1.Sonntag im Herbst 24

Am ersten Sonntag im Herbst 24

Wenn ich in Israel gereist bin, habe ich immer gehört: die christliche Welt. Damit meinte der israelische Lotse die Welt aus der wir kamen, die Christliche Welt. Ja, diese unsere Welt ist durch das Christentum das geworden, was sie ist mit ihren Idealen:Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Das sind die leuchtenden Begriffe dieser Welt, Europas. Hoffentlich nicht nur Leucht – Reclame, sondern wirklich die Kraft und die Stärke derjenigen, die getauft sind und versuchen ihren Glauben zu leben, um danach die Welt, ihre Welt, ihre Beziehungen zu gestalten.

In unserem für heute vorgeschlagenen Predigttext lesen wir:

Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt (damit) Christus angezogen (wie ein Taufkleid).

Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau;denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.

Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Kinder und nach der Verheißung Erben.

1.Da bin ich gleich wieder im Bus, der durch Israel fährt und höre Chanan (Hans), der überlebt hat in einer holländischen Familie, als Nazi-Deutschland Holland besetzt hat.

Christliche Welt.

Die Welt auch Abrahams.

Denn wir sind ja auch Abrahams Kinder, wie die Juden und Muslime.

Ja – und dann ist auch die Welt Israels nicht unchristlich.

Bestimmt nicht, weil wir deswegen ja dort sind.

Wegen dem Christus, auf den ich getauft worden bin von meinem Vater im Fronturlaub im damaligen Landsberg an der Warthe in der brandenburgischen Neumark. Im Wohnzimmer meiner Großeltern mit Wasser aus der Silberschale, die jetzt auf der Kommode steht zu Hause bei uns hier in Müggelheim in der Philipp-Jacob-Rauch-Strasse.

Jüdisch-Christliche Tradition.

Wir warten, dass ER wiederkommt. Unsere jüdischen Brüder und Schwestern warten, dass ER kommt. DER MESSIAS.

Wir warten nach der Schrift. Wir warten nach der Verheißung.

Nach der Verheißung, nach der Zukunft: Als Erben sogar, als Erben des Reiches Gottes. Als Söhne und Töchter Gottes in Christus.

Reich Gottes, welches schon hier beginnt, wenn wir uns als Brüder und Schwestern nahe sind und aus einem Kelche trinken, von einem Brot essen, dem Brot des Lebens. Die familia DEI, die Familie Gottes s i n d.

2. Warum betont Paulus zum Schluss seines 3. Kapitels im Galaterbrief in den Versen 26 – 29 so vehement (noch einmal lesen s.o.- je nach Situation) die Einheit der Christen.

Die Ökumene?

So sehr?!

Die Einheit der Kirche, an die wir glauben in unserem Glaubensbekenntnis, auch in diesem Gottesdienst?

Und wo liegt denn eigentlich Galatien? Und wer sind die Galater?

Sie lebten in Zentral–Anatolien, in dem Gebiet der heutigen Türkei. Paulus war mehrmals in der Gegend rund um das heutige Ankara herum, Kleinasien. Zuerst ging er als gebürtiger Jude bei seinen Missionsreisen immer in die Synagogen und hat das Evangelium von Jesus dem Gekreuzigten und Auferstandenen dort gepredigt.

Mit Erfolg.

Die jüdischen Gemeinden waren im damaligen Sinne auch weltweit verstreut. Als Diaspora. Die Welt war multikulturell. Aber nicht nur Juden hat er getroffen, im Gegenteil; er war der sozusagen patentierte Heiden-Missionar und bekam durch die differenzierte Zusammensetzung der Gemeinden die Fragen Jude oder Heide, Mann oder Frau, welche Religion auch immer, Sklave oder Herr „auf den Tisch, die er beantworten musste. Menschen, die Verantwortung tragen müssen Fragen beantworten, sonst sind seine Gemeinden in Gefahr, die er begründet hat mit seinen Mitstreitern. Und er wird immer wieder die Begründung für seine Antworten mitliefern. Für seine Verantwortung: Eins in CHRISTO.

3. Im Einzelnen: Die bekehrten Juden meinten, ihre jüdischen Gebräuche seien heilsnotwendig auch wenn sie an Jesus Christus als Heiland der Welt, als Messias und Erlöser glaubten. Und die Heiden (Ethnes), also Nicht-Juden müssten diese Sitten mit annehmen und praktizieren wie sie. Und ihre Sitten und Gebräuche ablegen.

Kernthema: Beschneidung.

Paulus zu den bekehrten Heiden: Ihr müsst nicht mosaisch werden.

Paulus zu den Juden: Ihr sollt Juden bleiben, aber ihr dürft die anderen nicht nötigen, erst Juden zu werden, damit sie Christen werden können.

Abraham ist unser Kronzeuge. Er ist durch den Glauben ABRAM zu ABRAHAM geworden, zum Vater des Glaubens und ihm sind durch den G l a u b e n und nicht durch die Einhaltung irgendwelcher jüdischer Rituale die Verheißung, die Zukunft zuteil geworden, die auch unsere Verheißung und unsere Zukunft ist.

4. Wie schön wäre es, wenn auch wir in unseren Streitigkeiten zuerst das sehen, was uns verbindet und nicht das, was uns trennt. Im Gemeindekirchenrat, in den Konventen. In der Ökumene, wo orthodoxe, römische und protestantische Christen sich begegnen.

Wie schön wäre es, wenn wir unsere Traditionen und Denkschulen positiv einbrächten und nicht zu Grenzzäunen machen.

Sondern uns freuen, wenn uns „die andere Seite“ die Schönheit ihres Glaubens zeigen.

Wie schön wäre es, wenn der Glaube an den einen HERRN Vereinnahmungen ideologischer Art und Weise überflüssig macht.

Dann ist der Glaube an Jesus wirklich revolutionär, weil er den Grund legt nicht für die Gerechtigkeit für mich alleine, sondern für die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.

Zur Freiheit für die tätige Liebe aus Glauben ruft er die Galater auf.

Ein zänkisches Bergvolk, keltischen Ursprungs,wie ein Ausleger bemerkt.

Schenke es Gott uns allen, dass unser Glaube an Jesus nicht erstickt wird in den Dornen des Alltags, sondern Früchte des Geistes tragen wird, die der Apostel zwei Kapitel weiter benennt:Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte. (Kapitel 5, 22).AMEN

Mit freundlichen Grüßen

Michael Wohlfarth

Gemeindeabend Ostkirche – ein Nachtrag.

Die Pfingstkirche ist die größte aller christlichen Kirchen und die, die am meisten wächst. Die charismatische Weltbewegung war die Antwort auf die Geistvergessenheit in den Kirchen. Selbst die Berliner Mauer und der ungarische Stacheldraht konnten sie nicht aufhalten im Kalten Krieg. Pfingstkirche heißt nicht unpolitisch sein. Im Gegenteil. In Südamerika und Afrika bemühen sich Regierungen und Parteien, Impulse dieser Bewegung aufzugreifen. Oder auch abzuwehren. Wobei „links“ und „rechts“ infrage gestellt werden. Pfingstkirchen sind in Mega-Städten zu Hause, damit sie ein zu Hause werden. Das ist ein Anspruch, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Die charismatische Bewegung ist gleichermaßen in der katholischen Kirche zu finden wie auch in der lutherischen. Sie bewegt sich unabhängig von den Lehren zum Heiligen Geist, die die jeweiligen Kirchen vertreten. Die charismatische Bewegung ist keine Denkschule und verkörpert keine Traditionslinie im herkömmlichen Sinn.

Die Charismatische Weltbewegung macht deutlich, die Pfingstkirchen machen es deutlich, dass es mit der Theologie des Heiligen Geistes nicht um Formeln geht, die man eigentlich genauso gut vergessen kann und man höchstens froh war, sie ansagen zu können, wenn man danach gefragt wurde z.B. in einem theologischen Examen. – Aber auch schon in einem landeskirchlichen und akademischen Kontext wird deutlich – im Koexistieren verschiedener Religionen – , dass es eine große Täuschung ist, zu glauben, nichts vom Heiligen Geist wissen zu müssen und nichts von der Lehre der Trinität im christlichen Glaubensbekenntnis. – Mir sehr erinnerlich Bischof Bedford-Strohms Bemerkung in multikultureller Absicht, damals leitender Bischof der EKD: Fragen Sie einen Christen, eine Christin über das Wesentliche des christlichen Glaubens. Meinen Sie, sie bekommen zu hören: Die Trinität? – Zitat Ende.-

Im Gegenteil, innerhalb der monotheistischen Religionen, der abrahamitischen Religionen, ist es um der Redlichkeit Willen wichtig die Dogmatik der eignen Religion zu kennen.

Gott schenke es, auch zu glauben.

Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Die alten Kirchen hatten das Glaubensbekenntnis bezüglich des Heiligen Geistes, dass er gleichermaßen vom Vater ausging wie der Sohn, Christus, selber. Dieser Satz wurde im Osten der Kirche betont und weiter getragen in die Geschichte, bis auf einmal der Zeitpunkt gekommen war, dass es zwei Sätze gab: Die Herkunft des Geistes ist als vom Vater zu beschreiben. Die Herkunft des Geistes ist als vom Vater u n d dem Sohn zu beschreiben. Den ersten Satz betonte so die Kirche des Ostens. Bis sie es aufschrieb als Dogma für sich. Den zweiten Satz betonte die Kirche des Westens. Bis sie es aufschrieb für sich und ihr Selbstverständnis und dann auch als Machtanspruch.

DAS ABENDLAND. Die Trennung nannte man folglich DAS MORGENLÄNDISCHE SCHISMA. DER ZEITPUNKT EINTAUSENDVIERUNDFÜNFZIG (1054) ! Siehe dazu das Nicaenische Glaubensbekenntnis in unserem Gesangbuch. Dort wird es ganz deutlich. Nicht im apostolischen Glaubensbekenntnis, dass wir meistens im Gottesdienst beten und damit Gott loben.

Heute hat man den Eindruck, dass das alte Schisma wirksamer ist als das neue: Die Trennung in römisch/katholisch und evangelisch/protestantisch.

Der Osten und der Westen. Im sogenannten Kalten Krieg war das viel einfacher zu buchstabieren durch Politik und Ideologie.

Der Osten war kommunistisch. Der Westen kapitalistisch.

Der oberste Seelenhirte der ROK (Russisch – Orthodoxe Kirche) sagt heute nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Krieg in der Ukraine von sich, dass er besser mit dem Islam zurecht käme als mit dem Westen. Der Osten ist orthodox und asiatisch. Der Westen ist demokratisch. Das alte Schisma gewinnt an Bedeutung in der jetzigen Auseinandersetzung zwischen autoritär und liberal. Besonders durch die Führung Russlands unter Kyrill und Putin.

Dogmengeschichte ist also aktuell. FILOQUE: UND DER SOHN, VON DEM A U C H U N D G L E I C H Z E I T I G DER HEILIGE GEIST AUSGEHT. Nicht nur vom Vater. Von Beiden. Wir erinnern uns an Moltmann mit seiner Art von Gruppendynamik zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist. Und indem RUACH als das Weibliche angesehen wird, RUACH, der Geist, der über den Wassern schwebte, als noch nichts passiert ist in der Schöpfung spielt natürlich bei Moltmann das Femininum in seiner Trinitätslehre eine Rolle. Die Sexualität dann ein gefundenes Fressen für jedwede Form der französischen Satire im Ausspielen der verschiedenen Religionen auf französischem Boden. Vielleicht der wirkliche Grund für Kyrill vom Untergang des Abendlandes zu sprechen, des WESTENS. Bestimmt hat er nichts gegen das Johannesevangelium, besonders gegen die Kapitel, in denen sich Jesus verabschiedet von seinen Jüngern und ihnen den Heiligen Geist verheißt als Tröster und Beistand (PARAKLETOS). Damit auch seinen Geist, den der Vater und der Sohn sind eins.

Sprache des Glaubens

Tagebuch: Gestern abend Vortrag und Gespräch zum Thema Ostkirche.

Bitte BLOG Ostkirche aufrufen (Februar 24) und die Ergänzungen bzw. Anhänge lesen, die nötig geworden sind und aufgefallen sind beim Nach-Gespräch und z.T. heftiger Diskussion zum Thema Osten und Frieden. Ich danke für alle Aufmerksamkeit und bitte darum, dass wir nicht in unserem Narzismus verharren, sondern das FEINE, dass wir nötig haben in unseren Beziehungen gesellschaftlicher und privater Natur in der Theologie finden. Allerdings einer Theologie, die nicht die Kirche zersetzt, sondern ihr dient ( Klaus Berger). Kirche verstanden als EKKLESIA, die Herausgerufenen. Einer Theologie, die gebetet wird, wie Wolfgang Lory+ uns sagte auf meinem ersten Konvent in Thüringen (Schmölln).

Dass wir glauben, was wir beten und wir beten, was wir glauben (ein anglikanischer Kollege tief im Sozialismus; Tagung Potsdam, Hermannswerder).

Einer Theologie, die Trost spendet, wie mir eine Schriftstellerkollegin sagte – und empfohlen hat. Einer Theologie eben wie der Spötter Bertolt Brecht trotzdem und vielleicht gerade deshalb wusste: Sie ist das Subtilste. Er hat sie scheinbar geschätzt. Sonst hätte er es nicht gewußt.

Was wissen wir?

Buchempfehlung Erhart Kästner: Die Stundentrommel vom heiligen Berg Athos.

„Endlich keine Theologie. Endlich Glauben.“ – Wandern auf dem Athos.

