, die ihren bolschewistischen Kaftan in die Ecke schmeißen, wenn sie hören, es gibt noch andere als Karl Marx und Wladimir Iljitsch Lenin.Wenn die Russen ihnen etwas von Gott erzählen möchten. Eigentlich mochte er sie in ihrer Naivität. Aber, das stimmt auch, er hasste ihr Unwissen. Also Berlin, nicht wieder die Büsche und Gartenhäuser auf der ehemaligen Demarkationslinie, nein, das bestimmt nicht.

Vielleicht auf der Straße, im Park.

Im Sommer.

So konnte man untertauchen.

Vorlesungen? Kaum.

Womöglich wird er in ein Kloster gehen.

Jetzt sehen, hören bis zum Ziel.

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Was ist aus dem Co-Autor geworden,

der das einzig Richtige tat: mit dem Flugzeug

in die Neue Welt und warten, wie sich die Dinge weiter entwickeln?

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Die Kleingärtner sind längst wieder zurück – diesmal geflogen – und haben Freundschaft geschlossen mit ihren amerikanischen Kollegen.

Fortsetzung folgt...

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Müggelheim: Ein faszinierendes Dorf mit Geschichte

„Sie wohnen in Müggelheim?“

„Ja, und zwar dort, wo früher versucht worden ist Wein anzubauen wie in der rheinländischen Pfalz. Dann aber doch besser Kartoffeln wie in Preußen und Amerika und Korn und Weizen.“

Die Pioniere der Siedlung(s. Straßennamen) wurden vom preußischen König angeworben, um den Sandboden, in dem nur Kiefern wuchsen, zu bevölkern. Die Sage geht: in Konkurrenz zu Amerika. Und eigentlich war der Oderbruch gemeint und nicht das Wald-und Seengebiet, welches später nach dem Müggelseee und den Müggelbergen Müggelheim genannt wurde.

Die Sumpf-und Mückenplage im Oderbruch waren so allgemein und unbekannt für die Pfälzer, dass sie, die vor den Erbfolgekriegen im 18. Jahrhundert flohen, lieber an den Ufer des Müggel-Sees wollten. Und sollten dann und nicht mehr an die Oder, wo Friedrich der Große doch Großes vorhatte mit ihnen.

In der DDR hat man gerne verschwiegen – und das deckte sich mit der Berliner Säkularisierung in alten und neuen BRD-Zeiten – dass es konfessionelle Gründe gab, von der Pfalz weg zu gehen, die Heimat zu verlassen. Sie waren Protestanten und wollten nicht in die Hände eines katholischen französichen Herrschers fallen. CONFESSIO heißt Bekenntnis und in der DDR gab es nur ein Bekenntnis, nämlich das zum Sozialismus. – Welches Bekenntnis prägt uns? – Nur verwunderlich, dass selbst in sogenannten kirchlichen Kreisen diese Fälschung herunter gespielt worden ist und stattdessen alles Mögliche unwidersprochen gedruckt wurde, was für den Ortswechsel ausschlaggebend war, nur nicht der Glaube der Glaubensflüchtlinge. Da ich selber, der Autor, Vorfahren habe, die aus solchen Gründen ihre Salzburger Heimat verlassen mussten und unter unsäglichen Mühen mit Sack und Pack sich eine neue Heimat gefunden haben in den Niederlanden – andere in Ostpreußen – möchte ich dieses Lied singen, wenn es um die Entstehung von Müggelheim geht. Zumal das Kirchlein, welches ausschaut wie ein Feuerwehrhäuschen im Quadrat, dem Autor ebenso wenig gleichgültig ist wie die Fluchtgeschichte selber, aber genau damit auch zusammenhängt. Das erste bei den Siedlern war immer: Kirche und Schule. Auch in Preußen. Nicht nur in Amerika. Übrigens auch in jeder missionarischen Unternehmung weltweit, soweit es christlich ist. Ich nehme aber an, dass es in andern Konfessionen und Religionen ähnlich sein wird, wenn es um ein spirituelles Erbe geht, dass – egal , wo auf der Welt – etabliert wird. Ich schreibe so ausführlich darüber, weil es uns immer ärgert, auf welche Weise Profil verloren geht zugunsten einer Menge von Fakten, die einen dann erschlagen (beeindrucken) wie ein Steinschlag. Oh – wie schön. Wie toll, wird dann gesagt. Oh Wissenschaft. Oh Akademie! – Oh, wie fallen wir immer wieder darauf herein und wundern uns dann, wo alles, was doch gut war, verloren gegangen ist. Nicht nur der Himmel, nein auch die Erde wird auf diese Weise wüst und leer – wie vor dem Beginnen.

Müggel heißt eigentlich MUGEL. Mugel heißt Grab. Der Müggelberg ist ein Kultberg der Sprewanen, der Urbevökerung dieser Gegend abwärts vom Spreewald kommend. Immer der Spree und der Dame entlang. Woher ich das weiß? Mit dem Fahrrad unterwegs an einem großen Hotel am See lese ich: MUGEL und die dazugehörige Erklärung. Damit die Hotelgäste wissen wo sie sind. Das sollten sie dann nicht mehr. Gab es Ängste? Das war schon vor Corona. Nein sterben wollen wir noch nicht. Das ist unheimlich. Dass die alten Völker eine Religion hatten, vielleicht eine primitive mit Kult-Berg, nicht ganz so wie auf Rügen, aber immerhin, muss kein Tourist wissen.

„Wir sind empfindsam.“

„Sagen sie“.

„Wer, die Gäste oder der Anbieter?“

Irgend ein Programmierer hat es entdeckt, als der dem Ganzen neuen Schwung verleihen wollte und nahm sich dieser Info an. Ich war sehr enttäuscht, als ich bemerkte wie flach und hohl alles wurde, was ja immerhin einen gewissen Tiefgang hatte. Man konnte sich schon wundern. Erst, dass solche Dinge in einem Schaukasten zu lesen waren und dann: nicht mehr. Auf einmal.

Ja, alles kostet seinen Preis.

Die Neue Zeit.

Der Glitzer und der Glammer.

“Wir wollen so etwas nicht hören. Oberfläche bitte. Bitte, mehr Oberfläche,bitte!“

Mugel gleich Grab gleich Kultberg, der Müggelberg und der Müggelsee. Mit Mücken hat das absolut nichts zu tun.

Wie Kitzbühel in Tirol nichts mit Kietzen zu tun hat. Da mag es noch so viele Holztiere davon geben, weil man ja schließlich etwas mitbringen muss für die Kleinen.

„Vergiss es!“

„Verzeih es!“

Es ist alles o lange her und selbst Napoleons Truppen haben das Dorf nicht finden können auf ihrer Futtersuche…und mehr.

„Sie wohnen wirklich dort?“

Ich und meine Frau Margard seit nunmehr über 18 Jahren. Seit meinem Ruhestand. Unsere Kinder und Enkel kommen uns dorthin besuchen und auch andere, die gucken wollen, wo wir geblieben sind. Damals: erste Besuche. Es ist natürlich sehr weit draußen hinter den sieben Bergen. In dem Fall die Müggelberge. Über dem See. In diesem Fall über dem Müggelsee. Wenn Du auf der Terasse sitzt und lauschst, am besten gegen Abend, noch besser in der Nacht: Du hörst ihn rauschen: Den Wald, den Henry-Potter-Wald. Auf diesen Auisdruck sind wir gekommen durch die Filme – Du weißt schon… Literarisches Event, was wir mitgebracht haben aus Thüringen und Sachsen. Echte Fangemeinde. Ich habe das dann übernomen für meinen ersten Versuch zu erzählen, was die Welt bewegt mit dem Buch BERLINER ERZÄHLUNGEN-HEILE WELT; BESONDERS IN DER ERSTEN ERZÄHLLUNG „SYLVESTER“, die Fahrt von Müggelheim bis in den Berliner Tiergarten, wo dann die RIESENPARTY STATTFINDET ZU JEDEM JAHRESWECHSEL.

Ja, Du hörst, wie das Wetter umschlägt. Du siehst wie auf einmal die Flugzeuge vom Flughafen Schönefeld nicht mehr starten, sondern landen, je nachdem aus welcher Richtung der Wind kommt. Allein die Strömung ist aussschlaggebend, damit die Flügel tragen. Wie – wenn Du Drachen steigen lässt. Du musst den Finger in den Wind halten, um zu wissen in welche Richtung du rennen musst, damit er steigt. Das bringst du Deinen Enkeln bei auf der Kirchenwiese, wo jetzt eine KITA gebaut wurde. Eine Freude, wenn er steigt. Und Trauer, wenn er abstürzt, weil du nicht wusstest, wo der Wind herkommt.

Oder das Bellen des Hundes ganz weit draußen in der Siedlung, wo früher die Äcker waren.

Oder natürlich das Singen der Nachtigall, bei offenen Fenster.

Das Käuzchen.

Die Glocken der Gottesschachtel in Richtung Osten.

Bei Westwind hörst Du sie nicht.

Kennst du das Buch „Die Messerhelden?“ Von daher denke ich immer an „DEN RAPPEL IM CARTOON“, wenn ich die Glocken der „Gotteschachtel höre oder sie sehe oder darin tätig bin.

Wer einmal Jugendpfarrer war, muss dieses JESUSBUCH kennen.

3

„Sie wohnen also in der Philipp-Jacob-Rauch-Straße?“

„Und zwar genau dort, wo früher versucht worden ist, Wein anzubauen wie in der rheinländischen Pfalz. Dann – doch besser Kartoffeln wie in Preußen und Amerika. Und Korn und Weizen.“

„Sie haben sich in diesem Berliner Dorf eine Wohnung genommen, nachdem sie gerechnet haben wegen der Miete?“

„Nein, das war anders“. Und der Weg zur Arbeit war nicht wesentlich beschwerlicher als der innerhalb der Stadt?“

„Nein, das war anders. Meine Frau Margard und ich sind in Rente gegangen und wir wollten noch einmal Berlin erleben, die Stadt, in der wir uns in der Studentengemeinde kennen gelernt haben“.

„Aber doch nicht am Südostrand Berlins?“

„Nein, ganz bestimmt nicht. Das ist nur ein Tick: Zwar nicht am Westrand, wo die Pensionäre sonst wohnen, angeblich, aber an den grünen Ostrand wollten wir ziehen. An den Müggelsee. Und-am Fusse des höchsen Berges in Berlin. Nicht künstlich, sondern aus Sand“.

4

„Philipp Jacob Rauch war einer der Pioniere, die der Preußische König angeworben hat, um seinen Sandboden, in dem nur Kiefern wuchsen, zu bevölkern“.

„Schon wieder SAND?!“

„Ja. Schon wieder Sand.“

„Wie an der Ostsee?“

„Genau.“

5

Gottesschachtel. Bei Westwind hörst Du sie nicht, die Glocken. Da muss die Strömung eine östliche sein.

Siehe nach den Flugzeugen, wenn sie starten.

Dann weißt du, woher der Wind weht.

Bildnachweis:

Predigtheft von Michael Wohlfarth,

Albert-Schweizer-Erinnerung, aufgestellt vom Müggelheimer Umweltkreis vor der Müggelheimer Kirche

Bezug auf Harry – Potter – Wald: aus HEILE WELT-BERLINER ERZÄHLUNGEN (REISE VON MÜGGELHEIM IN DEN TIERPARK ZU SILVESTER). Cover.

Auf der Terasse

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In Teilen ist dieser BLOG hergestellt worden in Bayern, Oberammergau, Parkhotel

Das Titelbild beinhaltet den Spruch von Werner Bergengrün am Kriegerdenkmal (Veteranenclub)/ Wanderweg zum Kofel, beginnend in Oberammergau. S.vorherigen BLOG. Passend sehr für Müggelheim, weil Werner Bergengrün ein ostpreußischer Dichter ist. Und Berlin hat sehr wohl etwas mit Ostpreußen zu tun.

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Kalender 25, 3/4

Tag 1 Montag 31. März

Anreise über A9. Besonderheiten Einkehr AUTOHOF, AUTOHÖFE. STIL sehr bayrisch d.h. persönlich. Überhaupt keine Struktur, würden manche sagen. Bulli voller CHIEMSEE-BIER. Eine Ladung mitgenommen für …, wenn er kommt. Oder wer. Oder nicht.

Schon AUTOHOF CAFEZEIT war bemerkenswert. Wie aus dem Buch gesprungen, die pausbäckige randlose Brillenträgerin hinter dem Dresen, die uns den Cafe zum runden Zweiertisch brachte in die Sitz-Ecke, obwohl Schlange, Schlange, Schlange. Unglaublich, Die Ruhe hat sie weg.

Gegen Acht in Oberammergau im Parkhotel. Sonnenhof. Anmelden u.s.w. Feststellung: Salzburger Rucksack vergessen (unter dem Pult).

Was nun?

Wie früher, einfach so auf‘ s viel zu weiche Unterbett.

Tag 2 Dienstag 1. April

Was heißt früher?

Unterwegs zur Apotheke für Margard. Dann BAROCK. Kirche. Friedhof. Denkmal für die Gefallenen, Geschundenen, Gequälten.

„Opfer, die wir anschauen.“ (1920). Bemerkenswert.

Weiter.

Ein in Unterwäsche wartender Mann auf der Dorfstraße vor dem Hotel TURM.

Ich hätte ihn fragen müssen: „Wie kann ich Ihnen helfen?“

Durchgefragt.

Ersatz für den Inhalt des vergessenen Rucksack aus Salzburg. Extra fürs Gebirge gekauft vor anderthalb Jahren, als wir beim Bauern waren in Theisendorf, nahe der Grenze, nach Leseaufenthalt in Heidelberg entgegengesetzt auf der Landkarte West-Ost. Im Süden Deutschlands. Immer diese Ungeschicklichkeiten.

Die Verkäuferin im Textilladen ist Kasachin, erstaunt, dass ich lese. Sie musste mir nämlich eine extra Tüte geben, weil die andere Tüte besetzt war mit meinen Büchern.

„Mein Sohn liest auch.“

„Ich lese nicht nur.“

„Ich schreibe auch welche.“

Freundliche Leute die bayerisch Integrierten, seit vielen Jahren.

„Ich habe russisch gelernt.“

“ Ha, ha, ha. Mein Sohn liest deutsch und englisch. Er ist hier geboren. – Meine Tochter kann ein paar Worte – noch“, sagt sie.

Weiter.

Alles falsch.

Erst REI. Dann brauchst Du nichts zu kaufen, nur Zahnpasta und Bürste. Egal. WEITER. ZUR LOCK. Bahnhof. Gewerbegebiet. LIDL. REI. Versorgt.

Medikamente plus Hygiene plus, plus, plus.

„Endlich zu Hause“. SMAIL s. Werbung in Berlin-Müggelheim für unsere Wohnung unter dem Sand-Berg. Müggelberge.

Damit war der Tag ausgefüllt. Schlafanzug und alles andere. Nicht mehr im Trainingsanzug wie früher im Zelt an der Ostsee.

NEIN JETZT IST DAS ZU HAUSE DER KOFEL. Der Hausberg grüßt zum Fenster hinein. Sogar Balkon.

Fotos, ja, die auch.

Tag 3 Mittwoch 2. April

Endlich Ammergebirge, Ammer-Fluss.

Entdeckt beim Rückweg von der LOCK (Gewerbegebiet, Bahnhof) am Fluss entlang: Einstieg zur KREUZIGUNGSGRUPPE. Also aufgemacht. Hinauf. Alles steil.

„Wir mit unseren derzeitigen Sandbergen – höchster Berg Berlins“.

Oben angekommen gegenüber dem FESTSPIELHAUS OBERAMMERGAU DER FESTSPIELGEMEINDE SEIT HUNDERTEN VON JAHREN.

PLATEAU.

GRÖSSTES STEINDENKMAL DER WELT.

JESUS sagt zu Johannes: „DEINE MUTTER.“ UND ZEIGT AUF MARIA. UND UMGEKEHRT.(Johannesevangelium).

„Ludwig II. war so ergriffen. Und er weinte“, steht da auf einer Tafel.

Er finazierte aus der Staatskasse Bayerns dieses Denkmal und zwar genau in dem Jahr, als Bismarck den Franzosen um der Einheit willen den Krieg erklärte. KRIEG 70/71. Er bestimmte auch den Marmor aus der bayerischen Nähe und den Bildhauer aus München. Es dauerte 5 Jahre, bis der Koloss aufgestellt werden konnte.

Tonnenschwer.

Die Oberammergauer hatten extra für den König allein die Passion aufgeführt. Ihnen wurde das Denkmal gewidmet. Aus Dankbarkeit. –

Das war in der Früh. Ich musste endlich auf die Höhe. Wenigstens dorthin, wenn schon nicht auf die Spitze des Kofels. Verabredung 9.00 Frühstück im Hotel mit Schwimmbad und Sauna.

Ich habe das geschafft in der Morgensonne dieser unseligen Sommerzeit Europas und der Welt. Warum lassen sie die Zeit nicht wie sie ist.

Jetzt schmeckt das Frühstück, Mantel über den Stuhl, Utensilien auf das Fensterbrett. Sie werden abgegeben in der Rezeption, wenn Du sie liegen läßt. Ehrliche Leute.

Triumph in der Ehe. Kleinlaut ich, ja, ja.

Umtauschen im Dorf oder Stadt. Oder Marktflecken. Gemeinsamer Dorfbummel bis zur LOCK. Wieder. Kaufhalle MÜLLER. Neben Kaufhalle LIDL. Klingen und Schaber. Ich will keinen Drei-Tagebart. Wir sollten zu Hause bleiben. Alles vergessen. Alles im Rucksack. Extra für das Wandern gekauft in Salzburg vor anderthalb Jahren, als wir beim Bauern waren.

Es gibt jedes Mal etwas Neues zu sehen.

Tag 4 Donnerstag 3.April

Endlich KFZ. Versehentlich an den See gefahren in Österreich. Über die Königsschlösser zurück. Allgäu. Wiesen. Frühling. Ausruhen. Schlafen in der Sonne, egal welche Zeit.

Keine Werkstatt gefunden unterwegs wegen eines Lämpchens, welches glüht und anzeigt, dass eine grössere Lampe (Fernlicht rechts) nicht funktioniert. In Oberammergau zurück am Kofel vorbei schnell noch zur LOCK/Tankstelle: „Ja wir haben eine Werkstatt, fahren Sie am Gelben Haus vorbei. dort finden Sie sie…Mayer. Sie gehört zu uns. die machen das. Heute nicht mehr. Zu spät. Morgen“.

Tag 5 Freitag 4.April

Schwimmen, Werkstatt im Gewerbegebiet. Alte Post.

Wanderung am hellen Mittag, nach rechts entschieden an der Wegscheide im Gebirge. Der Finger Gottes. Wie Elbsandstein. Nur viel höher. Der Kofel.

Nur eine Begegnung.

Handy dabei.

Stock. Gutes Schuhwerk. Zu wenig Zeit. Umkehr.

Im Gebirge habe ich gelernt umzukehren. Und zwar so: Als ich eine Familie gesehen habe, wie sie auf dem Kammweg balancierte. Das erste Mal. Und auch, wenn die Wipfel der Fichten oder Tannen (?) von oben zu sehen waren und es grollte der Himmel.

Als Bild für die Umkehr 1989 genommen. Und gepredigt. In Altenburg/Thüringen, von wo aus wir alle diese Orte das erstemal uns angesehen haben. „Gegrast“, wie B.L. es immer ausdrückte, unsere Referentin (Altenburger Akademie-Offene Kirche).

Aber immerhin – leider ohne meine Frau – erster Anstieg.

Abendspaziergang. Ausgelöst den DRINK-Schein als Willkommensgruß an der Bar in LUDWIG, Gaststätte 200 m weiter Richtung Ettal. An der Bar Begrüssung mit Frühstücksgast so spät wie wir. Und Zeitung TAGEBLATT GARMISCH-PARTENKIRCHEN. Er sorgte dafür, dass der Gast die Zeitung bekam, die er wollte. Gute Zeitung. Nicht hetzerisch. Kein Kriegsgeschrei. Nicht verantwortungslos, eben Zeitung. Nachrichten. Fast wie NZZ. Man konnte sie lesen. Keine Floskel. Mehr. Wenn ich das so sage, glauben Sie mir.

„MAN KONNTE SIE LESEN.“

Vieles sollte man heutzutage nicht lesen. Es verdirbt. Ein Grund, dass wir geflüchtet sind.

Der spätere Frühstücksgast war kein Altlinker, wie ich vermutet habe, sondern der Besitzer des Hotels und der Gaststätte. Er war mir aber genau so sympathisch. Ich habe ihm bei gebracht: Was ist die Russische Welt. Was ist die russische Sprache. Wer ist Putin. Wer ist Gorbatschow. ‚Warum bin ich in die Russische Botschaft – gegenüber die protestierenden UkrainerInnen – in Berlin?“ Lange Pause – „Um mich einzutragen in das Kondolenzbuch gegenüber dem Kreml-Fenster – wie ein Kirchenfenster im hohen Botschafstsraum mit gewaltiger Treppe. Unter den Linden in Berlin. Unweit des Reichstages, auf dem die sowjetische Fahne gehisst worden ist, damit alles klar war 1945 im Mai“.

Es ist ein FENSTERBILD und Du hörst Radio Moskau wie BBC London, wenn du dort sitzt und dich einträgst. Es ist Weltgeschichte. Wenn du genügend Phantasie hast und dir die Filme dazu einfallen. Der Klang und das Bild.

Tag 6 Sonnabend 5. April

Am Sonnabend Sabbat. Wanderung nach Links von der Wegscheide aus gesehen zum KOFEL. Ein bisschen über den Wipfeln schon, oberhalb des Friedhofs hinüber zur Grotte, nachempfunden der Höhle von LOURDES in Frankreich: Wegen einer Krankheit. – Bis zu einem Hang. Ideal zur Abfahrt oder zum Rodeln. Dort ein Soldatenkreuz. Vom Veteranenverein errichtet. Darf man heute alles wieder machen und sagen, sogar im protestantischen Norden, nach dem Einmarsch Putins vor über drei Jahren in die Ukraine. Sonst dürfte man es immer noch nicht sagen. Ich bin mir sicher. TABU. TABU. TABU. Zivilgesellschaft. URBAN u.s.w….S. dazu: Theologumenon“ FRIEDLICHE REVOLUTION“, DIE WIR ANGEFÜHRT HABEN MIT ANDEREN Z.B. IN DEM MITTELZENTRUM ALTENBURG IN THÜRINGEN.

Paradox.

Glaubenskategorie.

Kierkegaard.

Jetzt HOCHHUT: Geschichte absurd.

Ja, Schiller.

Kofel, wenn du dich entscheidest, links zu gehen…

…kommst du an diesen Hang und im Tal das Kriegerdenkmal mit einem Gedicht von Werner Bergengruen. Ein Ostpreuße.

Tag 7 Sonntag 6. April

JUDICA 9.30 Messe in der Barockkirche…

Vorbei an den Krügen …in der Empfangshalle des Hotels…

…An den parkenden Autos…

Nach dem Gottesdienst…noch einmal der Ort, nahe bei dem Festspielhaus: Das Verlegerhaus, in dem Ludwig Thoma geboren wurde. Die Stifterszene für die Oberammergauer Passionsspiele. Selige Erben.

Fahrt nach Garmisch und Partenkirchen. In Grainau Haus Barbara gesucht und weiter über Östereich die andere Seite der Zugspitze, am P.-See zurück in Richtung D/OA.

Tag 8 Montag 7.4. 25

Sören Kierkegaard: Wiederholung ist Erinnerung nach vorn. Ich hoffe, wir haben das beherzigt.

Über Regensburg nach Hause. Berlin.

DANKE HERR FÜR ALLE BEWAHRUNG UNTERWEGS ZU FUSS IN DEN BERGEN AUF DER STRASSE AUF DEN AUTOBAHNEN DURCH MÜNCHEN REGENSBURG UND IN ALLEN ANDEREN STÄDTEN AMEN.

Auf Wiedersehen!

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BROT

Abendmahlsgottesdienst in Müggelheim am 30.3.25, Sonntag Lätare-Freut Euch, 10.00 Uhr.

Lieder: 447 1-6; 396 1-3; 396 4-6; 115 1,4,5; 389 1-2

Psalm-Lesung Eg 734, Ps.84

Predigttext aus Johannes 6 1ff. unter Zugrundelegung Johannes 1,1 und 14

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Liebe Gemeinde,

1

Das Johannesevangelium beginnt so: Im Anfang war das Wort…(1,1).

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater voller Gnade und Wahrheit(1,14).vcvcvv

Was dann kommt ist die ‚Auslegung dieses Satzes an Hand der Geschichte von Jesus Christus, dem Menschensohn und Heiland der Welt.

„Siehe das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.“(1,29 Johannes der Täufer.) Darauf hin die ersten Jünger am Jordan.

Vielen Menschen begegnet JESUS. Viele nehmen ihn auf. Andere nicht (1;11,12).Vielen schenkt er Neuanfang und Vergebung, Freude und Wahrheit: Den Jüngern und Jüngerinnen, der Hochzeitsgemeinde in Kana, dem Pharisäer Nikodemus, der Samariterin am Brunnen.

„JESUS lebt mit ihm auch ich“, singt der Professor aus Leipzig in der Aufklärungszeit unserer Zeitrechnung. Und wir mit nachher. 2000 Jahre später.

Und die Vergebung und Heilung wird in Christus spürbar für Viele, die an ihn glauben. Sicher sogar die, die nicht an ihn glauben wollen und sein Feinde sein wollen als Wechsler im Tempel oder als Lehrer.

2

Gottes Liebe ist grösser.

Die alle gesund geworden sind in Jerusalem, nahe der Stadt, unterwegs über Samarien, in Richtung Heimat Galiläa, wo er sicher fühlte und glücklich am See Genezareth, wie mir ein Reiseführer versicherte. Einige zogen mit ihm, viel folgten ihm, als er über des See Genezareth fuhr.

Die Herrlichkeit Gottes. Sie folgten ihm nach. Wegen der Zeichen, die er gibt und der Wunder wegen, die er tut. Und der Fragen wegen, die er aufwirft: “Ist Jesus, Josefs Sohn,Gottes Sohn?“

„Auf den wir warten“.

„Der Messias“.

See Genezareth, das Galiläische Meer oder See von Tiberias. Dort fahren sie hin und her. Die Jünger, Jesus, die Nachfolger.Die Follower. Sie wollen ihn zum Brotkönig machen, weil sie die Zeichen des HERRN nicht verstehen, sondern nur, sondern nur, dass sie für den Moment satt geworden sind bei der Speisung der 5000, als es auch Reste gab, 12 Körbe voll.

Jesus flieht. Er möchte nicht ergriffen werden.

Allein auf der Spitze des BERGES.

3

Nach dem Event kommt die Nacht. Die Jünger haben längst die Boote bestiegen zurück nach Kapernaum. Aber die Menge bleibt bis sie merkt am nächsten Morgen. JESUS ist weg. Verloren für sie als Brotkönig. Und sie haben nimmer ausgesorgt für immer. Wie sie das dachten. Sie ahnen, dass er wieder dort drüben ist. In Kapernaum in der Synagoge. Sein liebster Aufenthaltsort in Galiläa. Dort waren sie ja auch gestern, als der die Kranken berührte.

Als sie ankommen, sagt er zu ihnen:“Ihr sucht mich nicht, weil ihr das Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid.“

„Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Die wird euch des Menschen Sohn geben.“

„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaus stoßen. Er wird nicht hungern und wer an mich glaubt, der wir nimmer mehr dürsten.“

(Predigttext 6,47-51) „ Wer glaubt, der hat das ewige Leben. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, der davon isst, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und diese Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.“

Das ist die kürzeste Erklärung für die Eucharistie, für das Heilige Abendmahl, dass wri das Opfer Christi annehmen.

Das ist mein Leib.“

Das ist mein Blut.“

Oder: Brot des Lebens, Kelch des Heils.

Christus, das Manna seiner Kirche, seiner Gemeinde,der Christenheit, welche über 2000 Jahre durch Zeit und Ewigkeit zieht. „Und wir sind mitten unter ihnen.“Durch Wüsten, durch fruchtbare Auen, Tag oder Nacht. An klaren Bächen entlang. Im Zwielicht der Ereignisse. In Klarheit und Wahrheit. Durch Trümmerlandschaften.Durch neue Städte und Dörfer, durch alt Städte und Ruinen. Jetzt, gestern. Heute. In Kreuz und Auferstehung. Christus der HERR. Von Ewigkeit zu Ewigkeit.Im leben und im Sterben.In Verfolgung und Not. Im Glück ebenso wie im Scheitern.

„Weil wir eins sind in ihm.“

So sagen wir es in unserem Glaubensbekenntnissen und Liedern und bezeugen es in aller unserer Armut des Wortes und Unvollständigkeit unserer guten Werke.


Alle werden das nicht so sagen können.

Vielleicht den einen oder den anderen Satz.

Und nicht immer.

Vielleicht haben wir die Sehnsucht, es so sagen zu können.

Immer.

Vielleicht können wir es manchmal plötzlich in Dankbarkeit.

Die Liebe Gottes ist größer.

4

Gestatten Sie mir zum Schluss der Predigt noch eine Geschichte zu erzählen aus meiner ersten Zeit als Pfarrer in unseren Wismutdörfern. Es war in der Nähe von Crimmitschau. Ich sitze auf einer Parkbank und warte auf meine Frau. Mir schräg gegenüber ein junger Vater, der Probleme mit seinem Sprössling hat. Plötzlich höre ich den Vater:“Du BROT!“M.E. schimpfte er den Sohnemann aus. „Du Brot!“ Hatte ich noch nie gehört. BROT? Schimpfwort? – Bis heute hoffen ich, die Situation nur nicht richtig verstanden zu haben.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Sonntag zum Mahl des HERRN, dass wir in der Lage sind unter der Woche von der Kraft des Brotes und der Freude des Weines abgeben zu können von dem was wir empfangen haben.

Wir beten:Herr, schenke uns den rechten Glauben, damit wir leben können. Und danke für Dein Sakrament, Brot und Wein, dass wir stark sind, wenn wir gebraucht werden in unserer Zeit. AMEN.

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Fastenzeit

Mitten in der Fastenzeit ein Text aus dem 6. Kapitel des Johannesevangelium in der so genannten Einheitsübersetzung (evangelisch-katholisch).

1 Danach ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. 2 Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. 3 Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. 4 Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. 5 Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?  

7 Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll. 8 Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: 9 Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele? 10 Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. 11 Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen. 12 Als die Menge satt geworden war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verdirbt! 13 Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Brocken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren. 14 Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. 15 Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein. 16 Als es aber Abend geworden war, gingen seine Jünger zum See hinab, 17 bestiegen ein Boot und fuhren über den See, auf Kafarnaum zu.

Das ganze Kapitel 6 mit seinen 71 Versen ist ein Hohes Lied auf das Brot. Auf das Brot, welches geteilt wird. Auf das Brot des Lebens, das Christus selber ist, wie es uns zugesprochen wird in der Feier des Heiligen Mahles. Abendmahl. Mehr als ein Zeichen, das Leben selber. Das Leben in der Gemeinschaft, die Jesus Christus stiftet in seinem Kreuz, in seiner Auferstehung. In seiner Kirche und Gemeinde.

W e r ist das Brot des Lebens ? Was ist das Brot des Lebens? Was treibt die Menschen um? Die französische Revolution. Wie war das? Das Brot. Die Mütter. Der 17. Juni 1953 in Berlin. Der Zorn speiste sich aus der Wut wegen der Lebensmittel. Gerechtigkeit! Aber dann?Wovon lebt der Mensch weiter? Wenn er satt geworden ist. Wartet er einfach auf den nächsten Hunger? Fressucht. Fettsucht. Hört er nicht wieder auf zu essen? Den meisten Menschen ist es nicht gegeben, von einer Party auf die nächste zu rennen.

