Es war die Aufgabe der so genannten 68-iger Generation in der DDR, den Gedanken wach zu halten, dass es auch anders geht. Davon handelt die digitale Zeitung, herausgegben in Zwickau und Berlin, „HORCH UND GUCK“.

Hier angesiedelt im Campus für Demokratie(ehemalige STASI-Zentrale Berlin, Abbiege von der Karl-Marx-Allee).

Nachstehender Artikel ist der 2. dieser Art (s.a. BLOG). Der Anlass für die Ausschreibung der Redaktion ist der Streit um ein Lenin-Denkmal in der Hauptstadt des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpopmmern, „Land zu leben“, wie es sich selber darstellt. Z.B. an der Grenze von Polen zu Deutschland.

In Berlin wird dieser Streit am deutlichsten, wenn der Kopf Lenins (vom jetzigen Platz der Nationen) zusammen mit den Gründern Brandenburgs in der Festung Spandau aufbewahrt wird.

Mit Steinsäge abgesägt von dem riesigen corpus delikti, der einst dem Leninplatz seinen Namen gab.

Wo ist der riesige Rest? In den Wäldern Müggelheims im eigentlich schon märksichen Sand vergraben. Geheim, dass ihn ja niemand ausgräbt und womöglich ausstellt, ähnlich der Leichenschau am Fernsehturm. Ich weiss gar nicht, ob es sie n o c h gibt.

Makaber, wenn man an die vielen Wildschweine denkt, die in Müggelheim und Umgebung auf der Suche nach Nahrung sind. Unerbittlich.

Sie haben schon andere Dinge ausgegraben. Von denen ich hier lieber nicht berichten möchte, aber um so erschütternder sind. Von Berlin bis in die Konklave Kaliningrad/Königsberg ehemals.

Kommunistische Mythen gesucht.

Da muss man nicht lange suchen, denn der Kommunismus war und ist m.E. eine Religion, so wahr Theologie und Ideologie sich in einer gewissen Verwandtschaft befinden. Eine Religion ohne Mythos und Mythus, ohne Legenden und Mythen, d.h. ohne Narrative, die leicht erzählbar sind, gibt es nicht.

Der Kommunismus als Religion braucht Ernst-Thälmann-Denkmäler, die berühmten LENIN – DENKMÄLER, um zum Beispiel Blumen niederzulegen, wenn man nach sozialistischem Ethos und Menschenbild standesamtlich verheiratet wird mit Ansprache, die oft in keiner Weise einer Predigt in einer Kirche nachstehen. Von der Rührung her nicht, von den 10 Geboten der sozialistischen Moral her nicht – natürlich, ohne Gott, dafür mit viel Sonnenschein. Und eben mit anschließendem Besuch bei den Denkmalen der sozialistischen Bewegung, der Helden, der Schriftgelehrten des Marxismus-Leninismus mit den drei Köpfen, ganz früher noch mit Stalin.

Nein, warum sollte man Straßen umbenennen, die Religion ist noch da, wenn sich jetzt auch der Staub der Geschichte etwas darüber gelegt hat. Mindestens so lange, bis nicht eine andere Religion diesen Platz besetzt.

Es gab und gibt Wichtigeres, weil man die strategische Bedeutung z. B. auch von Straßennamen völlig unterschätzt und das Unbewusste total ausblendet in den einschlägigen Diskussionen.

Dazu kommt noch die sozialdemokratische Differenzierung, die ja bestimmt nichts gegen eine Karl-Marx-Straße hat, oder Friedrich–Engels-Straße. Oder Ernst – Thälmann – Straße vielleicht auch. „Nein, wir hängen einfach ein Schild darunter und erklären, dass der und der, die große Persönlichkeiten waren, mit Einschränkungen – vielleicht.

Eben: demokratischer Sozialismus, gegen den ja niemand etwas hat.

Ich im Übrigen auch nicht.

Das Leben ist aber kompliziert. Vielleicht liegt darin der Niedergang der SPD begründet, die voraussetzt, dass wir differenzieren. Wer hat die Zeit?

Und: Da sind Erinnerungen an die sozialistische Trauung, an die sozialistische Namensgebung und an die Jugendweihe.

Wir im Osten sind eine postsozialistische Jugendweihe-Gesellschaft.

Das wird unterschätzt.

Aber wie.

Was ist daran schlecht? Was war überhaupt so schlecht außer Bananen, die es nicht gab und Reisen n i c h t ins kapitalistische Ausland.

