Roman in Fortsetzungen

7.Januar 2008

4. Begegnung – Geld

Für je einen Cent, einen halben Euro, eine deutsche Mark, einen Fünfziger, einen Groschen bekommst Du etwas.

Viele Rubel gibt es und sie rollen. Pfund und Dollar und wie die Währungen alle heißen mögen, die manche auch Wahrheiten nennen mögen, bissiger Weise, als ob das Geld die Welt regiert.

Es regiert sie nicht. Denn es würde sie nicht nur regieren, sondern zerstören. Bis jetzt steht sie aber noch.

Nehmen Sie, Fjodor, den Euro, das Geld Europas. Mit nationalen Bildern auf den Seiten der Medaille. Die Bilder sprechen:“ Gebt uns, was uns gehört? Gebt den Sammlern, was sie suchen. Gebt es den Bettlern, den Erniedrigten, den Musikanten, den russischen Tenören unter den Brücken in Amsterdam, den Zigeunern in Prag. Den Kindern aus gutem Haus, die süchtig geworden sind, oder unbedingt betteln wollen. Sie wollen kein Eigentum. Es belastet.

Steckt es in das Sparschwein der Dreigroschenoper, dem Kollektiv in die Kaffeekasse. Sie freuen sich. Bringt es in die Geschäfte, damit der Motor der Konjunktur endlich auch bei uns anspringt… oder nicht wieder zum Stillstand kommt.

Gebt es in die Kollekte in den Kirchen. Brot für die Welt. Misericordias Domini. Kauft euren Frauen etwas zum Geburtstag, zu Weihnachten – Pelze – den Kindern noch mehr Spielzeug. Als Taschengeld. Dann habt Ihr endlich Ruhe und bringt Freizeit und Freiheit auf die Reihe.

Luxus und Staatsbürgertum, sogar die Wiedervereinigung und – Mutter und Hausfrau und Beruf. Steckt es in die Familien ihr Politikerinnen.“

Gebärmutterpolitik – nein. Das Leben ist nicht billig zu haben. Nicht einmal teuer. Es ist Gott sei Dank nicht zu kaufen. Jedenfalls nicht in Deutschland, dem Land der Theologen und Ideologen, dem Land in der Mitte. Nicht?

Nicht in unseren Wäldern und Sümpfen. Nicht in Brandenburg und Berlin. Nirgendwo. Irgendwo nicht. Und meines Erachtens ist das gut so.

Gebt es dem Kaiser. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist, sagt Jesus.

Ist Gott auf dem Geld zu sehen? Nein.- Es sei denn der Kaiser ist Gott.

Wir haben uns verlaufen wie Hänsel und Gretel im Dickicht der Existenzsicherung. Wir buchstabieren gerade erst in der zweiten Generation das Wort Existenz und wollen uns nicht aus dem Fenster stürzen, nur weil das Geld ausgeht. Wir wollen auch nicht daran ersticken und statt Luft die Groschen, Fünfer und Pfennige in der Luftröhre haben, sondern wollten die ökologisch saubere Luft nach der Wende des Jahrhunderts von 1989.Wir wollen die Sachsenmusik im Ohr haben und nicht das Geklingel der Ladenglocke. Wir wollen nicht das kalte Licht der Illumination und das Theater der Illusionen, auch nicht zu Weihnachten, sondern die Kerzen, die brennen, angezündet an den Kerzen der Altäre. Ja, ja Leipzig kommt. Jedenfalls sollte es das.

Wir wollen das Urbild des Lebens sehen. Die Krippe. Den Glanz nach innen: Die Armut wie der Dichter singt.

Wir wollen Franziskus, der den Vögeln predigt. Die Sonne preist, das Feuer und den Windhauch, die Erde und den Gevatter, den Sensenmann, den Diener Gottes, des Herrn.

Aber Du Fjodor musstest Geld verdienen. Deshalb warst Du gezwungen zu schreiben, so schnell wie möglich. Die Fortsetzung musste fertig sein. Die Leute wollten wissen, wie es weitergeht. Du hast sie zu Tränen gerührt.

14.Januar 2008

5. Begegnung – Krieg und Schrecken

Die Leidenschaft Deiner Soldaten, Russland, haben uns Angst gemacht. Da helfen auch die riesigen Standbilder nicht, in Treptow nicht, an der Wolga nicht, geschmolzen aus Kirchenglocken und Standbildern der Besiegten.

Manche sollen sich bekreuzigt haben, als sie die Zivilisation gestürmt haben, wie die Indianer den Senf bei George Washington zu einem Festessen am späteren Abend, zu dem sie geladen waren als Abgeordnete ihres Stammes.

