Busstag der letzte Tag der Friedensdekade

Liebe Leser meines Blogs, neulich hatte ich einen Termin an einem Sonntag: Gedächtniskirche Berlin, K Damm, 18.00 Uhr. Mal sehen wer predigt. Es war ein Motettengottesdienst mit Predigt von Kathrin Öxen, einer führenden Mitbewerberin im Wittenberger Internet-Predigt- Kreis.

Natülich hatte ich keinen Termin. Deswegen gehe ich lieber in eine Kirche, die jeden Sonntag offen hat. Sogar 10.00 Uhr oder auch abends. Oder wann. Das ist in meiner Heimatgemeinde so und auch am K Damm. CHOCHOSCHO.OKAY. GUT.

Es war kein trauriger Tag im November, an dem die Dichter reisen, womöglich aus dem sonnigen Süden ins rüde Berlin. Ich lasse mir das nicht traurig machen, wiewohl ich GENRICHA GENE liebe, wie auch Kleist und andere mehr. Deshalb vorher Kaffee – ROSTBRENNEREI Seitenstraße K Damm. Eine Tiefe.

Ein Quadrat. An dem sitz ich und bestell` russischen Zupfkuchen und einen italienischen Cafe. Kommt auch wirklich, wenn auch nicht schnell.

Es ist noch e i n Platz frei an dem Quadrat. Mir gegenüber. Mal sehen wer kommt.

Da kommt jemand.

Eine Frau mittleren Alters, die sich später als junge Großmuter entpuppt. Vier Kinder zur Welt gebracht hat und im Bundestag war, um über Corona und Folgen zu diskutieren. Mein Thema nicht. Weil ich immer noch davon ausgehe, dass jeder Arzt einen Schwur schwört, nicht wegen einer Verschwörungstheorie, sondern den des HYPOKRATES. Und wenn er Christ ist bittet er Gott um Hilfe bei jedem Patienten und jeder Patientin. Ich weiß von einem Chirurgen in Crimmitschau/Sachsen aus Erzählungen der Ureinwohner dort, der sich vor jeder Operation nicht gescheut hat zu knien und Gott um seinen Beistand zu bitten. Kurz: ein Arzt handelt in der Liebe des Schöpfers zu seinen Geschöpfen. Ich möchte davon ausgehen, dass das in der Pandemie auch so war und nicht der Pharmazieverkauf die Hauptrolle spielte. Wir sollten alle vielmehr davon ausgehen und dann allerdings auch um den Mut des Patienten bitten, der widerspricht, wenn es darauf ankommt. So war m.E. die Grundlage unserer Unterhaltung.

So ein rheinisches Kind aus Essen, wie sie mir später bestätigte: auch noch katholisch. Ja, Rheinland. Der Zug fuhr ab gegen ACHT. Bahnhof ZOO.

„Kann ich mitgehen vorher in die Motette?“

„Klar, gehen wir zusammen.“

Aber vorher ein Ereignis für jemanden, der BLOG schreibt, aber nicht so recht weiß ob das ankommt. Bei dem Stichwort BLOG sage ich: „Ich habe auch einen Blog“. Sie zückt das Handy und notiert den CODE https://kaparkona.blog.

„Der Blog hat auch noch einen Namen: Michael Wohlfarths Blog.“

„Ja, da kenne ich Sie.“

Ich bin baff. Sie aber auch. Berlin. Millionen. Auf einmal sitzt man sich gegenüber.

Als der Gottesdienst vorbei ist, verabschiede ich mich in diesem würdigen Rahmen der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und laufe und steige auf meinen Bahnsteig Richtung Erkner. Die DREI. Sie kommt. Die S-Bahn.

Ich weiss nicht einmal mehr ihren Namen. Aber ich wünsche ihr alles Gute im Streit um den rechten Weg. Und Gesundheit an Leib, Seele und Geist. Wir waren sehr offen im Austausch. Und haben nichts ausgelassen. Die AfD nicht, die Pandemie nicht. Die Verschörungstheorien nicht. Kyrill nicht. Die Russen nicht. Den Kapitalismus nicht.

„Ein schöner Abschluss dieses Tages“, sagt sie. Sie ist besser in den Gesängen als ich.

Warum müssen wir uns gegenseitig immer so schlecht machen???!!!

Einen gesegneten Ewigkeitssonntag!

Ihr/Euer

Michael Wohlfarth

Aus PREDIGEN AUF DEM MARKT / epubli und Frommverlag, aufrufen unter: Alle Bücher von Michael Wohlfarth/ in Oberzeile Internet.

Diese Predigten sind Kollumnen bis auf wenige Ausnahmen, geschrieben für die erste unabhängige Wochenzeitung im Altenburger Land, gegründet von Ingo Schulze nach den Friedensgebeten in der Brüderkirche in Altenburg/Thüringen (Neunziger Jahre, letztes Jahrtausend, letztes Jahrhundert).

Totensonntag

Totensonntag,

November, Schauer,

Kränze liegen an der Mauer,

aber dann im Advent

ein Lichtlein brennt… –

Das ist der erste Vers eines Krippenspiels, das ich mit Christenlehre-Kindern

des Altenburger Landes in Thonhausen und Mannichswalde vor Jahren

„gedichtet“, gesungen und eingeübt habe. In den Zeiten des real-existierenden

Sozialismus. Das hat mir z.B. der Staatssicherheitsdienst chronologisch sehr schön festgehalten: Der Aufbau einer Kinderarbeit im Zeichen des Getauft-

Seins. Nachzulesen im Operativvorgang „Vermittler“. Christen besuchen mit Nicht-Christen die Friedhöfe und trauern. Das muß gelernt sein – Trauerarbeit.

Vergangenheit bewältigen. – Christen glauben vielleicht im Unterschied zu Nichtchristen (hier sind nicht die anderen Religionen gemeint), daß sie letztendlich nur Vergangenheit bewältigen können, trauern können und glauben, in der Liebe und in der Hoffnung zu Gott hin, der für sie einen Namen hat: Christus, der stärker ist als der Tod und Vergänglichkeit scheint. Christen glauben, dass sie es in der Beziehung gut haben, daß sie an den Gott des Himmels und der Erde glauben, an den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist, wie es in einem Gesangbuchvers heißt. Vielleicht bleibt dann auch noch Kraft zum Trost für andere ….. Wie wichtig ist das Erinnern. Gute Erinnerungen machen stark, sagt der Blutzeuge des christlichen Glaubens, nach dem eine Straße in Altenburg Nord benannt worden ist: Dietrich Bonhoeffer, der mit aufrechten preußischen Offizieren das Attentat gegen Hitler vorbereitet hat, weil er in ihm das Böse sah – und deshalb kurz vor Kriegsschluß aufgehängt worden ist von den Nazis. Wenn es ihn nicht gegeben hätte, hätte es vielleicht gar keine Kirche mehr gegeben in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands. Wenn es ihn und viele und viele anderem Zeugen des Glaubens nicht gegeben hätte. – Erinnerung ist Erlösung, sagt die jüdische Weisheit. Deswegen gehen die Menschen an die Gräber im Gedenken …. Deswegen spricht auch die Kirche nicht vom Totensonntag, sondern von Ewigkeitssonntag: im Angesicht des Todes werden wir gewiß, was wirklich von Dauer ist, was über uns und unser Leben hinausweist, was wirklich bedeutend ist, was uns Halt gibt und Hoffnung. – Was uns die Angst nimmt vor der Zukunft , was uns nicht fallen lässt, sondern stark macht für das Leben, was unsere Antwort ist und unsere Verantwortung. Und welche Fragen auftauchen und welche Zweifel…. Christen glauben, dass es kein „Friedhofsfrieden“ ist, der uns umfängt, wenn wir am Totensonntag zu den Gräbern gehen, sondern der Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft. Wir sind Bewegte, wenn wir zurückkommen in den Alltag, den grauen Novemberalltag, und ergreifen das Licht des Advents, wie die Kinder, die jetzt dreißig sind oder deren Kinder wieder im oben zitierten Krippenspiel, was sie selber mitgeschrieben haben. – Ich wünsche allen einen gesegneten Sonntag, daß jeder den Trost empfängt, den er sich aufgemacht hat zu suchen.

Gedanken aus einem Buch in Arbeit zum Beginn der Friedensdekade 2024 Buchtitel: Das Z auf dem Rücken.

Plötzlich kehrte sie um. Nicht weil ihr Handy klingelte und ihr in Erinnerung rief, das und das soll sie doch bitte mitbringen von ihrem Urlaubstrip nach Hause nach Berlin oder etwas jetzt zu essen, was in der Küche von ihrem Vater Horst Leskow, seiner Frau Marianne und seiner Schwiegermutter Elise fehlte.

Nein, eine innere Stimme, die sie zur Ruhe rief in all dem, was gerade im Schwarzwald nach dem Besuch des Grabes immer wieder auftauchte nicht wie Treibgut, das könnte man unberücksichtigt lassen, es wäre eben im Fluss der Dinge, nein wie etwas Lebendiges. Das Berücksichtigung finden muss.

Verdrängen geht gar nicht.

Die Kirchenglocken haben längst aufgehört zum Mittagsgebet zu rufen.

Der Besuch im Pfarrhaus hat viel zu lange gedauert.

Sie kehrte trotzdem um zum Ort ihrer Taufe und ihrer Konfirmation.

Die Großmutter hatte viel Wert darauf gelegt, auch wenn der Vater nicht so recht wusste, was das alles zu bedeuten hätte.

„Deine Frau, die Mutter von Anne, würde sich wundern, wenn ihr Kind nicht aufgehoben wäre in der Gemeinschaft der Gläubigen,“ sagte sie zu ihrem Schwiegersohn. Und so wurde Anne getauft. Ihr Vater hat sich gefügt, wie eigentlich immer, seit dem er auf der anderen Seite der Demarkationslinie lebte. Das war jetzt seine Heimat, der Schwarze Wald wie er ihn nannte. Er hatte seine erste Frau nach dem Zusammenbruch der DDR in Berlin kennen gelernt. Berlin ganz und nicht nur halb. Halb? ZWEIDRITTEL WEST und EINDRITTEL OST, so war die Lage. Sie war auch unternehmungslustig genug, um aus ihrem Wald angereist zu kommen, um zu sehen, was es denn nun auf sich hat mit dem Osten. Wo die Sonne aufgeht und nicht unter. Sie wollte Lehrerin werden und war dementsprechend neugierig. Dabei ist sie auf den Soldaten gestoßen, der in Zivil wissen wollte, wie die Feindinnen so sind, wegen der er in Thüringen schießen sollte, wenn er eine sähe, wie sie sich am Zaun zu schaffen machten. Jedenfalls- Angelika war hübsch und nicht übertrieben, nicht einmal schräg oder zu sehr gefärbt. Natürlich. Das war schon immer sein Idol. Schon von zu Hause her. In seinem Erzgebirge. Dort hatte er nach seinem Mittelschulabschluss KFZ-Schlosser gelernt an Hand der Wartburgs und Trabanten, die dort gefahren wurden in der Mehrzahl aber bei Leibe nicht in jedem Haushalt. Wartburg weniger als Trabant. Viel weniger. Noch weniger Moskwitsch oder Skoda aus dem tschechischen Bruderland. Der Pfarrer war der einzige, der nicht so lange warten musste, wie die anderen, um zu einem Trabant zu kommen aus Zwickau. Das wussten sogar die Leute, die nicht zur Kirche gehörten. Die zu allermeist. Seine Eltern gehörten nicht dazu. Sie waren Kommunisten von zu Hause aus. SED-Mitglieder im Gegensatz zu den anderen, die nicht zur SED gehörten, nein, darüber hinaus auch noch jeden Sonntag in die Kirche gingen. So fromm war das Erzgebirge. Um so mehr hat ihn der Glemmer des Westens aufgesogen. Aber er war stabil genug, um nicht darauf herein zu fallen. Nein, er nahm sich sofort vor, nicht etwa Berufssoldat zu werden in der vereinigten deutschen Armee, sondern etwas aus seinem gelernten Beruf zu machen: Meister, selbständig. Und warum nicht Autos reparieren auf der andern Seite, wo die Volkswagen und Opel fuhren, sagte er sich, nachdem er Angelika aus dem anderen westlichsten Mittelgebirge in Deutschland kennen gelernt hatte. Und auch noch im verrückten Berlin.

So schnell ging das nicht. Vorstellungsbesuch bei den Eltern hin und her. Begutachtung frommes und unfrommes Nicken. Hand in Hand durch die Dörfer laufen. Tuscheln, wie es sich gehört. Aha, aha. Und so weiter.

Jedenfalls vor einem Schaufenster geschah es. Auf der anderen Straßenseite stand ein sehr hübsches Mädchen aus dem Westen. Sie spiegelte sich im Fenster, vor dem Horst Leskow stand. Er dreht sich um und winkte. Sie winkte zurück. Solche Dinge gibt es. Sie trafen sich wieder und immer wieder, jeden Tag, den sie in Berlin verbrachten. So ist das und so geht das. Wen es gut geht. Es geht bekanntlich nicht immer gut. Hier ging es gut. Und alle waren dankbar in diesen wirren Zeiten. Und sollten das auch, denn nichts ist selbstverständlich, dass etwas gut geht. Es kann immer auch ganz anders kommen. Böse, böse.