Evangelisches Gesangbuch Lied 124 für Pfingsten: „Nun bitten wir den Heiligen Geist, um den rechten Glauben allermeist, dass er uns behüte an unserm Ende, wenn wir heimfahrn aus diesem Elende. Kyrieleis.“- Lied zur Handauflegung und Segnung der Konfirmanden in Ostthüringen. – 13. Jahrhundert. Die folgenden Strophen von Martin Luther.

Einsamkeit

1

Ein mir wichtiges Sommerevangelium war die Geschichte mit Jesus, wo sie ihn zum Schluss zum Brotkönig machen wollen, weil er das Brot so wundersam vermehrt hat, dass alle satt wurden; mehr noch, dass es Körbe gab, die voll gesammelt wurden mit den Resten, die nicht gegessen werden konnten von den 5000.

Vielleicht waren es mehr. Vielleicht waren es weniger.

Jesus floh, als er merkte, dass sie ihn zum Brotkönig machen wollten (Johannes 6 1-15).

Jesus flieht oft – in die Einsamkeit. Seit dem fliehen Viele – in die Einsamkeit. Die Mönche, zuerst der heilige Antonius, der – in der Wüste – seine Höllenfahrt erlebte – und überstand.

Wir nennen das Aus – Zeit. Pause. Einmal aus Allem `raus. Urlaub.

Wer weiss, was sie mit uns machen wollten. Etwas gutes oder etwas Schlechtes.

Wir sind froh einmal aus dem gnazen Trubel heraus zu kommen. Aber auch ohne Urlaub und die Sehnsucht auszusteigen gehört es zu unserer Kultur, wenigstes einen Moment zu finden im grellen Licht des Tages, der uns selber gehört. Damit wir immer wieder die Kraft finden weiter zu machen, die Aufgaben zu erledigen, die auf uns warten. Was man heutzutage so grossartig Momentum nennt, ist eigentlich d a s.

Und wenn wir diesen Moment nicht finden, dann sind wir unzufrieden. Und haben nicht die nötige Freiheit, die wir benötigen, um den Tag, die Woche, das Jahr gestalten zu können.

2

Um so mehr bin ich erstaunt, dass Einsamkeit jetzt ein Thema ist. Ja, dass überlegt wird, eine Regierungsstelle zu schaffen, die sich mit dieser Frage beschäftigt: Einsamkeit.

Ein gesellschaftliches Problem. Zu viele Menschen sind einsam. Ein relevantes Thema. Auch sicher zum Thema geworden durch die Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie Corona. COVID.

Ehen sollen darüber kaputt gegangen sein.

Familien.

Es gibt Klage und Anklage.

Und Verteidigung.

Rechtfertigung.

3

Ja, es ist wirklich wahr, wer keine selbstverständliche Gemeinschaft in der Gemeinde Jesu hat, wird sicher kaum eine solche Einsamkeit mit Gott kennen, wie ich sie oben beschrieben habe an Hand des Sohnes Gottes, der die Menschen flieht, seine Anhänger und Jünger, die Populisten, um im Angesicht des Vaters Atem zu holen, Kraft zu schöpfen.

Auf einem Berg.

In einem Garten. Zum Beispiel Getsemani.

4

Einer der bekanntesten Theologen des 20. Jahrhunderts war Karl Barth. Er war Dorfpfarrer in seiner Heimat, in der Schweiz. Über seine Auslegung eines Briefes des Apostel Paulus an die christliche Gemeinde in ROM ist er von heute auf morgen zu einem der bekanntesten Ausleger und Deuter der Heiligen Schrift geworden. Er hat im Laufe seiner Karriere eine vielbändige Dogmatik geschrieben. Wenn man so will ein Lehrbuch über den christlichen Glauben. Zum Schluss hat er seinen Studenten erklärt, wie einsam ein Pfarrer und eine Pfarrerin sein können. Ja, vielleicht müssen. Er kannte die Berge der Schweiz und die Wege, auf denen man die Einsamkeit sucht und findet.

5

Blaise Pascal, ein Mathematiker und Philosoph des 17. Jahrhunderts hat seine Zeitgenossen und -Genossinnen wissen lassen: dass das eigentliche Grundübel seiner Zeit und seines Erachtens darin bestünde, dass die Menschen es nicht länger als zehn Minuten alleine in ihrem Zimmer aushielten. Dann müßten sie hinaus stürmen und die Welt erobern.

6

Als meine Frau und ich 1988 von unserem evangelisch-lutherischem Pfarramt Thonhausen mit den umliegenden Dörfern Mannichswalde, Wettelswalde, Schönheide wegzogen, weil mein Gehalt im Sozialismus so schmal war, dass meine Frau Angst hatte, es reicht nicht für uns und unsere Kinder und sie müsse in ihrem Beruf als Theater-und Kulturwissenschaftlerin etwas dazu verdienen, haben wir in unserer neuen Stelle in der Theater-und Kreisstadt Altenburg die Brüderkirche a u f g e m a c h t, damit a l l e in ihr eine Herberge erkennen könnten für gute und schlechte Zeiten. Komischerweise funktionierte das. Ein Lehrer als erster erschien auf unseren Aushang hin und hat uns seine Hilfe angeboten. Noch andere kamen.

Die Offene Kirche und die Friedliche Revolution waren für uns eine Einheit. Und die Stadt-Community hat das auch immer so verstanden.

Und für sich in Anschlag gebracht.

Die Offene Kirche war gleichzeitig ein Ort der Gemeinschaft – bis dahin, dass Menschen in ihr gesund geworden sind – und sie war ein Ort der Einsamkeit, der Fluchtbewegung: ASYL. Wie eigentlich immer in Krisen-Zeiten der deutschen Geschichte.

Die Spannung von Gemeinschaft und Einsamkeit mit Gott und den Menschen ist die eigentliche Dynamik, die eine christliche Gemeinde ausmacht in ihrem Kern. Die so genannte Kerngemeinde.

7

Und was hält diese beiden Dinge Gemeinschaft und Einsamkeit zusammen, bezw. läßt sie uns aushalten?

Das Gebet.

Das Vaterunser.

Unser Glaubensbekenntnis.

Das Sprechen lernen im Gebet zu Gott hin, das Sprechen lernen im gemeinsamen Lösen einer Aufgabe. Vieler Aufgaben, die auf uns warten.

Im gemeinsamen Auslegen der Heiligen Schrift.

Wir hatten und haben ein großes Holzkreuz im Altarraum stehen. Daran hingen an den Nägeln die Gebete der Besucher der Offenen Kirche. Wenn ich nicht wußte, was ich sonntags predigen soll an Hand eines vorgeschlgenen Textes, bin ich an dieses Kreuz gegangen und habe diese Gebete gelesen.

In großer DEMUT. Denn sie standen da ohne jeden Datenschutz, manchmal mit Name und Adresse.

So viel Vertrauen!!!

8

Die Kirche, die Gemeinde hat also ein Angebot zu machen, wenn jetzt das Thema Einsamkeit ein Thema der Politik wird.

Ist es so schlimm geworden? Die Einsamkeit, die Isolierung, der Egoismus, die Gier nach Geld und Macht.

Bitten wir für unsere Kirche, dass sie nicht nur für sich selber da ist, sondern in der Lage ist Antworten zu geben. Und nicht nur Fragen zu stellen, wenn sich Menschen aufmachen, Gott zu suchen und den Nächsten.

Beides oft gleichermaßen verloren.

Umzug 1988 von Thonhausen nach Altenburg

Lebensfreude auf dem Land

Aus der Stille, der Kontemplation in die Aktion: Schulgründung 2000, 16. Jahrgang SPALATINGYMNASIUM Altenburg

Das Buch der Offenen Kirche…in jedem Portal, Müggelheim(Berlin) nach der Heimreise vom Fischland am 5.Sept.24 M.W.

Achtung: morgen am 11. September `24 in 12559 Berlin -Müggelheim, Ecke Müggelheimer Damm/Ludwigshöheweg, erste Bushaltestelle (69) um 19.00 Uhr (KITA/Gemeindeeingang) „Ostkirche- Orthodoxie“ Impuls Bilder, Musik, Erlebnisberichte.(Pfr.i.R. Michael Wohlfarth-s.a. Blog weiter unten.)

Prosa im Sommer oder doch GEDICHT?

GEBROCHEN DEUTSCH

Gedicht in 13 Versen

Vers 1

Neulich schrieb mir eine Kollegin im Vorlesen, sie möchte auch Schriftsteller werden.

Wir müssen hier nicht auf Endungen achten. Sie ist aus Thüringen. Weimar. Das sagt alles.

Also sie schrieb, dass sie noch viel vor hat. Sie ist gut im Organisieren.

Nur der schläfrige Verleger reagiert nicht.

Sie möchte ihr Erstlingswerk in die Homepage des Verlages bringen. Sie hat gute Leute. Aus Köln jetzt. Wo der Dom ist.

Da ist alles aufstrebend – gewesen.

Mich ermuntert das – so lange nichts Besonderes passiert – nach der Lesung in Leipzig – an diesem deutsch-deutschen Roman weiterzuschreiben, wo keiner weiß, wohin er uns führt. Amerika oder Russland?

Vers 2

Auszug aus einem Brief:

„… ach, Dostojewski, jetzt machen sie dich auch noch schlecht: Gute Literatur ? – ja, aber deine Weisheiten?

Wie bei deinem Bruder Tolstoi.

Behalte sie doch lieber für dich.

Inzwischen gibt es Einiges, wo über dich so gesprochen wird.

In angesehenen Tageszeitungen, Kultur-Kolumnen aller Art.

Ich möchte keine Namen nennen.

Du weißt schon.

ACH DOSTOJEWSKI, komm heraus aus deiner Hütte in Tirol.

Oder sitzt du schon auf dem Felsenvorsprung am Berg und wartest auf den Bergrettungsdienst.

Auf den Heli, wie die jungen Sportler sagen.

Die Eventisten.

Also, besser bleibe darinnen.

In deiner Hütte, Höhle oder wo

immer.“

Vers 3

Es ist schon ein Problem.

Das Fernsehen taugt nicht zur

Unterhaltung.

Die Krimis werden immer ernster.

Oder lustiger,

die Toten sind nicht mehr tot,

sondern Material für den Slapstik.

Vieles wirkt kindlich wie

CHRISTINE SUCHT DEN

LIEBEN GOTT.

Ohne Gott.

Immerzu wird mir erklärt, warum es so kommen muß.

Das Schreckliche.

Alles ist Zufall.

Nicht einmal mehr peinlich.

Jeder kann es sein.

Jede kann es sein.

Ist ja wahr.

Wo ist das alles nur abgeschrieben?

Aus dem Internet?

„Jetzt wollen wir dem Feminismus frönen“, rufen sie.

„Es gibt keine Schuldigen mehr!“

Es gibt nur eine Friedhofskapelle, wo die Toten aufgehoben werden, in der das Vaterunser nicht gesprochen wird, sondern das entscheidende Gespräch „zwischen den entscheidenden Parteien.“

„Aus denen die Komplizen kommen.“

Es ist alles nur ein Unfall gewesen.

Tragisch wie bei Kleist:

die Schuldig-Unschuldigen.

„Ach ja, Dostojewski, wir sind

alles Kinder ohne Vater.“

„Eine Spur von Geschlechterkampf vielleicht?“

„Bitt‘ schön, der Herr.“

„Bitt‘ schön, die Dame!“

Oder umgekehrt.

Das Gebot: DU SOLLST NICHT TÖETEN wird illustriert, indem die Polizei sich darum kümmert.

„Das kann so nicht weitergehen, Dostojewski!…..“

Vers 4

Wo bist du?

Im Schatten des Abends?

Wer bist du, in der Morgensonne?

Du bist da, wo wir alle sind.

Im Gewühl der Großstadt.

Versteckst du dich?

Bist du nackt?

Heißt du auch Adam.

Wie wir alle.

Du ziehst von einem Ort zum anderen.

Von einer Kraft zur anderen

im Tal?

Von einem Event zum anderen.

Von einem Diskurs zum anderen.

Mit fadem Beigeschmack.

Vers 5

Beschreibung eines Glasfensters

in einer Kirche am Markt:

Rückbesinnung

Wie sie da herumsitzen

um das Kind Jesus.

Und er belehrt sie.

Aber werden sie klüger?

Einige wenigstens?

Sie sehen gut aus.

Ein Nazarener hat es entworfen –

das Bild –

und ein Kunstschmied in Mosaike zusammengefaßt.

Nach Norden gerichtet.

Wenig Sonne.

Aber genügend Altenburger Tag,

wo Skat gespielt wird

zum Feierabend,

weil es hier erfunden wurde.

Wie vieles andere.

Auch Brockhaus ein Altenburger.

Das Gericht ist nach der Wiedervereinigung wieder hier.

Das Spielgericht: SKAT.

Und die guten Lehrer sollen von da kommen, sagt der Alte Fritz,

wenn es nicht so gut ging

mit seinen Unteroffizieren

mit einem Arm oder Bein

und sie die Kinder geprügelt haben,

damit es gute Preußen werden.

Nur Prügeln geht nicht.

Vers 6

Viele rufen: „Hosianna,

Hosianna, gelobt sei, der kommt

im Namen des Herrn!“

Und: „Kreuzige ihn!“

Nicht auf meinem Kirchenfenster in einer immer kleiner werdenden Mittelstadt in Ostthüringen.

Chor: „Durch die Abwanderung nach Westen und Süden.

Weil Uran noch im Boden ist.

Aber nicht gefördert wird

der Vergiftung wegen.

Durch die Russen nicht

und durch die Amerikaner nicht.

Durch niemanden.“

Gegenchor: „Und die Braunkohle ist auch nicht Ebbe.

Sondern ziemlich weit oben.

Aber sehr eingeschränkt im

dezidierten Abbau

in unserer Gesellschaft,

die wir 1989 errungen haben .“

Einzelner: „Ich auch. Zu Recht.

