Predigt

Liebe Gemeinde, alles hat seinen Ort.

Zum Beispiel gibt es im Neuen Testament den Ort des Berges, von dem aus Jesus wirkt. Zuerst denke ich da jedenfalls an die Bergpredigt, die berühmteste Predigt der Christenheit überhaupt. Der Berg – der Ort der Seligpreisungen und der Überspitzung all dessen, was wir denken wollen und können: die Feindesliebe. Liebet Eure Feinde steht da tätsächlich im Evangelium des Matthäus. Das haben wir weniger vorgelesen in unseren Fürbittandachten wärend der Friedensdekade des Schicksal-Herbstes 1989. Wir haben die Seligpreisungen gelesen wie auch zum Reformationstag. Feinde gab es nicht. Haben wir gesagt.

Natürlich gab es sie auch, aber wir haben sie nicht so genannt. Aus taktischen Gründen, wenn man so will. Wir wollten ja alle eine Friedliche Revolution, deren wesentlicher Auslöser die vom sozialistischen Staat unabhängige Kirchliche Friedensbewegung war. Eben festzumachen an der DEKADE. Den 10 Tagen für den Frieden. Freiheit war damals auch erst einmal tabu, um keine schlafende Hunde zu wecken. Selig sind die, die Frieden stiften, das genügt. Dachten wir. Und für damals reichte das auch.Es war alles, wenn auch riskant so doch sehr konstruktiv, könnte ich jedenfalls im Rückblick nach 36 Jahren sagen, einem halben Menschenleben.

Und Heute?- heute hier in dieser Kirche zur Eröffnung der Friedensdekade 2025 in Müggelheim?

Der Ort in der Bibel ist ein anderer: ein Feld. Der Berg war zum Ruhe finden, zum Gebet, zur Berufung der Jünger mit Name und Adresse. Aber die Predigt fand auf dem Feld statt. Vielleicht sogar ein weites Feld, vielleicht so groß wie ein Schlachtfeld, oder so klein wie das Stück Land in dem der Schatz liegt um dessentwillen jeder, der es weiss, dieses Feld kaufen würde.- Das muss ein großer Schatz sein. Ist es auch, jedenfalls einBild dafür: Das Himmelreich, die baseleia theou. die mögliche Liebe untereinander im Namen Gottes, des Allmächtigen und Barmherzigen, der die Welt geschaffen hat und sie erhält, wenn wir nach seinen Geboten leben und handeln in der Nchfolge seines Sohnes Jesus Christus.

Es war ein großes Feld, denn viele waren gekommen vom Meer, aus Judä und Jerusalem, sehr viele, denn sie wollten alle gesund werden an Leib, Seele und Geist. Sie wollten ihn berühren, denn von ihm, dem Christus, XRESTOS, ging ein Kraft aus. Das spürten sie. Und die anderen waren auch da, die mit hinunter gekommen waren vom Berg, wo sie sich gesammelt hatten und berufen wurden.

Ja, alle haben die FELDPREDIGT GEHÖRT. Das Feld war der Ort. Das weite Feld. Vielleicht das Schlachtfeld. Oder einfach das Feld auf dem gesät und geerntet wurde. Da werden sie selig gesprochen, die Hungrigen, die Weinenden, die Verfolgten um des Herrn Jesus willen. Sie sollen satt werden, sagt er ihnen, lachen und eine Zukunft haben.

Und dann das, worüber wir nicht gepredigt haben damals vor jeder Demonstration: Liebet Eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen, segnet, die euch verfluchen, bittet für die, die euch beleidigen. Seid so zu den Leuten, wie ihr wollt, dass sie zu euch sind, Haltet die GOLDENE REGEL!

Heute tun wir das. Jedenfalls ich. Sie sicher auch, angesichts nicht nur der Weltlage, sondern angsichts der nächsten Generationen, die auf uns zukommen und die Zukunft haben sollen. In einer Zeit. wo ein tiefer Riss durch die Gesellschaft geht, auch vor den Gemeinden nicht halt macht, wo wir alle den Heiland suchen, der u n s anrührt, damit wir gesund werden an Leib, Seele und Geist. In der Vielfalt der Meinungen, in der Diversität der Haltungen im Leben und im Sterben.

Und damit der Rote Lautsprecher auf dem Plakat der diesjährigen Friedensdekade Worte des Friedens findet und nicht des Hasses, mehr noch, Worte, die in der Lage sind Frieden zu stiften, Verhandlungen zu befördern und nicht zu behindern. Dass der Chor des Friedens anschwillt, nicht zu einem Bocksgesang, sondern zu einem Weckruf, aufzuwachen und bei sich selber anzufangen, Recht zu schaffen, Bitte, Gebet und Fürbitte zu üben, dass wir wieder lernen zu vergeben und nach Wegen des Friedens zu suchen, damit wir leben können.

Der Evangelist Lukas, der Evangelist der Weihnachtsgeschichte, wie wir sie lieben und kennen, legt uns die Worte in den Mund, damit wir mit ihnen beten können und den Dreieinigen Gott anrufen können: Herr erbarme Dich in aller Ungewissheit und gib uns ein feste Herz und einen gewissen Geist. Er bringt uns den Tenor bei, in dem wir reden sollten. Nicht Hetze und Kriegsgeschrei, sondern Barmherzigkeit mit uns selber und mit unserem Nächsten. In der Nähe und in der Ferne.

Dazu helfe uns der Herr über Leben und Tod, der Erlöser von all unseren Sünden, Jeus Christus, der sich um des Friedens zwischen Gott und dem Menschen und den Menschen untereinander dahin gegeben hat und der Heilige Geist, der uns führen wird in allen Lebenslagen, wenn wir ihn darum bitten. AMEN.

Predigt für den 9. November* 2025, Text Lukasevangelium Kapitel 8, 27-38

*Tag der Erinnerung: Novemberrevolution 1918, Progromnacht in Deutschland 1938, Öffnung der innerdeutschen Grenze 1989.

Bellizisten… zwei Kapitel weiter… aus DANACH

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„…Verherrlicher des Krieges“.

„Der Krieg, der Vater aller Dinge“.

„Mein Kampf“. – Ein Stimmengewirr sondergleichen.

Unheimlich.

Das war der wahre Grund, warum der Spezialagent Oliver Thielemann zurückwollte nach Europa, nach Deutschland. Er konnte nicht von ferne zusehen.

Anne teilte seine Ansichten und meinte auch, dass die Deutschen erst noch lernen müssten, sich selber zu bestimmen. „Sie können nicht ihre Interessen definieren“. Das richtet großen Schaden an (von Dohnanyi).

Selbstbestimmung.

Das, was sie dauernd für andere Völker und Ethnien einforderten. Marionetten brauchen wir nicht, sagte sie immer und ihr Mann wunderte sich über seine Frau. Er meinte immer, mit Politik habe sie nicht viel zu tun.

Es klang eigentlich ganz natürlich. Sowohl wie Oliver sich ausdrückte als auch seine Frau.

Anne war wach geworden durch das Erlebnis mit dem Grünen Salon und der Sehnsucht ihres Mannes nach mehr als Business im Rahmen der amerikanischen Möglichkeiten. Vielleicht war es auch eine Sehnsucht nach Heimat und Sprache, die man die Muttersprache nennt. Nicht ohne Grund. Sehnsucht nach der Mutter, die er kaum kannte. Eigentlich gar nicht kennen konnte.

Ein Bodelschwingh-Bild: „Weihnachten ist nach Hause kommen“.

„Die Feste wieder feiern wie früher. Kindheit, Jugend. Karfreitag, Ostern, Pfingsten.

Weihnachten. In der Familie“. So haben sie gesporchen.

Familie? Die kleine Familie. Ja, die haben sie. Anne auch die große Familie. Aber Oliver? Familie, wenn es sie auch gar nicht gibt.„Ist das die Lösung?“„Ja, gerade diese Familie, die es gar nicht gibt, ist die Lösung. Die Weihnachtsfamilie. Maria und Josef. Das Kind in der Mitte. Es ist paradox. Die Paradoxie des Glaubens“. Henry predigt wieder.

„Weihnachten ist, wenn wir nach Hause kommen“. (Friedrich von Bodelschwingh)

„Werden wir ein zu Hause haben. Sind wir eine Familie?“ Das sind die Gedanken von Anne und Oliver.

„Wir gehen zurück“, sagten eines Tages Oliver und Anne zu Lissy und Henry, nachdem sie tagelang und nächtelang über alles gesprochen hatten, was es zu sagen gab.

„Lasst und aufbrechen, nicht in die Zukunft aber dorthin, woher wir gekommen sind“, sagten sie zu sich selber.

Und sie brachen alle Zelte ab, die sie mühsam errichtet hatten, liefen tausend Wege, um an das Ziel zu kommen. Der Arbeitgeber musste überzeugt werden. Die Kollegen besänftigt. Ein paar riefen VERRAT. Aber schließlich soll man Reisende nicht aufhalten, auch wenn sie nur zurückwollen. Bleiben ist etwas anderes. Die Schiffskarten mussten gelöst werden. Sie wollten wieder so gehen, wie sie gekommen waren. Jedenfalls Anne. Oliver nicht. Der flog gerne und wäre auch gern zurückgeflogen. Aber Anne wollte die Wellen des Ozeans.Sie wollte getragen werden. Und Sophie nahmen sie zwischen sich: Engel, Engel: flieg. Das Kind geboren im Staate New York.

Es gibt eine Umkehr. Wie wenn ich auf Gebirgstour bin. Nein kein Gewitter, bei dem ich rennen muss, um eine Hütte zu finden oder den Berg hinunter in das Quartier, wenn das noch geht und dich das Unwetter nicht überrascht hat am Hang. Noch schlimmer am Fels.Es gibt eine Umkehr. Ein besseres Beispiel: Du siehst die Spitzen der Wipfel unter dir und schaust weg, damit du keine Zustände bekommst und die Angst wie ein Habicht über dir kreist. Und dir fällt Sören Kierkegaard ein, der Däne. Du bist tapfer und gehst weiter. Auf dem schmalen Weg. Dann wird es eine Gratwanderung und dir begegnen frohgemute Leute mit ihren Stöcken.Du erkennst dich selber und weißt, in dem Stil kommst du nicht über die Berge.Selbst wenn deine Frau bei dir ist, schämst du dich nicht und kehrst um. Das ist nicht nur eine vernünftige Überlegung.Wer nicht umkehren kann, begibt sich in Gefahr.Er versündigt sich gegen sich selber.

„Risikogesellschaft. Ich möchte nicht grundsätzlich werden. Aber Umkehr predigen, wenn es sinnvoll ist. Und natürlich ist. Keine Gewalt. Auch nicht gegenüber sich selbst“.Dieses waren die Worte des Predigers und Seelsorgers Henry aus Magdeburg, der in Amerika bleibt.

Er hatte sie gesprochen vor der Wende in der DDR. Von der Kanzel. Vom Pult. Niemand hat ihm an der Kirchentür gesagt, dass die Predigt schlecht war. Sie war gut. Das spürte er. Und auch seine Frau, auch aus Magdeburg. Eine Amerikanerin, mit der er dann wirklich auswanderte in die Staaten, nachdem alles vorbei durch die Wende.

Und nun? Die neue Wende, die angekündigt wird durch den derzeitigen Bundeskanzler: der Krieg mit Russland. Russland, einst die große ruhmreiche Sowjetunion, die den Krieg nicht den 2.Weltkrieg nennt, sondern den Großen Vaterländischen Krieg, der aus Popen Jagdflieger und Panzerfahrer machte, denn die die große ROK steht naturgemäß nicht dem Staat gegenüber. Nein, sie ist der Staat, sein innerstes Wesen. In Harmonie, so eine Theorie aus den ersten Jahrhunderten des Christentums. Die ersten Christen waren Orthodoxe. Naturgemäß. In Bethlehem gibt es orthodoxe Christen, schon immer. Die Spaltung kam in der Entwicklung. Ost und West entfremdeten sich. Die einen wurden Rom. Die anderen blieben Konstantinopel, später Kiew und Moskau. Den Bussgang von Canossa kann man sich im Osten nicht vorstellen. Aber in der Lateinischen Welt! Immer.

Im Kommunismus war das auch so? Nein, mehr wie eine Wolke aus der Zarenzeit/Kaiserzeit. Wie eine Vergangenheit, die wirkt… Strukturell ist es aber doch so vorangelegt, auch im Sozialismus. Gerade im Stalinismus, als der Georgier die Kirche, seine Kirche, wiederentdeckte, nachdem er in seiner Datsche von Hitler überrannt wurde an der völlig instabilen Grenze. Da hieß es plötzlich nicht mehr Gesellschaft, sondern Volk. Die Grenzen waren heilig. Der Krieg auch. Und sie gewannen ihn. Die Russisch-Orthodoxe Kirche mit. Es musste den Machthabern sehr schlecht gegangen sein durch den Überfall auf die Sowjetunion. So schlecht, dass die Ehen nicht mehr so einfach aufgelöst werden konnten mit einer Postkarte an das Bürgeramt – würden wir in Berlin heute sagen. Oder an den Dorfbürgermeister.

Und die Kirche hat nur darauf gewartet, wieder ernstgenommen zu werden.Es ging um Tod und Leben. Nicht um gemütliche Nachmittage oder sangesfreudige Gruppenabende. Es ging darum, dass der Staat erhalten geblieben ist. Es ging um Russland – auf einmal wieder. Es ging um die Auferstehung Christi. WOSKRESSENIE. Die Auferstehung Russlands, falls es unterzugehen trachtete durch Selbstzerstörung und Ohnmacht.

Die Auferstehung Polens auch! Weißt Du das? Deshalb waren und sind die Kirchen so voll. Die Auferstehung Süd-Amerikas.

Gerade weil ein Bischof während der Austeilung der HOSTIE aus nächster Kommunikantennähe erschossen wurde im Freiheitskampf. Weißt Du das?

Die Vereinigten Staaten haben sich so herausgebildet in der Großen Erweckung.

Es ging um das, was einen Staat zusammenhält. Was ein Volk ein Volk sein lässt. Eine Ehe eine Ehe.Es geht immer um das EINE Gemeinsame. Sonst geht es nicht. Weisst du das? Haben wir das vergessen?

Ja, wir haben Rilke gelesen und von seiner Reise in das Wohnzimmer des lieben Gottes gehört. Von Barlach. Wir haben Bondartschuks Filme gesehen und geahnt: Die Erde ist Gottes und gehört nie irgendeinem Grundstücksspekulanten. Sonst ist es aus. Die Chöre.Aber die rostigen Schiffe auf den Wellen der Ostsee. Wann gehen sie unter? Die furchtbaren Bilder der Frauen, die vergewaltigt werden, weil Menschen zu Tieren werden und sich Grausamkeiten angewöhnen.Die Bilder des Zweiten Weltkrieges, den die Russen den Grossen Vaterländischen Krieg nennen, damit sie ihn gewinnen konnten.

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Er blieb, Henry. Und konnte gar nicht zurück.

Aber er gab seinen begründeten Segen dem Oliver und der Anne mit ihrem Kind, als sie aufbrachen in die deutsche Vergangenheit, um dort zu bestehen und nicht auseinanderzudriften mit den gegenseitigen Beschuldigungen in ihren gequälten Herzen. Weil ihnen die Heimat fehlte. Die Erinnerung. Henry ihr geistlicher Vater blieb. Sie gingen zurück. Wie auf dem zu hohen Berg und dem zu schmalen Grat. Es war eine Frage des Überlebens.

Henry hatte in einer seiner Predigten das Beispiel aus dem Gebirge mit seinen unabwägbaren Wanderwegen gewählt in seiner flach- und tiefgelegenen Heimatregion Magdeburg. Das haben die Leute trotzdem verstanden und keinerlei Frömmelei dahinter vermutet. Er konnte das auf der Straße erzählen u n d auf der Kanzel. Es stimmte überall. Und es traf … in einer Zeit… in der Vorsicht geboten war. Jetzt auch. Wie weit traust du dich hinaus zu gehen? Wann ist es besser umzukehren und das Gleichnis vom verlorenen Sohn zu erzählen und zu hören! Von den Dirnen und den Treben. Von den Sündern und Gerechten.Wann ist die Zeit dafür?Umkehr. METANOIA.

„Unseren gefallenen Helden im 2. Weltkrieg, 1945“. Der Schaukasten hängt an der Kirchenmauer einer bayerischen römisch-katholischen Dorf-Kirche, nahe der Grenze zu Österreich (Salzburg).

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Es ging auch um die Mutter von Oliver. Sie war ein Rätsel. Sie wollten auch deshalb in ihrer Nähe sein. Keine allzu große Zuneigung gab es da von Annes Seite aus gesehen. Aber Solidarität.

Wenn jemand entwurzelt ist, ist er besonders gut zu manipulieren. Auch zu regieren, sage ich mir (schlag nach bei Simone Weil im Blog).

Die Wurzeln von Oliver liegen in Deutschland. Deswegen will er zurück, da wo seine Mutter lebt. In Frankfurt am Main. Seine Mutter hat sich dort nach ihrem Zuchthausaufenthalt und dem Amerikabesuch bei der Familie ihres Sohnes eingemietet, um ihrem Auftrag gemäß von dort aus ihren Pflichten als Spionin nachzukommen. Ihr Auftraggeber hatte sich für ihren Lebenslauf interessiert, der abenteuerlich genug war, um politisches Kapital daraus zu schlagen – so das Dossier, welches ihrer Einstellung zugrunde lag. – So wie die Dinge auch bei Oliver lagen.Geheimdienstliches Kapital kann man ganz neutral sagen. Die Russen hätten das ebensogut gesagt. Oder die Franzosen, die Engländer.

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Mit den Russen wollte sie nichts zu tun haben. Abgesehen davon, dass sie längst ausser Landes waren und mit Maus, Mann und Kegel in den Steppen ihres riesigen Landes abgeladen wurden nach der Friedlichen Revolution in der DDR. Man sagte, mit Unterstützung von Helmut Kohl und seinen Milliarden. Eigentlich ein dunkles Kapitel und auch nicht vorstellbar. Jedenfalls für mich nicht, den Schreiber dieser Zeilen. Ich weiß es noch genau: Jugendliche haben in diesen heißen Zeiten Plakate im Übermut der Revolution geklebt, auf denen genau das zu lesen war: sie gehen. Ein Jahr später ist es passiert. In Wirklichkeit. Wir haben getanzt mit den Frauen der Offiziere in unserer Kaserne des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Altenburg in Ostthüringen. Beziehungsweise mit den Offizieren die Frauen unserer Bewegung.- Manche haben geweint, hat mir eine Pfarrerin in Berlin erzählt, deren Gemeinde nahe an dem Wald gelegen war, in dem die Pioniere in der DDR ihre hauptstädtischen Feste feierten: WUHLHEIDE.

Als wir noch in Berlin-Mitte wohnten, in tiefen Sozialismuszeiten, 8 Jahre nach dem Mauerbau, haben wir aufmüpfig: Schwul-Heide formuliert. In der Zeit der sehr kurzen Röcke, selbst zu Hochzeiten als Aufstand und Anpassung zugleich: Aufstand gegen Ulbricht aus dem tugendhaften Sachsen, wo die schönen Mädchen wachsen. Und Anpassung an das Westradio und das Westfernsehen, wo uns alle möglichen und unmöglichen Moden gegen Karl-Eduard von Schnitzler zur Begeisterung für die Freiheit animierten. Ja, ja, es war alles etwas animalisch. Anima – die Seele und das Tier Animus. Der Bazillus flog – und die Klänge vom Waldstadion herüber zu uns in den Osten. Von Woodstock ganz zu schweigen. Aber die BEATLES waren die BEATLES für viele, ganz viele.

Manche haben geweint wegen der Russen.„Sie taten uns leid,“erzählte sie.

„Sie standen in ihren Paradeuniformen am Waldesrand von WUHLHEIDE und säumten die Allee, die hinein nach Berlin führt. Zur Verabschiedung. Jeder konnte jedem die Hände drücken und Blumen überreichen“.

„Wie lange haben wir zusammengelebt.“

„Wie waren wir durch unser Schicksal zusammengeschweißt.“

„Wie russisch sind wir geworden.“

„Die Literatur.“

„Die Musik.“

„Und das Größte: Ballett. Nussknacker. Dornröschen“.- Jeder konnte dazu etwas sagen.

Zum regelmäßigen Tag der Versöhnung im Januar in Landsberg an der Warthe, meine Geburtsstadt, jetzt GORZOW, jenseits der Oder, in der so genannten Neumark. Kadetten der in den unmittelbaren Nähe von Gorzow gelegenen Kaserne (Ausbildung) legen zur Erinnerung Kränze nieder für gefallene polnische und sowjetische Soldaten.

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In Altenburg in Thüringen haben die Leute erzählt, wie sie Schreie gehört haben hinter den Mauern der Kaserne. Schreie von Frauen.

Die Landbewohner haben Essen gebracht, wenn der Russe an der Ecke des Fachwerkhauses saß am Straßenrand der alten Heerstraße auf dem Fuchsberg bei Crimmitschau. Er konnte sich nicht melden mit seinem Feldtelefon. Aber er konnte Befehle empfangen. Er wartete auf den Durchmarsch der Kolonnen während der Übung. Die Befehlshaber wussten, dass die Frauen ein mitleidiges Herz hatten und den jungen Männern, die ihre Söhne hätten sein können, Essen bringen, damit sie nicht verhungern oder Schlimmeres angefangen hätten: nämlich zu stehlen.

Diese alte Soldatenregel: Das Land ernährt euch, wenn ihr es erobert.

Sie hatten es ja erobert beziehungsweise ausgetauscht mit den Amerikanern, damals.

Das war aber eine Ausnahme: Thüringen, Sachsen zum Teil.

Dort wurden schließlich die Männer erschossen hinter den Kasernenmauern, die immer noch vergewaltigten und sich das nicht abgewöhnen konnten, was man ihnen mindestens gestattete wenn nicht befohlen hatte, wie einige Untergrundmuseen das belegen wollen und behaupten.

Vergewaltigung als Strategie wie bei den Fremdenlegionären. Übrigens, selbst der Kriegspremier des Königreiches und Weltreiches England soll solche Dinge für möglich gehalten haben.

Nicht nur Stalin.

Schicksal.

Das alles verbindet.

Es hat eine Geschichte, was die Eltern erzählen und die Großeltern und was ich erlebe.

Was ich höre, dass mit nacktem Oberkörper die jungen Soldaten in Deutschland Gräben ausheben und der Unteroffizier schlägt zu mit der Peitsche, wenn sie sich ausruhen wollen.

Zur Unzeit.

Natürlich haben wir Dostojewski gelesen, um besser zu verstehen. Oder wir haben plötzlich verstanden.

Das große Mitleid.

Das große Verbrechen bei den Helden um Sonja im Raskolnikow–Roman.

Unsere Eltern haben sich abgefunden und trösten lassen. Manche sind weiter geflohen. Immer weiter. Nach Westen. Sogar viele.

Bis zuletzt.

Der Sog war unwiderstehlich.

Wir haben uns nicht mehr trösten lassen, wir haben den Sender gepeilt – WEST.

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Der Text beinhaltet ein Gedicht gegen den Krieg von Werner Bergengruen, einem Dichter aus Ostpreußen.

In Vorbereitung für die Friedensdekade 2025. Busstag. Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag (Totensonntag).

Ein Gottesdienst zur Eröffnung der Friedensdekade mit Heiligem Abendmahl findet am 9. November um 10.00 Uhr in der Dorfkirche zu Berlin-Müggelheim statt. Herzliche Einladung dazu. Vielleicht sehen wir uns ja. Das Thema des Gottesdienstes, die Spitzenmeldung der Bergpredigt JESU: LIEBET EURE FEINDE...

Hinweis: Lesung aus dem Vorgängerbuch zu DAMALS:“ACH DOSTOJEWSKI – IN DEN HÄUSERN DES LEBENS UND DES STERBENS“ JETZT SCHON VORMERKEN 18.August 2026 in der Gedenkbibliothek für die Opfer des Stalinismus. Beginn 18.00 Uhr im Lessinghaus/Nicolaiviertel Berlin.

Mit freundlichen Grüßen zum Reformationstag am 31.10.2025 Michael Wohlfarth

Jürgen Habermas

Ich lese, dass der Vater aller derzeitigen lebenden Denker in Deutschland, zweite Generation Frankfurter Schule, Jürgen Habermas, Pfarrer und Pfarrerinnen daran erinnert, wozu sie eigentlich da sind. Nämlich das Wort Gottes zu verkündigen, damit die Leute es hören und verstehen. Dann können sie es auch beherzigen.

Gerade dann ist die Welt in Gefahr, wenn das Christentum sich nicht mehr als Religion begreift mit all den Zumutungen, die eine Religon so in sich birgt. Das ist das Risiko.

Das Risiko ist aber um ein Vielfaches größer, wen man meint, man müsse dieses Risiko umghehen und könne den Menschen nicht mehr zumuten, das Glaubensbekenntnis ihrer Kindheit und Jugend, ihrer Eltern und Großeltern „nachzubeten“. Denn dann ist Leere und Ödnis, ja Wüste, die so viel heraufbeschworen wird, in der religionslosen Apokalyptik. Schlimmer noch: Wodurch unterscheidet sich dann Kirche von allen anderen Wohltätigkeitsorganisationen und humanitären Einrichtungen. Der Allerweltssatz: Der Glaube stirbt zuletzt“ taugt vielleicht für einen Thriller oder Kriegsroman, aber nicht als Alleinstellungsmerkmal des Christentums.

In seiner Festschrift für einen seiner Schüler, Thomas Schmidt, glaubt er nicht, dass es genügt in irgendeiner Form die Hoffnung trotz alledem nicht zu verlieren. Da ist auch keine Reduktion von Inhalten. Reduktion gibt es nur, wenn noch etwas da ist. Es ist nichts da. Kein Inhalt. Inhaltsleer. Der alte weise Mann erklärt erst recht von links, dass es Unsinn ist an etwas zu glauben, was es nicht gibt. Die Hoffnung muss es geben in der Person Jesu Christi. Man höre und staune. Ich tue es jedenfalls und bin dankbar, dass der entscheidende Anstoß von einer Seite kommt, ja, die Hilfe, die Rettung möchte ich pathetisch sagen, von der ich es nie erwartet hätte. Ich muss mich korrigieren. Richtig l i n k s denken braucht das Gegenüber. Nicht irgend eine Idee, die auch vergeht, wenn die REALITÄT VERLOREN GEGANGEN IST. Es geht um die Realität der christlichen Verkündigung als Gegenstück zu aller Religion, die keine ist, nur eine Wohlfühlreligion, ein Dampf, ein Kosmetik-Hauch. Eine Sache zum verwechseln ähnlich mit allem, was es sonst noch so gibt. Ohne Konsequenz.

Die FAZ überschreibt ihren Artikel dazu mit:“Aufgepasst, Bischöfe.“ – In Preußen hat ab und zu der preußische König darauf geachtet, wenn etwas übertrieben wurde. Zum Beispiel mit der Freiheit oder mit der Humanität – statt christlichem Glauben. Das wäre dann sozusagen die berühmte Sache: Von oben, nicht von unten. Vielleicht sogar ein bisschen russisch.