Auch in der Zeit war das so, als Jesus über dieses Thema spricht mit den Angehörigen seines Volkes und seiner Familie. Sie waren an dem Abend zwischen Berg und Ufer froh, wenn sie zu essen hatten und wollten sich nicht Federn von großen Vögeln in den Mund stecken, damit sie erbrachen, was sie gerade gegessen und angeblich genossen hatten, damit das „unendliche Fest“ weitergeht. Sie haben nicht Toiletten neben ihre Festtafel bauen, damit e s funktioniert, oder Bier trinken noch und nöcher u n d Wasser lassen….Gleichzeitig.

„Was für ein Fest“.

„Na, Sie wissen schon.“

Nein es waren einfache Menschen, die Jesus folgten an den See auf den Berg und danach seine Rede über das Brot hörten, nachdem sie ihn verloren hatten nach dem Wunder, dem Zeichen und wieder gefunden hatten am nächsten Tag auf der gegenüberliegneden Seite des Sees Genezareth. Es war zu verführerisch.

Er sollte ihr König werden.

Ihr Brotkönig.

Angefangen hat das Ganze auf einem Berg, auf den alle Israel-Touristen geführt werden, auf dem eine Kapelle steht zur Erinnerung an das BROTBRECHEN zur Speisung der 5000. Wie kam es dazu? Jesus tut Wunder. Setzt Zeichen. Ist ein Zeichen in der Zeit Gottes. In Jerusalem. – Er wollte eigentlich seine Ruhe haben. Eine auszeit nehmen. In seiner Heimat. Galliläa.Luft holen. ATMEN. BETEN. Um Kraft zu schöpfen für seinen Weg. Den er noch vor sich hatte. Zurück in die Große Stadt. In den Tempel. Da sieht er die Vielen am Fuße des Berges. Es ist Abend. Er fühlt sich verantwortlich und verachtet nicht den Hunger, nicht das Notwendige. Die Bedürfnisse. Er erbarmt sich. Es ist Abend. Spät. Niemand kann zu dem Krämern rennen, in die Backstuben. Es würde sowieso nicht reichen. Ein Junge hat etwas mit und Christus, der HERR teilt die Gaben, die vorhanden sind.

EUCHARISTIE. DIE GUTE GABE GOTTES. Sie wollen ihn zum König machen. Zum BROTKÖNIG. Sie werden ihn ergreifen. Als er das merkte, „entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein“(Johannes 6, 15).

Das Galliläische Meer, auch See Genezaret genannt, ist der Schauplatz der Überfahrt der Jünger von einem Ufer zum andern. Vom Berg nach Kapernaum, in dessen Synagoge Jesus seine Predigt halten wird, von der Nachhaltigkeit ohne Propaganda. Vom Ewigen Leben, vom Brot, dass ER ist und dem Wein, der ER ist.

Das HEILIGE. Das Sakrament.

Kapernaum, die erste Wirkungstätte Jesu. Sie werden ihm dorthin folgen wegen des Brotes. Hier werden sie ihn nicht ergreifen und zum König ausrufen. Aber sie werden streiten mit ihm. Wir lesen:

Am nächsten Tag stand die Menge am anderen Ufer des Sees; sie hatten gesehen, dass nur ein Boot dort gewesen war und dass Jesus nicht mit seinen Jüngern ins Boot gestiegen war, sondern dass seine Jünger allein abgefahren waren. 23 Von Tiberias her kamen andere Boote in die Nähe des Ortes, wo sie nach dem Dankgebet des Herrn das Brot gegessen hatten. 24 Als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus.  26 Jesus sagt zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. 

35 Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben. 

47 Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.

Wenn du über das Galliläische Meer fährst auf einem nachgebauten Boot und du den Berg siehst der Seligpreisungen, begreifst du vielleicht wie das mit dem Brot auch sein kann, entgegengesetzt zu der Bitte im VATERUNSER:“Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Ja, Fresssucht war im Mittelalter Todsünde. Was heißt hier Todsünde und Mittelalter? Vielleicht wissen das die Jugendlichen, die vegan leben wollen, besser. Der Sitz der Askese im wirklichen Leben seit dem es Menschen gibt auf unserer Erde ist die Fastenzeit. Eine Gegenbewegung zur Wohlstandsgesellschaft. Zur Genusssucht. Zum Egoismus.

Ja, deswegen gibt es FASTEN nicht nur im ISLAM, nicht nur in der christlichen PASSIONSZEIT, nicht nur in Krankenhäusern der weltweiten christlichen Adventgemeinden, die krebskranke Menschen aufnehmen und nach eigener Aussage auch Heilerfolge durch das Fasten vorweisen können.

Ich fahre also auf den Berg zu. Wie so viele vor mir. Ich steige hinauf. Ich komme aus Kapernaum, aus den Ruinen der Synagoge, in denen Jesus die Bibel ausgelegt hat, seine Bibel. Ich sehe auf den See, auf dem sich Christus seinen Jüngern als der HERR der Welt, der Armen und der Reichen, der Wohlhabenden und der Bedürftigen offwenbart hat. Und ich werde auch wieder zurückfahren in die Ruinen des Weltreiches, der pax romana.

Dort wartet der Bus.

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Nach Aschermittwoch

1

Das stimmt genau für den vorherigen Blog. Ich hoffe, er hat Euch gefallen: Ungarn, Balkan, Bulgarien, Rumänien (kam nicht direkt vor) – unsere sozialistischen Reiseziele.

Griechenland ein Traum. Griechisch, ein Alptraum in der Ruine des Berliner Doms: Sprachprüfung und auch dort dann unter Aufsicht des Bischofs: Neues Testament.

DIKAIOSYNE gleich Gerechtigkeit im neutestamentlichen Griechisch, eine Umgangssprache damals. Wie heute englisch. U N D das einzige wirkliche Wort, welches ich im heutigen Griechenland bei meinen Wanderungen auf dem Athos entdeckt habe. Als Hinweisschild. Es bedeutet so viel wie Gemeindeamt. Amt schlechthin. Für Touristen nicht unwichtig.

Heute ist immer noch – genau besehen – die Woche, die mit dem Sonntag INVOKAVIT begonnen hat. Übersetzt aus dem Lateinischen, der nachfolgenden Weltsprache :“Er ruft mich an.“ Und weiter: „Darum will ich ihn erhören.“(Psalm 91, Vers 15). Und noch weiter: Bitte selber aufschlagen in der Bibel und selber lesen! Unbedingt. Gerade heute in diesen kriegerischen Zeiten wo wir nicht wissen, wie es zu Ende geht mit diesem Krieg im Osten und im Westen. Im Norden und und im Süden. Bei uns und anderswo. INNERLICH und ÄUSSERLICH: HERR GIB FRIEDEN.

Selig sind die, die Frieden stiften! Verhandeln!

Die Namen für die Sonntage richten sich in der Regel nach solchen Psalmworten. NACH SOLCHEN GEBETSWORTEN. Das Tröstliche: Dieses Wort zum Sonntag Invokavit war und ist GOTTES WORT. Nach unserem Gebet. Ja, der Psalm wird am Ende zu einem Gespräch zwischen dem Beter, der Beterin und dem, der es erhört.

Zwischen Gott und mir.

Lesen. Unbedingt! Nicht fragen: Wie soll es weiter gehen. Wo soll das hinführen. Oder doch. Aber dann das: Gott spricht: „Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören“.

2

Der kommende Sonntag hat auch einen Namen: REMINISZERE. Da beten wir mit DAVID, dem KÖNIG ISRAELS: „Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit!“ (Psalm 25, 6). ERINNERE DICH GOTT. RÜTTELN WIR GOTT WACH MIT UNSEREN GEBETEN? Wir flehen.

3

Also bitte: nicht nur Asche auf `s Haupt streuen. Das auch, wenn es uns hilft. Sondern mit Gott und unseren Nächsten, mit unseren Feinden, im Gespräch bleiben!

IHN anrufen und auf die Zeichen der Zeit achten. Bereit sein, wenn es auch anstrengend ist und wir in unseren Gärten, die GETHSEMANE heißen, schlafen wollen und nicht wachen, wenn der Menschensohn kommt und uns darum bittet: Wachet mit mir!

In dieser PASSIONSZEIT.

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Weisst Du das noch, ein Hymnus

Als wir in Ungarn waren, unserem Traumland im DDR-Sozialismus.

Den Himmel über uns fliegen sahen.

Die Häuser versetzt gebaut ohne deutsche Bürokratie.

Die Operettenklänge im Ohr. Und vor Augen die Kostüm-SHOW.

Margard weiß Du das noch?

Jeden Tag von Pecel hinunter gefahren zur Donau in die Weltstadt Budapest mit der Frau übermäßig am Giebel in der Engen Straße. Werbung. KINO.

Immer an den schmucken Industrieanlagne vorbei, damit die Arbeiter

und Arbeiterinnen sich wohlfühlen. GEWERKSCHAFT?

Weißt Du das noch Beathe?

Wie das Klaus

+Kreuz+

beeindruckt hat?

Er war der Arbeiter aus einem ehrlichen Haushalt mit Parteizugehörigkeit, allerdings mit ganz anderer Meinung.

Hauskreise. Sprotte in Thüringen, Schmölln, aufwärts.

Wir wollen ihm ein Denkmal setzen. Hier. Von Leipzig und Berlin aus.-

Und ich?

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Die LKW in Richtung Balkan, zu dem die Ungarn nie gehören wollen, mit Kennzeichen Griechenland. Traumland, wenn es ginge. Du siehst es von einem Kloster in Bulgarien aus, sagte M.D. zu mir.

Jetzt ging es plötzlich. Aber wir hatten keine Zeit nach 89. Erst Israel. Wieder Israel, wieder von Berlin aus gemischt Th. und B. Dann Arbeit mit Jungendlichen.Tirol. Braunau beim Transport der Rüstzeitutensielien extra ohne die Jugend. Ohne die Schüler. Erst einmal so. Dann mit Frau, auch Privat, wie Israel immer ausch ganz privat war, wogar sakral. Wegen Braunau in Oberöstereich. Noch viel anderes. Aber dann. Aber dann endlich 2012 im Neuen Jahrtausend. Schlichter Jahrhundert: Es braucht einen Philosophen, Michael, auf in den Athos. Das war wohl auch nicht Griechenland, aber die Rettung des Abendlandes, weil die Mönche geschickt waren im Verhandeln und es fertig brachten durch kluge Verträge, unantstabr zu bleiben. Ja, ja, die Osmanen. Weltreich. Athos durfte bleiben mit den klassischen Bibliotheken der heidnischen Vorfahren im Denken. Die Philosophen. Unglaublich. Durch die Orthodoxie. Merkt es Euch bitte in Eurem Kulturkampf, den Ihr gar nicht führt. So ehrlich seid Ihr, redlich? Ihr seid feige, weil Ihr wisst, dass Ihr nicht recht habt. Letzten Endes. Gott verlassen.

Ja nun war ich dort nach so vielen Jahren Freiheit. Im Ruhestand.

Weißt Du das noch?

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Valentin

Berlin-Müggelheim 13.02.2025

Morgen ist Valentinstag und ich erinner mich dankbar an die Offen Kirche-Franziskanerkirche-Brüderkirche in Altenburg/ Thüringen. An einen 14. Februar im Jahr 2006: Ab 8.00 Uhr morgens geöffnet. Da kam das erste Paar und ließ sich segnen. Dann ging es weiter. Die Offene Kirche wurde an diesem Tag besonders gut angenommen als Hort der Liebe, wie sie von den Paaren verstanden wurde. Ältere Paare, schon länger oder sehr lange verheiratet, Jüngere. Liebespaare waren sie m. E. alle. Wer will das nicht sein. Sonst würden sie nicht kommen.

Sonst würden sie nicht kommen.

Es ist noch viel länger her…

Mein Vater war mit mir in einer Kirche. Ich war sicher greade in der Pubertät. Oder gerade noch darunter.

„Gott ist die Liebe.“ Es muss das Ergebnis gewesen sein eines guten Gespräches zwischen meinem Vater und mir. Es fällt mir immer mal wieder ein, wenn ich nicht weiter weiß in all den Konstruktionen und Himmelsstürmereien jedweder Natur und jedweden Charakters an allen Orten in unseren Zeiten.

In der Seelsorge. Für mich. Für andere: Gott ist die Liebe (Johannesbriefe). Und es fiel mir auch immer ein, wenn wir uns in unsren Arbeitsgruppen auf den Valentinstag vorbereitet haben, zusammen mit den Katholiken, zusammen mit Menschen, die guten Willens sind. Da haben wir nicht gemeckert über die böse Blumenindustrie, die ja nur verkaufen will. Oder gar über die bösen Amerikaner, die aus allem ein Geschäft machen. Nicht über die Hochzeitsmessen mit den schönen langen Brautkleidern in Weiss. Gutsitzenden Anzügen für die Herren der Schöpfung. Die Kritik haben wir anderen überlassen. Den Neid auch. Nein, wir haben uns gefreut, wenn sie einen Pfarrer/ eine Pfarrerin dazu eingeladen haben.

Nein, wir haben guten Wein für die Abende gekauft, Lisa hat sich da hervorgetan mit weltläufiger Erfahrung als Lehrerin in Dänemark. Und eine Gastwirtin und eine Schmuckhändlerin, die zu uns gestoßen waren und wunderbar einkaufen und kochen konnten, dass es bezahlbar blieb.

Auch für die Ärmsten an der Tafel.

Oder war gratis?

Ab 19.00 kamen die berufstätigen Paare und standen Schlange im Gang mit dem Roten Teppich vor dem Altar, vor dem nazarenischen Bild des heiligen Abendmahls (grauer Stein). Pfarrer Sorge hat den Segen gespendet. Ich habe vor der Segnung mit jedem Paar gesprochen und sie gefragt, ob wir beten wollen. Ja, sie wollten es sehr oft.

In der Schlange. Im Stehen.

Ich habe nie wieder das so erlebt wie an diesem einen Valentinstag, der mir so in Erinnerung ist, dass ich ihn hier beschreiben möchte.

Und danke Gott für den Segen, der von diesen Paaren ausging.

Weil es Abend war, haben wir im Kirch-Saal noch zusammen gesessen und der Abend klang aus . Durch unsere Lieder.

Es war nicht irgend ein Wein. Es war nicht irgend ein Brot. Es war das Agapemahl, welches uns zusammnen führte und stärkte für unser Leben. Als Mann und als Frau.

Für das Altenburger Wochenblatt, gegründet u.a. von Ingo Schulze in der Arbeitsgruppe MEDIEN, Brüderkirche zu Altenburg, nach den ersten Demonstrationen im Herbst 89 in der damaligen Kreisstadt Altenburg/Thüringen.

2006 in der Erscheinungs-Woche/Altenburger Wochenblatt vor dem 14. Februar:

Herr, heilige die Ehen!“- aus dem Großen Fürbittgebet der Kirche

„Die letzten Sonntage habe ich Ihnen etwas erzählt über Clowns, die – wie sonst keine Berufsgruppe – deutlich machen können mit ihren Veranstaltungen,

Verrenkungen, graziösen Vorhaltungen, wohin der Weg eigentlich führen sollte, aber dann doch immer wieder woanders hinführt. Wie wir Menschen lernen müssen mit paradoxen, ja absurden Situationen umzugehen. Erinnern Sie sich an Wladimir und Estragon? Zwei Erfindungen eines irischen Dramatikers.Heute möchte ich Ihnen etwas erzählen von einem komischen Heiligen, der deutlich macht, wie paradox, ja närrisch wir leben müssen – immer im Spiegel dessen, was unsere Vernunft übersteigt : daß Gott Mensch geworden ist in Jesus Christus, daß wir durch sein Kreuz leben und durch sein Leiden auferstehen können zu erneuertem Leben, daß uns Glaubensbekenntnisse nicht einengen, sondern Freiheit schenken , daß Gott die Liebe ist und voller Gnade, trotz allem Elends.- Den Heiligen kennen Sie inzwischen alle und sie erraten auch schon, von welchem ich rede. Obwohl er von gestern ist und seine heidnische Patronin Juno, die römische Göttin der Ehe. Obwohl er ganz und gar politisch gegen die vom Staat festgelegten Zeremonien Liebespaare nach christlichem Ritus getraut hat und wegen dieses Ungehorsams für seinen Glauben im antiken Rom sterben mußte. Obwohl er dann im mittelalterlichen England, Frankreich, Belgien und später in Amerika zu neuen Ehren kam und schließlich- wie so Vieles – nach dem verlorenen 2. Weltkrieg – von dort nach Westdeutschland gekommen ist und nun auch zu uns. – Ob in England oder Frankreich – immer soll es der 14. Februar gewesen sein, an dem im Andenken an den christlichen Berater in Partnerschaftsfragen Valentin berühmte Liebespaare ihre Liebe erneuerten …Ein Schriftsteller soll plötzlich seiner Frau Liebesbriefe geschrieben haben….

Der 14.2. ist ein Gedenktag an einen Märtyrer, der aus der Seelsorge an Paaren heraus wusste, daß die menschliche Liebe in all ihre eigenen Widersprüchen verwickelt – trotzdem und gerade vielleicht deshalb- .die Liebe Gottes widerspiegelt und in Erinnerung ruft mit all dem, was wir unter Sexos (Sex), Eros (Erotik), Agape (Nächstenliebe) verstehen. – Neulich habe ich ein Gebet gehört: „ Danke, Gott, für all die glücklichen Augenblicke, die ich erleben durfte.“

Ich wünsche mir und Ihnen, daß wir auch so beten können. AMEN.

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1990 bis 2025

Friedliche Revolution ist Arbeit und Mut

„Die Zeiten, als sich Arbeitsgruppen bei uns in der Brüderkirche in Altenburg trafen, um einen gesellschaftlichen Neuanfang zu wagen, sind m. E. noch lange nicht vorbei. Nur die Menschen sind andere, die Namen – nicht alle – die Ziele sind dieselben geblieben: Erneuerung! Nur die Formen sind vielleicht anders geworden, der Inhalt ist geblieben: Sehnsucht nach einer heilen Welt in einer kaputten Welt. Damals bildeten sich Arbeitsgruppen während der Friedensgebete. Heute ist das auch noch so. Nur: das Friedensgebet ist unter dem Namen MITTAGSGEBET bekanntgeworden. Und die Arbeitsgruppe könnte man nennen: Communität für den Tag, eine Initiative von Senioren für unsere Stadt. Es lohnt sich zu erinnern, um festzustellen: die Formen ändern sich vielleicht, nicht die Inhalte. Jedenfalls nicht die, auf die es ankommt in einem fruchtbaren Leben. Vielleicht meinen das die Juden wenn sie sagen, ERINNERUNG IST ERLÖSUNG. – Wenn ich mir die alten biblischen Geschichten anschaue, merke ich immer wieder, daß es nicht so viel anders ist, als damals, heute! Und ich nehme mich auch nicht mehr so wichtig in meinem Fortschritt, weil ich merke, die Liebe, die Hoffnung, der Glaube waren damals das tragende Lebensmotiv und sind es heute. Damals gab es Liebeskummer, Tod und Sehnsucht nach Vollendung. Und heute auch. Das geht mir nicht nur so mit der Bibel, sondern auch, wenn ich mir eine ausgegrabene Stadt anschaue. Alles da, vielleicht keine Autos. Das war es aber auch schon. So mein Eindruck. Geschichte ist gesund, um seinen Größenwahn aufgeben zu können. Das alles meint das Wort ERINNERN. Ein Sonntag, geneigter Leser und geneigte Leserin, hat für mich deshalb einen besonders schönen Namen. Er heißt REMINISCERE! Er fällt in die Zeit der Leidenschaften, der Passion, der Buße, der Auferstehung. ERINNERE DICH! – Wer sich nicht erinnern will, hat keine Geschichte und damit auch keine Werte für sein Leben, die ihn tragen! Wer sich nicht erinnern kann (nach einem Unfall: unzählige z. T. gute Filme handeln davon), ist schwer geschädigt. Wer eine Zukunft haben will, muß sich erinnern wollen und Gott danken, daß er es kann. Sicher auch das Geheimnis von „DRESDEN“ oder „So weit die Füße tragen“, falls Sie diese Filme gesehen haben. Erinnerung ist ERLÖSUNG? Ja, wir dürfen sogar GOTT daran erinnern, daß er uns Zukunft versprochen hat. Auch das ist ein Teil unserer Gebete im Christlichen Glauben. Und nicht nur sonntags. Einen gesegneten Sonntag mit guten Erinnerungen und Sammeln von Kräften für den Alltag morgen und übermorgen für Sie!“

  • Ich habe mich entschlossen diese Kolumne aus meiner Thüringer Zeit in Altenburg in diesen BLOG zu stellen.

Vielleicht ist das hilfreich für alle, die verwirrt sind und nicht mehr wissen, wo es lang geht. Ja, am 3. Oktober d.J. gedenken wir vielleicht unter anderen Aspekten als z. B. zum 10. Jahrestag der DEUTSCHEN EINHEIT dieses im Grunde genommen ja sehr abstrakten Tages innerhalb der deutschen Geschichte. Ein bisschen wie die willkürliche Grenzziehung im Wüstensand 1949, als der Staat ISRAEL gegründet wurde. Vielleicht soll auf diese Weise von vornherein verhindert werden, dass die Emotionen hochkochen. Mehr als zu jedem Wahlkampf – oder doch gerade wie zu diesem Wahlkampf, wo man den Eindruck neuerdings hat: es ist immer auch Kultur, um die es geht. Und Kampf darum. Jeder hat eine andere Vorstellung davon.

Jedenfalls geht mir das nach jeder Presseschau so.

Wir haben die Altenburger Akademie-Offene Kirche am 17./18.Juni 1988 in der Brüderkriche zu Altenburg in Thüringen gegründet mit einer „etwas anderen Presseschau“ auf einem grauen Sack-Tuch, ausgebreitet und aufgehängt, dort wo jeder vorbeigehen musste n a c h einem Konzertbesuch – da kommen die meisten – n a c h einem Gottesdienstbesuch – da kommen in der Regel weniger. „Mit dem Rücken zum Altar, wenn die Sauerorgel aus dem Blickfeld geraten ist unter der Ost-Empore, gehst Du direkt auf die versenkbare Butzenglaswand zu, die die Taufhalle vom Rondell des Kirchenschiffes trennt“.

Dort genau hing sie, die etwas andere Presseschau. Das sprach sich herum. Der Zuständige für Kirchenfragen im Sozialismus des Kreises Altenburg tauchte sofort auf und interessierte sich. Die Akteneinsicht war nach 1989 möglich. Solches Echo hat uns immer wieder Mut gemacht und wir machten weiter mit Einladungen in den Kirchsaal, der zum Sprengel gehörte. Der erste Abend: „Weltanschauung“ – ein Dozent des Priesterseminars Erfurt.

Ja, tatsächlich: DARAN denke ich bei dem Begriff DEUTSCHE EINHEIT, ein Abstraktum aus der Politik des Kompromisses auf allen Ebenen. Eigentlich ja gut. Aber wen hat es erreicht im OSTEN?

Also bitte: Friedliche Revolution ist Arbeit und Mut. Und meine Freiheit wird begrenzt durch die Liebe zu meinem Nächsten und auch durch meine Sehnsucht nach dem Frieden. Und immer wieder neu infrage gestellt durch die Suche nach der Wahrheit, die uns ebenso ins Herz gegeben worden ist und in meinen Verstand. Von Gott – wie ich glauben möchte. Und von niemandem anders im Zeitalter der KI.

Deshalb dieses Bild, welches ich mir mitgenommen habe aus meiner letzten Dienstgemeinde an den östlichsten Rand von Berlin-Müggelheim. Es hängt dort, wo die Gebetsanliegen zu sehen sind. Menschen, die von uns gegangen sind. Auch und gerade viele Beter und Beterinnen. – Gott sei uns allen gnädig. AMEN. AMEN. AMEN. SCHALOM:

Hier die Buchauswahl, aus der die Zitate stammen:

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Fjodor Dostojewski

Fjodor setzt sich zu mir ins Nachbarabteil und erzählt mir die Geschichte von den Unglücklichen. Von den Sündern und Heiligen. Er stellt sie mir vor: „Weißt du,da ist der Markt. Die buckligen Häuser ringsum. Die Läden, die aufgeklappt werden, sobald die Sonne aufgeht. Und da kommen sie, die Tagelöhner, die Tagediebe, die Betrunkenen am frühen Morgen, die nieschlafen können, weil sie ihr Gewissen plagt, die Weinenden, die ihre Familie nicht ernähren können, weil die Barmherzigkeit ausgestorben ist und die Gerechtigkeit Gottes auf sich warten lässt. Da ertönt ein Signal, alle wissen, er kommt persönlich. Der HERR.Das Warten hat sich gelohnt. Gestern kam niemand.Heute soll er wirklich kommen? Sie drängen sich, die Ausgemergelten, die Zerrütteten, die Greise, die Huren, die zu alt geworden sind, um sich zu verkaufen. Allerufen: „Herr, wir sind hier! Hilf uns!“ Aber der Herr verzieht. Scheinbar reitet er um die Stadt herum, um sich ein Bild zu machen, was die Wohlhabenden aus ihrer Stadt gemacht haben. Er gehört in gewisser Weiseja auch dazu.Jetzt kommt er wirklich ohne Signal. Reitet mitten auf den Markt und ruft: „Wer möchte in meinem Weinberg arbeiten?“ Alle sind erschrocken. Davon war nie die Rede. Arbeiten? Sie meinten, sie bekommen die Ration. Deswegen sind sie da. „Das muss eine Neuerung sein“, murmeln sie. Einige melden sich, aber nicht viele.Drei. Er nimmt sie mit. Er steigt ab von seinem Pferd und führt sie zur Stadt hinaus durch das südliche Tor zu den Bergen. Er hätte auch voraus reiten können, denn jeder wusste in dem Gebiet, wo der Weinberg des Herrn lag. Aber er ließ es sich nicht nehmen. Er hätte ja auch genauso gut einen Festangestellten, dem er einigermaßen vertraut, in die staubige Stadt schicken können. Brauchte er wirklich Arbeiter in seinem Weinberg?

Es waren auch wirklich Menschen auf dem Markt,die – wie Matrosen im Hafen – dort herumlungerten nach einer durch gezechten Nacht, um angeheuert zu werden. Aber Bettler auch, die sich nicht genügend bemüht hatten und auf Almosen hofften. Von den Dreien war ein Bettler, der es sich abgewöhnen wollte, als Lohnsklave zur Verfügung zu stehen. Aber irgend etwas an diesem Morgen, als die Sonne im Osten empor stieg, erinnerte ihn an ein Lied seiner Kindheit, welches seine Mutter sang, wenn sie zur Arbeit ging.“

Hier brach der Erzähler ab und schaute versonnen auf die vorbeifliegende Landschaft. Er ließ den Zuhörer allein im Abteil und verschwand. – Wohin? Ich weiß es nicht. Ins MITROPA-Abteil. Toilette. Gang. Fenster runter und Wind und den Fahrtwind ins Gesicht, weil es so schwül ist im Abteil, geht nicht! – Es ist ein INTERCITY. Viel zu schnell.

Das war damals, wenn wir von Ort zu Ort gefahren sind und unsere Freiheitdumpf war, in der wir lebten und voller Freude einem Ziel entgegen fuhren auf der Scheibe, die wir Erde nannten. Und unser Land, DDR. Zigaretten. Ach ja Zigaretten. Verqualmt alles. Tief eingezogen die Luft, die entgegen blies. Fenster ‚runter! Jetzt alles rauchfrei.

Du musst nicht zum Fenster stürzen.

Meistens klemmt es.

SONNTAG heißt Auferstehung. Auferstehung heißt WOSKRESSENIE

Wo ist Fjodor, der Erzähler? Er ist ausgestiegen.Es ist Sonntag. Er wollte plötzlich nicht weiter eine Geschichte erzählen, die jeder kennt, der es mit der göttlichen Gerechtigkeit, mit der Gnade undBarmherzigkeit zu tun bekommen hat. Wie er. Er war darauf angewiesen zu hören. Er hatte Glück, dass der Zug nicht durchgefahren ist und angehalten hat zwischen dem Westerwald und Hamburg, wo die großen Schiffe anlegen. Auch die nach Übersee. Er hatte Glück, dass der Bahnhof eine Bahnhofsmission hatte und einen Saal in der Nähe, wo die Heilsarmee zu Hause war und die Evangelien predigte. Der Gottesdienst hatte bereits begonnen, der Prediger hatte die Bibel aufgeschlagen und war in die Kanzel getreten:„Liebe Gemeinde, wir haben uns heute hier versammelt zum Sonntag Sechzig Tage vor Ostern. Das heißt auf lateinisch SEXAGESIMAE. Dieser Sonntag – wie schon der vorherige – kündigen einen Perspektivwechsel an, den wir alle dringend benötigen. Die Richtung heißt OSTERN. Ostern, das bewegliche Fest. Das in seinem Zeitpunkt sich nach der Stellung des Mondes zur Sonne richtet.- Liebe Brüder und Schwestern, wir haben uns heute hier versammelt, weil Sonntag auf russisch WOSKRESSENIJE heißt, zurückübersetzt ins Deutsche: AUFERSTEHUNG. JEDER SONNTAG

HEISST AUFERSTEHUNG.

Sie haben das Gleichnis vom vierfachen Acker gehört und jeder von uns fragt sich, wer bin ich? Bin ich der Weg? Sind wir die Dornen? Wer ist der Fels? Und wer das gute Land. Wir wollen alle das gute Land sein, das Frucht bringt. Oder etwa nicht? Aber alle denken an die Sorgen. Die Großen und die Kleinen. Lasst uns Gott bitten, dass die Sorgen nicht unseren Glauben ersticken und dass die Begeisterung für das Gute anhält und der Regen nicht alles, waswir gehört haben wegspült. AMEN.“

Eine sehr kurze Heilsarmeepredigt. dachte F. … Aber okay. Es wurde noch ein Lied gesungen und dann löste sich die Versammlung auf. Ah – die russischenChöre! Wo sind sie? Sonntag. AUFERSTEHUNG? Der Westen ist so kurz angebunden. Na ja….Er nahm sich ein Hotelzimmer in der Nähe des Bahnhofes.

Was soll nun aus Anne werden?

Ganz einfach. Sie geht auf ein Schiff. Im Hafen liegen welche. Genügend Große und Kleinere. Sie muss mit den Leuten ins Gespräch kommen, damit sie mitgenommen wird als ermäßigt. So viel Geld hat sie nicht mit bekommen von zu Hause. Sie wird sich in eine Kneipe setzen. In so eine Hafenkneipe in Hamburg und sehen, was sich machen lässt.

Es lässt sich eigentlich gar nichts machen.

Die romantischen Zeiten sind vorbei. Also nimmt sie ihr Handy und ruft bei der nächstbesten Reederei an, um zu erfahren wie das heute so geht. Vorschläge. Angepasst ihren finanziellen Eckwerten. Ihrem Chip. Sie sagen ihr, ab wann sie sich einzufinden hätte in einem Reisebüro der und der Reederei. Unterkategorie der Großen Reederei. Der Übergeordneten. – Nächste Woche. So schnell geht es nicht. Aber nächste Woche gibt es die Möglichkeit mit einem Schiff nach Amerika zu kommen. Auf einem Tanker oder Containerschiff als Mamsell, die den Matrosen das Essen ausgibt in der Kombüse. Wenn sie es so macht, muss sie gar nichts bezahlen. Im Gegenteil, sie bekommt etwas für Amerika. Sie verdingt sich. Sie hat Zeit. Viel Zeit. Sie wird erst nach Weihnachten, im Frühjahr anfangen, Germanistik in Amerika zu studieren. Wenn sie es schafft, alte Verbindungen wieder aufzunehmen.

Gut, dass sie ein Handy hat. Sie wird immer das Gefühl haben, in der großen weiten Welt zu Hause zu sein. Zumindest nicht unterzugehen. Bildlich gesprochen. Gut, dass die Finnen das Handy erfunden haben, als die Sowjets keine Gummistiefel mehr brauchten in ihren Kolchosen. Gut für die Finnen. Gut für die Russen? Gut für alle anderen in der globalisierten Welt nach dem Fall der Mauer in Berlin und dem Schleifen der Zäune in Ungarn und überall…Der zivile Krieg. Der Kalte ist vorüber. Jeder gegen jeden. Der Globus quietscht und eiert. Das Gerede vom Globus und vom Globalisieren und EINE WELT.