Und ohne Blutvergießen.

Nicht wie heute in der Ukraine.

Die ist uns sehr nah.“

Nicht auf meinem Kirchenfenster rufen sie: „Hosianna, Hosianna,

gelobt sei, der da kommt

im Namen des Herrn!“

Und drei Tage später: „Kreuzige ihn!“

Nein, es wird gesungen.

Immer singen am Abend die Chöre von den „lieb Engelein“.

Sie singen die Passion Christi

nach dem Evangelisten Johannes von Johann Sebastian Bach.

Wenn du in dieser Kirche sitzt am Abend und das bunte Glas leuchtet im Licht der untergehenden Sonne, oder später für sich ohne Tag, dunkel in der Nacht.

Und ich höre sie singen: HOSIANNA und wenn die drei Tage um sind: KREUZIGE.

Gibt es auch Bilder von d i e s e m Geschrei?

Von diesem Volk?

Aufgerührt von diesen Gelehrten auf meinem Fenster: Pharisäer und Schriftgelehrte, Sadduzäer, Griechen, Lateiner und Orthodoxe.

Die Kopten und Äthiopier, Kämmerer und Oligarchen, Russen und Syrer, Aramäer, Katholiken und Lutheraner. CALVINISTEN.

ÄGYPTER.

Von Nazarenern gemalt, Rudolph Schäfer,

Schnorr von Carolsfeld, von Schmieden

um die Jahrhundertwende vor dem 1. Weltkrieg

geschweißt und gelötet zum TRANSPARENT ?

So wie Lehren durch Lernen und Lernen durch Lehren.

Der 12-jährige Jesus im Tempel.

Ein Konfirmandenbild.

Ein Pädagogenbild.

Universitas.

Pestalozzi und Fröbel.

Vielleicht.

Ich weiß es nicht.

Ich bin kein Forscher.

Halt, aber ganz sicher in Rom.

Und überall, wo die Hochkirche zu Hause ist.

Die Renaissance, das Christliche Abendland vor seinem Untergang, die Christliche Kunst, die den Papst gerettet hat und Rom.

Das barocke Europa.

In jeder Predigt, die malen kann zum Palmsonntag.

In allen christlichen Kirchen.

Vers 7

Die Kinder waren nicht Jesus

Wir haben sie gespielt diese Szenen.

Die Kinder waren nicht Jesus.

Aber Palmen, die sich wiegten im Wind,

als Jesus kam und die Berge tanzten und alle riefen HOSIANNA, weil er den Tod besiegt

und Lazarus ruft in seinen Gewändern.

Und die Schriftgelehrten sich beratschlagen,

was sie machen sollen bei so viel Begeisterung.

„Wie ungut ist das!“ haben sie untereinander gesagt –

und sind beiseite gestanden.

Das haben wir gespielt.

Vers 8

Wir waren gerade in den weißen Städten

ohne die spitzen Hexenhausdächer nördlich der Alpen,

damit der Schnee rutschen kann.

Sie haben alle den Stein berührt, die Millionen und Abermillionen, so dass er glatt ist.

Alle sind sie KREUZFAHRER und stellen sich an,

um das Heilige Grab zu berühren, zu küssen, enthusiastisch. Welche Liebe ist in den Frauen. Und wie gefährlich

ist Religion, sagen die Protestanten.

Sonst müßten sie ja auch Knüppel in die Hand nehmen oder Knuten, um einzupeitschen, oder auszupeitschen.

Wer soll das regulieren.

Vers 9

Comenius

du wurdest die Stationen geführt.

Du vertraust auf IHN.

Du hast dich ABM schreiben lassen und ziehst los.

Pilgrim.

Es wird Zeit, dass wir das würdigen. –

Suchst du ein Mädchen?

Wie im 19. Jahrhundert die Romantiker?

Bist du schwul?

Oder lebst du deine Kulturpubertät aus,

die es seit Sartre nicht mehr geben soll,

weil sie eine bürgerliche Krankheit ist: JUGEND.

Wir sind gespannt. Ich bin mehr als gespannt.

Ich kann es kaum erwarten.

Aber da sehe ich dich auch schon den Berg hinaufkommen

in Thüringen. Wie lange ist das her.

Und vor dir liegt ausgebreitet das Tal.

Dort ist die Kirche, in der du Dienst tun wirst

und die Steine anpredigen, damit sie lebendige Steine werden

zur Auferbauung der Gemeinde.

Es ist die Barmherzigkeit, die über dich kommt

beim Anblick des Dorfes.

Du siehst mit den Augen des Christus. Im Rennen hinunter den Berg.

Das Gehöft neben der Kirche ist nicht der Pfarrhof,

das Haus auf gleicher Höhe nicht das Pfarrhaus,

sondern es sind Bauern und Arbeiter, die hier wohnen.

Weil du vom Dorf bist, hat du keine Scheu,

einfach in den Hof zu gehen und zu fragen.

Was sagen sie dir, als du fragst?

Nichts?

Doch.

Nicht Weihnachten ist das schönste und öfter.

Sondern der Dank.

Der ERNTEDANK.

Vers 10

Das wissen sie nicht mehr

wem der Dank gebührt.

In der Stadt.

Oder?

Es kann nur der Herzog sein, dem gehuldigt wird,

wenn die Bauern reiten in ihren eng anliegenden Kostümen.

Und erst die Bäuerinnen von damals.

Sie winken.

Natürlich winken sie dem Herzog, dem Publikum jetzt.

Sie waren stolz, sie brauchten den Herzog

und umgekehrt.

Sie wussten, wem Ehre gebührt und die Steuer.

Und sie waren abhängig.

Aber nicht absolut.

Sie waren schlau.

Schlitzohrig,

weil sie das wussten.

Und hatten

ein gesundes Misstrauen.

Wer hat das heute noch.

DAS BAUERNREITEN.

DER ERNTEDANK.

DIE HULDIGUNG auf Augenhöhe.

Die Untertanen auf dem Pferd.

Vers 11

Die Große Stadt

wo sie herumsitzen und streiten

wo sie herumgehen, die Peripathetiker und fuchteln

mit ihren Händen und spielen mit ihren Füßen

oder dem Ball den entscheidenden Drive geben für das Tor.

Wenn sie treffen.

Das ist übrigens immer noch das Beste.

Suchen sie die Wahrheit.

Einer bestreitet sie.

Weil sie stört zu leben, angeblich.

Zur Wahrheit braucht es die Liebe.

Bekommen wir sie?

Nein, wir müssen darum bitten, uns ganz klein machen.

In Demut.

Und nicht nur so tun in unserem Großen Spiel.

Vers 12

Berlin

Ah, endlich gefunden

das Buch der Lieder mit Genricha Geine

der auf dem Stein sitzt am Weinberg

wo kein Wein wächst.

Der bei Gorki sitzt

gedoubelt,

weil der etwas von ihm halten möchte

auch weiterhin?

Aber jetzt endlich in die Galerie

in die Rumpelkammer der Geschichten in Kunst.

Da ist der Schraubenkönig

ha ha ha

er macht es möglich.

Was ist da?

Das Jüngste Gericht.

Es mutet russisch an.

Blockwartmäßig und wie eine Festung

im amerikanischen Westen,

als dort die Indios noch zu Pferde saßen,

um es dem weißen Mann zu zeigen.

Nein, wie eine russische Holzkirche.

Du musst nur nahe genug sein

dem Material.

Aber die Marien, die lieblichen

die Schönen, das Kindlein auf dem Arm?

Ikone, was haben sie aus dir gemacht?

Dich ausgezogen, Maria

in ein Kondom gesteckt

und aus war der Traum.

Vers 13

Das alles ist lange her.

Aber jetzt?-

Jetzt reitet Comenius mit einem Skelett von Gaul an die See, um in See zu stechen, wie man es in Seemannsdeutsch ausdrückt. Wenn die Ebbe vorbei ist und keine Sturmflut in Aussicht. Er ist völlig vergessen worden bei all den Beschreibungen der Überfahrt einer Gräfin, der Moderatorin und ihrem Reportertross.

„Das schwarze alte Pferd, dass nur noch einem Skelett vergleichbar ist, schwamm in der Welle dem alten Frachter hinterher..“

„Nein, nein“, ruft der Chor der Meerjungfrauen dazwischen: „Es ist ja gar kein alter Frachter, er wäre auch nicht tauglich für die See – es ist doch das berühmte Segelschulschiff mit den Lehrern und Lernenden, mit den Gärtnern und Pflanzern, Biologen, Botanikern an Bord – und mit A. Die nun endlich die verfluchte alte Welt zu verlassen wünscht und einen Neuanfang sucht.“

„Und er ist auch nicht dem Frachter, der keiner ist,

hinterhergeschwommen, auch nicht auf dem Rücken von tausend Pferden. Nicht einmal mit seinem „Skelett“.

Das hat er angebunden an einen alten Laternenpfahl im Hafenviertel und hat sich sachte in die Gruppe gemischt, die auf das SEGELSCHULSCHIFF strebte.“

Sagt später ein alter Fischer, der ihn kannte.

„Sein Matrosenanzug war vorzüglich.“

Ein anderer an einem Tisch des Zielhafens: „Hau Ruck und Nur zu! – das waren seine ständigen Sätze, wenn es vorwärts gehen musste. Und es musste ja vorwärts gehen. Bei Flaute und bei Sturm. Mit den Segeln, mit den Jungs, den Mädchen, den Gärtnern u.s.w.“

Was für ein Fuhre.

Welche Fracht.

Warum haben wir C. vergessen, übersehen.

Vorabdruck aus GEDICHTFORM epubli berlin 24

Nach dem 16. Abiturium

Ich habe vor über 20 Jahren in Altenburg/Thüringen zusammen mit meiner Frau (Kultur-und Theaterwissenschaftlerin) und einer promovierten Lehrerin aus dem Westen und einer jungen Anfängerin aus dem Osten (von mir konfirmiert und getraut) die erste Schule gegründet mit einem christlichen Menschenbild – in der ehemaligen DDR/Ostthüringen! Die Plattform war die von uns initiierte Altenburger Akademie mit ihrem Motto kairos (wer zu spät kommt, den bestraft das Leben- Bibel/Gorbatschow),metanoia (wer die Gefahr sieht und nicht umkehrt, ist selber dran schuld – Bibel, Bergsteigen), charis (Freude-Bibel).
Zeitpunkt nicht verpassen, Busse, Freude. Für Philosophen beigefügt der Untertext: Menschenbild, Weltbild, Gottesbild.
Für die Altenburger Akademie-Offenen Kirche habe ich und meine Frau 500 Seiten STASIAKTEN bekommen, für die ich vor 6 Wochen rehabilitiert worden bin vom Freistaat Thüringen. Das Verfahren für meine Frau ist noch anhängig.
Vor der Gründung der Altenburger Akademie war ich 7 Jahre Kreis – Jugendpfarrer im Kirchenkreis Schmölln mit der STASIAUFLAGE OPK/Operative Personenkontrolle. Für die Akadmiegründung 1988 habe ich und meine Frau bekommen: OV/Operativer Vorgang. Mit dem Ziel Zuchthaus/Abschiebung. Ich verschweige das nicht, weil heutzutage die DDR verharmlost wird und gleichzeitig PUTIN als Diktator beschimpft wird, der immerhin Wahlen abhält, die mit DDR – Scheinwahlen verglichen werden s o l l t e n, aber bitte nicht gleichgesetzt. Da fängt die Verharmlosung an. So viel für heute.
Unsere Schule gibt jährlich ein sehr schönes Jahrbuch heraus. Sie heißt Christliches Spalatingymnasium Altenburg. Die Leiterin ist die ehemalige junge Anfängerin (Geschichte/englisch).

Als Ehrenmitglieder im Vorstand der Schulfördrung sind meiner Frau Margard Wohlfarth und mir mit freundlichen Grüßne dieses und andere Bilder zum Thema Bildung zugeschickt worden.

Vielen Dank!

Ich habe den oben stehenden Text für das Netzwerk : Schule, Direktoren, Führung beigesteuert und sehr viele Aufrufe dafür bekommen. Deshalb wollte ich das meiner BLOGGEMEINDE nicht vorenthalten. Und danke für ihre Treue.

M.W.

Zwei Bibelstellen in einer Reiseerzählung

1

Anne dachte nicht an den Unfall hinter der Biege,
sondern an Amerika.
Als sie umstieg in den Zug nach Hamburg, war es
bereits gegen Mittag und die Herbstsonne meinte es
gut mit dem Vergolden der Blätter. Und dem Lächeln
der Menschen war sie förderlich, als sie den Park nutzten
und die Wirte noch einmal draußen deckten.

Und im Zug nach Norden wieder dein blasses Gesicht
DOSTOJEWSKI.

Endlich taucht es auf, damit die
Versöhnung ihren Lauf nimmt und nicht nur das.

Nur wir sehen es, wenn wir es erzählen, diese deutschen
Geschichten aus der Gegenwart und Zukunft. Wiedergeben
diesen Film.

Hohe Stirn. Blass. Tiefliegende Augen. Hinter Glas gemalt.
Aquarell. Die Bäume fliegen vorüber. Die Dörfer.
Die Häuser. Bilderbuchlandschaft in Deutschland.

Warum will jemand nicht hier bleiben.
Warum nicht diese Heimat lieben. Warum fahren Züge
mit den Flüchtenden. Warum fliehen sie?

Anne weiß, warum sie nach Amerika geht. Sie hat ein
Angebot bekommen, dort zu studieren. Das möchte sie
wahrnehmen.
Sie haßt nicht ihr Land. Sie hält keine Plakate hoch, auf
denen zu lesen ist „Nie wieder Deutschland! “Sie möchte
ganz einfach ihre Chance suchen in dem großen Land der
unbegrenzten Möglichkeiten. Sie möchte dort reisen. Die
berühmten Routen.