Ich wünschte mir, heutige Herrscher würden auch ab und zu einem Bischof in s Gewissen reden und auf die Folgen aufmerksam machen, die eine falsch verstandene Freiheit nach sich zieht und i m m e r die Erniedrigten und Beleidigten letzten Endes noch niedriger macht und das Leiden noch mehr verschlimmert.

Nun, wir haben keinen König. Die Regierenden stimmen zwar einmütig ein in den Gesang: Wie wichtig sind die Kirchen. Aber sie trauen es sich nicht zu sagen wie der Philosoph. Der letzten Endes weiss, dass Philosophie und Theologie eben nicht zu trennen sind. Jedenfalls nicht, wenn es drauf ankommt. Da helfen keine Ausflüchte mehr. Ohne Jesus Christus geht es nicht. Weder die Kirche, noch die Verkündigung, gerade wenn sie menschlich sein will. Habermas traut es sich zu sagen. Ja, das Evangelium muss entmenschlicht werden, wenn es wirken soll. Mir hat ein sibirischer Bischof das so erklärt: Nichts hinzutun, nichts weglassen. So nur geht die Gratwanderung mit den Abgründen auf beiden Seiten. Das Evangelium ist von Gott. Das darf nicht vergessen werden. So würde ich das sagen. Gottes Wort! Wenn das unmenschlich ist? – Dann sollten wir ehrlicher Weise die Kirche zu machen.

Wir können nicht aus den Gerichtsworten Jesu Gute-Nacht-Geschichten machen um der Freundlichkeit Gottes willen. Auch mit den Gerichtsworten seines lieben Sohnes Jesus Christus, mit den klärenden Worten der Heiligen Schrift wird die Liebe gestiftet, die wir brauchen zum Leben.

Danke an Jürgen Habermas.

Danke an die wirkliche Philosophie, die das Denken in Gefahr sieht, wenn das Gegenstück zu aller Welt fehlt. Den Glauben in Gefahr sieht, wenn das Wort Gottes fehlt, Jesus Christus.

Das Evangelium, das keine Welthaltigkeit, von welcher Seite auch immer, benötigt, weil es schärfer ist als ein Schwert und Wirkung zeigt, wenn es verkündigt wird landauf landab. Wieder! Nicht mehr und nicht weniger als das fordert der alte weisse Mann, der ein Weiser ist von der ganz anderen Seite. Wie gut ist Gott und wie treu. Danke! Ein Weckruf!!!

Pfr.i.R. Michael Wohlfarth

Lohengrin

Mein lieber Schwan!

Das kenne ich als geflügeltes Wort: Mein lieber Schwan, pass auf. Oder es gibt eine Verwunderung. Es kann sehr ernst gemeint sein. In einer sehr ernsten Situation, aber in einer intimen. Ein Beitrag in einem Dialog, einem Zweiergespräch. Sogar am Biertisch, einem kultivierten. Oder Wein?

All` das könnte ich von Richard Wagner sagen: Mein lieber Schwan. Du Schwerenöter, Du. Ihm scheiben in einem Brief. Als Freund. Nicht feindlich. Überhaupt nicht.

Mein lieber Schwan. Wenn er da erscheint wie die Erlöserfigur, am Theaterhimmel, über der GRAUEN SEE.

Vorher, beim Vorspiel das BERLINER BÜHNENBILD DER DEUTSCHEN OPER, wo Götz Friedrich nach seinem Übertritt über die deutsch-deutsche Berlin-Berlin-Grenze gewirkt hat mit seinem Glauben an die Oper, an das Werk schlechthin: Wir leben in Kriegszeiten, jedenfalls ungeteilt noch am 4. Oktober, dem Aufführungstermin, dem wir beigewohnt haben – so möchte ich es ausdrücken bei RICHI, wie schwärmerische Teenager, die jetzt um die 80 sind, DDR-Aktivisten an Leipzigs Bühnen im Kleindarstellerformat, es ausgedrückt haben- ihr Liebe zur Oper, besonders zu RICHI.Richi hier und da und sogar in Bayreuth nach dem Mauerfall.

Ich habe vor dem Mauerfall von Thüringen aus WAGNER GESEHEN UND GEHÖRT!!! Als Dorfpfarrer aus der WISMUTGEGEND BEI RONNEBURG IM ALTENBURGER LAND, oder war es schon Altenburg, der Stadtpfarrer, kurz v o r dem 7. Oktober und 9. Oktober 1989. Egal, kann ich sagen. Ich war begeistert von einer Wagneroper, diesmal nicht in der DEUTSCHEN OPER BERLIN, nein Staatsoper Berlin, Ost, Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik. BAROCK,BAROCK. Am meisten vom Publikum aus dem WESTEN. Noch nie erlebt, nur aus Büchern bekannt:Sie standen auf, die hinteren Reihen – und überschlugen sich vor Begeisterung.

BRAVO,BRAVO. BRAVISSIMO.

Das hätten wir uns doch nie getraut. So aus sich herauszugehen. Wie im Film.

Aber es war nicht nur das.

„Psychologie der Deutschen, ihre Tragödie, ihr Wahn, ihre Treueschwüre, ihr Reinheitsgebot. Niebelungentreue. Bis zuletzt“.

Es war eine Offenbarung innerhalb der GRAUEN DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK.

GRAUEN.

Vor der Wende, aber die Friedliche Revolution war schon längst zu Gange, untergründig, hintergründig.

Vordergründig auch.

Lesen Sie meine Stasi-Akten, kann ich da nur sagen. Wenn Sie stöbern, finden Sie etwas. Mindestens das Heft: „Altenburger Akademie“, heraus gegeben von der Leitstelle Erfurt in Zusammenarbeit mit einer Historikerin.

Das wusste ich also von Wagner, den Nibelungen. Den deutschen Heldensagen. Diesmal, 35 Jahre nach der Deutschen Einheit, ein Geschenk. Für mich und meine Frau, der Kleindarstellerin in Leipzig, der Assistentin als Praktikantin bei HERZ wärend ihres Studium vor vielen, vielen Jahren, auch in Leipzig, wo sonst. Mit gedecktem Pausentisch im Stehen. Resignation, GAZA. UKRAINE. Ein Grosser Dank an die Theater-Regie, Wagner ist THEATER, was sonst: Die herrliche Einführungsmusik. Ja, ja. Da können einem die Augen nass werden. Nass. Sie hat es gekontert. Man durfte trotzdem in` s Theater gehen. Sogar in die Oper.

Da liegen sie, die die Toten, auf der Bühne der Weltliteratur, der Weltgeschichte.

Schlachtfeld.

ANTIK.

Und wie ANTIGONE, erscheint die ERSTE am Horizont. Klagend, klagend sie und die anderen , die ihr folgen, in ganzer Breite des BÜHNENBILDES(!). Mütter, Ehefrauen. Liebste. Junge Frauen, alte Frauen. Sie schauen sich die Toten an. Ob sie sie erkennen. Ob sie es sind. Ob er es ist: ihr Mann, ihr Liebster, ihr Sohn. Manche müssen gewendet werden. Sie klagen den Toten in das geliebte Gesicht. Sie wehklagen.Die Musik spielt weiter. Der Vorhang fällt. Danke, Regie!

Dann die vielen anderen Fragen der Saga, wer wen verhext in den Schwan. Wer woher kommt. Und wer er ist. Der Graal und der Graalshüter. In der Mitte: das Gottesurteil. Jeder fleht zu Gott. Zu seinem Gott? Hilf! „Gott mit uns!“-Die Bitte auf den Koppelschlössern in den Kriegen. „Bitte hilf uns , Gott. Uns! Wir sind doch die Guten. Wir haben doch Recht. Für Frieden und Freiheit. Die anderen haben Unrecht. Sie sind nicht für die Freiheit. Sie sind Tyrannen. Das haben wir schon immer gewußt.“Mal sehen wie es ausgeht. Wir wissen nicht wer recht hat. Der König weiß es auch nicht und auch nicht sein Herold.“Unsere Weissheit ist Einfalt,“ sagt der König.Die Unterlegene Ortrud beugt sich nicht dem Gericht Gottes. Dem Gottesurteil. Weil es ihrer Meinung nach Zauberei war. Nicht ihr Gott, der das Urteil gesprochen hat!

Jetzt wird es ein Krieg zwischen Christentum und dem, was vorher war. Die Götter der Erde. Wotan. Reya. „Auf sie schwören wir“, sagt Ortrud zu ihrem Mann Telramund in seinem Elend, weil gegen ihn Recht gesprochen wurde, der Gott der neuen Religion Gericht gehalten hat. Er war der Unterlegene in dem Krieg, in dem Kampf zwischen Lüge und Wahrheit. Er lag am Boden und LOHENGRIN schenkte ihm das Leben. Welche Schande. Fluch. Fluch.

„Ich bin verflucht.“ Wie die Heimkehrer aus dem Weltkrieg. Sie haben ihn verloren. Nicht nur sie, auch der Gegner hatte ein Koppelschloss mit der Behauptung: Gott ist mit uns. In Wirklichkeit eine Bitte. Gott sei mit uns. Er war es nicht. Sondern mit den anderen. Welch ein Elend.

Da hilft nur Transparenz. Bis in s Letzte, nachdem die Beschwörerin der Götter und Göttinnen der Erde ORTRUD ELSA VON BRABANT HINEINGEZOGEN HAT IN DIE NEUGIER:Wer bist Du LOHENGRIEN? NIE SOLLST DU MICH BEFRAGEN, die Bedingung, dass er gekämpft hat für sie, die angebliche Mörderin ihres Bruders, damit sie den Thron erbt und nicht er. Das wird ihr im Auftrag von Ortrud vor dem König zur Last gelegt. Der Hauptmann mit den anderen Hauptmännern macht das bei einem Fahnenapell zur Kriegsertüchtigung. Es ist dieses böse Shakespeare-Paar. Aushecken, was schlimm ist:“Wir bekommen den Ehrenpreis. Niemand sonst, wenn ELSA, die rechtmäßige Erbin weg ist“. Ihr Bruder ist ja schon weg gehext. „WIR WERDEN HERRSCHEN. WIR HABEN ES VERDIENT.“ Aber die Rechnung geht nicht auf, die Fürsten trollen sich, nachdem der, den sie aufgehetzt hat, nicht aufzugeben, fällt: LOHENGRIN wird nicht das Opfer eines nachträglichen nächtlichen Überfalls auf offener Straße.

Aber Ortrud hat es geschafft, sich in das mitleidvolle Herz der angeblichen Freundin einzuschleichen. Elsa von Brabant bricht ihr Versprechen und fragt auf dem Ehebett in der Hochzeitsnacht nach dem feierlichen Gepränge vor dem Dom zu Brabant Lohengrin: WER BIST DU. Aus der Hochzeitsnacht wird nichts, Lohengrin fordert Aufklärung jetzt selber, aber nicht im Bett, von Ohr zu Ohr geflüstert, sondern öffentlich. Es wird ihm gewährt. König, Herold, die Fürsten alle, Ortrud müssen hören. wer er ist. Der Sohn des Graalshüters Parzival im hohen Norden über dem Meer. Er kann nun nicht bleiben. das Geheimnis ist gelüftet. Die Ehe wird nicht vollzogen.Aber die Hoffnung – der böse Zauber der Ortrud bricht. Die Hoffnung kann wieder auf dem natürlichen Nachfolger des Herrschers von Brabant liegen.

Mir fiel wieder ein, was meine Großmutter erzählte: „Mit Mann und Ross und Wagen, so hat sie Gott geschlagen.“ Das war Napoleon, den sie meinte.

Und:“Mein Junge, es ist Gericht!“ Sie meinte die Katastrophe Deutschlands, wenn wir darüber geredet haben. Sie hatte eine Erklärung. Das war ihr Frieden, ihre Vergebung, ihre Auferstehung, ihr Trost nach der Flucht quer durch die russischen Linien, nachdem sie ihren Mann, meinen Großvater in Ehren begraben hat in meiner Geburtsstadt Landsberg an der Warthe..

Eben: Die Wahrheit des Kreuzes Christi.

Ich finde die germanischen Sagen nicht so schlecht, wenn sie uns die Wahrheit und damit die Weissheit der Bibel in Erinnerung rufen.

Gutes tun

Ich erinnere mich noch sehr genau, wie der Urenkel vom Gründer der Inneren Mission Dr. Fliedner aus Offenburg, Westkollege aus der Partnerstadt von Altenburg meiner Frau Margard Wohlfarth (Kulturamtsleiter) meiner Frau und mir dringend empfahl LIONS zu werden bezw. sie zu gründen. Wir haben das weitergegeben – heute würde man sagen an die Zivilgesellschaft Altenburgs. Und sie haben LIONS gegründet. – Ich kam mir vor wie mein Vorgänger in meinem ersten Stelle:Thonhausen, der in tiefsten DDR-Zeiten die CDU in seinem, dann meinem, Dorf gründete, ohne selber Mitglied zu werden. – Vielleicht ist das ein Beamtenideal, was überholt ist und heute nicht mehr gelten sollte: Keine Mitgliedschaft eines Sparkassendirektors oder eben eines Pfarrers/einer Pfarrerin in einer Partei oder eben auch in den LIONS. NEUTRALITÄT. – Dann kamen die Rotarier und „sahnten“ die nächste Reihe ab. Dieselbe Situation. WERBUNG – NEIN! – Soweit meine Erinnerung nach 35 Jahren DEUTSCHE EINHEIT – von einem Vorort Berlins aus : Müggelheim am Müggelsee. – Alles Gute im GUTESTUN! WIR TUN WAS- EIN AUFRUF AN DIE ANDEREN?- Michael Wohlfarth, Pfarrer in der Wendezeit in Thüringen: Altenburg STADT UND LAND.

Das ist ein Kommentar zu einem Bild: Rotarier und Rotarierinnen, die Treppe hoch und `runter aufgestellt in einem Hotel, in dem die Rotarier tagen und lernen, wie man Gutes tut. Fotografiert von einer Taufmutter in Thüringenl/Skatstadt Altenburg, wo ich von 1988 bis 2007 an der Brüderkirche als Pfarrer und Jugendpfarrer/Erwachsenenbildner – gearbeitet habe.

Ich möchte heute berichten von Frauen und Männern, die einen Verein gegründet haben, der die BUCH BERLIN trägt und organisiert.

Ich beteilige mich seit einigen Jahren an dieser Buchmesse, weil ich das Anliegen gut finde, gerade junge Leute anzuregen ihrer Phantasie Taten folgen zu lassen, nämlich zum Beispiel ein Buch zu schreiben oder sie mindestens anzuregen, ihrer Neugier zu folgen und mit Autoren und Autorinnen in s Gespräch zu kommen. Das gilt in unserer Freizeitgesellschaft übrigens ganz und gar nicht nur für Leute, die unter dreißig sind, sondern für Menschen aller Altersgruppen. Besonders aber für die „ganz Alten“. Ich gehöre zu den Letzteren und muss mich jedes Mal aufrappeln in die ARENA oder andere Veranstaltungsorte zu gehen (s. auch BLOG in den vergangen Jahren). Denn es ist eigentlich nicht meine Sache, mich in diese Zirkuswelt zu begeben und die jeweiligen Kostüme zu bewundern, in denen – inzwischen nicht nur Jugendliche – dort auftreten, um die nötige Aufmerksamkeit zu erreichen, die sie scheinbar brauchen, um dann wieder zurück zu können in den Alltag, wie immer er aussieht. Aber ich tu s. Immer wieder.

Da war ich mir einig mit der Mutter einer Autorin, die ein Buch geschrieben hat über eine junge Frau, die verwirklicht hat, was man von ihr forderte: Selbständigkeit im Denken und Handeln – und nun zu weit gegangen ist, nach Ansicht ihrer Zeitgenossinnen und Zeitgenossen. Ihr Mutter erzählte mir kurz den Inhalt im Stehen an „meinem Bücher-Tisch“, von Beruf – wie ihre Tochter – Lehrerin. Sie unterstützt nun ihre Tochter auf der bb 25 ARENA, Berlin. Ihr Dialekt: Sachsen-Anhalt.

Oder eine andere Besucherin, die sich für meine Familien-Saga „Ach Dostojewski“ interessiert: „Eigentlich ist das nichts für mich, bunt, bunt, bunt, Wolke, Wolke, Wolke. Aber ich komme trotzdem“.

„Da geht es Ihnen ja wie mir…Warum tun wir uns das an?“

Ja, warum wohl.

Eine Türkin, die eine Autorenschule besucht hat, nicht in Leipzig:“…in Berlin gibt es so etwas auch… Aber ich bekomme meine Texte trotzdem nicht unter.“

„Gehen sie doch zu EPUBLI, das ist ein seriöses und faires Unternehmen…“

Sie kaufte schließlich:“HEILE WELT-Berliner Erzählungen“ zum halben Preis, weil es schon ziemlich alte Titel sind in meinem Angebot, vor bald 20 Jahren geschrieben – und gedruckt.

„Sie hat es immer noch mit Berlin“, sage ich mir beim Zurückholen der BILDER UND BEGEGNUNGEN vom gestrigen Sonntag und davor.

Zwei volle Tage geht das. Der Vorabend, an dem aufgebaut wird. Du musst einen Parkplatz finden im KARRE`.

Eine Villen – und Slum-Gegend gleichermaßen. Wie New York, von dem mir vor sehr langer Zeit ein Delegierter einer Kirchentagung in den USA erzählt hat. „So dicht beieinander!“

Slum und Villa. Du fährst das Adlergestell hinunter und biegst nicht ab über die Elsenbrücke, sondern fährst geradeaus weiter, Puschkinstraße, bis du die blauen Röhren siehst über die Straße reichend. Da rechts `rein…EICHENSTRASSE. ARENA.

Glück gehabt und einen Stellplatz für den Golf gefunden. Wenigstens zum Aufbauen: Tisch von zu Hause, Stuhl von zu Hause. Und Bücher, selber geschrieben und z. Teil verlegt.

Besonderen Dank an den grundsoliden und fairen Verlag/Plattform EPUBLI BERLIN. Ebenso wie an Steffi-Biber Geske, Tatjana Schmischke und ihre Mitstreiterinnen, die Gutes tun für Alte und Junge, Frauen und Mäbnner, die es nicht lassen können und schreiben was das Zeug hält.

Ohne hier greifbaren Cover:
Lyrik: „Rad der Zeit“, „Tage, Nächte, Daten“.

In allen Buchhandlungen und Portalen unter Angabe des Verfassers und des Titels.

Bitte auf diesn Blog hinweisen:MICHAEL WOHLFARTHS BLOG oder

https://kaparkona.blog .

Lyrik und Berliner Erzählungen sind gekauft worden.

Motivation: Am ersten Tag schon ein Gespräch mit einer Verlegerin für englische Literatur, damit in der Schule gute englische Literatur in der Sprache des Herkunftslandes gelesen wird. Mit Freude!- Wenn ich sie richtig verstanden habe. Jammern bei ihr: Fehlanzeige. Sie hat die Gunst der Stunde genutzt und einen Verlag für gute Schulbücher gegründet.

Das geht.

Deswegen gehe ich da trotzdem hin, obwohl mir nicht alles gefällt. Du triffst Menschen, die etwas unternehmen.

So ein Büchertisch kann es also in sich haben. Glück auf! Treffpunkt Bücher trotz allem Firlefanz. Eben Erlebnismesse. Laßt Euch nicht entmutigen. Macht etwas daraus.

Michael Wohlfarth, langjähriger Jugendpfarrer, Gründerpfarrer des SPALATINGYMNASIUMS ALTENBURG.

Berlin-Bilder zum Tag der Deutschen Einheit 3.Oktober 2025 von Michael Wohlfarth (Ausgangspunkt Spreeufer hinter der ARENA) von oben:“Silhouette“, „Unterirdisch“, „Büchertisch“, „Über Wasser gehen“, „Fliegender Holländer“.

Danach

In Erinnerung an die Biografie Dietrich Bonhoeffers. Er solle unbedingt bleiben, sagten die Freunde in den Vereinigten Staaten. – Zur Vorbereitung des ROMANs DANACH.

Fliegende

Blätter

werden

gelesen, vorgelesen

auf Deck in der Sonne

auf

dem

Ozean.

Atlantik

bei der Überfahrt von

USA/Deutschland.

Um endlich zurück zu

kommen.

Denn es ist Krieg.

Spannungen

Leben zwischen Krieg und wieder Krieg

Eine essayistischer Roman

Michael Wohlfarth

Impressum

Texte: Michael Wohlfarth
Umschlag: © Copyright epubli

Verlag: Michael Wohlfarth

Philipp-Jacob-Rauch-Str. 30

12559 Berlin

email: michael.wohlfarth@t-online.de

Druck: epubli-ein Service

der neopubli GmbH, Berlin

Personen:

Oliver, Geheimdienstler in den USA, Adoptivkind aus Hessen; Henry, eigentlich aus Magdeburg, Geheimdienstler und spezieller Begleiter von Oliver mit Sonderauftrag; Kollegen von Oliver und Henry; Anne, die junge Frau von Oliver aus Deutschland im Wald, – gemeinsames Kind von Anne und Oliver: Sophie, getauft in einer Baptistengemeinde New Yorks. In der Erinnerung Waldemar Fischer, Vater von Oliver; Mutter: Erna Thielemann alias Dr. Brunhilde Lengenfeld, Vater von Anne: Horst Leskow

„…s’ ist leider Krieg –

und ich begehre, nicht schuld daran zu sein...“

Matthias Claudius

Gewidmet allen ehrlichen Friedensfreunden, mit denen wir „seit Menschengedenken“ für den Frieden gearbeitet, demonstriert und gebetet haben. Unabhängig von ihrer Religion und Weltanschauung: Männer und Frauen, denen wir dadurch immer nahe waren.

Margard und Michael Wohlfarth

Stand Arena bb 25 Grosses I Nummer 10 unter Kriminalisten oder Bellestristik

ARENA LINDENSTRTASSE BRLIN bb25 mittig L 10 (Stand)

1. Buch

1

Wenn du meinst, es geht nicht weiter, schlag das Buch der Lieder auf – und singe.

Singe dem HERRN und von den Menschen. Warte, bis dir ein Zeichen gegeben wird.

Und geh’.

Wohin?

Wohin?

Sag wohin?

Hinaus in die weite Welt, zu den Menschen, die auf den Bus warten. Zu den Bäumen, die bis in den Himmel wachsen. Aber halte dich nicht zu lange auf und verirre dich nicht.

Kehre um und warte in deinem Haus, bis es klingelt und du weißt nicht, wer vor der Tür steht. Wer steht vor der Tür? Der Christus? „Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an?“

Der Stalker? Der dich verfolgt. Der Verbrecher, der schon lange einen Fuß in die Tür bekommen wollte? Wie er schamlos deine Niederlagen ausnutzt, alle Zeitfenster benutzt zum Einsteigen, die es nur gibt?

Ist es schon dunkel, dass du ihn nicht mehr erkennst im mageren Schein der Lampe aus dem Nebenzimmer. Oder ist es Tag und du kannst ausschließen den Bösen, weil du glaubst, du erkennst ihn im Licht der Stunden.

2

Es ist Nacht und du öffnest. Da steht sie – die Frau deines Lebens. Und du hattest geglaubt: nie seht ihr euch wieder. Zusammen den Kinderwagen geschoben durch den Sand – und dann bist du gegangen, die Gabelung nutzend.

In eine andere Richtung.

Du hast gewartet. Tagelang.

Nächtelang.

Jetzt hat sie den Bogen geschlagen und ist zurückgekommen von der Stadtmission. Umwege. Untiefen. Sie haben ihr Mut gemacht. Es noch einmal zu versuchen.Dabei war es doch alles so gut und schön. Sie kommen in dem verheißenen Land an und finden Heimat in der Baptistenkirche in der großen Stadt New York. So viel Heimat, dass sie sich trauen lassen, obwohl sie aus dem Osten Deutschlands gekommen sind, wo Kirche ein Feind – oder fremdes Wort – war und nur aufmüpfige Genossen und Nicht–Genossen und vor allen Dingen deren Kinder den Weg in eine Kirche fanden, weil es dort die Freiheit des Wortes gab und das Gefühl: hier kann man alles sagen. D.h. das, was man in der Schule, in der Partei nicht sagen konnte. Sie lassen ihre Ehe segnen und versprechen den Weg der Taufe zu gehen. Alles gut? Ich weiß nicht, ob ihre Vergangenheit sie quält. Die vaterlose Gesellschaft. Die Geschichten, die ihnen niemand erzählt hat. Ihre Familiengeschichten, weil sie noch Gegenwart sind.

„Weil es besser so ist.“

3

Der schwarze Pastor sagt: „Geh’ wieder hin zu deinem Mann. Auch wenn er dir unheimlich ist in seinem Beruf. Es ist ihm ja selber alles unheimlich, sonst wäre er nicht weggelaufen.

4

Ja, es stimmt. Das dunkle Geheimnis seiner Herkunft hat ihn getrieben in die Eisenbahnwaggons, wo die Dichter lesen. Dort auf dem weiten Feld in Amerika. Dorthin, wo Walt Whitman die Gräser singen hört. Er konnte seine Frau dorthin nicht mitnehmen. So einsam ist der Mensch, wenn es darauf ankommt. So einsam kann er sein.

„Deswegen ist er noch lange nicht glücklich, wie einige Leute uns weismachen wollen“. Sagt der Prediger unvermittelt und fängt an zu singen von den Sklaven, die frei werden, wenn sie nur glauben.

