…vor Jahren auf dem Kirchhof des Domes im ehemaligen Königsberg, jetzt Kaliningrad, fand ich nicht nur das Grab von Immanuel Kant , sondern auch das Grab des Predigers und Pastors Julius Rupp, dem Großvater von Käthe Kollwitz, der auch und gerade für Berlin so wichtigen Malerin und Grafikerin, die am Prenzlauer Berg mit ihrer Familie wohnte.
Auf dem Grabstein ihres Großvaters steht ein Leitspruch:“Wer nach der Wahrheit, die er bekennt, nicht lebt, ist der gefährlichste Feind der Wahrheit selbst.“

Heute zum 2. Sonntag nach Ostern mit dem schönen Namen Misericordias Domini(Ps,33,5:die Güte des HERRN erfüllt die Erde) ist uns neben dem wohl – bei uns jedenfalls – bekanntesten Psalm 23 und dem Johannesevangelium vom Guten Hirten ein Brief aufgegeben, den der Apostel Petrus an eine Gemeinde geschrieben hat.
Vor allen Dingen das letzte Kapitel dieses Briefes.
Da geht es um die Ordnungen in der Gemeinde. Um die Leiter der Gemeinde, die Jüngeren und die Älteren und ihre Verhältnis zueinander, welches nur ein gutes sein kann, wenn wir festhalten an der Demut. Gott widersteht den Hochmütigen. Aber Gnade läßt er walten über den Demütigen. Nur so können Gemeinde erhöht werden, wenn sie sich unter die gewaltige Hand Gottes stellen.
„Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“
Und es geht um persönliche Haftung.
Die heute nicht gerade groß geschrieben wird, weil es ja viel schöner ist, sich hinter Systemen und Strukturen zu versteckten und man erst suchen muss: wer ist der richtige Ansprechpartner.
In Kapitel 5 Vers 1 – 4 lesen wir in diesem Brief des Apostel Petrus.
„Die Ältesten unter Euch ermahne ich, der Mit – Älteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: Weidet die Herde Gottes, die Euch anbefohlen ist;achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund; nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde. So werdet Ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen.“
Petrus macht sich Sorge um die Kirche Jesu Christi, um die Gemeinden in Christi Namen. Er beruft sich auf die Autorität des Mit – Ältesten und des Zeugen der Leiden Jesu.
Das heißt damit auch, auf die Herrlichkeit Gottes
in Kreuz und Auferstehung des SEINES HERRN. Auf den Gekreuzigten und Auferstandenen. Auf DAS NEUE LEBEN, auf unser aller Christenleben durch die Sakramente der Kirche, die Taufe und das Heilige Abendmahl, wodurch Vergebung möglich wird untereinander, nachhaltiges Leben der Gemeinde.
„Weidet die Herde Gottes!“ Ja, das sagt er denen, die die Gemeinde führen, den Hirten, den Pastoren und Pastorinnen der christlichen Gemeinde.
Weidet nicht euch selber. Begleitet die euch anvertrauten in allen Stücken, helft ihnen einander zu vergeben durch Wort und Sakrament. Damit der Friede Gottes sichtbar wird in Christi Namen und der Spott fern bleibt. Von euch als Person, von der Christengemeinde. Stellt Euer Licht nicht unter den Scheffel.
Ja, ist das denn so leicht.
Mitnichten.
Es ist schwer. S. der Spruch auf dem Grabstein auf dem Kirchhof in Königsberg.
„Achtet auf sie nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt…“
Euer Amt sei ein Ehrenamt, das euch mit Freude erfüllt. Lebt zur Ehre Gottes, sagt der, den Jesus immer wieder zurückrufen musste in seinem Eifer, wenn er zu weit gegangen war im Guten wie im Bösen.
„Wie es Gott gefällt.“
Wer Gott gefällig leben kann ist ein fröhlicher Mensch, nicht ein gezwungener, einer, der in Seiner Gnade froh ist. Einer, der weiß, dass Busse eine fröhliche Sache ist, weil sie befreit. Kind Gottes sein, Bruder und Schwester des SOHNES GOTTES, heißt getauft sein, geborgen in der Liebe dessen, dessen Namen ich jetzt trage:Christ.
Das meint Petrus mit dem Wort Vorbild. Nicht befehlen, nicht um schändlichen Gewinnes willen.
Wenn Ihr das durchhaltet, wird euch die Krone des Lebens, die euch der HERR des Lebens verheißen hat, zuteil. Und ihr könnt schon jetzt singen:
Aus meines Herzens Grunde sag ich dir Lob und dank in dieser Morgenstunde, dazu mein Leben lang, dir Gott, in deinem Thron, zu Lob und Preis und Ehren durch Christus , unsern Herren, dein eingebornen Sohn. ( EG 443)
Ja, liebe Gemeinde, eine Predigt für euch, besonders aber am Hirtensonntag für die Hirten, für die Pastoren und Pastorinnen an diesem Hirtensonntag, also auch für mich selber. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag in der Gewissheit des Guten Hirten, des ERZHIRTEN WIE PETRUS SAGT, der uns leitet zu den Weiden, die wir brauchen zum Leben. AMEN.

Bilder: Denkmal auf der Insel in Königsberg/Kaliningrad für Julius Rupp, Prediger der Gemeinde, in der KätheKollwitz aufgewachsen ist (Freikirche).
Thonhausen in Thüringen, Foto von Edgar Nönnig. Thonhausen ist meine erste Pfarrstelle, schon im Vikariat angetreten.