Sie ist sehr gespannt und freut sich auf die lange Reise mit
dem Schiff, dass sie buchen konnte, weil ihre Großmutter
ihr geholfen hat, einen solchen Schiffsplatz bezahlen zu
können.
Sie wird kaum wieder so schnell Eisenbahn fahren, wie
jetzt vom Westerwald nach Hamburg, weil die
Pullmannwagen vielleicht nicht mehr die Bedeutung
haben wie in amerikanischen Kurzgeschichten.

Aber hier ist der Schatten der Vergangenheit präsent.

2
Fjodor setzt sich zu ihr und beginnt zu erzählen
die Geschichte von den Unglücklichen. Von den
Sündern und Heiligen.

Er stellt sich vor.

Wie aus heiterem Himmel fängt er an zu erzählen, was ihn bewegt.

Vielleicht weil Sonntag ist. WOSKRESSENIE.

Es ist eine biblische Geschichte.

Ein Gleichnis. Viele kennen es: Das Gleichnis von der Gerechtigkeit Gottes.

“Weißt du, da ist der Markt. Die buckligen Häuser ringsum. Die
Läden, die aufgeklappt werden, sobald die Sonne aufgeht.
Und da kommen sie, die Tagelöhner, die Tagediebe, die
Betrunkenen am frühen Morgen, die nie schlafen können,
weil sie ihr Gewissen plagt. Die Weinenden,
die ihre Familie nicht ernähren können, weil die Barmherzigkeit ausgestorben ist und die Gerechtigkeit Gottes auf sich warten lässt. Da ertönt ein Signal und alle wissen, er kommt persönlich. Der HERR. Das Warten hat sich gelohnt. Gestern kam niemand.
Heute soll er wirklich kommen? Sie drängen sich, die
Ausgemergelten, die Zerrütteten, die Greise, die Huren,
die zu alt geworden sind, um sich zu verkaufen. Alle rufen:
“Herr, wir sind hier! Hilf uns!“ – Aber der Herr verzieht.
Scheinbar reitet er um die Stadt herum, um sich ein Bild zu machen, was
die Wohlhabenden aus ihrer Stadt gemacht haben. Er gehört in gewisser Weise ja auch dazu. Jetzt kommt er wirklich ohne Signal. Reitet mitten auf
den Markt und ruft: “Wer möchte in meinem Weinberg
arbeiten?“ Alle sind erschrocken. Davon war nie die Rede.
Arbeiten? Sie meinten, sie bekommen die Ration. Deswegen sind sie da.
„Das muß eine Neuerung sein, “murmelten sie. Einige
melden sich doch, nicht viele. Drei. Er nimmt sie mit.
Er steigt ab von seinem Pferd und führt sie zur Stadt
hinaus durch das südliche Tor zu den Bergen.
Er hätte auch vorausreiten können, denn jeder wusste in
dem Gebiet, wo der Weinberg des Herrn lag. Aber er ließ
es sich nicht nehmen. Er hätte ja auch genauso gut einen
Fest – Angestellten, dem er einigermaßen vertraut, in die
staubige Stadt schicken können. Brauchte er wirklich
Arbeiter in seinem Weinberg?
Es waren ja wirklich immer Menschen auf dem Markt,
die dort herumlungerten wie nach einer durchzechten Nacht, um angeheuert zu werden.
Bettler auch, die auf Almosen hofften. Von den Dreien war einer ein
Bettler. Irgend etwas an diesem Morgen, als die Sonne im
Osten empor stieg, erinnerte ihn an ein Lied seiner
Kindheit, welches seine Mutter sang, wenn sie zur Arbeit
ging.“

3
Hier brach der Erzähler ab und schaute versonnen auf die
vorbei fliegende Landschaft. Er ließ die Zuhörerin allein im Abteil
und verschwand.

Wohin.

Ich weiß es nicht.

Ins MITROPAABTEIL? Toilette. Gang. Fenster runter und Wind, Fahrtenwind im Gesicht, weil es so schwül ist im Abteil.Fenster geht nicht herunter zu ziehen. Es ist ein INTERCITY. Viel zu schnell.

Das war damals, wenn wir von Ort zu Ort gefahren sind und unsere Freiheit dumpf war, in der wir lebten und voller Freude einem Ziel entgegenfuhren auf der Scheibe, die wir Erde nannten. Und unser Land, DDR. Zigaretten. Ach ja, Zigaretten. Verqualmt alles. Tief eingezogen die Luft, die einem entgegen blies. Fenster runter! Jetzt alles rauchfrei. Fjodor, du musst nicht zum Fenster stürzen. Meistens klemmte es übrigens. –

4

Wo ist Fjodor?
Nein, er ist nicht zum Fenster gegangen, um frische Luft zu schöpfen in einem verräucherten Abteil. Er ist ausgestiegen. Er war darauf angewiesen zu sehen und zu hören.

Es war Sonntag.
Er hatte Glück. Der Zug ist nicht durchgefahren und
machte Station zwischen dem Westerwald und Hamburg,
wo die großen Schiffe anlegen. Auch die von Übersee.
Er hatte Glück, dass der Bahnhof eine Bahnhofsmission
hatte und einen Saal in der Nähe, wo die Heilsarmee zu
Hause war und die Evangelien predigte. Der Gottesdienst
hatte bereits begonnen – der Prediger bereits die Bibel
aufgeschlagen und in die Kanzel getreten.

Es waren eigenartige Gestalten in dem Saal.

Ähnlich wie in der nicht zu Ende erzählten Geschichte, würde ein DDR-Pfarrer denken: Volksmission in Sachsen, in der alten Textilmetropole Crimmitschau. In DDR-Zeiten. Ich weiß nicht wie es heute dort aussieht. Der Glamour des Westens wird sie auch erreicht haben, diese Stadt, in der der erste moderne Textilarbeiterstreik organisiert wurde um die vorvorige Jahrhundertwende.

„Liebe Gemeinde,
wir haben uns heute hier versammelt zum Sonntag
Sechzig Tage vor Ostern, lateinisch Sexagesimä.
Dieser Sonntag – wie schon der vorherige – kündigt
einen Perspektivwechsel an, den wir alle dringend
benötigen.
Die Perspektive heißt Ostern. Ostern, das bewegliche Fest.
Das in seinem Zeitpunkt sich nach der Stellung des
Mondes zur Sonne richtet.
Liebe Brüder und Schwestern,
wir haben uns heute hier versammelt, weil Sonntag ist, auf
russisch Woskresenie. Zurückübersetzt ins Deutsche
AUFERSTEHUNG. JEDER SONNTAG HEISST AUFERSTEHUNG.
Sie haben das Gleichnis vom vierfachen Acker gehört und nur ein Viertel des Samens fällt in den Schoss der Erde und bringt Frucht.
Jeder von uns fragt sich, wer bin ich.
Bin ich der Weg? Sind wir die Dornen? Wer ist der Fels?
Und wer das gute Land. Wir wollen alle das gute Land sein,
dass Frucht bringt. Oder etwa nicht. Aber alle denken an
die Sorgen. Die Dornen des Lebens.
Die Großen und die Kleinen. Laßt uns Gott bitten, dass
die Sorgen nicht unseren Glauben ersticken, das unser Glauben auf den breiten Straßen dieser Welt nicht zertreten wird, die
Begeisterung für das Gute anhält und der Regen nicht
alles, was wir gehört haben wegspült. AMEN.“

5
Eine sehr kurze Heilsarmeepredigt. Dachte F. Aber okay.
Es wurde noch ein Lied gesungen und dann löste sich die
Versammlung auf.

Ah- die russischen Chöre. Wo sind sie.
Sonntag.

Auferstehung?

Der Westen ist so kurz angebunden.
Na, ja. Er nahm sich ein Hotelzimmer in der Nähe des Bahnhofs.

Aus: hereinspaziert – die sonderbaren welten des herrn panther epubli.de 2016 Berlin michael wohlfarth Kalendergeschichten und Anne im Zug. Das sind Reisegeschichten. Ja, doch auch, wenn Du zu HAUSE bleibst in diesem typisch deutschen Sommer. Warm, heiß, Dusche, Regen, Donner, Blitz. Die Pflanzen sind dankbar. Die Wiesen sind grün. Seid DANKBAR, dasse kein Dürresommer ist. Bittet für die, die unter Überschwemmungen leiden, oder unter einer Dürre, so wie sie in der Bibel beschrieben werden.

Die Geschichte von Anne im Zusammenhang könnt Ihr lesen in „Ach, Dostojewski“.

Zum heutigen Datum Sonntag d.4.August 2024, 10. Sonntag in der Trinitatiszeit: Und vergesst nicht: heute ist ISRAELSONNTAG und gestern? – gestern war Schabbat, die Juden warten auf den Messias und lassen die Türe nur angelehnt, dass er eintreten kann. Wenn sie feiern und eine Kerze anzünden. Seht Euch unbedingt den Ostseefilm an: Die Herrlichkeit des Lebens. Ich kenne keinen Besseren. Googelt!

KOMM HERR JESUS, SEI DU UNSER GAST UND SEGNE WAS DU UNS BESCHERET HAST. SAGEN WIR UND WARTEN DASS ER WIEDER KOMMT WIE DIE MÖNCHE AUF DEM ATHOS WENN SIE SCHWEIGEND AN IHREN TISCHEN SITZEN UND IHRE SUPPE LÖFFELN. UND NICHTS SAGEN. SIE WARTEN AUF DIE WIEDERKUNFT DES HERRN. Sagt Erhard Kästner in seinen ATHOS-ERINNERUNGEN.

DER UNTERSCHIED ZWISCHEN CHRISTEN UND JUDEN: BEI UNS KOMMT ER WIEDER.

Bibelstellen Fjodor das Gleichnis Von den Arbeitern im Weinberg nach zu erzählen(Matthäus 20 1 ff.). Der überraschende Schluss bei Matth.20, 8 – 16. Bibelstelle zur Predigt im Saal der Heilsarmee Matthäus 13 1 ff. oder Lukas 8, 4 ff.

Fortsetzung aus Heile Welt-Berliner Erzählungen Seereisende und Landreisende

Landreisende

Und das am Horizont verschwindende Land bleibt auch, was es ist. Nur, daß es nicht mehr zu sehen sein wird, je stärker der Wind zupackt. Es liegt dann im Osten. Auch Hamburg, von wo aus Anne in See gestochen ist.

Auch Berlin bleibt dort, wo es liegt.

Der große rot-schwarze Klecks mit seinen Unbegrenztheiten und seiner Uferlosigkeit.

Baumschulenweg, Späthsche Baumschulen. Kleingärten.

Ein grünes Bild mit Wasserstraßen.

Wo die Grenze war, als Rot und Rot noch keine Koalition eingegangen waren, als die zwei Welten noch markiert wurden durch Schützen, die rufen:

„Hände hoch!“

Und wer es nicht tat, wie der junge Mann, der noch zu jung war, um zu wissen, daß die Mauer fällt in acht Wochen und in den Kanal springt, die Grenzen überwindet und in den Kleingärten verblutet. Ein Opfer mehr des Kalten Krieges, nachdem der Weltkrieg längst vorbei war.

Da versteht man schon, daß die Leute alles hinter sich lassen und sich lieber dem Meer anvertrauen um neues Land zu sehen. Das gelobte Land. Und was singen dann die Chöre?

Jetzt sind die Soldaten nicht mehr zu sehen in den Gärten. Wie gut, daß jetzt die Gärten die Welten trennen und nicht der Stacheldraht die Gärten

Daß in den Gärten die Türken, die Ossis und Wessis sitzen und die Sonne suchen und die Stadt ist weit weg.

„Buden bauen!“ singt der Chor.

„Hütten errichten!“ singen die Zeitungsverleger.

„Versteck spielen“, sagen die Skeptiker und die Kinder aus jeweils sehr verschiedenen Gründen.

„Bis uns der graue Alltag wieder hat“, seufzen die Rentner.

Nein, Anne war nie in der geteilten Stadt.

Aber der Autor.

Und vielleicht ist D. vom Strand, wo das Schiff lag, gelaufen und gelaufen, schnurstracks gerade nach Osten, bis er in andere Städte kam und schließlich den Funkturm und zuallererst den Fernsehturm, gebaut von der Bevölkerung der Deutschen Demokratischen Republik, sieht – in der Ferne. So konnte er nach Hannover kommen, nach Münster vorher, bis die Preußen ihn hatten.

Spandau. Charlottenburg.

Wo ist er jetzt? Er hält Vorlesungen in der altehrwüdigen Humboldtuniversität zu Berlin und steht hinter den altmodischen Kathedern.

Über russische Geschichte.

Etwas verkleidet.

Keiner erkennt ihn und alle sind begeistert.

Aber als er sagt, daß es Gott gibt, der ihn führt.

Zu Fuß. Er lenkte seine Schritte bis Mitte.

Nein, dann ist es genug.

Sie werfen ihre Kaftane in die Vorgärten und finden, Rußland hat keine Aufklärung. Und die Mode ist auch – wieder einmal – vorbei. Einige meinten, vorab ein gewisser W. von der Berliner Zeitung, die Nummer sei nun gegessen. Auf zur nächsten! Dostojewski ist doch schon lange tot. Wie auch Tolstoi. Erstaunlich, was in Rußland jetzt wieder für Blütenträume reiften.

Nieder mit dem Zaren!

Es lebe die FRANKFURTER SCHULE.

Es lebe Paris und das kleine Paris in Mitteldeutschland. LEIPZIG.

„Leipzig nicht!“, riefen einige dazwischen.