5

„Komm rein“, sagt Anne zu ihrem Mann. „Setz dich!“ Sophie schläft im Nebenzimmer. „Willst du sie nicht sehen?“ „Oh doch.“ „Dann komm.“ Auf Zehenspitzen öffnen sie die Tür ins Nebenzimmer und Sophie liegt gut versorgt in ihrem Stuben-Wagen. Wem sieht sie ähnlich? Keine Frage. Die Strapaze mit den Zügen und irren Hin- und Herfahrten im PKW wegen der Vermisstenanzeige ihres Vaters hat ihr nicht geschadet. Warum auch. Sie war immer ganz nah bei Anne, ihrer Mutter, die sie behütet hat wie Gott die Kinder Israels behütet in der größten Gefahr. Das hat Oliver überzeugt. Sie ist in der Dunkelheit gekommen, hat eine Freundin gebeten, auf das Kind zu achten, um Oliver zu zeigen: Ich liebe dich. Du sollst zurückkommen nach den Stunden und Tagen. Sie ist in das billige Motel gekommen mit den Türen zur Straße in der Nacht. Jetzt stehen sie wieder in dem Holzhaus und er nimmt sich vor, seine Arbeitsstelle zu kontaktieren, um zu fragen, ob er seine Auszeit abkürzen darf. Ob alles gut wird. Nicht, wenn er draußen bleibt. Es gibt zu viel Menschen, die draußen bleiben, weil sie die Welt bewegen wollten, aber in Wahrheit nicht mit ihr zu Recht kommen. Mit der Geschichte ihrer Welt. Vielleicht sollte er sich vielmehr von Henry helfen lassen. Er hatte sich angeboten unterwegs, als sie den Zug hinter sich ließen, den Grünen Zug, den Grünen Salon, den Club der Toten Dichter. Der sich in dem Moment in Luft auflöste, als die Kriegserklärung durch den Äther kam. Die Spezialoperation Putins im fernen Europa/Ost.Keiner hat geglaubt, dass es vorbei war mit der Sowjetunion. An den Zaren und sein Reich wollte niemand glauben. Dass es wiederkommt. Der Kommunismus war tot, es lebe die Nation. Die Weltrevolution bestand nur noch im Gegeneinander der Raketen mit Atomsprengköpfen. Wie hat Kennedy gesagt: unterirdisch geht alles weiter. Selbstfindung war gestern. Luxus auch. Luxus verteidigt man nicht. Das macht keinen Sinn, sondern nur Schuld. Weil nicht alle in Luxus leben können. Dann wäre es auch keiner mehr. „Du hast deine Sachen nicht dabei?“ Anne schaut ihn mit großen Augen an. „Ist das nur einmal ein Besuch?“ Lange Pause.„Nein, ich habe den Motel-Schlüssel nicht abgegeben.“-

„Ich hatte nicht mit dir gerechnet.“-

„Du brauchst Zeit?“

„Ja.“

Fühlst du dich schuldig?“

„Ja.“

„Das musst du nicht.“

„Warum nicht? – Ich habe dir von Anfang an etwas verschwiegen. Meine Mutter ist im Gefängnis mit einer schweren Schuld, die sie aus Rache auf sich genommen hat. Sie hat die Liebe benutzt und meinen Vater einen Abhang hinuntergestoßen. Das ist immer noch die alte STASI-SCHEISSE. Und das weißt du. Wir müssen zurück in unsere Heimat.“

„Über den Ozean?“-

„Kein neues Leben hier in den Staaten?“

„Nein!“

„Keine Neue Welt?“ Schweigen.

6

Natürlich hat strukturell gesehen der FREIKIRCHLICHE WEG – american way of live – seine Wirkung auf Oliver nicht verfehlt. Warum hat er sich denn eigentlich anwerben lassen, als er noch auf der Uni war und Betriebswirtschaft studierte. Seine Pflegeeltern, die er sehr liebte, fanden das am besten für ihn und sein Weiterkommen in dieser Zeit. Der FBI hatte nicht lockergelassen und den Judith – Plot nicht ruhen lassen. Ein Grenzübertritt mit tödlichen Folgen auf dem Boden der Deutschen Demokratischen Republik und die Rache danach von den Kindern des Opfers an dem Täter beziehungsweise dem Befehlshaber des Täters, der seinen Dienst an der Grenze versah. Das Dumme auch noch, dass der Offizier der Liebhaber ihrer Mutter war und seinen besten Freund mit ihr betrogen hatte. Er meinte, er hätte ein Recht darauf. Sie hatte ihn doch geliebt und nicht ihn. Die Kinder der Täter, die Rächer müssen nun damit klarkommen. Ein regelrechtes Angebot für Dienste, die nach Energien suchen, die unterirdisch graben und bohren.

Die neue Welt, die wir alle wollten. Die wir aber erst suchen mussten, als die alte zusammengebrochen war. Warum nicht gleich Amerika. Das ist doch wohl der Westen. Die stabilste Demokratie, wo die Freiheit so sicher ist, wie der Schuss aus dem Revolver im guten alten Western, den auch Leonid Iljitsch Breschnew so gerne gesehen hat. Der kleine Mann neben Erich Honecker in der Karosse die Straße hinunter. Vor dem Mauerfall. Und – ach – der Kuss – an den Mauerresten. Bunt.

Danach.

7

Und nun Krieg. Ausgerechnet jetzt, wo alle dachten es ist vorbei: Der kalte Krieg. Die Angst vor der Bombe. Wir konnten die Story nicht zu Ende erzählen. Der Plot ist uns im Halse steckengeblieben. Der Schöne Schluss in dem GRÜNEN SALON im Club der Toten Dichter wollte nicht zustande kommen: Da sitzen sie gelangweilt, nicht wie in der einen Nacht von den Tausend, nicht einmal so wie in den Märchen von Hauff aus einem deutschen Mittelgebirge. – Sie hofften alle, dass keiner mehr kommt. Keiner mehr geschickt wird. Keiner den Zug anhält und aufspringt, um seine Predigten los zu werden. Auch Oliver kann ruhig den Mund halten – oder hatte er ein paar Gedichte dabei, die er unbedingt noch vortragen wollte?

Wie das Kaffee Gedicht?

Komm wir gehen in das Café wo der Kaffee noch schmeckt.

Die Zitrone noch gelb ist ausgequetscht ins Stundenglas.

Die Torte vergiftet wird von den Heinzelmännchen die sie dann auch selber essen.

Und nicht etwa den Kuchen servieren.

So in etwa, das hatte er schon im Ärmel. Und noch viel mehr. Aber es sollte nicht dazu kommen. Er war auch zu schüchtern – in Wirklichkeit. Aber seine Schüchternheit war es diesmal nicht. Diesmal war es etwas ganz anderes. Höhere Gewalt. Schicksal? –

8

Krieg im Heiligen Russland, in der ehemaligen Sowjetunion. In der Heimat von Nikita Chruschtschow, Sergej. Ja, der mit den Schuhen. Wie ein Araber, wenn er besonders jemanden verachten möchte. Das ist die Ukraine. Seit dem Zerfall der Sowjetunion nach 1989 nicht mehr in der Föderation. Ein großes herrliches Land. Schwarzer Acker – du mein Gesicht, wie es Johannes R. Becher singt. Noch viel mehr. Wenn der Mond über der Weite aufsteigt und wir Kiew ansteuern, die RUS, im Spätsommer 1989. Wir müssen zurück nach Europa, dem Zipfel von Europa. Da im Westen. Durch Polen. Ein Land? Ja und nein. Grenzland zwischen dem Westen und dem Osten. Zwischen ROM und KONSTANTINOPEL – Moskau, das 3. Rom. Zwischen Polen und den Russen. Den Echten? DIE RUS IN KIEW, der Geburtsort aller Russen und Ukrainer in der Russisch-Orthodoxen Kirche. Die Geschundene.Die Priester, die ihr Grab schaufeln mussten, bevor sie durch Genickschuss fielen. Der Bolschewismus war kein Kinderspiel. Und die Gerechtigkeit ist es auch nicht. Klappen sie jetzt nicht das Buch zu, lieber Leser, geneigte Leserin. Wir müssen über Gott sprechen.Was ist ORTHODOXIE? Der rechte Glauben. Der sich nicht ändert. Der eigentlich Gremien und Konferenzen ausschließt, in d e r Annahme, es wird nicht besser, sondern eher schlechter, wenn es Veränderungen gibt, die aus unserer Sicht nötig sind. Sind sie nötig? Nur weil wir es im Moment meinen. Hinterher sagen alle: schlechter als vorher. Oder ist das russischer Fatalismus oder gar abgründiger Humor. Gogol.

„Ehe wir die Macht innerkirchlich austarieren zwischen Männern und Frauen, Alten und Jungen und sie umsetzen in Bürokratie – das Büro herrscht – lassen wir doch lieber alles beim Alten und versuchen Einfluss zu nehmen auf die Macht“. –

„Ja, es stimmt, wir beten sogar für den Teufel“.

„Wie im deutschen Kaiserreich, als Thron und Altar eine Allianz bildeten und sich gegenseitig zu ergänzen suchten von je dem eigenen Standpunkt aus?“

„Oder in England, wo die Königin die oberste Kirchenherrin ist zugleich?“

„Nein, so weit gehen wir nicht, wir reichen nur den Füllfederhalter, den goldenen, wenn der linke Ministerpräsident in Griechenland ein Gesetz unterschreibt“.

Sagen die Griechen, die Nachfahren von Homer.

„Ja, das kann doch nicht sein!“

„Aber es ist so“.

„Es ist sehr unterschiedlich“.

9

Nichts ist vergessen.

Wie der Stahl gehärtet wurde. Der stille Don. –

Die Schulzeit.

Die Budjonny–Mützen.

Der schwarze Acker. Der Mond. –

Der klapprige Moskwitsch.

Der Terror.

„Wir haben für die Freiheit gekämpft mit diesem Gefühl der Liebe und des Zorns“.

„Den haben wir immer noch“.

„Immer wieder“.

„Den schlimmen Jähzorn der Geschichte“.

„Der Zorn Gottes in unseren Herzen“.

„Den Heiligen Zorn“

So raunen sie, die Veteranen, die Wutbürger, die Revolutionäre und Rebellen. Auch die Neunundachtziger. Sie schauen sich erst einmal um wie früher, damit sie auch ja niemand hört und sie ihre Pensionen eventuell verlieren.

Paradox.

Die Kategorie des Glaubens seit Sören Kierkegaard. Positiv.

Nur so konnte die Einheit Deutschlands gelingen nach so vielen vergeudeten Jahren der Spaltung. Dachte ich, der Schreiber dieser Zeilen.

Wie habe ich geglüht in diesem Glauben vor und nach 1989.

Gegen Unterdrückung mit Hilfe von Solidarnosc, den Erinnerungen an Ungarn und Tschechien. Mit GORBI auf den Lippen. Zitternd vor Angst auf dem RING in Leipzig. Heldenstadt. Und jetzt? GORBI weg. Putin da. Nationale Konflikte im Osten, die einen Krieg heraufbeschwören. Das ist kein Klassenkampf. Ja, natürlich IMPERIALISMUS WIE AMERICA.

Das passt.

Uralte Nationen.

200 Jahre zählen nicht.

Der Zar ist für die Gläubigen da, wie die englische Königin. Er hält sie zusammen. Er wiedervereinigt sie: die vielen kleinen Emigranten-Kirchen der Russen in die große R O K. Ja, es kann sein, dass die Metropoliten alle beim KGB waren, wie unsere Theologieprofessoren an der Humboldt – Universität zu Berlin.

„Verschwulte Gesellschaft.“

Kyrill heizt den Krieg an und fühlt sich moralisch auf der richtigen Seite.

Kreuzzug?

Ja, fast.

Das ist nicht neu.

Ich erinnere mich Mitte der 60iger Jahre. Vietnamkrieg.

Laszive Bilder in der eingeschmuggelten BILD aus Westberlin.

Besuch aus der Tschechoslowakei oder weiter aus dem Osten: DIE SCHLAMMFLUT KOMMT aus dem Westen.

Dieser Satz ist bei mir hängengeblieben. –

Wir sitzen in dem kleinen Zuschauerraum in der Otto – Schill- Straße.

Der Intendant Herbert D. hat neben sich den Popen aus einem Ostland.

Wahrscheinlich war es nicht einmal ein Pope. Sondern ein Reverend. Egal.-

Wir hören zu. Die Spieler und Spielerinnen dieser österreichischen Erfindung: SPIELGEMEINDE. – Der Mann aus der Singebewegung verkauft sie an den Sozialistischem Deutschen Staat als ein landeskirchliches Unternehmen. In meinem SVK – Ausweis ist eingetragen für diese Zeit: Volksmissionarischer Mitarbeiter.-

Ein Trost für meinen Vater.

10

Danach…

…in den Zehner-Jahren des Neuen Jahrtausends im Ruhestand, der mir die Zeit gibt zu schreiben und zu predigen auch noch und zu reisen in einem Kleinbus westlicher Bauart der Oberpfarrer des Kirchenkreises kurz vor der Weichsel auf der Fahrt nach Königsberg-Kaliningrad über die Heimat seiner Vorfahren:

„Die Westtüren der Kirchen in Ostpreußen mussten geschlossen bleiben: der Teufel kam durch diese“.

Vor der Kaliningrad–Reise von Berlin aus… immer wieder mein auch weitergegebener Eindruck nach Reisen ins Heilige Land:

„Die griechische Linie im Heiligen Land ist mir glaubhafter als alles andere. Die christliche Kirche, durch den Apostel Paulus in Rom gegründet, mag katholisch geworden sein durch ein Bedürfnis des im Untergang befindlichen Weltreiches nach Frömmigkeit, die zusammenhält. Die Kirche – in der Heimat Jesu geblieben – hat orthodox – vielleicht sogar theokratisch im Kern – ihren Siegeszug angetreten über das Mittelmeer nach Griechenland, in den Balkan bis nach Kiew.

Wo ist Iphigenie geopfert worden? Im Schwarzen Meer.

Insel. Osten. Wo die Sonne aufgeht und nicht unter.

DAS GEMALTE BILD JESU DIE IKONE.

HABEN SIE MITGENOMMEN. DIE MISSIONARE.

EIKON.

Männer, geht auf den ATHOS und bewundert die Sammlungen der Mönche – Bewahrung der Philosophie Griechenlands in kluger Absprache mit den Weltherrschern, dem Osmanischen Reich, den Sultanaten.

Besucht die Klöster!

Das größte – Putins Werk – mit eintausend Betten. Am Strand. Da musst du keine Treppen steigen.

„Besorgt euch die Genehmigung zum Wandern in der Mönchsrepublik, Griechenland verpflichtet. Ganz knapp dem Kommunismus entronnen. Auf der Kippe, in der Geschichte des 2. Weltkrieges – und kurz danach“

11

Vorwärts und nicht vergessen aus dem Geschichtsunterricht der Deutschen Demokratischen Republik in den entsprechenden Klassen : Die Russen haben den Großen Vaterländischen Krieg mit den Ukrainern und allen anderen Völkerschaften, die zu ihnen gehörten in der Roten Armee, gegen Hitlerdeutschland gewonnen.

Jetzt: Den Kommunismus haben sie verloren. Aber die Skepsis gegenüber dem Westen blieb.

Den Teufel nicht durch die Hintertür hereinlassen.

12

Ich war neulich…in einer Akademie. Jemand hat gelesen. Danach Ständerling, wie die Schwaben sagen. Gab es Salzgebäck, Sekt? Ich weiß es nicht mehr. Eine Pastorin, mit einem Juristen verheiratet, zuständig für Kultur-Ansagen der evangelischen Kirche, diskutierte heftig positiv mit Studierenden der Humboldt – Universität.

Sie duldete keine Unterbrechung oder gar Störung bei diesem Empfang.

Sie wurde später Oberkirchenrätin.

In den Talkshows ungewöhnlich überzeugend.

Ich sollte mich gedulden, bis ich dran kam, um ihr dieses Kompliment zu machen.

Das war mir doch zu blöde. So fiel ich dem Nächstbesten in die Arme, einem NATO–Mitstreiter aus Regensburg.

Auch das noch.

„Wenn Russland in die Nato käme. Was soll sie dann noch. Dann können wir sie ja gleich auflösen.

Wir haben sie ja wegen Russland gegründet.“

„Wegen der Sowjetunion,“ entgegnete ich nicht, sprachlos. Ich ließ ihn stehen.

Waren nicht Millionen zum Opfer gefallen wie das französische Schwarzbuch des Stalinismus sagt. Mehr als in Deutschland zwischen 1933 und 1945?

In Frankreich darf man solche Rechnungen veröffentlichen.

Wissen sie eigentlich etwas von dem weiten Weg der Schauprozesse in der Sowjetunion der dreißiger Jahre zu heute, lese ich gerade von einem Betroffenen?

Wissen Sie, dass wir Bibeln schmuggeln mussten, weil sie verboten waren in der Sowjetunion. Könnten die Schmuggler fragen.

Russland ist nicht die Sowjetunion.

Umso schlimmer: jetzt ist Krieg. Die Offenbarung des Menschen.

Irgendwie ist es wie bei unserem Globus, den wir nachts erleuchten, damit er uns leuchtet in der dunklen Wohnung, wenn wir herumtappen und keinen Schlaf finden. Als er ankam bei uns wurde er gründlich inspiziert. Herstellung in einer bestimmt sehr soliden kleinen Firma im Südwesten. Alles gut. Die Farben nachts und die Farben am Tage. Aber da – die große ruhmreiche Sowjetunion, das Feindbild schlechthin für jeden anständigen Biedermeierbürger im Westen Deutschlands. Sie haben es nicht verbessert. Einfach nicht für nötig gehalten. Sie haben keine neuen Grenzen ziehen wollen. Zu teuer? Keiner hat es bis jetzt beanstandet. Wir auch nicht.

Das Lachen allerdings ist uns vergangen, welches wir bis dato zur Not auf Lager hatten für solche Fälle der geschwätzigen schwäbischen Gemütlichkeit: Wir lassen es. Die Grenzen. Die Größen des Landes. Die Namen, die fehlten, wurden nicht neu gestaltet über den östlichsten Erdball gezogen in feiner neuer Schrift: Föderation Russland, Usbekistan, Ukraine. Kasachstan, von den kleinen Staaten im Kaukasus ganz zu schweigen. Wie kann man nur. Wie weit weg kann man nur.

Ich habe mich inzwischen an den Globus gewöhnt, den alten und daran, dass sich nichts geändert hat im Westen. Die alten Feindbilder, damit wir die NATO weiter so betreiben können wie bisher. Mit allen Vorteilen.

Das ist gefährlich.

So gefährlich ist die Russlandpolitik Amerikas, Englands. Wir machen mit? Sogar Frankreich? Italien?

Gönnen Sie den Russen keine Nationalität ohne die Sowjets. Keine Identität durch ihren neu gefundenen Glauben. Denn einen Glauben braucht der Mensch. Ein Band, was die Menschen (SMAIL) zusammenhält. VERBINDET. Über alle Unterschiede hinweg.

NACH DEM KOMMUNISMUS IN RUSSLAND. Die pax sovietica ist zu Ende. Die amerikanische geblieben. Schon deshalb sollten die USA aufhören von Freiheit zu reden.

13

Oliver verabschiedet sich und wird zurück in sein Motel gehen. Aber er wird wiederkommen. Das hat er versprochen.

Er geht jeden Morgen los und wartet an einem bestimmten Punkt, bis ein schwarzer Wagen hält und ihn mit nimmt in die Dienststelle.

Er ist immer noch Spion im Auftrag und erfüllt seine Aufgaben gewissenhaft.

Am Abend kann er in einem Bus steigen, der ihn fast bis vor das Motel bringt. Abends schaut er meistens fern.

Das ist ganz und gar nicht ergötzlich. Vor allen Dingen alleine nicht.

„Da brauchst Du jemanden, der neben Dir sitzt oder in greifbarer Nähe“. SMAIL.

Er ist nicht schwul, sondern begehrt immer noch schöne Frauen, wenn er sie sieht. Gerade in der letzten Zeit merkt er es. Seitdem er sich zurück-gezogen hat auf Anraten seines Freundes und Seelsorgers Henry vom amerika-nischen Geheim-dienst für besondere Fälle.

Eigentlich Mädchen – unverdorben – die sich ihre Mädchenhaftigkeit bewahren. Das waren und sind seine Idole.

Da war er gut aufgehoben bei seiner Frau Anne.

Nun hat er sie vor den Kopf gestoßen und sie ist gekränkt. Sie haben ja auch ein gemeinsames Kind, Sophie.

Auf dass sie sich so sehr gefreut haben.

Da ist das natürlich nicht mehr nur eine Sache von zweien und Idolen, sondern sie sind zu dritt, eine Familie.

Das hatte vielleicht zu wenig auf dem Programmzettel seines verheirateten Lebens gestanden.

14

Oliver Leskow, Agent des FBI in den USA.

Eine heilige Familie, wie Henry sagt.

„Ihr seid Weihnachten!“- das ist seine ständige Rede.

„Vergesst das nicht!“ Predigt er.

Lasst es Euch nicht ausreden, sagt er. Von irgendwelchen Leuten, die im Unglück sind und andere damit hineinziehen wollen, wie Betrunkene, die andere mit betrunken machen, damit ihr Delirium stimmt und sie sich sozial abgefedert fühlen: finanziell, gesellschaftlich und persönlich. Nach dem Motto: „Ich bin so, viele andere sind auch so. Gut so. Und wenn sie es nicht sind, müssen wir sie so machen. Dann haben wir ein soziales Problem und der fürsorgliche Staat handelt!“

„Ist das nicht unsozial wie Du redest?“ sagt Oliver in einem Gespräch mit Henry.

„Ich suche doch auch nur meine Freiheiten.“

„Genau darum geht es“, sag dann Henry und wiederholt

„Weihnachten, Karfreitag, Ostern, Pfingsten. Feiert das Leben.“ Er ist ein frommer Mann. Und das mit dem Feiern hat er von einem katholischen Freund seiner Frau, der das ihr mit auf den Weg gegeben hat, als sie Berlin verlassen haben, um Gemeinde in einem Wismut- Dorf in Sachsen und in einem Bauerndorf in Thüringen aufzubauen. Wenn es damals auch nur Bezirke gab, Rayons nach sowjetischem Vorbild. Jeder wusste wo Sachsen lag und wo Thüringen und das es Grenzdörfer gab; die Landeskirche Thüringen war übergreifend. Ob nun Rayon im Sozialismus. Oder Königreich Sachsen und Herzogtum Altenburg in der Kaiserzeit oder Freistaat Sachsen und Freistaat Thüringen in der Weimarer Republik oder im sogenannten 3. Reich.

„Er kommt in Wirklichkeit nicht mit seiner Vergangenheit klar, weil er in Wirklichkeit keine hat,“ sagt Henry im Austausch mit seinen Kollegen.

Und dann: „Eigentlich hat er ja gar keine Vergangenheit, weil man sie ihm verschwiegen hat“

„Nein, noch mehr: Man hat sie ihm erschossen an der Grenze zwischen GUT UND BÖSE in dem alten Europa.

Vermint, Beton, Stacheldraht, Schießbefehl- Demarkationslinie, Eiserner Vorhang. Seinen Großvater, den Vater seiner Mutter.

„Oder in einen Abgrund gestürzt. Aus Kalkstein“. Seinen Vater. Das ist eine lange Geschichte mit biblischem Ausmaß.

„Im Westen Deutschlands dann“?

„Ja.“

Die Kollegen in dem Verwaltungsgebäude lassen Henry laut nachdenken, als ob er allein in dem riesigen Gebäude wäre. Das schätzt er an ihnen.

Sie sind nicht nur kollegial, sondern solidarisch. Sie wissen, wer er ist.

Als einsamer Mensch hier angereist, aus gutem Elternhaus in der Magdeburger Börde.

Er, der eine Vergangenheit hat.

„Und Oliver?“

„Also ein Geheimnis? “, flüstert der Konvent.

„Sogar ein mörderisches“, antwortet der Geistliche seinem Vorgesetzten, als der ihn rundheraus fragt und wissen will, wie es denn nun weiter gehen soll mit dem jungen hoffnungsvollen Mitarbeiter aus der Pflegefamilie in Deutschland.

Mit der Mutter und so weiter?

„Gute Leute brauchen wir,“ nickt der General.-

„Können wir ihn gut gebrauchen?“-

„Missbrauchen?“- Der General schaut zum Fenster.-

„Kann sein. Sie sind gefügig. Sie sind angewiesen auf uns.“ Pause

„Aber die Zuverlässigkeit ist ein Problem. Die müssen wir ersetzen.“-

„Wir sind die Familie. Corporate Identity.“- Sie sind sich einig.

Der General und der gesamte Konvent.

Henry hatte das nicht vergessen.

Henry, der Sozialarbeiter und Seelsorger.

15

Auf dem Schiff.

Aber es war alles überholt durch die Ereignisse. Anne und Oliver saßen längst auf der Schiffsbank auf dem Deck des Segelschulschiffes, dass zurückfuhr nach Deutschland in seinem vierteljährigen Hin und Her zwischen der alten und der neuen Welt. Sie hatten sich dann doch sehr, sehr schnell entschlossen, um ihre Ehe zu retten, dem Kind die Eltern als Zusammenhalt zu erhalten und nicht nur als Erzeuger und Empfängerin.

Sie hatten Glück, dass sie nicht zu spät kamen und die Rückfahrt des Schiffes nicht verpassten. Die Formalia dauerten nicht so endlos lange und die Arbeitsstelle von Oliver war nicht gar so böse, weil es ja immerhin eine Krise gab in der Beurteilung von Oliver, was Zuverlässigkeit anging und Zukunft für den Mitarbeiter des Geheimdienstes in den Vereinigten Staaten von Amerika. Nicht, dass sie ihn nicht behalten hätten – auch im Auge behalten hätten müssen – sie waren dabei, sich Mühe zu geben. Henry, der Magdeburger war ihr Gewährsmann.

Aber das Entscheidende muss dann schließlich von den Betroffenen selber kommen. Das meinte auch Henry, als er erfuhr, dass sie nichts mehr halten würde. Er wünschte ihnen Glück und war sich nicht mehr so sicher wie sonst bei solchen Gelegenheiten, ob er nicht auch am liebsten zurückkehren wollte.

Bei der Weltlage. Krieg und Kriegsgeschrei. Apokalyptik aller Orten. Da kommt man schon auf dumme Gedanken. Aber seine Frau hinderte ihn. Sie war Amerikanerin durch und durch und glaubte nicht an den Weltuntergang. Und fühlte sich zwar ihrem Mann verpflichtet, aber nicht einem LAND WIE DEUTSCHLAND.

Oliver mit seinen deutschen Verwandten und Anne mit der Großmutter in der Muschel hörten den Wald immer wieder rauschen, den deutschen mit seinen schrecklichen Geheimnissen und notwendigen Offenbarungen.

Ihr Kind musste sich bemerkbar machen und Anne ging mit ihr auf Deck in die Sonne des Meeres.

Die Familie vertrug sich mit der Mannschaft und der üblichen Klientel dieser Route. Harmlose junge Leute, die – eigentlich wie Oliver – eine corporate identity brauchten, um nicht schutzlos der Willkür ihrer eigenen Stimmungen ausgeliefert zu sein und Drogen zu nehmen, wenn sie ausblieben.

Sie waren einfach auf viel Freundlichkeit angewiesen. Und dazu war dieses Schiff gerade richtig. Die Mannschaft entsprach dem voll und ganz.

Sophie war inzwischen drei Jahre alt und der Krieg in Europa dauerte. Jeder behauptete keine Kriegspartei zu sein und schob Waffen zu seinem Favoriten, nicht einmal heimlich. Alle Werte von vor dem unausgesprochenen Krieg galten nicht mehr oder wurden auf den Kopf gestellt. Aus den Freiheitskämpfern wurden Friedensfreunde und aus den Friedensfreunden wurden Freiheitskämpfer. Die Friedensfreunde nannten sie Bellizisten…

…Eintragung Kondolenzbuch in Russische Botschaft, danach Cafe Unter den Linden, gegenüber———————————————————————-

…über die berühmte Brücke in der Nacht wegen Mauerfall feiern und Gedenkgottesdienst in Grünau, auf Wunsch des Gemeindekirchenrates. Die Mauer entlanggefahren , die nicht mehr steht. Nur in Ausnahmen.

