Am 15. Januar dieses noch so jungen Jahres haben meine Frau und ich – wie eigentlich immer – die Herrnhuter Losung für diesen Tag gelesen. Was stand da?

„Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort des Heils!“ Eine Zeile aus dem Psalmenbuch des Alten Testamentes (Ps.95,1). Die eigentlichen so genannten Losungen für den Tag – das sind fortlaufend geloste Sprüche – immer – aus dem Alten Testament oder dem Ersten Testament Gottes wie die heutige Theologie gerade auch im Gespräch mit dem Judentum das Alte Testament nennt.

Das ist die eigentliche Losung für diesen Tag:

“ Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unseres Heils!“

Wirklich gelost in der Herrnhuter Brüdergemeine für eine weltweite Gemeinschaft von Christen und Christinnen, die dieses Büchlein lieben und den Tag damit beginnen wie die neugestaltete und erweckte Gemeinde in Herrnhut, die damals nach schwierigen Jahren – zumal neben den Flüchtlingen aus Böhmen noch Flüchtlinge aus Mähren und Sachsen dazu kamen, alles sicher sehr eigenwillige Leute – aber nach einer gemeinsamen Abendmahlsfeier 1727 d a s wurden auf wunderbare Weise, was sie bis heute sind: DIE HERRNHUTER BRÜDERGEMEINE.

Herausgegeben wird das Losungsbüchlein von der Evangelischen Brüderunität.

Herrnhut, heute ein Ort in Sachsen, nicht allzuweit von Berlin, bei Görlitz.

Der Lehrtext für diesen Tag lautet: „Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine Urteile sind offenbar geworden“.

Der so genannte Lehrtext zur LOSUNG ist immer ein Text aus dem Neuen Testament, dem zweiten, wenn man von einem ersten ausgeht.

Nicht gelost.

Keine Losung, sondern ausgewählt von einem Gremium der Herrnhuter Unität, um die Erfüllung der Schrift in Christus (XRESTOS) immer wieder in Erinnerung zu rufen.

Es ist also eine Einheit LOSUNG UND LEHRTEXT. – In meinem Dienstkalender reicht das. Mehr steht dann dort nicht. Anders in den berühmten kleinen blauen Büchern für knapp 7.-Euro. Dort steht für den 15. Januar noch eine schöne gewissermassen ausserbiblische Auslegung des Losungstextes:“ Ihr wollt Gott loben? Dann sagt mit eurem Leben, was ihr singt!“ (Augustinus). Die Geschichte geht also weiter: Altes Testament. Neues Testament. Kirchengeschichte.

„Gottes Wort bewegt“. Das ist das Motto der Deutschen Bibelgesellschaft, sogar, wenn sie mir Bescheid gibt für die Steuer (für den Fall, dass ich gespendet habe für die weltweite Verbreitung der BIBEL und ihre Übersetzung).

„Gottes Wort für jeden Tag!“ – So gehen die kleinen blauen Bücher erschwinglich und gut zum Verschenken in die Welt. Jahr um Jahr.

Wer will, kann natürlich noch viel mehr darin entdecken – wie meine Frau und ich an diesem 15. Januar 2026.

Augustinus.

Wer war er? Der Kirchenvater, ausgestattet mit einer afrikanischen Leidenschaft, der eigentliche Begründer des Christlichen Abendlandes.

Europa in der Klemme zwischen Russland und Amerika – und China? Dann sollten wir uns besinnen auf die Wurzeln, was Europa ausmacht? Auf seine Geschichte. Denn geschichtslos ist gottlos.

Auf seine spirituellen Wurzeln, auf seine Anfänge, als es begann das Christliche Abendland zu werden.

DER WESTEN.

Im Gegensatz zum Osten.

Ja, der WESTEN ist die Folge davon.

Von was?

Von wem?

Vom GROSSEN SCHISMA, dem Auseinandertriften der Lateiner und der Griechen nach 1000 Jahren Christentum.

Wenn Augustinus Lateiner ist, dann ist das keine Kampfansage, sondern ein Befund. Ein sehr schwerwiegender Befund, ein Schatz, eine Tradition, in der man keine Angst zu haben braucht zerrieben zu werden von herbeigerufenen Supermächten, sondern seinen Glauben sammelt, sein Wissen, um immer weiter zu gehen in dem Zug, der dem Christus entgegen eilt. Augustin, der Afrikaner, für den seine Mutter nie aufgehört hat zu beten, dass er den Christus finden möge in dem Wirrwar des untergehenden Römischen Reiches und seiner Reste, die wie Eisschollen im reißenden Fluss der Geschichte vor sich hin trieben.