„Warum nicht ?“

„Das verschweigen wir!“

„Gebt euch zu erkennen!“

„Wir freuen uns über jede Nebelschwade und das fahle Licht der Dämmerung.“

„Wir sind die Dunkelmänner!“

„Eine richtige Montagsdemo wird das jetzt!“

Und das am Horizont verschwindende Land bleibt auch, was es ist. Nur, daß es nicht mehr zu sehen sein wird, je stärker der Wind zupackt. Es liegt dann im Osten. Auch Hamburg, von wo aus Anne in See gestochen ist.

Auch Berlin bleibt dort, wo es liegt.

Der große rot-schwarze Klecks mit seinen Unbegrenztheiten und seiner Uferlosigkeit.

Baumschulenweg, Späthsche Baumschulen. Kleingärten.

Ein grünes Bild mit Wasserstraßen.

Wo die Grenze war, als Rot und Rot noch keine Koalition eingegangen waren, als die zwei Welten noch markiert wurden durch Schützen, die rufen:

„Hände hoch!“

„Wir sind das Volk!“

„Wir sind das Volk!“

Und so ging es noch lange.

Und i c h ?

Ich laufe nicht wie Seume im 18. Jahrhundert nach Rom. Etwa durch Sachsen. Etwa durch die Seenlandschaft Brandenburgs, benutze nicht Boote und Fähren und komme schließlich an, um eine Reisebeschreibung reicher. Nein, ich fahre nicht mit der russischen Eisenbahn quer durch Deutschland – der Protestantische Norden – um vor Preußens Gloria und in seinem Glanz zu landen. Nicht jenseits des Mains. Vor den hohen Bergen auch.

Der Autor – Ich – setzt sich in seinen Diesel, gibt Gas, hat einen Schlafsack, wenn alle Stricke reißen. Benutzt sein NOKIA, um Kontakt zu halten. Möchte zwar manchmal langsam fahren wie im Urlaub.

Und kommt an im SYSTEM.

Es sind Formeln ausgerechnet worden, wo alle Faktoren zur Geltung kommen und so der kleinste Nenner gefunden wird zur Erhaltung der ungebremsten Dynamik zum Schein.

Im System.

Hat er gehört.

So steht es auch in den Hochglanzkatalogen.

Und der Co-Autor, an sich Spezialist für

amerikanische Fragen?

Hat sich auch auf und davon gemacht von dort, wo die Moderatorin Platz genommen hat an ihrem gläsernen dreieckigen Tisch mit dem ständigen Mikro herunter gebogen am Mund, die Gräfin einmarschiert ist und der Gaul die Wellen teilte. Es war ihm zu viel. Segel. Nein.

Diese wirren Matrosen vom Dienst und der Kapitän in seiner Kapitänskajüte wie in einem Abenteuerroman aus dem 18. Jahrhundert. Und immer noch zu Darwins

Zeiten. Und vielleicht heute auch noch? Wer ist der Veranstalter?

Mit den Perücken und so. Die du mit dem Ausklopfer ausbürsten mußt jeden Tag. Vorsichtig. Alle lehnen sich über die Reling bei haushohen Wellen und kotzen das Meer voll. „Es geht unter. Es geht unter“, rufen alle durcheinander.

Die ganze bunte Truppe hat ihm nicht gepaßt. Er haßt Schiffsböden, die geschrubbt werden müßten. Von wem? Von dem Personal. Die Gäste womöglich mit.

Er paßt und geht wie Dostojewski zu Fuß. Aber nicht nach Osten. Sondern nach Südosten. Von der Nordsee aus gesehen. Er geht am Rhein entlang und schwenkt dann ein nach links, streng nach Osten und kommt in die häßlichste Stadt aller Städte. Nach Frankfurt am Main. Most. Most. Wo die amerikanischen Wolkenkratzer stehen, die das Geldgeschäft bestimmen und das Papier bedrucken, welches Auskunft gibt über den Untergang der Geschäfte mit dem Geld. Und dem Aufstieg.

„Börse, ja Börse“, rufen die Börsianer und kommen ihm schon entgegengelaufen, weil sie ihn gesehen haben von ferne. Von ihren hohen Türmen aus, die den Main bevölkern. Wo er doch sehr bald in den Rhein mündet. Und auch die FAZ macht ihm Komplimente, weil er als konservativ gilt bei einigen seiner Kollegen. Die Kolleginnen amüsieren sich und haben keine Meinung.

Da ist die Welt noch in Ordnung.

Was man von Berlin überhaupt nicht sagen kann.

Dort bekommt man zuerst einmal einen Schock und dann noch einen Elektroschock und dann ist man wie gelähmt, weil alles THEATER ist und KUNST. Da war wirklich die DDR besser dran und Ostberlin als Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik Da wäre ja sogar ganz Berlin besser dran gewesen, wenn es russisch geblieben wäre, so wie es vor den Amerikanern war. Warum mußten die auch Thüringen und Sachsen verlassen. Immer diese Symbolpolitik. Dann gäbe es keine geteilte Stadt. Und der Himmel der Philosophen wäre auch nicht geteilt und auch nicht der von der Landsbergerin Christa Wolf. Dann wären wir auch nicht so christlich. Viel zu viel: 30 Prozent in einer christlichen Kirche. Das gibt es doch gar nicht. 10 Prozent reichen. So wie Leipzig oder Dresden oder Erfurt. Na ja, nun ist es so wie in Thüringer Dörfern. Da sind es auch dreißig. Bißchen mehr manchmal, wo der Mond die Zeit bestimmt, die wir hatten und die ist und die kommt. Ja, was denn. Wir wissen gar nichts. Matthias Claudius hat Recht.

Also der Co-Autor. Er muß hier neu eingeführt werden: heruntergelaufen, gepilgert vom schönen Nordseestrand zwischen Hamburg und Bremen in einer Linie, die zum Rhein führt, bevor er in die Niederlande abbiegt.

Na, ja Ruhrgebiet, Rheinland, NORDRHEINWESTFALEN.

Rhein. Main. Dichtest besiedeltes Gebiet.

Rheinischer Katholizismus. CDA-FLÜGEL USW.

Rheinhessen. Mainhessen. Weinhessen.

Ackermann hat seine Späher. Abends trinken sie einen goldenen Becher leer.

Genau.

Die haben ihn ausgemacht und sind ihm entgegengekommen, als er noch auf dem Feldweg war

vor der Autobahntangente Nord-Süd.

„Tempel des Satans“, war sein erster Gedanke.

Die Rechtsgebäude.

Groß und hehr.

Die Sparkasse klein dagegen, wenn auch aus Glas.

Aber das Rathaus.

Der RÖMER.

Schulen.

„Wie Leipzig“, fällt dem Ossi da ein und sagt das einem Wanderkollegen ins Ohr.

Oberstes Gericht.

Bank und Kirche.

Sind das die drei, die ein Gemeinwesen ausmachen.

Ja, repräsentative Demokratie.

Eindrucksvoll.

Die Towers.

Ziele.

Die Paläste der Gerechtigkeit? – Kirchen?

Ja, die drei Größen in Leipzig.

JETZT AUCH. HERAUSGEPUTZT:

RECHT. GELD. TEMPEL.

Und in dem schönen Frankfurt am Main, wo einst Johann Wolfgang von Goethe geboren wurde. Und in dem schönen Leipzig in dem noch schöneren Sachsen, wo Johann Wolfgang Goethe einst studierte und viele andere auch.

Nun aber in Hessen links und FULDA SCHWARZ.

BONIFACIUS, der es ihnen gesagt hat.

Rhön.

ROTES MOOR UND SCHWARZES MOOR.

Thüringen. Bayern. Hessen.

Kein Fluglärm. Nur sanftes Gleiten. Wenn die Segler nicht auf dem Wasser sondern in der Luft ihr Ziel ansteuern.

Westerwald? War da nicht einmal etwas.

Ein Nachspiel zum Hauptstück.

In Berlin hast du beides.

ALPHA POINT und Steglitz.

„Nein, das meine ich nicht“, sagt der Autor zu seiner Frau, die ihn in- und auswendig kennt.

Der Co-Autor ist noch neu.

Das war die Geografie unserer Autoren, nachdem das Abenteuerschiff in See gekommen war unter großem Aufwand der Matrosen und aller Anwesenden.

Weil sie Angst haben, mit einem Segelschiff nach Amerika zu fahren.

Ob D. erkannt wird –

und damit wieder gefunden wird für die Geschichte –

weiß niemand.

Der Co-Autor

wird sich in eine Maschine in Frankfurt am Main setzen

und dann eher da sein als Anne.

Wenn überhaupt.

Vom Autor ganz zu schweigen.

Vielleicht klappen wir auch das Buch zu.

Wir werden sehen.

„Danke bis jetzt fürs Zuschauen. Ihre Autoren.“

Es kann sein, daß uns der Stoff ausgeht, obwohl er so in Fülle und Überfülle vorhanden ist.

Unbeschreiblich,

denken Sie nur an Nietzsche, wie er immer wieder nach Hause gekommen ist in diesen Pfarrwitwensitz mit den zwei unverheirateten Tanten, der Mutter und Schwester. Und natürlich einem Dienstmädchen.

Wenn wir dem nachgehen würden…, während unsere Anne sich auf dem Schiff herumtreibt wo es drunter und drüber zugeht und sie die Richtung verlieren, weil die Klimakatastrophe den Kompaß zum Stillstand bringt. Oder sie schon viel zu weit sich dem Magnetpool genähert haben. Daß die Nadel springt.

Der Käptn wie ein Fels in der Brandung.

Er wird das Schiff retten und die Matrosen anfeuern,

sich zu erinnern, was Disziplin bedeutet auf See.

Trotzdem.

Es muß sein.

Es hat sich noch nicht erübrigt. Noch lange nicht.

Dieses ganze 19. Jahrhundert hat den Urknall vorbereitet für die letzten Jahrzehnte, die wie Ewigkeiten auf uns lasten, während andere frei sind. Wenn da nur Keller wären und Fontane, Storm und Raabe. Die schönen Bücher in unserer Bibliothek, auf die wir so stolz sein können.

„Gelt, das ist ein Schatz.“

„Ja, ja.“

„Was sagst du Fjodor?

Schweigen?

Hast du nicht gehört?“

Jedenfalls Nietzsche zu Hause. Sein Vater längst tot und ein Bruder und immer die Kirche im Blick. Wenzel. Wir sind schon schockiert von seinen Ausfällen und wissen es nicht genau, ob es nicht besser gewesen wäre, die Brennnesseln nicht von seinem Grab in Röcken zu entfernen in einem studentischen Einsatz kurz vor 1989.

Präfaschistisch? – Nein, missbraucht!

In Sachen Wirkungsgeschichte war die Evangelische Kirche schon immer ein Waisenknabe und vielleicht das gesamte linksliberale Bürgertum mindestens ebenso.

Hitler hat begeistert Nietzsche gelesen. Goebbels. Sie haben nicht irgendjemanden gesucht, dem sie ihre Ziele in den Mund legen konnten.

So einfach ist das nicht.

Sie haben ihn mißverstanden?

Sie haben Wagner mißverstanden?

Ich möchte die Fragen im Raum stehen lassen und mich dem Schiff zuwenden, das allmählich seinen Kurs findet. Die Matrosen sollen ja lernen, ein Schiff zu führen. Die Passagiere sollen eine Therapie machen. Angst erfahren. Damit sie an Land nicht vor dem kleinsten Problem davonlaufen. Mal sehen, ob das gut geht. Es sind ja sehr bunte Figuren.

Natürlich war er sehr froh, endlich in die Freiheit zu kommen. Heraus aus der Pensionärsstadt. Der Beamtenstadt. Obwohl Schulpforta im Tal der mitteldeutschen Weinberge Heimat genug ist, um nicht vergessen werden zu können. Max Klinger wußte das auch mit seiner wilden Seejungfrau im Schaumbad des Meeres. Bonn. Theologie und Philologie. Das Meer erkunden mit Odysseus .

Hoffentlich wird das keine Irrfahrt mit Anne auf dem Meer. Und Zyklopen. Und ewige Heimfahrt.

Hexen und Götzen in der Dämmerung.

Du kannst dich ja so leicht….

Darüber müssen wir gar nicht reden.

Wer fängt dich auf? Wer hält dich fest?

So fest, daß du nicht fällst, wenn du stürzt.

Wer gebietet den Winden Einhalt.

Armer Bruder aus Röcken. Arme Schwester.

Die Sonne ist längst untergegangen und Nebel liegt über den Wassern und jeder hofft auf das erlösende Wort der Schöpfung. Sie steigt wieder auf am Morgen über dem Meer.

Odysseus findet heim nach dem großen Krieg.

Während sich die Autoren vor dem Meer grauten, weil die Materie nicht die ihre war. Sie hatten nicht genügend Ehrfurcht vor der Weite des Meeres und seiner Ungewißheit. Und als sie den Staub der Stadt und Straßen aufwirbelten vor lauter Angst, die Wassermassen könnten ihnen nachkommen, duckte sich Dostojewski hinter den Büschen Berlins, besonders im grünen Gürtel zwischen Berlin Süd- West und Berlin Süd-Ost. Er benutzte heimlich im Winter die Lauben und feilte so lange an den Schlüsseln aus Aluminium – aus Ostzeiten – bis die Schlösser sprangen und die Matratzengrüfte für den russischen Dichter das beste Versteck des Jahres bildeten. Denn um alles in der Welt wollte Dostojewski nicht entdeckt werden im wiedervereinigten Berlin. Nein, da hatte er eine eigentümliche Abneigung. Dabei wäre es so einfach gewesen in den Touristenströmen unterzutauchen in altrussischer Kleidung zur Berlinale.