…Schriftsteller unter sich in dem Bürgerhaus Frankfurt/Main, in dem sich Bader -Meinhoff versteckten, als sie gesucht wurden. KÜCHENLESUNG MIT VERLEGER EINGETRAGEN ALS ERSTE VERANSTLTUNG ZUR BUCHMESSE.

Aus dem 2. Buch

…Anne kehrt zurück nach Berlin. Sie hat genug gehört und gesehen. Sie hat die gute Waldluft ein und ausgeatmet und sich beruhigen lassen von der Großmutter, ihrem Vater, ihrem Kind. Sie hat das Grab ihrer Mutter besucht und den Pastor. Sie weiß was Stille ist. Und die wird ihr keiner nehmen.

3

In eigener Sache…

Dies ist eine Szene mit Chor, Fragesteller und Bewohner von Müggelheim, den südöstlichsten Rand von Berlin, betreffend. Gefunden als Textheft für ein Amateurtheater, sogar aufgeführt und in Regie gebracht auf Kosten des damals noch kulturfreundlichen SENATS VON BERLIN bezw. Des Stadtbezirkes Berlin Treptow-Köpenick. Es soll Applaus gegeben haben nach der Aufführung des Stückes in dem Wohnort, um den es geht:

Fragesteller:„Sie wohnen in der Philipp-Jacob-Rauch-Straße?“

Bewohner:„Und zwar dort, wo früher versucht worden ist Wein anzubauen wie in der rheinländischen Pfalz. Dann doch besser Kartoffeln wie in Preußen und Amerika. Und Korn und Weizen“.

„Sie haben sich in diesem Berliner Dorf eine Wohnung genommen, nachdem sie gerechnet haben wegen der Miete?“

„Es ging. Der Weg zur Arbeit war nicht wesentlich beschwerlicher als der innerhalb der Stadt“.

„Philipp Jacob Rauch muss ein Pionier gewesen sein, den der Preußische König angeworben hat, um seinen Sandboden, in dem nur Kiefern wuchsen, zu bevölkern?“

„Die Sage geht: in Konkurrenz zu Amerika“?

„Und eigentlich war der Oderbruch gemeint und nicht das Wald-und Seengebiet, welches später nach dem Müggelseee und den Müggelbergen Müggelheim genannt wurde“.

„Die Sumpf-und Mückenplage im Oderbruch waren so allgemein und unbekannt für die Pfälzer, dass sie, die vor den Erbfolgekriegen im 18. Jahrhundert flohen, lieber an den Ufer des Müggel-Sees wollten“.

„Und sollten dann! Und nicht mehr an die Oder, wo Friedrich der Große doch Großes vorhatte mit ihnen“.

„In der DDR hat man gerne verschwiegen – und das deckte sich mit der Berliner Säkularisierung in alten und neuen BRD-Zeiten – dass es konfessionelle Gründe gab, von der Pfalz weg zu gehen, die Heimat zu verlassen“.

„Sie waren Protestanten und wollten nicht in die Hände eines katholischen französischen Herrschers fallen“. „CONFESSIO heißt Bekenntnis und in der DDR gab es nur ein Bekenntnis, nämlich das zum Sozialismus“. – Zwischenruf aus dem Publikum:„Welches Bekenntnis prägt uns?“ – „Nur verwunderlich, dass selbst in sogenannten kirchlichen Kreisen diese Fälschung herunter gespielt worden ist und stattdessen alles Mögliche unwidersprochen gedruckt wurde, was für den Ortswechsel ausschlaggebend war, nur nicht der Glaube der Glaubensflüchtlinge“.

Lange Pause

Bewohner:„Da ich selber, Bewohner hier und gleichzeitig der Autor dieses Sketch , Vorfahren habe, die aus solchen Gründen ihre Salzburger Heimat verlassen mussten und unter unsäglichen Mühen mit Sack und Pack sich eine neue Heimat gesucht haben…in den Niederlanden…andere in Ostpreußen, möchte ich dieses Lied singen, wenn es um die Entstehung dieses Ortsteiles geht. Zumal das Kirchlein, welches ausschaut wie ein Feuerwehrhäuschen im Quadrat, dem Autor ebenso wenig gleichgültig ist wie die Fluchtgeschichte selber, aber genau damit auch zusammenhängt. Das erste bei den Siedlern war immer: Kirche und Schule. Auch in Preußen. Nicht nur in Amerika“.

„Übrigens auch in jeder missionarischen Unternehmung weltweit, soweit es christlich ist“.

Pause.

Fragesteller:„Ich nehme aber an, dass es in andern Konfessionen und Religionen ähnlich sein wird, wenn es um ein spirituelles Erbe geht, dass – egal , wo auf der Welt – etabliert wird“.

Bewohner:„Ich erzähle das so ausführlich, weil es uns immer ärgert, auf welche Weise Profil verloren geht zugunsten einer Menge von Fakten, die einen dann erschlagen (beeindrucken) wie ein Steinschlag“.

Chor:“Oh – wie schön. Wie toll!“

Chor:“Oh Wissenschaft. Oh Akademie!“ –

Bewohnerin:„Oh, wie fallen wir immer wieder darauf herein und wundern uns dann, wo alles, was doch gut war, verloren gegangen ist. Nicht nur der Himmel, nein auch die Erde. Sie wird auf diese Weise wüst und leer – wie vor dem Beginnen“.

Bewohner:“Müggel heißt eigentlich MUGEL. Mugel heißt Grab. Der Müggelberg ist ein Kultberg der Sprewanen, der Urbevökerung dieser Gegend abwärts vom Spreewald kommend. Immer der Spree und der Dame entlang. Woher ich das weiß? Mit dem Fahrrad unterwegs an einem großen Hotel am See lese ich: MUGEL und die dazugehörige Erklärung. Damit die Hotelgäste wissen wo sie sind. Das sollten sie dann nicht mehr. Gab es Ängste? Das war schon vor Corona. Nein sterben wollen wir noch nicht. Das ist unheimlich. Dass die alten Völker eine Religion hatten, vielleicht eine primitive mit Kult-Berg, nicht ganz so wie auf Rügen, aber immerhin, muss kein Tourist wissen“.

Chor:„Wir sind empfindsam.“

Chor:„Sagt wer?“

Chor:„Sagen sie“.

Chor:„Wer, die Gäste oder der Anbieter?“

Fragesteller:„Irgend ein Programmierer hat es entdeckt, als der dem Ganzen neuen Schwung verleihen wollte und nahm sich dieser Info an“.

Bewohner:„Ich war sehr enttäuscht, als ich bemerkte wie flach und hohl alles wurde, was ja immerhin einen gewissen Tiefgang hatte. Man konnte sich schon wundern. Erst, dass solche Dinge in einem Schaukasten zu lesen waren und dann: nicht mehr. Auf einmal“.

Jemand aus dem Publikum:„Ja, alles kostet seinen Preis“.

Chor:„Die Neue Zeit“. Lange Pause.

Chor:„Der Glitzer und der Glammer“. Pause.

Chor:“Wir wollen so etwas nicht hören. Oberfläche bitte. Bitte, bitte!“

Bewohner:“Mugel gleich Grab gleich Kultberg, der Müggelberg und der Müggelsee. Mit Mücken hat das absolut nichts zu tun“.

Bewohnerin:„Wie Kitzbühel in Tirol nichts mit Kitzen zu tun hat“.

Fragesteller:„Da mag es noch so viele Holztiere davon geben, weil man ja schließlich etwas mitbringen muss für die Kleinen“.

Chor:„Vergiss es“.

Chor:„Verzeih es“.

Es ist alles so lange her und selbst Napoleons Truppen haben das Dorf nicht finden können auf ihrer Futtersuche…und mehr.

Zum Autor der Szene noch einmal extra gewendet der Schauspieler, der die Fragen aufwarf:

Sie Sie haben sich als Autor dieses SKETCHES geoutet. Sie wohnen dort also wirklich?“

Ich und meine Frau M. seit nunmehr über 18 Jahren. Seit meinem Ruhestand. Unsere Kinder und Enkel kommen uns dorthin besuchen und auch andere, die gucken wollten, wo wir geblieben sind. Damals: erste Besuche. Es ist natürlich sehr weit draußen hinter den sieben Bergen. In dem Fall die Müggelberge. Über dem See. In diesem Fall über dem Müggelsee. Wenn Du auf der Terrasse sitzt und lauschst, am besten gegen Abend, noch besser in der Nacht: Du hörst ihn rauschen: Den Wald, den Henry-Potter-Wald. Du hörst, wie das Wetter umschlägt. Du siehst wie auf einmal die Flugzeuge vom Flughafen Schönefeld nicht mehr starten, sondern landen, je nachdem aus welcher Richtung der Wind kommt.

Allein die Strömung ist aussschlaggebend, damit die Flügel tragen. Wie wenn Du Drachen steigen lässt. Du musst den Finger in den Wind halten, um zu wissen in welche Richtung du rennen musst, damit er steigt. Das bringst du Deinen Enkeln bei auf der Kirchenwiese, wo jetzt eine KITA gebaut wurde. Eine Freude, wenn er steigt. Und Trauer, wenn er abstürzt, weil du nicht wusstest, wo der Wind herkommt.

Oder das Bellen des Hundes ganz weit draußen in der Siedlung, wo früher die Äcker waren. Oder natürlich das Singen der Nachtigall, bei offenen Fenster. Das Käuzchen. Die Glocken der Gottesschachtel in Richtung Osten. Bei Westwind hörst Du sie nicht?“

Möchten Sie noch etwas sagen?“

Nein.“

4

Oliver holt Anne und Sophie ab vom Hauptbahnhof in der Mitte Berlins und alle drei sind wieder froh vereint.

„Ach mein lieber Iwan, was machst du mir für Kummer. Du schreibst nicht. Du appst nicht, du telefonierst nicht. Hast du überhaupt keine Sehnsucht nach uns?“, sagt sie schließlich selig in Wagen 3 der Erknerbahn. Sophie nickt eifrig. „Ja, Papa, Mama hat recht, du hättest ruhig ‚mal anrufen können. Die Großeltern und die anderen haben sich nur gewundert. Immer mussten wir anrufen und ein paar Worte aus dir herausquetschen.“

„Ihr könnt das eben alles viel besser, als ich.“

Damit war das Gespräch beendet und jeder guckte weiter selig vor sich hin oder zum Fenster `naus, als es durch die Wuhlheide ging. Endlich Köpenick, das Straflager in Volker Kutschers Berlin-Babylon für sozialdemokratische Polizisten im 3. Reich.

„Was sind wir doch, was haben wir…“summte plötzlich jemand in der Nachbarschaft.

„Ein lustiger Vogel“, dachte Anne und Oliver schaute sich um, wer noch alles im Abteil sitzt. Sophie summte mit. Plötzlich wurde Iwan Leskow lebendig und fragte;“Wie war es denn nun, erzähle doch `mal, Anne. Und du, Sophie, bist nicht so vorlaut.“

Da war aber auch schon das Kaufhaus und die Station. „Erst einmal aussteigen!“

Und man musste sich sputen zum Bus zu kommen.

„Erst mal`, erst `mal“, brummelte Oliver, eingetragen als Iwan (Russlanddeutscher).Als sie endlich im Bus saßen, hatte jeder vergessen, was er sagen wollte, weil sie so glücklich waren, sich wieder zu haben nach der langen Trennung.

Es war ja auch spannend, das Leben in Berlin.

Da gehen sie. Sie mit ihrer berühmten Umhängetasche aus Amerika und Oliver zog den Wagen mit den kleinen Rädern für alle Rollbahnen der Welt. In diesem Falle für die Bahnsteige nach Süden in den Fichtenwald und wieder zurück zu den Kiefern und den roten Dächern auf der Südseite der Müggelberge, dass es nur so knallt, wenn die Sonne scheint. Gerade im Winter. Aber jetzt ist Frühling. Ostern steht vor der Tür. Sophie mit Extra-Wagen von Oma geschenkt. Oma von Anne. Die Gute, die immer telefoniert hat über den Ozean, mit der Anne immer reden konnte. Die ihre Tochter verloren hat und eine neue Familie gewonnen hat durch den Schwiegersohn aus dem damaligen Osten, der überlebt hat gemeinsam mit Sophie, als die Autos schlingerten auf der Hochstraße. Damals kannten sie sich noch nicht. Diejenigen, die in den Autos saßen. Im Gegenteil. Sie waren Feinde und wollten sich töten. Ein Rachefeldzug mit den falschen Leuten im Visier.

Nun erreichen sie endlich das Gartentor zum sogenannten Wohnpark, eine Erfindung der Gartenbauarchitekten und Architekten, die diese Siedlung neu bauten.

Da kommt ihnen Petruschka aus Marzahn entgegen. Iwan hat sie angeheuert für die Wiederkunft seiner Frau mit Sophie aus dem Wald im Westen Deutschlands, der Heimat von Anne. Jetzt eilt sie und hält die Tür zum Bungalow. Alles gut. Zu Hause zwischen Müggelberg und Müggelsee.

Petruschka ist großartig und hat Kuchen besorgt und trägt den Kaffee auf.

„Hallo Petruschka, das ist ja toll, dass ihr mich nicht vergessen habt!“

„Wie sollten wir.“

„Wo ist Dein Mann?“

„Er wollte nicht mitkommen.“

„Warum?“

„Er ist immer noch so bedrückt, weil es diesen Krieg gibt im Osten.“

„Da muss er doch gerade mitkommen.“

„Das stimmt“, sagt Iwan.“

„Wir können uns doch nur gegenseitig trösten und Gott um Hilfe bitten in diesen wirren Zeiten.“ Sophie hält die Hände der Petruschka fest und zieht sie neben sich auf das Sofa. Dann erzählt sie von den Erlebnissen, die sie gerade hinter sich haben. „Der Großvater war ganz prima. Er ist ein richtiger Auto-König geworden in seinem Wald. Und Oma und Uroma haben getratscht, was das Zeug hält.“

„Die Oma ist die 2.Frau von Opa nach einem Unfall“, fügt Anne an.“Bei dem Unfall ist meine Mutter um s Leben gekommen“. –

———————————————————————————-

Am nächsten Tag wollten sich Anne und Sophie von ihrer Reise erholen. Am übernächsten auch noch. Dann war wieder Alltag. Die Schule begann wieder und Anne musste sich vorstellen auf dem Arbeitsamt. Sie haben ihr eine Stelle in Aussicht gestellt.

Lehrerin für die Klassen 1-4. Ihr Traumberuf, den sie schon angefangen hat zu lernen in Amerika.

Mal sehen was sie sagen. Ja, sie müsse einige Kurse besuchen, um die Eignung vor Berliner Schulklassen garantieren zu können. Was allerdings für Amerikaner nun gerade kein Problem sein dürfte.

Und auch noch, wo sie doch aus dem New Yorker Umfeld nach Berlin umgezogen ist. Außerdem ist ihr Mann auch ein pädagogischer Typ, der nicht ohne Grund als Ausbilder in der russischen Armee eingesetzt war von der Behörde, die für Freiwillige aus dem Ausland zuständig war. Und auch die erste Zeit in Berlin: Berufschule, in die Jugendliche aus dem Holzfach ein und aus gingen!

Also los. Nachdem sie die Kurse besucht hat und die Eignung bestätigt wurde hat man ihr zwei Schulen angeboten. Da die Familie ihren Wohnsitz in Köpenick hatte, hat sie sich die Köpenicker Schule ausgesucht und einen Termin vereinbart mit Hilfe des Arbeitsamtes und und der entsprechenden Einrichtung des Berliner Senats. Es wurde die Humboldt-Schule. Sie hätte auch ein christliches Gymnasium wählen können mit KITA und unteren Klassen, aber sie wollte sich zumuten in einer typischen Ostschule zu unterrichten, gerade weil ihr Elternhaus im Westerwald zu finden war und ihre Jugend und Ausbildung US-amerikanisch gelenkt wurde. Wenn man das überhaupt so sagen darf.

Also freute sie sich: Auf die Kollegen und Kolleginnen, auf den hoffentlich smarten Direktor und vor allen Dingen auf die Kinder.

Sie war in der Lage alle Fächer für die Unterstufe zu übernehmen. Am 5. September 2024 sollte der Unterricht beginnen. Sophie ging in eine andere Schule und war inzwischen in der 8. Klasse. Sie würden alle zusammen aus dem Haus gehen. Jeden Morgen. Und in verschiedene Richtungen fahren. Oliver in seine Holzbude, weil er auf einmal wieder als Tischler mit Kopf , Herz und Händen arbeiten wollte.Sophie in ihre Schule weiter nördlich und Anne Humboldt. Oliver musste sich nicht großartig darauf vorbereiten. Sein Urlaub ging zu Ende, den er sich genommen hatte, um Frau und Kind würdig zu empfangen. Sophie jaulte, wie alle Kinder, wenn die Ferien zu Ende gehen. Aber sie freute sich doch.

Oliver freute sich auch.

Es ging einfach weiter. Maschine anwerfen nach Hallo und Umziehen im Umkleideraum. Sägen, Hobeln, profilieren. Pause für Mitgebrachtes.“Wie war es zu Hause im Waldgebirge für Anne und Sophie?“ „Ja, jetzt schwärmen sie vom Wald mit Fichten und Tannen.“ „Na, sie werden sich wieder an die Kiefern und Birken gewöhnen.“ „Ja, hoffentlich.“ „Hättest eine Russin mitbringen sollen.“ „Ja, da gibt es noch mehr Birken“, pflichtet ein anderer Arbeitskollege bei. Sie kannten sich von Betriebsfeiern und-Ausflügen. Es war ein gut funktionierender Familiebetrieb

Natürlicher Weise kennen sie ihn nur als Russlanddeutschen und er muss froh sein, dass niemandem sein Deutsch, mehr amerikanisch als russisch, so merkwürdig vorkam, dass sie ihn -jedenfalls bis jetzt – dazu löcherten. Arbeiter können sehr taktvoll sein und sensibel. Zumal die sogenannten Holzwürmer. – Sprichwörtlich!

Es gibt ja sehr viele Russlanddeutsche gerade auch in Ost-Berlin, denen man sicher mehr Russland zugetraut hätte als ihm. Wenn man sie hört in den U-Bahnen, den Bussen und S-Bahnen, Straßenbahnen. „Wir machen uns darüber nicht all zu viel Gedanken,“ sagen sie .

„Er ist gebildet“.

„Jeder Mensch ist anders.“

Aber perfekt russisch kann er. Sie haben ihn gebeten, einmal dasselbe in russisch zu sagen, was er eben in astreinem deutsch gesagt hatte. Da haben sie gestaunt. Sie kennen Russisch noch aus der Schule, wenn sie alt genug dazu sind.

Es war meistens nicht ihr Lieblingsfach.

„Wer das nicht lesen kann, ist ein dummer Wessi“ in kyrillischen Buchstaben. Dazu reichte es.

„Ich habe gehört, das hängt in manchen Tischlerbuden“, sagt einer. Wenn sie herumsitzen in den Pausen oder beim Bier zum Feierabend. Also, die Russen waren doch mehr Freunde als so mancher Wessi? „Kann man sagen“, sagt einer.“Besonders, wenn sie arrogant sind und eingebildet, die Wessis“, sagt der rotblonde Vorarbeiter.

„Nun aber los, genug geschwatzt. Der Auftrag lockt. Wir können gutes Geld verdienen. Ein reicher Pinkel will selbst gebaute Küchenmöbel. Preis spielt keine Rolle.“ „ Da wird sich der Alte aber freuen.“ „Na, nicht nur der, wir bekommen eine Prämie wenn wir den Termin schaffen, den sie uns gesetzt haben.“

So ging das den lieben langen Tag, wenn es gut ging. Manchmal ging es auch nicht so gut. Da musst du höllisch aufpassen, dass Dir nicht eine Spanplatte beim Abladen an die Hacke fährt. Die Dinger rutschen auf der Rutsche durch das breite Kellerfenster und können jeden treffen,wenn jemand die Gewalt verliert über die Dinger. Ober auf der Straße. Pass auf. Und sieh zu, dass du nicht einen Stiefelabsatz spürst im Gesicht, wenn es leidenschaftlich wird. Das Gebrüll – schon wegen der Maschinen.

„Du musst dich konzentrieren.“

Oliver hat Tischler gelernt nach dem Abitur.Vor dem Studium. Bei seinen Adoptiveltern. Dann haben sie ihn geholt, die Amis. Und die Eltern haben ihm gut zugeredet, darauf einzugehen: „Es ist eine Chance!“ Sie wussten aber auch: Handwerk ist immer gut. Und jemand erzählte aus der Kriegsgefangenschaft, wie gesucht Tischler waren in den Lagern. Holz ist ja auch ein ganz besonderer Stoff. Es lebt. Es arbeitet.Es hat Schönheit, wenn die Maserung zu sehen ist. Ja, ja gefährlich ist es auch, seit es Maschinen gibt auf dieser Erde. Kein Rad dreht sich so schnell wie die Kreissäge. Wenn Du Metalle vor dir hast, musst du behutsam sein wegen der Härte. Da ist nichts mit schnell, nur mit Geduld wie mit dem Stein, der ausgehöhlt wird vom steten Tropfen, der ihn trifft.

Aber Holz?

Im Nu.

Eben das gilt auch für Holzbohrungen. Alles schön schnell. Alles schön gefährlich. Kein Rad der Welt dreht sich so schnell, wie die Sägeblätter und die Bohrer, wenn sie auf Holz treffen. Und die Fräßen! Oliver ist trotzdem froh, nach dem Gymnasium ein Handwerk in Deutschland gelernt zu haben und nicht nur Studium und dann SECURITY in den USA. Jetzt kann er das gut gebrauchen. Übrigens der Betrieb, in dem er Arbeit gefunden hat, heißt TALITZKOW. Das war ein Holzbetrieb mit ungefähr 20 Mitarbeitern auf privatrechtlicher Grundlage sogar noch in der DDR jedenfalls bis zur letzten Sozialisierungswelle in den 60iger/70iger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Dann hat es Honey gepackt und er musste den Sozialismus vollenden indem die kleinen noch im sozialistischen Privatstatus verbliebenen Privatbetriebe verstaatliche wurden.

Ich weiß nicht welcher Teufel ihn da geritten hat. Alte Ideale? Der FDJ-Sekretär.

Und Sophie in der Schule? Sie wurde auch ausgequetscht, wie es denn im Westen unseres Vaterlandes gewesen ist. Wie kann ein Wald WESTERWALD heißen?

„Prima“, hat sie geantwortet.

5

Nun war also Anne im Schuldienst des Senats von Berlin, des Landes Berlin. Sie war nicht verbeamtet.

„Diese feinen Unterschiede einer typischen BRD-Diskussion“, moniert der Chor der Unzufriedenen mit ALLEM.

Die Begrüßung und Vorstellung im Lehrerzimmer ging reibungslos. Ihr wurden die Cafe-Maschine gezeigt, die ganze Art und Weise „wie das hier geht“, wer für was und wo zuständig ist. Also die allgemeine Ordnung, die ungeschrieben war, aber deshalb um so wichtiger. Dann nahm sie der smarte Direktor bei der Hand und führte sie in die Klassen, in denen sie unterrichten würde. Es waren Arbeiterkinder, von Angestellten, ein paar Intellektuelle gab es auch, die ihre Kinder dieser Schule anvertrauten. Es war eine Ost-Schule mit Ostbevölkerung, eben Köpenick, der östlichste Bezirk. Hätte man früher gesagt, durch Generationenwechsel, grünes Lebensgefühl und anderes mehr begann aber auch hier die Fluktuation, die Grenzen sind verschwommen. Es gab auch die AfD, die Rechten und die Linken, die demokratische Mitte mit außerordentlich wenig Christentum. Nicht nur DDR, sondern Berlin eben. Gysi war immer noch der Patron und wurde regelmäßig direkt gewählt. Obwohl im Nordosten ein Messdiener die LINKE verdrängte und der Flecken im Bundestagswahlspiegel auf einmal schwarz geworden war. Und blau. Das ist bemerkenswert. Und deswegen fühlte sich Oliver Iwan hier so wohl. Nicht nur die Russlanddeutschen wählten blau, nein, auch die Ossis, die genug von Krieg haben und Jewtuschenko glauben wenn er singt:“Glaubt Ihr die Russen wollen Krieg?“ Wie nahe sind sie sich inzwischen alle: dieses Bündnis, welches die Schülerin aus Jena gegründet hat, Sarah Wagenknecht, die Linken, wenn sie ehrlich sind und nicht machtversessen. Wenn sie treu sind den Idealen der „Großen Ruhmreichen Sowjetunion“, die Alternative für Deutschland, zu denen alte SPD – Genossen geströmt sind und ehemalige SED-Genossen ebenso – manches Mal gab es da sowie keinen Unterschied. Jetzt nicht. Damals nicht. Ja, ja, die Deutsch-Nationalen, die leider verboten werden mussten vor 75 Jahren, weil es zu schwierig war den Alliierten die feinen Unterschiede zu erklären, die es aber ausmachen. Was ist deutsch-national. Was ist Nazideutschland. Die Deutsche Demokratische Partei hat man nicht verboten, die Liberalen der Weimarer Republik, die ja auch in Teilen dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt hatten aus Angst vor der Bedrohung aus dem Osten. Die Bedrohung hieß Kommunismus, Bolschewismus. Trotzki, Stalin, ja auch die wütenden jüdischen Genossen der Kommunistischen Partei in dem großen Russland.-Wer kennt eigentlich noch die Geschichte der KPDSU? Auch Arbeiter und Arbeiterinnen hatten Angst und wollten diese Art von Sozialismus gar nicht. Auch und gerade in Berlin nicht. Mehr als in München, wo die Schwärmer der Räterepublik ihren bayerischen Ton angaben und scheiterten. Ja, auch das Zentrum hat man nicht verboten, die Katholische Einheitsfront. Sie haben auch mit abgestimmt, ob der Führer Sondervollmachten bekommen darf angesichts der Lage. Sie blieben: die CDU, die FDP mit dem ersten Präsidenten der Republik, der auch mit gestimmt hatte. Er hat es selber gesagt.

Nur die SPD, die jetzt bei 16 Prozent liegt, sie hat gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt. Und sie hat mit Fritz Reuter gerufen: „Die rot lackierten Faschisten!“ von WEST NACH OST. Über die Mauer, die erst nach diesem Ruf gebaut wurde. – Das ist die politische Gemengelage im Ostteil Deutschlands im Ostteil Berlins. Dort, wo Anne, Sophie und Oliver Iwan leben und arbeiten. Das ist die Politische Decke, die über alles gelegt ist, darunter bewegt sich das alltägliche Leben. Oder darüber. Je nachdem wie man es sieht. Politik als Untergrund oder als Schutz. Eben der Staat. Der übrigens auch geschützt beziehungsweise gestützt werden muss und nicht verteufelt und ständig angegriffen. Es sei denn, er entwickelt sich zu einem räuberischen Haufen (Augustinus).

Ob das alles Anne so bewusst war?