So ist Europa entstanden und wir müssen uns nicht mehr schämen vom Christlichen Abendland zu sprechen. Und auch nicht seinen Untergang herbei reden. Allerdings: wer die Götter hinaus wirft aus dem Haus – bei dem kommen die Dämonen durch die Fenster herein. Und dann wissen wir nicht mehr, wer wir sind.

Also, diese Gespräche, die die Katholiken Konrad Adenauer und Charles de Gaulle an ihren abendländischen Kaminen geführt haben diesseits und jenseits des Rheines muss niemand bedrohlich finden. Umgekehrt: ich finde es bedrohlich, wenn wir deren Grundlegung ausser Acht lassen oder gar versuchen zu verdrängen.

Gerade darin sind ja auch die Nationen aufgehoben und keine Gespenster und Dämonen, die es zu verteiben gilt. „Europa der Vaterländer“ ist kein Kampfspruch gegen Grüne oder Sozial-Demokraten. Erst recht nicht gegen liberales Denken in Politik und Gesellschaft, sondern der Hinweis, dass sich in der Diversität der Völker die Liebe Gottes widerspiegelt, in der jeder in seinem Volk, in seiner wunderbaren Sprache und Heimat leben und wirken darf.

Ja, wir sind das Abendland, das begründet wurde von einem weissen Afrikaner mit dem, was er gehört hat in der Verwirrung seiner Zeit: NIMM UND LIES! Nimm das Buch der Bücher und lies, dann wirst du keine Bücher verbrennen und andere Nationen nicht dulden wollen, sondern dich wirklich freuen über die Vielfalt.

Dann kannst Du ICH SAGEN U N D WIR!

Also besinnen wir uns wirklich auf Europa. Loben wir Gott mit unserem Leben, wie der Europäer, der Mann des Westens es uns auslegt sukzessive in der Wanderung des Volkes Gottes. Sukzessive in der Nachahmung des XRESTOS – DES GESALBTEN, DES KÖNIGS DER KÖNIGE. Sukzessive im GLAUBEN DES ABRAHAM. Dann werden wir Partner und nicht Nachäffer von Großmächten, die wir viel zu lange angebetet haben, weil sie groß und mächtig sind. Und ja, es gibt das MORGENLAND DER WEISEN DIE DAS KIND ANBETEN IN DER KRIPPE. GUT DASS ES SIE GIBT. NICHT NUR UNS.

Dass uns doch die Leidenschaft des Augustinus anstecken möge, die Wahrheit zu suchen in Christus. Und die Erkenntnis, dass sie aufgehoben ist in der Schönheit -wie in einer Schale.

„Alle Schätze der Erkenntnis sind aufgehoben in Christus“, so der große Vorläufer der Augustinus, Paulus.

Oder singen Sie Lutherlieder, damit sie handeln können in Gebet und Flehen um den rechten Glauben. Und denken Sie in dieser Linie mit Sören Kierkegaard: Die größte Vollkommenheit ist meine Bedürftigkeit, Gott nahe zu sein.

Wir könnten auch noch von Pascal reden.

Wir müssen uns nicht schämen, wir sind Europäer. – Und ich darf auch zu meinem Volk gehören. Um Gottes Willen.

Gott loben ist unser Amt(Martin Luther). Dann sind wir bestimmt keine Jammer – Figuren, sondern dieses Amt schließt unsere Klagen ein.

Hier würde ich gerne AMEN sagen:

Gottes Segen für uns, jetzt und alle Zeit!

Ihr

Michael Wohlfarth, Pfr.i.R.

Veröffentlicht von famwohlfarthtonlinede

Jahrgang 44 Lieblingsbeschäftigung:Schreiben und Predigen.Sehnsuchtsort Ostsee. Wohnort Berlin, Heimat Thüringen. Wenn Du mir schreiben willst, bitte über michael.wohlfarth@t-online.de; https://kaparkona.blog; michael-wohlfarth.jimdo.com; michaelwohlfarth.wordpress.com

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