Na ja.-Die Großmutter hat auch ein Handy. Ihre Freundin auch in Hamburg.„Hallo Großmutter, wie geht es dir?“„Bestens, mein Kind!“ – Pause.„Und dir?“ – Pause. Lange Pause.„Ich hatte interessante Zugbekanntschaften. Einen Zugbegleiter, der Geschichten erzählte. Sehr eigentümliche Geschichten. Von einem Weinberg und den Arbeitern dort im Süden, am Mittelmeer.“„Die biblische Geschichte vom Weinberg?“„Ja, genau die.- Er hat es auch nicht verschwiegen.“„Heutzutage ist ja wieder alles möglich. Vielleicht liegt das an den Türken. Die zeigen ja auch, was sie glauben. Und die Amerikaner, mein Kind, sollen auch so sein. Es bleibt ihnen ja auch gar nichts anderes übrig, mein Kind, wenn sie so viele Nationen bei sich aufnehmen mit und jeder einen anderen Glauben hat als der andere.“

Lange Pause.-„Nicht etwa keinen, wie bei uns.“

Lange Pause.-„Aber er ist nicht aufdringlich geworden oder so etwas in der Art. Es war ein sehr angenehmer Mann. Wie in den alten Büchern, die du in der zweiten Reihe zu stehen hast.“-„Was hast du denn noch erlebt?“ „Ich fahre erst in einer Woche übers Meer nach Amerika.“ „Aha!“ „Ja, ich kann bei einer Freundin übernachten und schau mich noch in Hamburg um.“ „Na, gut.”

“Ich melde mich wieder.“

Anne stand auf der Brücke in Hamburg, auf der sich sonst Liebespaare treffen. Ob sie Schlösser für ihre ewige Treue anschließen wie anderswo, wusste sie nicht. Aber sie hat davon gelesen, von einer Brücke in Köln. Brücken gibt es viele auf der Welt und noch mehr Treffpunkte für Liebespaare. Berühmte und weniger berühmte. Brücken über das Wasser. Manchmal über sehr großes Wasser wie in Holland. Über sehr klares Wasser und sehr schwarze Strudel! Über reißende Flüsse und Abgründe in fernen Ländern, über Gleiskörper der Deutschen Bahn und anderer Bahnen auf der Welt. Früher hießen sie im Osten Deutschlands Reichsbahnbrücken, in der DDR. Und auch im 3. Reich und vorher.

Auf Leben oder Tod wie in den Sonetten.Wie zwischen Potsdam und Westberlin –

Glienicke. Agenten werden ausgetauscht. Kameras sind nicht erwünscht. Check Point – Charlie – nein das ist keine Brücke, sondern ein Übergang. Manchmal ist auch eine Brücke ein Übergang. Ein Punkt. Ein Wendepunkt? Nein. – Doch. Es ist ein Nadelöhr. Wo kein Kamel durchkommt in Jerusalem und anderswo.Das Wasser ist viel zu tief. Wenn jemand die Nordsee als Brücke verstehen wollte. Sie ist es, ja! Zwischen den Völkern, weil die Menschen Schiffe gebaut haben. Den Wind ausgenutzt. Die Ebbe berechnet und die Flut. Und alle Faktoren zusammen gerechnet…..Na, bitte! Wind, Segel, das weite Meer und das Land dort drüben. Ja, aber wenn du meinst: Die Ostsee! Was ist das schon! Ein Binnenmeer. Keine Ebbe, keine Flut. Und du hast kein Segelschiff, wo du den Wind nutzen kannst und die Flut. Und auch keinen Motor, weil der gehört wird, sondern nur ein Schlauchboot. Das geht noch? Vielleicht.

Oder nur deinen Übermut.

Die schreckliche Selbstüberschätzung.

Das nackte Leben.

Jetzt unter den Scheinwerfern durch.

Glück gehabt.

DIE SUCHSCHEINWERFER.

JA, DIE SUCHSCHEINWERFER

DER NATIONALEN VOLKSARMEE, die uns bewachen.

Niemandsland.- Endlich Fischer aus Dänemark, die nicht schlafen am Morgen, sondern dich sehen, wie du kämpfst mit letzter Kraft, um in die Freiheit zu gelangen. Grenzerfahrung, Gotteserfahrung. Todesangst.

Ja, Freiheit.

Aus ACH DOSTOJEWSKI (Haag und Herchen)

Das Buch beinhaltet fingierte Gespräche mit Dostojewski, einen gemeinsamen Theaterbesuch. Die Erfindung einer Geschichte für die 3. Generation, die auf einem Segelschulschiff vor Irland stoppt und dann weiter geführt wird in dem Roman AMERICA (epubli) und DER GRÜNE SALON (epubli) und noch andauert als DANACH (in Arbeit).

Die zitierten Gleichnisse: Matthäus 20 1-16, Matthäus 13 1-9.

Gebet: Herr schenke uns die Geduld, die wir brauchen, damit wir die Wunder Deiner Werke begreifen können und so Deine Geburt, Dein Kreuz und Deine Auferstehung feiern können in den schönen Gottesdiensten des HERRN.

„Meinen Frieden gebe ich Euch“, hast Du gesagt. Gib, dass wir ihn benutzen zum Wohl unserer Nachbarn, in unseren Familien, dort, wo du uns hingestellt hast. In Arbeit und Beruf. In allen unseren Mühen in dieser Zeit. AMEN

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Kalendergeschichten Dezember bis Februar

Dezember

Eine der vielen Weihnachtsgeschichten

Endlich klingelt es einmal wieder in unserer Zweisamkeit.

Nachts.

Wir fahren auf und stehen in den Betten.

„Geh du!“

„Nein du!“

Als ob wir wüßten, wer es war.

Grauen.

Tatsächlich, es stehen zwei Kapoleute vor der Tür, die gehört haben, es sollen sich Weihnachtskerzen aus rot-und weißgefärbtem Wachs in unserer Wohnung befinden.

Im Keller.

Zum Anzünden am Heiligen Abend.

„Nie und nimmermehr!“ rufen sie im zweistimmigen Chor. „Unterstehen Sie sich!“

Wir fragen, auch zweistimmig (Tenor und Sopran),

wer sie geschickt hat.

Sie antworten: „Das Amtsgericht. Es ist untersagt, Kerzen zum Anzünden aufzubewahren.“

„Warum?“

„Es ist eine Gefährdung.“

„Wieso?“

„Wachs brennt und außerdem haben Sie eine Fichte

aus dem Kirchenwald Mannichswalde im Thüringisch-Sächsischen Grenzgebiet – extra schön – geschlagen.

Wir haben das Gespräch mit dem zuständigen Pfarrer abgehört.“

„Dürfen Sie das?“, fragen wir zu zweit in die fahle Lichtdämmerung der Beleuchtungsanlage im Wohnpark Nr. 8 -13.

„Wir dürfen alles, wenn es um die Sicherheit der Bürger geht und um ihre Gesundheit.“

Zweistimmiges Kapolied:

„O-O-O b e r s t e P r i-o-r i-t ä-t ä t !“

(Tenor-Kopfstimme und Bariton).

Dieser Refrain, diese Strophe kam immer wieder.

Und es hallte zurück aus dem naheliegenden Wald.

Wir konnten es nicht mehr hören und knallten, unhöflich wie wir sind, die Tür zu.

Da brachen sie sie auf. Die Tür.

Wir ahnten nicht, daß sie es ernst meinen.

Die schwarzen Helme der Sicherheitsleute glänzten im Mondlicht und strahlten unter den Parkleuchten, die die Nacht so grell fade erscheinen lassen, daß es einen umtreibt.

Nur eine flackert und geht stundenlang aus.

Worüber sich alle freuen.

Aber es darf nicht sein.

Es hätte längst gemeldet werden müssen und abgestellt, also angestellt.

Ohne Flackern und Pause.

Der Hausmeister hat bestimmt deswegen

ein schlechtes Gewissen.

Ich fürchte, es hat ihm schon jemand gesteckt.

Oder auch nicht.

Weil sich wirklich a-a-a-lle freuen.

Ausnahmsweise.

Also wir gehen einmal davon aus,

daß der Hausmeister es gar nicht weiß,

weil im Morgenlicht, wenn er kommt,

alle europäischen Birnen nur noch Glas sind,

ohne brennenden Docht.

Abgeschaltet.

Obwohl – im Winter stimmt das nicht ganz.

Inzwischen haben sie die Tür wieder aufbekommen

und wir stehen zitternd vor Kälte und Schreck.

„Lassen Sie uns durch! Haussuchung!“

Neulich Nacht hatten wir die Schweine zu Besuch, die wälzten sich in der Lake unterm Dornenstrauch. Nur ihre Spuren hatten wir am nächsten Tag zu Gesicht bekommen. Das war doch was. Einen Kurzbericht wert an die Enkel.

Aber das?

Sie nahmen ihren Helm nicht ab und stürmten die Wohnung.

Sie fanden nichts.

Dann zeigten wir ihnen den Weg.

Auf dem Wohnparkweg ums Haus durch den Haupteingang in den Keller.

„Aber bringen Sie erst das Schloß in Ordnung“, sagte ich und zog eine Pistole, die ich mir bei einem Waffenhändler in Tirol gekauft hatte unter Vorlage einer Berechtigung. Sie wurden nervös. Bloß keinen Aufruhr mitten in der Nacht unter Ausleuchtung aller Details.

Sie rannten zu ihrem Überfallwagen und brachten

ein Ersatzschloß, das sie einsetzten mit Hilfe eines Schlossers, der die ganze Zeit auf der hinteren Sitzbank geschlafen hatte. Niemand hatte damit gerechnet, daß wir ihnen die Tür vor der Nase zuknallen.

Am wenigstens der Schlosser, ein friedlicher Mann.

Nun haben sie ihn also wachgerüttelt.

Nach all dem nun hinunter zur richtigen Kellertür.

Dort lagen sie: die Schachteln mit roten und weißen Christbaumkerzen.

Vom Schwarzmarkt.

Aus Rußland eingeschmuggelt, sagte uns vertrauensvoll unser Händler.

Eins, zwei, drei, vier mal zugreifen und hinein in den Beutel aus schwarzem Samt.

Keine Verhaftung aber Beschlagnahmung.

Wieder oben.

Sie gingen zu ihrem Jeep.

Kein Gruß.

Der Handwerker stand auf dem Parkweg, auf dem er gewartet hatte. Dann stürzte er als erster auf den Jeep zu und riß die hintere Tür auf.

Endlich war die Aktion abgeschlossen.

Irgendwo gibt es Löcher in dem Zeittunnel,

über den die roten und weißen Christbaumkerzen

zu uns gekommen sind. Das Geheimnis ist beschädigt worden. Ja, es hat jemanden so in Aufregung versetzt, daß er geplaudert hat. Vielleicht auch angezeigt bei den obersten staatlichen Behörden.

Wir mußten nun eine elektrische Baumkette kaufen.

Europäische Norm, dachte ich.

Aber mein Frau nahm mich beiseite: „Sie sind dumm, sie haben nicht nachgeschaut unter dem Rost, auf dem sie gestanden haben, als sie geklingelt haben, mitten in der Nacht. Den sie fast durchgetreten haben, als sie mit Gewalt das Schloss zerstörten, indem sie sich dagegen stemmten.“

Februar– Oder der Grundriß einer Wohnung.

Anfang Februar. Plötzlich klingelt es – wieder.

Es hat tagelang nicht geklingelt.

Auch nicht nachts.

Der Postbote, der das Paket des Nachbarn los werden möchte?

Der Nachbar selber, der es endlich wissen möchte?

Was geschehen war.

Neulich nachts.

Uns trennt nur ein schmaler Fußweg und beidseitig so etwas wie ein grüner Graben.

Vorsicht Ökologie“, rufen die Ewiggestrigen.

Es gibt ja keinen Frühling, Sommer, Herbst und Winter mehr und man erkennt an den Stoppelfeldern, über denen die Drachen hoch fliegen nicht mehr, ob es wirklich Herbst ist. Stoppelfelder vielleicht noch als Erkennungsmarke einer Jahreszeit. Eben kurz nach der Ernte. Wann ist die. Na ja – ungefähr noch wie früher.

Aber Drachen.

Geht doch an die Ostsee.

Dort fliegen sie immer.

Oder in Kopenhagen haben wir sie über die Dächer fliegen sehen mitten im Sommer, von einem Fenster aus gehalten.

Nichts stimmt mehr.

Sofort der Pflug.

Sofort kommt der Samen in das Land.

Fruchtfolge.

Also, der Graben ist immer grün. Man könnte meinen, es ist Kunstrasen.

Alles nur Deko“, singt der Chor in der Parkaue.

Und dann noch einmal die Ewiggestrigen:

Vorsicht Ökologie!“

Das Regenwasser läuft besser ab nach den Berechnungen.

Die Büsche in den Gräben sind kurz gehalten.

Sie sollen dem Haus nicht schaden und uns keine Dunkelheit bereiten.

Dabei wollen wir sie, die Dämmerung des Gebüschs, wenn die Sonne hernieder scheint im Sommer.

Nein, nein, nein!“ rufen einige Bewohner. Sie wollen noch mehr eigene Fahrzeuge.

Und überhaupt nicht mit dem Bus fahren!“

Hört auf mit dem Gemaule“, schaltet sich der Hausmeister, der auch als Parkwächter fungiert, zwischen die streitenden Parteien.

Also kein Nachbar?

Auch nicht einer von den vielen gegenüber vom Fußweg: Doppeltes Längshaus.

Wir sind Parterre. Eigentlich Souterrain.

Und wenn es klingelt, stehen sie sofort im Haus,

in der Wohnung. Wenn du erst einmal aufgemacht hast.

Kennst du die Geschichte vom Schuhmacher, der auf Jesus wartet, weil im Traum ihm jemand gesagt hat: „Der wird dich morgen besuchen!“

Du kennst sie nicht? Hol‘ es schleunigst nach.

Nimm und lies und mach dich auf!

Hau auf die Trommel, die du finden wirst,

damit sie aufwachen: die Schläfrigen und Müden.

Du weißt auch nicht, wer wirklich kommt?

Der Mensch kommt, du wirst lachen, der Mensch, der gerade verlorengegangen ist. Der sich verliert im ganz und gar Unmöglichen und andern unsäglichen Dingen.

Aber es sind die Armen, vergiß es nicht.

Nimm und lies den Schriftsteller Tolstoi,

oder wo es sonst noch zu finden ist.

Du wirst es selber sehen.

Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an“,

spricht CHRISTUS DER HERR.

Erinnere dich an den russischen Schuhmacher im Souterrain.

Hat es wirklich geklingelt, ich bin allein zu Haus.

Und mach nicht jedem auf.

Es ist in der Dämmerung eines grauen Februarnachmittags.

Gut, daß die Büsche kurz geschoren sind,

sonst wäre es dunkel, gerade jetzt.

Wie recht haben sie: die Grünzeugflotte des Senats und die Kolonnen für die Bepflanzungen.

Gut, dass die Büsche kurz geschoren wurden, gegen unseren Widerstand“, werden wir uns immer wieder zuflüstern, wenn es ernst wird.

Und du erkennst niemanden mehr in der Dämmerung,“ murmeln wir einträchtig in voller Harmonie mit allen Bewohnern des Wohnparks.

Vor allen Dingen kommen ja auch noch die Wölfe von Polen herüber. Die Zeiten ändern sich.

Einen Spion haben wir nicht. Also öffne ich die Tür. Und wieder stehen zwei Männer in schwarzer Uniform mit der Aufschrift vor der Tür. Sie halten mir einen Beutel unter die Nase. Er kommt mir bekannt vor.

„Gehört der Ihnen?“

„Nein, aber ich habe ihn schon gesehen.“

„Wann?“

„Vor Weihnachten.“

„Erzählen Sie!“

Ich bat sie, herein zu kommen, aber sie wollten nicht.

Es muß POLIZEI sein. Schwarze Klamotten…

Die betreten nicht so einfach eine fremde Wohnung ohne einen Hausdurchsuchungsbefehl.

Einer von beiden dreht sich nach links so, daß ich auf seinem Rücken in großen Buchstaben

POLIZEI lesen kann im Dämmerlicht

des späteren Nachmittags.

Diese bewaffneten Uniformierten. Sie hüten sich davor, die Bürgerinnen und Bürger in Angst und Schrecken zu versetzen. Bei der deutschen Geschichte.

Sie sind scheu.

Die beiden schwarzen Polizisten halten mir immer noch den schwarzen Beutel hoch vor meine Nase.

„Entschuldigen Sie, wenn Sie nicht hereinkommen wollen, dann muß ich den Türstopper durchtreten, damit ich nicht immerzu die Tür mit meinen Händen aufhalten muß. Das ist hinderlich, wenn ich mit Ihnen rede.“

„Ist Ihre Frau nicht zu Hause?“

„Warum?“

„Sie war Zeuge eines Vorfalls in der Zeit vor Weihnachten“.

„Wie ich auch?“

„Ja.“

Sie redeten im Wechsel einzeln oder im Chor

und endlich übergab der eine dem anderen den Beutel. Und sie hielten ihn nicht mehr ständig vor mein Gesicht.

„Wollen Sie nicht doch hereinkommen. Es ist Februar. Und der Wind macht die Wohnung kalt.“

Das haben sie eingesehen und sie kamen in den engen Vorraum und ich konnte zwei Schritte rückwärts gehen aus dem kleinen Vorraum, in dem die fremden Männer standen in Uniformen mit der Aufschrift POLIZEI,

aber ohne Namen.

Ich ging rückwärts durch die zweite Tür in den wesentlich größeren Mittelraum, von wo aus Wohnzimmer, Wintergarten, Küche, Arbeits-Dienstzimmer und das Zimmer mit der Um – die – Ecke – Schlafmöglichkeit abzweigen.

Alle Türen waren verschlossen und die beiden Polizisten waren nicht neugierig, so wenig, daß sie nicht einmal um eine Ecke geschaut hätten.

Gute Preußen am Süd-Ost-Rand Berlins.

Nach einer langen schweigenden Minute sagten sie dann aber doch:

„Ach wissen sie, wir nehmen Ihr Angebot an!“

„Welches?“

„Von vorhin!“

„Platz nehmen?“

Sie nicken im Chor.

Ich öffne die Wohnzimmertür und führe sie in den Wintergarten, der daneben liegt.

Die Tür ausgehängt, weil es meine Frau so wollte.

Ich zünde die Kerze an auf dem Tisch und bitte,

Platz zu nehmen.

Die Herren haben jetzt die Möglichkeit nach draußen zu blicken, dahin, von wo sie gekommen sind.

Wenn sie nicht zu abgelenkt sind von den Unmassen

an Bildern, die alle Wände schmücken.

Ah, ja, da kommen die Heimkehrer von der Arbeit auf dem Laufsteg und die hübsche Verkäuferin aus der Boutique von einem Großmarkt am See.

„Sie wissen inzwischen, warum wir geklingelt haben?“, der eine.

„Noch nicht ganz!“

„Weil wir Ihnen etwas zurückbringen möchten!“

Pause.

„Was Ihnen zu Unrecht abgenommen wurde.“

Damals mitten in der Nacht, vor Weihnachten?“

„Richtig!“

„Sie sehen ähnlich aus – wie… die… damals!“

Pause.

Weiter: „Ich weiß nicht mehr genau, ob der Schriftzug POLIZEI auch auf ihrem Rücken zu lesen war.“

„Das können sie ja auch nicht, weil im Mondlicht und in dem fahlen Licht der Parkbeleuchtung das nicht so einfach war“, sagt der andere.„Ach so, ja. Sie standen uns ja auch nur gegenüber. Und dann der Überfall, Haussuchung. Wir waren froh, Sie in den Keller zu den Kerzen führen zu können.“ Dabei haben sie nicht an Lesen gedacht?“, der Linke vor der Wand mit Blick auf die Verglasung. „Kapo, Kapo,“ und weiter: „So geisterte es durch das fahle Licht in unseren Köpfen.“

„Na ja, Sie gingen ja auch vorneweg und haben ihnen nie auf den Rücken geschaut. Ein richtiger Polizist wird immer auf so etwas achten.“

Um zu zeigen, wie vertrauensvoll anders die Situation diesmal war, standen sie auf und drehten sich um.

„Lesen Sie!“

„Ihr Kollege hat sich vor der Tür bewußt so gedreht, daß ich den Schriftzug gut erkennen konnte. Auch in der Dämmerung eines späten Nachmittags im Februar: Polizei!“

„Sehen Sie“, der eine.

Wir alle drei: „POLIZEI!“

Berliner Polizei.

Die Sanftmütige.

Überhaupt keine Bullen.

„Und neulich?“

„Lassen wir das jetzt. –

Wir sind hier, um Ihnen zu sagen, daß alles seine Richtigkeit hatte. – Sehen Sie, hier sind Ihre ROTEN KERZEN aus Wachs.“

Der Linke öffnete den schwarzen Beutel, der mir so bekannt vorkam und zeigte sie mir.

Lange Pause im Wintergarten. Jeder sah den anderen an in der Dämmerung. Dann machte einer der Besucher das elektrische Licht an und telefonierte.

Der andere blies das Teelicht aus.

Im Chor der Linke und der Rechte: „Wir möchten aus Sicherheitsgründen noch die andere Packung haben.“ Keine Antwort von meiner Seite.

„Wir wissen, wo sie ist.“

„Deswegen hätten Sie uns auch nicht herein bitten müssen.“

„Viel zu viel Umstände.“

Der etwas Rundlichere – bei genauerem Hinsehen: „Die schwarze Tasche gehört uns“.

„Bitte gehen Sie vor die Tür und hebeln sie den Rost aus!“

„Warum?“

„Weil Sie dort die restlichen ROTEN KERZEN versteckt haben.“

„Unsere Recherchen haben ergeben, daß Sie doppelt so viel rote altdeutsche Wachskerzen bei dem Händler, der inzwischen in den Ruhestand gegangen ist, gekauft haben. Unsere Kollegen sind noch in der Ausbildung und haben sich mit der Hälfte zufrieden gegeben.

Sie haben natürlich auch Fehler gemacht: Grob, verwüstend u.s.w.“

Schweigen.

„Aber jetzt sind wir gekommen und erschrecken Sie nicht in der Nacht. Das machen nur Anfänger.“

Der Hagere: „Bitte gehen Sie jetzt!“

Er zog eine Pistole.

Ich stürzte durch alle Türen unter das Glasdach des Einganges, riß den Rost hoch und war froh, daß meine Frau noch nicht bis dahin gekommen war, wirklich alle Dekorationen in den Keller zu bringen.

„Hier, die Kerzen!“

„Danke!“

„Darf ich noch eine Frage loswerden?“

„Woher?“

„Ja, woher.“

„Der Nachbar hat es uns gesagt. – Geben Sie es doch zu, wie gefährlich es ist, einen Baum anzuzünden!“

Sie erhoben sich aus unseren Korbstühlen. Der eine steckte seinen Revolver wieder ein und der andere schmiss die doppelt gefüllte Tasche über die Schulter. Dann gingen sie zurück in den immer dunkler werdenden Tag. Sie warfen das Auto an.

Scheinwerfer – und surften davon.

Ich weiß bis heute nicht, ob es Polizisten waren oder andere vergleichbare Menschen, die sich umgezogen hatten, um ordentlich zu sorgen – für ihren Kiez.

Das Buch ist im Eigenverlag erschienen und in allen Portalen und Buchhandlungen erhältlich.

Aktuelle Hinweise

Der 2. Russische Tag am Sonntag dem 19. 1. 25 im Haus BETHLEHEM/Seitenroda bei Kahla in Thüringen.

Überschrift „Christen für Frieden mit Russland“.

Ich durfte dort den hier in Berlin mehrfach gehaltenen Gemeinde-Vortrag wiederholen: „Was ist Orthodoxie?- Kirche im Osten.“ Mit einem schönen ECHO.

Bei Bedarf wiederhole ich diesen Vortrag, falls ein besonderes Interesse an diesem Thema besteht. Bitte anschreiben Fam.Wohlfarth@t-online.de

Wiederholung des Vortrages SIMONE WEIL am Mittwoch d. 19. 2. 25 in Berlin -Müggelheim um 19.00 in der KITA der Evangelischen Kirchengemeinde Müggelheim, Ecke Müggelheimer Straße/Ludwigshöhe-Weg.

Nächster GD/A, Leitung Pfarrer Michael Wohlfarth, Sonntag 30.03.2025 in der Dorfkirche zu Müggelheim. Die Kirche ist geheizt. Mit freundlichen Grüßen M.W.

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Müggelheim

1.

Gestern war Musik auf der Kirchenwiese bis weit nach Mitternacht,

weil die Christbäume verbrannt wurden

unter großem HALLOO und mit einer liebenswürdigen Fress-Bude

daneben:“PETERSON“.

Auf Rädern wie ein Hirtenwagen, in der Heide.

Altmodisch grün und angestrichen wie bei POLE POPPENSPÄLER.

Da möchte ich zeichnen können.

Ich bin nicht hingegangen,

weil ich das Bäumchen

mit den den echten roten Kerzen

darauf

noch nicht

in den Ofen schmeißen wollte,

sondern

anschauen.

Aber die Nacht habe ich doch den Baum geschnappt und auf die Terasse gestellt. Er hat nicht genadelt. Ich habe ihn gegossen regelmäßig, der Ständer hat das hergegeben- der kleine Baum. Spielraum für Wasser.

Nordmann – Tanne.

Tännchen, gekauft im Flug, nicht geholzt mit Axt im eigenen Wald oder im dem der Berliner Forsten, der Brandenburger, der Sachsen-Hautevolee.

Um die Ecke der Umzäunung, wo sie alle standen, die Großenund die Kleinen und warteten auf den Kauf, den Käufer,

beziehungsweise der bärtige junge Mann, der den Laden schmiss und aus der Hütte trat, nachdem er uns bemerkte.

„Zwanzig

rund mit Netzverhüllung“.

Durch geschoben.

Ab in s Auto und aufgestellt auf der Terasse

bis zu dem Abend,

der heilig ist in der Nacht.

Die Nächte sind noch nicht vorbei.

Nur die 12 heiligen Nächte, wie sie mir Anna erzählte, als ich Kind war und jugendlich.

Sie sind wohl nie vorbei.

Auch im Sommer nicht und warten auf den Tag Christi.

2.

Das ist das Eine.

Das Andere der Stern aus Herrnhut in der Lausitz, gleich nebenan und weltweit inzwischen mit dem Geschick, welches du haben musst, wenn du die Zacken wählst und zusammensetzt mit Haken und Ösen. Wie ein Christliche Dogmatik, einsehbar und im Kleinen.

Er hängt tief über der Tür, wenn Du zu uns kommst. Er leuchtet Dir heim. Und das ist gut so. Denn Weihnachte ist heim gehen und himmlische Heimat und irdische zugleich. Deswegen feiern wir. Aus keinem anderen Grund und hoffen es wirklich, dass Frieden kommt im Kleinen und im Großen.

Im Herzen und in der Welt.

Oh GOTT, wir bitten Dich darum.

In diesem Augenblick.

Redaktionelle Anmerkung: Das Titelbild zeigt einen Findling aus der rauhen nord-und ostdeutschen Landschaft, aufgestellt auf Initiative des Umweltkreises Berlin Müggelheim.

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Ein Erlebnis

SILVESTER

Endlich frei, keine Kirchenglocken zu Silvester. Nur Knaller und Raketen. Der gestirnte Himmel über mir wird verbrannt.

Gott sei Dank gibt es keinen Krieg und die Angsthasen im Tiergarten werden ihre Höhle gefunden haben, wenn sie meinen, die Welt geht unter. Sie geht ja nun schon einige Jahre unter am Brandenburger Tor.

Nur, – die Hasen haben nicht solch eine Nachhaltigkeit aufzuweisen, was ihre Lebensuhr angeht.

Und wer weiß, ob sie es weitersagen, sukzessive von Wurf zu Wurf, wo sich die Unterkünfte befinden, wenn es wieder losgeht am letzten Abend des Jahres.

Wir lieben doch die Tiere sonst so, aber darüber hat sich anscheinend noch keiner Gedanken gemacht. Keine. Oder sollten wir unseren Spaß über alles stellen?

Jedenfalls haben wir uns aufgemacht. Gefahren durch den Harry-Potter-Wald. Nicht, wie aufgestellt. – Nein. – Als Kulisse. Sie wissen schon. Oder doch? – Aber gut verschleiert, als ob die Wildnis echt sei. Herumliegende Bäume. So ein richtiges Schaulaufen der Förster und ihrer guten Zusammenarbeit mit den modernen Wissenschaften des Waldes und der Heide. Schlecht gestapeltes Holz. Referenzgebiete noch und noch. Biotope.

„Nur das Einhorn, wo ist das.“

Der große Eber ist schon da.

Und da flieht auch schon einer in dem Gespensterwald.

Vor sich selber? Wo er doch dachte, er findet sich dort.

Neulich sahen wir ihn noch wie er unter einer Eiche im Herbst ständig Kontakte suchte – per Handy – mit dem Kybernetos, dem Steuermann. Danach betrieb er seine Gymnastik weiter in dem verwahrlosten Kiefernwald, wo die Stämme so rot schimmern, wenn die Sonne untergeht wie bei Emil Nolde im Bild.

„Kennen Sie Nolde?“

„Hallo- o- o“, schallt es zurück.

„Kennen Sie Nolde?!“, fragte ich noch einmal.

„Halli – Halloh!“

„Sie kennen ihn nicht?“

Und nach einer sehr langen Pause:

„Eigentlich sch – a – a – a – de“, im Chor der Waldfreunde.

Vorausgesetzt natürlich, es ist gerade keine totale Sonnenfinsternis, weil der Mond des Tages sich vor die Sonne des Abends schiebt und dunkle Gewitterwolken den ganzen Tag über uns einen sonnenfreien Tag bescherten. Nur dann sieht der Kiefernwald manchmal aus wie bei Emil Nolde.

„Wer war es?“

„Wer?“

„Na, der, der Kontakt suchte unter der deutschen Eiche mitten in der Schweinemast mit Eicheln im Herbst.“

„Ich weiß es nicht. Vielleicht ein Therapeut. Vielleicht ein Patient.“ „Vielleicht wird einfach etwas dokumentiert. Jemand hat sich zur Verfügung gestellt.“

Meine kleine Enkeltochter und ich nickten ihm zu, weil unser Einkaufsweg an seinem Standort entlang ging. Und mir lag daran, daß wir schnell in unser Ghetto zurückkamen. In unseren Wohnpark für Besserverdienende, die sich pro Quadratmeter siebeneurofünfzig leisten können.

Ins Reservat Zehlendorf des Ostens. Müggelheim.

Ich schaute aber doch zurück und sah, wie er seine Übungen fortsetzte im Takt der Matrix und dann entsprang. Wohin? Kam er wirklich nicht aus der Predigerschule von nebenan, die ihre Kandidaten in den Berliner Müggelwald schickt zur Meditation?

Eber waren schon immer gewaltige Tiere, die Angst und Schrecken eingeflößt haben. Vielleicht nur den Schneidern, leicht wie Schmetterlinge, die auf Kirchturmspitzen den nächsten Etat beraten.

Also, einen haben wir gesehen, wenn er durch den Wald trabt und mit großen bösen Augen an den Zäunen verharrt.

„Weil die Menschen ihnen ihren Lebensraum genommen haben“, so der Naturschützer Ohm.

Heute ist Winter. Der letzte Tag im Jahr.

„Das Einhorn?“- dafür war es noch nicht spät genug. Dunkel schon.

„Ja, ja, der Harry-Potter-Wald“, sagt meine Frau.

„Allet Harry, sagt der Berliner“, sage ich .

„Gib Gas, Gustav!“- Wir müssen da durch!

Wir müssen unbeschadet durch diesen Wald, wenn wir

pünktlich zum Sammelpunkt kommen wollen bei dem

S-Bahn-Chaos in Berlin.