Aber im Großen und Ganzen hatte sie ein Gespür und war auch deshalb geeignet Kinder im Staatsdienst zu unterrichten mit einem Schwur auf den demokratischen Rechtsstaat. Und – was noch wichtiger ist – der Direktor wird es gewusst haben. Er selber war der SPD treu geblieben und war bekannt mit dem Ortsteil-Bürgermeister in Berlin Treptow-Köpenick, auch SPD von der letzten Wahl her. Wer grün war im LehrerInnenkollegium und wer rot oder schwarz, lila-rot, SARAH, heimlicher oder offener Sympathisant wird Anne mit der Zeit schon noch erfahren. Hauptsache war die Liebe zu den Kindern, den Mädchen und Jungen, die lernen mussten sich zurecht zu finden in dieser Welt, die für ihre Großeltern so neu war, wenn es Einheimische waren, echte alte Berliner, Ostberliner, Köpenicker. Und zwar nicht nur durch Lesen und Schreiben, sondern auch durch Malen, Singen und Tanzen. Ja, auch tanzen und Märchen erzählen. Das dachte die gelernte und studierte Lehrerin mit amerikanischer und deutscher Lebenserfahrung, einem Abschluss für Lehrerinnen in en USA und in Westdeutschland in der Zeit, als ihre Mann verschollen war im Krieg Russlands gegen die Ukraine und nun zurück gekehrt war als Antragsteller Oliver Iwan Schostakowitsch, deutscher Herkunft aus Russland, Wolgagebiet. Wenn jemand seinen wahren Lebensweg weiß, kann er ihn anzeigen. Bei wem? Bis dahin war es Beichtgeheimnis. Nur wenige wussten Bescheid. Sie waren auch deshalb zu Hause in einer Kirchengemeinde, die besonders engagiert war für Menschen, die von den Deutschen als Russen und von den Russen als Deutsche beschimpft wurden. Jedenfalls war es zu Beginn so, als CDU-Regierungen den Weg ebneten für Rückkehrer. Eigentlich sind das alles Jahrhundertereignisse, die früh angezeigt haben, das nichts so bleiben wird wie es war.

Wie wird es? –

Ja und auch deshalb wird es darum gehen: Mathematik, Rechnen, Smartphone. 2 plus 2 bleibt 4 . 6 plus 8 bleibt 14. Beziehungsweise wird wieder 14. Es gab so viel Ideologie, das sogar das infrage gestellt worden ist.

Bei der Vorstellung im Lehrerzimmer wurden ihr die Kollegen vorgestellt. Sie fragte, gibt es auch einen Lehrer für Religion, eine Lehrerin? – Wir haben erst ab 7.Klasse dieses ordentliche Wahlfach. Aha, und wo erfahren die Kinder etwas von dem was sie ausmacht. Der Glaube? – In ihren Gemeinden und zu Hause , schaltete sich der Direktor ein. -Das gilt sowohl für die christlichen wie auch muslimischen Kinder?- Ja, es ist eine kleine Minderheit. Die DDR war ein atheistisches Land. Die Ureinwohner sagen: es reicht uns BerlinerInnen zu sein. –

Heute hatte Anne noch keinen Unterricht zu geben. Das war eine allgemeine Vorstellung. Sie bekam die Stundenpläne ausgehändigt und ab nächsten Montag ging es los. Das war im Mai 2025 als alle Welt von Trump sprach, Selenski und Putin, dem Verbrecher. Und vom Frieden nach über drei Jahren Krieg. Die GROSSE WOLKE über allem: 80 Jahre Frieden, eben nicht, in Europa. So hat es sich jeder gewünscht. Aber es konnte dann nur heißen für die Siegermächte und das arme Deutschland mit seinem erstickenden Wohlstand KRIEGSENDE 80 JAHRE. Und Russland war auch Sieger. Und das war das Schlimmste. Niemand begriff das mehr als Anne und Oliver, der Iwan heißen muss, sonst hätte er nicht zurück kommen können.

Insofern war es gut, dass Anne nur „die Kleinen“ hatte, nicht die Großen.

Sie hoffte und betete für den Frieden in ihrer Familie und für zu Hause im Westerwald und für die Welt. Für die Freunde in AMERICA, für die Menschen, die Oliver vor Jahren getroffen hatte während seiner Flucht aus amerikanischem Gewahrsam über Berlin, über Pommern, Polen, Belarus – bis nach Russland. Für die Russinnen und Ukrainerinnen, die Mütter und Väter in Russland und der Ukraine, die ihre Söhne und Töchter verloren haben, die in den Krieg zogen, um für die Freiheit der Ukraine zu kämpfen. Ihr Ideal seit Hunderten von Jahren. – Was für eine Freiheit heute? Frei von Russland, dem Großen Bruder, frei von der Übermacht im Osten und Süden? Frei von der Geschichte – endlich – im WESTEN ankommen.

Nur Lust und Liebe und ZEIT? Und Tod? Leben, Leben, Leben.

Wann hört die Operation auf, ein schreckliches Wort für einen grausamen Krieg.

Ja, ja, das Spezielle. Der quere Krieg. Querfront. Der Krieg ohne Kriegserklärung. Der Einmarsch. Die Agression. Die Geschichte, der schwächste Punkt.

Geschichtslos. Gottlos. Was ist besser. Was ist schlechter. Was ist gut, was böse. Das böseste Dunkel. Das Abgründige. Das Verstörende. Asymetrisch. Partisanen.

„Frieden. Frieden“, schreien sie.

Die Menschen auf dem Feld der Ehre, die Opfer. Die Idealisten. Die Chefin einer Abteilung des amerikanischen Geheimdienstes, deren Sohn sich durchgeschlagen hat an die russische Front im fernen Europa, um für Russland zu kämpfen, weil Russland für den GAZA ist und ihr Sohn seine Heimat hasst. Hat die Mutter keinen Mann. Ist die Ehe geschieden? Davon kein Wort in der Meldung. Aber jetzt weint sie. Er soll gefallen sein. Nicht auf ukrainischer sondern auf russischer Seite. Der einzige Sohn in einer emanzipierten Ehe, in einer gescheiterten Ehe. Davon kein Wort. Der Spiegel zitiert die Todesanzeige der Eltern: „Nun hat er seinen Weg des kriegerischen Geistes und des Heldentums vollendet.“ Noch ein paar Tage vorher war der Eindruck entstanden, es handel sich um einen Freiwilligen auf ukrainischer Seite. Passte ja auch viel besser in das progressive Deutschland, deren Diplomaten sich einst verpflichtet haben, die Gräber der Roten Armee zu pflegen. Das waren die Zeiten als Steinmeier als russlandfreundlich galt und Russland laut jetzigem russischen Botschafter in einer Diskussionsrunde im THEATER OST in OSTBERLIN das beliebteste Land in Deutschland war. Das halten zwar Einige auch für übertrieben. Aber wer weiß.- Wann wird das Ganze auffliegen? Der Krieg? Apokalypse. Das Elend. Wann ist ERLÖSUNG? Wo ist Gott? Kommt er nun wirklich.- Und der falsche Russlanddeutsche? Die Notlüge, damit er nicht verhaftet wird und den USA übergeben, denn er ist immer noch amerikanischer Staatsbürger. Im Dienst des amerikanischen Geheimdienstes. Er wird gesucht. Er ist Geheimnisträger. Er hat das Vertrauen missbraucht, welches man ihm entgegengebracht hat vor allen Dingen wegen der Fürsprache eines Geistlichen. Nämlich Henry aus Magdeburg – ursprünglich.

Er durfte eine Auszeit nehmen und seine Frau mit der Tochter Sophie nach Deutschland begleiten. Sie wollte dort in ihr Elternhaus ziehen, um eine Lehrerausbildung für die unteren Klassen zu beginnen und abzuschließen, um später auch in diesem Beruf arbeiten zu können. Man wird sehen, haben sie gesagt, ob das mit Oliver geht, ob es eine Möglichkeit gibt für den Geheimagenten in Europa zu arbeiten. Für eine längere Auszeit war es eigentlich zu früh. Zu wenig Dienst-Zeit. Zu wenig Verdienste. Besondere Verdienste. Ein Sabbatjahr kommt in der Regel höchstens nach zehn Jahren infrage. –

Erst einmal fliegt gar nichts auf. Die Beamten fragen nicht nach. Scheinbar haben sie keine Anhaltspunkte um nachfragen zu können in dem deutschen Rechtsstaat. Seit kurzem nicht mehr rot-grüner Prägung nach der letzten Bundestagswahl.

„Jetzt sind wir Schwarz-Rot.“, sagen die Mächtigen.

Ob die Farben das Entscheidende sind wird sich zeigen. Vielleicht spielt ja auch eine Rolle, wer den Krieg gewinnt: der Friedenswille des Donald Trump. Oder? – Alle Menschen wollen Frieden. Alles neu macht der Mai. Erster Mai – alle Menschen werden frei. Tag der Befreiung. Gestern Spitzennachricht, dass WLADIMIR SELENSKI am Donnerstag nach Istanbul reisen will, um mit WLADIMIR PUTIN zu sprechen. Das erste Mal.

Haben wir verlernt, dass es Grenzen gibt, die bei Überschreitung Krieg bedeuten?

Ja oder nein.

Haben wir verlernt, dass Räder nicht einfach zurückgedreht werden können, weil wir keine Mechanik sind, keine Aufzieh – Puppen. Dabei geht es nicht nur um Grenzen, die eingetragen sind auf den aktuellen Landkarten, sondern auch um Grenzen, die respektiert werden müssen. Einfach. Einfach respektiert. Sonst gibt es Hauen und Stechen. Was wollen wir sprechen? Die Sprache des Friedens oder die Sprache des Kampfes, des Freiheitskampfes, der Waffen. Des Horrors. Der Vernichtung?

Die Supermacht AMERICA drängt darauf direkt zu verhandeln. Ohne Vorbedingung. Keine europäischen Spielchen. Kein 1. Weltkrieg. Kein Schlafwandeln mit Christopher Clark.

Nun gibt es seit der Inauguration von Donald Trump die Hoffnung, dass Gott gerade diesen zu seinem Werkzeug des Friedens machen will. Schon andere sind zum Werkzeug geworden, wo wir nur den Kopf schüttelten.

Das ganze neue Jahr hindurch. Wann kommt der Durchbruch. Nicht der russischen Truppen. Bis wohin wollen die ukrainischen Truppen durchbrechen?

Nicht St. Georg, der Verbotene, bis Kiew. Werden neue Grenzen gezogen. Weil es soviel Opfer gibt. Jeder Tag zählt. Jeden Tag werden Kreuze im Osten aufgestellt. Die orthodoxen Kreuze mit dem Querbalken die.

„Ich erinnere mich an den Bergsteiger, der mit Vornamen Reinhard heißt. Du kannst mit einem Korb zu ihm hochgezogen werden in Tirol. Im frommen ehemaligen Tirol. Wenn du das willst. Dort wohnt er. Habe ich gehört. Inzwischen ist er steinalt geworden und hält Vorträge. …lebt er eigentlich noch? Jedenfalls fordert er, dass die Unsitte mit den Kreuzen auf den Gipfeln aufhören soll. Die eine bauen ab. Die anderen auf. Die Welt ist aus dem Gleichgewicht. Höre ich jeden Tag im Radio, sehe ich im Fernsehen. Vom Internet möchte ich nicht reden. Es ist sowieso an allem Schuld. Die Frommen meinten zu Beginn des Internets, es sei vom Teufel. Jedenfalls Einige. Wir werden lernen müssen, damit umzugehen“.

Jetzt haben sie ein Problem damit, dass es in America nicht mehr US-Präsident Biden ist, der den Wandel, die Wende, CHANCE mit und ohne Kekse herbei geführt hat, sondern Donald Trump, der mit dem Sterben aufhören möchte. Seit seiner Wiederwahl nach vier Jahren BIDEN. Wie stehen sie jetzt da? Die hörigen Nachfolger der Supermacht, die geblieben ist, die sie hätten aufklären können über die Tücken in Europa.

Jedenfalls war heute vorbeugend Oliver Iwan bei einem Hörtest. Wegen der Maschinen, die einen wirklichen Höllenlärm machen. Da brauchst du Kopfhörer zum Schutz, damit Du nicht zu früh aufhörst die feinen Töne zu hören, die zwischen den Menschen schwingen. Die Entscheidenden, wenn Du aufwachst und die Stille hörst. Jedenfalls ab und zu. Er hat den Test bestanden und der Betriebsleiter ist stolz auf seine Fürsorge und das Zertifikat, dass Oliver Iwan ihm zeigt. Nun kann er sich wieder seine tiefblaue Tischlerschürze umbinden, in die Hände klatschen und sagen: „Los geht s.“ Wie ein richtiger Berliner Facharbeiter. Bei der nächsten Pause wird er erzählen, wie die Ärztin war und die AUDIO-Laborantin – so was hören die Leute gerne.

Spätestens morgen beim Frühstück.-

Kein kritischer Blick, keine Nachfrage, warum auch. Die Praxis ist froh ihr Geld zu verdienen, denn sie wartet nicht: die nächste Rate wegen aller Neuanschaffungen und Modernisierungen. Eigentlich ist das ja verwunderlich in der großen Stadt Berlin mit seinen bald vier Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, dass ihn n i e m a n d erkennt. Dass ihn niemand fragt:“Wer sind Sie wirklich.“ Ist er so echt russisch geworden in BELARUS, in RUSSLAND in den Gebieten, die vor einem Menschenalter mit Russen besiedelt worden sind, weil STALIN endlich Ruhe haben wollte in der Ukraine und besonders in den lebenswichtigen Industrie-und Bergbaugebieten am Don.

Es wird wohl eher umgekehrt sein: bei so Vielen fragt man nicht.

Wo sind die vorherigen Einwohner im Donezk? Wurden sie umgesiedelt oder haben sie gemeinsam versucht mit den Neuankömmlingen ihr Land zu gestalten?

Viele Kriege wurden begonnen mit dem Argument, der Staat ist dazu ist dazu da, seine Bürger zu schützen. Die Nation zu schützen.

Friedlicher:„Heim holen… in s Reich“.

Wie oft wurde ein Staat zum Verbrecher, weil seiner Meinung nach die falschen Bürger auf den wichtigsten Schätzen der Erde saßen, die er verwaltete. Die Sowjetunion konnte auswählen und hat sich das Recht heraus genommen umzusiedeln, um die richtigen Bürger dort zu sitzen zu haben. Zuverlässig. Zum Beispiel die Russen. Daher gibt es im Osten der Ukraine überwiegend die russische Bevölkerung.

Ein edles Motiv sich um jeden Einzelnen zu kümmern wie ein Vater (Vater Staat) und eine Mutter (Mutter Kirche). Die negative Entsprechung dazu ist dieBevölkerungspolitik indem vertrieben wird.

Umvolkung u.s.w. Das ist Diktatur. –

Aber es ist lange her. Wie lange? Du kannst die Geschichte nicht einfach zurückdrehen. Aber die Erinnerung bleibt, die kollektive. Die Ungerechtigkeit, sagen wir. Sie wirkt nach. Auch um den Preis eines Krieges? Ist es nicht auch ungerecht, drei oder vier Generationen zu bestrafen, weil sie damals von STALIN positiv umgesiedelt wuren, damit Russen die Kohle abbauen und nicht Ukrainer, die Stalin hasste. Können wir das zurückdrehen? Wollen wir das unterstützen ? Demokratie ist gefährlich. Jeder hat eine Stimme:“Wir sind Russen, wir leben in der Ukraine und wir haben gewählt. Wen? Na den, der uns am nächsten ist. Ist das verboten. Wir wollen nicht zum Westen wie ihr. Lasst uns autonom bei Euch leben. Und unsere Sprache sprechen. Nein, die Denkmäler gefallen mir auch nicht. STALIN, LENIN, aber die in der WESTUKRAINE auch nicht: Die Helden mit den Runen am Gürtel, dem Blut ihrer Großväter an den Händen. Wer hat auf den Dächern gesessen und dafür gesorgt, dass es Tote gab, die gerächt werden müssen. Gerechte Gewalt. Provokation. Keiner weiß das wirklich. Ich auch nicht. Es kippte. Es sollte und musste kippen. Schicksal? Die Deutschen sollten ihren Hang in Richtung Osten zügeln. Das ist wichtig. „Der Osten – ein Verhängnis.“Ein Buchtitel, der eines Abends auf dem Tisch lag.- Auf dem Weihnachtstisch. Zum Heiligen Abend in den frühen neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Es ist schwer zu regieren und gerecht zu sein. Es ist schwer nicht zu einer kriminellen Bande zu werden(Augustinus). Wie ist es mit dem GAZASTREIFEN? Wegen Israelischer Bürger und Bürgerinnen, die zu einem Tanzfest entführt wurden, gefoltert, gequält, umgebracht, gibt seit anderthalb Jahren Krieg im Nahen Osten. „Der Staat muss uns schützen!“ Tut er auch.-

Die Amerikaner würden bomben… wenn amerikanische Bürger entführt und misshandelt werden.

Menschenraub in der Antike. Raub der Sabinerinnen. Raub, Raub, Raub – der trojanische Krieg. Das Trojanische Pferd. Was ist Gerechtigkeit. Was ist ein gerechter Krieg? Gibt es ihn? Wo soll das verhandelt werden. Hilft uns hier die Bergpredigt weiter? Ja, ich glaube, dass wir, wenn wir im Geist der Bergpredigt Jesu denken, reden und handeln kreativ genug sind, um zu einer vernünftigen Lösung zu kommen. Keiner bekommt den Himmel auf Erden. Und ich glaube, dass die Deutschen in ihrer Friedensrolle versagt haben. Sie haben sie schlichtweg vergessen. Sie sind dem Goldenen Kalb hinterher gerannt und tun es noch. Warum waren sie nicht dankbar, dass Gorbatschow ihnen die Freiheit schenkte, auch die Freiheit sich wieder zu vereinigen. Oder nicht.

„Wissen Sie noch wie sich die Opposition spaltete?“, fragt jemand Herrn K.

„Nein, ich weiß es nicht.“

“Nicht mehr?“

„Kann sein.“

„Oder wollen sie es nicht mehr wissen…?- Die einen fassten sich an den Händen und bildeten lange Menschenketten den Straßen entlang, um zu demonstrieren: MIT UNS NICHT. KEINE WIEDERVEREINIGUNG! Sie haben es aufgeschrieben oder vorher in den Zeitungen und auf Flugblättern kund getan: MIT UNS NICHT. KEINE WIEDERVEREINIGUNG! KEIN VOLK!“

Die andern verfassten Gegenflugblätter und waren begeistert von der IDEE: Wir sind das Volk. Sie waren gesellschaftlich gesehen die Schwächeren. Die Konservativen auf dem Abstellgleis. An eine Schriftstellerin erinnere ich mich noch genau. Vorher noch nie gehört. DIE LINKE nahm ihren Einfluss. Und ihr Recht. Denn sie hatten den revolutionären Impuls auf die Straßen gebracht.Sie waren die Fortschrittlichen, die das verhasste Honecker-Regime ablösen wollte. Mit Mut und Verstand.

Trotzdem musste es ja nach der Revolution weiter gehen. Und da kommen dann die g a n z a l t e n Erzählungen zu ihrem Recht. Natürlich haben wir eine Sprache gesprochen, waren wir ein Volk. Nicht nur die übrig gebliebenen 16 Millionen in der Deutschen Demokratischen Republik. Auch die anderen. Auch eine gemeinsame Geschichte h a t t e n wir. Jedenfalls unsere Eltern und Großeltern. Nicht nur schön. Nein ganz und gar nicht. Nicht einmal nur hässlich. Nein, ganz und gar nicht. – Das Dritte Reich war abgehakt in der Zone, weil Wir ein antifaschistisches Land waren. Wir mussten eigentlich über diese Dinge nicht mehr reden.

„Oh, hatten wir es gut“, ruft einer dazwischen.

„Zynismus?“

„In den Gesprächen ging es meistens gar nicht so hoch her“, wirft eine ein.

„Meinen sie Parteiversammlungen?“

„Wo wurde denn richtig heiß diskutiert?“

„Und nach den zukünftigen Grundlagen gesucht?“

Richtig, sagt der Mediator.

„Ich meine Ihre Frage.WO?“

Mediatoren gab es später, also war jetzt schon eine Weile Zeit vergangen in der so genannten Wendezeit. Wir sagten noch Moderatoren und haben auch selber moderiert, weil wir uns dafür befugt sahen mit der kirchlichen Neutralität.Außerdem haben wir das auch gemacht, als es noch keine Unterhaltung war, sondern bitterböse ernst und unter Umständen mit Folgen. Ziel: Umsturz. Was sonst. Wie sonst- das ist auch eine Frage. Und überhaupt das WIE, das WIR und das WAS.

ES. Substanz. Um was ging es.

Das sagten uns dann die Nachfolger und Nachfolgerinnen, die den Steuerknüppel in der Hand hielten, damit das bundesdeutsche Schiff nicht in Untiefen geriet.

Vermeintlich. Wie wir erst viel zu spät mitbekommen haben. Um was es ging: Demokratie, an die wir glauben sollten. Wir mussten aber gar nicht beigebracht bekommen, was Demokratie ist. Wir kannten nämlich die Diktatur. Und zwar nicht nur aus Geschichtsbüchern.Sondern aus eigener Erfahrung.

„Ja, ja, die Deutungshoheit, die haben sie uns uns aus der Hand gerissen und belehren uns jetzt wie es zur Friedlichen Revolution gekommen ist. Und warum.“

„Mein Gott, ist das peinlich!“

„Diese Oberlehrer.“

„Und wir die Untertanen“, schrie ein Alt-Acht-und-Sechziger dazwischen.“

„Sei du ruhig!“, wurde er von den Seinen zurechtgewiesen.

Wessi, was für ein schöner Schimpfname. Ebenso Ossi, ebenso Wossi und was es sonst noch so gibt. BUNDI ist schon fast BND. Die Deutschen haben ein Problem. Sie müssen miteinander auskommen in einem politischen Land namens BRD. Sie sind deshalb froh, endlich eine Ossi-Frau als Bundeskanzlerin zu haben u.s.w.u.s.w. Damit hat Oliver alias Iwan oder umgekehrt absolut nichts zu tun. Sie haben ihn gut erzogen, die Adoptiveltern nahe Frankfurt am Main. Sie haben ihn gehen lassen, als man ihm ein Zukunft in den USA vorführte. Sie hingen immer noch an ihm. Während der Ausbildung dort. International. Im Westen. Nein, in Amerika, USA. Damit hat auch seine leibliche Mutter nichts zu tun, sie war in ihrer Rachsucht unterwegs und hat sich schuldig gemacht. Bis sie nicht mehr konnte und sich stellte. Von Diskursen hat sie nie etwas gehalten.Sie handeltNicht immer zu ihrem Vorteil, sondern wie sie meinte aus Gerechtigkeit. Weil das Recht auf ihrer Seite stand. Vom Jüngsten Gericht hat sie nie etwas gehört. Höchstens, dass am 30. Mai die Welt untergeht. Aber das war ihr auch egal.- Seit Oliver in Berlin als Iwan Schostakowitsch gelandet war und Iwan der Russlanddeutsche und Anne Leskow sozusagen zum zweitenmal als Familie aufgetreten sind, war der Kontakt zu den Adoptiveltern und der leiblichen Mutter mehr als spärlich. Eigentlich Null. Die Adoptiveltern waren alt und die Mutter eine Spionin des FBI. Das konnte gefährlich werden und zur Aufklärung führen, wer Oliver/Iwan wirklich in Berlin war: ein übergelaufener Spion des FBI, der auf russischerSeite im Krieg sein technisches Wissen weiter gegeben hat an die zum Teil altmodische Armee des Heiligen Russland. Dem dann aber ein Pope den Rat gegeben hat, zurück nach Deutschland zu gehen, in seine Heimat, in der er geboren wurde, wenn auch im Gefängnis.

„Werde ein Russland-Deutscher“, sagte er zu Oliver.“Das ist besser für dich und auch für dein Kind und deine Frau, die auf dich warten. Das sind jedenfalls die Werte, deretwegen ich hier in der Armee Putins diene. Im Auftrag Kyrills, im Geist der Orthodoxie, der ROK“.

„Bringe deine Liebe zum Heiligen dort ein. Im Alltag. In der Community der vielen Russlanddeutschen, die Stalin verfolgte, umsiedelte, ihnen ihr Deutsch verboten hat, wodurch sie sich heimlich treffen mussten in den Gemeinden, wo sie nicht leugnen mussten, wer sie waren. Sein wollten. Bleiben wollten. Sie wussten, was Konspiration ist. Überleben und trotz allem: FORTKOMMEN. ALLTAG IN RUSSLAND, dem großen Russland, dem zaristischen Russland, dem bolschewistischen. Sie haben das mitgenommen. Auch nach Berlin, was du suchst.“

„Aber ich bin doch auf der richtigen Seite? – oder nicht. Auf deiner Seite.“

„Du bist hierhergekommen, weil du glaubst, das ist ein gerechter Krieg, den wir führen. Jedenfalls ein gerechterer als ihn die andere Seite führt trotz ihrer Propagandaphrasen von Völkerrecht und Völkerrechtswidrigkeit. Jeder führt einen gerechten Krieg. Die einen für das. Die anderen für jenes. Daraus wird jedenfalls kein Frieden, mit großer Bestimmtheit nicht. Jeder hat ja auch recht. Seine Geschichte gibt ihm recht. Daraus wird aber auch kein Frieden.“

„Aber ist denn Frieden so wichtig? Wichtig ist doch allein der Sieg.“

„Ja, aber wenn es kein Blitzkrieg ist oder gar ein Blitzsieg, wird die Sache anders ausgehen. Eben in Richtung Frieden und nicht in Richtung Sieg. Verhandlungen. Sieh einmal: aus der Putinschen Spezialoperation im Heiligen Russland Belarus, Ukraine, Russland ist auf einmal Krieg geworden.“

„Mit vielen Opfern.“

„Ja mit vielen Opfern.“

„Auf jeder Seite.“

„Ja – und da fragt man sich: wo ist der Sinn?“

„Ist denn der Punkt jetzt erreicht?“

„Ich finde: ja. Andere nicht.“

Oliver hat die Dialoge noch sehr genau in seinem Gedächtnis. Sie sind ihm wichtiger als jemals.

6

Als Anne von ihrem ersten Arbeitstag nach Hause kam, wunderte sie sich über einen Streifenwagen, der vor ihrem Haus stand. Alles ehrbare Bürger in ihrem Haus. Das Fahrrad ihres Mannes war auch schon angekettet, viel früher als sonst. Sie stieg die Treppe hinauf und klingelte sozusagen zum Spaß um Oliver zu erschrecken. Aber das Erschrecken war bei ihr als ein vermummter Polizist die Tür aufmachte und sie hereinbat.

„Wir müssen Ihnen leider mitteilen, das heute Ihr Mann verhaftet wurde und dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde“.

„Warum steht sein Fahrrad unten, schon zu dieser Zeit angekettet, wo er sonst noch im Betrieb war.“

„Wir haben ihn früher nach Hause beordert als sonst, weil wir ohne großes Aufsehen Ihren Mann vorführen mussten und auch wollten. Er ist ein Verräter, wie sogar wir es wissen aus der untersten Verhaftungsebene. – Zufrieden mit der Erklärung zum Fahrrad?“

Pause.