Ich habe Lust, mich wieder mit ihm heimlich oder unheimlich zu treffen oder auch auf dem Boulevard von Wim Wenders mit Stern, Stern, Stern aus Messing und Gold. Also geh ich zu seiner Hütte Späthsche Baumschule, da wo die Flucht gelungen war, wenn auch nur mit schweren Verletzungen wie im heißen Krieg, und wecke ihn nicht, sondern schiebe einen Zettel unter die Tür. Und tatsächlich am Abend gehen wir um den Müggel und ich halte meine Monologe.

Was ist mit der Frankfurter Schule. Darf sie Leute entsenden mit und ohne Doktorhut, die Lieblosigkeiten empfangen haben wie Schläge in ihrer Kindheit und nun gegen alles wettern wie der Gegengott von Donar, was nur annähernd nach Haus und Hof, Familie, Volk und Vaterland gesetzt ist, weil sich doch alle sehnen nach einem Dach, Vermehrung und Fruchtbarkeit, kurz NATION von NATUS – geboren. SEIN und ZUSAMMENLEBEN. Dieser Typ wedelt sich Luft zu mit dem Gänsekiel des Pfaffenhasses.

Na, du weißt schon, wer es ist. FREIES WORT, BERLINER ZEITUNG. Die, die behaupten, Hegel sei der Vorläufer von Marx und wer nicht so denkt wie wir, bekommt Denkverbot:

Wir nennen das Freiheit für die Andersdenkenden. Wir fordern das. Aber wir werden einen Scheiß tun. Na, ja, Sarrazin. Ich liebe ihn auch nicht. Wer tut das schon. Ich hoffe seine Frau. Jetzt kommt die ganze Familie dran.

Wir sind eben nicht in Luxuswolle verpackt mit Guthaben aus über 60 Jahren.

Verstehst du das DOSTOJEWSKI ???

Verstehst du das, was Du nicht liest in der Deutungshoheit dieser Affen. Nein, nein Wim Wenders meine ich nicht. Er hat ja Recht, daß wir verloren sind, wenn wir nicht in den Morgen tanzen. Aber dass wir auch verloren sind, wenn wir keine Schuhe mehr haben, um über den glühenden Asphalt zu gehen, müßte er doch von den Romantikern wissen, die geschrieben haben von der Katze auf dem sonnenüberfluteten Blechdach und der Endstation Sehnsucht.

Oder er müßte es wissen wie der Dramatiker an der Oder. Wenn du dort über die Oder willst im harten russischen Winter.

Und die Schollen kommen.

Und die Amsel im Strauch.

Strauchdieb du. DOSTOJEWSKI.

Was treibst du.

Laß doch den Böll in seinem Tagebuch von der glücklichen Insel. Du bist jetzt auf dem Grenzstreifen und wir erkunden die Welt. Weil es sie nicht mehr gibt. Die Grenze. Aber die Welt. Und GRENZENLOS: Das ist eine große Gefahr. Komm an deine eigenen Grenzen. Suche Gott. Und finde ihn in dir selbst.

Übung.

Also D. kam an die Oder.

Er kam unter die Linden. Er trat zur Berlinale auf im historischen Kostüm wie der Verrückte in Weimar. Er hat den Zettel gelesen. Die Adresse hat gestimmt. Die Szene funktioniert kurz vor Kreuzberg und Neukölln.

Da ist mir die Sarah lieber, als dieser Mann von der Frankfurter Schule, den sie eingestellt haben um zu schreiben.

Die Araber können zwar ihre Schuhe ausziehen wie Moses und Gott Paroli bieten oder mit Gott den Tyrannen, dann kommen aber neue und vertreiben wiederum diese u. s. w. Bis die Langeweile der Demokratie funktioniert. W. original. Kein Doktorhut, um dieses aufzusammeln und zu entsorgen?

Fade.

Fjodor, welches Thema hast Du? Daß die Bayern Berlin aushalten zu einem Drittel. Und die anderen alle. Jedenfalls Württemberg? Beim Geld hört die Freundschaft auf. Aber den Hauptstadtbonus muß es doch geben. Die Höflinge und all diese? Die geballte Schreibkraft.

Tribut. Tribut hallt es von den Hängen am See zurück, wenn du es hineinrufen solltest.

Byzanz, Byzanz hat die Luft zerrissen, als in Leipzig das Volk rief wir sind das Volk.

„Berlin, Berlin, wie haste dir verändert. Keene Stadt mehr. Keene Idylle. Keen Pfuhl mehr und keene Sünde, die ham se abgeschafft. Gott ooch. Deswejen ist der Pfuhl och ken Puhl.

Ne. Das is er nich. Was is er eijentlich?“

Ruft es aus’m Wald !!!

„Keene Gasse, die ham se zerbombt. Keene Stadt. Soll so schön gewesen sein. Det alte Zelluloid.“

„Aber das hatten wir schon“, meldet sich jetzt mein russischer Freund zu Wort. „Die Bolschewiken haben ooch alle Fenster rausjerissen und Feuer gemacht, weil se jefroren haam.“

„Det kann man ihn ja ooch nich emal üwel nehmen!“ Kommt ein Spaziergänger daher.

Lassen wir an der Wolga die Riesen aus Stein und die leeren Sockel der Riesen, die vergraben wurden im Sand. „Alle Welt schart sich darum, weil sie ein Weltwunder sind. Oder? Na, ja die Veteranen“, meckert die Ziege auf den Oderwiesen und flüchtet über die Schollen ins polnische Nachbarland. Nach Norden, wo die Warthe auf die Oder stößt und die Sümpfe unübersehbar werden.

„Aber die Pfade…!!! Musst du gehen. Über sieben

Brücken, wenn du wissen willst, warum das Pflaster stöhnt in den Provinzen.“

Für heute nacht ist es vorbei. Morgen wieder kannst du dich verwandeln. Geh, schlaf dich aus in deiner Hütte. Setz dir den Gärtnerhut auf und zieh dir die finnischen Stiefel an – Import aus der ruhmreichen Sowjetunion – halte das Maul. Laß dich erst sehen, wenn die Sonne am Himmel steht. Denn es ist grundsätzlich verboten in einer Hütte im Garten Berlins zu übernachten. Sie können dich anzeigen. Kommt dann der VOPO? Oder das Ordnungsamt, das alle VOPOS aufgenommen hat, um sie vor der Arbeitslosigkeit zu retten?

Oder die CDU? Weil sie für Ordnung und Sicherheit geradeaus steht? Also jetzt ist es mittlerweile um 3 Uhr nachts. Wir haben die Wolken fliegen sehen über die Oder. Wir haben die Sichel des Mondes über dem See ziehen lassen und die Warzen bespuckt, damit sie vertrocknen, wenn du aufhörst mit Spucken. Wir sind ja schließlich keine Zebras. Jetzt schlüpf in die Hütte. Wirf dich tränenüberströmt auf die Kissen aus russischem Samt. Warte auf den Mittag, wenn die Rentner zu Muttern machen in die Kaserne. Dann kannst du aufstehen und dich sehen lassen. Es sieht dich keiner. Du wirst ja sehen, ob wieder ein Zettel unter die Türe geschoben wurde.

Geh zum Popen, der wird dir zu Essen geben.

Verhungere nicht. Bitte!

G i o v a n n i oder Hansestadt Greifswald, Autokennzeichen HGW

Oder, wenn du es klug anstellst, du könntest auch im Inntal sein und über die Kitzbüheler Alpen in die Hohen Tauern fahren oder anders herum über Gerolspaß hinab in das Salzachtal, wo dir entgegen geflogen kommen die Triolen Schuberts und Viertel Mozarts.

Die Luft schwingt. Du darfst nicht zu oft nach hinten sehen oder gar nach unten, sondern hinauf, hinauf.

Dreh dich nicht um, der Plumpsack geht um.

Der das Taschentuch fallen läßt.

Ja, ja geh nur noch weiter südlich und du wirst sehen die Dolomiten und irgendwann begreifst du den Unterschied zwischen Andreas Hofer und Guiseppe Verdi.

Gefangenenchor.

Vereinigung Italiens.

„Pfui Teufel!“

Den Fürsten, die andere ausrauben und die Maler verjagen, wenn sie auf der falschen Seite den Pinsel schwingen.

Taschentuch.

Othello.

Na, ja Sie wissen schon.

„Wie gespenstisch ist eigentlich der Homunkulus in Eis und Schnee?“

„Der Bergsteiger, der seinen Bruder alleine hinaufklettern läßt und irrsinnig über den Berg kommt zu den thailändischen Bauern auf der anderen Seite?“

Gipfelstürmer von links.

Die rechten hatten wir.

Wer will wem da etwas verzeihen. Ich nicht. Du nicht. Niemand.

Dostojewski nicht mehr in der Gartenlaube im Grüngürtel von Treptow und Baumschulenweg, wo die Grenzer schossen, wenn sich etwas bewegt.

Und das Wild verblutete.

Der Mensch, der es gewagt hat, unüberlegt die Fronten zu wechseln.

Sondern auf einen Zug gesprungen. Durch bis Innsbruck durch viel Tunnel und über viel Brücken. Nie knallte eine Ohrfeige, wenn es dunkel wurde. Kein Mädchen wurde rot, kein übermütiger kußfreudiger Bayer. Alles vorbei.

Strauß und die seinen, die Witze dazu. Sie ersterben uns auf den Lippen. Selbst über Lederhosen lacht niemand mehr.

Wo Kultur und Natur sich treffen, so die Werbung

im schönen unteren Inntal.

Der Chor singt es.

Wir stimmen ein.

Dostojewski nicht mehr in der Hütte im Gartenland Berlins, sondern in den Bergen.

Schlagzeile im Boulevard.

Dort kann er Verdi verstehen lernen, wenn er weiter geht. Immer weiter.

Und Dante lesen in Ruhe.

In Ruhe. Himmel und Hölle.

Liebe und Haß.

Unsterbliche Geliebte.

Dort kann er den Inn rauschen hören in der Nacht und an Eichendorf denken, wenn er nur wüßte, ob es ihn gab. Er kann lesen, was an den Bäumen angeheftet ist und in den Zeitungen veröffentlicht. Tod und Auferstehung. Jahrestage. Anteilnahme. Was sind da politische Nachrichten und andere. Namen liest du da. Namen von Familien. Wappen siehst du da an den Wänden. Hier wird noch Haftung geübt. Persönliche Haftung.

Eine Landschaft übersät mit Kapellen und Kreuzen. Schwindelnde Höhen. Glas. Silber. Gold im Berg und auf den Figuren. Aber doch solch ein preußisches Grau.

Feldjägergrau. Christliches Abendland, aber wo sind die Christen.

Deutschland, Dostojewski war hier. Die Amtssprache aus dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation.

„Nix mit Europa. Nix wie in Amerika, wir sprechen

deutsch, die anderen anders. Wie soll das gehen?“ Sagt der müde Angestellte gegen Abend zu einem Gast mit Ehefrau, beide wollen Österreich erleben und Holzpuppen tanzen sehen.

Und Besenstiele als Zeichen auf die Wege legen, damit die Nachfolger bei Abzweigungen sich zurechtfinden. Immer in Angst, der große Nebel kommt und du siehst die Hand nicht vor den Augen. Du kennst die Abgründe nicht und den tiefen, tiefen See, den Grünen, den Herrlichen. Das Alphornauge. Da kannst du schon auf ganz närrische Gedanken kommen. Und die Besenstiele müssen fluoreszieren, musizieren, damit sie ja nicht übersehen werden. Sekunden zählen und Schritte. Auf dem Gipfel ist die Ewigkeit zum Greifen nahe. Wie am Meer.

Dem Himmel nahe, haben auch die Psychologen im Dienste der Werbung für den Wirtschaftsfaktor Tourismus herausgefunden.

„Herr Pfarrer, wir sind ihm so nahe, daß wir nicht in die Messe kommen“, sagt die Gastwirtin auf dem Berg. Die Bauern haben sich eine kleine Kapelle auf dem Berg hergerichtet. Und sie sind stolz darauf. Du solltest sie besuchen, Dostojewski. Vier Höfe, vier Herden. In R. wird gute Milch gemacht und der Käse. Und Honig dazu.

Geh nicht zu auffällig russisch angezogen in das Dorf hinab zur Käserei, zur Kirch und schau nach oben.

Ohne Titel

Aber plötzlich nach dem Nebel siehst du die Türme der Stadt im Tal und weißt, du bist auf der richtigen Seite gewesen, bist nicht den Verlockungen des Silber gefolgt im Berg. Des Goldes. Des Kristalls.

Er hatte den Popen nicht gefunden

Er hatte den Popen nicht gefunden in Berlin. Umgekehrt. Der Pope nicht ihn. Versteckt er sich auch so unter dem Tisch der Hütte, als der die Tür einen Spalt öffnet und seinen Kopf zeigt.

„Das war der Pope“, jetzt ist es zu spät. Er ist längst in den Büschen der Späthschen Baumschule verschwunden und kein Mensch der Welt würde ihn finden in dem Gewirr von Wasser, Heide und Brache.

Nach zwei vergeblichen Nächten des weiteren Wartens schleicht er sich im Kaftan durch Parks an das Gleis heran und springt auf. Der Zug fährt nach Süden. Eigentlich ist er mehr für den Osten und Norden. Das ist seine Welt. Gleichviel bei dem Risiko. Überhaupt erst einmal auf einem Zug ohne Geld und Billet.

Und wenn schon Berge. Höchste Berge. Schweiz.

Die Dämonen haben ihm das eingeflüstert. Lenin.

„Für den Frieden ist Mozart besser, Dostojewski.“

Mozarts Musik wird ihn begleiten die Wege hinauf und hinab in das Tal der tausend Wünsche.