Und dann kam es auch, weil aus Gräuel Gräuel kommen, weil sich nichts geändert hat, weil es Schuld gibt auf Erden, die um sich greift, die andere mit hineinreißt in den Strudel des Flusses. Und Du kommst nicht mehr heraus. Die Hochzeit in Schönhausen. Die Eltern von Horst kamen angereist aus dem schönen Erzgebirge in guten Klamotten aus DDR-Zeiten, wenn es da Empfänge gab und so. Sie waren stabil und nicht gierig nach dem Neuen.Sie gingen brav mit in die Kirche und der Pfarrer war gnädig in seiner Predigt und die Trauung war wundervoll. Selbst der Papa und die Mama aus dem Osten mussten das sagen später bei Kaffee-Trinken im Gasthof zur Grünen Tanne. Sie waren ja Rituale gewohnt, nur etwas anders mit Bildern von Lenin und Stalin ganz früher in der DDR. Mit Denkmälern von Thälmann dann, dem Sohn seiner Klasse. An denen man Blumen niederlegte. Fahnen noch und noch. Religion war das auch. Eine andere. Macht, eine andere.

Alle gingen freundlich miteinander um. Die Eltern von Anne und die von Horst. „Immer schön allmählich“, sagen die Großeltern, die sich auskannten im WESTEN. Und ein bisschen Geld hatten. Und so kam es. Der solide gelernte Beruf des Trabant-Bauers, dem es Spaß machte, Mercedes, Volkswagen und Opel kennen zu lernen und in Gang zu halten, die schöne Frau an seiner Seite, die ihre Ausbildung zur Grundschullehrerin zu Ende brachte. In dieser Zeit. Horst bewirbt sich wegen dem Meistertitel mit Erfolg. Er konnte die Werkstatt seines Schwiegervaters selbständig übernehmen und später eine Tankstelle dazu setzen. Alles gut.

„Weil Christus auferstanden ist“. Das wusste vielleicht Marianne. Mit Sicherheit Elise, die Großmutter und ihr Mann Erich im Glauben, in dem sie gelebt haben in Arbeit und Not. Und der ihnen geblieben ist, weil sie immer abgegeben haben von dem Segen, der auf ihnen lag.

Nun hat er sich die Kleider vom Leib gerissen und ist in die Oder gesprungen den Grenzfluss zwischen den Deutschen jetzt und den Polen. Er schwimmt und schwimmt und wird abgetrieben. Aber er schafft es, die Kleider auf den Rücken gebunden. Schafft es, die Papiere vergraben zu haben um als Flüchtling zu gelten, ein neues Leben zu beginnen mit Namen und tadellos nackt und bloss.

So sind sie gekommen damals zu uns, die Roma und die Sinti. Sie kennen die Umwege gut in Europa. Ihre Vorfahren sind sie gegangen und gefahren mit ihren Leiterwagen und haushohen Zelten. Spitz. Bunt die Röcke der Frauen. Die Maler haben zu tun, wenn sie sie sehen.

Und die Millionen nach dem letzten Krieg, wie wir lange Zeit gehört haben von den Alten? Sie sind kaum geschwommen, sondern mit den letzten Zügen über die Brücken gemacht klopfenden Herzens, weil sie alles, alles wirklich zurück lassen mussten. Und wenn sie geschwommen sind, sind sie untergegangen in den Wellen der eisigen Ostsee, als das Schiff sank. Gustloff.

Das waren die Deutschen, die Adolf Hitler nicht verhindert hatten, die Stalin fürchteten. Die Ostpreußen hinter der Weichsel. Die gekreuzigt wurden, als sie gekommen sind. Die Feinde. Die Russen, die gar keine waren. Und sie sind nicht angekommen. Viele nicht. Umgekommen unterwegs. Verhungert. Erschossen. Ich weiß es nur aus Filmen. Mir ging es gut. Aber die meisten doch sind angekommen. 12 Millionen. Angekommen.

Wo?

Die Flucht, die Flucht.

Immer ist sie präsent im Leben.

Oder du päppelst sie durch, die Flucht.

Lebenserhaltend.

Ach, sind wir froh, wenn es Frieden bleibt nun endlich nach der totalen Kapitulation der NS-Schergen. Wie soll ich es sonst sagen. Mir fehlen die Worte. Nie wieder Krieg. Nie sollst du ein Gewehr anfassen. Nie wieder. Damit es nicht auf die Falschen gerichtet wird. Oder wieder auf DICH SELBER! Daher kommen wir aus der Sowjetzone, die nicht die Speckgürtel umgelegt bekamen durch den Marshall-Plan und anderes mehr. Die sich einreihen mussten in die Reihen der FDJ, der Pionierorganisation mit rotem und blauen Halstuch. Das war ihr Gürtel. Kargheit und Askese inbegriffen. Stabilisiert. Davon leben wir heute noch, denn es sind Werte. „Verstehen Sie das bitte dialektisch!“- sagt der, der dem anderen sein ostdeutsches Leben erzählt. Der mit dem Speckgürtel, was sagt der darauf? Nichts. Er hört es sich an, wenn es ein freundlicher christlicher Mensch ist. Und versucht zu verstehen. Zumindest tut er so, weil er vor allen Dingen gut erzogen ist und höflich.

Nur wir haben den Krieg verloren“, sagen manche in Thüringen, nachdem die Amis abgezogen sind, um sich mit den Franzosen und den Engländern die Stadt Berlin zu teilen. Den WESTEN BERLINS.

Meine Frau weiß, dass die Russen mit Ponny-Wagen einmarschiert sind, nachdem die Schwarzen Schockolade verteilt haben an die Kinder und das Weite gesucht haben Richtung Norden: Berlin, Berlin, Berlin. SEI DU BERLIN. Das war auch in Leipzig so, südlich der Elbe. Und erst die Frauen, die sich eingelassen hatten mit den schmucken Soldaten. Das war doch etwas. Nun sind sie weg und die Russen kommen. Das Machtspiel, die Rochade.

Ja, den Amerikanern haben wir zugewunken.“ Wie viele haben sich aufgemacht, um über die neuen Demarkationslinien zu kommen, In den Westen. In den Westen.

Andere hofften, das geht nicht lange. Das System nicht und BBC verkündete jeden Tag, dass alles zusammenbricht. Der Kommunismus wird den Krieg nach dem Krieg nicht gewinnen.

Haltet durch!“Propaganda. Nicht nur Lenin wusste das. Wie wichtig sie war. Londoner Rundfunk. Und heute wieder Hetze. Kriegshetze.

Es ist spannend. Es muss so kommen, wenn man nicht leben kann, ohne diese Spannung.

Es ist spannend.“

Die Flüsse. Die Flusslanschaften. Im Schwarzwald ist es mehr die Tanne, die dunkle. Anne setzt sich in die Kirche, um sich auszuruhen. Ihr fallen die Bilder ein von einem jungen Mann, der mit einem Z auf dem Rücken plötzlich in ihrer Schiffskabne sitzt. Er solidarisiert sich mit Russland, mit Weissrussland und der Ukraine. Mit den heiligen Russland. Er sucht die Heile Welt. Er will nicht mehr für den amerikanischen Geheimdienst arbeiten. Anne wollte nie, dass irgend jemand für einen Geheimdienst arbeitet. Für sie war das die Vergangenheit, aus der sie kam, die DDR. Ihr Vater hat ihr genügend davon erzählt. Sie hat ihn gelöchert und ausgequetscht wie eine Zitrone. Sie wollte unbedingt wissen: Wer bin ich, wo komme ich her. Immerhin war ihr Vater Grenzsoldat zwischen zwei Welten. Die eine Welt kollabiert und die andere weiß nicht mehr wozu sie da ist.

Nachfolgebuch zu: DER GRÜNE SALON, AMERIKA (epubli) Ach, Dostojewski.(Haag und Herchen)

Diese beiden deutschen Soldaten aus dem Berchtegadener Land haben uns angesehen bei unserem ersten Dorfrundgang in Oberteisendorf. Den Schaukasten insgesamt an der Kirchenwand neben dem Eingang seht Ihr oben in der Eröffnung.

Danke an die freundliche Bewirtung jeden Morgen im Bauernhof NEUHAUSERHOF, verantwortlich SISSY LANG.

Lästert wenn Ihr wollt. Ich bin dankbar, dass es Menschen gibt, die die Wirkichkeit nicht verdrängen müssen, weil sie den Gekreuzigten und Auferstandenen kennen.

Das Kruzifix auf dem Hof (Prozession/Station).

Mit freundlichen Grüßen! Michael Wohlfarth aus dem Urlaub 2023.

Nach dem Reformationstag und zu Allerheiligen

Liebe LeserInnen, ich werde heute das Vorwort zur ersten Auflage von PREDIGEN AUF DEM MARKT, eine Predigt daraus und eine Erklärung zu den Ereignissen nach 1989 in meiner Heimatstadt Altenburg in Ostthüringen, in meinen Blog stellen. Sie wissen: am 9. Oktober war ein Jahrestag, der 35. Jahrestag der Friedlichen Revolution. Vor 35 Jahren war der Umzug um die Stadt Leipzig – wie mit Posaunen – und die Mauer fiel – in Berlin. Der Stacheldraht war schon geschnitten in Ungarn. An der Grenze zu Österreich.

Die Straßenbahnen fuhren nicht. Wir haben die Luft angehalten. Ich bin in das Telefonhäuschen an der Post am RING gerannt und habe die Nummer meines Pfarramtes gewählt, die auch die Nummer von meinem zu Hause war. Damals war noch nicht alles so getrennt. Das war genau um 18.32 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit.

„Es wird nicht geschossen!“ Das war die Botschaft für meine Frau, die sich Sorgen machte wegen unserem ältesten sohn und auch mir. Ich habe dies Nachricht später wörtlich in meiner Telefonakte „Altenburger Akademie“ OV gefunden mit Uhrzeit. Ich selber habe nicht, wie man das heute vielleicht machen würde, auf die Uhr geschaut. Habe auch kein Handy dabei gehabt. Wie gesagt: Telefonhäuschen außen vor. Leider ist diese Zelle dann schon nach 10 Jahren nicht mehr da gewesen.

Höchstens auf die Dächer auf denen Cameras installiert waren, haben wir geschaut. Nicht die von ARD oder ZDF oder SFB oder RIAS waren dort oben, sondern die tausend Augen des Staatssicherheitsdienstes. Aber sie haben nur beobachtet. Es ist nicht geschossen worden. Warum? Das weiß niemand so genau. Das ist Geschichte. Das sind Sekunden, Minuten, Stunden, Tage.

Da werden die so genannten Tages-Losungen der Hernnhuter Brüdergemeine sinnfällig und eine goße Hilfe, in goßen Nöten der Ungewissheit.

Die unten abgedruckte Predigt wurde von mir gehalten zur Einführung des Stadtparlamentes in Altenburg. In der Kirche, von der aus die Demonstationszüge infolge der Montagsdemonstrationen in Leipzig losgingen, über den Markt, duch die Gassen, zur SED-Kreisleitung. Die Brüderkriche, „meine“ Kirche war von 1988 an bis ins Jahr 2007 meine Dienstkriche.

Sie ist jetzt – mit unvergänglicher Kreide gezeichnet – bei uns in Berlin. Zu sehen auf einem großen Schieferziegel. Das Bild ist von einem Lehrer des von uns mit anderen gegründeten Spalatin-Gymnasiums gezeichnet worden. In unserem Vorgarten an einen Fliederstrauch gelehnt, erinnert es mich jeden Tag, an das was gewesen ist und an das was sein könnte, wenn man die Hoffnung nicht aufgibt im Glauben an Jesus Christus. Unseren HERRN.

Ein Geschenk des Grafikers und Zeichenlehrer aus Kürbitz,Stefan Knechtl, initiiert von meinem damaligen Vikar, jetzt Pfarrer Sven Thriemer in Pölzig – mit 20 Dörfern.

Sie können die Predigt in dem Band nachlesen: PREDIGEN AUF DEM MARKT. In diesem Band sind mir alle wichtigen Andachten (Kolumnen) dieser Zeit enthalten, z. T. in Briefform an die Gemeinden, die sie lesen sollten. Und zwar in der ersten demokratischen Wochenzeitung(„Altenburger Wochenblatt“) die 1990 für Altenburg und das Altenburger Land initiert worden war von Ingo Schulze und einem Kreis, der aus den Vorbereitungskreisen für die Friedensgebete hervorgegangen war. Und dann waren die Kolumnen immer wieter zu lesen in den Folge-Blättern bis zur Leipziger Volkszeitung als Osterländer Volkszeitung (Tageszeitung). Es gab stehenden Applaus in der Landessynode für die ersten christlichen Andachten in säkularen Zeitungen in Thüringen überhaupt.

Das Buch ist in unserem Verlag herausgekommen (epubli).Und ich bin immer wieder darauf angesprochen worden. Die Auflage der Blätter war höher als die Zahl der Haushalte im gesamten Landkreis Altenburg (Altenburger Land).

Vorwort zum Buch PREDIGEN AUF DEM MARKT

Eigentlich handelt es sich um eine Nachwort, denn alle Worte, die Sie hier lesen werden, alle Sätze, Predigten, Andachten, Zeitungskolumnen als Deutungs- und Begleitworte für die schwierige Zeit nach 1989 sind schon gesagt, gedruckt worden, um eine Öffentlichkeit herzustellen für Kirche und Gemeinde nach der 40-jährigen Ghettoisierung in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Aber vor allen Dingen: um Menschen – die auch nicht der Kirche angehörten – es sind die meisten in der post-sozialistischen Jugendweihe-Gesellschaft – auf diese Weise zu erreichen. Daher der paulinische Titel des Buches. In einer Thüringischen Mittelstadt mit 12 Prozent Kirchenzugehörigkeit. Nach dem Wegfall der Blauhemden für Pioniere und FDJler, der Kampfgruppenanzüge, der tausendfachen Losungen an Wänden innen und außen, Fahnen – mit dem Ersatz der tausendfachen Werbung gab und gibt es ein sozusagen multikulturelles Vakuum und daher große Anfälligkeit besonders unter Jugendlichen. Es ist sicher kein Zufall, daß Frau Zschäpe rumänische Wurzeln hat und in Thüringen groß geworden ist.