„Wir müssen Sie bitten, sich uns zur Verfügung zu halten.“

„Aber ich muss unsere Tochter abholen von der Schule.“

„Das können Sie. Nur nicht verreisen und so etwas – wie neulich in den Westerwald. – Ja, wir beobachten Sie schon sehr lange“.

Man sah Anne an, dass sie sehr verwundert und erschreckt wirkte. Solche Geschichten wurden zu Hause gemunkelt bei ihren Eltern, als die ganze Sache noch nicht so lange her war wie jetzt. Ihr Vater war zwar Grenzer aber er lief nicht mit verbundenen Augen und zugestopften Ohren herum, sondern bekam mit, was in der sogenannten Bevölkerung so gang und gebe war, wenn sie zusammen saßen außerhalb des offiziellen Rahmens des Sozialismus, „den wir alle aufgebaut haben.“

„Ja und was ist jetzt?“ fragte sie.

„Was soll sein?“ antwortete der Polizist.

„Wollen Sie hierbleiben und warten bis ich wiederkomme?“ „Nein, nein, ich gehe mit ihnen aus dem Haus.Wir wollten nur nicht unhöflich sein und Sie so alleine ihrem Schicksal überlassen. Einer musste es Ihnen ja sagen. Stellen Sie sich vor: Sie kommen nach Hause. Keiner macht auf, obwohl Sie geklingelt haben. Und das Fahrrad steht unten. Da haben wir uns die Zeit genommen.“

„Danke!“ Anne wurde deutlich und wandte sich wieder zur Tür. Mit einer Geste, der Herr möge zuerst und erst dann sie. Schließlich war es ihre Wohnung im ersten Stock eines Berliner Hauses in der Bahnhofstraße Köpenick.

Was die Leute dachten, war ihr egal. Sie dachten schon etwas, denn der Herr trug Uniform.

„Soll ich Sie zum Kindergarten fahren?“, fragte der Herr und meinte es scheinbar ernst mit seiner Freundlichkeit.

„Nein, danke, ich brauche jetzt frische Luft und bin froh zu gehen.“

Damit schlug sie ihren Weg ein in Richtung „Generalshof“, das Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde, dorthin, wo auch die KITA untergebracht war. Sie war sich immer noch nicht sicher, ob sie so offen mit der Leiterin und dem dazugehörigen Pfarrer reden konnte, wie sie es in New York erlebt hatte, als ihr Mann verschwunden war. Allerdings auf andere Art. Eigentlich auf innerbetriebliche Art in Form eines kulturellen Sonderprogramms zur Glättung aufgewühlter Geheimdienstseelen. Sie hatten einen Sonderstatus: beide aus dem Osten jenseits des Eisernen Vorhanges. Er in noch einmal besonders spezieller Weise. Sie in punkto NORMAL. Eigentlich genossen sie Privilegien:Terrorregime Kommunismus eben hinter Mauer und Stacheldraht. Eiserner Vorhang klingt ja fast schon harmlos und machbar.Dafür Kenntnisse weitergeben in die Spionage hinein, Erfahrungen der Mutter, der Großmutter, des Vaters, des Großvaters: Tote und Lebendige.-

Aber jetzt nix privilegiert. Sie wieder punkto NORMAL. Er Russland-Deutscher, schwierige Leute, die alles besser wissen, wenn es um die Hetze gegen Russland geht. Um das Feindbild. Da schweigen wir doch besser. Das Schlimme: sie wissen es wirklich besser. Wer sonst. Nun ja, die Sache mit dem Festhalten daran, dass sie Deutsche sind. Verdächtig vor knapper Zeit noch. Jetzt müsste man doch etwas daraus machen können, wenn sie nur nicht so stur wären mit ihren Ansichten und Erfahrungen. – Aber jeder hat eben seine Lebensgeschichte. Gott sei Dank! Sonst ließe sich ja jeder so einfach wie nur möglich instrumentalisieren.

„Aber dass sie nun AfD wählen“.

„Das geht wirklich nicht“, sagt die westdeutsche Dame aus dem Norden im Chor unisono mit den westdeutschen Heeren im Süden.

„Nicht mit allen.“.

„Das stimmt auch“.

„Aber sie bestimmen“, sagt Iwanowna und Petruschka.

„Sie bestimmen“.

„Die Ossis leiden auch“.

Oder ist es die Religion. Die nicht aufgeklärte, die sie so widerstandsfähig gemacht hat, die sie sich einverleibt haben indem sie lutherisch geblieben sind in der Orthodoxie des großen weiten Sibiriens.

„So weit die Füsse tragen.“

„Wir haben auch etwas abbekommen trotz des Atheismus der vier Jahrzehnte als Staatsdoktrin“, murren sie, die Einwohner der soundsovielten Sowjetrepublik.

„Wie gesagt vierzig Jahre lang und mehr.“

„Ob es nun „die Postkarte STALIN“ist (Waleri Grossmann).“

„Oder das Gebinde zu SEINEN Füßen, wenn wir geheiratet haben.“

„Und nicht in die Kirche gegangen sind!“ „Oder KALINKA geschaut haben und gehört!“

„BRÜDERCHEN SARAFAN oder was“, ruft einer ausgelassen dazwischen.

„Oder RILKE!“

„Oder Barlach in Güstrow“ mit seinen russischen Figuren“.

„Wir lassen es uns nicht einreden, dass Russlands der Feind ist.“

„Wir werden Verschwörungstheoretiker!“

„Wir werden mit Armbrusts auf sie losgehen.“

„Wenn sie frech werden!“

„Jawohl!“

„Bis sie uns schnappen.“

Inzwischen reden sie alle durcheinander in den Hochburgen Marzahn und anderswo. Überall, wo sie sind.

„Wir haben unsere eigenen Erfahrungen.“

Das rufen sie im Chor, wie die Waldgeister in den gruseligen, ach, so wunderbaren russischen Märchenfilmen: “…die wir als Kinder gesehen haben.“

“Ach, waren das Zeiten,“ sprachen sie, nachdem sie erfahren haben, was sie mit ihrem Iwan dem Schrecklichen gemacht haben, dem Oliver aus Deutschland und den USA, der heimlich zu den Sowjets, äh – Russen, übergelaufen ist aus einem eigenartigen Gemisch von Gefühlen heraus und Überzeugungen bei seiner Suche nach Wahrheit, denn sie ist die Voraussetzung für Gerechtigkeit.

„Sie haben ja keine Ahnung!“

Alle haben sich bei Petruschka im Garten versammelt und flüstern ihre Parolen und trösten Anne. Sogar Sophie ist mitgekommen. Sie merkt trotz Jugenstil – und Schminke was los ist.

„Sind wir im Krieg?“

7

Derweil haben sie Oliver in das Hauptquartier der Amerikaner in Deutschland gebracht, wo gemunkelt wird: da liegen auch die Atombomben.-

Ach, wir haben den Grund genossen in der Nähe Lenins, vergraben im märkischen Sand. Niemand soll dort vorbeikommen und buddeln dürfen um eine paar Reste mit nach Haus zu nehmen. Den Kopf haben sie schon einmal vorsorglich getrennt vom Riesen aus Stein, der an dem Platz stand, der jetzt PLATZ DER NATIONEN heißt. Ach, wie sind wir im milden Frühlingsgrün, weiß schimmernd, an dem Wasser entlang gewandert und wussten nicht, dass genau dort das unterirdische Zentrum lag, von wo aus der Atomschlag koordiniert werden würde, „…wenn der Feind uns dazu zwingen würde.“ Alles Vergangenheit. Wie gut.

Die Russen sind weggegangen. Friedlich haben sie erobertes Land frei aufgegeben, damit die Wiedervereinigung gelingt. Wie schlecht muss es um das Land Gorbatschows gestanden haben, dass sie tatsächlich die Hände aufgehalten haben, als Kohl ihnen Milliarden hineinschüttete. Wo ist das Geld geblieben? Haben die Soldaten davon profitiert, als sie in den Waggons nach Hause fuhren in der Ungewissheit, die in allen geschichtlichen Ereignissen sich der Menschen bemächtigt, die regiert werden und nichts zu sagen haben. Um wie viel mehr bei Befehlsempfängern von Natur aus, bei den Soldaten. Es sei denn, sie machen Aufruhr. Sie machten keinen.

Hat sich Deutschland freigekauft, fragt sich alle Welt.

Die andere Seite vom Heiligen Russland.

Die andere Seite dann weiter des Helden, der auf den Panzer gesprungen ist wie LENIN, um es den putschenden Generälen zu zeigen: JELZIN. Und jetzt machen sie Rabbatz. Nachdem sie sich wieder heraus gebuddelt haben.

WÜRDE!

PUTIN. Der KGB-Mann wie Gorbatschow auch.

„Nein, sie hätten trotzdem klug bleiben müssen und keinen Deal machen. Sie hätten sich in die Atommacht hineinversetzen müssen: Keinen Schritt über die Oder. Jetzt ist die Grenze wie der Eiserne Vorhang – wieder- angefangen im höchsten Norden, wo Russland an Norwegen grenzt, an Polen in dem sensiblen Gebiet um Kaliningrad, dem Land der Tausend Störche und schlafenden Soldaten, die die Brücken bewachen, damit sie niemand sprengt. Kriegszustand.

WEISSRUSSLAND.

UKRAINE. Der Westen ist überhaupt nicht reif für den OSTEN EUROPAS, der eigentlich immer noch die MITTE ist – bis zum URAL gedacht.

„Was wissen wir?“hätten sie mit KANT fragen müssen.

“Was können wir?“

„Was dürfen wir?“

„Ja, ja, ich weiß, Kant ist Scheiße.“ Ich höre ihn noch, den Zwischenrufer auf dem anderen Marktplatz in Breslau, wo die Balkone gefährlich bröckeln. Und der Kaffee ist schwarz und alt aus der Nescafé-Dose.

Jetzt sind wir in Polen.

Bis dahin hat ja niemand etwas gesagt. Sie haben es verdient. Solidarität. Solidarnosc.

Aber Change in der Ukraine? Kekse? Ach, der Westen. Die naiven Amerikaner. Blauäugig. Germanisch. Die eigentlichen Germanen, glaube ich inzwischen. Die mit den Gruselgeschichten. Ja, auch die Angelsachsen.

Putsch oder Revolution.

„Reiht Euch ein!“

„Mischt euch ein?“

„Wollt Ihr bis zum Ural?“

„Mit Budionny bis zum AMUR!“-

„Wie liebe ich dieses Lied der Rotgardisten, der Weltrevolution.“ Nur damals haben sie die Finger davon gelassen, die Weißen haben schmählich verloren. Die Weisgardisten im Bürgerkrieg. Wie schreibt Schischkin heute: Verrat. Der Westen hat die Ukraine verraten. Ja und Ungarn auch. Und auch zum 17.. Juni haben sie die Greisinnen im Wasser der STASIGEFÄNGNISSE stehen lassen.

„Die Welt ist verrückt“, sagt meine Frau. Wie recht sie hat.

8

Nachdem alles geklärt war – die Ehefrau durfte ihren Mann sehen, zusammen mit der Tochter Sophie, die Aufregung legte sich, die Kollegen im Holzverarbeitungswerk tuschelten. Sie wussten nicht wie hoch sie den Fall einschätzen sollten. Sie kannten keinerlei Strafansätze oder Maßstäbe zum Bestrafen. Es war ihnen ja auch gar nicht bewusst, das ihr Kollege Oliver, der Russe Iwan, ein Fahnenflüchtiger war und auch noch aus dem amerikanischen Geheimdienst. Gab es da die Todesstrafe? Er war wie Dimitri oder Alexander jemand aus dem ehemaligen Bruderland, dem man freundlich entgegenkam, wenn er sich loyal verhielt und die deutschen Gesetze achtete. Und er achtete sie mehr als mancher andere.

Dass er mit einem Spionageauftrag im Osten Berlins sein Unwesen trieb, wussten nur die Amerikaner in ihrem Agentennetzwerk.

Der Werksleiter suchte und fand einen Ersatz, nachdem man ihm mitgeteilt hatte, dass sich der Fall in die Länge ziehen könnte und es womöglich zu einer Überführung eines amerikanischen Staatsbürger namens Oliver in die Militärgerichtsbarkeit vor Ort in den Staaten kommen könnte.

„Mit Sicherheit!“

„Danke!“

„Bitte behandeln Sie aber diese Angelegenheit als geheim, weil sie ja auch geheim ist. Verstehen Sie?“

„Ja.“

„Gut.- Dann haben wir uns verstanden.“

„Jawohl, Herr Oberst“, hätte der Werksleiter am liebsten gesagt. Aber er war sich nicht sicher, was heute sicher ist.

„Lieber zivil“, dachte er, nachdem er den Hörer aufgelegt hatte.

„Hört her, Leute, ich kann Euch zur Zeit nichts Näheres sagen, weswegen unser Kollege in Gewahrsam genommen wurde. Ich bitte euch, verhaltet euch ruhig und sagt, wenn Ihr gefragt werdet, was mit Iwan los ist: Es sind Beweisstücke aus seiner Vergangenheit aufgetaucht. Die müssen gemeinsam mit ihm geklärt werden. Iwan hat einen langen Weg hinter sich gebracht, bevor er bei uns vorbei gekommen ist, um hier zu arbeiten. Der Name Oliver ist sein deutscher Name. So wurde er aber auch in den USA genannt.“

„USA?“

„Ja, USA!“

„Ist er ein Betrüger?“

„Hochstapler?“

„Nein, keines von beiden“.

Schweigen.

„Mehr darf ich Euch nicht sage.Bitte akzeptiert das. Und haltet Euch daran.“

Was er damit meinte, bleib für Viele ein Rätsel.

Wir haben inzwischen gelesen von Menschen, die entweder auf der Seite der Ukraine oder auf der Seite Russlands kämpfen, obwohl sie dazu niemand gezwungen hat. Sie Suchen sioch ihren Feind aus quer durch alle po0litische und extremen Lager hindurch. Global. Die für mich erschütterndste Geschichte ist die des Sohnes eine Diplomatin in Amerika. Ihr Sohn ist so entsetzt gewesen über den GAZAKRIEG, den die Israelis führen in diesen Zeiten, dass er sich in die Russische Armee geschlagen hat und dort gegen den WESTEN kämpft, der Israel unterstützt, insbesondere Amerika. Im sogenannten extremen rechten Lager ist die Meinung gespalten und daher auch die Parteinahme. Man könnte die Beispiel ohne viel Aufhebens leicht erweitern. Sie sind ja ein gefundenes Skandalfressen für einige Blätter ob nun digital oder wirklich.

Das alles hilft Oliver nicht, dem Geheimagenten´, geboren in einem Gefängnis in Deutschland nach der Wiedervereinigung, zu Hause und aufgewachsen bei fürsorglichen Adoptiveltern, in Verbindung mit seiner wirklichen Mutter, die inzwischen wieder auf freiem Fusse ist und für die STAATEN arbeitet, deren Dienste.

Das hilft auch nicht seiner Frau, die nun alleine zurecht kommen muss in dem preussischsten Berlin, im Ostteil der Stadt, gerade als sie begonnen hat in ihrem Beruf zu arbeiten: Lehrerin für die ABC-Schützen. Auch nicht der gemeinsamen Tochter, die gerade durch alle Abenteuer der Berliner Jugend kommen muss um erwachsen zu werden.

„Sie sind als amerikanischer Staatsbürger ausgezeichnet worden mit dem Auftrag für unsere Sicherheit zu arbeiten. Sie sind auf unsere Kosen ausgebildet worden zu einem hervorragenden Agenten unserer AGENDA VON FREIHEIT WIE WIR SIE VERSTEHEN“.

Stille im Vernehmungsraum auf dem amerikanischen Stützpumkt in GERMANY.

„Was haben Sie dazu zu sagen?“

„Ja, ich muss meinen Förderern dankbar sein, angefangen bei meinen Adoptiveltern unweit von hier.“

„Ich rede nicht von Ihrer Dankbarkeit, die Sie uns schulden, aber von Ihrem Schwur, den Vereinigten Staaten zu dienen und nicht irgend einer anderen Macht.“

„Sie sind ein Überläufer und Desserteur und Sie kennen das Strafmaß. Seien Sie froh, dass das Land, in dem Sie waren uns nicht den Krieg erklärt hat oder wir ihm“.

„Darüber bin ich sowieso froh und ich werde immer dafür arbeiten, wenn ich kann, dass es nicht wo weit kommt“.

„Wir werden Sie nicht an Ort und stelle erschießen, sondern wir werden versuchen Kapital aus dieser Affäre zu schlagen. Das heißt einen Top-Agenten frei zu bekommen.“

„Ich bin deutscher Staatsbürger und Russlanddeutscher. Mein Name ist Iwan Schostakowitsch.“

„Diesen Ausweis können Sie stecken lassen. Das ist längst geklärt.“

„Sie verkennen die Abhängigkeit des deutschen Geheimdienstes.“

„Von wem?“

„Von uns.“

„Immer noch?“

„Ja, immer noch.“

Pause

Damit hat sich das erste einigermaßen ernsthafte Gespräch der amerikanischen Seite mit dem Überläufer Oliver erst einmal erledigt. Er wurd wieder in seine Zelle verbracht und musste im Militärstrafvollzug ohne abschließendes Urteil abwarten, was die Zeit bringt.

Die Verpflegung war einigermaßen gut und seinem Wunsch, eine Zeitung lesen zu dürfen wurde entsprochen. Er bekam eine englischsprachige Zeitung und eine deutschsprachige Zeitung, jeden Morgen. Das Handy blieb ihm auch und eines Morgens las er, dass ein ehemalige Berater eines amerikanischen Präsidenten folgendes sagt, an seine kosmische Tafel schreibt: Entweder die Deutschen wählen eine Partei, die am Pranger der alten Bundesrepublik steht oder die Bundesrepublik muss gar nicht mehr wählen, weil es nämlich Deutschland nicht mehr gibt…

Ja sicher, ich erinnere mich wie eine linksliberale Zeitung schreibt, das für die Deutschen nur Europa d a s Vaterland sein kann. Ja, sie schrieb sogar:“Das Ersatz-Vaterland.“ Es ist immer wieder erstaunlich mit wie offenen Karten gespielt wird und keiner bemerkt es. Ähnlich zu Beginn des Krieges , des Angriffskrieges, als Präsident Biden hundertprozentig die Verteidigung der Ukraine unterstützt hat, ja die Meidan – Revolution vollendet hat, indem er die Waffen lieferte, die seiner Meinung nach Wolodymir Selenskyj braucht. Allerdings wie wankelmütig das Ganze letztendlich erscheint ist durch die Tatsache belegt, das am ersten Tag des Einmarsches der Hubschrauber vor der Tür stand, hinter der der Schauspieler und Politiker mit seiner Familie wohnte. Oder war es die Tür des Präsidenten-Palastes?

NEIN SCHALLTE ES DEM KÄPT`N ENTGEGEN“, als er klingelte, nein, nachdem der Präsident die Tür aufriss entweder seine Haustür oder das GLAS des Fluchtschiffes, auf ukrainischem Boden dröhnend.

So stelle ich mir das vor.“

Was du dir so vorstellst.“

Na, du weißt doch, die Ladys aus den USA, wie sie Kekse verteilte, um Stimmung zu machen, Stimmung für den WESTEN. Sie wollten die Bestrebungen unterstützen, schmackhaft machen, scheint es, die Freiheit, wie fürsorglich und einstehen für Freiheit und Frieden? Das Wort Frieden kam wohl nicht vor wie bei unseren Friedensfreunden, die vergessen haben, dass sie eins als Freunde des Friedens mindesten wahrgenommen worden sind und deshalb gewählt wurden mit Höhenflügen, dass jeder meinte, der nächste Kanzler ist grün hinter den Ohren“.

Nein, das habe ich vergessen, jedenfalls im Moment. Aber wo du es sagt…“

Siehst du: oder wir unverblümt uns gesagt wurde, es gibt nur eine Großmacht und das sind wir.“

Die Amerikaner.“

Ja, die.“

Ich bin verwirrt.“

Ja, ich auch.“

Lass uns beten.“

Ja, das wäre jetzt dran. Aber wir sind müde geworden, die Geschichte hat uns müde gemacht, wir müssten schlafen können im Stehen wie Napoleon in der Schlacht.“

Jemand mischt sich ein:“ Er hat trotzdem verloren, alles, seine Soldaten, seinen Ruhm: Mit Mann und Ross und Wagen, so hat sie Gott geschlagen.“

Trump benutzt neuerdings die Geschichte, wie wir sie alle benutzen, Putin auch. Der eine darf das, der andere nicht. Wir müssen sie benutzen, damit das Unheil nicht noch einmal über uns kommt wie die Nacht. Da passen wir auf.

„Auf jede noch so kleine Regung“.

Das Böse schleicht, wie die Pest im Psalm und wir merken es nicht. Wir drehen uns nicht um, wir dürfen das nicht wie in einer Beschwörungszeremonie.

„Der Plumsack geht um.“

„Keiner darf sich umdrehen“.

„Und nachschauen!“

„Das ist verboten!“

„Dreht euchnichtum. Der Plumsack geht `rum!“

Niemand verdirbt das Spiel. Niemand geht aus dem Kreis!“

„Habt ihr gehört?“

Das alles nützt Oliver Thielemann wenig. Das hat schon seiner Mutter wenig gebracht. Erst recht seinem Vater nicht. Und den Großeltern. Die lebten friedlich hinter ihrem Stacheldraht und den Sprengköpfen, versteckt unter Grasbüscheln. Sie mussten nicht nachdenken, es wurde ja für sie gedacht und aufgeschrieben was denkbar war und was nicht. Oh wie gut hatte es dieser Staat ohne aufmüpfige Wilde aus guten Häusern. Die gab es nicht. Oder doch? Unterirdisch? Doch, doch sie gab es. Da sind wir wieder am Ausagangspunkt von 1989 und was davor und danach passierte.

Das Loblied auf die Demokratie muss gesungen werden. Sie ist schwer und kaum zu handhaben.Und der alte weiße Mann sagte nicht ohne Grund, dass sie aber trotzdem das beste aller Übel ist, was uns begegnet im politischen Konzeptangebot.

Schluss aus.

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Jetzt kommt aber erst einmal jemand auf die Bühne, der helfen kann. Helfen dem Oliver Iwan, dem schrecklichen Schostakowitsch aus Russland und Deutschland und den Vereinigten Staaten. Da ist dieser JEMAND auch schon: ANNE.

Anne, die angereist kommt in die Eifel, nach SÜDWEST, Rheinland-Pfalz, um ihren Mann zu sehen. Die Ermittler hoffen auch, dass das etwas bringt. Ihnen ist dieser ganze Fall unangenehm und als gute amerikanische Patrioten hätten sie früher kurzen Prozess gemacht mit einem Fahnenflüchtigen des Sternenbanners. Aber mit Trump, dem Republikaner?

Sie haben Anne und Oliver in ein gemütliches Zimmer gesetzt. Es gab Cafe und Kekse. Der zuständige Wärter flüsterte Anne etwas in s Ohr:“Dein Mann hat gute Freunde in Übersee.“ Und öffnete die Tür in einen sehr amerkanisch eingerichteten Raum mit Blick nach draußen. Ein Verlockung für jeden,d er eingesperrt ist. Oliver stand auf und ging seiner Frau entgegen.

„Was macht Sophie?“, wollte er als erstes wissen.

„Sie konnte nicht mitkommen, weil ja Schulalltag ist. Petruschka kümmert sich jetzt um sie“.

Er nahm sie in den Arm und sie begrüßten sich nicht wie Schuldige, sondern wie Unschuldige.

„Wie geht es dir?“fragte sie nach einer Weile, nachdem sie sich an den ovalen kleinen Tisch aus Mahagoni – Holz gesetzt hatten. Ersteinmal haben sie geschwiegen, der wachhabende Soldat wunderte sich, aber dann erinnert er sich: es ist ein besonderer Fall. Der Mann hat Freunde und auch die Frau. Zu Hause in Amerika. Ach, ja. Da gibt es längere Sprechzeiten, zumal das Treffen auch im Interesse der Strafverfolgung liegt, wurde gemunkelt. – Oliver hat auch Post bekommen von Henry und der bittet ihn bei der Wahrheit zu bleiben und alles offen zu legen.„Ich rate dir das dringend in diesen Zeiten.“

„Wie soll es mir gehen?“ fragt schließlich Oliver zurück.

„Ich bin ein Fahnenflüchtiger und im Kriegsfall werde ich erschossen.“

„Du lebst aber noch.“

„Ja, das stimmt… zu meiner großen Verwunderung haben sie keinen kurzen Prozess gemacht.“

„Das Kriegsrecht ist nicht ausgerufen“, sagt seine Frau.

„Woher willst Du das wissen.“

„Ich habe mich erkundigt.“

Nach einer Pause sagt Anne:“Ich soll Grüße ausrichten, die Gemeinde betet für alle, die in dieser Zeit Orientierung suchen.“

„Das gilt auch für mich?“

„Ja, für Dich besonders, sagt der lutherische Pfarrer, der sich besonders der Russlanddeutschen annimmt. Übrigens auch der Pfarrer, den ich besucht habe in meiner „deutschen“ Heimat.“

„Du meinst in Westdeutschland.“

„Ja, die Leute reden immer noch von Deutschland, wenn sie die alte Bundesrepublik meinen. Vom „Osten“ wenn sie uns meinen zum Beispiel. Wobei Berlin einen Sonderfall darstellt…schon immer dargestellt hat.“

„Grüße doch bitte die Gemeinde zurück und ganz besonders Petruschka und ihren Mann.“

„Fehlt dir hier etwas, außer Deiner Freiheit?“

„Eigentlich nicht. Ich bin Schlimmeres gewohnt. Das weißt Du“.

———————————————————————————

Wie war das in Polen, als sie ihn ausgequetscht haben und nur aufgrund seiner amerikanischen Papiere haben laufen lassen.

Was wollen Sie in Polen, fragte der Offizier der polnischen Eliteeinheit. Erzählen Sie.“

Das darf ich nicht. Das wissen Sie selber ganz genau. Bei aller Freundschaft.“

Ja, bei aller Freundschaft. Das wissen wir genau.“

Dann trat er ihn in den Bauch und befahl:“Zurück in die Zelle. Dort soll er ausnüchtern. Ich halte ihn für einen deutschen Spion. Das sind zwar auch unsere Freunde. Aber: wer weiß schon heute etwas Genaueres“.

Was habe ich mich mit ihm herumgequält: Was wollen Sie hier. Warum sind sie hier und so weiter.“

Er will Polen kennen lernen und vielleicht auch Belarus. Reine Neugier. Privat. Er sei ein guter Geheimagent der Vereinigten Staaten. Dabei kamen mir nicht einmal die Papiere echt vor. Echt schwieriger Fall.“-

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Sie schwiegen wieder eine Weile, so wie sie es gewohnt waren, wenn es keine Lösung gab oder geben konnte.