Laß Lenin schauen auf die Weinberge auf der Halbinsel Krim, wenn er noch dasteht, aus weißem Marmor gehauen von einem Spezialisten, geehrt mit dem Orden des großen Vaterländischen Krieges in Gold am Band. 1989 im Spätsommer haben wir ihn dort gesehen und dann den Wein getrunken, den süßesten der Welt beim Mahl des HERRN in der Baptistischen Gemeinde Jalta. Es kann ja sein, daß sie ihn inzwischen ins Museum gebracht haben. So ähnlich wie im Kaliningrader Gebiet: Kopf an Kopf und Fahne an Fahne. Rumpelkammer.

Museum.

Geschichte. Geschichten.

Wie eine Rumpelkammer.

Requisiten. Interieur. Kulissen.

Wenn sie nicht längst auf dem Sperrmüll der Geschichte gelandet sind.

Und Tirol?

Berg Isel. Landesausstellung. Panorama der entscheidenden Schlacht vor über zweihundert Jahren. Gar nicht so unähnlich. Im Prinzip eine Addition, die die Geschichte zur glänzende österreichischen Rumpelkammer macht, zum geheimnisvollen Dachboden. Es gibt kaum ein Ergebnis. Weil die Faktoren nicht bekannt sind.

Im 3. Jahrtausend.

Nach den Zusammenbruch der pax sovietica. Und die pax america ist auch nicht mehr das, was sie einmal war, sagen manche.

Was ist schon das, was es einmal war?

China. Indien.

Die Welt ist rund und keine Scheibe mehr nach dem Fall der Mauer in Berlin und der Grenze in Europa aus Stacheldraht.

Und der Orient ist nah.

Die unbeschnittenen Juden

kommen aus der ehemaligen Sowjetunion.

Israel kämpft.

Die Angst vor den Türken wird geschürt.

Adenauer hat sie einst geholt zum Wiederaufbau Deutschlands trotz des Völkermordes an den Armeniern.

Hat er das eigentlich gewußt.

Professor Unrat sagt „Addition“ zu so etwas.

„Machen Sie es so wie die Bauern im Po-Tal!“

„Was nicht zu klären ist, wird einfach wegaddiert.“

„Abstrahiere und substrahiere!“

„Reduktion!“

Sonst schaffst du es nicht.

Der PC nimmt es dir nicht ab.

Du kannst mit den Größen nichts anfangen.

Die Schere geht nicht endlos auf.

Jede Generation hat ihren Bereich.

Grenzüberschreitung ist Selbstbetrug.

Der mathematische Beweis ist richtig,

wenn du die richtigen Schlüsse daraus ziehst.

Die mußt du ziehen. Nicht der PC.

Das sind mathematische Gesetzmäßigkeiten und ihre Logik ist die Logik der Mathematik. Wer unablässig addiert und nicht entsprechend reduziert verliert die Übersicht.

Er muß in ein anderes System umsteigen.

Gott ist ein mathematischer Punkt. – Novalis

Irgendwann mußt du reduzieren.

Wenn du zuviel Teller durch die Gegend trägst,

fallen sie dir eines Tages über den Haufen.

Das weiß jeder Kellner.

Lerne deine Grenzen kennen.

Und du wirst Gott erfahren.

Chance und Grenze gehören zusammen.

Oder willst du , daß die Welt explodiert.

Auch deine Welt.

Kind.

„Im Prinzip ja!“ tönt der Sender Jerewan.

Berg Isel. Panorama.

Die Bürger fürchten sich vor den Bauern mehr als vor den Franzosen, die die Bayern verpflichtet haben, diese Holzgesichter in die Schranken zu weisen.

Es wird vermutet, sagen die Sozialdemokraten, daß die Tiroler und die Bayern aber trotzdem gemeinsam Pausen abgesprochen haben. Das klingt sehr säkular.

Oder ökumenisch von heute.

Und dann ging es weiter mit der Geschichte

Isel ist geblieben.

Ein Ausflug! Ein Erlebnis.

Wer kann gedenken?

Alle fragen.

Wer antwortet?

Dostojewski kommt derweil den Berg herunter

und schaut den Himmel mit seinem Gesicht.

Den Abendhimmel. Die untergehende Sonne.

Im Westen über dem Berg hell.

In die Täler hinunter die Nacht…

Fliege mein Flieger. Durchbrich nicht die Schallgrenzen. Jage der Sonne nicht nach.

“DU bist der Tag ohne Abend.“

Alptraum, wenn der Glaube, Liebe, Hoffnung fehlen. CHRISTUS.

Wie gut ist die Nacht. Das Lied der Mutter fällt dir zu. „Hündchen hat den Mann gebissen.“

„Kindchen schlaf ein.“ Und auch die schöne junge Lilofee. Das Schlösseli. Der Herr vom Schlösseli reitet.

Wohin. Woher.

Dostojewski sucht ein Nachtquartier.

Hier gibt es keine Laubenpieper.

Hier wird nicht so gewirtschaftet.

Hütten auf den Almen. Ja, dorthin.

Hinauf. Oben geblieben.

Aber wehe, wenn der Bauer kommt.

Die Schiestlfigur

Am nächsten Tag steigt er herab. Die Schiestlfigur. Hinter den Bäumen, wenn er Gefahr läuft, entdeckt zu werden.

Er weiß ja nicht, wie die hier auf Verkleidungen reagieren und ob die Humor haben und wann der aufhört.

Alles schön und gut. Von wegen Berlin und Russen sind Mode und Kaftane. Nicht mal weiße Mützen von der Krim passen ins Stadtbild, solange Udo Jürgens sie nicht getragen hat und Hansi Hinterseer nicht ausdrücklich sein Votum dafür abgegeben hat. „Was bildet der sich ein?“, sagen sie auf tirolerisch in hartem hölzernen Klang, der denkt wohl, er ist Hansi Hinterseer oder aus Wien.

Dostojewski könnte sich umziehen. Er hat ein kleines Köfferchen mitgenommen. Darin liegen die Sachen von Piefke. Also er huscht von Gebüsch zu Gebüsch. Da sieht er, wie ein PKW sich den Berg hinaufquält und die junge Frau hinter der Scheibe sich graut, wenn sie hinunterschaut.

Endlich ist er im Inntal angekommen, durch ein Seitental dorthin gekommen, wo er jetzt sitzt, in einem Wartehäuschen für Citybusse, Schwaz, Hauptmannschaft in der Nähe. Der Weg dorthin lang, aber abwechslungsreich. Durch Maisfelder. Das Rauschen des Flusses im Ohr. Autobahnen. Intercity. Tunnelstrecke. Gegen Abend, die Zeit, wenn der Trompeter kommt vom Dorf auf halber Höhe. Zugelassen. Von niemandem zurückgehalten.

„Sie haben Angst vor dem Tod“, sagt der Priester. Es ist trostlos und gnadenlos. Die Orgelwerke aus Schlafes Bruder ändern daran gar nichts.

Wenn sie dröhnen.
Die Gasse hinunter.

Fjodor klingelt in der 7. Wir sagen zu ihm: „Nein. Du kannst hier nicht übernachten. Du mußt zurück auf deine Höhe. Geh ins Heu.“ So ist das. So unbarmherzig sind wir geworden. Dostojewski das Lackmuspapier für unsere Liebe zu den Menschen. Aber wir lesen seine Bücher wie „Arme Leute“. Auch wenn es nur ein Fiktion ist. Eine flüchtige Erscheinung.

Am nächsten Morgen.

Ist er wieder da. Und der Trompeter. Dazu gesellte sich dieser ältere Herr mit eingebundenem Kopf. Oder ist es Gips. Und noch andere Verbände an allen Gliedmaßen. Immer schaut er dir über die Schulter und liest mit. Beim Wiener Standard. Die Verbände müßten stündlich erneuert werden. Mindestens täglich.

„Aber wir machen das nicht, wir wollen Österreich erleben in Innsbruck im Theatercafe oder in der Silberstadt Schwaz., wo die Kumpel Protestanten waren vor hunderten von Jahren.“

„Wir werden doch hier nicht den barmherzigen Samariter spielen.“

„Da hätten wir auch im Ostteil der großen Stadt bleiben können im geteilten Land, vierzig Jahre lang.“

„Jetzt nicht! Bitte nicht.“

„Jeden Moment auskosten.“

D. läßt uns eben nicht in Ruhe.

Ob sie nun Trompeter heißen, oder die, die mit einem Verband herumlaufen. Vielleicht sogar nur so getan. Wir kennen das aus der Dreigroschenoper. Wir kennen die schmalen Grade zwischen Wahrheit und Lüge.

Jeder Moment kann der letzte sein. Jedermann hinter der Säule faßt seine Geliebte. JEDERMANN ruft der Trompeter und spielt die Tonleiter – diesmal fast sauber – hoch und

herunter. JEDE FRAU schallt es von Pfeiler zu Pfeiler im dreischiffigen gotischen Kirchengebäude. Einem bedeutenden und einmaligen in seiner Art mitten in den Alpen. Nördlich der Alpen ist der Begriff. Jetzt sind wir im Inntal wo Natur und Kultur sich küssen. Wo die Marien sich verbünden in ihrer Schönheit und Strenge.

Werbung.

Ich habe noch nie den JEDERMANN so gut verstanden.

Und seine Angst vor bösem schnellem Tod..

„Und die anderen Fijuren.“

JEDERMANN.

Jedermann klingelt heute nicht.

Der Trompeter klingelt heute nicht.

Der Verbundene.

Mal sehen.

Der könnte.

Jeden Moment.

Aber da, der Hastige am Abend des Sonntags, von Dorf zu Dorf eilt er. Schaut in die Vitrine, zum Schein.

Wie ein Interessierter. Wie ein Ehemaliger.

Überhaupt die Pensionäre. Sollen sie Cola trinken in der Gasse. Sonntag. Abend.

Du kannst nicht jedem aufmachen, der vor der Tür steht.

Stell dir vor es ist Ostern und es klingelt in diesem schrillen Ton. Schulklingel. Aus den vierziger Jahren. Da steht einer mit Kapuze. Das geht noch. Du fragst ihn, was er will. Er hat eine Tankstelle ausgeraubt und der Richter wendet das Gesetz für noch nicht ganz Strafmündige an. Er hat da Spielräume. Gesellschaftlich nützliche Arbeit. Soll er doch zum Pfarrer gehen und fragen, ob der einen Garten hat.

Umgraben und so. Der Pfarrer ruft das Gericht an und sagt: So etwas könne man in Bayern machen. Einer geordneten rechtsstaatlichen Landschaft. Aber doch nicht in einem postsozialistischen Jugendweiheland. Der Kapuzenmann geht wieder die Treppe hinunter. Einsperren ist schöner.

Oder es kommen die Zigeuner.

Und du darfst nicht singen: „Lustig ist das Zigeunerleben.“

Oder es kommen zwei Musikanten. Der eine ohne ständigen Wohnsitz /alte BRD der andere obdachlos/ DDR.

„Die DDRLER sind faul. Sie singen nicht, wenn es drauf ankommt“, sagt der BRDLER. Aber sie bleiben zusammen. Er meinte das nur grundsätzlich.

„Sie schlafen den ganzen Tag!“ schallt es von den Bergen Du kannst nicht jedem die Tür aufmachen.

Jeder schon gar nicht.

Jetzt bekomme ich einen Brief in die Hände über eine Deckadresse (postlagernd) aus dem hervorgeht, was zur Zeit in meiner Hauptwohnung am Süd- Ost -Rand von Berlin vorgeht. Da hat sich einer eingemietet zu meinen Gunsten, – es ist alles okay und abgesprochen -, ,,der die Wald-Schweine füttert über den Eisenzaun“. Was aber noch schlimmer ist, er hilft ihnen über den Zaun. Sie rühren ihn, weil sie so schön aufrecht stehen wie in der Farm der Tiere und betteln. D.h. sie wollen in das Haus. In meine Wohnung. Weil wir doch jetzt in Franz-Joseph sind. Nummer 7. Tirol.

Der Tierliebhaber hat sich aber nicht klar gemacht, daß sie ihn rausschmeißen, sobald erst einmal eine gewisse Anzahl Wildschweine Besitz ergriffen hat von der Parterrewohnung. Was die Nachbarn sagen, vermag niemand zu sagen. Wahrscheinlich sind die Genossen auf leisen Pfoten ohne Grunz und Schnauf über die Terrasse auf den Parkettfußboden gekommen. Sie wollen nur ganz einfach in der Wohnung sein. Mensch werden. 1984 oder Farm der Tiere.

Um Mitternacht bringen sie Teile von Doppelstockbetten herbei, weil sie gelesen haben, das entspricht am meisten dem, was man einen Schlafsaal nennt. Alle Türen auf. Überall Doppelstockbetten. Aber nur nachts. Am frühen Tag verlassen sie mit den Betten das Haus. Niemand scheint etwas zu bemerken. Sonst müßte es doch Klagen geben.

Wo haben sie die Möbel her.

Sie graben. In den Schutthalden Ostberlins.

Unter dem Waldboden des deutschen Reiches.

Ein Nachbar hat zugeschaut.

Er hat mir geschrieben.

Sollen wir Österreich abbrechen. Den Urlaub.

Nein, wir tun so, als ob nichts gewesen ist und hoffen, daß der Spuk vorbei ist, wenn der Ersatzmieter in unserer Wohnung die Koffer packt. Wie verabredet.

Wie kann einer so töricht sein. Hat er nicht alle Tassen im Schrank seiner Herkunft. Kann er nicht nein sagen. Hat ihn die Evolution erwischt am falschen Ende. Oder hat er noch nie eine Kuh gesehen.

Großstadt.

Im Gegenteil, wir bleiben noch etwas länger.

Und sinnieren, wie recht doch die Republikaner haben in dem freien Land Amerika, wo jeder eine Waffe tragen kann, um sich selber zu schützen vor Eindringlingen jedweder Art.

Denn nur die FDP verteilt Werbematerial, wo eine riesige Sau eine Berliner Straße entlang geht. Der Eber.