Ein Pfarrer, der zwanzig Jahre mit seiner Familie im Evangelischen Jugendzentrum w o h n t e neben der größten Kirche eines Landstriches, der die entlassenen Arbeiter weinen hörte, wenn sie nachts betrunken „unsere Gasse“ herunter kamen, lernte neu, daß sich Wende aus dem Griechischen katastrophe herleitet. – Er und seine Frau fühlten sich verantwortlich.

Dieselben Arbeiter hatten in seiner Kirche den Sturz Erich Honeckers „ausgerufen“, darin das erste Mal in ihrem Leben eine nicht zensierte Rede gehalten, sprechen gelernt – und beten.

Ich möchte mich bei der Leipziger Volkszeitung bedanken, dem Altenburger Kurier, der Stadt Altenburg, dem Landkreis Altenburger Land, die mit mir gut zusammen gearbeitet und die vielen Jahre auf „exklusive Nutzungsrechte“ verzichtet haben – seitdem es möglich wurde durch den Sieg der Friedlichen Revolution.

Es hat auch Spaß gemacht, als Erwachsenenbildner und Jugendpfarrer das eigentliche Anliegen des Herbstes 89 in einem Detail zu verwirklichen: Öffentlichkeit herstellen. Für Kirche und Theologie buchstabiert: „Auf dem Markt predigen“. Ich hoffe, dem geneigten Nach-Leser auch..

Berlin im Rückblick, Himmelfahrtstag 2013

Unmittelbar nach dem gehaltenen Festvortrag „25 Jahre Altenburger Akademie“

Michael Wohlfarth

POLIS

PREDIGT zur Ökumenischen Fürbitte in der Brüderkirche

anlässlich der Konstituierung der Stadtverordnetenversammlung

der Stadt Altenburg nach den ersten freien Kommunalwahlen

in der Geschichte der DDR am 6. Mai 1990

Liebe Gemeinde, liebe Mandatsträger!

Es ist sicher ein gutes Zeichen und wird bestimmt gerade auch von den älteren Menschen in unserer Stadt, die jetzt so unsicher sind, weil die Zeit umbricht,

so verstanden, wenn Konstituierung (sich Zusammenfinden, in den Stand gehen)

von uns als eine Sache angesehen wird, in der wir uns vergewissern müssen:

wo kommen wir her, wo gehen wir hin, wer sind wir, ja auch, wer waren wir.

Was sind unsere Traditionen, was ist unsere Herkunft, wo liegt die Kraft dessen, was wir für wahr halten. Was wir glauben, was wir träumen auch, möchte ich mit sagen dürfen. Wo sind die Grundlagen, nachdem wir den Teppich weggezogen haben (oder ihn weggezogen bekamen), unter dem der Schmutz liegt. – Wir müssen innehalten. Wir werden uns besinnen müssen, damit wir ein wichtiges Stück Stadtgeschichte Altenburgs rückblickend verarbeiten und bewältigen lernen. Trauerarbeit ist angesagt. Gleichzeitig signalisiert dieser heutige Gottesdienst den Neubeginn – mit Gottes Hilfe. Wir wundern uns ja sowieso schon, dass wir soweit gekommen sind in den Wirren dieser geschichtsträchtigen Zeit. – Jesus spricht: „ Der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener.“ – Ich finde, das ist ein gutes Wort aus dem Evangelium . Es ist zu einer Gruppe, zu einer bestimmten Gruppe von Menschen gesprochen, die sich vorher mörderisch gezankt haben, wer von ihnen der Beste und der Größte sei. Aber die sich zusammentun. Was bleibt ihnen weiter übrig? Ein gutes Wort – und dazu ist das Evangelium sicher in die Welt gekommen durch Gottes Willen und gnädige Fügung -, das uns innehalten lassen kann, egal, welcher Gruppe, welcher Partei, welcher Koalition, welchem politischen Lager wir auch angehören mögen. Weil dieses Wort das Unterste zu oberst setzt, weil es uns in Erinnerung ruft, wozu wir alle da sind: zum Dienst. Am Allgemeinwohl, sicher. Der Dienstgedanke ist uns leider abhanden gekommen in all den Jahren. Die Freiheit zum Dienen vor allen Dingen. Ein großer Verlust. Es wurde hohl und hohler, korrupt und korrupter. – Dieses Wort relativiert und lässt die Jungen ebenso zu Wort kommen wie den Chef, den Diener ebenso wie den Herren… Es schafft Spannung, die man aushalten muß. Es entspannt, wo falsche Herrschaftsformen für Unterdrückung und Etiketten-schwindel gesorgt haben. Es macht gelassen. Es bringt Sachebenen zustande, wo Gefühle drohen überhand zu nehmen. Ein großer König in der deutschen Geschichte, die teilweise preußisch geschrieben wurde, hat gesagt: „Ich bin der erste Diener meines Staates“. Wenn er das demütig gemeint hat, ist das sicher etwas von dem, was wir nötig haben, und dann ist es sicher auch christlich und menschlich: beauftragt sein, emphatisch denken, Politik f ü r den anderen machen, nicht meinen Vorteil suchen, sondern der Stadt Bestes. Maßstab für gute Politik ist der Maßstab des Menschlichen. – Gott möge Ihnen beistehen, dem Auftrag Ihrer Wähler nach bestem Wissen und Gewissen gerecht zu werden zu unser aller Wohl, zum Wohl der Stadt, daß das Vornehmste wieder der uneigennützige Dienst ist und die Last der Verantwortung ebenso viele Kräfte des Tragens und Dienens freisetzt. – AMEN.

Friedliche Revolution ist Arbeit und Mut

Die Zeiten, als sich Arbeitsgruppen bei uns in der Brüderkirche in Altenburg trafen, um einen gesellschaftlichen Neuanfang zu wagen, sind m. E. noch lange nicht vorbei. Nur die Menschen sind andere, die Namen – nicht alle – die Ziele sind dieselben geblieben: Erneuerung! Nur die Formen sind vielleicht anders geworden, der Inhalt ist geblieben: Sehnsucht nach einer heilen Welt in einer kaputten Welt. Damals bildeten sich Arbeitsgruppen während der Friedens-gebete. Heute ist das auch noch so. Nur: das Friedensgebet ist unter dem Namen MITTAGSGEBET bekannt geworden. Und die Arbeitsgruppe könnte man nennen: Communität für den Tag, eine Initiative von Senioren für unsere Stadt. Es lohnt sich zu erinnern, um festzustellen: die Formen ändern sich vielleicht, nicht die Inhalte. Jedenfalls nicht die, auf die es ankommt in einem fruchtbaren Leben. Vielleicht meinen das die Juden wenn sie sagen, ERINNERUNG IST ERLÖSUNG. – Wenn ich mir die alten biblischen Geschichten anschaue, merke ich immer wieder, daß es nicht so viel anders ist, als damals, heute! Und ich nehme mich auch nicht mehr so wichtig in meinem Fortschritt, weil ich merke, die Liebe, die Hoffnung, der Glaube waren damals das tragende Lebensmotiv und sind es heute. Damals gab es Liebeskummer, Tod und Sehnsucht nach Vollendung. Und heute auch. Das geht mir nicht nur so mit der Bibel, sondern auch, wenn ich mir eine ausgegrabene Stadt anschaue. Alles da, vielleicht keine Autos. Das war es aber auch schon. So mein Eindruck. Geschichte ist gesund, um seinen Größenwahn aufgeben zu können. Das alles meint das Wort ERINNERN. Ein Sonntag, geneigter Leser und geneigte Leserin, hat für mich deshalb einen besonders schönen Namen. Er heißt REMINISCERE! Er fällt in die Zeit der Leidenschaften, der Passion, der Buße, der Auferstehung. ERINNERE DICH! – Wer sich nicht erinnern will, hat keine Geschichte und damit auch keine Werte für sein Leben, die ihn tragen! Wer sich nicht erinnern kann (nach einem Unfall: unzählige z. T. gute Filme handeln davon), ist schwer geschädigt. Wer eine Zukunft haben will, muß sich erinnern wollen und Gott danken, daß er es kann. Sicher auch das Geheimnis von „DRESDEN“ oder„So weit die Füße tragen“, falls Sie diese Filme gesehen haben. Erinnerung ist ERLÖSUNG? Ja, wir dürfen sogar GOTT daran erinnern, daß er uns Zukunft versprochen hat. Auch das ist ein Teil unserer Gebete im Christlichen Glauben. Und nicht nur sonntags. Einen gesegneten Sonntag mit guten Erinnerungen und Sammeln von Kräften für den Alltag morgen und übermorgen für Sie!

Merken sie, wie unheimlich aktuell die Wende ist. Vielleicht ist sie immer. Auch jetzt. Gerade jetzt. Schlafen Sie gut wegen dem Sonntag und trotz der Wahlen in Amerika. Oder sollten wir WACHEN und BETEN wie Jesus in Getsemani. Eins schließt das andere nicht aus. Im Gegenteil.Sie bedingen sich: Ruhen und wachen! Einen gesegneten Sonntag.

A DIEU

Tschüss(verkürzte Form von A DIEU)

Ihr

Michael Wohlfarth

„Das Geheimnis des Menschen“

1.

Tief im Wald, im Odenwald.

Wir sind am Donnerstag d. 17. Oktober d. J. (24) von Müggelheim losgefahren mit der Aussicht, am späten Nachmittag in Weiher (Mörlenbach) im Odenwald zu landen. Hauptstraße 123 war eingegeben in das Navi und los ging es.

Das Gerät brachte uns zum Hermsdorfer Kreuz.

Von dort durch meine Kinderheimat Holzland, Wöllmisse, Stadtroda, Tröbnitz, Jena.

Tunnel durch die Jenaer Kalksteinberge. Über uns sozusagen die Silberdisteln.

Dann in’s FREIE.

Thüringen.

Apoldas Glockengießerei, Klöße, Weimar werden angezeigt.

Buchenwald muss nicht angezeigt werden. Der Glockenturm sagt alles. Der Blick ins weite Land. Von da oben. Fritz Cremer.

Die Wächter, die Bauernsöhne damals. Die Familien. Ich kenne sie noch. Andere auch. Oft die sympathischsten. Das ist absurd. Das ist paradox. Das muss ein guter Seelsorger verkraften. Ich erinnere an meine Dienstzeit. Das war die Dienststrecke Altenburg – Eisenach. Befehlsempfang. Oder Widerspruch.

Weimar-Buchenwald. Der Vertrauenslehrer Höcke, jetzt AfD. Als extrem eingestuft. Rechts.

Rechtsextremist.

Ich bin Thüringer, wenn auch im Osten geboren.

Weiter Erfurt, Gotha, die Wirkungsstätte meiner Eltern. Dankbarkeit, dass ich von ihnen die Kategorien gelernt habe, die jetzt ausgestorben scheinen. Die im Kommunismus platt gemacht wurden. Und wir hatten so gehofft, dass sie wieder durch den Beton kommen. Durch den Pfusch der Bauherren, durch Ritzen, die übersehen waren. Wie ein verstreuter Löwenzahn.

Was sagte ein Pfarrer aus Südafrika, der in Eisenach missionieren wollte: ich gehe zurück. Hier ist nur Beton. Ja, hier ist Wissenschaft und Kommunismus. WIKO. ML ist dagegen harmlos gewesen. WIKO heißt Wissenschaftlicher Kommunismus. ML heißt nicht Martin Luther, sondern Marxismus – Leninismus.

Ja, Eisenach. Die Wartburg grüßt von WEITEM. Rechts immer die Goldene Aue. Das katholische Eichsfeld. Meine Brüder, die gegen die Nazis waren. Wie sie auch stand gehalten haben, stand halten konnten (!!!) im Sozialismus deutscher demokratischer Prägung. Ich nehme die Deutsche Demokratische Republik wörtlich gerade. Wie Sie merken.

GRENZE: Hessen. Wir sind schon da. Von Berlin aus gesehen vielleicht.

Frankfurt am Main ist das nächste Ziel. Wir wursteln uns durch – durch das Geflecht der Autobahnen. „Weiter…und immer weiter…“ Wir wollen doch in eine Mühle in den Odenwald.

Auf der Bahn nach Basel werden wir abbiegen und durch einen Tunnel fahren, der uns dann in diesen Wald bringt.

In den Odenwald.

In eine Mühle in Weiher. Seitdem das Große Mühlensterben in den Sechzigern los ging und der Bach verlegt wurde, damit eine Straße gebaut werden konnte als Verlängerung des Tunnels durch den Berg, die dann nach Hirschhorn führt und wenn du willst nach Heidelberg immer am Neckar entlang. Oder umgekehrt weiter hoch nach Neckargerach, wenn du zurück willst, ganz zurück in den Norden, Norden, Norden. Berlin der Moloch, das Babylon.

Nach vier Nächten wollten wir.

Jetzt aber sind wir da und es begleitet uns weiter die Liebesgeschichte von Heloise und Abaelard und dass SIE IHM vor allen Dingen vorwirft nicht zärtlich genug gewesen zu sein. Nur gierig. (Siehe Paulusbriefe zu diesem Thema.). Das ist ihre Philosophie. Die Logik der Liebe, wie Armin Strohmeyr sich rechtfertigt, SIE aufgenommen zu haben in den Kreis der GROSSEN PHILOSOPHINNEN (Titel des Buches).

2.

Davor – noch zu Hause – waren wir bei Kapitel Simone Weil. Die Lehrerin. Die Mystikerin. Gemeindeabend in ML – das ist Martin-Luther-Kapelle/ Uhlenhorst in Treptow-Köpenick, Berlin -Ost.

Auswertung.

3.