Manche sollen geplündert und gebrandtschatzt haben, obwohl alle sich schon längst ergeben hatten in ihr Schicksal. Oder in die letzten Züge gekommen sind nach Westen.

Oder auf die Schiffe, die dann untergegangen sind. Oder sind wirklich nur achtlos brennende Zigaretten in die Wohnungen, die dürr waren, geworfen worden in der großen Müdigkeit nach

den langen Märschen und Kolonnen….?

Ihr habt die meisten Opfer gebracht, um den nationalen deutschen Sozialismus zu besiegen.

Den Faschismus Italiens.

Die Rote Armee. Ihr hattet gute Offiziere? Noch erzogen in den Kadettenanstalten des Zaren Nicolaus? Zum Teil. Wie aus „Krieg und Frieden“…Gutes Kriegsmaterial aus Amerika?

Wir haben die Kriegsfilme gesehen, die Friedensfilme waren, weil der Schrecken des Krieges

nicht verheimlicht wurde.

Und die Politniks mit der Kalaschnikow hinter der Linie? Die haben wir nicht gesehen, in Filmen nicht, im Theater nicht. Ist das ein böses Märchen der faschistischen Propaganda.

Sogar eure Gefangenen wurden als Verräter umgebracht, wenn sie lebend nach Hause kamen. Nicht alle.

Stimmt das? Großes Russland, was machtest du uns bange in unserer kleinen deutschen Sowjetrepublik.

Lebt die Raubkatze noch.

Stalin.

Dschingistan.

Eure Filmemacher entdecken jetzt menschliche Züge an ihm.

Plus sibirische Kälte und Tundra, so weit die Füße tragen.

Elektrizität. Und Dunkelheit

Was ist Kommunismus.

Ja, ja.

Nein, nein.

Sei Euer Wort.

Und was darüber ist, ist von Übel.

Sonst will ich euch ausspucken, wie lauwarmes Wasser.

Spricht der Herr.

Letzter Advent.

Apokalypse.

Offenbarung des Menschen?

Nein, des Bösen.

Aber Tiere sind nicht böse, nur Menschen.

Aus Abend und Morgen ward der erste Tag.

Der Zweite.

Der Dritte.

Der Vierte.

Der Fünfte.

Der Sechste.

Der Siebte.

Und der ist heilig.

Die heilige schwarze Erde. Unverkäuflich. Unvermietbar. Wieviel Erde braucht der Mensch?

Ihr konntet Eure Leute nicht damit ernähren. Ihr habt euch die Erde nicht untertan gemacht, wie es die Schöpfungsgeschichte der Bibel als Zukunft für den Menschen ausweist. Deshalb mußtet Ihr in Amerika, eurem Erzfeind, Getreide kaufen und in Kanada. Schande, sage ich als Bauer. Eure Theorie war falsch.

So weit wie euer Land,

so groß wie eure Leidenschaften,

so schön wie eure Gesänge,

so traurig wie eure Lieder,

so wild, wie eure Tänze,

so klangvoll wie eure Vokabeln.

So schrecklich der Genitiv des Genitivs in dem

Parteichinesisch des Neuen Deutschland

und der Prawda?

So unendlich wie unsere Sehnsucht am Meer.

Was ist das für eine Energie.

Soll ich mich verirren im Advent in Eis und Schnee

in den Ruinen der gesprengten Kirchen,

zwischen den Gräbern der Priester,

Genickschuß,

das Grab zuvor selber gegraben;

zu Helden geworden die Feiglinge in Eurer Armee

durch diese Gegenüberstellung mit dem Kommissar Terror.

Stalin.

Stahl.

So hart.

Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben.

(Nicolai Ostrowski: „Wie der Stahl gehärtet wurde“.)

Was ist das für eine Geschichte. Die Geschichte mit dem Eis… In uns und zwischen uns.

Warum hat Kafka geschrieben, hat er es vorausgesehen auf deutscher Seite.

Unseren Gulag.

Die Vernichtung alles Sozialen und alles Menschlichen.

Letzen Endes

zwei Seiten einer Medaille.

Rasse und Klasse.

21.Januar 2008

6. Begegnung – aber die heißen Tränen der Freude und der Trauer schmelzen das Eis.

Die Liebe Deiner schwankenden Gestalten, der Frauen und Männer. Ihre Reue. Ihre Vergebung.

Die Heiligkeit Deiner armen Leute.

Der Spieler in seiner Verzweiflung.