Der Westen ist nicht einmal in der Lage, die S-Bahn in Berlin zu übernehmen. Was können die eigentlich. So ein Pfusch. Die Straßenbahnen haben sie auch abgeschafft.

Nur die U-Bahn. Die ist Klasse. U-1 und so. Na Sie wissen schon, was ich meine.

„Wir kommen!“

Keine Sau kreuzt die Piste, kein Igel die Loipe, kein grauer Wüstenfuchs der Stadt Berlin sieht uns mit seinem Elendsgesicht und der Elendsfarbe seines Fells an. Das hätten wir uns auch verbeten. Weißt Du wie laut wir da gehupt hätten.

Und die Wölfe sind noch nicht in Aussicht.

Sie sollen Schafe gerissen haben in der Lausitz. Keine Kinder überfallen. Wir müssen keine Republikaner werden und darauf bestehen: „Das Recht des Freien Mannes heißt WAFFEN TRAGEN.“ Weil der Staat uns nicht schützt. Oder gegen Abtreibung sein. So sind sie eben – diese rechten Amerikaner.

„Und bitte etwas mehr Nachhaltigkeit im Programm.“

Aber nun kommt die MÜGGELSEEPERLE. Du siehst die Ufer des Müggelsees. Schneise. Riesiger Parkplatz. Kaum ein Auto. Erlesene Gäste aus Nah und Fern? Dann – RÜBEZAHL aus dem Riesengebirge ruft zu uns herüber:„Ein gutes neues Jahr!“ Wir rufen zurück und fahren weiter die Gerade vorbei am CHAUSSEEHAUS auf dem Damm, links die Trift. Kiezer Feld. Dahme. Schlösschenweg.

„Was wohnen da für Leute?“

„Jetzt nicht. Weil wir zum Sammelpunkt müssen.“

Und nicht zu den Riesenaquarien.

Salvador Allende. Laßt uns diesen Vers woanders singen. Zu den Chaostagen. – Heute ist Silvester.

Wo waren wir eigentlich stehengeblieben. Wir gingen nicht durch einen grasgrünen Wald, aber wir haben NACHTHEIDE vergessen. Die Station. Steig du mal aus dort. Der Bus neigt sich zum Asphalt, damit die Stufe nicht zu hoch ist. Wir leben in einer freundlichen Welt, nur die Herzen erstarren vor Kälte, weil die Freundlichkeit eine Erinnerung nach vorne geworden ist, eine ewige Wiederholung – ohne den Frühling, den wir alle so bitter nötig haben, den warmen Regen, der die Erneuerung bewerkstelligt und den Segen bringt. Die Erneuerung der freundlichen Menschheit. Ja, aber nun? Geh in den kalten grasgrünen Wald, auf dem der Schnee lastet von den Wochen der Weihnacht. Nein, ich greife vor, beziehungsweise – ich renne der Zeit hinterher mit meinem Schreiben. Wir wollten doch gar nicht auf die Heide in dieser Nacht, sondern die Raketen uns um die Ohren fliegen lassen aus Bosnien, aus dem Irak, aus Afghanistan und sonst woher, Südkorea nicht, nein das wäre vermessen zu sagen, auch im Scherz. Iran? Ja, ebenso, sicherlich.

Ja, fallen Sie doch nicht gleich in Ohnmacht gnä-diges Fräulein. Meine Gnädigste, wie Frau Müller aus Rumänien zu sagen pflegt, wenn sie nach Deutschland kommt, in das Land des Ersten und Zweiten Deutschen Fernsehens. Von den anderen Kanälen haben wir ja sowie so den Rand voll. Bis zum Umfallen voll. Daß nichts mehr hineingeht.

Es ist so. Ja, wirklich, die Langeweile, die Armut und sexy. Was sollen wir da machen. Ich stelle mich doch nicht auf das Bett, wenn es um zwölf ist am einunddreißigsten im Dezember – und mache dann was? Na nichts. Ich schalte das Fernsehen ein, wo sie in altdeutschen Filmen zu jenen Zeiten den Volksempfänger auf volle Pulle gedreht haben, allerdings gab es da „Freude schöner Götterfunken“, die Gloriosa oder so was ? – Alles schaut gespannt auf die eingespielte Uhr, das Brandenburger Tor und dann – na ja eben das Feuerwerk. Det kannste oorijenal ham. Dacht ick. Und bin los. Zwölf Uhr Mittags. Det wird een echter Western.

Det mit dem Reichsrundfunkgebäude war schon janz schön nahe an die Stalinorgeln in der Wirklichkeit des Deutschen Reiches, was zugrunde gegangen ist aus Hochmut und Grausamkeit gegenüber allem, was Odem hat. Jetzt haben wir nur den Spaß. Wer denkt schon an so wat. Steigen Se ein in den Zug der großen Vergnügung und Verjüngung abends halb acht, damit wir och ja nischt versäumen, sagt der Lautsprecher Bahnhof Köpenick, nachdem der Bus nun endlich angekommen war und nicht aufzuhalten ist durch Gespenster der Vergangenheit und des deutschen lichten Kiefernwaldes im Winter nach Weihnachten am letzten Tage im alten Jahr. Durch Enthusiasten nicht, die einen Jagdschein gemacht haben und wild drauflos schießen im spitzen Winkel, damit niemand zu schaden käme. Durch die wilden Schweine nicht, die sich köstlich amüsieren von wegen der Jäger, die auf sie anlegen. Und dann geht nischt los. Auspuff verstopft. Durch niemanden und nischt. Der wilde Eber hat gutmütig aus dem Gebüsch gezielt und der Reifen ist heil geblieben und die Frontscheibe nicht gesplittert. Wär ja auch schlimm gewesen im Bus mit vielen Leuten, aber auch im Auto mit Vieren.

Das S-Bahn-Chaos fährt schon seine Trichter, habe ich bei einer rumänischen Schriftstellerin gelesen. Strudel.

Jawohl, es entstehen laufend Strudel und die Menschen stellen sich auf zu Fenstern und bilden ein Menschenhaus im zweiten oder ersten Programm. Kußfreiheit stand neulich in der Zeitung. Wenn du mitmachst und einen Partner oder eine Partnerin mitbringst auf den Platz vor der Oper, wirst du fotografiert und kommst in die Zeitung. Aber das war in Wirklichkeit für eine Inszenierung eines Opernregisseurs. Ja, ja, diese Mechaniker. Kußfreiheit. Viele Küsse. Viel Liebe. Sollte die Botschaft sein. Es sollte ausgiebig geküsst werden. Innig. Kein Schmatzerl. Ick weiß im Moment nich, ob es een Weinchen dafür gab am Ende im Foyer der Staatsoper. Iss ja ooch ejal. Zu Hause oder dort. Oder wo du grad bist.

Wo sind wir denn? – Auf alle Fälle in der Bahn nach Berlin von Köpenick aus, was ja ein extra Teil ist. Ganz früher sächsisch, sagen die Katholiken, also in sächsisch katholischen Zeiten. Kannst du vernachlässigen, sagt der Berliner. Unsere Stadt ist jung. Erst mit Schinkel und so, aber das Schönheitsideal an Hand der Prinzessinnen ist gut. Und Luise auch. Und die Kirchenjuste hat viel für die Arbeiter getan, daß sie nicht in die Kneipe gehen, weil zu wenig Kirchen da sind in dem riesigen Gebiet.

Aber Geschichte? In den Wäldern, auf den Seen, wenn sie zugefroren sind, kannst du über Wasser gehen. Mußt nur auf die Eislöcher zum Fische rausholen aufpassen, dass du nicht stolperst. Wenn der Nebel kommt und die Schneeflocken die Sicht versperren. Gut, wenn da einer eine grüne Lampe an das wilde Südufer stellt.

Geschichte? Ja, eben. Wie können sie Raketen losschießen in den Himmel, die mich immer erinnern an das Fernsehen von den Kriegen und an die Reichsrundfunkreden und die jüdischen Witze vor dem Reichstagsgebäude Nalepastraße 20 bis 50. Sie können, weil der Berliner nich vergnügungssüchtig ist, aber seine Repräsentation und das Amusement so nötig hat nach den Nächten vor über sechzig Jahren, als sie hell waren wie die Sonnenschmelze und das Feuer ein Sturm war wegen der Flugzeuge mit Bomben an Bord.

Außerdem, es sind ja gar nicht nur Berliner. Die meisten kommen mit Sonderzügen wie zu einem Fußballspiel, wie ich, der es satt hat, um Mitternacht auf den Knopf zu drücken und dann geht es los. Im ausgebrannten Himmel die Silhouette des Wahrzeichens mit der Bahnhofsuhr. Feuerwerk. Sträuße am Himmel über dem Tiergarten. Ganz Deutschland sieht es. Jetzt hat das Neue Jahr begonnen. Nur für die Schlafmützen nicht. Die vergessen haben, den Fernseher anzuschalten. Erstes Programm. Breitwand. Heimkino. Na ja, oder so ähnlich.

„Wir wollen das Original!“ rufen die Sprechchöre zu Hunderten, wenn sie sich formieren und hoffen, dass der KGB die Schilder richtig herum gehängt hat und nicht etwa die fröhlichen Menschen zu Tausenden und Abertausenden desorientiert. Es sind ja durchaus dienstbare Geister, umzufunktionieren für eine gute Sache – wie den GROSSEN ZUG. Wir laufen also im Karree um das Eigentliche herum im grasgrünen Wald, in der Nähe scheppert ein See, die Eisschollen plätschern im Teich, die Wasservögel fliegen erschreckt auf, weil es zu viele sind, die da kommen. Ich bin mitten unter ihnen. Morgen wird es in der Berliner zu lesen sein. Eine Million. Die größte Party der Welt. Der Regierende ist stolz über alle Maßen. Berlin wächst. Das Schwein grunzt und ist überhaupt nicht bissig in seinem Versteck.

Noch keine Rakete. Kein Himmelsstrauß aus Feuer, ganz ungefährlich. Nichts Chinesisches. Kein Böller. Aber ein bisschen Mitgebrachtes. Die Flasche am Mund in der Hand im Gehen.

Die Jugend tut sich keinerlei Zwang an. Aber an der Pforte zum Entscheidenden wird ihr der Spaß vergehen. Jugendliche Wächter, ehrenamtliche Jäger zielen auf die Flaschen am Mund in der Hand.

„Nichts da!“ brüllen auch sie im Chor.

„Keine Flaschen am Mund in der Hand!“

„Hier wird nicht öffentlich gepinkelt und es kommen keine Scherben vor, verstanden ihr Penner?“

„Wir haben verstanden!“ rufen die Penner im Chor und schmeißen im Takt ihre Grün- und Braunflaschen in den Container.

„Recycling! Recycling!“

Nun gehen sie befreit von der Last ihrer Flasche am Mund und in der Hand durch die Menschenschleuse in den großen Gang.

Es gibt viele Aufmärsche in Berlin. In Ostberlin, Friedrichsfelde noch ganz andere auf dem Zentralfriedhof.

Wir gehen etwa zwei Stunden ums Eck. Immer im Grünen und dürfen nicht herüber springen in den grasgrünen Wald, meine Frau und ich, die wir uns an den Händen fassen wie damals als die Mauer überwunden war und wir Geld abholen sollten. Hänsel und Gretel, ein deutsches Märchen in der Dunkelheit des Waldes. Hexe. Ofen. Gerettetes Hänsel. Gerettetes Gretel. Alles. Nach Hause auf dem Weg, den die schwarzen Hitchcockvögel leer gefressen hatten. Die Spur war weg. Endlich der Schwan, der uns hinüber gleiten lässt in den Westteil der Stadt.

Wir hatten etwas gegessen auf der einen Seite des Quadrates, das zu umgehen war.

Eigentlich wollten wir etwas Deftigeres. Vielleicht Bayrisch. Net? NJET. – Da, der Koreaner. Jeder bekommt dort etwas. Gut organisiert.

Was fiel uns ein, als wir hunderttausendfach um den Berliner Tiergarten zogen. Die Lichter des Karussells blinken durch das Laubwerk.

Abgesperrt. Du musst schon in den Gängen bleiben. In Viererreihen. – „Reih dich ein?“

Was hat der Grass da neulich geschrieben? GUSTLOFF. Übers Eis. Was ist das für ein Zug. Durch die Jahrtausende. Wüsten. Das Eismeer. Die Erde ist rund. Wir merken es nur nicht auf unserer Scheibe.

Joseph Haydn. Die Jahreszeiten. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Musik im Ohr. Die Landschaft voller Fenster durch die du den Himmel schaust. Er ist nicht ausgebrannt des Tages und des Nachts, wenn der Mond seinen vorausberechneten Bahnen folgt und die Sterne nach den gestellten Horoskopen der Astrologen glühen.

„Kein Burnout?“ – „Keine Behandlung nötig!“ –

„Aber was willst du mit den vielen Glühlampen anstellen?“ – Lange Pause! -„Du willst sie verbessern. Ich weiß.“

„Allet Neon?“ ruft der Chor, der sich im Hintergrund hält der Szene. „Berliner Schnauze!“ „Und Mutterwitz“, ruft ein anderer. Die Werbung verneint ihre Produkte, weil sie die himmlische Nacht verblödet und die Dunkelheit singt mit: „Geiz ist geil!“

„Hörst du den Chor der Vampire…“

Chor: „Und die stummen Katharinen müssen auf die Dächer steigen und brüllen, bis die Stadt aufwacht, die den Schlaf sucht. Sich unruhig hin und her wälzt oder eben in dem Großen Zug ist, der im Eck um das Grün sich bewegt in der Mitte.“

Gegenchor: „Die Gebete müssen aufsteigen, weil der Weltuntergang droht.“

Ich ziehe zu Hause die Rollläden bis auf den letzten technischen Punkt, um nur das nicht zu hören, wie das Brüderlein draußen in den hellen Morgen ruft: „Es brennt es brennt, das Städele brennt! Soll es so weitergehen?“

„Dann demonstriert doch endlich gegen alles. Gegen das schlechte Wetter, damit ihr in den Urlaub fahren könnt. Daß die Flugmaschinen nicht rutschen dürfen auf den Pisten, wenn sie landen oder aufsteigen sollen in ihrer Pracht, um die Sonne zu verletzen, den Mond und die Sterne. Daß die Flüge nicht abgesagt werden dürfen weil auch ich endlich in den Urlaub fahren möchte!“

Einer aus der Masse: „Tut euch zusammen. Entwerft Plakate und klebt sie an die Litfasssäulen, wenn ihr es bezahlen könnt, oder macht es bei Nacht und Nebel. Die Polizei ist liberal und der Staat hat kein Geld!“

Eine andere: „Es hat genug geregnet. Es hat genug geschneit. Wir sind dagegen!“

Und tatsächlich, überall hängt an den Bäumen: „Wer kommt mit zur Großdemonstration, zum großen Umzug am Silvesterabend?“ Fibriert es in allen Drähten, die zur Verfügung stehen. Ist heiß umstritten in allen Kolumnen. Erklingt es in allen Tonlagen in den siebenhörnigen Orchestern. Und alle sind gekommen zum großen Umzug, die Gelegenheit nutzend.

Es wird gegensätzlich gemurmelt: „Von Natur haben sie noch nie etwas gehört.“„Von Naturgeschichte auch nicht.“„Aber von Evolution.“„Irgendjemand muß doch schuld sein da oben“, entgegnen wir. „Wenn es nicht die Regierung ist, dann eben die Splittergruppe der Opposition“, pflichtet uns jemand bei. In der Dunkelheit erkennen wir niemanden im Tiergarten zu Berlin.

Neurose. Keine Nacht, in der die Schafsaugen glühen.

Wir teilen die Stadt mit Füchsen, Steinmardern, Oberförstern und anderen Tieren. Sie alle wollen den Ausgleich. Bis das Land in einer Ebene mit dem Wasser spielt. Der Sand sich verläuft und kaum merklich deine Sandale umspült wird. Alles gut, wenn es nicht weiter steigt das Wasser, wenn es nicht wieder zurückgeht und wir wieder im Trockenen latschen bei d e n Temperaturen, wenn wir im Sommer an die Nehrung fahren werden, zu den Landzungen, zu dem zerklüfteten Küsten, zu den Bodden und Meeren. Zu den Segeljachten. Ich stelle mir jetzt den Sommer vor. Obwohl die Kälte nicht eisig ist und es beim Koreaner gut geschmeckt hat. Der Genuß wird uns schon noch vergehen. Die Waage wird so nicht gehalten werden können und es gibt eine neue.

Wo ist eigentlich die Mitte. Wer bestimmt sie? Wer ist die Mitte. Eine Gruppe, eine Partei. Eine Institution. Eine wissenschaftliche Richtung?

Jetzt ist Winterreise.

Wir sind dem Aufruf gefolgt und wollen das ORIGINAL zur Jahreswende: jetzt haben wir es und sitzen gemütlich zu Hause. Verachten die Fernsehnation.

Jetzt ist Wintermärchen.

Jetzt ist Franz Schubert.

Jetzt ist Genricha Geine auf russisch.

Heinrich Heine in deutsch und französisch.

Jetzt ist Silvester. Be Berlin! Sei Berlin! Auf allen Kanten der Bahnsteige ist es zu lesen gewesen. Der Winter hat es eliminiert. Jeden Motor schmückt es trotzdem noch.

Jetzt ist die Zeit der Gnade! Nicht morgen. Nicht übermorgen. Nicht gestern. Nicht vorgestern. Kauft die Zeit aus, solange es Tag ist und die Krämer ihren Laden nicht verschließen. Tanze! Solange gespielt wird. Oder höre ich die Stadtpfeifer nur durch das Grün der Wälder, den Weg entlang und sehe die Lichter der Riesenräder, die sich drehen. Und sie dreht sich doch? Die Bettler als Einzige suchen den Takt. Wir werden sehen, wenn nur endlich der Marsch sein Ende hat in dem Schlamm.

Weißt du die Hoffnung, die so viele haben in langen Märschen in Tälern und auf den Bergen der Begeisterung. Um dem Elend zu entgehen.

Erinnere dich an die schwarzen Blöcke, an die roten Blöcke. Wie gut hast du es jetzt. Im Viereck zu laufen vorbei an den Absperrungen: Erinnere dich an die wilde Flucht. An die wilde Jagd.

Weißt du, du läufst um Leipzig und nach dem siebenten Mal ist die feierliche Übergabe, der Sieg. Die Mauer in Berlin wird freigegeben für jeden und jede, die ein Stück davon aufheben möchten. Die Scheibe ist zu Ende. Die STASI ist zur Rentnervereinigung mutiert. Der Gehorsam bleibt. Für die Nächsten.

Also lauf bis zum Eingang in die Vergnügungsmeile. In die Schleuse, wo die Container stehen und die ehrenamtlichen Jäger, die nach den Flaschen zielen und schießen, wenn du sie nicht in hohem Bogen im Müllkasten platzierst. Wenn sie voll sind, werden sie sofort abgeholt und mit Kränen auf die Plattform des Müllwagens verladen. Dafür wird ein neuer herabgelassen. Gut, bestens, ausgezeichnet organisiert. Man hat ein sicheres Gefühl, wenn man die Schneematschstraße von der Siegessäule bis zum Brandenburger Tor betritt.

Aber halt, wie sind wir eigentlich hierher gekommen. War da nicht ein Stacheldraht, eine leere Wiese mit dem ehemaligen Führerhauptquartier der letzten Tage darunter. Niemandsland. Preußischer Landtag. Wo stoßen denn die zwei Welten aufeinander. Die erste Welt und die zweite Welt. Die dritte lassen wir einmal draußen vor. Da rechnet es sich besser.

Stacheldraht? Das verwechselst du. Hier waren Mauersteine und Absperrungen. Doch vielleicht auch Stacheldraht. So weit sind wir nicht gekommen. Schon das Brandenburger Tor war nur aus einhundert Meter Entfernung zu besichtigen, wie unsere Soldaten es bewacht haben.

Weißt du, wir schreiben das Jahr zweitausend und neun und wenn wir am Tor sind zweitausend und zehn. Der Platz ist voll bebaut mit den Gebäuden der neuen Mitte, der Schrödermitte. Wenn du auch noch immer merkst, wenn du die Zone verlässt und umgekehrt.

Na und dann der Reichstag auf der anderen Seite. Ja, ja, deshalb die Umbögen und die Ecken und die Quadrate und Dreiecke, bis du dort bist, wo du hin sollst. Wenn du hin willst. Die Göre leuchtet wie ein Engel in klassischer Eleganz. Engel uff Berlin. Keen bisschen Barock. Nee gar nich. Da falln dir alle deine Sünden ein und die Herfahrt.

Auto.

Schneetreiben und Gespensterwald beim CHAUSSEE- HAUS und in der NACHTHEIDE, beim MÜGGEL-SEEPERLE-Hotel und bei olle RÜBEZAHL aus Schlesien. Allet Mügge. Keene Sau. Endlich Köpenick und Stadtbahn, die fährt in die WUHLHEIDE, wo du – na jut ick gebe es zu – am liebsten aussteigen würdest wegen die Mädchen bei Zillebildern, frech und entblößt vor hundert Jahren.

Na, aber nee, wir fahren durch. Wir wolln ja zu

Silvester nach Westen und von da aus bis an die Grenze

zurück um det Jefühl zu haben: Wir waren ooch da!

Wo allet passiert.

Also nix Wulheide. Schon janich im schönsten Winter, der ja ooch reizend sein kann und erotisch, wenn du zu Hause bleibst. Na. Kiekebusch kennst de doch ooch. Oder? Was issn mit Karls Horst. Det heeßt KARLSHORST, hat ein Museum, den Krieg betreffend, den die Sowjets gewonnen haben. Du weißt schon, was ich meine. Die Kommandantur. Jetzt Museum. Da steigen wir ooch nich aus. Von wegen Rennbahn jetzt im Schneegestöber mit russische Vollbluthengste aus dem Ural. Nee, weiter geht’s. Die Bahn zischt. Alles fliegt vorbei. Auch die vielen Züge auf den hunderten von Gleisen und den Werkstätten, die dem Chaos zuliebe wiedereröffnet werden. Keiner steigt aus. Heute nicht. Weil Silvester ist.

Wir haben noch etwas vergessen. Nicht die Zeit, die unwiederholbare, nicht das Chagrinleder, in welches das Schicksal hinein gewoben wurde durch eine gütige Fee oder Honoré de Balzac, die den Lauf der Dinge bestimmen sollen nach ihren Vorgaben oder Handschriften, nach den Horoskopen der schönen Wahrsagerinnen an den mondbeschienenen Sumpfwiesen und Lichtungen am großen See.

Nicht den Text, den ich spielen werde auf der Bühne des Lebens.

Außerdem, wozu gibt es Souffleusen, Friseusen, Masseusen, Trainer und Trainerinnen, Wortverdreher, Redenschreiber. Sie werden für ein Trinkgeld dir beispringen, wenn du versagst.

Nein, aber wir haben vergessen, wie es gewesen ist in der Nacht und deshalb nicht wissen, was morgen sein wird am Tag, und welches von den vielen Zielen, die sich anbieten, wir wählen sollen.

Zum Beispiel am Glücksrad in der Meile zwischen Siegessäule und Wagen, da benötigst du kein Ziel, da kannst du alles vergessen haben, wer du bist, wo du herkommst, wohin du willst, was du sein wirst. Da bist du glücklich und bringst das Rad zum Drehen.

Oder am Schießstand mit den vielen Blumen. Da

brauchst du kein Ziel, weil dir jede Blume gleichermaßen mißfällt, aber du schießt trotzdem. Obwohl du gar keinen Grund hast.

Darum gehe dort hin, weil du deine Vergangenheit vergessen hast und du kein Ziel hast. Geh in die Meile. Laß dich quetschen und drängen. Nimm kein Kind mit.

Es ist zu gefährlich, wenn Tausende sich drängen zu einem Ziel, daß es nicht gibt, aber nachdem wir insgeheim verlangen. Daß uns treibt. Es soll offenbar werden. Deswegen sind wir ja schließlich hier. Wir wollen doch alle diesen großen Fischzug. Diesen EX.. Wir haben doch alles stehen und liegen lassen und folgen ihm nach, als ob der Feind vor der Tür steht und du mußt weg.

Weg. Weg!

Wir konnten gar nicht so schnell sehen, wie wir gelaufen sind. Wir haben uns den Mund zu gehalten, um nicht aufzufallen durch unseren heißen keuchenden

Atem. Wir haben die Liebe vergessen, um durch die Tore zu kommen.

Der Paß wird verriegelt. Nach diesem Anstieg.

Das Nadelöhr mit dem Kamel verstopft. Es kann nicht vorwärts und nicht zurück.

Laß alles hinter dir, was dich belastet. Schau nicht zurück, damit du nicht erstarrst wie Lots Weib und wirf dich in den Strom, der alles verheißt und dich trägt wie er das brennende Blatt der Buche im Herbst trägt, wenn er anschwillt und zum Meer sich ergießt.

„Also jetzt seid ihr da, Glücksräder, Schießbuden, Stoffpuppen in den schwarzen Löchern des Kosmos,“ seufzt einer neben mir.

Wir wälzen uns zuerst in die andere Richtung, wie glückliche Schweine im Schlamm des Tauwetters. Die Goldene Göre lockt. Dort ist Musike drin. Wir schwingen die Hüften und denken an RUMMELSBURG, Schönheide, Wuhlheide, KIEKEBUSCH, der schöne Name und die noch schönere Vorstellung, BETRIEBSBAHNHOF.

Auf einmal ist Berlin Berlin.

Ein Berlin. – „Eine Stadt, die sich gewaschen hat.“ „Sehn Se, das ist Berlin!“

Die sein soll und ihre Geschichte ist nicht zu lang, als dass man sie sich nicht merken könnte. Hoffentlich holen uns nicht die Gespenster ein, gerade jetzt nicht, wo wir alles vergessen und alles eins ist.

„Live.“

„Stop!“

Wir klatschen und wenden uns, auf die Sekunde, Tausende. Kein Nachklatscher. Das wirkt. Wie einstudiert. Ist es auch. Der Tanzmeister hat seine Arbeit gut gemacht.

Weil wir merken, der Fluß fließt nach oben. Wie in den russischen Wundern, den sieben. Alles zurück. Zum Tor. Je weiter wir nach oben kommen, um so mehr Buden und Sänger auf Band und die Leute sind so ausgelassen, daß sie sich drehen wie verrückt im Takt .

„Rummel- rummel- rummel – ja!“

„Wuhle- Wuhle- Gänschen. Was wackelst du mit dem Schwänzchen?“

„Macht doch hier endlich mal Betrieb auf dem Bahnhof!“, ruft mein Nachbar wieder dazwischen, obwohl ja nun weiß Gott genug Betrieb ist und Schweinereien mit dem Wettergott wegen dem Eis und dem Schnee und vor allen Dingen gerade heute mit der Nässe.. „Pfui Teufel!“

Immer muß er mich begleiten, der Nachbar Schmidt.

„Ich will jetzt auch mein Vergnügen. Ich will jetzt nicht

nachdenken, wo komme ich her, wo gehe ich hin. Sondern, ich will Spielzeug sein.“ Sagt der philosophisch Interessierte zu seiner Begleiterin, einer Dame von Westberliner Welt.

„Wer bedient die Kurbel?“, ruft dort einer von hinten. Er meint das Karussell. Es dreht sich ihm nicht schnell genug.

Mir ist es jetzt schon zum Kotzen. Und was fällt uns ein: Max Liebermann neben dem Brandenburger Tor.

„Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich …“

Gut, daß wir nichts weiter gegessen haben als ein wenig koreanisch. Ums große Eck. Beim Niemandsland. Wo der Metallzaun steht. Als Absperrung.

„Kennst du Kanada?“- singt der Chor, den die Hüpfburg angeheuert hat und das Riesenrad, daß die Leute auf den Kopf stellt. Und das Schußgerät, bei dem nichts passieren kann, weil jeder Mensch angeschnallt wird, auch wenn er Kopf steht, amüsiert er sich, weil er nicht herunterfallen kann, sondern nur den Atem anhält in dem Betrieb zwischen Himmel und Erde. Großer Bahnhof des Vergnügens. Wir machen gar nix. Wir vergniechen uns, sagen se in meiner Heimat.

„Kennen Sie Emil Nolde? Mit den roten Kiefern im Licht des Abends?“ , ruft mir plötzlich der Waldgeist aus dem Osten zu.

„Kennst du die Nixen, die aus dem See steigen im Paradies des Ostens und das Lied der Verführung singen vom Grund. Wenn sie heraufsteigen, umkränzt. Und die Tänzerinnen der Südsee, die – gerade angekommen mit der Bentley – den Käptn umgarnen, dem es gar nicht so wohl ist in seiner Haut. Das kann ja ein Abend werden im Sommer.“

„Laß doch diese Geister und genieße den Abend jetzt, so doch gleich der Goldregen beginnt.“ Sagt die Freundin meiner Frau, die wir getroffen haben und die jetzt das große Wort führen will.

Es vergeht eine Zeit, ein Stunde. Keiner sagt mehr etwas, weil es eng wird und enger. Und alle wollen es nicht zugeben, daß jetzt der Spaß bald aufhört, wenn das so weitergeht.

Da ruft jemand nach mir.

Wer ist es?

Da erst bemerke ich, daß wir getrennt wurden.

„Ich komme zu dir. Halte aus. Halte dich fest an einem Stein oder lege dich auf den Ast von dem Baum des Lebens, damit du nicht weggetragen wirst von dem Menschenstrom an das andere Ufer und dort hängen bleibst im Gebüsch der Stromschnelle.“

Ich mache die Bewegungen eines Schwimmmeisters, der nicht schwimmen kann, um zurück zu kommen und erreiche tatsächlich die Ertrinkende, reiche ihr die Hand und ziehe sie aus dem Wasser nach oben. Der Strom schwillt an. Da treibt ein Kind und ruft den Namen seines Vaters, wie er ihn von der Mutter kennt. Der rettet den Kleinen und verflucht den Tag, wo er sich eingelassen hat auf das Original der Party aller Partys.

Gut, das wir den Wald im Rücken haben und sein Sausen wohl hören als die Grundmelodie des Abends von Anfang an. Aber nicht nur den Wald der roten Stämme, sondern auch die Berge mit ihren Fichten.

Das gibt uns Kraft, wenn wir den Lindenbaum hören unserer Kindheit, wenn er anfängt zu erzählen. Wir stemmen uns gegen den Strom und kehren um und verlassen seitwärts das Brausen. Hinter den Absperrungen finden wir uns wieder.

Dort wo die Orangenen die Böller aufstellen für den

Himmelstanz um 12 Uhr abends. Unversehens und unversehrt.

Gott sei es gedankt.

Es ist uns zu Ohren gekommen, daß es überhaupt kein Ziel gibt in der Bewegung, sondern: daß nur alles Spaß sei, ohne Ernst.

Was gab es am Ende? – Das Tor mit der Troika.

Davor eine Bühne mit verkleideten Männern. Die tragen die Frauen zum Singen. Ich höre die Lautsprecher durch die Bäume des Tiergartens. Es ist eine riesengroße Bühne. Es wäre besser, wenn niemand da wäre, dann könnte man die Sinnlosigkeit des Unternehmens besser erkennen. Aber so lungern sie um sie Bühne herum, zerdrücken ihre besten Teile, wenn sie nicht acht geben auf den Ansturm zur Unzeit. Alles brandet auf an der Bühne und wendet sich.

Endlich der Gott, auf den wir warten? NEIN!

Eine riesige Flasche, auf der steht CO-CA-CO-LA.

Das ist der Kick.

Keiner wagt etwas zu sagen. Alle kreischen laut auf. Nicht einmal ein Kind ruft, daß er ja keine Kleider an hat. Ich habe doch Kinder gesehen. Eine Laola bewegt sich zur Siegessäule zurück, auch die, die die Flasche nicht sehen, kreischen. Sie fassen sich an den Händen und tanzen um die Flasche herum. Sie heben die Hände hoch wie zu einem Gottesdienst. Und rufen: „Silvester, komm.! Nimm uns mit. In Dein Reich. Wir sind happy,

weil wir alles vergessen können bei dir. Wir danken Dir dafür.“

Die Flasche ist so hoch, daß sie schwankt. Aber sie stürzt nicht. Alle berühren sie und werden diese Berührung weitergeben an die armen Zeitgenossinnen, die diesen Abend nicht miterleben können – aus welchen Gründen auch immer.