Oder – JEANNE HERSCH (1910-2000) – jetzt wieder nach der Rückfahrt in Müggelheim (Berlin). Wer war sie? Die älteste und zugleich Jüngste durch ihr hohes Alter in dem Reigen der 10 Frauen, die der Germanist Strohmeyr bei Piper bescheibt.

Jüdisches Elternhaus. Russland-Polen-Baltikum war die eigentliche Heimat ihrer Eltern. In der Hoffnung, dass Kerenski es schafft aus dem zaristischen Russland eine bürgerliche Demokratie zu machen. Er hat es nicht geschafft, und nach dem Sieg Lenins kehrt ihr Vater sofort um auf seinem Erkundungs- weg nach Russland und wird mit seiner Frau und Kindern nun endgültig in Genf bleiben, die neue Heimat der Familie Hersch in der Schweiz.

Der Traum Heimat Russland oder Polen geht zu Ende mit dem Sieg der Bolschewiki.

Ihre Tochter Jeanne kommt am 23. Juli 1910 zur Welt. In einem gut bürgerlichen Elternhaus.

Sie hätte Pianistin werden können, aber nach dem Abitur 1928 beginnt sie in ihrer Heimatstadt Literaturwissenschaften zu studieren, um schon nach einem Jahr nach Heidelberg zu gehen, um bei Karl Jaspers philosophische Vorlesungen zu hören. Die deutsche Philosophie scheint es ihr angetan zu haben, obwohl ihre Deutschkenntnisse so sind, dass ohne einen Kommilitonen, der gleichermaßen deutsch und französisch spricht, ein wirkliches Verstehen in dieser Zeit kaum möglich gewesen wäre. Eigentlich hat Prof. Jaspers sie in seinem Amtszimmer abgelehnt, als sie kommt und ihn bittet, trotz mangelnder Deutsch-und Philosophiekenntnisse am HEGEL-SEMINAR teilnehmen zu dürfen. In letzter Sekunde rief er ihr hinterher: „Dann kommen sie eben!“- später ist sie Vorsitzende der Karl-Jaspers-Stiftung und übersetzt seine Werke in‘ s Französische.

Sie weiß, was STAUNEN ist und BEGEGNUNG heißt. Sie ist begabt. Über ihre Zeit in Deutschland, als die NSDAP stärkste politische Kraft wurde und 1933 Hitler die Macht ergriff schreibt sie später ein Buch „BEGEGNUNG“, in der sie verarbeitet, was sie umtreibt: Das schlechte Gewissen, dass im Elfenbeinturm der Reinen Lehre es sich so gut reden läßt, wo andere eingesperrt werden, weil sie etwas sagen. Das Ausblenden der Wirklichkeit um sie herum. In einer Zeit, wo deutsche Jüdinnen und Juden schon nicht mehr deutsche Universitäten besuchen dürfen. Sie selber ist ja Ausländerin, die das (noch) nicht betrifft…

…bis zu einem nationalsozialistischen Martyrertag (Albert Leo Schlageter) der Rektor der Universität Heidelberg ein paar Worte sagt, eine Rede hält.

Nach dem Lied:“…wenn das Judenblut vom Messer spritzt, dann geht’s noch mal so gut…“

Der Rektor hieß Martin Heidegger, der Magier unter den Philosophen, den Jeanne Hersch unbedingt hören wollte, nachdem sie 1931 ihr Staatsexamen mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit in Genf absolvierte und in Paris ein Nachdiplomstudienjahr angehängt hatte.

1936 erscheint ihr erstes Buch: Die Illusion – der Weg der Philosophie.

Warum beschreibe ich den Weg dieser Frau bis dahin. Weil sie Bildung ernst genommen hat. Ob als Begleiterin und Privatlehrerin. Sie hält laufende Vorträge zur Geschichte der Philosophie im Rundfunk und ist mit Unterbrechungen in Südamerika und Nordafrika an der ECOL INTERNATIONALE Lehrerin (von 1933 bis 1956) und gibt Französisch, Latein und Philosophie.

Ihre Dissertation Sein und Form (L’etre et la forme) als Schlüssel zur akademischen Karriere an der Universität Genf.

Ordentliche Professorin von 1962 bis zur Emeritierung 1977. Gastsemester weltweit, Direktorin der Abteilung Philosophie der UNESCO in Paris von 1966 bis 1968 (Das Recht ein Mensch zu sein, Aufsätze).

Bei Karl Jaspers hat sie KOMMUNIKATION gelernt. Verstehen gelernt, was er damit meint und jetzt auch sie. Sie bleibt immer im Gespräch mit ihren Schülern und Schülerinnen.

Einen Satz bitte ich zu behalten: Das Geheimnis des Menschen besteht darin, wie er FREIHEIT UND VERANTWORTUNG in Verbindung hinbekommt. Letztlich ist sie nahe Sören Kierkegaard und Bergson. Damit kommt sie für mich auch sehr nahe an einen Theologen, der in der DDR begonnen hat und im Westen zu dem Eberhard Jüngel geworden ist, den viele verehren und zitieren oder sich mit ihm auseinandersetzen: Gott als Geheimnis der Welt.

JEANNE HERSCH war überzeugte Sozialdemokratin vom „Bündnis“ her, dass ihr Vater gegründet hat, um Russen und Polen nicht nur in der Schweiz zu „bündeln“ in ihrem Anliegen und Durst nach Gerechtigkeit und Aufklärung. Nicht mit dem Ziel auszuwandern nach ZION, sondern in dem Europa des 20. Jahrhunderts.

Zionismus war nicht, sondern Existenz hier und jetzt.

Da Stichwort FREIHEIT hat sie mit Hannah Arendt gemein, bringt sie in Position zu Sartre und wird ergiebig in dem fortlaufenden internationalen Gespräch diesseits und jenseits des Atlantiks, in dem sie den Begriff der Kommunikation fruchtbar macht.

Daher das sympathische Offenhalten der Dinge und Aufrechterhalten! Freiheit und Recht, Demokratie und Macht, Tradition und Spontaneität werden in ein solches Verhältnis gebracht, dass es nicht leere Worthülsen werden oder Absurditäten erzeugen, sondern als lebendige Bausteine helfen, die Welt nach dem 2. Weltkrieg aufzubauen. Sie hat dafür segensreiche Ämter übertragen bekommen, besonders die Arbeit im Rahmen der UN hat ihr das Echo gebracht, auf dass sie so gehofft hatte: Dass der Frieden kein Friedhofsfrieden wird, sondern ein Gespräch zwischen den Generationen.

Keineswegs sollte dabei die Wahrheit zu kurz kommen – um des lieben Friedens willen – und wurde nicht ausgeblendet. Das durfte nicht sein. Sie wusste es aus eigener Erfahrung, nachdem sie Philosophie und das Grauen, welches sie erlebte bei einer Feierstunde in der Heidelberger Universität anläßlich des Todestages eines Terroristen in der nationalsozialistischen Bewegung, nicht mehr fein säuberlich trennen konnte, sondern gezwungen war, zusammenzuschauen.

Sie spürte, was da auf sie zukommen musste. Die Macht der Mehrheit. Sie war die Minderheit. Auf der Straße der Judenhass und sie mit ihrer Liebe zu Erkenntnis und Freiheit. In ihrem Roman „BEGEGNUNG“ versucht sie emotional diese Erlebnisse in Erfahrung umzumünzen, die sie tragen und nicht zerstören. „Freiheit ist nicht nur ohne Verantwortung undenkbar, sie existiert auch nicht ohne Wahrheit.“ (Armin Strohmeyr in seinem Buch „Große Philosophinnen“, dem ich das Bekanntwerden mit JEAN HERSCH verdanke).

Das mag der Grund sein, weshalb sie grundsätzlich nicht ablehnend war gegenüber Christlicher Lehre und Dogmatik, sondern sehr wohl um den Charakter der Sukzessive wußte und ihrer bewahrenden Kraft. Besonders die Römisch-Katholische Kirche hat sie nicht als Gegnerin verstanden, sondern als Partnerin. Gerade in der jüngeren Zeitgeschichte, in der sie viel Unsinn entdeckte wegen Übertreibungen, die ihrem Verständnis von Freiheit nicht gerecht wurden, wohl aber in der Lage waren und sind, sie zu kompromittieren.

Die Herkunft ihrer Familie hat sie vor Extremen bewahrt. Der Schrecken und die Heimsuchung, die Vernichtung ihres Volkes haben sie gelehrt, dass es Macht geben muss. Staat und Ordnungen. Gute Mächte, weil es das Böse gibt.

Sie mußte regelrecht um Vergebung bitten, dass es ihr so gut ging während die Familie ihrer Mutter in Polen umgebracht wurde.

Sie war keine gläubige Jüdin und auch keine bekennende Christin wie Simone Weil oder Edith Stein und andere. Aber mein Eindruck ist, dass sie wußte, dass „alles gut war“. Eben die Schöpfung durch die Liebe Gottes. Das hat sie aufrecht erhalten gegenüber dem NICHTS Sartres oder den Verführungen einer totalitären auch sozialistischen Ideologie. „Der Mensch kann der Aufgabe, frei zu sein, nicht entgehen.“ Ihr Credo und ihr Einspruch. Bei allen Enthaltungen im Alter, wenn es zu unsinnig wurde, protestierte sie.

Menschenbild war ihr am liebsten, wenn sie es gesehen hat. In der Kunst. Und auch in der Religion. Das Gottesbild hat sie dabei stehen gelassen und nicht etwa von irgendeinem Sockel gestürzt, den es ja gar nicht gab. Sie war keine Bilderstürmerin, sondern sie wusste um die Bedeutung der Kunst als Vermittlerin. Auch in der Frage nach der Transzendenz, glaube ich herausgehört zu haben.

Ohne Kontinuität und Überhöhung fehlt die entscheidende Dimension. Die THEOREIA(griechisch). Die Schau. Weil die Praxis, das SOZIALE gestemmt werden muss.

Es bleibt sein – des Menschen – Geheimnis, wie er es schafft im Gespräch mit Andersdenkenden und Gleichgesinnten dies in Einklang zu bringen: Freiheit und Verantwortung. Letztendlich nur in einer Transzendenz, zu der er verpflichtet ist. AMEN kann man hierzu nicht sagen. Aber DANKE JEANNE HERSCH für den aufrechten Gang in aller Freiheit. Und aller mühseligen Verantwortung.

Berlin-Müggelheim 24.10.2024

Weitere Titel der Jeanne Hersch:Die Ideologien und die Wirklichkeit; Das philosophische Staunen; Der Feind heißt Nihilismus;

Tagebuch

Beim ersten Durchlesen der Texte, die zum kommenden Sonntag zur Auswahl stehen bzw. als Lesungen und Predigttextvorschlag zur Verfügung stehen mache ich mir zuerst bewußt: SONNTAG.

Auf den SONNTA GEHST DU ZU.

SONNE.

CHRISTUS DIE SONNE

Sei gegrüßt Herr Jesus, der Tag ohne Abend bist Du.

Ohne Abend?

Schrecklich.

Wo ist die Bergung der Nacht?

Nein – wo Finsternis LICHT ist. Sei gegrüßt Herr Jesus, der Tag ohne Abend bist Du.

Dann BOSKRESENIE. Das ist russisch und heißt auf deutsch Sonntag, richtig übersetzt AFUERSTEHUNG. Wir feiern jeden Sonntag die Aufersteheung des HERRN.

Und nun die Texte.

Fangen wir an wie die Bibel; wie die jüdisch christliche Tradition sich auch biblisch darstellt in diesen Lesungen zu diesem Sonntag: Mit Jakob. Der die Leiter zum Himmel träumt und schwört: Wenn ich wiederkomme und alles ist gut, sollst Du mein Herr sein und bleiben, Gott, den ich geträumt habe oben am Ende der Leiter in den HIMMEL. Du sollst der Gott Jakobs werden wie Du der Gott meines Vaters Isaacks warst und Du Abraham den BUND geschworen hast. Eine schöne Geschichte für Kinder in der CHRISTENLEHRE. Und für Erwachsene, die träumen können und wollen, aber mit einem Ergebnis. Hier richtet auf alle Fälle schon `mal einer einen Stein auf, auf dem er gelegen hat. Ein Kopfkissen der besonderen Art. Der Flüchtling, der Listige im Stammbaum JESU.

„Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil“ (Evangelisches Gesangbuch 202, 2) können wir singen mit Paul Gerhardt in dem Gottesdienst am 14.Sonntag in der Trinitatiszeit, der Zeit der Fülle. Ja, trotzdem: Jakob, der dienen muß und wieder kommt, um sich zu versöhnen mit seiner Familie.

Nimm und lies 1 Mose 28 10-22 und folgend.

Dann RÖMER PAULUS 8 14 -17 und folgend, wenn du magst.

WIR SIND GOTTES KINDER.

Welche der Geist Gottes treibt.

Ein anderer Brief, der an die TESSALONICHER PAULUS 5 14-24 soll der Predigt dienen, oder besser umgekehrt:der Prediger dient diesem Zeugnis der Heiligen Schrift und damit dem Aufbau und dem Haushalt der Gemeinde. Der geistlichen Ökonomie.Oikos – das Haus.

Wir werden noch darauf zurück kommen.

Und das Evangelium?

Die frohe Botschaft?

LUKAS 17 11-19: Jesus heilt die zehn Aussätzigen, die ihm begegnen und wundert sich, daß nur einer zurück kommt zu ihm, nachdem sie sich gezeigt haben und bestätigt bekamen, daß sie gesund sind.

„Wo sind die neun?“- Unser Wochenlied EG 333 antwortet darauf in einem herrlichen Gesang des Dankes.

Und der Psalm 146 EG 757.

Und dann predigen?

Ja.

Die Haustafel

Der Apostel schreibt einen 1. Brief an die Gemeinde in Tessaloniki – vielleicht ist schon einmal jemand von Ihnen dorthin geflogen.