Gott wird ihn zu sich nehmen.

28.Januar 2008

7. Begegnung – aber die Dämonen.

Sie sind nicht kalt, weil sie hassen. Soziale Kälte Fehlanzeige. Geldteufel. Nein.

Freiheitskämpfer. Idealisten. Und setzet Ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein(Schiller).

Kulturpubertät ist ausgestorben.

Gedichte werden geschrieben in dem fahlen Licht nach dem Verhör.

An Gott glauben wir nur noch, wenn wir die Orgel hören(Sartre).

Die Pfarrerstochter aus dem Schwarzwald hat davon etwas gewusst, als sie die Welt verändern wollte – mit Gewalt. Nicht umsonst hat das die alte Bundesrepublik erschüttert. Die dachte, doch alles richtig gemacht zu haben. Zu richtig? – Wir haben unterdessen in der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik angestanden vor der tschechoslowakischen Botschaft, um zu unterschreiben, das wir gegen den Einmarsch der Roten Armee sind in Prag, Dostojewski. Kannst du dir das vorstellen. Bomben haben wir nicht gebastelt.

Wir waren für den Frieden in unserem kleinen Restdeutschland, der soundsovielten Sowjetrepublik, in dem die Spuren nicht restlos beseitigt waren, die an den Krieg erinnert haben.

Aber inzwischen fallen uns wieder die Dämonen ein, von denen Du so viel wußtest, Dostojewski.

Und wir, die wir an der Ecke stehen, in den Büschen hocken. Auf den Wiesen liegen, wissen es: Sie sind immer schon dagewesen, ganz kurz vorher, das Teelicht brennt noch.

Und trotzdem flüstert es einer dem anderen ins Ohr: „Unsere Kinder sollen es einmal besser haben.“

Und wer schreit es von den Dächern?- Niemand. Denn, wie sie in der Nebenstraße lauern auf die goldene Zarenkutsche und von Hand zu Hand geht zärtlich die selbst gebastelte Bombe, die geworfen wird, sobald sich die Kutsche in Reichweite befindet mit der ganzen Familie.

Egal, ob Ihr dafür nach Sibirien kommt in die Verbannung oder an Ort und Stelle erschossen werdet. Das ist nicht der Punkt. Sondern, ob es einen Gott gibt. Der atheistische Terror. Nicht der religiöse! Wie heute bei denen, die ihre Heilige Schrift, den Koran, nur halb kennen . Wie bei allen, die etwas nur halb kennen, was ihnen angeblich heilig ist.

„Erst müssen wir klären, ob es einen Gott gibt, oder nicht!“

Der ganze Anschlag läuft Gefahr, zu scheitern.

Der Haß droht zu erlöschen. Weil jemand zur Unzeit die Gretchenfrage stellt.

In deutschen Dramen fragt das Mädchen in der Umarmung des Kusses. Oder nach dem Kuß.

Und da gehört sie auch hin, sagen wir klassischer Weise. Ihr seid so furchtbar modern. Ihr Russen. Müßt Ihr in solchen gesellschaftlichen Momenten, in solchen geschichtlichen Sekunden solche Fragen aufs Trapez bringen. Das hindert doch jedweden Fortgang der Handlung. Hat Gott mit dem Terror etwas gemein. Er hat doch mit dem Leben etwas gemein.

Mit dem Leben von Männern und Frauen. Mit dem Leben von hochfahrenden Gelehrten, denen der Teufel ein einfaches Mädchen in den Weg stellt. Das ist doch das Welttheater. Und der Tragödie tiefster Sinn.

Deine Fragen sind anders, Dostojewski. Sie sind anderer Natur. Russischer? Nein. Das glaube ich auch nicht.

Das ist unser Problem, was wir mit Dir und Schiller und vielen anderen haben.

„Kein Gott keine Werte.“ Gott – los. Sinn –los. Wert – los. Vielleicht ist das schlicht der Idealismus, vielleicht sogar der deutsche, der in Misskredit gekommen ist durch die

Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus, den die Sowjets und die Amerikaner besiegt oder in Folge kopiert haben in dem Großen Vaterländischen Krieg, zu dem die Popen ebenso aufgerufen haben, wie die Bolschewiki. Immerhin wurden seit dem Eure Ehen nicht mehr durch das Schreiben einer Postkarte in der großen ruhmreichen Sowjetunion geschieden.

Und bei uns sind viel zu viele Kinder ohne Väter aufgewachsen. Bei euch auch?

Die Väter sind im Krieg geblieben, die Söhne haben alles versucht. Und die Töchter.