„Das Original der Jahreswende von 2009 zu 2010“, rufen im Chor eine Million. Und der Ruf setzt sich fort in allen Fernsehanstalten der Welt, in allen Rundfunkanstalten Europas, auf vielen Plätzen der Republik.

Oh, wie es dröhnt, oh wie es dröhnt, ohne PAX in den Ohren. Oh wie es stöhnt, oh wie es stöhnt auf der Bühne, wenn die schwitzenden Männer die Frauen tragen und die Frauen mit ihren Reizen nicht sparen dürfen, damit der Anziehungspunkt erhalten bleibt. Der Rhythmus des ohrenbetäubenden Lärms mit der Oberstimme aus Sopran treibt uns noch weiter in die Dunkelheiten des Tiergartens, die Kaninchen laufen um ihr Leben, die Kanzlerin winkt und wünscht die Energie, die wir brauchen, um aus dem Schlamassel wieder heraus zu kommen.

Plötzlich geht das Feuerwerk los und wir fassen uns an den Händen wie damals, als wir auf der Oberbaumbrücke – oder war es am Naturkundemuseum – an den Händen faßten, weil wir wußten, die Deutschen hatten etwas ausgehalten – den Kalten Krieg. Und vielleicht ein wenig durch ihre gemeinsame Sprache dem Weltfrieden einen Dienst erwiesen. Haben wir nicht damals so geweint, wie Hänsel und Gretel, die zurückfanden aus der Welt der Grausamkeiten.

Das Feuerwerk geht eine halbe Stunde und die Massen strömen zurück in die Züge und auch wir lassen uns tragen wie auf einer Woge auf den Bahnsteig und hoffen auf Züge in die richtige Richtung, und auf ein Auto, nicht angezündet inzwischen von feiernden Politikern und Politikerinnen, weil es nicht zu erkennen war, ob es zu DC gehört oder nicht. Weil es vielleicht auf dem Bürgersteig stand, der mit Sand und Schnee zugeschüttet war. Wir haben es gefunden.

Niemand hat es umgeworfen oder etwa eine Barrikade daraus gebaut gegen die Feinde.

Und wir sind ohne Zwischenfälle zu Hause angekommen, um auszuschlafen den ganzen Tag. Wie kann man so aus dem Rhythmus kommen.

Wie kann man sich so vergessen.

Wir haben keine Glocken gehört.

Die Welt war stumm.

Nur ab und an Schüsse, Raketen des kalten Friedens.

Sprachlos.

„Gnade.“

Schweigen.

Wer ist es, zu dem wir beten sollen.

JESUS CHRISTUS

Sonst kommen wir um.

In der Langen Weile des Friedens.

Den wir proklamieren.

Um nicht zu sterben.

In der Küche jenes Bürgerhauses in dem sich unter dem Sofa ein Mitglied der Bader-Meinhof-Gruppe versteckt hielt wärend einer Hausdurchsuchung. Es: Sie/Er ist nicht gefunden worden. – Die Lesung des Verlages AUF DER WARFT fand am Vorabend der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse statt (FBM). Im Erscheinungsjahr des Titels „Berliner Erzählungen-Heile Welt“ 2014. Die eigentliche Lesung der Autoren dieses Verlages fand dann in der lang gestreckten Diele statt.

Ich saß als Zuhörer auf jenem Sofa.

Eleganter COUCH.

Als Vorleser am Ende, am Fenster.

Die Ausgabe mit dem Ostberliner Fernsehturm war die erste, als CD heraus gekommen und als elektronisches Buch (Machtwort-Verlag Dessau).

Geselllschaft für Deutsche Sprache in Münster/Universität. Der Vorsitzende des Bezirkes Münster und Herausgeber Klaus Siewert lädt ein in die Uni (ehemals Westfälische Wilhelms-Universität). Zu sehen Barbara Höhfeld/1.von links(gelesen „Kindertreu“) und Barbara Fischer-Reitzer/2.von links („Lillit“).Neben Wohlfarth(„Berliner Erzählungen-Heilie Welt“)

Advent 2014 Münster.

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Mit den Hirten will ich gehen

Heiliger Abend

Wissen Sie, manchmal wäre ich am liebsten katholisch. Wissen Sie, warum? Sie können es sich nicht denken? Wegen MARIA. – Die Maler des Abend-Landes haben sie als sehr schöne Frau gemalt. Die Vor-Bilder waren meist junge Mädchen, je nach dem Geschmack der Zeit oder des Malers angezogen.

Ich gebe zu – diese Frauen- und Mädchenbildnisse haben mein Ideal von Schönheit maßgeblich beeinflusst. Und ich bin meinen Eltern dankbar, daß sie so schöne Marienbilder in unseren Zimmern aufgehängt hatten. – In Süddeutschland bin ich froh, wenn ein Marienbild in einem Restaurant hängt. Dann weiß ich, dass hier kaum Männerphantasien so blühen können, dass sie sich schließlich in verbalen Schweinereien über das andere Geschlecht abkühlen müssen. Pornographie und Maria schließen einander aus. Emanzipation ist natürlich. Die Psychologen nennen das Archetyp – Maria! Maria ist der Typ des Beginnens, des Anfangs. Mit ihr kommt Gott in diese Welt. Er wird Mensch….

In der Kirche, in der ich Pfarrer bin, hängt ein Gebet, von einem 12jährigen Mädchen geschrieben auf einem Zettel an der Gebetswand: „Lieber Gott, ich glaube, dass du ein guter Mensch bist. Leider lerne ich dich jetzt erst kennen. Ich wünsche dir zu Weihnachten, dass alle deine Wünsche und Hoffnungen, die du für die Welt und in der Welt hast, in Erfüllung gehen.“ Das Gebet ist unterschrieben mit Yvonne, 6. Kl. – Das Geheimnis der Maria! Das Geheimnis des Heiligen Abends, der Weihnacht. Das Problem des Joseph – ich habe es bisher noch nie einfacher gelesen als in diesem Gebet und mir fällt dazu der Text des Propheten ein: „Die mich suchen, die finden mich nicht, aber die mich nicht suchen, die finden mich, spricht Gott der Herr.“ – Achten Sie doch einmal darauf, was Bilder für einen Einfluß in Ihrem Leben haben. Wir brauchen sie. Auch das Bild der Mutter, des Vaters, des Kindes, der Heiligen Familie. Gemalte Bilder! – Wir beten in den Kirchen um die Heiligung der Ehen! –

Vielleicht gehört auch ein wenig das Stroh dazu, die Tiere, eine Armut, die aus Innen glänzt, um es mit dem großen Dichter Rainer Maria Rilke zu sagen.

Ist es nicht das , was uns Weihnachten so anziehend macht, so heimelig… Daß uns der Wohlstand nicht aller Dinge überdrüssig werden läßt…. Und daß die Jugend die Vorbilder nicht durch uns verliert, sondern Maßstäbe, Sehnsucht, Weg und Ziel geschenkt bekommt. Und dass wir das beim anderen, beim Nächsten immer wieder vermuten und entdecken – Menschlichkeit. Die Menschwerdung Gottes.

Und ich fände auch nicht schlimm, wenn mancher Junge auf der Suche ist nach seiner Maria. Wenn Männer und Frauen Maßstäbe setzen und das Leben nicht wertlos wird, weil die Gnade Gottes zu billig verkauft wird. – Ich bleibe evangelisch, aber die Maria finde ich trotzdem gut. Frohe Weihnacht!

Vor zwei Jahren geweiht. Altenburg Dezember 22. Der Text oben aus „Predigen auf dem Markt“ ( Fromm-Verlag Saarbrücken und epubli Berlin). Die Predigt ist eine Kolumne, geschrieben für die Einwohner des Landkreises Altenburger Land im ersten unzensierten Blatt, gegründet von Ingo Schulze (Literat, damals Dramaturg im Altenburger Landestheater) und anderen Mitstreitern der 89IGER Revolution in Deutschland.-Ich stehe zu jedem Wort, dreißig Jahre später. Es hilft mir sogar, wenn ich mich erinnere. Ich hoffe, Ihnen auch.

Aufführung „MESSIAS“ von Georg Friedrich Händel in der Bearbeitung von Wolfgang Amadeus Mozart 8. 12.24 (2.Advent)

Zum Bild: mit der freundlichen Erlaubnis der Christuskirche Oberschöneweide (Berlin) und der Chorsängerin (Sopran) in der Kantorei Köpenick (Berlin), die uns dieses Bild gesendet hat, hoffen wir Ihnen Mut zu machen, mitzusingen in dieser Heiligen Zeit.

Damit das Böse nicht Raum gewinne und nicht der Hass, sondern die Liebe.

Die einzige Sprache, die im Himmel gilt, wie mir die evangelische Familien – Communität ojc aus Anlass ihres 20 – jährigen Bestehens aus Reichelsheim (Odenwald) jetzt per Plakat zukommen ließ.

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Leuchte mein Stern

Leuchte, mein Stern leuchte, führe mich zu dem Ereignis des Jahrhunderts, zu

Den Ereignissen des Jahrhunderts, dass ich immer dort bin, wo viel los ist und ich nichts verpasse – das könnte die magische Beschwörung einer lebenshung-

rigen Generation sein – immer gewesen sein. Oder ist es in Wirklichkeit der

stille Glanz nicht der grellleuchtenden Sterne, sondern des einen von Bethlehem, der uns lehrt, dass im Unscheinbaren, ja oft in der Armut die Größe liegt. – Was

haben wohl die gebildeten, die Magier, die Wissenschaftler, die Studierten, die Zauberer gesucht, als sie den Stern der Jahrtausende gesehen haben und ihm

folgen? Sie haben Weisheit gesucht, Macht, Menschen zu beherrschen, Reich-tum des Geistes, Wissen ist Macht, Esoterik, Spiritualität, Geheimwissen. – Und was haben sie gefunden? Das Einfache, das Schlichte, ja das Alltägliche war das Geheimnis des Lebens und des Glaubens, der Religion und Spiritualität.

Das Kind wurde ihnen zum Gericht über alles Streben ihrer Eitelkeiten und sie sanken ehrfurchtsvoll auf die Knie und schämten sich ihres Hochmutes. –

Leuchte, mein Stern, leuchte, leuchte in meiner Dunkelheit und in der Dunkel-

heit meiner Zeit und aller Zeiten, der Zeit meiner Eltern und Voreltern, des Krieges, der Kriege, die Zerstörung, Unglauben und Wut produzierten, Hass und Klassenhass, Unbarmherzigkeit und Unfrieden auf Dauer, Stacheldraht für Andersdenkende und Andersglaubende, Rassenwahn und Größenwahn. Leuchte

in Auschwitz, du gelber Davidsstern, leuchte in den Gefängnissen Stalins und Ulbrichts, du Stern Jesu, leuchte in unsere dunkle Vergangenheit, damit die Zukunft licht sei für uns und unsere Kinder. Zwei Dreiecke, gleichschenklige,

gegeneinander gelegt, zwei Dreiecke, die das Auge Gottes symbolisieren, sind

ein Stern, der Stern Judas, der Stern an Eisenbaums Jackett in Schindlers Fabrik,

auf seiner Liste. – Du stehst auf dem Gottesacker und siehst dir die Gräber an, was siehst du? Du siehst einen Stern vor dem Geburtsdatum eines Menschen. Datum heißt auf Deutsch Geschenk. Es ist Lateinisch. Die Geburt eines Menschen ist ein Geschenk. Die Geburtsrate in der ehemaligen Zone ist dramatisch gesunken, einmalig in der Menschheitsgeschichte. Das ist ein totalitärer Vorgang. Es ist zuviel käuflich. Oder? Wir kommen damit nicht zurecht. Es ist nicht nur ein Gefühlsstau, ein Kulturstau ist das, ein Zivilisa-tionsstau….. – Es ist Weihnachten. Der Stern von Bethlehem leuchtet wieder. Er lockt die Weisen aus dem Morgenland. Lockt er auch uns mit unseren Erfahrungen 40 Jahre Sozialismus, 5 Jahre Postsozialismus, vier Jahre Wieder-vereinigung ? Und der Schock sitzt tief, der Kulturschock! Oder wiegen die Alt-

lasten zu schwer, und wire können uns nicht mehr auf den Weg machen in den Wüstensand……? Das Wunder ist das Kind, vielleicht im Luxus noch größer als im Elend. Alltäglich eigentlich. Das ist der Trost. Wie ofr haben das Eltern schon empfunden in Notzeiten, in guten Zeiten, in schlechten Zeiten. Das Wunder ist das Leben, das sich nicht selber genügt, das ewige Leben? Ein Wunder, sagen wir, wenn wir noch natürlich empfinden können und uns freuen können. – Der Stern sagt mehr. Gott i s t das Geheimnis der Welt. Der Stern über der Felsengrotte in Bethlehem sagt unendlich mehr, und deswegen kann er uns auch ermutigen. Das ist das Kind in der Armut, das Kind in der Krippe. Das Kind ist Jesus. Der Stern ist der Stern der Verheißung, der Hoffnung, der Rettung. Wir haben den Richter erwartet, eigentlich das jüngste Gericht, aber Christus ist gekommen, das Kind in der Krippe. Die Krippe ist aus Holz. Sehr

irdisch, Kreuze sind auch aus Holz. Vor einem anderen Datum – es ist auch gegeben von Gott – steht es. Stern und Kreuz verweben sich ineinander. –

Leuchte, mein Stern, leuchte, in der Dunkelheit des Aufruhrs, in der Aben-teuerlust der Jugend, in der Unlust und dem Murren der Alten. In dem Besser-

Wissen des Mittelalters. In der Herrschsucht der Männer und der List der

Frauen. – Alle haben wir einen Lebensstern. Manche gucken nach dem Horoskop, um seine Bahn vorausberechnen zu können wie die Magier vor zweitausend Jahren und die Esoteriker von heute und die Sekten von vor-

gestern. Seit Christi Geburt, seit 1994 Jahren ist der Lebensstern der Stern Christi, ist unser Weg, an dessen Rand Kreuze zu finden sind, der Weg Christi. Sein Stern ist unser Stern, sein Kreuz ist unser Kreuz. Geheimnis des Glaubens,

Geheimnis des Lebens, auch wenn es uns nicht bewusst ist. Ob wir es bejahen

oder nicht. – Natürlich kann man da auch von einem Kulturkreis sprechen.

Aber nein, heute abend wollen wir es so sagen. Wir wollen es uns wieder bewusst machen, das Geheimnis der Menschwerdung Gottes, an der wir teil-haben durch unseren Glauben an Jesus Christus. GOTT will in uns Wohnung nehmen. JESUS bleibe meine Freude! – Das Geheimnis der stillen heiligen Nacht. Geheimnis der Weihnacht. Geheimnis des gläubigen Herzens. Gott schenke uns Frieden und Stärke und das Licht …. Leuchte, mein Stern, leuchte, leuchte in Russland und der Ukraine, aber besonders in mir, damit ich Frieden bringe, wo man sich haßt, Mut, wo Angst ist, Leben, wo Tod. AMEN

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Pößneck

Sie werden fragen, warum Pößneck.

Ja, Pößneck in Thüringen.

Genauer gesagt in Ostthüringen. Das ist eine Kleinstadt. Mein Großvater hat hier nach dem 1.Weltkrieg Arbeit gefunden:Bürgermeister.

Sie hatten ihm gesagt in Hohensalza – nach dem siegreichen Polenaufstand: Du kannst hier bleiben und die polnische Staatsbürgerschaft annehmen. Das ist die Bedingung. Dann kannst Du Dein Haus behalten, die Villa, die Dir Dein Freund entworfen hat in Friedenszeiten. Du solltes aber gehen, wenn Du das nicht willst.

Wenn Du kein Pole werden willst: GEH! Geh nach Deutschland. Geh nach Thüringen. WOHI – IN. GEH WOHI – IN…?

Ja, er wollte nicht die polnische Staatsbürgerschaft annehmen und verkaufte seine Villa für einen Apfel und ein Ei.

In Thüringen, jedenfalls in Pössneck, war gerade Wahl. Die Sozen suchten einen Bürgermeisterkandidaten. Da es gute Sozialdemokraten waren, fanden sie es nicht schlimm, dass ihr Kandidat Otto von Bismarck über seinem Scheibtisch zu hängen hatte, dass er Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei war und Kontakt zu Journalisten hatte, die dieser Partei nahe standen oder gar selber als Mitglieder geführt wurden. Sozial-Liberale Koalitionen gab es schon immer. Allerdings lebten Mitglieder dieser kleinen Partei gefährlich. Siehe Walter Rathenau, der auch zu dieser Gruppe gehörte.

Der Journalist Theodor Heuss, erster Präsident der Bundesrepublik Deutschland war mit dem promovierten Juristen Friedrich Arter bekannt und in Zürcher Blättern erschienen Gedichte meiner Großmutter Theodora Arter, geborene Dilloo. Friedrich Arters Vorfahren waren Schweizer und Theodor Heuss schrieb in Zürich.

Ein Politiker der DDP trat immerhin Kapp entgegen auf den Stufen des Reichstages, als der ihn übernehmen wollte.“Wo ist ihre Legitimation?“ Kapp hatte keine und ist umgekehrt auf den Stufen des Reichstages.

Alle anderen Parteigänger- und Führer waren längst geflohen. (Quelle: Ernst von Salomon in dem Roman „FRAGEBOGEN“/Rowohlt.)

In der Legislatur meines Großvaters in Pössneck kam wiederum Tessenow, der Baumeister aus dem Bauhaus zu Besuch und zur Geltung.

„Gehen Sie ein Stück ostwärts die Straße entlang. Die Autostraße, die in Richtung Neustadt an der Orla führt. Sie kommen rechter Hand zu einer Siedlung. Zwei Straßen. Parallel zur Hauptstraße“. In einem Cafe unweit des Rathauses.

Gewissermaßen vor der Siedlung steht eine Schautafel: Mein Großvater und seine Frau vor einem Siedlungshaus. Von Tessenow entworfen, mit dem er schon vor dem Krieg – in Friedenszeiten – gebaut hatte: in Hohensalza. Der Bürgermeister ist mit hinein gezogen in den beispielhaften sozialen Wohnungsbau in Thüringen. In den Gries.

Dazu der Text, der Ihnen alles erklärt. Es gibt noch eine dritte Straße auf der anderen Seite der Straße Richtung Neustadt. Auch Bauhaus. Auch Tessenow. Nach zu lesen in den Berichten zum Tessenow- Jahr des Denkmalamtes als nachgeordnete Behörde der Regierungskanzlei in Erfurt. Herausgekommen im Reinhold-Verlag Altenburg. Ja, dort war ich lange Zeit Gemeinde-und Jugendpfarrer und freue mich, dass ausgerechnet diese Geschichte in Altenburg gedruckt wird

Carsten Liesenberg:Die Tessenow-Siedlungen in Pößneck

Hätte ja eigentlich in Pössneck gedruckt werden müssen, dieser alten Drucker-Spiel- und Papierstadt. Die vielen roten Backsteingebäude zeugen davon.

Durch das Tessenow-Jahr hat Pössneck gewonnen und durch eine Gartenbau-Ausstellung danach. So kommt eines zum anderen. Eines baut auf dem anderen auf. Thüringen braucht das. Nicht nur Thüringen – ich weiss.

Die Frau des Bürgermeisters ist nicht in die Kränzchen gegangen der Fabrikbesitzer-Frauen. Sicher übel genommen, wa? Sie war fromm und hat sich gekümmert und g e s e h e n, wie am Morgen die Arbeiterfrauen ihr entgegen kamen mit den Kindern.

Fröbel und sein Kindergarten waren ihr immer gegenwärtig, erzählte meine Tante Josephine. Sie ging in die Bibelstunden der Landeskirchlichen Gemeinschaft. Und sie stritt mit Ihrem Sohn: erst Gott und dann das Vaterland. Auch mit ihrem Mann. Eine streitbare Theologentochter. Ihr Mann ein Liberaler, eigentlich fast Schweizer Güte, wie besagte Tante es ausdrückt in den Biografien der Zeiten, die sie beschreiben hat – für uns.

Unsere Quellen.

Unsere Mutter ist in Pößneck geboren worden. 1920. Mein Großvater ist von den Sozen nicht wieder gewählt worden. Er hat mit Hilfe der Noske-Truppen Arbeiteraufstände und rechte Putschisten zu zügeln versucht. Mit Erfolg und mit den Mitteln, die nach dem 1.Weltkrieg die Weimarer Republik angeboten hat und von den Kräften vor Ort umgesetzt wurden. Es war nicht immer friedlich. „Keine Gewalt!“ war in Leipzig 1989!!!

Die Bewaffnung der Arbeiterklasse nicht nur als Hauptziel Lenins, wie wir es gelernt haben an der Universität in Berlin, wenn wir im roten Konfirmanden – Unterricht sassen, als Pflichtfach für Theaterwisschaft und auch evangelische Theologie.

„Bewaffnung der Arbeiterklasse“. Lenin wusste das. Andere auch.

Und hielten dagegen, um einen Bürgerkrieg zu verhindern. Auch Rathenau. Die Anführer wurden über die Äcker geschleift, erzählt mir ein Feund der Familie Arter in Pössneck, ein Nachkomme von Freunden, als er in Altenburg auf dem Bahnsteig steht und wir auf den Zug warten, nach einem Gemeindetreffen.

Ich weiß nicht, ob mein Großvater das wußte.

Ich hoffe nicht.

Aber das sind Realitäten. Keine Gute-Nacht-Geschichten. Es war harte Zeit.

Die zweite Legislatur gehörte nicht Dr. Arter:“ Er ist doch nicht so wie wir!“ – Die Konservativen haben nicht gereicht, die das erste Mal gegen ihn gestimmt haben.

Es wird gezählt.

Es gibt die Zahl.

Nicht nur das Bild.

So schön es auch ist.

Von daher stimme ich nicht in das Lied der Politikverächter ein. Die ganze Familie hat darunter gelitten. Sie sind wieder zurück gegangen in den Osten, woher sie kamen. Nicht ganz so weit. In die Neumark. Nach Landsberg an der Warthe. Wo in der Nähe die Familie eine Ziegelei besass. Für die roten Backsteine, die bis nach Pössneck reichten. Ja, genau die. Sie gibt es überall. Im Norden. Im Osten und in Thüringen.

Wir haben die Stadt besucht und auf der anderen Seite der Orla eine Fabrikantenvilla gefunden, in der wir kurios übernachtet haben. Und paradox. Nach Thüringer Klössen im Rathaus.

Aber das wäre eine neue Geschichte für diese Stadt und dieses Land.

Machen wir es gut. Besser? – glaube ich nicht.

Aber mit Gottes Hilfe, sonst geht es gar nicht.

Mit freundlichen Adventsgrüßen

Michael, der älteste männliche Enkel.

TSCHÜSS – A DIEU – Weihnachten wird es uns hoffentlich leichter machen. Ein halbes Jahr ist das Ganze nun her. Diese Spaziergänge, Übernachtungen und Gespräche. Nur eines hat uns wirklich entsetzt. In dieser Stadt kein Gottesdienst an diesem denkwürdigen Sonntag d.18.8.24. und auch keine Anzeige an der Kirchentür:WO DENN?

Kapitel II Ein Spaziergang auf der anderen Seite

Kapitel III – vor dem Spaziergang im Regen die Besichtigung „Am Gries“

Bauen nach dem Krieg
Pössneck

Ausruhen Ende August, Anfang September. Es waren der Feiern sicher zu viele und Gäste, die nicht erwartet wurden und solche, die nicht kamen. Aber doch, aber doch. Alles gut?

Es wird alles gut, weil Christus auferstanden ist (Sören Kierkegaard)

Und nun: Seid stille im HERRN, lese ich Monate später.

Gustav Heinemanns Rede auf dem Essener Kirchentag 1950: „Unsere Freiheit wurde durch den Tod des Sohnes Gottes teuer erkauft. Niemand kann uns in neue Fesseln schlagen, denn Gottes Sohn ist auferstanden. Lasst uns der Welt antworten, wenn sie uns furchtsam machen will: Eure Herren gehen, unser Herr aber kommt!“

Einen gesegneten Advent!

Berlin 1. Advent 1.Dezember 2024 Margard und Michael Wohlfarth mit herzlichen Grüßen!

Kommentar einer Pößneckerin

Wunderschöne Bilder. Macht Lust, die Stadt neu zu entdecken. Vielen Dank. Ja, ich bin in Pößneck geboren und war dann dort auch noch mal mit Andreas Schaller im PfarramtLeider kann ich Ihre Nachricht an mich nicht finden. Habe mich sehr über Ihre Nachricht gefreut. Social media ist meine Schwachstelle. Einen gesegneten 2. Advent Ihnen und Ihrer Frau.

danke m.wohlfarth

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Busstag der letzte Tag der Friedensdekade

Liebe Leser meines Blogs, neulich hatte ich einen Termin an einem Sonntag: Gedächtniskirche Berlin, K Damm, 18.00 Uhr. Mal sehen wer predigt. Es war ein Motettengottesdienst mit Predigt von Kathrin Öxen, einer führenden Mitbewerberin im Wittenberger Internet-Predigt- Kreis.

Natülich hatte ich keinen Termin. Deswegen gehe ich lieber in eine Kirche, die jeden Sonntag offen hat. Sogar 10.00 Uhr oder auch abends. Oder wann. Das ist in meiner Heimatgemeinde so und auch am K Damm. CHOCHOSCHO.OKAY. GUT.

Es war kein trauriger Tag im November, an dem die Dichter reisen, womöglich aus dem sonnigen Süden ins rüde Berlin. Ich lasse mir das nicht traurig machen, wiewohl ich GENRICHA GENE liebe, wie auch Kleist und andere mehr. Deshalb vorher Kaffee – ROSTBRENNEREI Seitenstraße K Damm. Eine Tiefe.

Ein Quadrat. An dem sitz ich und bestell` russischen Zupfkuchen und einen italienischen Cafe. Kommt auch wirklich, wenn auch nicht schnell.

Es ist noch e i n Platz frei an dem Quadrat. Mir gegenüber. Mal sehen wer kommt.

Da kommt jemand.

Eine Frau mittleren Alters, die sich später als junge Großmuter entpuppt. Vier Kinder zur Welt gebracht hat und im Bundestag war, um über Corona und Folgen zu diskutieren. Mein Thema nicht. Weil ich immer noch davon ausgehe, dass jeder Arzt einen Schwur schwört, nicht wegen einer Verschwörungstheorie, sondern den des HYPOKRATES. Und wenn er Christ ist bittet er Gott um Hilfe bei jedem Patienten und jeder Patientin. Ich weiß von einem Chirurgen in Crimmitschau/Sachsen aus Erzählungen der Ureinwohner dort, der sich vor jeder Operation nicht gescheut hat zu knien und Gott um seinen Beistand zu bitten. Kurz: ein Arzt handelt in der Liebe des Schöpfers zu seinen Geschöpfen. Ich möchte davon ausgehen, dass das in der Pandemie auch so war und nicht der Pharmazieverkauf die Hauptrolle spielte. Wir sollten alle vielmehr davon ausgehen und dann allerdings auch um den Mut des Patienten bitten, der widerspricht, wenn es darauf ankommt. So war m.E. die Grundlage unserer Unterhaltung.

So ein rheinisches Kind aus Essen, wie sie mir später bestätigte: auch noch katholisch. Ja, Rheinland. Der Zug fuhr ab gegen ACHT. Bahnhof ZOO.

„Kann ich mitgehen vorher in die Motette?“

„Klar, gehen wir zusammen.“

Aber vorher ein Ereignis für jemanden, der BLOG schreibt, aber nicht so recht weiß ob das ankommt. Bei dem Stichwort BLOG sage ich: „Ich habe auch einen Blog“. Sie zückt das Handy und notiert den CODE https://kaparkona.blog.

„Der Blog hat auch noch einen Namen: Michael Wohlfarths Blog.“

„Ja, da kenne ich Sie.“

Ich bin baff. Sie aber auch. Berlin. Millionen. Auf einmal sitzt man sich gegenüber.

Als der Gottesdienst vorbei ist, verabschiede ich mich in diesem würdigen Rahmen der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und laufe und steige auf meinen Bahnsteig Richtung Erkner. Die DREI. Sie kommt. Die S-Bahn.

Ich weiss nicht einmal mehr ihren Namen. Aber ich wünsche ihr alles Gute im Streit um den rechten Weg. Und Gesundheit an Leib, Seele und Geist. Wir waren sehr offen im Austausch. Und haben nichts ausgelassen. Die AfD nicht, die Pandemie nicht. Die Verschörungstheorien nicht. Kyrill nicht. Die Russen nicht. Den Kapitalismus nicht.

„Ein schöner Abschluss dieses Tages“, sagt sie. Sie ist besser in den Gesängen als ich.

Warum müssen wir uns gegenseitig immer so schlecht machen???!!!

Einen gesegneten Ewigkeitssonntag!

Ihr/Euer

Michael Wohlfarth

Aus PREDIGEN AUF DEM MARKT / epubli und Frommverlag, aufrufen unter: Alle Bücher von Michael Wohlfarth/ in Oberzeile Internet.

Diese Predigten sind Kollumnen bis auf wenige Ausnahmen, geschrieben für die erste unabhängige Wochenzeitung im Altenburger Land, gegründet von Ingo Schulze nach den Friedensgebeten in der Brüderkirche in Altenburg/Thüringen (Neunziger Jahre, letztes Jahrtausend, letztes Jahrhundert).

Totensonntag

Totensonntag,

November, Schauer,

Kränze liegen an der Mauer,

aber dann im Advent

ein Lichtlein brennt… –

Das ist der erste Vers eines Krippenspiels, das ich mit Christenlehre-Kindern

des Altenburger Landes in Thonhausen und Mannichswalde vor Jahren

„gedichtet“, gesungen und eingeübt habe. In den Zeiten des real-existierenden

Sozialismus. Das hat mir z.B. der Staatssicherheitsdienst chronologisch sehr schön festgehalten: Der Aufbau einer Kinderarbeit im Zeichen des Getauft-

Seins. Nachzulesen im Operativvorgang „Vermittler“. Christen besuchen mit Nicht-Christen die Friedhöfe und trauern. Das muß gelernt sein – Trauerarbeit.

Vergangenheit bewältigen. – Christen glauben vielleicht im Unterschied zu Nichtchristen (hier sind nicht die anderen Religionen gemeint), daß sie letztendlich nur Vergangenheit bewältigen können, trauern können und glauben, in der Liebe und in der Hoffnung zu Gott hin, der für sie einen Namen hat: Christus, der stärker ist als der Tod und Vergänglichkeit scheint. Christen glauben, dass sie es in der Beziehung gut haben, daß sie an den Gott des Himmels und der Erde glauben, an den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist, wie es in einem Gesangbuchvers heißt. Vielleicht bleibt dann auch noch Kraft zum Trost für andere ….. Wie wichtig ist das Erinnern. Gute Erinnerungen machen stark, sagt der Blutzeuge des christlichen Glaubens, nach dem eine Straße in Altenburg Nord benannt worden ist: Dietrich Bonhoeffer, der mit aufrechten preußischen Offizieren das Attentat gegen Hitler vorbereitet hat, weil er in ihm das Böse sah – und deshalb kurz vor Kriegsschluß aufgehängt worden ist von den Nazis. Wenn es ihn nicht gegeben hätte, hätte es vielleicht gar keine Kirche mehr gegeben in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands. Wenn es ihn und viele und viele anderem Zeugen des Glaubens nicht gegeben hätte. – Erinnerung ist Erlösung, sagt die jüdische Weisheit. Deswegen gehen die Menschen an die Gräber im Gedenken …. Deswegen spricht auch die Kirche nicht vom Totensonntag, sondern von Ewigkeitssonntag: im Angesicht des Todes werden wir gewiß, was wirklich von Dauer ist, was über uns und unser Leben hinausweist, was wirklich bedeutend ist, was uns Halt gibt und Hoffnung. – Was uns die Angst nimmt vor der Zukunft , was uns nicht fallen lässt, sondern stark macht für das Leben, was unsere Antwort ist und unsere Verantwortung. Und welche Fragen auftauchen und welche Zweifel…. Christen glauben, dass es kein „Friedhofsfrieden“ ist, der uns umfängt, wenn wir am Totensonntag zu den Gräbern gehen, sondern der Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft. Wir sind Bewegte, wenn wir zurückkommen in den Alltag, den grauen Novemberalltag, und ergreifen das Licht des Advents, wie die Kinder, die jetzt dreißig sind oder deren Kinder wieder im oben zitierten Krippenspiel, was sie selber mitgeschrieben haben. – Ich wünsche allen einen gesegneten Sonntag, daß jeder den Trost empfängt, den er sich aufgemacht hat zu suchen.