Ich schon, mit einem Freund, um auf dem Berg ATHOS, der griechischen Mönchsrepublik, zu wandern und Herberge zu suchen bei den Brüdern auf dem Gebirge, dem Zentrum der Orthodoxie.

In der Nähe ist Alexander der Große, einer der Weltherrrscher der Antike geboren worden und andere Größen des Altertums.

Wie Aristoteles.

Es ist dort sehr schön: die Klöster, das Meer, die Bäume, die Wege auf halber Höhe und ganz oben.

Und heiß.

Jedenfalls im Sommer.

Du mußt die Treppen steigen oder dich tragen lassen von den Maultieren auf den Wegen neben den Treppen mit den vielen Windungen und eine Wasserflasche bei Dir tragen. Bis du oben bist in dem Begrüßungskloster.

Die Gemeinde in Tessaloniki hat einen guten Ruf in der jungen Christenheit.

Paulus weiß das und ist stolz auf sie. Er erinnert noch einmal daran, was den christlichen Glauben ausmacht, er erinnert an das Bekenntnis des Glaubens, an den Unsinn des Glaubens, wenn er keiner ist und die Auferstehung des HERRN leugnet, die Leben bedeutet für uns alle. Für die junge Kirche und die alte Kirche und Gemeinde provoziert. Christliche Gemeinde.

Aber neben dem Impuls braucht es die Ordnung, die Regel. Auferbauung der Gemeinde ist wie ein Haus bauen. OIKOS bauen. OIKOS ist das Haus und gleichzeitig der Haushalt. Deshalb die Regeln, die Hausordnung, um das Haus in Ordnung zu halten, zu erhalten. Es ist wie Neuschöpfung, die nicht zersört werden darf durch Unachtsamkeit.

Nach den großen Antworten des Apostels und Lehrer der Völker zu den Fragen von Tod und Leben, Zeit und Ewigkeit, Geduld und Zorn beendet Paulus seinen Brief mit der Bitte, ihn doch ja auch vorzulesen in den Gemeinden, damit sie es alle hören, um was es wirklich geht und hängt im Haus des Glaubens – sozusagen in dem Bereich, wo man ein – und ausgeht – die goldenen Regel des Zusammenlebens für Jung und Alt, Fortgeschrittenen und Hinterhergebliebenen, Mann und Frau, gebildet und ungebildet, alleinstehend und verheiratet, geduldig und ungeduldig sichtbar für jeden an diese geeignete Stelle.

Da eben, wo der Haussegen hängt.

Und der soll nicht schief hängen in dem Gemeinde – Haus.

„Seid allezeit fröhlich betet ohne Unterlaß, seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.

Den Geist dämpft nicht.

Prophetische Rede verachtet nicht.

Prüft aber alles und das Gute behaltet.

Meidet das Böse in jeder Gestalt.

Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.

Treu ist er, der euch ruft; er wird es auch tun.“

Euch segnen!

Euch bewahren!

Euch heiligen:Leib, Seele und Geist! Gerade auch in Zeiten der Krise, des Aufbruchs und des Abbruches.

Das gilt nicht nur für die Gemeinde damals, sondern genau so heute.

„Aber wir wissen doch, welch schöne Theorie das ist.“

„Oder nicht?“

„Ja, doch. „

Aber es kann und soll trotzdem immer wieder nicht nur schöne Theorie bleiben und Christus damit der Lächerlichkeit preis gegeben werden, sondern lebendige Wirklichkeit unter uns, um Christus zu verherrlichen.

Die so genannten Haustafeln zum Schluß der Briefe meinen die Früchte des Glaubens, die uns satt machen und stark zur Verwirklichung der Projekte – wie wir heute sagen- die uns Sinn geben und Menschen neugierig machen auf das, was die Kirche Jesu Christi tut in der Welt.

Ohne Glauben wären es gutgemeinte moralische Überlegungen.

Das Geheimnis des Glaubens und der Kraft zum Tun aber ist das Gebet.

Ohne Unterlaß bedeutet nicht eine ewige Büßerhaltung.

Nein, ganz und gar nicht, sondern eine Haltung des Empfangens und des Gebens. Daher die Fröhlichkeit. Das ist ganz und gar nicht ein Widerspruch, sondern das eine ist des anderen Bedingung zur die Heiterkeit, Gelassenheit und DANKBARKEIT.

Dankbarkeit für den Regen, wenn alle meckern wegen des Urlaubs, ja, Dankbarkeit für alles was uns umgibt und uns Schöneheit schenkt. Ja, die Möglichkeit alles umzudrehen und das, was wir haben als geschenkt ansehen zu können. Das wäre Heilung im gesellschaftlichen Zusammenspiel.

Mindestens erst einmal innerhalb der Gemeinde Jesu.

Als Erprobungsraum.

Mit Gott sind dabei allerdings auch wir gefragt in der Nachfolge Jesu, damit das Haus des Glaubens heil bleibt und die Geschichte jedes Menschen zu einer Heilsgeschichte werden kann in der Gnade und Barmherzigkeit unsere Herrn und Heilandes Jesu Christi.

Gebet auf dem Weg

Herr, ich habe Lust am Gesetz des Herrn. Und wenn ich sie nicht habe, dann schenke sie mir doch bitte. Auf dem Fluchtweg des JAKOB bitten wir mit allen Vätern: Gib uns, dass wir den Sinn der Leiter in den Himmel erkennen und uns nicht verlieren in unseren Träumen und Visionen.

Und daß ich vernünftige Gottesdienste feiern kann, die mir helfen, Spielregeln einzuhalten und andere nicht zu verletzten. In Gemeinde und Kirche. Daß ich wieder zurück finde zu dir HERR.

Nicht nur Weltreisen, sondern Heimkehr zu dir HERR werden mich retten, Herr.

AMEN

Simone Weil

Vortrag von Margard Wohlfarth, Kulturamtsleiterin in Altenburg/Thüringen 2002

BLOG-Redaktion: Pfr.i.R. Michael Wohlfarth, Berlin

Simone Weil – Vortrag und Gespräch von Margard Wohlfarth, Kultur-und Theaterwissenschaftlerin, anläßlich einer Ausstellung im Spalatingymnasium Altenburg 2002 im 2. Jahr des Bestehens dieser Schule. Gegr. Von Birgit Kriesche (Pädagogin) und Michael Wohlfarth (Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen) und vielen Anderen.

Name der Ausstellung (Friedensbibliothek Berlin):“Die gefährlichste Krankheit ist die Entwurzelung.“(Simone Weil)

Sie ist auch heute abzurufen in der Friedensbibliothek Berlin (Antikriegsmuseum). In Chemnitz wurde sie kurz nach dem Einmarsch der Truppen der russischen Förderativen Republik in die Ukraine gezeigt – anläßlich eines Friedensforums.

Vortrag und Gespräch, Leitung Mi Wo.

Vertretung Michael Wohlfarth

„Wiederholt“ in der Kirchengemeinde Köpenick/Martin-Luther- Kapelle am Mo d.14. 10. 2024 wegen Unpässlichkeit der Verfasserin.

Nach dem Ernte-Dank-Lied „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land“ von Matthias Claudius Begrüßung durch die Leiterin des Gesprächskreises.

Übergabe des Wortes an mich: „Danke für die Einladung meiner Frau in Ihren Kreis und herzliche Grüße von ihr. Aber sie hat mich gebeten, ihren Vortrag, den sie vor über 20 Jahren im Spalatingymnasium zu Altenburg vor der dortigen Lehrerschaft gehalten hat, vorzutragen und bittet um Entschuldigung wegen ihrer Nicht-Teilnahme. Sie ist in Fürbitte bei uns“.

Text der Rede

„Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. – Dieses Gebet enthält alle je möglichen Bitten. Man kann kein Gebet ersinnen,das nicht schon darin beschlossen wäre. Es ist unmöglich, es einmal zu sprechenund dabei auf jedes Wort die ganze Aufmerksamkeit zu richten, ohne daß in derSeele eine vielleicht unendlich kleine, aber tatsächliche Veränderung bewirkt wird,- so kommentiert Simone Weil das Gebet Jesu, unser Gebet.

Wir haben uns heute versammelt, um uns eine Ausstellung zu erschließen, die wundervolle Fotos enthält, die die ganze Welt, alles Leben umfassend darstellen –Landschaften, Menschen etc. – in großer Eindrücklichkeit und Schönheit bei allemRealismus, bei aller kritischen Distanz unmittelbar den ganzen Kosmos derSchöpfung ausschreiten. Sie zeigen Gutes und Böses, Freude und Unglück.

Es sind Fotos bekannter Fotografen aus dem vergangenen Jahrhundert.Sie umschließen Texte von großer Bedeutsamkeit, Gedanken, Zitate, Aufzeichnungen einer bedeutenden Denkerin, Philosophin – Simone Weil.

Ich weiß nicht, ob Ihnen der Name schon einmal begegnet ist:an der Berliner Humboldt-Universität kam er nicht vor. Natürlich hätte ich auf ihn treffen können bei kritischer Beschäftigung mit bürgerlichen Philosophen,mit Häretikern der marxistischen Ideologie, oder denen, die nicht so recht einzuordnenwaren wie z.B. Walter Benjamin. Der war auch Jude und auch schon tot aber er hattenicht den Makel, ein Mystiker zu sein, wie Simone Weil eine Mystikerin wurde und war…. Simone Weil gehört zu den bedeutenden jüdischen Philosophinnen des ausgehendenJahrtausends neben Rosa Luxemburg ( 1871 geboren), Edith Stein (1891 geboren) undHannah Arendt (1906 geboren).Von Rosa Luxemburg wissen die DDR-Leute wohl alle etwas. Sie war auch so ein Geheimtip unter den Philosophikern und Ästhetikern im Osten und eine Leitfigur der Neuen Linkenim Westen. – Von Edith Stein haben sicher weniger gehört. Sie war Mitarbeiterin des Phänomenologen Edmund Husserl, trat schließlich in den Orden der Unbeschuhten Karmeliterinnen ein, wo sie ihre „Kreuzeswissenschaft“ schrieb, und wurde als Nonne am 2. August 1942 aus dem Echter Karmel – sie war mit ihrer Schwester Rosa nach der Reichskristallnacht aus Sicherheitsgründen von Köln in die Tochtergründung übergesiedelt – deportiert und starb eine Woche darauf in Auschwitz. – Die Heidegger-Schülerin Hannah Arendt (geb. 1906) überlebte in den USA und hat bis zu ihrem Tode 1975 ein umfangreichesphilosophisches Werk verfaßt, das allgemeine Beachtung findet.

Keine der drei Frauen hatte eine rein akademische Laufbahn gewählt. Rosa Luxemburg war vor allem Politikerin. Edith Stein hatte der wissenschaftlichen Arbeit im säkularen Bereich entsagt. Hannah Arendt hatte sich in der Zeit des Dritten Reiches der zionistischen Bewegunggeöffnet und engagierte sich im Widerstand, beschäftigte sich folgerichtig später mit politischer Philosophie, schrieb u.a. über den Eichmann – Prozeß mit dem Untertitel „Über die Banalität des Bösen“. Stein und Arendt waren einem systematischen Philosophieren verpflichtet. –

Wer war Simone Weil?

Sie wurde 1909 geboren – die Jüngste von den Vieren also. Um die Zeit zu verstehen und richtig einzuordnen muß ich mir klarmachen, daß es das Geburtsjahr meiner Mutter ist …. Simone Weil starb mit 34 Jahren. Ihr Leben war erschreckend kurz. Es gab keineKarriere, nicht mal eine abgebrochene wie bei Edith Stein. Eigentlich war Simone Weil„nur“ Lehrerin, Gymnasiallehrerin an verschiedenen staatlichen französischen Schulen, also Beamtin, bekommt Schwierigkeiten, weil sie sich intensivst gewerkschaftlich engagiert, weil sie ungewöhnliche Formen des Unterrichts bevorzugt. – Deshalb gehört diese Ausstellung zweifellos in eine Schule…Ein kurzes, ungewöhnliches Leben, eine ungewöhnliche Biographie, ein ungewöhnliches Gottes-, Welt- und Menschenbild, um die Anliegen der Evangelischen Erwachsenenbildung ins Spiel zu bringen. Ich bin ihrem Namen übrigens erstmals begegnet in unserem neuen Evangelischen Gesang-Buch. Ein Zitat: s.o. – Dann war ich voriges Jahr in Berlin und fand die Information über diese Ausstellung in Form des Zettelpacks mit allen Zitaten aus ihren Schriften, die in der Ausstellung zu lesen sind und dachte, wir müßtendie hier zeigen für uns und andere. Der Begriff der „Entwurzelung“ als Krankheit der menschlichen Seele hatte uns schon – anders gefasst und ohne Kenntnis ihres Ansatzes –in den Jahren des Totalitarismus beschäftigt, den Simone Weil genauso haarscharf geißeltewie die proletarisierende Wirkung des Geldes andererseits. Hinzu kommt, dass das Motto unserer Schule, der 1. Psalm, thematisiert, wie der Entwurzelung zu widerstehen ist, genau im Sinne der Weil. Aber das haben wir dann erst bei der Eröffnung der Ausstellung am 1. September entdeckt!