Wie lange dauert es, ehe die Wunden verheilen.

Wie kann man ein Attentat aufhalten mit der Frage nach Gott.

Wie kann man ein Attentat begründen mit der Antwort, weil es Gott gibt. Nur den einen.

Tyrannenmord in der Ballade.

In Prag um die Ecke.

Freiheitskampf.

Terror.

Wer ist wer?

Wo ist wer?

Segne die Bombe, die ihn treffen soll.

Bonfoeffer.

Dostojewski.

Setze einen Namen ein.

Für N.N.

Für den weißen Flecken.

5.Februar 2008

8.Begegnung – die Frage nach Gott und niemand antwortet.

Ich darf Dir ein Beispiel erzählen: In einem wunderschönen Garten sitzen sie, die gerne diskutieren und etwas verändern wollen, die Philosophen und Aktionäre. Und fragen nach Gott. Wieder.

Weil alles zusammengefallen ist an Weltbildern, die man sich mühsam aufgebaut hatte, um die Teilung der Welt zu erklären in Gute und Schlechte. Aber die Erniedrigten und Beleidigten waren nicht einzuordnen. Und auf einmal fiel die Teilung der Welt auseinander in viele kleine Teilchen, bis man sah, dass es ja ein Ganzes war, trotz olschewiki, Menschewiki, Sozialrevolutionäre und Kapitalisten. Die Rechnung war nicht aufgegangen: Das Paradies auf der einen Seite und die böse Welt auf der anderen. Nein, die Mauer fiel, die alles trennen sollte und mit Wächtern besetzt war, die es auch nicht mehr wussten zum Schluß. Warum sie eigentlich da waren. Also erinnerte man sich an die alten Zeiten vor der großen Revolution und auch an Dich, der Du von Dämonen sprachst, während andere sie Befreier nannten. Sie hören auf einmal wieder, dass es den Menschen gab, der eine Seele hatte und ein Schicksal. „Und wenn Du dem Menschen seine Seele nimmst, ist er gefügig.“ In einem Märchenstück von Jewgeni Schwarz hörten wir das ungläubig auf der Bühne. Das Märchen heißt der DRACHE und wurde wie eine Fabel erzählt, in der die Schurken nicht beim Namen genannt werden dürfen.

Also sie saßen in diesem Garten, schön wie ein Paradies auf Erden. Aber die Flugzeuge kamen laufend geflogen und machten einen Lärm, dass man sein eigenes Wort nicht verstand.

Und da hörten sie auf zu fragen und meinten, sie müssten erst einmal eine Umweltgruppe bilden gegen den Lärm, eine Bürgerinitiative. Damit viele Unterschriften gesammelt werden könnten gegen den Lärm und dafür, dass die Flugzeuge eine andere Strecke fliegen. Nicht gerade über diesen schönen Gärten, die angelegt worden waren,, als es noch gar keine Flugzeuge am Himmel über den Gärten gab. Und auch keine gewaltigen Flugplätze in der Nähe mit den berühmten Schausonntagen, wenn am Himmel die Flieger ihre Kunststücke

zeigen. Sie konnten ja auch wirklich nicht ihr eigenes Wort verstehen und weder Fragen noch Antworten stellen oder geben. Also ist aus der Frage nach dem Allmächtigen diese Antwort entstanden: „Laßt uns zuerst eine Umweltgruppe bilden, damit wir dann in Ruhe weiter diskutieren können über Gott und die Welt.“

Übrigens: Sie hätten nur in ihre Wohnungen zu gehen brauchen und die Fenster verschließen –mit doppeltem Glas- und sie hätten keine Flugzeuge gehört. Nicht als Störung. Nur als hinnehmbares Geräusch. Ein Geräuschpegel.

Aber der Sommerabend war zu schön und der Nachmittag bei Kaffee und Kuchen.

Sie wollten nicht in die Häuser gehen bei solch schönem Wetter und die Fenster verschließen, damit man den Lärm nicht hört. Sie wollten die schöne freie Natur. Sie wollten den Wind um die Nase- nicht zu stark! – Das Zwitschern der Vögel. In machen Gegenden auch das Murren der Kreatur: Schweine grunzen, Füchse stehen auf und kommen immer näher, wenn sie betteln. Elstern kreischen, wenn sie etwas funkeln sehen.

Also schrien sie sich an – wenn die Flugzeuge zu tief anflogen- daß sie jetzt erst einmal einen Zirkel zum Schutz der Natur

gründen müßten. Das hätte ja schließlich auch etwas mit Gott zu tun, der die Welt geschaffen hat und Schöpfer des Himmels und der Erde ist.