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Gedanken aus einem Buch in Arbeit zum Beginn der Friedensdekade 2024 Buchtitel: Das Z auf dem Rücken.

Plötzlich kehrte sie um. Nicht weil ihr Handy klingelte und ihr in Erinnerung rief, das und das soll sie doch bitte mitbringen von ihrem Urlaubstrip nach Hause nach Berlin oder etwas jetzt zu essen, was in der Küche von ihrem Vater Horst Leskow, seiner Frau Marianne und seiner Schwiegermutter Elise fehlte.

Nein, eine innere Stimme, die sie zur Ruhe rief in all dem, was gerade im Schwarzwald nach dem Besuch des Grabes immer wieder auftauchte nicht wie Treibgut, das könnte man unberücksichtigt lassen, es wäre eben im Fluss der Dinge, nein wie etwas Lebendiges. Das Berücksichtigung finden muss.

Verdrängen geht gar nicht.

Die Kirchenglocken haben längst aufgehört zum Mittagsgebet zu rufen.

Der Besuch im Pfarrhaus hat viel zu lange gedauert.

Sie kehrte trotzdem um zum Ort ihrer Taufe und ihrer Konfirmation.

Die Großmutter hatte viel Wert darauf gelegt, auch wenn der Vater nicht so recht wusste, was das alles zu bedeuten hätte.

„Deine Frau, die Mutter von Anne, würde sich wundern, wenn ihr Kind nicht aufgehoben wäre in der Gemeinschaft der Gläubigen,“ sagte sie zu ihrem Schwiegersohn. Und so wurde Anne getauft. Ihr Vater hat sich gefügt, wie eigentlich immer, seit dem er auf der anderen Seite der Demarkationslinie lebte. Das war jetzt seine Heimat, der Schwarze Wald wie er ihn nannte. Er hatte seine erste Frau nach dem Zusammenbruch der DDR in Berlin kennen gelernt. Berlin ganz und nicht nur halb. Halb? ZWEIDRITTEL WEST und EINDRITTEL OST, so war die Lage. Sie war auch unternehmungslustig genug, um aus ihrem Wald angereist zu kommen, um zu sehen, was es denn nun auf sich hat mit dem Osten. Wo die Sonne aufgeht und nicht unter. Sie wollte Lehrerin werden und war dementsprechend neugierig. Dabei ist sie auf den Soldaten gestoßen, der in Zivil wissen wollte, wie die Feindinnen so sind, wegen der er in Thüringen schießen sollte, wenn er eine sähe, wie sie sich am Zaun zu schaffen machten. Jedenfalls- Angelika war hübsch und nicht übertrieben, nicht einmal schräg oder zu sehr gefärbt. Natürlich. Das war schon immer sein Idol. Schon von zu Hause her. In seinem Erzgebirge. Dort hatte er nach seinem Mittelschulabschluss KFZ-Schlosser gelernt an Hand der Wartburgs und Trabanten, die dort gefahren wurden in der Mehrzahl aber bei Leibe nicht in jedem Haushalt. Wartburg weniger als Trabant. Viel weniger. Noch weniger Moskwitsch oder Skoda aus dem tschechischen Bruderland. Der Pfarrer war der einzige, der nicht so lange warten musste, wie die anderen, um zu einem Trabant zu kommen aus Zwickau. Das wussten sogar die Leute, die nicht zur Kirche gehörten. Die zu allermeist. Seine Eltern gehörten nicht dazu. Sie waren Kommunisten von zu Hause aus. SED-Mitglieder im Gegensatz zu den anderen, die nicht zur SED gehörten, nein, darüber hinaus auch noch jeden Sonntag in die Kirche gingen. So fromm war das Erzgebirge. Um so mehr hat ihn der Glemmer des Westens aufgesogen. Aber er war stabil genug, um nicht darauf herein zu fallen. Nein, er nahm sich sofort vor, nicht etwa Berufssoldat zu werden in der vereinigten deutschen Armee, sondern etwas aus seinem gelernten Beruf zu machen: Meister, selbständig. Und warum nicht Autos reparieren auf der andern Seite, wo die Volkswagen und Opel fuhren, sagte er sich, nachdem er Angelika aus dem anderen westlichsten Mittelgebirge in Deutschland kennen gelernt hatte. Und auch noch im verrückten Berlin.

So schnell ging das nicht. Vorstellungsbesuch bei den Eltern hin und her. Begutachtung frommes und unfrommes Nicken. Hand in Hand durch die Dörfer laufen. Tuscheln, wie es sich gehört. Aha, aha. Und so weiter.

Jedenfalls vor einem Schaufenster geschah es. Auf der anderen Straßenseite stand ein sehr hübsches Mädchen aus dem Westen. Sie spiegelte sich im Fenster, vor dem Horst Leskow stand. Er dreht sich um und winkte. Sie winkte zurück. Solche Dinge gibt es. Sie trafen sich wieder und immer wieder, jeden Tag, den sie in Berlin verbrachten. So ist das und so geht das. Wen es gut geht. Es geht bekanntlich nicht immer gut. Hier ging es gut. Und alle waren dankbar in diesen wirren Zeiten. Und sollten das auch, denn nichts ist selbstverständlich, dass etwas gut geht. Es kann immer auch ganz anders kommen. Böse, böse.

Und dann kam es auch, weil aus Gräuel Gräuel kommen, weil sich nichts geändert hat, weil es Schuld gibt auf Erden, die um sich greift, die andere mit hineinreißt in den Strudel des Flusses. Und Du kommst nicht mehr heraus. Die Hochzeit in Schönhausen. Die Eltern von Horst kamen angereist aus dem schönen Erzgebirge in guten Klamotten aus DDR-Zeiten, wenn es da Empfänge gab und so. Sie waren stabil und nicht gierig nach dem Neuen.Sie gingen brav mit in die Kirche und der Pfarrer war gnädig in seiner Predigt und die Trauung war wundervoll. Selbst der Papa und die Mama aus dem Osten mussten das sagen später bei Kaffee-Trinken im Gasthof zur Grünen Tanne. Sie waren ja Rituale gewohnt, nur etwas anders mit Bildern von Lenin und Stalin ganz früher in der DDR. Mit Denkmälern von Thälmann dann, dem Sohn seiner Klasse. An denen man Blumen niederlegte. Fahnen noch und noch. Religion war das auch. Eine andere. Macht, eine andere.

Alle gingen freundlich miteinander um. Die Eltern von Anne und die von Horst. „Immer schön allmählich“, sagen die Großeltern, die sich auskannten im WESTEN. Und ein bisschen Geld hatten. Und so kam es. Der solide gelernte Beruf des Trabant-Bauers, dem es Spaß machte, Mercedes, Volkswagen und Opel kennen zu lernen und in Gang zu halten, die schöne Frau an seiner Seite, die ihre Ausbildung zur Grundschullehrerin zu Ende brachte. In dieser Zeit. Horst bewirbt sich wegen dem Meistertitel mit Erfolg. Er konnte die Werkstatt seines Schwiegervaters selbständig übernehmen und später eine Tankstelle dazu setzen. Alles gut.

„Weil Christus auferstanden ist“. Das wusste vielleicht Marianne. Mit Sicherheit Elise, die Großmutter und ihr Mann Erich im Glauben, in dem sie gelebt haben in Arbeit und Not. Und der ihnen geblieben ist, weil sie immer abgegeben haben von dem Segen, der auf ihnen lag.

Nun hat er sich die Kleider vom Leib gerissen und ist in die Oder gesprungen den Grenzfluss zwischen den Deutschen jetzt und den Polen. Er schwimmt und schwimmt und wird abgetrieben. Aber er schafft es, die Kleider auf den Rücken gebunden. Schafft es, die Papiere vergraben zu haben um als Flüchtling zu gelten, ein neues Leben zu beginnen mit Namen und tadellos nackt und bloss.

So sind sie gekommen damals zu uns, die Roma und die Sinti. Sie kennen die Umwege gut in Europa. Ihre Vorfahren sind sie gegangen und gefahren mit ihren Leiterwagen und haushohen Zelten. Spitz. Bunt die Röcke der Frauen. Die Maler haben zu tun, wenn sie sie sehen.

Und die Millionen nach dem letzten Krieg, wie wir lange Zeit gehört haben von den Alten? Sie sind kaum geschwommen, sondern mit den letzten Zügen über die Brücken gemacht klopfenden Herzens, weil sie alles, alles wirklich zurück lassen mussten. Und wenn sie geschwommen sind, sind sie untergegangen in den Wellen der eisigen Ostsee, als das Schiff sank. Gustloff.

Das waren die Deutschen, die Adolf Hitler nicht verhindert hatten, die Stalin fürchteten. Die Ostpreußen hinter der Weichsel. Die gekreuzigt wurden, als sie gekommen sind. Die Feinde. Die Russen, die gar keine waren. Und sie sind nicht angekommen. Viele nicht. Umgekommen unterwegs. Verhungert. Erschossen. Ich weiß es nur aus Filmen. Mir ging es gut. Aber die meisten doch sind angekommen. 12 Millionen. Angekommen.

Wo?

Die Flucht, die Flucht.

Immer ist sie präsent im Leben.

Oder du päppelst sie durch, die Flucht.

Lebenserhaltend.

Ach, sind wir froh, wenn es Frieden bleibt nun endlich nach der totalen Kapitulation der NS-Schergen. Wie soll ich es sonst sagen. Mir fehlen die Worte. Nie wieder Krieg. Nie sollst du ein Gewehr anfassen. Nie wieder. Damit es nicht auf die Falschen gerichtet wird. Oder wieder auf DICH SELBER! Daher kommen wir aus der Sowjetzone, die nicht die Speckgürtel umgelegt bekamen durch den Marshall-Plan und anderes mehr. Die sich einreihen mussten in die Reihen der FDJ, der Pionierorganisation mit rotem und blauen Halstuch. Das war ihr Gürtel. Kargheit und Askese inbegriffen. Stabilisiert. Davon leben wir heute noch, denn es sind Werte. „Verstehen Sie das bitte dialektisch!“- sagt der, der dem anderen sein ostdeutsches Leben erzählt. Der mit dem Speckgürtel, was sagt der darauf? Nichts. Er hört es sich an, wenn es ein freundlicher christlicher Mensch ist. Und versucht zu verstehen. Zumindest tut er so, weil er vor allen Dingen gut erzogen ist und höflich.

Nur wir haben den Krieg verloren“, sagen manche in Thüringen, nachdem die Amis abgezogen sind, um sich mit den Franzosen und den Engländern die Stadt Berlin zu teilen. Den WESTEN BERLINS.

Meine Frau weiß, dass die Russen mit Ponny-Wagen einmarschiert sind, nachdem die Schwarzen Schockolade verteilt haben an die Kinder und das Weite gesucht haben Richtung Norden: Berlin, Berlin, Berlin. SEI DU BERLIN. Das war auch in Leipzig so, südlich der Elbe. Und erst die Frauen, die sich eingelassen hatten mit den schmucken Soldaten. Das war doch etwas. Nun sind sie weg und die Russen kommen. Das Machtspiel, die Rochade.

Ja, den Amerikanern haben wir zugewunken.“ Wie viele haben sich aufgemacht, um über die neuen Demarkationslinien zu kommen, In den Westen. In den Westen.

Andere hofften, das geht nicht lange. Das System nicht und BBC verkündete jeden Tag, dass alles zusammenbricht. Der Kommunismus wird den Krieg nach dem Krieg nicht gewinnen.

Haltet durch!“Propaganda. Nicht nur Lenin wusste das. Wie wichtig sie war. Londoner Rundfunk. Und heute wieder Hetze. Kriegshetze.

Es ist spannend. Es muss so kommen, wenn man nicht leben kann, ohne diese Spannung.

Es ist spannend.“

Die Flüsse. Die Flusslanschaften. Im Schwarzwald ist es mehr die Tanne, die dunkle. Anne setzt sich in die Kirche, um sich auszuruhen. Ihr fallen die Bilder ein von einem jungen Mann, der mit einem Z auf dem Rücken plötzlich in ihrer Schiffskabne sitzt. Er solidarisiert sich mit Russland, mit Weissrussland und der Ukraine. Mit den heiligen Russland. Er sucht die Heile Welt. Er will nicht mehr für den amerikanischen Geheimdienst arbeiten. Anne wollte nie, dass irgend jemand für einen Geheimdienst arbeitet. Für sie war das die Vergangenheit, aus der sie kam, die DDR. Ihr Vater hat ihr genügend davon erzählt. Sie hat ihn gelöchert und ausgequetscht wie eine Zitrone. Sie wollte unbedingt wissen: Wer bin ich, wo komme ich her. Immerhin war ihr Vater Grenzsoldat zwischen zwei Welten. Die eine Welt kollabiert und die andere weiß nicht mehr wozu sie da ist.

Nachfolgebuch zu: DER GRÜNE SALON, AMERIKA (epubli) Ach, Dostojewski.(Haag und Herchen)

Diese beiden deutschen Soldaten aus dem Berchtegadener Land haben uns angesehen bei unserem ersten Dorfrundgang in Oberteisendorf. Den Schaukasten insgesamt an der Kirchenwand neben dem Eingang seht Ihr oben in der Eröffnung.

Danke an die freundliche Bewirtung jeden Morgen im Bauernhof NEUHAUSERHOF, verantwortlich SISSY LANG.

Lästert wenn Ihr wollt. Ich bin dankbar, dass es Menschen gibt, die die Wirkichkeit nicht verdrängen müssen, weil sie den Gekreuzigten und Auferstandenen kennen.

Das Kruzifix auf dem Hof (Prozession/Station).

Mit freundlichen Grüßen! Michael Wohlfarth aus dem Urlaub 2023.

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Nach dem Reformationstag und zu Allerheiligen

Liebe LeserInnen, ich werde heute das Vorwort zur ersten Auflage von PREDIGEN AUF DEM MARKT, eine Predigt daraus und eine Erklärung zu den Ereignissen nach 1989 in meiner Heimatstadt Altenburg in Ostthüringen, in meinen Blog stellen. Sie wissen: am 9. Oktober war ein Jahrestag, der 35. Jahrestag der Friedlichen Revolution. Vor 35 Jahren war der Umzug um die Stadt Leipzig – wie mit Posaunen – und die Mauer fiel – in Berlin. Der Stacheldraht war schon geschnitten in Ungarn. An der Grenze zu Österreich.

Die Straßenbahnen fuhren nicht. Wir haben die Luft angehalten. Ich bin in das Telefonhäuschen an der Post am RING gerannt und habe die Nummer meines Pfarramtes gewählt, die auch die Nummer von meinem zu Hause war. Damals war noch nicht alles so getrennt. Das war genau um 18.32 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit.

„Es wird nicht geschossen!“ Das war die Botschaft für meine Frau, die sich Sorgen machte wegen unserem ältesten sohn und auch mir. Ich habe dies Nachricht später wörtlich in meiner Telefonakte „Altenburger Akademie“ OV gefunden mit Uhrzeit. Ich selber habe nicht, wie man das heute vielleicht machen würde, auf die Uhr geschaut. Habe auch kein Handy dabei gehabt. Wie gesagt: Telefonhäuschen außen vor. Leider ist diese Zelle dann schon nach 10 Jahren nicht mehr da gewesen.

Höchstens auf die Dächer auf denen Cameras installiert waren, haben wir geschaut. Nicht die von ARD oder ZDF oder SFB oder RIAS waren dort oben, sondern die tausend Augen des Staatssicherheitsdienstes. Aber sie haben nur beobachtet. Es ist nicht geschossen worden. Warum? Das weiß niemand so genau. Das ist Geschichte. Das sind Sekunden, Minuten, Stunden, Tage.

Da werden die so genannten Tages-Losungen der Hernnhuter Brüdergemeine sinnfällig und eine goße Hilfe, in goßen Nöten der Ungewissheit.

Die unten abgedruckte Predigt wurde von mir gehalten zur Einführung des Stadtparlamentes in Altenburg. In der Kirche, von der aus die Demonstationszüge infolge der Montagsdemonstrationen in Leipzig losgingen, über den Markt, duch die Gassen, zur SED-Kreisleitung. Die Brüderkriche, „meine“ Kirche war von 1988 an bis ins Jahr 2007 meine Dienstkriche.

Sie ist jetzt – mit unvergänglicher Kreide gezeichnet – bei uns in Berlin. Zu sehen auf einem großen Schieferziegel. Das Bild ist von einem Lehrer des von uns mit anderen gegründeten Spalatin-Gymnasiums gezeichnet worden. In unserem Vorgarten an einen Fliederstrauch gelehnt, erinnert es mich jeden Tag, an das was gewesen ist und an das was sein könnte, wenn man die Hoffnung nicht aufgibt im Glauben an Jesus Christus. Unseren HERRN.

Ein Geschenk des Grafikers und Zeichenlehrer aus Kürbitz,Stefan Knechtl, initiiert von meinem damaligen Vikar, jetzt Pfarrer Sven Thriemer in Pölzig – mit 20 Dörfern.

Sie können die Predigt in dem Band nachlesen: PREDIGEN AUF DEM MARKT. In diesem Band sind mir alle wichtigen Andachten (Kolumnen) dieser Zeit enthalten, z. T. in Briefform an die Gemeinden, die sie lesen sollten. Und zwar in der ersten demokratischen Wochenzeitung(„Altenburger Wochenblatt“) die 1990 für Altenburg und das Altenburger Land initiert worden war von Ingo Schulze und einem Kreis, der aus den Vorbereitungskreisen für die Friedensgebete hervorgegangen war. Und dann waren die Kolumnen immer wieter zu lesen in den Folge-Blättern bis zur Leipziger Volkszeitung als Osterländer Volkszeitung (Tageszeitung). Es gab stehenden Applaus in der Landessynode für die ersten christlichen Andachten in säkularen Zeitungen in Thüringen überhaupt.

Das Buch ist in unserem Verlag herausgekommen (epubli).Und ich bin immer wieder darauf angesprochen worden. Die Auflage der Blätter war höher als die Zahl der Haushalte im gesamten Landkreis Altenburg (Altenburger Land).

Vorwort zum Buch PREDIGEN AUF DEM MARKT

Eigentlich handelt es sich um eine Nachwort, denn alle Worte, die Sie hier lesen werden, alle Sätze, Predigten, Andachten, Zeitungskolumnen als Deutungs- und Begleitworte für die schwierige Zeit nach 1989 sind schon gesagt, gedruckt worden, um eine Öffentlichkeit herzustellen für Kirche und Gemeinde nach der 40-jährigen Ghettoisierung in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Aber vor allen Dingen: um Menschen – die auch nicht der Kirche angehörten – es sind die meisten in der post-sozialistischen Jugendweihe-Gesellschaft – auf diese Weise zu erreichen. Daher der paulinische Titel des Buches. In einer Thüringischen Mittelstadt mit 12 Prozent Kirchenzugehörigkeit. Nach dem Wegfall der Blauhemden für Pioniere und FDJler, der Kampfgruppenanzüge, der tausendfachen Losungen an Wänden innen und außen, Fahnen – mit dem Ersatz der tausendfachen Werbung gab und gibt es ein sozusagen multikulturelles Vakuum und daher große Anfälligkeit besonders unter Jugendlichen. Es ist sicher kein Zufall, daß Frau Zschäpe rumänische Wurzeln hat und in Thüringen groß geworden ist.

Ein Pfarrer, der zwanzig Jahre mit seiner Familie im Evangelischen Jugendzentrum w o h n t e neben der größten Kirche eines Landstriches, der die entlassenen Arbeiter weinen hörte, wenn sie nachts betrunken „unsere Gasse“ herunter kamen, lernte neu, daß sich Wende aus dem Griechischen katastrophe herleitet. – Er und seine Frau fühlten sich verantwortlich.

Dieselben Arbeiter hatten in seiner Kirche den Sturz Erich Honeckers „ausgerufen“, darin das erste Mal in ihrem Leben eine nicht zensierte Rede gehalten, sprechen gelernt – und beten.

Ich möchte mich bei der Leipziger Volkszeitung bedanken, dem Altenburger Kurier, der Stadt Altenburg, dem Landkreis Altenburger Land, die mit mir gut zusammen gearbeitet und die vielen Jahre auf „exklusive Nutzungsrechte“ verzichtet haben – seitdem es möglich wurde durch den Sieg der Friedlichen Revolution.

Es hat auch Spaß gemacht, als Erwachsenenbildner und Jugendpfarrer das eigentliche Anliegen des Herbstes 89 in einem Detail zu verwirklichen: Öffentlichkeit herstellen. Für Kirche und Theologie buchstabiert: „Auf dem Markt predigen“. Ich hoffe, dem geneigten Nach-Leser auch..

Berlin im Rückblick, Himmelfahrtstag 2013

Unmittelbar nach dem gehaltenen Festvortrag „25 Jahre Altenburger Akademie“

Michael Wohlfarth

POLIS

PREDIGT zur Ökumenischen Fürbitte in der Brüderkirche

anlässlich der Konstituierung der Stadtverordnetenversammlung

der Stadt Altenburg nach den ersten freien Kommunalwahlen

in der Geschichte der DDR am 6. Mai 1990

Liebe Gemeinde, liebe Mandatsträger!

Es ist sicher ein gutes Zeichen und wird bestimmt gerade auch von den älteren Menschen in unserer Stadt, die jetzt so unsicher sind, weil die Zeit umbricht,

so verstanden, wenn Konstituierung (sich Zusammenfinden, in den Stand gehen)

von uns als eine Sache angesehen wird, in der wir uns vergewissern müssen:

wo kommen wir her, wo gehen wir hin, wer sind wir, ja auch, wer waren wir.

Was sind unsere Traditionen, was ist unsere Herkunft, wo liegt die Kraft dessen, was wir für wahr halten. Was wir glauben, was wir träumen auch, möchte ich mit sagen dürfen. Wo sind die Grundlagen, nachdem wir den Teppich weggezogen haben (oder ihn weggezogen bekamen), unter dem der Schmutz liegt. – Wir müssen innehalten. Wir werden uns besinnen müssen, damit wir ein wichtiges Stück Stadtgeschichte Altenburgs rückblickend verarbeiten und bewältigen lernen. Trauerarbeit ist angesagt. Gleichzeitig signalisiert dieser heutige Gottesdienst den Neubeginn – mit Gottes Hilfe. Wir wundern uns ja sowieso schon, dass wir soweit gekommen sind in den Wirren dieser geschichtsträchtigen Zeit. – Jesus spricht: „ Der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener.“ – Ich finde, das ist ein gutes Wort aus dem Evangelium . Es ist zu einer Gruppe, zu einer bestimmten Gruppe von Menschen gesprochen, die sich vorher mörderisch gezankt haben, wer von ihnen der Beste und der Größte sei. Aber die sich zusammentun. Was bleibt ihnen weiter übrig? Ein gutes Wort – und dazu ist das Evangelium sicher in die Welt gekommen durch Gottes Willen und gnädige Fügung -, das uns innehalten lassen kann, egal, welcher Gruppe, welcher Partei, welcher Koalition, welchem politischen Lager wir auch angehören mögen. Weil dieses Wort das Unterste zu oberst setzt, weil es uns in Erinnerung ruft, wozu wir alle da sind: zum Dienst. Am Allgemeinwohl, sicher. Der Dienstgedanke ist uns leider abhanden gekommen in all den Jahren. Die Freiheit zum Dienen vor allen Dingen. Ein großer Verlust. Es wurde hohl und hohler, korrupt und korrupter. – Dieses Wort relativiert und lässt die Jungen ebenso zu Wort kommen wie den Chef, den Diener ebenso wie den Herren… Es schafft Spannung, die man aushalten muß. Es entspannt, wo falsche Herrschaftsformen für Unterdrückung und Etiketten-schwindel gesorgt haben. Es macht gelassen. Es bringt Sachebenen zustande, wo Gefühle drohen überhand zu nehmen. Ein großer König in der deutschen Geschichte, die teilweise preußisch geschrieben wurde, hat gesagt: „Ich bin der erste Diener meines Staates“. Wenn er das demütig gemeint hat, ist das sicher etwas von dem, was wir nötig haben, und dann ist es sicher auch christlich und menschlich: beauftragt sein, emphatisch denken, Politik f ü r den anderen machen, nicht meinen Vorteil suchen, sondern der Stadt Bestes. Maßstab für gute Politik ist der Maßstab des Menschlichen. – Gott möge Ihnen beistehen, dem Auftrag Ihrer Wähler nach bestem Wissen und Gewissen gerecht zu werden zu unser aller Wohl, zum Wohl der Stadt, daß das Vornehmste wieder der uneigennützige Dienst ist und die Last der Verantwortung ebenso viele Kräfte des Tragens und Dienens freisetzt. – AMEN.

Friedliche Revolution ist Arbeit und Mut

Die Zeiten, als sich Arbeitsgruppen bei uns in der Brüderkirche in Altenburg trafen, um einen gesellschaftlichen Neuanfang zu wagen, sind m. E. noch lange nicht vorbei. Nur die Menschen sind andere, die Namen – nicht alle – die Ziele sind dieselben geblieben: Erneuerung! Nur die Formen sind vielleicht anders geworden, der Inhalt ist geblieben: Sehnsucht nach einer heilen Welt in einer kaputten Welt. Damals bildeten sich Arbeitsgruppen während der Friedens-gebete. Heute ist das auch noch so. Nur: das Friedensgebet ist unter dem Namen MITTAGSGEBET bekannt geworden. Und die Arbeitsgruppe könnte man nennen: Communität für den Tag, eine Initiative von Senioren für unsere Stadt. Es lohnt sich zu erinnern, um festzustellen: die Formen ändern sich vielleicht, nicht die Inhalte. Jedenfalls nicht die, auf die es ankommt in einem fruchtbaren Leben. Vielleicht meinen das die Juden wenn sie sagen, ERINNERUNG IST ERLÖSUNG. – Wenn ich mir die alten biblischen Geschichten anschaue, merke ich immer wieder, daß es nicht so viel anders ist, als damals, heute! Und ich nehme mich auch nicht mehr so wichtig in meinem Fortschritt, weil ich merke, die Liebe, die Hoffnung, der Glaube waren damals das tragende Lebensmotiv und sind es heute. Damals gab es Liebeskummer, Tod und Sehnsucht nach Vollendung. Und heute auch. Das geht mir nicht nur so mit der Bibel, sondern auch, wenn ich mir eine ausgegrabene Stadt anschaue. Alles da, vielleicht keine Autos. Das war es aber auch schon. So mein Eindruck. Geschichte ist gesund, um seinen Größenwahn aufgeben zu können. Das alles meint das Wort ERINNERN. Ein Sonntag, geneigter Leser und geneigte Leserin, hat für mich deshalb einen besonders schönen Namen. Er heißt REMINISCERE! Er fällt in die Zeit der Leidenschaften, der Passion, der Buße, der Auferstehung. ERINNERE DICH! – Wer sich nicht erinnern will, hat keine Geschichte und damit auch keine Werte für sein Leben, die ihn tragen! Wer sich nicht erinnern kann (nach einem Unfall: unzählige z. T. gute Filme handeln davon), ist schwer geschädigt. Wer eine Zukunft haben will, muß sich erinnern wollen und Gott danken, daß er es kann. Sicher auch das Geheimnis von „DRESDEN“ oder„So weit die Füße tragen“, falls Sie diese Filme gesehen haben. Erinnerung ist ERLÖSUNG? Ja, wir dürfen sogar GOTT daran erinnern, daß er uns Zukunft versprochen hat. Auch das ist ein Teil unserer Gebete im Christlichen Glauben. Und nicht nur sonntags. Einen gesegneten Sonntag mit guten Erinnerungen und Sammeln von Kräften für den Alltag morgen und übermorgen für Sie!

Merken sie, wie unheimlich aktuell die Wende ist. Vielleicht ist sie immer. Auch jetzt. Gerade jetzt. Schlafen Sie gut wegen dem Sonntag und trotz der Wahlen in Amerika. Oder sollten wir WACHEN und BETEN wie Jesus in Getsemani. Eins schließt das andere nicht aus. Im Gegenteil.Sie bedingen sich: Ruhen und wachen! Einen gesegneten Sonntag.

A DIEU

Tschüss(verkürzte Form von A DIEU)

Ihr

Michael Wohlfarth

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„Das Geheimnis des Menschen“

1.

Tief im Wald, im Odenwald.

Wir sind am Donnerstag d. 17. Oktober d. J. (24) von Müggelheim losgefahren mit der Aussicht, am späten Nachmittag in Weiher (Mörlenbach) im Odenwald zu landen. Hauptstraße 123 war eingegeben in das Navi und los ging es.

Das Gerät brachte uns zum Hermsdorfer Kreuz.

Von dort durch meine Kinderheimat Holzland, Wöllmisse, Stadtroda, Tröbnitz, Jena.

Tunnel durch die Jenaer Kalksteinberge. Über uns sozusagen die Silberdisteln.

Dann in’s FREIE.

Thüringen.

Apoldas Glockengießerei, Klöße, Weimar werden angezeigt.

Buchenwald muss nicht angezeigt werden. Der Glockenturm sagt alles. Der Blick ins weite Land. Von da oben. Fritz Cremer.

Die Wächter, die Bauernsöhne damals. Die Familien. Ich kenne sie noch. Andere auch. Oft die sympathischsten. Das ist absurd. Das ist paradox. Das muss ein guter Seelsorger verkraften. Ich erinnere an meine Dienstzeit. Das war die Dienststrecke Altenburg – Eisenach. Befehlsempfang. Oder Widerspruch.

Weimar-Buchenwald. Der Vertrauenslehrer Höcke, jetzt AfD. Als extrem eingestuft. Rechts.

Rechtsextremist.

Ich bin Thüringer, wenn auch im Osten geboren.

Weiter Erfurt, Gotha, die Wirkungsstätte meiner Eltern. Dankbarkeit, dass ich von ihnen die Kategorien gelernt habe, die jetzt ausgestorben scheinen. Die im Kommunismus platt gemacht wurden. Und wir hatten so gehofft, dass sie wieder durch den Beton kommen. Durch den Pfusch der Bauherren, durch Ritzen, die übersehen waren. Wie ein verstreuter Löwenzahn.

Was sagte ein Pfarrer aus Südafrika, der in Eisenach missionieren wollte: ich gehe zurück. Hier ist nur Beton. Ja, hier ist Wissenschaft und Kommunismus. WIKO. ML ist dagegen harmlos gewesen. WIKO heißt Wissenschaftlicher Kommunismus. ML heißt nicht Martin Luther, sondern Marxismus – Leninismus.

Ja, Eisenach. Die Wartburg grüßt von WEITEM. Rechts immer die Goldene Aue. Das katholische Eichsfeld. Meine Brüder, die gegen die Nazis waren. Wie sie auch stand gehalten haben, stand halten konnten (!!!) im Sozialismus deutscher demokratischer Prägung. Ich nehme die Deutsche Demokratische Republik wörtlich gerade. Wie Sie merken.

GRENZE: Hessen. Wir sind schon da. Von Berlin aus gesehen vielleicht.

Frankfurt am Main ist das nächste Ziel. Wir wursteln uns durch – durch das Geflecht der Autobahnen. „Weiter…und immer weiter…“ Wir wollen doch in eine Mühle in den Odenwald.