Ungewöhnliche Pädagogik im Bewusstsein, dass es um mehr gehen muss als um Wissens-Vermittlung und um Erziehung, nämlich um Bildung im weiteren Sinne wurde am Donnerstag an den Schulprojekten Bernhard August von Lindenaus durch Frau Dr. Titz-Matuszak vorgeführt, kompetent und schöpfend aus umfassender Kenntnis der Lindenauschen Biographie. Es tut mir leid, sagen zu müssen, dass ich nicht in der Lage bin, über Simone Weil mit der gleichen Souveränität Auskunft geben zu können, weil ich erst begonnen habe, mich hineinzulesen in ihre Schriften, soweit sie mir im Moment zugänglich waren. Sie wurde in Paris geboren in einer jüdischen Familie, die sich total assimiliert hatte, obwohl die Mutter aus Russland (Rostow am Don) stammte. Aber gerade deren Eltern waren schon Freidenker gewesen. Simone Weil stand der jüdischen Tradition fremd, ja sogar feind-selig gegenüber. Im übrigen ist der Name Weil im Jüdischen so häufig wie der Name Müller im Deutschen. Er führt sich offensichtlich zurück auf Weil der Stadt, so dass ich um Nachsicht bitte, wenn ich den Namen deutsch ausspreche. – Sie wuchs im Pariser Arzthaushalt auf zusammen mit dem drei Jahre älteren Bruder André, der wie sie eine absolute Begabung für Mathematik hatte und diese auch ausbildete. Der Familiensinn war stark ausgeprägt, die Erziehung vorbildlich in einem rein humanistischen Sinne – kein Altes Testament, kein Evangelium, aber die antike Welt und die Märchen mit ihrer klaren Unterscheidung von Gut und Böse „verwurzeln“sich in ihr. Simone ist wieder Bruder ungewöhnlich begabt und schwierig. „Was ihre Professoren beeindruckte, war nicht sosehr das Niveau ihrer Arbeiten als ihre ungewöhnliche Persönlichkeit. Es war unmöglich , von ihrem Charakter nicht beeindruckt zu sein: dieses zwingende Bedürfnis, die Wahrheit zu suchen und sie, wenn sie gefunden war, mit unerschütterlichem Mut auszusprechen, dieses energische Zurückweisen jeden Kompromisses, in kleinen wie in großen Dingen.“ (Cabaud)

Nach Ablegen des Baccalauréats in Philosophie tritt sie in das LycéeHenri IV ein. Das ist eine Mittelschule! Dort setzt sie ihr Philosophiestudium fort bei Émile Chartier, bekannt unter dem Pseudonym „Alain“, dessen Unterricht in der freien Interpretation der großen Denker bestand(Plato, Descartes, Kant, Hegel). „Es kam ihm nicht darauf an, deren doktrinäre Gegensätze zu betonen, sondern die Leben gebende Substanz jedes Denkers zum Ausdruck zu bringen.“ (Cabaud). Diese Methode versucht Weil später selbst zu verwirklichen. Alain gibt die Grundlegung in allem . Bei ihm beginnt die Beschäftigung Weils mit marxistischen, sozialistischen und gewerkschaftlichen Ideen und ihre Positionssuche im Bereich der Religion. Dazu später mehr. Alain will und kann wohl eines: seine Schüler ermutigen ihren eigenen Weg zu gehen und sie dann auch entlassen. Weil tritt 1928 in die École Normale Supérieure ein, die staatliche Ausbildungsanstalt für Gymnasiallehrer. Sie ist eine der vier ersten Frauen, die hier studieren dürfen. Als Studentin gibt sie sich nonkonformistisch, blau strümpfisch, arrogant und radikal. Sie veröffentlicht auf Anregung Alains erste schwerverständliche Artikel, betätigt sich „praktisch“, indem sie Rugby spielt, um ihren Körper zu trainieren, trägt dabei eine chronische Stirnhöhlenentzündung davon,die ihr ganzes weiteres Leben durch schwerste Kopfschmerzen prägt. Sie beginnt, sich aktiv politisch in der Gewerkschaftsbewegung zu betätigen, unterrichtet Arbeiter in einer Art Volkshochschule und verwirklicht und entwickelt dabei Ideen, die auch in der Ausstellung zur Ausprägung kommen.

Das tut sie auch weiter in Le Puy im Département Haute-Loire, wo sie ihre erste Anstellung erhielt. „Ihre pädagogische Begabung grenzte ans Märchenhafte“, schreibt ihr Freund undBiograph Gustave Thibon. „Wenn sie auch die Bildungsmöglichkeiten bei jedermann gern überschätzte, so verstand sie doch, sich jeder Bildungsstufe anzupassen, und ihrem Schüler was auch immer beizubringen.“

Aber ihre Beteiligung an antimilitaristischen und pazifistischen anarchistischen Aktionen stempelt sie zur „Vièrge rouge“ –ähnlich wie ehemals Rosa Luxemburg. Sie tritt für die Forderungen von Arbeitern und Arbeitslosen beim Bürgermeister und im Stadtrat von Le Puy ein und nimmt an Demonstrationen teil. Sie trägt bei Aufmärschen die rote Fahne voran. Es ist die Zeit der Weltwirtschaftskrise und eminenter Arbeitslosigkeit. Im Hause ihrer Eltern trifft sie Leo Trotzki, mit dem sie sich überwirft, weil sie die UdSSR als totalitären Staat nicht für einen Arbeiterstaat hält. In dem Aufsatz „Gehen wir einer proletarischen Revolution entgegen?“ hat sie hellsichtig die Lage in Deutschland vor der Machtergreifung Hitlers analysiert und schonungslos die großen Parteien in Deutschland beurteilt. Ihre Aktivitäten haben zu mehrfacher Versetzung geführt: 1932 nach Auxerre, 1933 nach Roanne/Loire, 1934 nach Bourges. 1934 versucht sie sich, um die wahre Lage der Arbeiter kennenzulernen, als Hilfsarbeiterin in einer Elektrofirma, führt Protokolle über ihre Tätigkeit, erkrankt, nimmt erneut eine Lohnarbeit an, wird arbeitslos, arbeitet auf einem Bauernhof, schreibt philosophische und politische Texte. Geht 1935 nach Spanien, um aufseiten der Republikaner zu kämpfen, erleidet einen Unfall und versucht nach mehreren Klinikaufenthalten 1937 wieder zu unterrichten, was nicht von Dauer ist. Nach Kriegsausbruch geht sie mit den Eltern über die Demarkationslinie. Sie gehört zur Résistance, schreibt und arbeitet ab und an in der Land-Wirtschaft bis zur Ausreise nach Amerika 1942. Von dort nach England, wo sie wegen Spionage-Verdachtes isoliert wird. Ab Januar 1943 arbeitet sie unter Robert Schumann und Louis Clouson für die Forces de La France Libre und möchte als Partisanin nach Frankreich zurück, was ihr wegen ihres jüdischen Aussehens verweigert werden muß. Sie beschließt dann, nichts zu essen, um so den Hungernden in Frankreich nahe zu sein. Vorher hat sie die Hälfte Ihrer Lebensmittelration für ihre Landsleute abgegeben. Im April Einlieferung in ein Londoner Krankenhaus. Feststellung von Lungentuberkulose. Sie stirbt am 24. August 1943 an Herzmuskelschwäche und Auszehrung. Ab 1947 beginnt die Herausgabe ihrer Schriften.Wie ist diese scheinbar chaotische Biographie in Einklang zu bringen mit dem vorhin mitgeteilten Zitat? – Wir ahnen, daß es eine ganz andere Seite Simone Weils geben muß. -War sie schizophren oder „verrückt“, wie Charles de Gaulles meinte?

Wir lesen dazu in der Ausstellung:

Ausgespart blieb bei unserer Betrachtung weitgehend die religiöse Dimension, Ihre Spiritualität. – Weil hat eine in die Tiefe gehende Begegnung mit dem Christentum in einem portugiesischen Fischerdorf, erlebte 1937 eine Anrührung in Assisi in der Kapelle Santa Maria degli Angeli, und hat 1938 in der Benediktiner-Abtei von Solennes eine Christus-Begegnung, die alles das, was in ihr angelegt war – sie sagt, sie habe seit frühester Kindheit den christlichen Begriff der Nächstenliebe gehabt, dem sie den Namen der Gerechtigkeit gab, wie an mehreren Stellen des Evangeliums, und der so schön ist; und sie sagt, der Begriff der Reinheit, mit allem, was dieses Wort für den Christen in sich enthalten kann, habe sich ihrer mit sechzehn Jahren bemächtigt – zweifelsfrei auf Christus hin entfaltete. Ihre Theologie des Kreuzes ist der Angelpunkt aller Überlegungen, die sich auch in dieser Ausstellung finden. Dabei war ihre totale Hingabe ihres Ichs an den Gekreuzigten (keineswegs eine Hingabe an die Kirche) kein Hinderungsgrund für ihre politische Arbeit. Im Gegenteil!

Wir müssen vielmehr alle Äußerungen – auch in der Ausstellung – vor dieser Folie sehen.

Simone Weils philosophisches Werk ist am ehesten der Existenzphilosophie zuzuordnen,am meisten spirituell Sören Kierkegaard verwandt, den Simone Weil vermutlich gar nicht kannte . Kierkegaard unterschied angesichts der aufkommenden Moderne (Technik, Zivilisation, Medien etc.) ästhetische, ethische und religiöse Existenz .Die religiöse Existenz ist für Weil wesensmäßig Grundlage ihres eigenen Denkens und Handelns aber auch ihre Forderung an die Gesellschaft: „Das Höchste ist nicht, das Höchste zu verstehen, sondern es tun“ , sagt Kierkegaard in den Tagebüchern. Dementsprechend hoch und radikal sind z.B. ihre ethischen Anforderungen an Politiker. Das werden wir im ersten Teil der Ausstellung sehen,wo es um die Bedürfnisse der menschlichen Seele geht. – Das Höchste tun, beten, ohne Bedingungen zu stellen und auf Gott warten unter Furcht und Zittern, ob er uns vielleicht trotz allem liebt! Weil sieht sich selbst als Närrin in Christo. Becketts „Warten auf Godot“ ist für mich da eine Verstehensbrücke. – Sie war übrigens ein fröhlicher Mensch!

Weil denkt nicht in Kategorien der Logik, der Soziologie, der Psychologie, auch nicht philosophisch systematisch sondern in Paradoxa. Thibon, Freund und Herausgeber ihrer „Cahiers“ hat einen Katalog von Merkworten aufgemacht, die ihre Notizen umkreisen: Schwerkraft und Gnade – Leere und Ausgleichung – Hinnahme der Leere – Ablösung – Verdrängung der Leere durch Einbildungen – Verzicht auf Zeit – Begehren ohne Gegenstand – Das Ich – Entschaffung – Auslöschung – Notwendigkeit und Gehorsam – Täuschungen – Götzendienst – Liebe – das Böse – das Unglück – Die Gewalt – Das Kreuz – Waage und Hebel – Das Unmögliche – Widerspruch – Der Abstand zwischen dem Notwendigen und dem Guten – Zufall – Der Atheismus als Läuterung – Die Aufmerksamkeit und der Wille – Dressur – Vernunfteinsicht und Gnade – Der Ring des Gyges – Der Sinn des Universums – Metaxy – Schönheit – Algebra – Der soziale Buchstabe – Das große Tier – Israel – Die soziale Harmonie – Mystik der Arbeit.

Das Anliegen der Aussteller aus Berlin (Umfeld ZIONSKIRCHE): Entwurzelung. Dieser Begriff mußte sofort faszinieren gerade heute in unserer Situation wieder, gerade auch Lehrer. Lassen Sie mich vollständig zitieren: „Die E. ist bei weitem die gefährlichste Krankheit der menschlichen Gesellschaft, weil sie sich selbst vervielfältigt. Einmal wirklich entwurzelte Wesen … verfallen entweder einer seelischen Trägheit, die fast dem Tode gleichkommt, oder sie stürzen sich in eine hemmungslose Aktivität, die bestrebt ist, auch diejenigen zu entwurzeln, die es noch nicht oder erst teilweise sind.“ Wir werden erinnert an den Marxschen Begriff der Entfremdung und an den psychologischen Begriff der Diskontinuität bei Max Picard. (Picard sagt, daß früher die Kontinuität die Struktur des Einzelnen und der Welt war im Gegensatz zu heute.). –

Als Zuarbeit zu einer künftigen Verfassung Nachkriegs-Frankreichs formuliert Weileine „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“ als Gegenentwurf zur FranzösischenRevolution mit ihrem Menschenrechtsbegriff, der auf dem Naturrecht fußte. Vorrang vor demRecht habe die Verpflichtung, die nicht auf zufälligen Situationen oder x-beliebigen gesellschaftlichen Spielregeln beruht, sondern ausgeht von den Bedürfnissen der menschlichen Seele (so titelt auch der erste Teil der Ausstellung). Diesen Bedürfnissen wird nicht entsprochen, indem man schrankenlose Freiheit postuliert. Vielmehr tun sich Spannungsfelder auf als da sind Gleichheit und Hierarchie, Gehorsam und Freiheit, Wahrheit und Freiheit des Ausdrucks, Einsamkeit und Intimität und zugleich soziales Leben, persönliches und kollektives Eigentum, Strafe und Ehre, Sicherheit und Gefahr. Wir können diesen Katalog jederzeit ergänzen von unseren gegenwärtigen Erkenntnissen her.

Der zweite Teil der Ausstellung zeigt die Ursachen und Ausmaße der Entwurzelung, die sichals Proletarisierung des Menschen darstellt. Der Mensch, mehr oder weniger ausgestattet mit Geld verliert sein menschliches Gesicht, wird zur Verbraucher. Der „König Kunde“ist eine Karikatur des Menschen, eine Neuauflage des Proletariers, der Karl Marx ehemals so mit Mitleid erfüllte, daß er schließlich eine Gesellschaft postulierte, in der die Bedürfnisseder menschlichen Seele per Gesetz verwirklicht werden sollten. Was dann auch Hitler versuchte. (Und Stalin! – d.Red.)