„ Ich werde mir jetzt ein Quartier suchen, damit ich morgen wieder bei Dir sein kann.“

„Danke, dass Du gekommen bist und mir zeigst, dass wir zusammen gehören“. Der wachhabende Soldat war für eine kurze Zeit verschwunden und kam jetzt wieder zurück in das Besuchszimmer.

„Hat er sich neue Direktiven geholt und berichtet?“, flüsterte Anne.

„Wahrscheinlich.“

„Ich werde Henry einen Brief schreiben und von Dir und Sophie grüßen,“schrieb Oliver auf einen Zettel und gab ihn seiner Frau Anne. Das duldete der Soldat nicht und nahm den Zettel an sich. Aber Anne hatte schon gelesen, was auf dem Zettel stand.

„Hat Deine Mutter sich gemeldet?“

„Ich habe ihr auch einen längeren Brief geschrieben, sie gehört ja eigentlich zur Truppe, wie du weißt…damit sie Auskunft geben kann, falls sie gefragt wird“.

„Und hat sie geantwortet?“-

Jetzt sah der Diensttuende doch auf die Uhr und bedeutete, dass die Zeit um sei.

Vielleicht konnte er so gut deutsch, dass er es für richtig hielt, an dieser Stelle das Gespräch abzubrechen.

Sie standen auf und Anne hüllte sich in ihren Sommermantel, der über dem Stuhl hing und wollte Ihren Mann nicht wieder los lassen, als sie sich umarmten zum Abschied.

Sie erkundigte sich draußen, ob es eine Möglichkeit gibt, hier zu übernachten. Die gab es. Sie wurden wie amerikanische Staatsbürger behandelt, dachte Anne, als sie endlich in dem annehmbaren Zimmer ankam, welches ihr zur Verfügung gestellt worden war.

Die Flure waren lang und die Kaserne lag im Abendlicht.

Der nächste Morgen brachte eine Überraschung. Als sie mit ihrem Mann im Besuchszimmer saß und der Mariner in entsprechender Entfernung im Türrahmen stand, klopfte es an der Tür. Schon ungewöhnlich genug in einer Kaserne.

Ein Postbote trat ein, er hatte einen Passieschein des Amerikanischen Weges in der Hand und ein großes Couvert dazu, scheinbar der Grund seines Kommens.

Der Wachhabende lies ihn zu dem Ehepaar gehen und er zog einen Stuhl zu den Zweien. Sie schauten ihn groß an und erkannten ihn. Es war Henry.

Henry legte den Finger auf den Mund und kam ganz nah an die beiden heran.

Flüstern:“ Ich habe hier die Begnadigung des amerikanischen Präsidenten in Händen. Er bat mich kein Aufsehen zu machen und euch die Rehabilitierung persönlich in Deutschland, in der Pfalz auszuhändigen. Ihr wisst, seine Vorfahren sind selber aus dieser Gegend. Ihr wisst auch, dass er alles umstürzt, was bisher gegolten hat in unserm Land USA. Dazu gehört eine gewisse Sympathie für dieses riesige Land Russland, dem jaua einaml Alaska gehört hat….“

„Darf ich Dich unterbrechen, Henry, als ich in Russland gewesen bin, in der Ukraine, wurde mir auch klar wie ähnlich sich diese beiden großen Länder sich sind. Im Empfinden, im Pathos.“

„Ja, wenn es stimmt, dass die Landschaft prägend ist für die Seele des Menschen, dann kann es ja gar nicht anders sein. Aber dazu kommt natürlich noch die Religion, besser Konfession, eben die OSTKIRCHE: Wir sind die WESTKIRCHE IN ALL IHREN VERÄSTELUNGEN;“

„Aber was die Moral angeht ist doch der Südbaptismus in den Vereinigten Staaten von Amerika der Moral der Orthodoxie viel näher, als dem links-liberalen Klerus in Europa.“

„Ja – und das sollte man arangieren, so wie das jetzt mit Dir geht, das die Führer dieser Kirchen miteinander zu tun bekommen. Ich weiss zum Beispiel nicht, ob suthern batist convention im ökumenischen Rat (Weltkirchenrat) vertreten ist“.

„Eine Aufgabe für dich.“

„Ja.“

„Das wäre doch gut für den Frieden, den der Präsident will.“

„Ja, das stimmt, jedenfalls für seine Argumentation in Verhandlungen mit Russland… Etwas ganz anders ist es, ob die Westukraine das will.“

Jetzt wurde es dem Wachhabenden zu bunt. Immerhin ist das hier Sicherheitsgebiet, murmelte er vor sich hin. Egal, wer in Washington regiert.

„Die Redezeit ist überschritten. Ich muss jetzt den Gefangenen zurück führen.“

„Alles gut“, sagte Henry und übergab den großen Umschlag. Anne war nun gar nicht zu Wort gekommen. Aber sie ahnte, dass das jetzt nicht von Belang war. Sie folgte Herny und hakte sich draußen bei dem Postboten ein.

„Ein Glück, dass Du da bist, wenn auch verkleidet“.

In seiner geräumigen Zelle angekommen, öffnete Oliver-Iwan den Umschlag.

Sehr geehrter Herr Thielemann, in Anbetracht der Tatsache ihrer Kenntnisse die Vereinigten Staaten betreffend und betreffend die sogenannte Spezialoperation Russlands in der Ukraine, die wir einen Krieg nennen, der beendet werden muss und angesichts der hundertausenden von Toten und Verwundeten auf beiden Seiten, fordere ich Sie auf, umgehend für Kosultationen zur Verfügung zu stehen. Legen Sie dieses Schreiben mit dem Wappen des Präsidenten dem Kommandierenden vor mit der Bitte, umgehend einen Rückflug zu ermöglichen. Die Sache eilt. Ich verliere die Geduld.

Unterschrift, Datum und Ort.

Oliver, der Geheimdienstmann, betätigte den Notknopf in seinem Gefängnis und tatsächlich erschien der Mann vom Dienst und fragte, warum zum Teufel, er solch ein Drama veranstalte.

„Nein, ich muss auf keine Toilette und benötige im Moment auch keinen Arzt, aber ich möchte dem Kommandierenden vorgeführt werden, weil es der Präsident der Vereinigten Staaten so will, laut diesem Schreiben, welches mir übergeben wurde während der Sprechzeit heute vormittag.“

Der Diensttuende überflog den Bogen und ließ den Kommandierenden holen, was ungewöhnlich genug ist.

Der Kommadierende tat das, worum sein Chef in der Hauptstadt seines Landes ihn bat.

Ende des 2. Buches von DANACH.

Altenburg-Leipzig

Leipzig und Umgebung

1.

Die Züge fahren immer noch im Takt

Wenn sie halten

Du musst nur auf den Zettel schauen

an der Lade aufgeklappt

des großartigen Fensters

im großen Garten

vierhundert Meter im Quadrat

Zehn nach um hin

und vierzig nach um

Richtung

Las Vegas zur Spielhölle,

Tankstelle

Große Kaufhäuser

Läden unter einem Dach

von der Puppenstube aus gesehen

mit Puppenklo, wo du zum Freund wirst der Ameisen

und anderem Kleintier

Spinnen an der Wand.

Die Wunder, die du nicht mehr siehst

in deinem Trotteltrott.

Ja, so ist das.

Lass dich umwuchern von Brombeeren und Himbeeren

Lebensbäumen en gros,

sei skeptisch

gegenüber

den gezüchteten

und eingefärbten

Tannen

blau.

Jetzt marschieren sie auf,

die Kleingärtner aus Leidenschaft,

und zeigen dir

ihre Früchte

und wenn du Glück hast

legen sie dir über Nacht oder am Morgen

den Kürbis vor die Tür.

Iss ihn andächtig auf.

2.

Stück

Regentropfen

trommeln nicht an die Fenster im Ostwind,

dem ständigen seit über vier Wochen,

der die Erde austrocknet seit Ostern im Mai.

Aber das Stück heißt so in der Grundschule,

die die Klavierlehrerin mit benutzen darf für Auftritte ihrer Schülerinnen,

zu guten Gelegenheiten

inzwischen ist sie voll integriert

in der Schule mit kreativem Ansatz

Im Museum der

Clara Wieck.

Außerdem.

Sie soll extra eines bekommen.

Vernachlässigt bis dato

die einhellige Meinung der Kultur

Clara,

die Tochter des Lehrers Wieck

aus dieser piefigen Kleinstadt

am Fluss

der Ost und West verbindet

Dresden und Hamburg

Sachsens Karl May

Weit Schlimmeres

und Hanseaten, Protestanten.

Wie fühlt sich das an?

Schumann

Kinderszenen

der fröhliche Landmann

Nikolaus

Robert-Schumann–Haus.

Aber es kommt

die Revolution.

Alle Menschen werden Brüder.

Jetzt Regentropfen,

von Chopin eigenartigerweise.

Der Klassiker der

Klavierstunde.

Hat man mich belehrt.

Nacht

der Museen.

Auftakt mit stolzen Eltern

und Großeltern

und natürlich der Lehrerin.

Sie weint vor Rührung.

Ich auch.

Wo ist der Tanz

das Ballett

der Walzer

Tschaikowski

Chopin

Den spielt meine Enkelin

für uns

im vollen kleinen Saal .

Applaus.

Regentropfen trommeln an die Scheiben,

nein.

Wir warten auf Regen in diesem kalten trockenen Wind

aus Ost.

Wir wollen ja zurück

in das Paradies

den Garten

vierhundert Meter im Quadrat.

Putin schickt seine Signale.

Der Westen versteht wie immer

immer noch nichts.

Nicht einmal das.

Verkehr

Du

kommst aus dem Wald der Kiefern

gebohrt in den Sand der Mark Brandenburg

atmest durch

nach der Erfrischung

steuerst zu

auf den Hund

wo du nicht weißt

ist es eine Schmusekatze

oder ein Raubtier

und bittest um Entschuldigung

weil du stören musst

auf dem Bürgersteig für alle.

Ein böses Fauchen

und „Bitte“ mit Betonung

ABSCHRECKUNG.

Nachdem ich danke sage.

Nie wieder Fahrrad

immer zu Fuß.

In den Staub

Kennst du

das Land wo die Zitronen

blühn?

Du bist nicht Goethe

Ich weiß.

Aber du

solltest dich bewegen

hin zu den Strömen

die nicht fließen

sondern stehen.

Ein bisschen

wie Bobrowski

Fontane nicht

mit seinen ewigen

Beschreibungen.

KLAGELIED

(zur Gedenkfeier am 1. September 2018 in Kyritz)

Wir reformieren

und beschmieren

Zettel

klug und fein.

Dann kommen wir zur Tat

über das Feld

mit Stecken und Stab

und erschüttern die Welt.

Vor lauter Gerechtigkeit

ohne Barmherzigkeit.

Wir reformieren

und beschmieren

Zettel

klug und fein.

Dann säubern wir die Akten

und schaffen Fakten

schreiben Geschichte

und ich Gedichte

über die Ungerechtigkeit.

Was soll nun werden

auf dieser Erden

Wenn ich jetzt …

1

Wenn ich jetzt nach Berlin fahre

auf der Nord–Süd–Autobahn

Nummer 9

in Buchstaben Neun

dann danke ich Gott

wenn ich wohl angekommen bin

zum Beispiel ohne Sabotage

wie es in den Neunzigern sie noch gab:

„Schrauben locker,

ich habe es

irgendwann gemerkt

bevor es zu spät war

und bin

an die Box gefahren.

In den Rennstall

der Weltpolitik,

die wir damals

machten, weil wir auf die Straße gegangen sind

ohne zu fragen

mit List und Tücke

frei nach Lenin.

Und das war das Schlimmste!

Er spricht:

DENN DIE SPIESSER IN DEUTSCHLAND

WERDEN NIE DEN RASEN BETRETEN

DAS GIBT ES DORT NICHT

DESHALB KÖNNEN SIE KEINE

REVOLUTION

BEGINNEN

SIE TRAUEN SICH NICHT

ZUG ZU FAHREN

OHNE EINE FAHRKARTE GEKAUFT

ZU HABEN.

Natürlich nur ein Bild mit der Box:

Tankstelle

schon Esso

ich weiß es nicht mehr.

Halt doch

Minol.

Aber schon

von den Franzosen gekauft.

Es war nicht der Nürburg–Ring.

Inzwischen aber pleite?

Sondern der Leipziger Ring.

1989 in Worten

neunzehnhundertneunundachtzig

ineinander verschlungen die Achten und Neunen.

Und neuerdings habe ich erkannt:

Die Sexen.

Die Nixen.

Achtung 68

in Worten

neunzehnhundertachtundsechzig

Sex Acht!

Von dem kamen wir.

Von diesem Heuhaufen mit den vielen Nadeln,

die sich entpuppen müssen

nun.

Es war diese Box

dieses Rennstalles

Revolution und Politik

Wenn Sie so wollen!

Sprach er.

Er hätte sich dann

einen passenden Schraubenschlüssel geliehen

8 – ter, 10 – er

Achter, Zehner

und die Schrauben der Vorderräder

seines alten Trabant`s

wieder angezogen.

Und konnte so weiter fahren

nach Berlin

der alte

Bürgerrechtler auf der A 9.

So hat er es mir am Telefon erzählt,

als ich ihn fragte

wie es ihm gehe.

Lange her?

Ich bin mir überhaupt nicht mehr sicher.

2

Der Rapper

Wenn ich überhaupt

unterwegs bin

und endlich

gut angekommen

wenn auch müde oder

alt und bekümmert

und krank

stoße ich ein Gebet

zum Himmel:

in keinen Unfall verwickelt

nicht verursacht

nicht geschnitten

bei 100

bei hundert.

3

Wie damals bei Dresden

Die Bautzener Nummer.

Ich forsche nicht, was die Buchstaben bedeuten.

Denn du musst ja persönlich fahren

du kannst die Verantwortung nicht abschieben.

Ja, das ist anstrengend.

4

Oder neulich nachts

wo Du nicht weißt

die Sekunde.

Ich bin schuld.

Jetzt auf einem anderen Ring

nicht Breslau

nein

oder in einer anderen Stadt

auf dem Erdball

sondern seit 2000 und…

die Bahnen um Leipzig

in seiner Umgebung

in Beton gegossen und Teer.

Hüte dich.

Bleibe behütet.

Amen.

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Aus Gedicht-Form

von Michael Wohlfarth

epubli Berlin

Veröffentlichung (Softcover)

ISBN: 978-3-759859-29-7

Erscheinungsdatum: 14.08.2024

Bilder

Stasiakte

Stückentwurf

Land der zwei Ströme: Dahme und Spree, Zweistromland Berlin

Vor der Grünauer Kirche: Freiluftausstellung

Brüderkirche zu Altenburg, am Markt: DAS AMEN IN DER KIRCHE, DER FRIEDENSGEBETE UM FREIHEIT, UM SCHUTZ FÜR DEN PILGER, FÜR MENSCHEN UNTERWEGS IN IHRER MISSION, IN IHREM ALLTAG UND SONNTAG, IN IHRER RASTLOSIGKEIT UND ZERRISSENHEIT.

WIR BETEN: HERR, BLEIBE BEI UNS IN DIESER ZEIT DU EWIGER GOTT UND GELEITE UNS AUF ALLEN UNSEREN WEGEN.

AMEN.

Erlebnis mit Fjodor Dostojewski in der Stadt

Jesus sagt , der Glaube kommt aus dem Hören.

„Wir wollen sehen, wie der Glaube wächst aus dem Hören auf das Wort Gottes in einem feinen bereiten Herzen, gleich dem Acker im Gleichnis, der das ausgeworfene Korn birgt und aufgehen lässt im Regen und Wind und ernten lässt in der Hitze des Sommers“.

„Kant betont das Hören ebenfalls über alle Maßen, woraus die Hersteller von Hörgeräten die Impulse für ihre Werbung beziehen. Plötzlich lesen wir es in großen Lettern an Giebelwänden, selbst wenn wir schnell die Straßen nehmen weil hinter uns die Nächsten drängeln und hupen. Um die Wegstrecke zum Ziel in der Stadt abzukürzen, treten wir auf das Pedal und der Golf braust davon. Aber das lesen wir von Kant.“

Und Jesus im Hintergrund.

Seine Mutter war eine fromme Frau.

„Eine Pietistin, von der er gelernt hat, was der Himmel ist, das Gewissen und die Vernunft.“

Jetzt sitzen wir also in der Kirche, die Glocken haben geläutet, die Orgel braust und wir schlagen das Buch auf, in dem die Lieder der Gemeinde zu finden sind.

Wir sitzen viel zu lange und viel zu viel.

Warum stehen wir nicht den ganzen Gottesdienst hindurch.

Nein, wir haben es bequem, küssen keine Ikonen, die vorher das Mütterchen berührt hat mit ihren Lederlippen aus Russland, Rumänien oder Bulgarien. Wir werden auch nicht in Ohnmacht fallen. Wegen der undefinierbaren Dünste, die der Priester mit seinem Wedel und seinem Schwenkgefäß oder seiner Wasserpistole verbreitet.

Es ist eine friedliche leere Versammlung, kein ausverkauftes Haus, beileibe nicht. Aber das ist es nicht, was mich stört. Sondern der Ton, der Ton der die Musik macht in dem Gotteshaus. Es werden alle Dinge erklärt für Leute, die noch nicht dabei waren und aus irgend einem Grund heute zum ersten Mal dabei zu sein scheinen, was aber niemand beweisen kann.

Vor jedem Wort steht ein Wort.

Vielleicht sind es Stufen der Himmelsleiter.

Oder es ist das Palmöl des Friedens, das uns gelenkig macht für den Sport im Paradies.

Jedenfalls habe ich mich geschämt.

Immer dachten wir, jetzt kommt es. Aber es kam nicht..

Die Predigt weckt den Glauben.

Der Glaube kommt aus der Predigt.

Die Predigt ist das Wort Gottes.

Traut sich der Geistliche nicht. Traut er sich nicht, das Wort Gottes in den Mund zu nehmen, weil schon alles gesagt ist?

Ist Gottes Wort nicht ewig?

Ist es nur zeitgemäß – oder auch nicht?

Gut, dass es die Liturgie gibt, die bleibt. Gut, dass die Lieder so alt sind und die Gebete von Herzen kommen und die Besucher bekommen, weswegen sie gekommen sind.

Wir sind nicht bis zum Schluss geblieben, weil nach der Predigt noch verschiedene Angebote folgten und ein Sing Sang, der uns nicht herausgetrieben hat, aber uns mit Blicken verständigen ließ, dass wir uns über acht Tage in einer anderen Kirche verabreden wollten, um dort zu hören, was uns nahe ist und Erfahrung bringt aus Geduld und Liebe, die der Hoffnung nicht im Wege steht, sondern ihr Grund ist. Nicht, dass der Sing Sang uns sonderlich gestört hätte. Im Gegenteil, er hat bei uns den Eindruck hinterlassen, dass es gleichgültig ist, ob wir da sind oder nicht. Vielleicht waren wir auch nur nicht die richtige Zielgruppe und haben uns in dem reichhaltigen Programm das Falsche heraus- gesucht, wie eine Henne, die ewig und drei Tage kein Korn mehr gefunden hat und nun alles nimmt, was sie findet.

Vom Schatz im Acker möchte ich gar nicht reden. Von Gold und Silber nicht.

Und von Gott?

Am nächsten Sonntag

“Paulus schreibt an die Gemeinde der Freude, die ihn tröstet, als er im Gefängnis sitzt, wenn er nur an sie denkt. Er schreibt ihr einen Brief und wir können ihn lesen und buchstabieren für unsere Lebensverhältnisse.

Paulus schöpft letzten Endes auch – wie wir – aus dem Vermächtnis Jesu, wie es seine Jünger im Gedächtnis hatten. Nachdem sie mit ihm gewandert sind, um ja nichts zu versäumen in dieser Zeit auf Erden.

Die Briefe des Paulus finden wir im Briefteil des Neuen Testamentes und seine Missionsreisen in der Apostelgeschichte, in der beschrieben wird, wie im Glauben an das Wort des Jesus Christus, des Gekreuzigten und Auferstandenen, Gemeinden in Kleinasien, Griechenland und dem heutigen Italien gegründet und geleitet werden. Zu den Reisen und Neugründungen gehören die Briefe, die die Gründer an die Gemeinden schickten, um ihnen ihre Treue und Liebe zu beweisen. Das Beste, was man tun kann, damit die Gemeindeglieder nicht in die Irre gehen und sich verführen lassen. Das Beste auch in Verfolgung und Bedrängnis. Das wussten sie.

Die Gemeinde der Freude, wie Philippi genannt wird, muss etwas Besonderes gehabt haben, dass Paulus sich mit ihr so verbunden weiß. Gerade auch in den Sorgen, die er sich um sie macht. Was schreibt er an die Menschen, die mit Christus verbunden sind?“

Der Prediger hält inne und schaut von seiner Kanzel auf die Menschen herab, die in der großen Stadtkirche sitzen und bis jetzt den einführenden Erläuterungen ihres Pfarrers gefolgt sind.

Stille. Peinliche Stille.

Einer steht auf und geht. Er protestiert!

Als ob der Pfarrer verhindern will, dass noch mehr gehen, liest er nun endlich den Predigttext vor, um den es heute gehen soll:

„Folgt mir und seht auf die, die so leben, wie ihr uns zum Vorbild habt.

Denn viele leben so, dass ich euch oft von ihnen gesagt habe.

Nun aber sage ich ’s auch unter Tränen:

sie sind die Feinde des Kreuzes Christi.

Ihr Ende ist die Verdammnis.

Ihr Gott ist der Bauch

und ihre Ehre ist in ihrer Schande.

Sie sind irdisch gesinnt.

Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel

Woher wir auch erwarten den Heiland

den Herrn Jesus Christus

der unseren nichtigen Leib verwandeln wird

dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe

nach der Kraft

mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.“

Wieder Pause. Lange Pause. Da liegt eine Spannung in der Luft. Fühlt sich jemand angesprochen. Unangenehm berührt. Ja. mehrere stehen auf. Es sind die Bänke, die ächzen. Bei Stühlen wäre es auch nicht besser, die rutschen und quietschen auf dem Stein.

Die Gruppe hat geräuschvoll die verschlossene Tür aufgerissen und hinter sich ins Schloss fallen lassen. Der Kirchendiener konnte nicht mehr die Tür halten in ihrer Wucht. Es war eine schwere Eichentür. Er lief, er hätte rennen müssen.

Er hatte es dem Pfarrer gesagt, diese Epistel ist zu schwerwiegend, „zu unverständlich“ und bat darum, den Mittelteil wegzulassen. Er stand im Lektionar in Klammern! Der Pfarrer meinte, der solle mit gelesen werden. Er sei nicht verboten, nur weil er in Klammern stünde.

Auf diese Weise kam der Freudenbrief zur Geltung, weckte die Neugier des Predigers und wurde der Text, der der Predigt zugrunde lag und nicht die Fürbitte Abrahams für die Städte Sodom und Gomorra.

Der Kirchendiener war zufrieden. Er las als erste Lesung den Besuch Gottes bei Abraham und die Ankündigung der Katastrophe.

Wie recht hatte der Kirchendiener mit seiner Vermutung, dass der Text des Paulus unverständlich sei. Weil, hätte man ihn verstanden, sich vieles ändern müsste. Bei jedem einzelnen. Lebensgefährlich auch für den Prediger?

Wie Recht hatte der Kirchendiener.

Wir alle wissen doch wie es um Johann Wolfgang von Goethe stand – mit diesem Kreuz – so allein auf weiter Flur.

Auf den Gipfeln der Alpen und überall auf der Welt.

An den Straßenrändern. Das versteht man ja noch – als Warnung für zu schnelles Fahren im jugendlichen Übermut.

Oder Woizeck, der fragwürdige Held eines Georg Büchner.

Alle urinieren auf das Kreuz.

Es tut weh.

Dummerweise steht es viel zu viel herum in der Landschaft.

Oh – wie hasse ich es, wird mancher sagen.

Sogar in Schulen soll es anderwärts hängen.

In Gerichtssälen, sogar in Frankreich.

Es ist ja auch wahr, dass es umgedreht wurde von den vielen Kreuzrittern und ein Schwert wurde. Und ein Zeichen gegen die Protestanten in vielen Ländern, die es küssen mussten.

Und dann noch so ein schreckliches Wort. „Ihr habt mich zum Vorbild…“, schreibt der Apostel. Vorbild sagen wir nicht mehr. Leitbild, ja. Aber nein. Nicht doch. Vorbild ist primitiv. Das können wir niemandem mehr zumuten. Dabei weiß jeder, dass nichts anderes funktioniert als das Vorbild. Aber das ist es ja gerade. Wir sagen es nicht. Noch lange nicht. Da mag die böse Welt es längst eingesehen haben, dass es ohne Vorbilder nicht geht, in der Schule. Und ohne Liebe nicht. In der Schule. Und zu Hause. Und dass Vorbild und Liebe zusammengehören. Strenge auch. Ja, Zucht, flüstert einer und erinnert kaum hörbar an Dietrich Bonhoeffer, der natürlich in diesem Punkt nicht vor uns hergetragen wird wie eine Monstranz. Aber wir sagen es nicht. Noch lange nicht. Was ist das für ein kafkaeskes Spiel.

Warum ist man eigentlich so gegen Paulus, gegen Augustinus, gegen Luther. Warum ist die Leidenschaft aus der Kirche verbannt. Warum darf die Wahrheit nicht gesagt werden? Weil zu wenig Liebe da ist, um sie aufzufangen?

Was ist denn die Wahrheit? Ist die Wahrheit hässlich? Ist sie schön?

Lässt sich die Welt wirklich nur ästhetisch rechtfertigen, wie der Sohn eines Pfarrers, Friedrich Nietzsche, dort, wo jetzt die Braunkohle liegt, es leidvoll erfahren musste.

Golgatha, Gethsemane, Graf Zinzendorf: “Das tat ich für dich. Was tust du für mich?“ Er las das auf einer Reise in London unter einem Kreuzigungsbild und wollte fortan etwas tun, weil er das Kreuz nicht verachten wollte, sondern würdigen und annehmen in seinem Leben.

Auf dass er mit Christus auferstünde.

Wie viele Menschen haben das erfahren, es geht nicht alles auf, nicht alles glatt schon gar nicht, vieles ist krumm, wie ein Weg, auf dem Gott kommt. “Und er schreibt auf krummen Linien“, haben die Leute früher behauptet. Und wir? Wir fliegen und – haben Handschriften, wie Kinder in der Klasse minus eins. Wir können kaum noch lesen, geschweige denn schreiben. Es sind Fächer in höheren Klassen: Lesen. Kreatives Schreiben.

Wer seinen Körper verachtet und damit Schindluder treibt, entweiht ihn, verachtet den Tempel Gottes. Das Haus des Heiligen Geistes, wir können damit nicht tun, was wir wollen. Weil Gott uns das Leben schenkt, sollen wir so damit umgehen, dass wir das Opfer Christi zur Heilung und Heiligung unseres Lebens nicht verachten.

Skandalon, Skandal, Ärgernis, töricht den Weisen dieser Welt aber Gottes Weisheit – das Holz, das Konstrukt für unser Tun und Lassen.