Außerdem gab es den Intershop.

So wie der Honecker-Sozialismus sich ausgehöhlt hat mit Konsumversprechen, so sehr bleibt auf der anderen Seite diese doch zuletzt „freundliche Religion“ in Erinnerung. Und nicht nur das:Sie setzt sich fort von Generation zu Generation.

Anekdoten häufen sich, alte Mythen kommen nicht wieder, sondern erhalten sich mit westlicher Konsumfütterung.

Damit kann man keinen Krieg gewinnen. Ganz gewiss nicht.

Musste man ja auch nicht.

Bis vor Kurzem.

Man wird immer in den schönen alten Straßen bleiben. Und sagen: Es gab doch auch Gutes.

Einmal abgesehen davon, dass alles Geld und Mühe und bürokratischen Aufwand kostet und wir in einer Demokratie leben, in der zur Zeit ganz ander Strassen umbenannt werden als ausgerechnet die Karl-Marx-Straße. Der war ja auch nicht unwok. Zum Beispiel.

Wenn es nur eine Ideologie ist? – könnte man sagen: Weg damit.

Wir haben etwas Besseres: Demokratie, an die glauben wir.

Aber es war mehr.

Viel mehr.

Jedenfalls vom Selbstverständnis der Macht her gesehen. Das Wichtigste und Erste, wie ich gelernt habe im Wissenschaftlichen Kommunismus, in dem ich examiniert worden bin: Die Macht, nicht das Klassenproblem ist die Hauptsache. So einfach weichen die alten Götter nicht.

Die alte Macht.

Die Partei hat immer Recht.

Der Kommunismus ist allmächtig, weil er wahr ist.

Das ist Religion. Und unendlich Viele haben es noch im Ohr. Wie eine Meldodie. Den Rhythmus von gestern, der wieder HEUTE werden will.

Und deshalb haben die Denkmäler bis auf den heutigen Tag sehr wohl eine große, eine strategische Bedeutung.

Wenn die Idee die Massen ergreift, wird sie zur materiellen Gewalt.“ Karl-Marx-Zitat in der HU Berlin.

Eingangshalle!

Das erfasst mich immer noch, jedes Mal! Und jagt mir einen kalten Schauer den Rücken herunter.

In Stein gehauen.

Ich bin ergriffen, ebenso wie von dem Lied der Rotgardisten, die bis zum AMUR vorstoßen.

Filme. Zum Teil großartige Filme. Das LOB des Kommunismus von Berthod Brecht.

Die Musik für die Märtyrer: „Unsterbliche Opfer“.

Diese Emotionen sollte keiner unterschätzen, wenn er überlegt, welche Macht die Erinnerung über uns hat.

Die Vergangenheit!

Wo wir doch Zukunft bauen wollen.

Wie gesagt: ich muss da nicht suchen. Denn irgend etwas trägt mich. Mussmich tragen.

Wenn nicht dieses, dann hoffentlich etwas anderes!!!

Vielen Dank für s Zuhören!

Michael Wohlfarth, Gründer und Begleiter der Altenburger und Geraer Ökumenischen Akademie. S. dazu das Heft:“Altenburger Akademie“, herausgegeben von der Aufarbeitungsstelle Erfurt, zusammengestellt aus den Akten des Staatssicherheitsdienstes Leipzig, Operativer Vorgang mit Ziel Zuchthaus.

Vorgesehen mit seiner Frau Margard (Theaterwissenschaftlerin, Lehrkörper HU) im Ernstfall lt. Rat des Kreises Altenburg, Bezirk Leipzig: Speziallager Leuchtenburg bei Jena. 1)

Dazu ist es Gott sei Dank nicht gekommen.

Wir waren schneller. Aber wir müssen wissen mit wem und mit was wir es zu tun haben, immer noch.

Mindestens.

1) S. dazu Michael Wohlfarths Blog https://kaparkona.blog: Rede auf dem Marktplatz, Erinnerung 89.

Veröffentlicht von famwohlfarthtonlinede

Jahrgang 44 Lieblingsbeschäftigung:Schreiben und Predigen.Sehnsuchtsort Ostsee. Wohnort Berlin, Heimat Thüringen. Wenn Du mir schreiben willst, bitte über michael.wohlfarth@t-online.de; https://kaparkona.blog; michael-wohlfarth.jimdo.com; michaelwohlfarth.wordpress.com

Hinterlasse einen Kommentar