Der Totalitarismus ist die andere Seite der Medaille. Hellsichtig hat Simone Weil erkannt, daß der Sozialismus darauf aus war, den Proletarierstand nicht zu beseitigen, sondern auf die Gesamtheit der Menschheit auszudehnen, d.h. – die Seelen im Namen einer Ideologie zu töten oder gefügig zu machen. Geld, Kollektiv, Meinung, Medien, Mode -, in ihnen dient die Masse Mensch dem Großen Tier, von dem schon in der Offenbarung und in Platons „Politeia“ die Rede ist. Die Entwurzelung mündet im Götzendienst, in knechtischer Gesinnung und ist das größte Unglück, weil es Gut und Böse nicht mehr zuläßt, d.h.es läutert das Böse, indem er das Grauen davor beseitigt. Wer ihm dient, dem scheint nichts mehr böse oder dem darf zumindest nichts mehr böse erscheinen, außer den Verfehlungen im Dienst.“

Teil 3 der Ausstellung: Die Einwurzelung

Folgende Bedürfnisse sind zu erfüllen, damit die menschliche Seele einwurzeln kann in ihren natürlichen Lebensbereichen, die keine Nischen sind, sondern öffentlich und allen zugänglich: das Vaterland, die durch Sprache, Kultur, eine gemeinsame geschichtliche Vergangenheit, durch den Beruf, die Heimat definierten Lebensbereiche. Verbrecherisch ist alles, was ein menschliches Wesen entwurzelt oder es verhindert, Wurzel zu fassen. Kriterien sind Brüderlichkeit, Schönheit, Freude, Glück. –

„Wer auch immer eine gleichviel wie beschaffene Macht – eine politische, administrative, richterliche, ökonomische, technische, geistige oder sonstige Macht ausübt oder auszuüben wünscht, sei gehalten sich zu verpflichten, diese Verpflichtung zur praktischen Regel seines Verhaltens zu nehmen.“

Ich schlage vor, dass Sie die Texte der Weil nicht zu Gegenständen erkenntnistheoretischer Überlegungen machen. Lassen Sie sie durch sich hindurchgehen. Meditation ist hier angesagt, vielleicht eine Betrachtung unter den Aspekten der Bitten des Vaterunsers, das Simone Weil als einzig notwendiges weil von Christus vorgeschlagenes Gebet durch definiert und für sich akzeptiert hat. Und lesen Sie dann vielleicht darüber hinaus das, was hier zugänglich ist.

Die Gefahr besteht, daß man die Texte instrumentalisiert. Z.B. könnte man bestimmte Äußerungen synkretistisch deuten und meinen, Weil wolle die Religionen vermischen – ein beliebter Zug unserer Zeit. Im Grund meint sie doch aber, daß jeder seinen eigenen Christus finden muß aus seiner Tradition. Aber er ist der Weg , die Wahrheit und das Leben. Er ist die Tür. Wohin? – Das Kreuz ist der Ort des Heils und Grund der vollkommenen Freude ohneWissen um die Zukunft, die uns zu entschlüsseln versagt ist. Das Kreuz ist unsere einzigeHoffnung. „Kein Wald bringt solchen Baum hervor, mit dieser Blüte, diesem Laub und dieserFrucht.“ (Crux fidelis, inter omnes/Arbor una nobilis,)/Nulla talem silva profert/Fronde, flore, germine … – Venentius Fortunatus). Nur dadurch wird Einwurzelung letztlich wirklich möglich.

In diesem Sinne noch ein letztes Wort zur Lehrerschaft, ein Hinweis nämlich auf die verwendete Literatur. Ich selbst bin noch lange nicht fertig mit der kleinen Auswahl Weilscher Texte, die ich im Buchhandel erwerben konnte. In der Reihe Klassiker der Meditation bei Benziger ist eine Sammlung wichtiger Schriften erschienen, die ich Ihnen sehr empfehlen möchte. Sie finden da wichtigste Traktate, unter anderen die Studie für eine Erklärung der Pflichten gegen das menschliche Wesen (Anstoß zur Ausstellung) aber vor allem die „Betrachtungen über den rechten Gebrauch des Schulunterrichts und des Studiums in Hinblick auf die Gottesliebe“, entstanden 1942.

Empfehlen möchte ich auch die wirklich gute rowohlt-Monographie von Angelica Krogman“.

Altenburg, d. 16. September 2002

Ende des Vortrages, Gespräch und abschließendes Gebet mit Segen.

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Simone Weil

Zitate über Gott

Zwei Gefangene, deren Zellen nebeneinander liegen, kommunizieren miteinander, indem sie an die Wand klopfen. Die Wand ist das, was sie trennt, aber sie ist auch ihr Kommunikationsmittel. So ist es auch mit uns und Gott. Jede Trennung ist eine Verbindung.“ 

„Nur das Unmögliche ist für Gott möglich. Das Mögliche hat er der Mechanik der Materie und der Autonomie seiner Geschöpfe überlassen.“ „Wir können nur eines über Gott wissen – dass er das ist, was wir nicht sind. Unsere Erbärmlichkeit allein ist ein Bild dafür. Je mehr wir es betrachten, desto mehr betrachten wir ihn.“ 

„Im Verhältnis zu Gott sind wir wie ein Dieb, der in das Haus eines gütigen Hausherrn eingebrochen ist und einen Teil des Goldes behalten durfte. Aus der Sicht des rechtmäßigen Besitzers ist dieses Gold ein Geschenk; aus der Sicht des Einbrechers ist es ein Diebstahl. Er muss gehen und es zurückgeben. So ist es auch mit unserer Existenz. Wir haben ein wenig von Gottes Wesen gestohlen, um es zu unserem zu machen. Gott hat uns ein Geschenk daraus gemacht. Aber wir haben es gestohlen. Wir müssen es zurückgeben.“ 

„Die Welt ist die Sprache Gottes zu uns.“ 

„Wir müssen alle Tatsachen lieben, nicht wegen ihrer Folgen, sondern weil in jeder Tatsache Gott gegenwärtig ist.“ 

„Wenn wir Gott sein Verbrechen gegen uns vergeben, das darin besteht, dass er uns zu endlichen Geschöpfen gemacht hat, wird er uns unser Verbrechen gegen ihn vergeben, das darin besteht, dass wir endliche Geschöpfe sind.“ 

„Wir können keinen einzigen Schritt zum Himmel machen. Es liegt nicht in unserer Macht, uns in vertikaler Richtung fortzubewegen. Wenn wir aber lange in den Himmel schauen, kommt Gott und nimmt uns auf.“ 

„Inmitten des Abgrunds der Verzweiflung leuchtet der Glanz Gottes am hellsten und bietet dem müden Geist Trost und Hoffnung.“ 

„Das Streben nach Gott verkörpert ein Streben nach Bedeutung, ein unerschütterliches Streben nach Transzendenz in einer Welt, die durch materielle Grenzen eingeschränkt ist.“ 

„Wenn wir die Wunder der Schöpfung betrachten, erhaschen wir flüchtige Blicke auf die Großartigkeit von Gottes Kunstfertigkeit, die durch die Jahrhunderte hindurch widerhallt.“ 

„Gott zu begreifen bedeutet, die gesamte Existenz zu umarmen und sich der göttlichen Gegenwart hinzugeben, die sowohl das Innere als auch das Jenseits durchdringt.“ 

„In der Stille der Selbstbeobachtung begegnen wir den geflüsterten Äußerungen Gottes, die durch die Korridore der Seele widerhallen.“ 

„Gottes Liebe ist die ewige Quelle allen Mitleids, die unaufhörlich fließt, um die Herzen der Menschen zu erheben und zu erlösen.“ 

Notiz

Tagebuch

Dienstag d. 1. Oktober. Was tun fürs Vaterland.

Stau, Stau, Stau, immer wieder fällt mir ein: Der Stau.

Kultursenator und Beauftragter STASI Berlin laden zum 1. Oktober ein zu ERINNERN OHNE ZU BELEHREN.

Fremd im eigenen Land. Deutsch. Karl-Marx-Straße, Normannenstraße. Projekt.

Nie angekommen (Brasch)

Da sind wir nun endlich um 1/2 17.00 Uhr leider immer noch Sommerzeit und nicht Normalzeit -wie von der EU versprochen- weggekommen von Müggelheim, unserem Waldort und Wildschwein-Paradies, um uns dann in den Stau zu stürzen: Rush Hour und stundenlang auf der Autobahn stehen zu bleiben. Stop and go. Abschneiden Tempelhof. Noch schlimmer in der Stadt. Verkehrswende. Wieder auf die Bahn und schließlich Abfahrt bis zur SUAREZ Straße Charlottenburg. 15 die Zahl, die wir suchen über den Türeingänge. Endlich mit Zurückfahren.

Ernst-Lammert-Institut. Ziemlich pünktlich. Studentenwohnheim. Einlass. Smarte CDU- Freunde weisen uns und wir sind erstaunt über den Platzmangel, den man uns am Telefon weissmachen wollte und nur mit Hinweis auf Staatssekretäin a.D., Kulturamtsleiterin in Altenburg bekamen wir tatsächlich die digitalen Eintrittkarten zugeschickt. Wie Theater in Pandemie. Alles geblieben. Aber keinesfalls besser als vorher. Wie gesagt die Ränge waren leer. Die zweite Reihe im Seminarraum.

CILAO und Ebert hatten schon Platz genommen. Wir auch. Kurzes Statment über die Lage. Alles gut bis auf AfD und Krieg in Suez/Ukraine.

Erinnern ohne zu belehren. Oktober. 35 Jahre ist das alles her.

Geht das überhaupt. Erinnerungskultur beinhaltet naturgemäß auch lernen, sanftes lernen gewissermaßen.

Demokratiezentrum in der Normannenstraße an Stelle der STASI-Zentrale. Der zentrale Punkt des Gesprächsabends.

Wir sind gespannt. In jeder Hinsicht.

M.W.

Heile Welt

Eine Rezension

Michael Wohlfarths Werk spiegelt – manchmal wie ein Fiebertraum – das Seelenleben und Empfinden eines tief im christlichen Glauben verwurzelten Menschen wider, der im Spannungsfeld der Nachkriegszeit in der DDR seinen eigenen Weg finden musste, der die friedliche Revolution aktiv mit begleitet hat und nach der Wende bis heute seinen kritischen (Weit-) Blick nicht verloren hat.
Wohlfarth ist Pfarrer und gelernter Tischler, arbeitete mit Jugendlichen in der DDR und hinterfragt in seinen Texten stets die Realität, so wie es wohl auch die ihm anvertrauten jungen Menschen stets getan haben.
Leider gibt es auf viele komplizierte Fragen keine einfachen Antworten, wenn es überhaupt solche gibt… Dies gilt sowohl für die Zeit vor als auch nach 1989 und wohl besonders der Wende selbst.
Wohlfarths große Leistung besteht darin, in einer ihm eigenen sehr komplexen, ja gar kafkaesken Lyrik und Metaphorik dem Leser eben nicht einfache Antworten zu liefern, die der Komplexität seiner behandelten Thematik sowieso nicht gerecht werden könnten, sondern vielmehr ein zum Teil beklemmendes und oft vordergründig verwirrendes Gedankengemälde zu erzeugen, bei dessen Betrachtung der Leser zumindest eine Spur von Wohlfarths Gefühlsleben zu ergründen vermag.
Wenn die Leserin oder der Leser sich darauf einlassen, dann nimmt er uns auf steinigem abgründigem Weg mit auf eine Reise in seine Welt, die uns direkt und ungeschminkt eine Ahnung vom Erfahrenen vermittelt.
Und in den darin enthaltenen Gefühlen liegt dann vielleicht auch ein Hauch von Antwort und Verständnis auf all die unverstandenen Fragen, die Ost und West entzweien.
Michael Wohlfarths Text ist somit eine ungeschminkten Analyse eines genauen und authentischen Beobachters, eines gläubigen Menschen und selbst Betroffenen, der es geschafft hat, seine Selbstzeugnisse in einer ihm eigenen komplexen Sprache so zu verfassen, dass die Gefühlsebene des geneigten Lesers direkt erreicht wird:
In aller ungeheuren Absurdität und Banalität des erlebten Lebens, in aller Subjektivität, oft mit Zweifel aber stets mit soviel Stärke und Hoffnung auf das für einen Menschen Wichtige:
Seinen Glauben.

Heile Welt – Berliner Erzählungen im Verlag auf der Warft. Die dazugehörige Rezension hat ein Freund aus dem self- publisher -Verband geschrieben.

Sie ist unbestellt.

Zum 3.Oktober 2024

Gestern am Breitscheidplatz gewesen, wo ich schon oft genug war – eigentlich. Das erste Mal eine Pro-Israel-Demonstration. Schon ziemlich lange her mit Rednern aller Couleurs aus dem Deutschen Bundestag. Vor der Pandemie und vor der Gründung der AfD in Berlin. Ich erinnere mich, wie eine Jüdin aus Russland/Sowjetunion zwei sympathischen Gymnasiastinnen aus Neukölln das Plakat aus der Hand gerissen hat, auf dem stand: Nie wieder Deutschland. So wie ich es gelesen habe auf den Dächern von Friedrichshain als ich das erste Mal nach unserem Umzug von Altenburg nach Müggelheim (Südost-Rand Berlin) auf der Brücke stand/ Warschauer Straße. Ich war erschüttert und habe Anzeige erstattet. Wegen Überlastung und an Hand mehrerer Anzeigen, die in die gleiche Richtung gingen, wurde die Anzeige nicht bearbeitet, wie mir mitgeteilt wurde: Der Regen würde das schon erledigen. Auch wegen dieses Vorganges wusste ich, warum die AfD solchen Zulauf hat und das Geschichtsbewußtsein für sich in Anspruch nimmt. Weil die anderen Parteien geschlafen haben. Nation ist nur gefährlich, wenn sie unterdrückt wird!! Auch im Disput und im Diskurs, der übrigens schon lange nicht mehr stattfindet.