Warum schreibt Bismarck seiner Frau von dem See, auf dessen tiefstem Grund das Kreuz sichtbar wird als einem großartigen Bild für die Ehe. Ist das passe‘ ? Ist deshalb das Wort Beziehung das Schlüsselwort und Partnerschaft, statt Ehe? Wer das Kreuz verachtet, verachtet das Hässliche in seinem Leben, will es nicht wahrhaben, dass das Leben ohne Kreuz nicht zu haben ist. Wer die Crux leugnet, den Widerspruch, belügt sich selber.

Es geht um mehr als Moral, nämlich, dass, wer behauptet es gäbe keinen Gott, kann tun und lassen was er will…das hatten wir schon, nicht wahr Dostojewski?“

Es wurde folgendes festgehalten in der Sitzung der Gemeindeleitung: „Als die Predigt zu Ende ging, waren noch fünf Männer und vier Frauen in der Kirche. Alle anderen waren gegangen, weil sie es übertrieben fanden, so krass und deutlich die Dinge auszusprechen.“

„Das wäre doch nicht nötig gewesen und widerspricht dem Gebot der christlichen Nächstenliebe“.

Sie wollten den Prediger anzeigen bei der Kirchenleitung, weil er das Konsensgebot und die gegenseitige Verträglichkeit missachtet habe. Die Einvernehmlichkeitsklausel wurde zitiert.

Allerdings, wir haben die Predigt gehört und sind bis zuletzt geblieben. Sie war nicht gesetzlich, sondern evangelisch. Es ging ja auch nur um die Klammer, auf die der Kirchendiener hingewiesen hatte.

Es war ja auch gar nicht die Predigt, die Anstoß erregte, es war das Skandalon des Kreuzes selber.

Es war die Torheit derer, die das Kreuz wegwischen wollen wie einen Flecken an ihrer Weste, von der sie meinen, sie müsste immer weiß aussehen, auch wenn sie schmutzig geworden ist.

Es waren genau diese Sätze der Bibel.

Sie waren eingeklammert !

Das stimmt.

Wir brauchen es nicht, das Kreuz Christi. Wir leugnen es. Warum ist es eigentlich da. Es wirkt so abstoßend. Weg mit den Kruzifixen.

Symbol?- Ja, das können wir deuten. Denn wir haben ja die Deutungshoheit.

Den Zusammenhang von Tugend, Jugend und Kreuz – nein danke. Es gibt ihn nicht. Das haben wir einhundert mal betont.

Dass die Moral auch ein Kreuz sein kann. Ja, wo kommen wir denn hin, wir haben es genug behauptet, dass wir keine Moralprediger sind.

Und das Kreuz Christi uns ausmisst in der Höhe und in der Breite, in der Tiefe, in der Länge des Atems den wir haben.

Wenn wir uns wenigstens nicht scheuen, christliche Wahrheiten auszusprechen in einer Zeit, in der darauf gewartet wird.

Erst waren es hundert. Dann zehn.

Und erst, wenn junge Leute anfangen wieder ehrlich zu predigen ohne Furcht und Tadel, sind zuerst diese zehn da, dann zwanzig und zum Schluss hundert. Und mehr.

So muss es sein und das andere ein böser Traum, denn sonst kann es nicht wahr sein, dass die Kinder von denen, die sich gegenseitig umgebracht haben, sich versöhnten und liebten und so Heilung in die Geschichte ihrer Familien einzog wie durch ein Wunder.

3.Versuch – Das Ewige Haus

„Vor der Wiedervereinigung Deutschlands und Europas haben wir erst im Rundfunk, dann im Fernsehen gehört und gesehen, daß es in der alten Bundesrepublik einen so genannten Volkstrauertag gibt, an dem die Repräsentanten des Staates Kränze niederlegen im Gedächtnis an die Gefallenen der Weltkriege.

Allerdings habe ich nie als Pfarrer darauf gedrungen, daß die Ehrentafeln für die deutschen Gefallenen aus den Kirchen entfernt wurden und auch die Ehrenmale in den Dörfern und Städten sind, so viel ich weiß, nicht entfernt worden.

Wenn der Martinsumzug durch unser Dorf zog, haben wir an dem Kriegerdenkmal angehalten und darauf hingewiesen, wie anständig der römische Soldat und Offizier Martin gewesen ist, als er seinen Soldaten- und Reiterumhang in einem kalten Winter geteilt hat mit einem Bettler, der fror. Niemand hat uns daran gehindert, den Martinstag innerhalb der so genannten Friedensdekade so zu begehen, daß nicht alle Soldaten im alten Rom nur Mörder gewesen sind, sondern auch Wohltäter gewesen sein können.

Jetzt haben wir das wiedervereinigte Deutschland (und Europa – ohne Russland) und gestalten die offiziellen Kranzniederlegungen mit im Andenken an alle Verfolgte, Flüchtlinge, vom Terror Bedrohte und im Krieg umgekommene Soldaten und Zivilisten.

„Aber wir haben auch einen biblischen Text aus einem Brief des Missionars Paulus an die christliche Gemeinde in Korinth.

„Wir wissen aber, wenn unser irdisches Haus zerbrochen wird, daßwir von Gott eine anderes Haus haben, das ewige Haus. Und deshalb sehnen wir uns nach dem Himmel und uns verlangt, dass wir damit angetan werden wie mit einem Kleid. Dass wir nicht nackt und bloß sind.

In unserer sterblichen Hülle sehnen wir uns nicht nach Entkleidung, sondern nach der Verklärung, damit das Sterbliche verschlungen wird von Leben.

Der uns aber dazu bereitet, das ist GOTT, der uns das Pfand, den Geist dazu gegeben hat.

Wir wissen, dass wir fern sind vom Herrn in unserer sterblichen Hülle, in der wir unterwegs sind in unserer Pilgerschaft. Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.

Der Glaube ist unser Trost.

Wir haben aber Lust näher bei Gott zu sein. Damit wir nach Hause kommen in seine Ewigkeit. Daheim bei dem Herrn zu sein.

Deshalb strengen wir uns auch an, ob nun auf der Erde oder im Himmel, damit wir ihm wohl gefallen.

DENN

WIR MÜSSEN ALLE OFFENBAR WERDEN VOR DEM RICHTERSTUHL CHRISTI, AUF DASS EIN JEGLICHER EMPFANGE SEINEN LOHN DAFÜR WIE ER GEHANDELT HAT IN SEINEM LEBEN, ES SEI GUT ODER BÖSE.“

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,

der Herbst ist eine deutsche Jahreszeit.

Angefangen mit Heinrich Heines Gedicht vom traurigen Monat November, der unweigerlich auf das Wintermärchen Deutschland verweist.

Wenn Sie wollen, können sie gleich noch an einer Schubertiade teilnehmen und die Winterreise in großartiger oder rührender Besetzung anhören. Die Stimmung ist perfekt.

Gleichzeitig protestieren Schüler auf den Straßen wegen mangelhaftem Unterricht und mir fallen die Studentenunruhen in Frankreich und Westdeutschland ein, wenn es auch nicht immer der Herbst war. Aber im Herbst beginnt das Lernen und Studieren.

Weltkrieg. Weltkriegsende. Novemberrevolution. Russische Revolution, die an Grausamkeit nicht zu überbieten war.

Die SA hat geputscht.

Hitler hat die Macht ergriffen.

Das Glas splitterte und Juden wurden abtransportiert.

Weltkriegsende.

Teilung des Landes.

Gewalt, Terror, Bomben,
Flucht und Vertreibung. Alles kam zurück.

40 Jahre später Herbst in Leipzig. Mauerfall in Berlin.

Jetzt. Jetzt ist die Zeit der Gnade.

Der Herbst- er kann auch schön sein. So der Karl Valentin.

Volkstrauertag. In einer halben Woche ist Bußtag. Nur in Sachsen, Sieger im Pisatest, gesetzlicher Feiertag. Dann ist EWIGKEITSSONNTAG. Und es war Reformationstag und Halloween. Warum nur die Leute sich darüber so aufregen.

Warum wollen die Leute den Richterstuhl streichen. Ist Weltgeschichte nicht mehr Weltgerichte. Hat die Geschichte kein Ziel mehr. Ist es nicht gut, dass es einen Richter gibt – bei so viel Unrecht und Unvermögen, Recht sprechen zu können. Man denke nur an die Unfähigkeit mit der Vergangenheit Deutsche Demokratische Republik fertig zu werden, mit dem himmelschreienden Unrecht, das gepflegt und gehegt wird, wie ein literarisches Denkmal.

Warum wollen die Leute nur getröstet werden mit dem Kleid, das ihre Blöße zudeckt im Licht Christi. Weder das Licht, noch die Nacht, noch das Feuer, noch den Rauch, noch die Trompete, noch den Wandel – nicht einmal den Handel – gibt es, wenn das Gericht ausbleibt. Licht ist Licht. Und kein Dunkel mehr. Ja, Dunkel ist Licht.

Nacktheit ist keine Nacktheit mehr. Frost nicht mehr Frost. Sommer nicht mehr Sommer. Wenn die Posaunen nicht rufen und die Toten nicht auferstehen, vom Schlaf. Wie es in einem alten Lied heißt.

Wie es in den Gospels gesungen wird.

Weder Bekleidung gibt es, noch Leben, das uns verschlingt. Weder Gut noch Böse, sondern Fadheit und Geschmacklosigkeiten am laufenden Band.

Was sollen die Menschen an den Kriegsgräbern sagen, wenn ihre Mütter nicht mehr leben, um dort weinen zu können. “Es gibt keine Schuld mehr…?“ Es gibt sie doch und Christus verheißt uns Leben und qualifizierte Zeit, Bedeutung. Ewiges Leben. Er steht dafür ein. Als Richter.

Wir sind unterwegs in das EWIGE HAUS. Aber wir werden gefragt, wo wir und bei wem wir gewesen sind auf dem Weg. Ehe wir uns im Wohlgefallen üben mit den Engeln. Im Himmel und auf Erden.

Buße tun ist umkehren, wenn der Weg lebensgefährlich wird für uns. Tun wir das. 1989 war das angesagt und wurde ausgepfiffen. 1945 war das angesagt und wurde versucht. Und 1918?

„Dass wir weinen können über der Schande, die uns widerfahren ist und Vergebung erlangen, damit wir nach vorne schauen können. Das ist nicht WEITER SO. Sondern Neubeginn im Namen Gottes, des Vaters, der uns geschaffen hat, im Namen Gottes des Sohnes, der uns erlöst hat und im Namen des Heiligen Geistes, der uns tröstet tief in unserem Herzen“. AMEN.

Alle Bilder: Erntesegen, wie ein Freund schreibt“ Kresse, Tomaten, Gurken, Segen.“ Vor unserem Haus als Trost für den Garten in Nordsachsen, den wir abgeben mussten, weil wir uns weigerten, die herrlichen alten Bäume der Vorgängerfamilie zu fällen. Wir haben sie gefällt. Sie sind im Kamin gelandet. Nicht in unserem. Aber wir wollten den Garten nicht so. Vielleicht ein Fehler. Oder?

Das Bild über der Predigt aus dem Archiv eines Dorfpfarrers ist eine Einladungskarte zum Valentinstag in die Brüderkirche zu Altenburg von dem katholischen Kollegen. Es war ein Generationsunter- nehmen und Ökumene. Mit Segnung. Bitte, Gebet und Fürbitte für die Paare am Altar vor dem Segen.

„Unterwegs in der Stadt mit D.“ ist die Voraussetzung für das Buch ACH DOSTOJEWSKI bei Haag und Herchen. Im Roman zu finden, bevor sie sich entschließen, gemeinsam weiter zu machen.

Die Freude in Christus: Eine Botschaft aus dem Gefängnis

Bitte erst den Vorgängerblock lesen mit allen Schriftstellen.

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,

das ist ein Brief der Freude, den ich da gelesen habe – wenn ich ihn ganz lese.

Alle 4 Kapitel.

Das Erstaunliche: er wird aus dem Gefängnis geschrieben: Und Paulus beschreibt die Freude, die in Christus Jesus gegeben ist.

Der erste Vers unseres Predigtkapitels ist:“Weiter, liebe Brüder: Freut euch in dem HERRN!“

Paulus erzählt – immer wieder – wie er zu der Freude im Glauben trotz aller Trübsale gekommen ist. Und wie er die Gesetze seiner Religion als berühmter Gesetzeslehrer gehalten und interpretiert hat und dabei zum Verfolger der Christen geworden ist, wie er Zeuge und Täter bei der ersten Steinigung eines Nachfolgers Jesu geworden ist.

Und erst durch die Begegnung mit dem HERRN sehend geworden ist für Jesus und seine Auferstehungsgemeinde. Wie er auch sein Nachfolger geworden ist. „Sein Follower…“ würden heute Jugendliche sagen.

Aus dem Verfolger ein Nachfolger. Eine 180 Grad-Wendung.

Der angesehene Gesetzeslehrer seines Volkes ist in die Nachfolge Christi getreten und schreibt jetzt aus dem Gefängnis Briefe der Freude.

Ganze Kapitel.

Verkündet die Botschaft, die er empfangen hat in der Begegnung mit Christus seinem HERRN. Ganz in der Tradition auch seines Volkes, der prophetischen Tradition, siehe den Text umseitig aus dem ersten Testament Gottes/Neues Testament/ JEREMIA 1, 1 – 4.

Er bittet seine Lieblingsgemeinde in Europa: „Bleibt in dieser CHARIS gleich Freude, bleibt in dieser GNADE GOTTES und verzettelt euch nicht in den Fragen der religiösen Bräuche. Verwechselt nicht Ursache und Wirkung in der Nachfolge Jesu. Sucht den Heiland der Welt, das HEIL in Christus und nicht darin, wer Recht hat. Wer den richtigen Glauben hat. Wenn Ihr auf den Gekreuzigten und Auferstandenen schaut, werdet ihr Wahrheit und Gerechtigkeit finden“.

„Könnt ihr in der Liebe bleiben!“

„Nicht durch Zynismus (cynos- der Hund), durch hündisches Verhalten, werdet Ihr untereinander klar kommen“.

„In Christus liegt die Erfüllung des Gesetzes!“, ruft er den multiethnischen Gemeinden zu.

Paulus möchte nicht den Rückfall in eine falsche Gesetzlichkeit erleben.

Er erinnert deshalb immer wieder an seine eigene Geschichte, wenn er wegen s e i n e r Verkündigung des Evangeliums angegriffen wird in der Auseinandersetzung, was wichtiger sei: die Einhaltung der rituellen Vorschriften oder der Glaube an Jesus Christus, den Auferstandenen, der Früchte trägt.

Er könnte sich gut auf seine Leistung berufen und sich darauf ausruhen, aber er tut es nicht, sondern schaut auf den HERRN und folgt ihm nach. – Ja, er geht noch weiter: „Alles was diesem meinem Glauben im Wege steht, halte ich ferne.“

Schlimmer noch:“ist Dreck!“ Wörtlich übersetzt Kot . In der Jugendsprache: Scheiße, wie heute oft zu hören ist. Ja, Paulus ist ein leideschaftlicher Christ geworden, so wie er vorher ein leidenschaftlicher Verfolger eben dieser Christen gewesen ist. Sonst wäre er nicht rund um den Erdball gezogen mit seiner Botschaft, beziehungsweise in der Welt unterwegs gewesen, die damals die Welt war.

Ich selber, als ordinierter Pfarrer, sehe in der Kirchengeschichte Augustinus, Martin Luther und Sören Kierkegaard als Christen, die das besondere Anliegen des Apostels in jeweils ihrer Zeit weiter entfaltet haben.

Ich sehe den Zug durch die Jahrhunderte, die Väter und Mütter des Glaubens, unseres Glaubens, wie sie mit dem Geschenk des Glaubens wucherten und nicht kleingläubig umgingen, wie der Ängstliche und Kleingläubige im Gleichnis von den Pfunden, das Jesus erzählt.

Leidenschaft: Was ihm schadet in der Erkenntnis Gottes in Jesus, den er gefunden hat- weg damit! – da kennt er keine Kompromisse. Da wird er radikal. Und deshalb kann er alle Verfolgung, Diskriminierung und Verleumdung, auch innerhalb seiner Kirche und Gemeinde ertragen und dafür leiden. Leidenschaft.-

Es geht um das Leben in der Taufe, in die Christ/Christin hineingetauft werden: In den Tod Christi, damit wir mit Christus auferstehen von den Toten. Es geht um das Leben der von ihm gegründeten Gemeinden. Ja,das ist wirklich jüdisch-christliche Tradition. Paulus ist Jude, der sich von nichts, aber auch von gar nichts abbringen lassen will in der Erkenntnis Gottes. Und damit in der Liebe Christi bleibt, durch die ihm das Leben ja erst neu geschenkt worden ist. Diese Erkenntnis gibt er weiter. In jedem seiner Briefe. Dadurch wird er zum Lehrer der Völker.

Die Offenbarung Christi vor Damaskus gibt ihm die Begeisterung, die ansteckt und sicher auch polarisiert. Sie gibt ihm das gute Gewissen, wenn sie ihn vor die Räte bringen. Gott schenkt ihm die Kraft, Gemeinde Jesu zu bauen. Auch und sogar vom Gefängnis aus, in das ihn die Mächtigen, die Zyniker der Macht bringen.

Er bringt das Evangelium nach Europa, nach Griechenland bis nach Rom.

Er weiß, dass er alles verloren hat: Reichtum, Anerkennung, Akademische Ehren, seinen guten Ruf – weil er mehr gewonnen hat: Christus.

Deshalb kann er mit den Gesetzlichen reden, mit den Juden und Griechen, mit den Libertären, mit den Linken und Rechten. Mit den Starken und Schwachen. Ja, er kann sogar die Falschen Fünfziger akzeptieren, wenn er ohnmächtig im Gefängnis sitzt, wenn nur – auch von denen- der CHRESTOS verkündet wird. – Gott ist größer als unser Herz das weiß.

Übrigens ein Trost für alle, wenn sie an der Kirche oder den Verhältnissen verzweifeln.

Die Taufe in Christus ist es, die uns stark macht. Die uns ein WERDEN bedeutet in der Liebe und der Erkenntnis Gottes. Gemeinde bauen läßt. Die es möglich macht: ein Leben zwischen Kreuz und Auferstehung zu führen im Alltag, in den Kämpfen der Zeit.

Gebet: Danke Gott für alle Zeugen deiner Auferstehung in Jesus Christus, für alle Menschen, die Briefe geworden sind deiner Herrlichkeit und Wahrheit. Wir bitten dich: mache uns zu Salz für deine Erde, wenn es fade um uns herum wird, zu Licht in deiner Welt, wenn die Dunkelheit einzubrechen droht. Amen.

Die Predigt wurde in Vertretung von Pfarrerin Anke Schwedusch-Bishara wirklich gehalten heute am 9. Sonntag in der Trinitatiszeit in der Dorfkirche zu Müggelheim.

Berlin d. 17.08.2025, Michael Wohlfarth

Vorbereitung

Ich habe mich verpflichtet am Sonntag über acht Tagen in meiner Dorfkirche zu predigen. Das heißt, ich werde mir die angebotenen Texte anschauen, die den Abendmahlsgottesdienst ausmachen sollen. Und in der Reihe, wie sie meine Kirche vorschlägt. Das ist sinnvoll:Vorgeschlagene Texte, nicht von mir ausgewählte. Also nicht meiner Stimmung gemäße Texte, meinem Unbehagen gemäße Texte, meiner Wut gemäße Texte, meinem Zorn gemäße Texte. Oder nach dem Motto: was ich schon immer einmal sagen wollte.

Sondern im Auftrag.

Es geht um die Heilige Schrift, die Bibel, das Alte und das Neue Testament Gottes, sein erstes und zweites sagen moderne Theologen heute, um nicht etwa die Hebräische Bibel als nur“alt“ zu apostrophieren.

Nein, ich wähle sie nicht aus, sondern schaue nach in meinem Losungsheft der Herrnhuter Brüdergemeine oder in meinem mir immer noch zugeschickten Amts- und Dienstkalender. Und möchte sie an meiner Vorbereitung teilnehmen lassen.

Unter Liedern steht ein Predigtlied: Evangelisches Gesangbuch 397 „HERZLICH LIEB HABE ICH DICH O HERR.“ Das Lied hat drei lange Strophen. Es werden noch mehr Lieder gesungen. Soweit bin ich aber noch nicht. Vielleicht haben Sie einen Vorschlag.

Unter Predigt steht dort: Brief an die Gemeinde zu Philippi.

Die Lieblingsgemeinde des Apostels. Einige Verse, die es – wie immer bei PAULUS – in sich haben und Leute dazu bringen außer sich zu sein, vor Freude, vielleicht aber auch im Gegenteil.

Unter Evangelium lese ich Matthäus, früher zumindest nannte man dieses Evangelium das eigentliche Kirchenevangelium. Nirgend wo ist die Spannung Gesetz und Evangelium so ausgebreitet und geht unter die Haut.

Und dann der Psalm.Im Vorschlag Lob und Dank, was mich gewundert hat. Denn der zweite Teil, der Schluss handelt auch von einer möglichen negativen Perspektive.

Dialektik.

Lobpreis und Sehnsucht Gott nahe zu sein in der Wüste, auf der Flucht vor denen, die ihn töten wollen: den Sänger, den König, DAVID.

Gottes Güte ist besser als Leben (Psalm 63 (1) 2-9 (10-12)
1 Ein Psalm Davids, als er in der Wüste Juda war. 

2 Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir, mein Leib verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist. 3 So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit. 4 Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich. 5 So will ich dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben. 6 Das ist meines Herzens Freude und Wonne,[1] wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann; 7 wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach. 8 Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich. 9 Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.

10 Sie aber trachten mir nach dem Leben, mich zu verderben; sie werden in die Tiefen der Erde hinunterfahren. 11 Sie werden dem Schwert dahingegeben und den Schakalen zur Beute werden. 12 Aber der König freut sich in Gott. / Wer bei ihm schwört, der darf sich rühmen; denn die Lügenmäuler sollen verstopft werden. 

Und dann Altes Testament,der Prophet, JEREMIA: SEINE BERUFUNG! Vor seiner Zeugung!

Aus einer alten Priester -Dynastie stammend.

(Das wäre dann der Nachteil des ZÖLIBATES).

Und natürlich ziert er sich: zu jung u.s.w..

Wir kennen das.

Immer dasselbe.

Die Aufgabe ist ja auch zu mächtig gewaltig.

Vorstellung und Berufung des Propheten Jeremia (1, 4 – 10)

Dies sind die Worte Jeremias, des Sohnes Hilkijas, aus dem Priestergeschlecht zu Anatot im Lande Benjamin: 

Zu ihm geschah das Wort des HERRN zur Zeit Josias, des Sohnes Amons, des Königs von Juda, im dreizehnten Jahr seiner Herrschaft  und hernach zur Zeit Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs von Juda, bis ans Ende des elften Jahres Zedekias, des Sohnes Josias, des Königs von Juda, bis Jerusalem weggeführt wurde im fünften Monat. 

Und des HERRN Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen. 

Das Evangelium nur drei Verse, zwei Sätze (Mt.13, 44 – 46):
Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker.  Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie. 

Ja, das ist radikal. Die Radikalität am richtigen Sitz im Leben. Wenn es um das Ganze geht. Um den Sinn des Lebens.

Und nun der Predigttext, auch wie das Evangelium im Neuen Testament , der gleichzeitig als Epistel dient (Briefteil des Gottesdienstes). Wir finden ihn im Philipperbrief des Apostel Paulus, 3. Kapitel, (4b – 6) 7 – 14

Wenn ein anderer meint, er könne sich aufs Fleisch verlassen, so könnte ich es viel mehr, der ich am achten Tag beschnitten bin, aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, nach dem Gesetz ein Pharisäer, nach dem Eifer ein Verfolger der Gemeinde, nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig gewesen.

Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, auf dass ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott kommt durch den Glauben. Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden, 1damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.

Das Ziel

Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Brüder und Schwestern, ich schätze mich selbst nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Ja, das ist Leidenschaft. Leidenschaft in Christus Jesus, dessen Name über alle Namen ist. Das ist Argumentation. Nicht umsonst schätzen gerade Marxisten Paulus als d e n Philosophen (Agamben).Haben ihn geradezu entdeckt, für sich, für andere. Und als Jugempfarrer im Altenburger Land? In der Stadt und auf dem Land: „Ja, alles ist Scheiße, nur JESUS nicht.“Das ist keine Blasphemie, auch keine Anbiederung an den Zeitgeist. Und ja, es ist Jugendsprache. Jugendliche haben manchmal auch Recht! Auch und gerade in ihrer Sprache. Im Übrigen ist die Übersetzung so wie s.o.. So war Paulus mit seinem Lebensweg, der hervorragend Rabbi, der junge ehrgeizige Rabbe und Bibelausleger, der diese Sekte verfolgt, von einem gewissen Jesus inspiriert. Sie nennen sich Christen. Sie glauben, Jesus ist der Messias, auf den alle warten um die Welt zu erlösen. Uns alle, damals und heute. Der den Mantel hält für diejenigen, die Steine werfen auf Stephanus, bis er begraben liegt unter den Steinen. „Das geht alles nicht, das ist Gottes Lästerung.“ Aber aus dem Vorzeigegelehrten wird ein Mensch in seinem Wahn, der vom Pferd fällt und eine Erscheinung hat:“Saulus, warum verfolgst du mich?“ „Wer bist du?“ “ Ich bin der, den du verfolgst.“ Wir können das alles nachlesen in der Apostelgeschichte und Paulus selber erzählt es immer wieder.

Weil dieser ehemalige Saul oder Saulus eine Geschichte hat, die zu seiner Namensänderung führt, glauben ihm die Leute. Er weiss wovon er redet.

Soviel aus heutiger Sicht von mir aus gesehen zu den Texten des Gottesdienstes am 17. August d. J..

Mit ein paar Bemerkungen, die neugierig machen sollen, z.B. eine Predigt an zu hören, einen Gottesdienst zu dem Thema zu feiern, das es sich lohnt Christ zu sein.

Dass wir alles andere vergessen können, wenn es um ein erfülltes Leben geht im Glauben an JESUS Christus, um seine Wahrheit in und Gerechtigkeit.

So wie bei dem Kaufmann, der alles verkauft, um diese eine Perle zu bekommen, bei dem Bauern, der alles daran setzt, um den Acker zu haben, in dem der Schatz liegt. – Bitten wir Gott, dass alle Gottesdienste an diesem Sonntag schön werden und uns klarer wird, was wirklich wichtig ist, damit wir leben können. In seiner Güte und in seinem Auftrag!

In der Nachfolge unseres HERRN JESUS CHRISTUS, DEM HEILAND DER WELT.

Herzliche Grüße

Michael Wohlfarth, Pfr.i.R.

Der Gottesdienst findet in Berlin-Müggelheim in der Dorfkirche statt, leicht zu erreichen mit dem 69iger Bus. Und zwar um 10.00 Uhr am 17. August. Es ist ein Abendmahlsgottesdienst.