Liebe Leser meines BLOGS https:// kaparkona.blog oder https://kaparkona://bigkaparkona.blog (Michael Wohlfarths Blog).
Allmählich bin ich Ihnen schuldig zu sagen, warum ich überhaupt solch ein Logbuch führe. Zum ersten, weil mein Sohn Frieder Wohlfarth (Ton-Designer) mir vor Jahren zu Weihnachten das wordpress-Programm geschenkt hat. Ich wäre damals gar nicht auf solch eine Idee gekommen aus Unwissenheit. Damals habe ich WORDPRESS verwendet, um Gedichte zu veröffentlichen(a. in d. BLOG). Ein bisschen in der Nachfolge einer meiner Großmütter (Theodora Arter), die über ihren Mann, Dr. Friedrich Arter, Zugang zu einer Zürcher Zeitung bekam und sie dort Gedichte lesen konnte, die sie selber geschrieben hatte.- Da das Leben aber nicht nur aus Poesie besteht, sondern auch aus harten politischen Fakten, habe ich mich entschlossen anlässlich der Auseinandersetzung um die Gestaltung des 30. Jahrestages den 9. Oktober 1989 in der Peterskirche zu Leipzig, in der ich und meine Frau um Frieden und Freiheit gebetet haben, diesen Blog in dieser Form zu beginnen. Immerhin ist das bald 7 Jahre her, 5 hätten wir feiern können.
Letzten Endes geht es um die Deutungshoheit der geschichtlichen Ereignisse. Und da erinnerte ich mich: nicht nur Gedichte, sondern auch Streit gehören zur Liebe.
Also streite ich auch in der Hoffnung, nicht ungerecht dabei zu werden.
Ja, gerade deshalb ist das Evangelium so wichtig, waren die Herrnhuter Losungen so wichtig: jeden Tag, bevor wir nach Leipzig gefahren sind. Sie leuchteten geradezu und wiesen uns den Weg.
Ein Blog-Leser (letzter Blog) hat mir geschrieben, wie Bismarck die Herrnhuter Losung mit in seinen politischen Alltag genommen hat. So persönlich ist Politik.
Danke für diese Ergänzung!
Auch schon vor 150 Jahren!
Also seit September 2019 versuchen wir mit diesem BLOG nicht nur zu meckern, dass uns die Deutungshoheit genommen wurde und absurde Dinge geschehen, wenn es um Erinnerung geht. Sondern etwas Authentisches aus dem Osten dagegen zu setzen.
Begonnen haben wir eigentlich damit schon im Herbst 89/Winter 90, mit den Kolumnen in einer Wochenzeitung für das Altenburger Land . Diese erste demokratische Zeitung fü runsere Region wurde gegründet vom Arbeitskreis „Presse“ in „unserer Kirche“/Brüderkirche zu Altenburg, unter Leitung von Ingo Schulze, damals Dramaturg am Landestheater Altenburg.
Das Buch „PREDIGEN AUF DEM MARKT“ beinhaltet diese erste wirkliche Öffentlichkeitsarbeit in Thüringen mit regelmäßigem Erscheinen von Texten in einer unabhängigen Zeitung.
In dieser Tradition werde ich von dem Vorsitzenden des Vereins „Bürgerkomitee 15. Januar “ Christian Boos gefragt, ob ich zu dem Thema „Persönliche Erfahrungen mit den bewaffneten Organen in der Deutschen Demokratischen Republik“ etwas schreiben würde. Für die Interna-Zeitung „Horch und Guck“.
Sie können es im folgenden nachlesen.
Alles, was ich schreibe und veröffentliche – auch in diesem Blog – ist das, was mir ein sehr sympathischer Kollege (aus dem Westen) sagte: Alles was Sie schreiben ist gegen das VERGESSEN.
Es soll meine/unsere Art sein, sich nicht nur wegen angemaßter Deutungshoheit aufzuregen, sondern etwas weiterzugeben, was wir in der Bewahrung des Dreieinigen Gottes erlebt haben.
Damals und heute!
Alles hat seine Zeit: Politisch reden und auch predigen!!
Aber auch trösten in dem Geist, den der HERR JESUS UNS VERHEISSEN HAT.
Der Text und auch die Zitate sollen das deutlich machen. – Gesegneten Sonntag!