Also gehe ich auf die Straße zum Nationalen Feiertag und komme dort in‘ s Gespräch. Besser als der nichtssagende Rummel, denn ich erlebt habe am Brandenburger Tor. Immer wieder. FRIEDEN und FREIHEIT, um die es da geht angesichts einer sehr ernsten Bedrohung. Von wem auch immer ausgelöst mit aller Geschichte und Vorgeschichte des Krimkrieges, dem DONBASS und der „Spezialoperation Wladimir Putins“, die in Wirklichkeit ein nicht erklärter Krieg ist, den Russland führt mit dem Ziel, die Nato aus der Ukraine heraus zu halten und inzwischen noch viel mehr. Nach zweieinhalb Jahren Zermürbungskrieg, in dem Tausende von Menschen sterben. Völkerrechtlich gesehen ein unerlaubter Angriffskrieg.

Ich laufe vom Breitscheidplatz, wo meine Erzählung: Vom Osten kommend endet in dem Buch HEILE WELT – BERLINER ERZÄHLUNGEN mit dem genialen Cover des Verlages AUF DER WARFT: Eine Grünpflanze kämpft sich durch den Spalt des Betons – bei Jesaja ist es ein Spross am abgehackten Baum. Wenn Sie genau hinschauen: Auf dem Bild ist es Pflaster, nicht Beton. Ich hätte Einspruch einlegen sollen. Pflaster ist zu urgemütlich – wie das alte Berlin. Beton entspricht meiner Wirklichkeit aus der ich komme: Die DDR, die Diktatur des Proletariats nach sowjetischem Muster und mit kommunistischen deutschen Träumen ausgestattet. Unter 46 Jahren sowjetischer Besatzung.

Daher unsere menschliche Nähe zu Russland mit einer Kirche jetzt, in der ein gewaltiges Auferstehungsbild den Raum bestimmt. In der Sowjetunion unvorstellbar. Ich habe dieses Bild verhöhnt gesehen im Internet: „… und das soll den Soldaten wohl die Kraft geben? Ha, ha, ha!“ Sie verhöhnen die Menschen, die glauben. Es ist schlimm. Gerade auch weil ich Matthias Grünewald liebe und sein Bild von der Auferstehung Jesu Christi (als Pestbild).

Ich laufe und laufe unter Trommelklang in einem Fahnenmeer ROT, sogar mit Hammer und Sichel, Schwarz-Rot-Gold mit dem Emblem der DDR, als dem besseren Staat, wie es auf einem Plakat heißt.

Mit vielen hochgehaltenen Schildern unserer Buchstabenwelt: alle Argumente im Austausch in einer Zeit des Krieges und der Inflation, wie der Tagesspiegel schreibt.

Ich laufe mit wegen FRIEDEN MIT RUSSLAND.

Wegen meines Buches „ACH DOSTOJEWSKI“.

WEGEN DER RUSSOPOHBIE die ausgebrochen scheint.

Hoffentlich wollen da nicht einige sich rächen wegen Stalingrad.

Habe ich oft gedacht.

Sie wissen es selber nicht.

Ihre Großväter haben die Panzer gefahren, bis sie im russischen Schlamm steckengeblieben sind.

Wer hat das angerichtet: den Wortbruch.

Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein, weil es Deutsche gibt, die es verdienen, auf sie stolz zu sein. Hans-Dietrich Genscher z.B.. Er hat sein Wort gegeben als Hallenser, damit es zur deutschen Wiedervereinigung kommen konnte: Die NATO wird nicht über die Oder gehen, geschweige über die Weichsel. Die Russen sind abgezogen. Die Amerikaner ganz und gar nicht. RAMSTEIN. Warum wohl gibt es diesen Auflauf? Unter diesem Namen.

Das Wort ist gebrochen worden. Gekauft worden. Verkauft worden. Kein guter Stern für die Wiedervereinigung Deutschlands. Kein guter Stern für die zerfallende Sowjetunion.

Wenn wir von Korrektheit reden, von Recht und Völkerrecht, muss auch und gerade davon gesprochen werden. Über was sonst.

Tagebuch

1.

Landsberg heißt jetzt Gorzow und das Wort Berg kommt auch in dem jetzigen Namen zum Tragen. Die Berge nach Norden hin. Von der Warthe aus gesehen. Landsberg an der Warthe. So steht es in meinem Personalausweis. Stand in der DDR. – Ich dachte immer, ich bin ein Flüchtlingskind. Aber das stimmt nicht. Meine Mutter ist auf Anraten meines Vaters vor meiner Geburt nach Mitteldeutschland gezogen, nach Thüringen, in ein Dorf bei Jena, Kreis Stadtroda: Mörsdorf. Dort war ein Großonkel von mir Pfarrer und in dem Pfarrhaus war noch Platz. Allerdings ist sie dann zurück zu ihren Eltern in die Stadt, in der sie ihre Jugend verbracht hat. Ich bin in einer Privatklinik unweit von der Wohnung meiner Großeltern mütterlicherseits in Landsberg an der Warthe in der Neumark, jetzt Polen, geboren worden.

Nach der Taufe, als der 2. Weltkrieg immer näher kam, fuhr meine Mutter mit mir zurück in ihre Wohnung in Ostthüringen. Meine Großmutter Theodora Arter begleitete uns. Fuhr dann aber zurück zu ihrem kranken Mann Dr. Friedrich Arter, meinem, unserem Großvater mütterlicherseits.

Ich habe noch 7 Geschwister.

Also Gorzow. Das Hotel, um welches es geht, steht in der Nähe der so genannten Freiheitsglocke, gespendet von der AG Landsberg mit der ich auch assoziiert bin. Wir haben zu meinem Geburtstag dort unseren ersten HALT gemacht, als er wir unsere Stadtwanderung unternommen haben in Richtung Warthe und darüber hinaus. Ein großer Platz, auf dem auch die Vereidigungen der Armee vorgenommen werden unter Teilnahme der Bevölkerung. Eine Brigade ist ganz in der Nähe stationiert und legt großen Wert darauf, dass es eine Voksarmee ist und bleibt. Zur Vereidigung in diesem Jahr, ausgerechnet in der Zeit unseres Familientreffens, strotzt die Großstadt nur so von Panzern, schwerem Gerät und Mannschaftswagen aller Art. Der evangelische Geistliche erzählte uns Einiges darüber nach dem sonntäglichen Gottesdienst in seiner Kapelle auf dem ehemaligen Friedhof der deutschen Stadt, jetzt KOPERNIKUS-PARK.

Das Hotel ist nur ein paar Straßen entfernt von der ehemaligen Steinstraße in Landsberg an der Warthe, in dem meine Großeltern mit ihrer Familie gewohnt haben, nachdem Großvater Arter in Landsberg sich als Rechtsanwalt nieder- gelassen hat. Die Kanzlei besuchten wir ebenfalls en tour am Sonnabend dem 6. Juli anläßlich meines 80.*Tages, weswegen der Familienausflug geplant worden war. Bevor wir über die Brücke gingen und das Stadtmuseum in Augenschein nahmen. Leider hat einer der Nachfolger meines Großvaters aufgegeben oder sich einen anderen „Stellplatz“ gesucht. Jetzt ist das Ganze unkenntlich bis zum geht nicht mehr. Nebenan ein SEXSHOP im katholischen Polen. Die Kathedrale oberhalb der Gasse lässt grüßen mit dem Bischof vor der Tür, überlebensgroß in Bronze gegossen wegen SOLIDARNOSC. Die Kathedrale heißt Marienkirche und ist größer als die Marienkirche in Berlin.

Es gibt viele Orte zum HALT MACHEN, zum Stillehalten und der Besinnung.

ZUM GEBET.

Es ist ein geschichtlicher Ort für unsere Familie. Ein bedeutender Ort, weil meine Großmutter von hier aus floh, mitten hinein in die sowjetischen Truppen, die schon längst weiter waren als sie und Freunde, die die Stadt dramatisch verließen mit schwerem Herzen.

Einem Pfarrer soll hier ein Denkmal gesetzt werden. Pfarrer Grün, der bis zuletzt gewartet hat. Er hat die letzten Beerdigungen vorgenommen. Er hat sich einen Wagen genommen mit dem Kutscher und die Toten zum Friedhof auf den gegenüberliegenden Berg gefahren, um sie in Würde zu beerdigen. Mein Großvater wurde dorthin gelegt, wo schon mein Onkel Friedrich lag, um auf den Auferstandenen und zum Himmel Gefahrenen zu warten, wenn er wiederkommt auf die Erde, um zu richten die Lebenden und die Toten. Sie zu sich zu nehmen als die Gerechten und Ungerechten. In das Licht und die Finsternis.

Es sind Menschen gekommen, die Dr. Arter geholfen haben in seiner Krankheit, die ihm Nahrung gebracht haben, um zu überleben. Es gab dankbare Menschen, die bezeugt haben, wie ihnen der RA geholfen hat im nationalsozialistischen Staat: Juden und Jüdinnen; Männer und Frauen der bekennenden Kirche.

Der ehemalige Bürgermeister von Hohensalza vor dem 1. Weltkrieg und kurz danach, als seine Tochter Annemarie eine Kugel traf im polnischen Aufstand; der ehemalige Bürgermeister von Pößneck in Thüringen (meine Mutter Angela wurde dort geboren) war ein sozial denkender Mensch, der in beiden Städten dafür gesorgt hat, dass dort menschenwürdig gewohnt werden konnte. Zusammen mit seinem Partner, dem bekannten Architekten Heinrich Tessenow, der dem Bauhaus nahestand.

Als die Russen kamen und Landsberg als Festung, die von niemandem verteidigt wurde, niederbrannten, dort plünderten und vergewaltigten, kamen sie auch in die Wohnung in der Steinstraße und nahmen ihre Mützen ab, wenn sie zu VÄTI geführt wurden, der krank darniederlag. Nur die Uhren nahmen sie mit. Sonst taten sie niemandem etwas. Das Kreuz meiner Großmutter hat ihnen Respekt eingeflößt. Und sie bekamen Achtung vor den Verlierern, die sie gerade dabei waren zu demütigen. – Was ist endgültig, frage ich heute im September 1924 am Ostrand Berlins, 80 Jahre danach. Wärend der Krieg im Osten der Ukraine tobt.

Allerdings belegen Briefe, die meine Schwester Christine gefunden hat und aufbewahrt, wie aktiv unsere Großmutter auf den Krieg reagiert hat. Sie hat die Mädchen mit Kohle schwarz angemalt und im Keller versteckt, in Schränken. Sie ist von Haus zu Haus gelaufen und hat Mut gemacht.

Landsberg/Gorzow- jetzt Großstadt, damals eine Mittelstadt vergleichbar von der Größe her mit Altenburg in Thüringen, wo ich 20 Jahre als evangelischer Pfarrer mit meiner Frau Margard zusammen gearbeitet habe.

Eine brandenburgische Mittelstadt, um mit Ausdrücken von heute zu agieren.

Ich habe diese Stadt besucht nach meinem Geburtstag am 18.6.24, den ich in der Müggelheimer Kirche und im Cafe gegenüber gefeiert habe mit Berliner Freunden und Bekannten, mit unserem ältesten Sohn aus Stepfershausen in der Rhön und Max, dem Abiturienten, seinem Sohn, meinem ersten Enkel; meinem Berliner Bruder Ehrenfried und seiner Frau Anita, Anne-Katrin, der Tochter meiner Cousine Anneliese, Therese, der Tochter meiner Cousine Renate.

Frau Pfarrer Schwedusch-Bishara wollte es so, dass es einen richtigen Gottesdienst gibt mit Segenspenden mitten in der Gemeinde, die auch zahlreich erschienen war.

Mein Sohn meinte aber, nun müßte ich aber doch nach Gorzow fahren, um von Angesicht zu Angesicht zu klären, ob unsere Anmeldung und anschließende, fast ausschließlich einseitige Korrespondenz zum Familientreffen Früchte getragen hat und wir vom 5.- 7. Juli wirklich willkommen waren im Hotel GRAZJA.

Ich habe das gemacht, bin vorbeigefahren an dem Delta der Warthe zur Oder hin. Allerdings seit Längerem kein Wasser zu sehen. Trocken gelegt? Die Waldstrecke, neue Straßen mit Kreiseln und wieder Gorzow in Sichtweite. Irgendwo davor Lagerung. Fettbrote oder so ähnlich. Alles in solo. Ankunft gegen Mittag. Stellplatz wieder neben der Freiheitsglocke, die ich zuletzt erlebt habe im Januar des vorherigen Jahres mit der AG Landsberg zusammen. Von daher kannte ich das Hotel und war begeistert vom Schwimmbad mit fitness.

Die Telefonnummer großartig angebracht über dem Eingang, der über ein Brückchen führt wegen dem Bächlein, an dem meine Cousine Renate angeblich vor und nach dem Kindergarten gespielt hat, als sie mit ihrer Mutter mit in der Wohnung meiner Großeltern wohnte. In Kriegszeiten. Ja, dort gab es Enten, die entweder in den Parks herumgeisterten oder schwammen und tauchten.

Ankunft an der Theke. Alles gut, alles gut. Viel mehr war nicht und die Bitte, sich an den und den zu wenden an dem Familienwochenende, weil der Manager, er selber, da Urlaub hat. Also doch eine Information und die traurige Erkenntnis: DDR-Bürger. Hinterwald. Osten. Null, Null, Null. Die Zahlenreihe. Algorithmus. 00 Polen, Hotel. Ein Lustspiel sondergleichen. Also nach Hause. Nicht einloggen, möglichst über NORDEN, nicht weiter nach OSTEN wie im vorigen Jahr, als meine Frau und ich nach der Anmeldung keine Lust hatten sofort nach BERLIN zu fahren.

Sondern nach Danzig.