Und sie gingen hinein in ihre Häuser und schlossen die Fenster an einem schönen Sonntag nachmittag, um über die Einzelheiten zu sprechen. Wie, wann, wo, wer. Und sie wählten einen Sprecher. Aus ihren Reihen.

Dabei ist es haargenau dieselbe Situation, die Du beschreibst. Es geht um Tod und Leben und nicht um Badehose und Niveacreme gegen die Einwirkungen der Sonne.

„Du vergißt den Wohlstand“, meldete sich fast das erste Mal D. zu Wort.

„Geht es um Wohlstand?“, fragte ich zurück.

„Nein!“ -schreit D. mich an, weil ein Flieger zu nahe gekommen war.

„Um was dann?“

„Um Freiheit!“

Dieses Wort wurde verschluckt von der Boeing am Himmel, die die Fluggäste zurückbringt aus der großen weiten Welt, die ihre Freiheit genießen wollen, jetzt nachdem der Wall gefallen ist und die Piloten in alle Richtungen steuern, wenn nur jemand das Flugbenzin bezahlt und die Askese nur von wenigen praktiziert wird: Nicht Fliegen. In der Hütte bleiben. Mit Holz heizen. Das Weite suchen, den Dressurbogen, wo die Stille früher gewesen ist.

„Also selber Grenzen ziehen, nachdem sie verschwunden sind.

Aber seine eigenen Grenzen erfahren, das wollen die Abenteurer doch auch. Gott erfahren. Freiheit.“

„Und die Beter!“, sagt D.

„Die Terroristen wollen es auch. Aber mit Gewalt.“, fügt er nach längerem Überlegen hinzu.

Und weiter:„Die einen müssen dazu Gott anrufen, die anderen ihn abschaffen in der Geschichte.“

Ich lasse es so stehen.

„Kannst du Dir das als eine Szene vorstellen? Vorhang auf, das Publikum sitzt gespannt in den rot gepolsterten Sesseln. Wie bei Tschechow im Kirschgarten, inszeniert von Peter Stein. Bäume. Fahlblauer Himmel. Ab und zu ein Schatten, Dröhnen. Damen und Herren in weißen und schwarzen Kostümen und gut sitzenden Anzügen nach der neuesten Mode.“

Anmerkungen zur Regie:

Wie im „Drachen“, zweiter Teil.

Weiße Gartenmöbel.

Trinkbares auf den Tischen.

Gebäck.

Knabbern.

Und dann das Gespräch…

„Du kann es Dir vorstellen. Du hast genügend Phantasie.“

Sie stehen auf von ihren Liegestühlen und weißen Korbsesseln, nachdem sie beschlossen haben, hier draußen über wesentliche Dinge nicht reden zu können, um im Wintergarten in vertrauter Runde, in guter Weise ein Konzept zu erarbeiten, wie sie die Menschen erreichen, um eine Bewegung ins Leben zu rufen, gegen den Lärm. Sie werden gegen den Bürgermeister vorgehen und gegen die Fluggesellschaften.

Sie nehmen die Getränke mit hinein.

Um eine Initiative zu gründen – das ist kein Attentat gegen eine Zarenkutsche mit Frauen und Kindern- müssen sie nicht die Frage klären, ob es einen Gott gibt oder nicht. Umgekehrt, sie müssen diese Initiative ins Leben rufen und werden die Frage, der sie sich in aller Ruhe widmen wollten hint an stellen. Und wenn sie Erfolg haben und die Flugzeuge kreisen eine andere Bahn ein, dann können sie wieder in die Gärten: Und vielleicht fällt ihnen dann diese Frage wieder ein, oder auch nicht, weil sie in Laune sind und roter Wein bereit steht für die Feier des zivilen Ungehorsams: ohne Waffen zum Sieg. Nah am Paradies.

Verführung zum Diebstahl für jeden außerhalb des Gartens.

Des nachts.

Lesung am 18.August 18.00 Uhr in der Gedenkbibliothek für die Opfer des Kommunismus.Nicolaiviertel 5-7, Lessinghaus, Berlin-Mitte.

Veröffentlicht von famwohlfarthtonlinede

Jahrgang 44 Lieblingsbeschäftigung:Schreiben und Predigen.Sehnsuchtsort Ostsee. Wohnort Berlin, Heimat Thüringen. Wenn Du mir schreiben willst, bitte über michael.wohlfarth@t-online.de; https://kaparkona.blog; michael-wohlfarth.jimdo.com; michaelwohlfarth.wordpress.com

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