Auf der Bahn nach Basel werden wir abbiegen und durch einen Tunnel fahren, der uns dann in diesen Wald bringt.

In den Odenwald.

In eine Mühle in Weiher. Seitdem das Große Mühlensterben in den Sechzigern los ging und der Bach verlegt wurde, damit eine Straße gebaut werden konnte als Verlängerung des Tunnels durch den Berg, die dann nach Hirschhorn führt und wenn du willst nach Heidelberg immer am Neckar entlang. Oder umgekehrt weiter hoch nach Neckargerach, wenn du zurück willst, ganz zurück in den Norden, Norden, Norden. Berlin der Moloch, das Babylon.

Nach vier Nächten wollten wir.

Jetzt aber sind wir da und es begleitet uns weiter die Liebesgeschichte von Heloise und Abaelard und dass SIE IHM vor allen Dingen vorwirft nicht zärtlich genug gewesen zu sein. Nur gierig. (Siehe Paulusbriefe zu diesem Thema.). Das ist ihre Philosophie. Die Logik der Liebe, wie Armin Strohmeyr sich rechtfertigt, SIE aufgenommen zu haben in den Kreis der GROSSEN PHILOSOPHINNEN (Titel des Buches).

2.

Davor – noch zu Hause – waren wir bei Kapitel Simone Weil. Die Lehrerin. Die Mystikerin. Gemeindeabend in ML – das ist Martin-Luther-Kapelle/ Uhlenhorst in Treptow-Köpenick, Berlin -Ost.

Auswertung.

3.

Oder – JEANNE HERSCH (1910-2000) – jetzt wieder nach der Rückfahrt in Müggelheim (Berlin). Wer war sie? Die älteste und zugleich Jüngste durch ihr hohes Alter in dem Reigen der 10 Frauen, die der Germanist Strohmeyr bei Piper bescheibt.

Jüdisches Elternhaus. Russland-Polen-Baltikum war die eigentliche Heimat ihrer Eltern. In der Hoffnung, dass Kerenski es schafft aus dem zaristischen Russland eine bürgerliche Demokratie zu machen. Er hat es nicht geschafft, und nach dem Sieg Lenins kehrt ihr Vater sofort um auf seinem Erkundungs- weg nach Russland und wird mit seiner Frau und Kindern nun endgültig in Genf bleiben, die neue Heimat der Familie Hersch in der Schweiz.

Der Traum Heimat Russland oder Polen geht zu Ende mit dem Sieg der Bolschewiki.

Ihre Tochter Jeanne kommt am 23. Juli 1910 zur Welt. In einem gut bürgerlichen Elternhaus.

Sie hätte Pianistin werden können, aber nach dem Abitur 1928 beginnt sie in ihrer Heimatstadt Literaturwissenschaften zu studieren, um schon nach einem Jahr nach Heidelberg zu gehen, um bei Karl Jaspers philosophische Vorlesungen zu hören. Die deutsche Philosophie scheint es ihr angetan zu haben, obwohl ihre Deutschkenntnisse so sind, dass ohne einen Kommilitonen, der gleichermaßen deutsch und französisch spricht, ein wirkliches Verstehen in dieser Zeit kaum möglich gewesen wäre. Eigentlich hat Prof. Jaspers sie in seinem Amtszimmer abgelehnt, als sie kommt und ihn bittet, trotz mangelnder Deutsch-und Philosophiekenntnisse am HEGEL-SEMINAR teilnehmen zu dürfen. In letzter Sekunde rief er ihr hinterher: „Dann kommen sie eben!“- später ist sie Vorsitzende der Karl-Jaspers-Stiftung und übersetzt seine Werke in‘ s Französische.

Sie weiß, was STAUNEN ist und BEGEGNUNG heißt. Sie ist begabt. Über ihre Zeit in Deutschland, als die NSDAP stärkste politische Kraft wurde und 1933 Hitler die Macht ergriff schreibt sie später ein Buch „BEGEGNUNG“, in der sie verarbeitet, was sie umtreibt: Das schlechte Gewissen, dass im Elfenbeinturm der Reinen Lehre es sich so gut reden läßt, wo andere eingesperrt werden, weil sie etwas sagen. Das Ausblenden der Wirklichkeit um sie herum. In einer Zeit, wo deutsche Jüdinnen und Juden schon nicht mehr deutsche Universitäten besuchen dürfen. Sie selber ist ja Ausländerin, die das (noch) nicht betrifft…

…bis zu einem nationalsozialistischen Martyrertag (Albert Leo Schlageter) der Rektor der Universität Heidelberg ein paar Worte sagt, eine Rede hält.

Nach dem Lied:“…wenn das Judenblut vom Messer spritzt, dann geht’s noch mal so gut…“

Der Rektor hieß Martin Heidegger, der Magier unter den Philosophen, den Jeanne Hersch unbedingt hören wollte, nachdem sie 1931 ihr Staatsexamen mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit in Genf absolvierte und in Paris ein Nachdiplomstudienjahr angehängt hatte.

1936 erscheint ihr erstes Buch: Die Illusion – der Weg der Philosophie.

Warum beschreibe ich den Weg dieser Frau bis dahin. Weil sie Bildung ernst genommen hat. Ob als Begleiterin und Privatlehrerin. Sie hält laufende Vorträge zur Geschichte der Philosophie im Rundfunk und ist mit Unterbrechungen in Südamerika und Nordafrika an der ECOL INTERNATIONALE Lehrerin (von 1933 bis 1956) und gibt Französisch, Latein und Philosophie.

Ihre Dissertation Sein und Form (L’etre et la forme) als Schlüssel zur akademischen Karriere an der Universität Genf.

Ordentliche Professorin von 1962 bis zur Emeritierung 1977. Gastsemester weltweit, Direktorin der Abteilung Philosophie der UNESCO in Paris von 1966 bis 1968 (Das Recht ein Mensch zu sein, Aufsätze).

Bei Karl Jaspers hat sie KOMMUNIKATION gelernt. Verstehen gelernt, was er damit meint und jetzt auch sie. Sie bleibt immer im Gespräch mit ihren Schülern und Schülerinnen.

Einen Satz bitte ich zu behalten: Das Geheimnis des Menschen besteht darin, wie er FREIHEIT UND VERANTWORTUNG in Verbindung hinbekommt. Letztlich ist sie nahe Sören Kierkegaard und Bergson. Damit kommt sie für mich auch sehr nahe an einen Theologen, der in der DDR begonnen hat und im Westen zu dem Eberhard Jüngel geworden ist, den viele verehren und zitieren oder sich mit ihm auseinandersetzen: Gott als Geheimnis der Welt.

JEANNE HERSCH war überzeugte Sozialdemokratin vom „Bündnis“ her, dass ihr Vater gegründet hat, um Russen und Polen nicht nur in der Schweiz zu „bündeln“ in ihrem Anliegen und Durst nach Gerechtigkeit und Aufklärung. Nicht mit dem Ziel auszuwandern nach ZION, sondern in dem Europa des 20. Jahrhunderts.

Zionismus war nicht, sondern Existenz hier und jetzt.

Da Stichwort FREIHEIT hat sie mit Hannah Arendt gemein, bringt sie in Position zu Sartre und wird ergiebig in dem fortlaufenden internationalen Gespräch diesseits und jenseits des Atlantiks, in dem sie den Begriff der Kommunikation fruchtbar macht.

Daher das sympathische Offenhalten der Dinge und Aufrechterhalten! Freiheit und Recht, Demokratie und Macht, Tradition und Spontaneität werden in ein solches Verhältnis gebracht, dass es nicht leere Worthülsen werden oder Absurditäten erzeugen, sondern als lebendige Bausteine helfen, die Welt nach dem 2. Weltkrieg aufzubauen. Sie hat dafür segensreiche Ämter übertragen bekommen, besonders die Arbeit im Rahmen der UN hat ihr das Echo gebracht, auf dass sie so gehofft hatte: Dass der Frieden kein Friedhofsfrieden wird, sondern ein Gespräch zwischen den Generationen.

Keineswegs sollte dabei die Wahrheit zu kurz kommen – um des lieben Friedens willen – und wurde nicht ausgeblendet. Das durfte nicht sein. Sie wusste es aus eigener Erfahrung, nachdem sie Philosophie und das Grauen, welches sie erlebte bei einer Feierstunde in der Heidelberger Universität anläßlich des Todestages eines Terroristen in der nationalsozialistischen Bewegung, nicht mehr fein säuberlich trennen konnte, sondern gezwungen war, zusammenzuschauen.

Sie spürte, was da auf sie zukommen musste. Die Macht der Mehrheit. Sie war die Minderheit. Auf der Straße der Judenhass und sie mit ihrer Liebe zu Erkenntnis und Freiheit. In ihrem Roman „BEGEGNUNG“ versucht sie emotional diese Erlebnisse in Erfahrung umzumünzen, die sie tragen und nicht zerstören. „Freiheit ist nicht nur ohne Verantwortung undenkbar, sie existiert auch nicht ohne Wahrheit.“ (Armin Strohmeyr in seinem Buch „Große Philosophinnen“, dem ich das Bekanntwerden mit JEAN HERSCH verdanke).

Das mag der Grund sein, weshalb sie grundsätzlich nicht ablehnend war gegenüber Christlicher Lehre und Dogmatik, sondern sehr wohl um den Charakter der Sukzessive wußte und ihrer bewahrenden Kraft. Besonders die Römisch-Katholische Kirche hat sie nicht als Gegnerin verstanden, sondern als Partnerin. Gerade in der jüngeren Zeitgeschichte, in der sie viel Unsinn entdeckte wegen Übertreibungen, die ihrem Verständnis von Freiheit nicht gerecht wurden, wohl aber in der Lage waren und sind, sie zu kompromittieren.

Die Herkunft ihrer Familie hat sie vor Extremen bewahrt. Der Schrecken und die Heimsuchung, die Vernichtung ihres Volkes haben sie gelehrt, dass es Macht geben muss. Staat und Ordnungen. Gute Mächte, weil es das Böse gibt.

Sie mußte regelrecht um Vergebung bitten, dass es ihr so gut ging während die Familie ihrer Mutter in Polen umgebracht wurde.

Sie war keine gläubige Jüdin und auch keine bekennende Christin wie Simone Weil oder Edith Stein und andere. Aber mein Eindruck ist, dass sie wußte, dass „alles gut war“. Eben die Schöpfung durch die Liebe Gottes. Das hat sie aufrecht erhalten gegenüber dem NICHTS Sartres oder den Verführungen einer totalitären auch sozialistischen Ideologie. „Der Mensch kann der Aufgabe, frei zu sein, nicht entgehen.“ Ihr Credo und ihr Einspruch. Bei allen Enthaltungen im Alter, wenn es zu unsinnig wurde, protestierte sie.

Menschenbild war ihr am liebsten, wenn sie es gesehen hat. In der Kunst. Und auch in der Religion. Das Gottesbild hat sie dabei stehen gelassen und nicht etwa von irgendeinem Sockel gestürzt, den es ja gar nicht gab. Sie war keine Bilderstürmerin, sondern sie wusste um die Bedeutung der Kunst als Vermittlerin. Auch in der Frage nach der Transzendenz, glaube ich herausgehört zu haben.

Ohne Kontinuität und Überhöhung fehlt die entscheidende Dimension. Die THEOREIA(griechisch). Die Schau. Weil die Praxis, das SOZIALE gestemmt werden muss.

Es bleibt sein – des Menschen – Geheimnis, wie er es schafft im Gespräch mit Andersdenkenden und Gleichgesinnten dies in Einklang zu bringen: Freiheit und Verantwortung. Letztendlich nur in einer Transzendenz, zu der er verpflichtet ist. AMEN kann man hierzu nicht sagen. Aber DANKE JEANNE HERSCH für den aufrechten Gang in aller Freiheit. Und aller mühseligen Verantwortung.

Berlin-Müggelheim 24.10.2024

Weitere Titel der Jeanne Hersch:Die Ideologien und die Wirklichkeit; Das philosophische Staunen; Der Feind heißt Nihilismus;

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Simone Weil

Vortrag von Margard Wohlfarth, Kulturamtsleiterin in Altenburg/Thüringen 2002

BLOG-Redaktion: Pfr.i.R. Michael Wohlfarth, Berlin

Simone Weil – Vortrag und Gespräch von Margard Wohlfarth, Kultur-und Theaterwissenschaftlerin, anläßlich einer Ausstellung im Spalatingymnasium Altenburg 2002 im 2. Jahr des Bestehens dieser Schule. Gegr. Von Birgit Kriesche (Pädagogin) und Michael Wohlfarth (Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen) und vielen Anderen.

Name der Ausstellung (Friedensbibliothek Berlin):“Die gefährlichste Krankheit ist die Entwurzelung.“(Simone Weil)

Sie ist auch heute abzurufen in der Friedensbibliothek Berlin (Antikriegsmuseum). In Chemnitz wurde sie kurz nach dem Einmarsch der Truppen der russischen Förderativen Republik in die Ukraine gezeigt – anläßlich eines Friedensforums.

Vortrag und Gespräch, Leitung Mi Wo.

Vertretung Michael Wohlfarth

„Wiederholt“ in der Kirchengemeinde Köpenick/Martin-Luther- Kapelle am Mo d.14. 10. 2024 wegen Unpässlichkeit der Verfasserin.

Nach dem Ernte-Dank-Lied „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land“ von Matthias Claudius Begrüßung durch die Leiterin des Gesprächskreises.

Übergabe des Wortes an mich: „Danke für die Einladung meiner Frau in Ihren Kreis und herzliche Grüße von ihr. Aber sie hat mich gebeten, ihren Vortrag, den sie vor über 20 Jahren im Spalatingymnasium zu Altenburg vor der dortigen Lehrerschaft gehalten hat, vorzutragen und bittet um Entschuldigung wegen ihrer Nicht-Teilnahme. Sie ist in Fürbitte bei uns“.

Text der Rede

„Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. – Dieses Gebet enthält alle je möglichen Bitten. Man kann kein Gebet ersinnen,das nicht schon darin beschlossen wäre. Es ist unmöglich, es einmal zu sprechenund dabei auf jedes Wort die ganze Aufmerksamkeit zu richten, ohne daß in derSeele eine vielleicht unendlich kleine, aber tatsächliche Veränderung bewirkt wird,- so kommentiert Simone Weil das Gebet Jesu, unser Gebet.

Wir haben uns heute versammelt, um uns eine Ausstellung zu erschließen, die wundervolle Fotos enthält, die die ganze Welt, alles Leben umfassend darstellen –Landschaften, Menschen etc. – in großer Eindrücklichkeit und Schönheit bei allemRealismus, bei aller kritischen Distanz unmittelbar den ganzen Kosmos derSchöpfung ausschreiten. Sie zeigen Gutes und Böses, Freude und Unglück.

Es sind Fotos bekannter Fotografen aus dem vergangenen Jahrhundert.Sie umschließen Texte von großer Bedeutsamkeit, Gedanken, Zitate, Aufzeichnungen einer bedeutenden Denkerin, Philosophin – Simone Weil.

Ich weiß nicht, ob Ihnen der Name schon einmal begegnet ist:an der Berliner Humboldt-Universität kam er nicht vor. Natürlich hätte ich auf ihn treffen können bei kritischer Beschäftigung mit bürgerlichen Philosophen,mit Häretikern der marxistischen Ideologie, oder denen, die nicht so recht einzuordnenwaren wie z.B. Walter Benjamin. Der war auch Jude und auch schon tot aber er hattenicht den Makel, ein Mystiker zu sein, wie Simone Weil eine Mystikerin wurde und war…. Simone Weil gehört zu den bedeutenden jüdischen Philosophinnen des ausgehendenJahrtausends neben Rosa Luxemburg ( 1871 geboren), Edith Stein (1891 geboren) undHannah Arendt (1906 geboren).Von Rosa Luxemburg wissen die DDR-Leute wohl alle etwas. Sie war auch so ein Geheimtip unter den Philosophikern und Ästhetikern im Osten und eine Leitfigur der Neuen Linkenim Westen. – Von Edith Stein haben sicher weniger gehört. Sie war Mitarbeiterin des Phänomenologen Edmund Husserl, trat schließlich in den Orden der Unbeschuhten Karmeliterinnen ein, wo sie ihre „Kreuzeswissenschaft“ schrieb, und wurde als Nonne am 2. August 1942 aus dem Echter Karmel – sie war mit ihrer Schwester Rosa nach der Reichskristallnacht aus Sicherheitsgründen von Köln in die Tochtergründung übergesiedelt – deportiert und starb eine Woche darauf in Auschwitz. – Die Heidegger-Schülerin Hannah Arendt (geb. 1906) überlebte in den USA und hat bis zu ihrem Tode 1975 ein umfangreichesphilosophisches Werk verfaßt, das allgemeine Beachtung findet.

Keine der drei Frauen hatte eine rein akademische Laufbahn gewählt. Rosa Luxemburg war vor allem Politikerin. Edith Stein hatte der wissenschaftlichen Arbeit im säkularen Bereich entsagt. Hannah Arendt hatte sich in der Zeit des Dritten Reiches der zionistischen Bewegunggeöffnet und engagierte sich im Widerstand, beschäftigte sich folgerichtig später mit politischer Philosophie, schrieb u.a. über den Eichmann – Prozeß mit dem Untertitel „Über die Banalität des Bösen“. Stein und Arendt waren einem systematischen Philosophieren verpflichtet. –

Wer war Simone Weil?

Sie wurde 1909 geboren – die Jüngste von den Vieren also. Um die Zeit zu verstehen und richtig einzuordnen muß ich mir klarmachen, daß es das Geburtsjahr meiner Mutter ist …. Simone Weil starb mit 34 Jahren. Ihr Leben war erschreckend kurz. Es gab keineKarriere, nicht mal eine abgebrochene wie bei Edith Stein. Eigentlich war Simone Weil„nur“ Lehrerin, Gymnasiallehrerin an verschiedenen staatlichen französischen Schulen, also Beamtin, bekommt Schwierigkeiten, weil sie sich intensivst gewerkschaftlich engagiert, weil sie ungewöhnliche Formen des Unterrichts bevorzugt. – Deshalb gehört diese Ausstellung zweifellos in eine Schule…Ein kurzes, ungewöhnliches Leben, eine ungewöhnliche Biographie, ein ungewöhnliches Gottes-, Welt- und Menschenbild, um die Anliegen der Evangelischen Erwachsenenbildung ins Spiel zu bringen. Ich bin ihrem Namen übrigens erstmals begegnet in unserem neuen Evangelischen Gesang-Buch. Ein Zitat: s.o. – Dann war ich voriges Jahr in Berlin und fand die Information über diese Ausstellung in Form des Zettelpacks mit allen Zitaten aus ihren Schriften, die in der Ausstellung zu lesen sind und dachte, wir müßtendie hier zeigen für uns und andere. Der Begriff der „Entwurzelung“ als Krankheit der menschlichen Seele hatte uns schon – anders gefasst und ohne Kenntnis ihres Ansatzes –in den Jahren des Totalitarismus beschäftigt, den Simone Weil genauso haarscharf geißeltewie die proletarisierende Wirkung des Geldes andererseits. Hinzu kommt, dass das Motto unserer Schule, der 1. Psalm, thematisiert, wie der Entwurzelung zu widerstehen ist, genau im Sinne der Weil. Aber das haben wir dann erst bei der Eröffnung der Ausstellung am 1. September entdeckt!

Ungewöhnliche Pädagogik im Bewusstsein, dass es um mehr gehen muss als um Wissens-Vermittlung und um Erziehung, nämlich um Bildung im weiteren Sinne wurde am Donnerstag an den Schulprojekten Bernhard August von Lindenaus durch Frau Dr. Titz-Matuszak vorgeführt, kompetent und schöpfend aus umfassender Kenntnis der Lindenauschen Biographie. Es tut mir leid, sagen zu müssen, dass ich nicht in der Lage bin, über Simone Weil mit der gleichen Souveränität Auskunft geben zu können, weil ich erst begonnen habe, mich hineinzulesen in ihre Schriften, soweit sie mir im Moment zugänglich waren. Sie wurde in Paris geboren in einer jüdischen Familie, die sich total assimiliert hatte, obwohl die Mutter aus Russland (Rostow am Don) stammte. Aber gerade deren Eltern waren schon Freidenker gewesen. Simone Weil stand der jüdischen Tradition fremd, ja sogar feind-selig gegenüber. Im übrigen ist der Name Weil im Jüdischen so häufig wie der Name Müller im Deutschen. Er führt sich offensichtlich zurück auf Weil der Stadt, so dass ich um Nachsicht bitte, wenn ich den Namen deutsch ausspreche. – Sie wuchs im Pariser Arzthaushalt auf zusammen mit dem drei Jahre älteren Bruder André, der wie sie eine absolute Begabung für Mathematik hatte und diese auch ausbildete. Der Familiensinn war stark ausgeprägt, die Erziehung vorbildlich in einem rein humanistischen Sinne – kein Altes Testament, kein Evangelium, aber die antike Welt und die Märchen mit ihrer klaren Unterscheidung von Gut und Böse „verwurzeln“sich in ihr. Simone ist wieder Bruder ungewöhnlich begabt und schwierig. „Was ihre Professoren beeindruckte, war nicht sosehr das Niveau ihrer Arbeiten als ihre ungewöhnliche Persönlichkeit. Es war unmöglich , von ihrem Charakter nicht beeindruckt zu sein: dieses zwingende Bedürfnis, die Wahrheit zu suchen und sie, wenn sie gefunden war, mit unerschütterlichem Mut auszusprechen, dieses energische Zurückweisen jeden Kompromisses, in kleinen wie in großen Dingen.“ (Cabaud)

Nach Ablegen des Baccalauréats in Philosophie tritt sie in das LycéeHenri IV ein. Das ist eine Mittelschule! Dort setzt sie ihr Philosophiestudium fort bei Émile Chartier, bekannt unter dem Pseudonym „Alain“, dessen Unterricht in der freien Interpretation der großen Denker bestand(Plato, Descartes, Kant, Hegel). „Es kam ihm nicht darauf an, deren doktrinäre Gegensätze zu betonen, sondern die Leben gebende Substanz jedes Denkers zum Ausdruck zu bringen.“ (Cabaud). Diese Methode versucht Weil später selbst zu verwirklichen. Alain gibt die Grundlegung in allem . Bei ihm beginnt die Beschäftigung Weils mit marxistischen, sozialistischen und gewerkschaftlichen Ideen und ihre Positionssuche im Bereich der Religion. Dazu später mehr. Alain will und kann wohl eines: seine Schüler ermutigen ihren eigenen Weg zu gehen und sie dann auch entlassen. Weil tritt 1928 in die École Normale Supérieure ein, die staatliche Ausbildungsanstalt für Gymnasiallehrer. Sie ist eine der vier ersten Frauen, die hier studieren dürfen. Als Studentin gibt sie sich nonkonformistisch, blau strümpfisch, arrogant und radikal. Sie veröffentlicht auf Anregung Alains erste schwerverständliche Artikel, betätigt sich „praktisch“, indem sie Rugby spielt, um ihren Körper zu trainieren, trägt dabei eine chronische Stirnhöhlenentzündung davon,die ihr ganzes weiteres Leben durch schwerste Kopfschmerzen prägt. Sie beginnt, sich aktiv politisch in der Gewerkschaftsbewegung zu betätigen, unterrichtet Arbeiter in einer Art Volkshochschule und verwirklicht und entwickelt dabei Ideen, die auch in der Ausstellung zur Ausprägung kommen.

Das tut sie auch weiter in Le Puy im Département Haute-Loire, wo sie ihre erste Anstellung erhielt. „Ihre pädagogische Begabung grenzte ans Märchenhafte“, schreibt ihr Freund undBiograph Gustave Thibon. „Wenn sie auch die Bildungsmöglichkeiten bei jedermann gern überschätzte, so verstand sie doch, sich jeder Bildungsstufe anzupassen, und ihrem Schüler was auch immer beizubringen.“

Aber ihre Beteiligung an antimilitaristischen und pazifistischen anarchistischen Aktionen stempelt sie zur „Vièrge rouge“ –ähnlich wie ehemals Rosa Luxemburg. Sie tritt für die Forderungen von Arbeitern und Arbeitslosen beim Bürgermeister und im Stadtrat von Le Puy ein und nimmt an Demonstrationen teil. Sie trägt bei Aufmärschen die rote Fahne voran. Es ist die Zeit der Weltwirtschaftskrise und eminenter Arbeitslosigkeit. Im Hause ihrer Eltern trifft sie Leo Trotzki, mit dem sie sich überwirft, weil sie die UdSSR als totalitären Staat nicht für einen Arbeiterstaat hält. In dem Aufsatz „Gehen wir einer proletarischen Revolution entgegen?“ hat sie hellsichtig die Lage in Deutschland vor der Machtergreifung Hitlers analysiert und schonungslos die großen Parteien in Deutschland beurteilt. Ihre Aktivitäten haben zu mehrfacher Versetzung geführt: 1932 nach Auxerre, 1933 nach Roanne/Loire, 1934 nach Bourges. 1934 versucht sie sich, um die wahre Lage der Arbeiter kennenzulernen, als Hilfsarbeiterin in einer Elektrofirma, führt Protokolle über ihre Tätigkeit, erkrankt, nimmt erneut eine Lohnarbeit an, wird arbeitslos, arbeitet auf einem Bauernhof, schreibt philosophische und politische Texte. Geht 1935 nach Spanien, um aufseiten der Republikaner zu kämpfen, erleidet einen Unfall und versucht nach mehreren Klinikaufenthalten 1937 wieder zu unterrichten, was nicht von Dauer ist. Nach Kriegsausbruch geht sie mit den Eltern über die Demarkationslinie. Sie gehört zur Résistance, schreibt und arbeitet ab und an in der Land-Wirtschaft bis zur Ausreise nach Amerika 1942. Von dort nach England, wo sie wegen Spionage-Verdachtes isoliert wird. Ab Januar 1943 arbeitet sie unter Robert Schumann und Louis Clouson für die Forces de La France Libre und möchte als Partisanin nach Frankreich zurück, was ihr wegen ihres jüdischen Aussehens verweigert werden muß. Sie beschließt dann, nichts zu essen, um so den Hungernden in Frankreich nahe zu sein. Vorher hat sie die Hälfte Ihrer Lebensmittelration für ihre Landsleute abgegeben. Im April Einlieferung in ein Londoner Krankenhaus. Feststellung von Lungentuberkulose. Sie stirbt am 24. August 1943 an Herzmuskelschwäche und Auszehrung. Ab 1947 beginnt die Herausgabe ihrer Schriften.Wie ist diese scheinbar chaotische Biographie in Einklang zu bringen mit dem vorhin mitgeteilten Zitat? – Wir ahnen, daß es eine ganz andere Seite Simone Weils geben muß. -War sie schizophren oder „verrückt“, wie Charles de Gaulles meinte?

Wir lesen dazu in der Ausstellung:

Ausgespart blieb bei unserer Betrachtung weitgehend die religiöse Dimension, Ihre Spiritualität. – Weil hat eine in die Tiefe gehende Begegnung mit dem Christentum in einem portugiesischen Fischerdorf, erlebte 1937 eine Anrührung in Assisi in der Kapelle Santa Maria degli Angeli, und hat 1938 in der Benediktiner-Abtei von Solennes eine Christus-Begegnung, die alles das, was in ihr angelegt war – sie sagt, sie habe seit frühester Kindheit den christlichen Begriff der Nächstenliebe gehabt, dem sie den Namen der Gerechtigkeit gab, wie an mehreren Stellen des Evangeliums, und der so schön ist; und sie sagt, der Begriff der Reinheit, mit allem, was dieses Wort für den Christen in sich enthalten kann, habe sich ihrer mit sechzehn Jahren bemächtigt – zweifelsfrei auf Christus hin entfaltete. Ihre Theologie des Kreuzes ist der Angelpunkt aller Überlegungen, die sich auch in dieser Ausstellung finden. Dabei war ihre totale Hingabe ihres Ichs an den Gekreuzigten (keineswegs eine Hingabe an die Kirche) kein Hinderungsgrund für ihre politische Arbeit. Im Gegenteil!

Wir müssen vielmehr alle Äußerungen – auch in der Ausstellung – vor dieser Folie sehen.

Simone Weils philosophisches Werk ist am ehesten der Existenzphilosophie zuzuordnen,am meisten spirituell Sören Kierkegaard verwandt, den Simone Weil vermutlich gar nicht kannte . Kierkegaard unterschied angesichts der aufkommenden Moderne (Technik, Zivilisation, Medien etc.) ästhetische, ethische und religiöse Existenz .Die religiöse Existenz ist für Weil wesensmäßig Grundlage ihres eigenen Denkens und Handelns aber auch ihre Forderung an die Gesellschaft: „Das Höchste ist nicht, das Höchste zu verstehen, sondern es tun“ , sagt Kierkegaard in den Tagebüchern. Dementsprechend hoch und radikal sind z.B. ihre ethischen Anforderungen an Politiker. Das werden wir im ersten Teil der Ausstellung sehen,wo es um die Bedürfnisse der menschlichen Seele geht. – Das Höchste tun, beten, ohne Bedingungen zu stellen und auf Gott warten unter Furcht und Zittern, ob er uns vielleicht trotz allem liebt! Weil sieht sich selbst als Närrin in Christo. Becketts „Warten auf Godot“ ist für mich da eine Verstehensbrücke. – Sie war übrigens ein fröhlicher Mensch!

Weil denkt nicht in Kategorien der Logik, der Soziologie, der Psychologie, auch nicht philosophisch systematisch sondern in Paradoxa. Thibon, Freund und Herausgeber ihrer „Cahiers“ hat einen Katalog von Merkworten aufgemacht, die ihre Notizen umkreisen: Schwerkraft und Gnade – Leere und Ausgleichung – Hinnahme der Leere – Ablösung – Verdrängung der Leere durch Einbildungen – Verzicht auf Zeit – Begehren ohne Gegenstand – Das Ich – Entschaffung – Auslöschung – Notwendigkeit und Gehorsam – Täuschungen – Götzendienst – Liebe – das Böse – das Unglück – Die Gewalt – Das Kreuz – Waage und Hebel – Das Unmögliche – Widerspruch – Der Abstand zwischen dem Notwendigen und dem Guten – Zufall – Der Atheismus als Läuterung – Die Aufmerksamkeit und der Wille – Dressur – Vernunfteinsicht und Gnade – Der Ring des Gyges – Der Sinn des Universums – Metaxy – Schönheit – Algebra – Der soziale Buchstabe – Das große Tier – Israel – Die soziale Harmonie – Mystik der Arbeit.

Das Anliegen der Aussteller aus Berlin (Umfeld ZIONSKIRCHE): Entwurzelung. Dieser Begriff mußte sofort faszinieren gerade heute in unserer Situation wieder, gerade auch Lehrer. Lassen Sie mich vollständig zitieren: „Die E. ist bei weitem die gefährlichste Krankheit der menschlichen Gesellschaft, weil sie sich selbst vervielfältigt. Einmal wirklich entwurzelte Wesen … verfallen entweder einer seelischen Trägheit, die fast dem Tode gleichkommt, oder sie stürzen sich in eine hemmungslose Aktivität, die bestrebt ist, auch diejenigen zu entwurzeln, die es noch nicht oder erst teilweise sind.“ Wir werden erinnert an den Marxschen Begriff der Entfremdung und an den psychologischen Begriff der Diskontinuität bei Max Picard. (Picard sagt, daß früher die Kontinuität die Struktur des Einzelnen und der Welt war im Gegensatz zu heute.). –

Als Zuarbeit zu einer künftigen Verfassung Nachkriegs-Frankreichs formuliert Weileine „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“ als Gegenentwurf zur FranzösischenRevolution mit ihrem Menschenrechtsbegriff, der auf dem Naturrecht fußte. Vorrang vor demRecht habe die Verpflichtung, die nicht auf zufälligen Situationen oder x-beliebigen gesellschaftlichen Spielregeln beruht, sondern ausgeht von den Bedürfnissen der menschlichen Seele (so titelt auch der erste Teil der Ausstellung). Diesen Bedürfnissen wird nicht entsprochen, indem man schrankenlose Freiheit postuliert. Vielmehr tun sich Spannungsfelder auf als da sind Gleichheit und Hierarchie, Gehorsam und Freiheit, Wahrheit und Freiheit des Ausdrucks, Einsamkeit und Intimität und zugleich soziales Leben, persönliches und kollektives Eigentum, Strafe und Ehre, Sicherheit und Gefahr. Wir können diesen Katalog jederzeit ergänzen von unseren gegenwärtigen Erkenntnissen her.