Persönliche Erfahrungen mit den bewaffneten Organen in der Deutschen Demokratischen Republik
Ein Erlebnisbericht von Michael Wohlfarth 1
An einem Montag im Herbst 1989, am 9.Oktober, habe ich mich von Altenburg in Thüringen aus nach Leipzig aufgemacht, es war der Tag mit dem groessten Aufgebot an bewaffneten Organen, allerdings auch mit 10- tausenden von Demonstranten. Wir wollten sehen, was unser Sohn macht, der ein Praktikum bei einer Leipziger CDU – Zeitung absolvierte und dem die bewaffneten Organe (Kampfgruppen, Polizei-Bereitschaft, u.s.w.) bei einer DEMO im September die Kamera weggenommen hatten- wegen der Bilder, die nicht um die Welt gehen durften. Denn das war ja das Unheimliche: Es gab damals keine Verbindung zu eben dieser Welt mehr. Wir kannten nur noch unsere. Mir wird das jetzt noch einmal besonders deutlich in diesen Tagen, wo das Internet von den Mullahs in Theheran abgeschaltet wird. Und nicht nur das. Auch das Telefon. Die Angst vor der Welt da draußen! Genau das war das Grundgefühl der Regierenden a u c h in „unserem“ sozialistischen Staat. Das erzeugt eine Wagenburg aus Ideologie und Militanz auf allen Ebenen. –
Damals, 1989, kamen wir in Leipzig auf dem Karl-Marx-Platz, dem Platz vor der Oper, an und trafen dort Georg Harpain, den Leiter des Magdalenenstiftes in Altenburg. Dieser sagte mir n a c h der Demo:“ JESUS hat die Demonstration angeführt. Ich habe es gesehen.“ Das geht mir bis heute durch und durch, wenn ich an seine Worte denke und ich weiß auch, woher dieser ehemalige Jugend – Diakon aus dieser alten thüringischen Residenzstadt den Mut hatte. Denn noch vor Beginn der Demo sagte er: “Wir müssen da ins Gebüsch. Da stehen die LKW“s der Kampfgruppen. Ich habe die Hunde gesehen, die sie mitführen“. Tatsächlich waren sie dort stationiert. Wir gingen unbehelligt von LKW zu LKW, stiegen die Treppchen hinauf zu den „Kumpels“ in Uniform: Arbeiter aus Betrieben in und um Leipzig, die auf ihren Bänken saßen und auf den Einsatzbefehl warteten.„Bitte lasst nicht die Hunde los! Es könnten Eure Kinder sein, die da auf Euch zukommen“, sagten wir quasi im Chor. – Sie hörten uns zu und schmissen uns nicht vom Wagen. „Hoffentlich kommt ein solcher Einsatzbefehl nicht“, wird mindestens die Hälfte gedacht haben. Da bin ich mir sicher.
Es ist bekanntlich nicht dazu gekommen, dass sie die Hunde losgelassen haben und mein Sohn hat mit Freunden nach Weihnachten `89 einen LKW aus Dresden geholt aus Beständen der dortigen organisierten Verbände, um damit Lebensmittel in den Osten nach Rumänien zu bringen. Sie durften das Fahrzeug einer dortigen griechisch-katholischen Gemeinde überlassen zur oertlichen Versorgung. Es war keineswegs der einzige Kontakt mit den Organen, denen man in der DDR kaum ausweichen konnte.
Wenn, ich zum Beispiel an unseren GST – Chef (Chef der paramilitaerischen Gesellschaft fuer Sport und Technik) in dem Dorf denke, in dem ich bis zum 1. Mai 1988 der pastor loci war, der ORTSPFARRER. Dieser war zuständig für die Motorisierung der Bevölkerung mit dem MOPED SIMSON SUHL. Auch solch ein schönes Wort aus dieser Zeit der Diktatur des Proletariats in unserem Leben! Jeder der umsonst mit SCHEIN Moped fahren lernen wollte, musste bei ihm anklopfen. Auch meine Frau.
Noch genauer dokumentiert sind die Berührungen mit solchen Kräften durch Gespräche mit Gemeindegliedern. Die Staatssicherheit gehörte ja auch zu den bewaffnenten Organen. Die Obersten und andere Militär – Ränge in meinen tausendseitigen Stasi-Akten, die als OV und OPK bezeichnet wurden, jagen mit noch heute Angst und Schrecken ein. Und meiner Frau. Wenn wir die Akten lesen!
In den DDR-Zeiten war immer Heiteres, Schlimmes und ganz Schlimmes miteinander vermischt, wenn ich zurück denke. Das i s t eine Lebenserfahrung, die ich auch heute anwende in der Beurteilung vieler Dinge, die ja alle p o l i t i s c h
u n d m e n s c h l i c h sind!.-
Auf meinem und seinem Schreibtisch dienen zwei Aufhängevorrichtungen für Sturmgewehre aus dem LKW, den mein Sohn nach Rumaenien ueberfuehrte, der im Notfall als Lazarett gedacht war, als ERINNERUNG AN DIE BEWAFFNETEN ORGANE. In die Hohlräume lege ich Büroklammern, Radiergummis und anderes mehr. Von daher begleitet mich die Erinnerung daran ständig bei allem, was ich schreibe und geschrieben habe- als Pfarrer und als Autor. Bei jeder Predigt, die ich in den PC tippe.
1Pfarrer und Mitinitiator der friedlichen Revolution in Altenburg
Werbung für ein Buch von Michael Wohlfarth und Hinweis einer Lesung dazu lt. Anfrage und festgesetztem Termin der Gedenkbibliothek für die Opfer des Kommunismus.
GEDENKBIBLIOTHEK ZU EHREN DER OPFER DES KOMMUNISMUS
☎ 030 – 283 43 27
Bibliotheksleitung: Kathi Roedl & Max Remke
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Sehr geehrter Pfarrer Wohlfahrt,
Wir würden uns freuen, Sie als Referent am 18.August 2026 um 18.00 Uhr in unserer Bibliothek begrüßen zu dürfen!
Mit freundlichen Grüßen,
Kathi Roedl