Die Quote ist zu niedrig.

Die Quote ist zu hoch.

Es gibt immer noch zu wenig Bäume in Berlin.

Wenn du keine Waffe tragen darfst, weil du kein ehrenamtlicher Jäger bist, dann mußt du eben immer Brot in der Tasche haben, um nicht tatenlos zuzusehen, wenn eine Herde auf dich zukommt. Etwas tun müssen wir. Also füttern. Die Leute haben Recht, die handeln und sich unwissenschaftlich benehmen.

Es ist unmenschlich nichts zu tun.

Also Anfreunden.

Füttern.

Und dann.

Ein Bauer gibt Antwort.

Also diesen Brief habe ich meiner Frau vorgelesen. Sie sagt nichts. Sie meint, ich habe ihn erfunden.

„Mach doch eine Geschichte daraus für Kinder!“

Pause. Jetzt bläst wieder der Trompeter.

Und die Russen in Schwaz sitzen in ihrem Kellergewölbe. Und heißen den flüchtigen Gesellen willkommen. Geben ihm gute Ratschläge.

„Meide die Tschechen“ und so weiter.

In der k und k.

„Dein Kindheitstrauma“, lacht sie.

Schwarzröcke hin und Schwarzröcke her.

Aus HEILE WELT – Berliner Erzählungen, Verlag auf der Warft 2014. Diese beiden Erzählungen sind ein Vorabdruck gewesen. Daraus ist geworden:“Ach, Dostojewski. In den Häusern des Lebens und des Sterbens. Nach einem russischen Dichter“. Haag und Herchen 2022

In der Neuauflage epubli Eigenverlag sind diese beiden Erzählungen nicht mit aufgenommen.


Heile Welt-Berliner Erzählungen

Michael Wohlfarths Werk spiegelt – manchmal wie ein Fiebertraum – das Seelenleben und Empfinden eines tief im christlichen Glauben verwurzelten Menschen wider, der im Spannungsfeld der Nachkriegszeit in der DDR seinen eigenen Weg finden musste, der die friedliche Revolution aktiv mit begleitet hat und nach der Wende bis heute seinen kritischen (Weit-) Blick nicht verloren hat.
Wohlfarth ist Pfarrer und gelernter Tischler, arbeitete mit Jugendlichen in der DDR und hinterfragt in seinen Texten stets die Realität, so wie es wohl auch die ihm anvertrauten jungen Menschen stets getan haben.
Leider gibt es auf viele komplizierte Fragen keine einfachen Antworten, wenn es überhaupt solche gibt… Dies gilt sowohl für die Zeit vor als auch nach 1989 und wohl besonders der Wende selbst.
Wohlfarths große Leistung besteht darin, in einer ihm eigenen sehr komplexen, ja gar kafkaesken Lyrik und Metaphorik dem Leser eben nicht einfache Antworten zu liefern, die der Komplexität seiner behandelten Thematik sowieso nicht gerecht werden könnten, sondern vielmehr ein zum Teil beklemmendes und oft vordergründig verwirrendes Gedankengemälde zu erzeugen, bei dessen Betrachtung der Leser zumindest eine Spur von Wohlfarths Gefühlsleben zu ergründen vermag.
Wenn die Leserin oder der Leser sich darauf einlassen, dann nimmt er uns auf steinigem abgründigem Weg mit auf eine Reise in seine Welt, die uns direkt und ungeschminkt eine Ahnung vom Erfahrenen vermittelt.
Und in den darin enthaltenen Gefühlen liegt dann vielleicht auch ein Hauch von Antwort und Verständnis auf all die unverstandenen Fragen, die Ost und West entzweien.
Michael Wohlfarths Text ist somit eine ungeschminkten Analyse eines genauen und authentischen Beobachters, eines gläubigen Menschen und selbst Betroffenen, der es geschafft hat, seine Selbstzeugnisse in einer ihm eigenen komplexen Sprache so zu verfassen, dass die Gefühlsebene des geneigten Lesers direkt erreicht wird:
In aller ungeheuren Absurdität und Banalität des erlebten Lebens, in aller Subjektivität, oft mit Zweifel aber stets mit soviel Stärke und Hoffnung auf das für einen Menschen Wichtige:
Seinen Glauben.

Das Buch Heile Welt-Berliner Erzählungen ist entstanden nach einem Besuch der Frankfurter Buchmesse 2013. Ein Jahr, nachdem wir uns anfingen zu bemühen, gärtnerisch aktiv zu werden bei Leipzig. Von unserer Hütte aus sind wir 2014 zur Leipziger Buchmesse gefahren und ich habe aus diesem Buch vorgelesen. Einige, die das jetzt lesen, waren unter Umständen dabei. Vielleicht auch bei der nächsten Lesung in Frankfurt am Main. Im Herbst dann. In einem alten Bürgerhaus in dem schon RAF-Spezialisten genächtigt haben. Sich versteckt haben unter dem Sofa. – Alle möglichen Leute waren da, die antroposophisch angehauchte Schwester eines AfD-Gründers, eine von mir geschätzte Autorin eines Familien-Epos. Wir alle suchten durch die Literatur den Zusammenhalt, der im Laufe der Ereignisse in Ost und West verloren gegangen war. Die Küchen- und Balkon-Lesung bei Nacht war offiziell angemeldet. Sogar als die Nr. 1 in der Aufzählung aller Lesungen. Weil schon am Vorabend.

Ich musste so und so viele Exemplare kaufen (hoffentlich wieder verkaufen), sonst wäre das Geschäft nicht zustande gekommen. Dr. habil Siewert vom Verlag Auf der Warft (Geheimsprachenverlag) war ebeno ein 68iger wie ich. Oder besser, ein schon Nach-Achtundsechziger. Er in WEST und ich in OST, allerdings bei der Kirche. Nur dort konnte man sich im Osten so etwas leisten. Wichtig für den links-liberalen TOUCH der Demonstrationen bis nach Weihnachten inLeipzig 1989.

Besser HAUCH (auf deutsch).

Es folgten Lesungen in Gemeinden, Buchhandlungen, Kulturhäusern, Parteiversammlungen. In einem Männerkreis glaubte ein Professor, das Buch schaffe es in Berlin wirklich von Heiler Welt zu sprechen. Aus den Erfahrungen des Glaubens. Er war erst einmal schwer enttäuscht. Aber mir war es erst einmal ein Anliegen kulturkritisch zu hinterfragen, was als Heile Welt in Konsum und Garerobe des Scheins verkauft, gelogen und fabriziert wird. Das wissen ja eigentlich Gemeinden und man muss es ihnen kaum sagen. Literarisch ausgezeichnet, war dann seine Meinung.

Fazit: Wo kann man es besser lesen?

Wenn man nicht nur den Verkaufsfaktor sehen möchte.

Sagen Sie es mir.

Der Amazonschreiber hat m.E. den übergreifenden Sinn der deutsch-deutschen Misere erkannt und hat die Diagnose richtig dargestellt gefunden.

Die Therapie?

Ich glaube, die Deutschen müssen ihre Sprachbarrieren überwinden indem sie zum Beispiel in Freizeiten (DDR gleich Rüstzeiten) an Hand der Bibel wieder das gemeinsame Wort finden: das Wort Gottes. Das ist übrigens von mir nicht nur so dahin gesagt, sondern die Erfahrung von mir und vielen anderen. Vielleicht kommen wir so wieder zu einem gemeinsamen Sprachraum. Trotz sehr unterschiedlicher Geschichte, unterschiedlicher 40-jähriger Besatzungsmächte. Sehr unterschiedlicher Spielräume, die wir uns erkämpft haben in 2-3 Generationen.

Wenn es gelingt ist es ein Wunder.

Bitte lesen Sie so die „Rezeption ohne Bestellung“. Und dann vielleicht auch das Buch

HEILE WELT – Berliner Erzählungen. Erstauflage Münster 2014 Verlag Auf der Warft.

Ich habe hier noch einige Exemplare zum Verkauf.

Wenn es ein genügend großes Echo gibt, verlege ich es noch einmal im Eigenverlag mit der Plattform epubli oder in einem Verlag, der keine kostspieligen Auflagen kennt.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Wohlfarth, Autor und Pfr.i.R./Erwachsenenbildner

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Auszug
MANUSKRIPT Heile Welt, Seereisende
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Auf Zehenspitzen öffnen sie die Tür ins Nebenzimmer und Sophie liegt gut versorgt in ihrem Stuben-Wagen. Wem sieht sie ähnlich? Keine Frage. Die Strapaze mit den Zügen und irren Hin- und Herfahrten im PKW wegen der Vermisstenanzeige ihres Vaters hat ihr nicht geschadet. Warum auch. Sie war immer ganz nah bei Anne, ihrer Mutter, die sie behütet hat wie Gott die Kinder Israels behütet in der größten Gefahr.

Das hat Oliver überzeugt. Sie ist in der Dunkelheit gekommen, hat eine Freundin gebeten, auf das Kind zu achten, um Oliver zu zeigen: Ich liebe dich. Du sollst zurückkommen nach den Stunden und Tagen. Sie ist in das billige Motel gekommen mit den Türen zur Straße in der Nacht.

Jetzt stehen sie wieder in dem Holzhaus und er nimmt sich vor, seine Arbeitsstelle zu kontaktieren, um zu fragen, ob er seine Auszeit abkürzen darf. Ob alles gut wird. Nicht, wenn er draußen bleibt. Es gibt zu viel Menschen, die draußen bleiben, weil sie die Welt bewegen wollten, aber in Wahrheit nicht mit ihr zu Recht kamen. Mit der Geschichte ihrer Welt. Vielleicht sollte er sich vielmehr von Henry helfen lassen. Er hatte sich angeboten unterwegs, als sie den Zug hinter sich ließen, den Grünen Zug, den Grünen Salon, den Club der Toten Dichter. Der sich in dem Moment in Luft auflöste, als die Kriegserklärung durch den Äther kam. Die Spezialoperation im fernen Europa/Ost.

Keiner hat geglaubt, dass es vorbei war mit der Sowjetunion. An den Zaren und sein Reich wollte niemand glauben. Dass es wieder kommt. Der Kommunismus war tot, es lebe die Nation. Die Weltrevolution bestand nur noch im Gegeneinander der Raketen mit Atomsprengköpfen. Wie hat Kennedy gesagt: unterirdisch geht alles weiter. Selbstfindung war gestern. Luxus auch. Luxus verteidigt man nicht. Das macht keinen Sinn, sondern nur Schuld. Weil nicht alle in Luxus leben können. Dann wäre es auch keiner mehr.

„Du hast deine Sachen nicht dabei?“

Anne schaut ihn mit großen Augen an.

„ Ist das nur einmal ein Besuch?“

Lange Pause

„Nein, ich habe den Motel-Schlüssel nicht abgegeben.“-

„Ich hatte nicht mit dir gerechnet.“-

„Du brauchst Zeit?“

„Ja.“

Fühlst du dich schuldig?“

„Ja.“

„Das musst du nicht.“

„Warum nicht?- Ich habe dir von Anfang an etwas verschwiegen. Meine Mutter ist im Gefängnis mit einer schweren Schuld, die sie aus Rache auf sich genommen hat. Sie hat die Liebe benutzt und meinen Vater einen Abhang hinunter gestoßen. Das ist immer noch die alte STASI-SCHEISSE. Und das weißt du. Wir müssen zurück in unsere Heimat.“

„Über den Ozean?“-

„Kein neues Leben hier in den Staaten?“

„Nein!“

„Keine Neue Welt?“

Schweigen.

6

Natürlich hat strukturell gesehen der FREIKIRCHLICHE WEG – american way of live – seine Wirkung auf Oliver nicht verfehlt. Warum hat er sich denn anwerben lassen, als er noch auf der Uni war und Betriebswirtschaft studierte. Seine Pflegeeltern, die er sehr liebte, fanden das am besten für ihn und sein Weiterkommen in dieser Zeit. Der FBI hatte nicht locker gelassen und den Judith-Plot nicht ruhen lassen. Ein Grenzübertritt mit tödlichen Folgen auf dem Boden der Deutschen Demokratischen Republik und die Rache danach von den Kindern des Opfers an dem Täter beziehungsweise dem Befehlshaber des Täters, der seinen Dienst an der Grenze versah. Das Dumme auch noch, dass der Offizier der Liebhaber ihrer Mutter war und seinen besten Freund mit ihr betrogen hatte. Er meinte, er hätte ein Recht darauf. Sie hatte ihn doch geliebt und nicht ihn. Die Kinder der Täter, Rächer müssen nun damit klar kommen.

Ein regelrechtes Angebot für Dienste, die nach Energien suchen, die unterirdisch graben und bohren.

Die neue Welt, die wir alle wollten. Die wir aber erst suchen mussten, als die alte zusammengebrochen war. Warum nicht gleich Amerika. Das ist doch wohl der Westen. Die stabilste Demokratie, wo die Freiheit so sicher ist, wie der Schuss aus dem Revolver im guten alten Western, den auch Leonid Iljitsch Breschnew so gerne gesehen hat.

Der kleine Mann neben Erich Honecker in der Karosse die Straße hinunter.

Vor dem Mauerfall.

Und – ach – der Kuss – an den Mauerresten.

Bunt.

Danach.

Und nun Krieg. Ausgerechnet jetzt, wo alle dachten es ist vorbei: Der kalte Krieg. Die Angst vor der Bombe. Wir konnten die Story nicht zu Ende erzählen. Der Plot ist uns im Halse stecken geblieben…

Aus DANACH Weiterführung von DER GRÜNE SALON (e-book) von Michael Wohlfarth/in Arbeit und auf Suche nach einem Verlag.Dann erst Veröffentlichung.

Antony Low /öl.eben da Titel