Der zweite Teil der Ausstellung zeigt die Ursachen und Ausmaße der Entwurzelung, die sichals Proletarisierung des Menschen darstellt. Der Mensch, mehr oder weniger ausgestattet mit Geld verliert sein menschliches Gesicht, wird zur Verbraucher. Der „König Kunde“ist eine Karikatur des Menschen, eine Neuauflage des Proletariers, der Karl Marx ehemals so mit Mitleid erfüllte, daß er schließlich eine Gesellschaft postulierte, in der die Bedürfnisseder menschlichen Seele per Gesetz verwirklicht werden sollten. Was dann auch Hitler versuchte. (Und Stalin! – d.Red.)

Der Totalitarismus ist die andere Seite der Medaille. Hellsichtig hat Simone Weil erkannt, daß der Sozialismus darauf aus war, den Proletarierstand nicht zu beseitigen, sondern auf die Gesamtheit der Menschheit auszudehnen, d.h. – die Seelen im Namen einer Ideologie zu töten oder gefügig zu machen. Geld, Kollektiv, Meinung, Medien, Mode -, in ihnen dient die Masse Mensch dem Großen Tier, von dem schon in der Offenbarung und in Platons „Politeia“ die Rede ist. Die Entwurzelung mündet im Götzendienst, in knechtischer Gesinnung und ist das größte Unglück, weil es Gut und Böse nicht mehr zuläßt, d.h.es läutert das Böse, indem er das Grauen davor beseitigt. Wer ihm dient, dem scheint nichts mehr böse oder dem darf zumindest nichts mehr böse erscheinen, außer den Verfehlungen im Dienst.“

Teil 3 der Ausstellung: Die Einwurzelung

Folgende Bedürfnisse sind zu erfüllen, damit die menschliche Seele einwurzeln kann in ihren natürlichen Lebensbereichen, die keine Nischen sind, sondern öffentlich und allen zugänglich: das Vaterland, die durch Sprache, Kultur, eine gemeinsame geschichtliche Vergangenheit, durch den Beruf, die Heimat definierten Lebensbereiche. Verbrecherisch ist alles, was ein menschliches Wesen entwurzelt oder es verhindert, Wurzel zu fassen. Kriterien sind Brüderlichkeit, Schönheit, Freude, Glück. –

„Wer auch immer eine gleichviel wie beschaffene Macht – eine politische, administrative, richterliche, ökonomische, technische, geistige oder sonstige Macht ausübt oder auszuüben wünscht, sei gehalten sich zu verpflichten, diese Verpflichtung zur praktischen Regel seines Verhaltens zu nehmen.“

Ich schlage vor, dass Sie die Texte der Weil nicht zu Gegenständen erkenntnistheoretischer Überlegungen machen. Lassen Sie sie durch sich hindurchgehen. Meditation ist hier angesagt, vielleicht eine Betrachtung unter den Aspekten der Bitten des Vaterunsers, das Simone Weil als einzig notwendiges weil von Christus vorgeschlagenes Gebet durch definiert und für sich akzeptiert hat. Und lesen Sie dann vielleicht darüber hinaus das, was hier zugänglich ist.

Die Gefahr besteht, daß man die Texte instrumentalisiert. Z.B. könnte man bestimmte Äußerungen synkretistisch deuten und meinen, Weil wolle die Religionen vermischen – ein beliebter Zug unserer Zeit. Im Grund meint sie doch aber, daß jeder seinen eigenen Christus finden muß aus seiner Tradition. Aber er ist der Weg , die Wahrheit und das Leben. Er ist die Tür. Wohin? – Das Kreuz ist der Ort des Heils und Grund der vollkommenen Freude ohneWissen um die Zukunft, die uns zu entschlüsseln versagt ist. Das Kreuz ist unsere einzigeHoffnung. „Kein Wald bringt solchen Baum hervor, mit dieser Blüte, diesem Laub und dieserFrucht.“ (Crux fidelis, inter omnes/Arbor una nobilis,)/Nulla talem silva profert/Fronde, flore, germine … – Venentius Fortunatus). Nur dadurch wird Einwurzelung letztlich wirklich möglich.

In diesem Sinne noch ein letztes Wort zur Lehrerschaft, ein Hinweis nämlich auf die verwendete Literatur. Ich selbst bin noch lange nicht fertig mit der kleinen Auswahl Weilscher Texte, die ich im Buchhandel erwerben konnte. In der Reihe Klassiker der Meditation bei Benziger ist eine Sammlung wichtiger Schriften erschienen, die ich Ihnen sehr empfehlen möchte. Sie finden da wichtigste Traktate, unter anderen die Studie für eine Erklärung der Pflichten gegen das menschliche Wesen (Anstoß zur Ausstellung) aber vor allem die „Betrachtungen über den rechten Gebrauch des Schulunterrichts und des Studiums in Hinblick auf die Gottesliebe“, entstanden 1942.

Empfehlen möchte ich auch die wirklich gute rowohlt-Monographie von Angelica Krogman“.

Altenburg, d. 16. September 2002

Ende des Vortrages, Gespräch und abschließendes Gebet mit Segen.

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Simone Weil

Zitate über Gott

Zwei Gefangene, deren Zellen nebeneinander liegen, kommunizieren miteinander, indem sie an die Wand klopfen. Die Wand ist das, was sie trennt, aber sie ist auch ihr Kommunikationsmittel. So ist es auch mit uns und Gott. Jede Trennung ist eine Verbindung.“ 

„Nur das Unmögliche ist für Gott möglich. Das Mögliche hat er der Mechanik der Materie und der Autonomie seiner Geschöpfe überlassen.“ „Wir können nur eines über Gott wissen – dass er das ist, was wir nicht sind. Unsere Erbärmlichkeit allein ist ein Bild dafür. Je mehr wir es betrachten, desto mehr betrachten wir ihn.“ 

„Im Verhältnis zu Gott sind wir wie ein Dieb, der in das Haus eines gütigen Hausherrn eingebrochen ist und einen Teil des Goldes behalten durfte. Aus der Sicht des rechtmäßigen Besitzers ist dieses Gold ein Geschenk; aus der Sicht des Einbrechers ist es ein Diebstahl. Er muss gehen und es zurückgeben. So ist es auch mit unserer Existenz. Wir haben ein wenig von Gottes Wesen gestohlen, um es zu unserem zu machen. Gott hat uns ein Geschenk daraus gemacht. Aber wir haben es gestohlen. Wir müssen es zurückgeben.“ 

„Die Welt ist die Sprache Gottes zu uns.“ 

„Wir müssen alle Tatsachen lieben, nicht wegen ihrer Folgen, sondern weil in jeder Tatsache Gott gegenwärtig ist.“ 

„Wenn wir Gott sein Verbrechen gegen uns vergeben, das darin besteht, dass er uns zu endlichen Geschöpfen gemacht hat, wird er uns unser Verbrechen gegen ihn vergeben, das darin besteht, dass wir endliche Geschöpfe sind.“ 

„Wir können keinen einzigen Schritt zum Himmel machen. Es liegt nicht in unserer Macht, uns in vertikaler Richtung fortzubewegen. Wenn wir aber lange in den Himmel schauen, kommt Gott und nimmt uns auf.“ 

„Inmitten des Abgrunds der Verzweiflung leuchtet der Glanz Gottes am hellsten und bietet dem müden Geist Trost und Hoffnung.“ 

„Das Streben nach Gott verkörpert ein Streben nach Bedeutung, ein unerschütterliches Streben nach Transzendenz in einer Welt, die durch materielle Grenzen eingeschränkt ist.“ 

„Wenn wir die Wunder der Schöpfung betrachten, erhaschen wir flüchtige Blicke auf die Großartigkeit von Gottes Kunstfertigkeit, die durch die Jahrhunderte hindurch widerhallt.“ 

„Gott zu begreifen bedeutet, die gesamte Existenz zu umarmen und sich der göttlichen Gegenwart hinzugeben, die sowohl das Innere als auch das Jenseits durchdringt.“ 

„In der Stille der Selbstbeobachtung begegnen wir den geflüsterten Äußerungen Gottes, die durch die Korridore der Seele widerhallen.“ 

„Gottes Liebe ist die ewige Quelle allen Mitleids, die unaufhörlich fließt, um die Herzen der Menschen zu erheben und zu erlösen.“ 

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Tagebuch

1.

Landsberg heißt jetzt Gorzow und das Wort Berg kommt auch in dem jetzigen Namen zum Tragen. Die Berge nach Norden hin. Von der Warthe aus gesehen. Landsberg an der Warthe. So steht es in meinem Personalausweis. Stand in der DDR. – Ich dachte immer, ich bin ein Flüchtlingskind. Aber das stimmt nicht. Meine Mutter ist auf Anraten meines Vaters vor meiner Geburt nach Mitteldeutschland gezogen, nach Thüringen, in ein Dorf bei Jena, Kreis Stadtroda: Mörsdorf. Dort war ein Großonkel von mir Pfarrer und in dem Pfarrhaus war noch Platz. Allerdings ist sie dann zurück zu ihren Eltern in die Stadt, in der sie ihre Jugend verbracht hat. Ich bin in einer Privatklinik unweit von der Wohnung meiner Großeltern mütterlicherseits in Landsberg an der Warthe in der Neumark, jetzt Polen, geboren worden.

Nach der Taufe, als der 2. Weltkrieg immer näher kam, fuhr meine Mutter mit mir zurück in ihre Wohnung in Ostthüringen. Meine Großmutter Theodora Arter begleitete uns. Fuhr dann aber zurück zu ihrem kranken Mann Dr. Friedrich Arter, meinem, unserem Großvater mütterlicherseits.

Ich habe noch 7 Geschwister.

Also Gorzow. Das Hotel, um welches es geht, steht in der Nähe der so genannten Freiheitsglocke, gespendet von der AG Landsberg mit der ich auch assoziiert bin. Wir haben zu meinem Geburtstag dort unseren ersten HALT gemacht, als er wir unsere Stadtwanderung unternommen haben in Richtung Warthe und darüber hinaus. Ein großer Platz, auf dem auch die Vereidigungen der Armee vorgenommen werden unter Teilnahme der Bevölkerung. Eine Brigade ist ganz in der Nähe stationiert und legt großen Wert darauf, dass es eine Voksarmee ist und bleibt. Zur Vereidigung in diesem Jahr, ausgerechnet in der Zeit unseres Familientreffens, strotzt die Großstadt nur so von Panzern, schwerem Gerät und Mannschaftswagen aller Art. Der evangelische Geistliche erzählte uns Einiges darüber nach dem sonntäglichen Gottesdienst in seiner Kapelle auf dem ehemaligen Friedhof der deutschen Stadt, jetzt KOPERNIKUS-PARK.

Das Hotel ist nur ein paar Straßen entfernt von der ehemaligen Steinstraße in Landsberg an der Warthe, in dem meine Großeltern mit ihrer Familie gewohnt haben, nachdem Großvater Arter in Landsberg sich als Rechtsanwalt nieder- gelassen hat. Die Kanzlei besuchten wir ebenfalls en tour am Sonnabend dem 6. Juli anläßlich meines 80.*Tages, weswegen der Familienausflug geplant worden war. Bevor wir über die Brücke gingen und das Stadtmuseum in Augenschein nahmen. Leider hat einer der Nachfolger meines Großvaters aufgegeben oder sich einen anderen „Stellplatz“ gesucht. Jetzt ist das Ganze unkenntlich bis zum geht nicht mehr. Nebenan ein SEXSHOP im katholischen Polen. Die Kathedrale oberhalb der Gasse lässt grüßen mit dem Bischof vor der Tür, überlebensgroß in Bronze gegossen wegen SOLIDARNOSC. Die Kathedrale heißt Marienkirche und ist größer als die Marienkirche in Berlin.

Es gibt viele Orte zum HALT MACHEN, zum Stillehalten und der Besinnung.

ZUM GEBET.

Es ist ein geschichtlicher Ort für unsere Familie. Ein bedeutender Ort, weil meine Großmutter von hier aus floh, mitten hinein in die sowjetischen Truppen, die schon längst weiter waren als sie und Freunde, die die Stadt dramatisch verließen mit schwerem Herzen.

Einem Pfarrer soll hier ein Denkmal gesetzt werden. Pfarrer Grün, der bis zuletzt gewartet hat. Er hat die letzten Beerdigungen vorgenommen. Er hat sich einen Wagen genommen mit dem Kutscher und die Toten zum Friedhof auf den gegenüberliegenden Berg gefahren, um sie in Würde zu beerdigen. Mein Großvater wurde dorthin gelegt, wo schon mein Onkel Friedrich lag, um auf den Auferstandenen und zum Himmel Gefahrenen zu warten, wenn er wiederkommt auf die Erde, um zu richten die Lebenden und die Toten. Sie zu sich zu nehmen als die Gerechten und Ungerechten. In das Licht und die Finsternis.

Es sind Menschen gekommen, die Dr. Arter geholfen haben in seiner Krankheit, die ihm Nahrung gebracht haben, um zu überleben. Es gab dankbare Menschen, die bezeugt haben, wie ihnen der RA geholfen hat im nationalsozialistischen Staat: Juden und Jüdinnen; Männer und Frauen der bekennenden Kirche.

Der ehemalige Bürgermeister von Hohensalza vor dem 1. Weltkrieg und kurz danach, als seine Tochter Annemarie eine Kugel traf im polnischen Aufstand; der ehemalige Bürgermeister von Pößneck in Thüringen (meine Mutter Angela wurde dort geboren) war ein sozial denkender Mensch, der in beiden Städten dafür gesorgt hat, dass dort menschenwürdig gewohnt werden konnte. Zusammen mit seinem Partner, dem bekannten Architekten Heinrich Tessenow, der dem Bauhaus nahestand.

Als die Russen kamen und Landsberg als Festung, die von niemandem verteidigt wurde, niederbrannten, dort plünderten und vergewaltigten, kamen sie auch in die Wohnung in der Steinstraße und nahmen ihre Mützen ab, wenn sie zu VÄTI geführt wurden, der krank darniederlag. Nur die Uhren nahmen sie mit. Sonst taten sie niemandem etwas. Das Kreuz meiner Großmutter hat ihnen Respekt eingeflößt. Und sie bekamen Achtung vor den Verlierern, die sie gerade dabei waren zu demütigen. – Was ist endgültig, frage ich heute im September 1924 am Ostrand Berlins, 80 Jahre danach. Wärend der Krieg im Osten der Ukraine tobt.

Allerdings belegen Briefe, die meine Schwester Christine gefunden hat und aufbewahrt, wie aktiv unsere Großmutter auf den Krieg reagiert hat. Sie hat die Mädchen mit Kohle schwarz angemalt und im Keller versteckt, in Schränken. Sie ist von Haus zu Haus gelaufen und hat Mut gemacht.

Landsberg/Gorzow- jetzt Großstadt, damals eine Mittelstadt vergleichbar von der Größe her mit Altenburg in Thüringen, wo ich 20 Jahre als evangelischer Pfarrer mit meiner Frau Margard zusammen gearbeitet habe.

Eine brandenburgische Mittelstadt, um mit Ausdrücken von heute zu agieren.

Ich habe diese Stadt besucht nach meinem Geburtstag am 18.6.24, den ich in der Müggelheimer Kirche und im Cafe gegenüber gefeiert habe mit Berliner Freunden und Bekannten, mit unserem ältesten Sohn aus Stepfershausen in der Rhön und Max, dem Abiturienten, seinem Sohn, meinem ersten Enkel; meinem Berliner Bruder Ehrenfried und seiner Frau Anita, Anne-Katrin, der Tochter meiner Cousine Anneliese, Therese, der Tochter meiner Cousine Renate.

Frau Pfarrer Schwedusch-Bishara wollte es so, dass es einen richtigen Gottesdienst gibt mit Segenspenden mitten in der Gemeinde, die auch zahlreich erschienen war.

Mein Sohn meinte aber, nun müßte ich aber doch nach Gorzow fahren, um von Angesicht zu Angesicht zu klären, ob unsere Anmeldung und anschließende, fast ausschließlich einseitige Korrespondenz zum Familientreffen Früchte getragen hat und wir vom 5.- 7. Juli wirklich willkommen waren im Hotel GRAZJA.

Ich habe das gemacht, bin vorbeigefahren an dem Delta der Warthe zur Oder hin. Allerdings seit Längerem kein Wasser zu sehen. Trocken gelegt? Die Waldstrecke, neue Straßen mit Kreiseln und wieder Gorzow in Sichtweite. Irgendwo davor Lagerung. Fettbrote oder so ähnlich. Alles in solo. Ankunft gegen Mittag. Stellplatz wieder neben der Freiheitsglocke, die ich zuletzt erlebt habe im Januar des vorherigen Jahres mit der AG Landsberg zusammen. Von daher kannte ich das Hotel und war begeistert vom Schwimmbad mit fitness.

Die Telefonnummer großartig angebracht über dem Eingang, der über ein Brückchen führt wegen dem Bächlein, an dem meine Cousine Renate angeblich vor und nach dem Kindergarten gespielt hat, als sie mit ihrer Mutter mit in der Wohnung meiner Großeltern wohnte. In Kriegszeiten. Ja, dort gab es Enten, die entweder in den Parks herumgeisterten oder schwammen und tauchten.

Ankunft an der Theke. Alles gut, alles gut. Viel mehr war nicht und die Bitte, sich an den und den zu wenden an dem Familienwochenende, weil der Manager, er selber, da Urlaub hat. Also doch eine Information und die traurige Erkenntnis: DDR-Bürger. Hinterwald. Osten. Null, Null, Null. Die Zahlenreihe. Algorithmus. 00 Polen, Hotel. Ein Lustspiel sondergleichen. Also nach Hause. Nicht einloggen, möglichst über NORDEN, nicht weiter nach OSTEN wie im vorigen Jahr, als meine Frau und ich nach der Anmeldung keine Lust hatten sofort nach BERLIN zu fahren.

Sondern nach Danzig.

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1.Sonntag im Herbst 24

Am ersten Sonntag im Herbst 24

Wenn ich in Israel gereist bin, habe ich immer gehört: die christliche Welt. Damit meinte der israelische Lotse die Welt aus der wir kamen, die Christliche Welt. Ja, diese unsere Welt ist durch das Christentum das geworden, was sie ist mit ihren Idealen:Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Das sind die leuchtenden Begriffe dieser Welt, Europas. Hoffentlich nicht nur Leucht – Reclame, sondern wirklich die Kraft und die Stärke derjenigen, die getauft sind und versuchen ihren Glauben zu leben, um danach die Welt, ihre Welt, ihre Beziehungen zu gestalten.

In unserem für heute vorgeschlagenen Predigttext lesen wir:

Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt (damit) Christus angezogen (wie ein Taufkleid).

Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau;denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.

Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Kinder und nach der Verheißung Erben.

1.Da bin ich gleich wieder im Bus, der durch Israel fährt und höre Chanan (Hans), der überlebt hat in einer holländischen Familie, als Nazi-Deutschland Holland besetzt hat.

Christliche Welt.

Die Welt auch Abrahams.

Denn wir sind ja auch Abrahams Kinder, wie die Juden und Muslime.

Ja – und dann ist auch die Welt Israels nicht unchristlich.

Bestimmt nicht, weil wir deswegen ja dort sind.

Wegen dem Christus, auf den ich getauft worden bin von meinem Vater im Fronturlaub im damaligen Landsberg an der Warthe in der brandenburgischen Neumark. Im Wohnzimmer meiner Großeltern mit Wasser aus der Silberschale, die jetzt auf der Kommode steht zu Hause bei uns hier in Müggelheim in der Philipp-Jacob-Rauch-Strasse.

Jüdisch-Christliche Tradition.

Wir warten, dass ER wiederkommt. Unsere jüdischen Brüder und Schwestern warten, dass ER kommt. DER MESSIAS.

Wir warten nach der Schrift. Wir warten nach der Verheißung.

Nach der Verheißung, nach der Zukunft: Als Erben sogar, als Erben des Reiches Gottes. Als Söhne und Töchter Gottes in Christus.

Reich Gottes, welches schon hier beginnt, wenn wir uns als Brüder und Schwestern nahe sind und aus einem Kelche trinken, von einem Brot essen, dem Brot des Lebens. Die familia DEI, die Familie Gottes s i n d.

2. Warum betont Paulus zum Schluss seines 3. Kapitels im Galaterbrief in den Versen 26 – 29 so vehement (noch einmal lesen s.o.- je nach Situation) die Einheit der Christen.

Die Ökumene?

So sehr?!

Die Einheit der Kirche, an die wir glauben in unserem Glaubensbekenntnis, auch in diesem Gottesdienst?

Und wo liegt denn eigentlich Galatien? Und wer sind die Galater?

Sie lebten in Zentral–Anatolien, in dem Gebiet der heutigen Türkei. Paulus war mehrmals in der Gegend rund um das heutige Ankara herum, Kleinasien. Zuerst ging er als gebürtiger Jude bei seinen Missionsreisen immer in die Synagogen und hat das Evangelium von Jesus dem Gekreuzigten und Auferstandenen dort gepredigt.

Mit Erfolg.

Die jüdischen Gemeinden waren im damaligen Sinne auch weltweit verstreut. Als Diaspora. Die Welt war multikulturell. Aber nicht nur Juden hat er getroffen, im Gegenteil; er war der sozusagen patentierte Heiden-Missionar und bekam durch die differenzierte Zusammensetzung der Gemeinden die Fragen Jude oder Heide, Mann oder Frau, welche Religion auch immer, Sklave oder Herr „auf den Tisch, die er beantworten musste. Menschen, die Verantwortung tragen müssen Fragen beantworten, sonst sind seine Gemeinden in Gefahr, die er begründet hat mit seinen Mitstreitern. Und er wird immer wieder die Begründung für seine Antworten mitliefern. Für seine Verantwortung: Eins in CHRISTO.

3. Im Einzelnen: Die bekehrten Juden meinten, ihre jüdischen Gebräuche seien heilsnotwendig auch wenn sie an Jesus Christus als Heiland der Welt, als Messias und Erlöser glaubten. Und die Heiden (Ethnes), also Nicht-Juden müssten diese Sitten mit annehmen und praktizieren wie sie. Und ihre Sitten und Gebräuche ablegen.

Kernthema: Beschneidung.

Paulus zu den bekehrten Heiden: Ihr müsst nicht mosaisch werden.

Paulus zu den Juden: Ihr sollt Juden bleiben, aber ihr dürft die anderen nicht nötigen, erst Juden zu werden, damit sie Christen werden können.

Abraham ist unser Kronzeuge. Er ist durch den Glauben ABRAM zu ABRAHAM geworden, zum Vater des Glaubens und ihm sind durch den G l a u b e n und nicht durch die Einhaltung irgendwelcher jüdischer Rituale die Verheißung, die Zukunft zuteil geworden, die auch unsere Verheißung und unsere Zukunft ist.

4. Wie schön wäre es, wenn auch wir in unseren Streitigkeiten zuerst das sehen, was uns verbindet und nicht das, was uns trennt. Im Gemeindekirchenrat, in den Konventen. In der Ökumene, wo orthodoxe, römische und protestantische Christen sich begegnen.

Wie schön wäre es, wenn wir unsere Traditionen und Denkschulen positiv einbrächten und nicht zu Grenzzäunen machen.

Sondern uns freuen, wenn uns „die andere Seite“ die Schönheit ihres Glaubens zeigen.

Wie schön wäre es, wenn der Glaube an den einen HERRN Vereinnahmungen ideologischer Art und Weise überflüssig macht.

Dann ist der Glaube an Jesus wirklich revolutionär, weil er den Grund legt nicht für die Gerechtigkeit für mich alleine, sondern für die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.

Zur Freiheit für die tätige Liebe aus Glauben ruft er die Galater auf.

Ein zänkisches Bergvolk, keltischen Ursprungs,wie ein Ausleger bemerkt.

Schenke es Gott uns allen, dass unser Glaube an Jesus nicht erstickt wird in den Dornen des Alltags, sondern Früchte des Geistes tragen wird, die der Apostel zwei Kapitel weiter benennt:Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte. (Kapitel 5, 22).AMEN

Mit freundlichen Grüßen

Michael Wohlfarth

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Gemeindeabend Ostkirche – ein Nachtrag.

Die Pfingstkirche ist die größte aller christlichen Kirchen und die, die am meisten wächst. Die charismatische Weltbewegung war die Antwort auf die Geistvergessenheit in den Kirchen. Selbst die Berliner Mauer und der ungarische Stacheldraht konnten sie nicht aufhalten im Kalten Krieg. Pfingstkirche heißt nicht unpolitisch sein. Im Gegenteil. In Südamerika und Afrika bemühen sich Regierungen und Parteien, Impulse dieser Bewegung aufzugreifen. Oder auch abzuwehren. Wobei „links“ und „rechts“ infrage gestellt werden. Pfingstkirchen sind in Mega-Städten zu Hause, damit sie ein zu Hause werden. Das ist ein Anspruch, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Die charismatische Bewegung ist gleichermaßen in der katholischen Kirche zu finden wie auch in der lutherischen. Sie bewegt sich unabhängig von den Lehren zum Heiligen Geist, die die jeweiligen Kirchen vertreten. Die charismatische Bewegung ist keine Denkschule und verkörpert keine Traditionslinie im herkömmlichen Sinn.

Die Charismatische Weltbewegung macht deutlich, die Pfingstkirchen machen es deutlich, dass es mit der Theologie des Heiligen Geistes nicht um Formeln geht, die man eigentlich genauso gut vergessen kann und man höchstens froh war, sie ansagen zu können, wenn man danach gefragt wurde z.B. in einem theologischen Examen. – Aber auch schon in einem landeskirchlichen und akademischen Kontext wird deutlich – im Koexistieren verschiedener Religionen – , dass es eine große Täuschung ist, zu glauben, nichts vom Heiligen Geist wissen zu müssen und nichts von der Lehre der Trinität im christlichen Glaubensbekenntnis. – Mir sehr erinnerlich Bischof Bedford-Strohms Bemerkung in multikultureller Absicht, damals leitender Bischof der EKD: Fragen Sie einen Christen, eine Christin über das Wesentliche des christlichen Glaubens. Meinen Sie, sie bekommen zu hören: Die Trinität? – Zitat Ende.-

Im Gegenteil, innerhalb der monotheistischen Religionen, der abrahamitischen Religionen, ist es um der Redlichkeit Willen wichtig die Dogmatik der eignen Religion zu kennen.

Gott schenke es, auch zu glauben.

Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Die alten Kirchen hatten das Glaubensbekenntnis bezüglich des Heiligen Geistes, dass er gleichermaßen vom Vater ausging wie der Sohn, Christus, selber. Dieser Satz wurde im Osten der Kirche betont und weiter getragen in die Geschichte, bis auf einmal der Zeitpunkt gekommen war, dass es zwei Sätze gab: Die Herkunft des Geistes ist als vom Vater zu beschreiben. Die Herkunft des Geistes ist als vom Vater u n d dem Sohn zu beschreiben. Den ersten Satz betonte so die Kirche des Ostens. Bis sie es aufschrieb als Dogma für sich. Den zweiten Satz betonte die Kirche des Westens. Bis sie es aufschrieb für sich und ihr Selbstverständnis und dann auch als Machtanspruch.

DAS ABENDLAND. Die Trennung nannte man folglich DAS MORGENLÄNDISCHE SCHISMA. DER ZEITPUNKT EINTAUSENDVIERUNDFÜNFZIG (1054) ! Siehe dazu das Nicaenische Glaubensbekenntnis in unserem Gesangbuch. Dort wird es ganz deutlich. Nicht im apostolischen Glaubensbekenntnis, dass wir meistens im Gottesdienst beten und damit Gott loben.

Heute hat man den Eindruck, dass das alte Schisma wirksamer ist als das neue: Die Trennung in römisch/katholisch und evangelisch/protestantisch.

Der Osten und der Westen. Im sogenannten Kalten Krieg war das viel einfacher zu buchstabieren durch Politik und Ideologie.

Der Osten war kommunistisch. Der Westen kapitalistisch.

Der oberste Seelenhirte der ROK (Russisch – Orthodoxe Kirche) sagt heute nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Krieg in der Ukraine von sich, dass er besser mit dem Islam zurecht käme als mit dem Westen. Der Osten ist orthodox und asiatisch. Der Westen ist demokratisch. Das alte Schisma gewinnt an Bedeutung in der jetzigen Auseinandersetzung zwischen autoritär und liberal. Besonders durch die Führung Russlands unter Kyrill und Putin.

Dogmengeschichte ist also aktuell. FILOQUE: UND DER SOHN, VON DEM A U C H U N D G L E I C H Z E I T I G DER HEILIGE GEIST AUSGEHT. Nicht nur vom Vater. Von Beiden. Wir erinnern uns an Moltmann mit seiner Art von Gruppendynamik zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist. Und indem RUACH als das Weibliche angesehen wird, RUACH, der Geist, der über den Wassern schwebte, als noch nichts passiert ist in der Schöpfung spielt natürlich bei Moltmann das Femininum in seiner Trinitätslehre eine Rolle. Die Sexualität dann ein gefundenes Fressen für jedwede Form der französischen Satire im Ausspielen der verschiedenen Religionen auf französischem Boden. Vielleicht der wirkliche Grund für Kyrill vom Untergang des Abendlandes zu sprechen, des WESTENS. Bestimmt hat er nichts gegen das Johannesevangelium, besonders gegen die Kapitel, in denen sich Jesus verabschiedet von seinen Jüngern und ihnen den Heiligen Geist verheißt als Tröster und Beistand (PARAKLETOS). Damit auch seinen Geist, den der Vater und der Sohn sind eins.

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Sprache des Glaubens

Tagebuch: Gestern abend Vortrag und Gespräch zum Thema Ostkirche.

Bitte BLOG Ostkirche aufrufen (Februar 24) und die Ergänzungen bzw. Anhänge lesen, die nötig geworden sind und aufgefallen sind beim Nach-Gespräch und z.T. heftiger Diskussion zum Thema Osten und Frieden. Ich danke für alle Aufmerksamkeit und bitte darum, dass wir nicht in unserem Narzismus verharren, sondern das FEINE, dass wir nötig haben in unseren Beziehungen gesellschaftlicher und privater Natur in der Theologie finden. Allerdings einer Theologie, die nicht die Kirche zersetzt, sondern ihr dient ( Klaus Berger). Kirche verstanden als EKKLESIA, die Herausgerufenen. Einer Theologie, die gebetet wird, wie Wolfgang Lory+ uns sagte auf meinem ersten Konvent in Thüringen (Schmölln).

Dass wir glauben, was wir beten und wir beten, was wir glauben (ein anglikanischer Kollege tief im Sozialismus; Tagung Potsdam, Hermannswerder).

Einer Theologie, die Trost spendet, wie mir eine Schriftstellerkollegin sagte – und empfohlen hat. Einer Theologie eben wie der Spötter Bertolt Brecht trotzdem und vielleicht gerade deshalb wusste: Sie ist das Subtilste. Er hat sie scheinbar geschätzt. Sonst hätte er es nicht gewußt.

Was wissen wir?

Buchempfehlung Erhart Kästner: Die Stundentrommel vom heiligen Berg Athos.

„Endlich keine Theologie. Endlich Glauben.“ – Wandern auf dem Athos.

Evangelisches Gesangbuch Lied 124 für Pfingsten: „Nun bitten wir den Heiligen Geist, um den rechten Glauben allermeist, dass er uns behüte an unserm Ende, wenn wir heimfahrn aus diesem Elende. Kyrieleis.“- Lied zur Handauflegung und Segnung der Konfirmanden in Ostthüringen. – 13. Jahrhundert. Die folgenden Strophen von Martin Luther.