Fjodor setzt sich zu mir ins Nachbarabteil und erzählt mir die Geschichte von den Unglücklichen. Von den Sündern und Heiligen. Er stellt sie mir vor: „Weißt du,da ist der Markt. Die buckligen Häuser ringsum. Die Läden, die aufgeklappt werden, sobald die Sonne aufgeht. Und da kommen sie, die Tagelöhner, die Tagediebe, die Betrunkenen am frühen Morgen, die nieschlafen können, weil sie ihr Gewissen plagt, die Weinenden, die ihre Familie nicht ernähren können, weil die Barmherzigkeit ausgestorben ist und die Gerechtigkeit Gottes auf sich warten lässt. Da ertönt ein Signal, alle wissen, er kommt persönlich. Der HERR.Das Warten hat sich gelohnt. Gestern kam niemand.Heute soll er wirklich kommen? Sie drängen sich, die Ausgemergelten, die Zerrütteten, die Greise, die Huren, die zu alt geworden sind, um sich zu verkaufen. Allerufen: „Herr, wir sind hier! Hilf uns!“ Aber der Herr verzieht. Scheinbar reitet er um die Stadt herum, um sich ein Bild zu machen, was die Wohlhabenden aus ihrer Stadt gemacht haben. Er gehört in gewisser Weiseja auch dazu.Jetzt kommt er wirklich ohne Signal. Reitet mitten auf den Markt und ruft: „Wer möchte in meinem Weinberg arbeiten?“ Alle sind erschrocken. Davon war nie die Rede. Arbeiten? Sie meinten, sie bekommen die Ration. Deswegen sind sie da. „Das muss eine Neuerung sein“, murmeln sie. Einige melden sich, aber nicht viele.Drei. Er nimmt sie mit. Er steigt ab von seinem Pferd und führt sie zur Stadt hinaus durch das südliche Tor zu den Bergen. Er hätte auch voraus reiten können, denn jeder wusste in dem Gebiet, wo der Weinberg des Herrn lag. Aber er ließ es sich nicht nehmen. Er hätte ja auch genauso gut einen Festangestellten, dem er einigermaßen vertraut, in die staubige Stadt schicken können. Brauchte er wirklich Arbeiter in seinem Weinberg?
Es waren auch wirklich Menschen auf dem Markt,die – wie Matrosen im Hafen – dort herumlungerten nach einer durch gezechten Nacht, um angeheuert zu werden. Aber Bettler auch, die sich nicht genügend bemüht hatten und auf Almosen hofften. Von den Dreien war ein Bettler, der es sich abgewöhnen wollte, als Lohnsklave zur Verfügung zu stehen. Aber irgend etwas an diesem Morgen, als die Sonne im Osten empor stieg, erinnerte ihn an ein Lied seiner Kindheit, welches seine Mutter sang, wenn sie zur Arbeit ging.“
Hier brach der Erzähler ab und schaute versonnen auf die vorbeifliegende Landschaft. Er ließ den Zuhörer allein im Abteil und verschwand. – Wohin? Ich weiß es nicht. Ins MITROPA-Abteil. Toilette. Gang. Fenster runter und Wind und den Fahrtwind ins Gesicht, weil es so schwül ist im Abteil, geht nicht! – Es ist ein INTERCITY. Viel zu schnell.
Das war damals, wenn wir von Ort zu Ort gefahren sind und unsere Freiheitdumpf war, in der wir lebten und voller Freude einem Ziel entgegen fuhren auf der Scheibe, die wir Erde nannten. Und unser Land, DDR. Zigaretten. Ach ja Zigaretten. Verqualmt alles. Tief eingezogen die Luft, die entgegen blies. Fenster ‚runter! Jetzt alles rauchfrei.
Wo ist Fjodor, der Erzähler? Er ist ausgestiegen.Es ist Sonntag. Er wollte plötzlich nicht weiter eine Geschichte erzählen, die jeder kennt, der es mit der göttlichen Gerechtigkeit, mit der Gnade undBarmherzigkeit zu tun bekommen hat. Wie er. Er war darauf angewiesen zu hören. Er hatte Glück, dass der Zug nicht durchgefahren ist und angehalten hat zwischen dem Westerwald und Hamburg, wo die großen Schiffe anlegen. Auch die nach Übersee. Er hatte Glück, dass der Bahnhof eine Bahnhofsmission hatte und einen Saal in der Nähe, wo die Heilsarmee zu Hause war und die Evangelien predigte. Der Gottesdienst hatte bereits begonnen, der Prediger hatte die Bibel aufgeschlagen und war in die Kanzel getreten:„Liebe Gemeinde, wir haben uns heute hier versammelt zum Sonntag Sechzig Tage vor Ostern. Das heißt auf lateinisch SEXAGESIMAE. Dieser Sonntag – wie schon der vorherige – kündigen einen Perspektivwechsel an, den wir alle dringend benötigen. Die Richtung heißt OSTERN. Ostern, das bewegliche Fest. Das in seinem Zeitpunkt sich nach der Stellung des Mondes zur Sonne richtet.- Liebe Brüder und Schwestern, wir haben uns heute hier versammelt, weil Sonntag auf russisch WOSKRESSENIJE heißt, zurückübersetzt ins Deutsche: AUFERSTEHUNG. JEDER SONNTAG
HEISST AUFERSTEHUNG.
Sie haben das Gleichnis vom vierfachen Acker gehört und jeder von uns fragt sich, wer bin ich? Bin ich der Weg? Sind wir die Dornen? Wer ist der Fels? Und wer das gute Land. Wir wollen alle das gute Land sein, das Frucht bringt. Oder etwa nicht? Aber alle denken an die Sorgen. Die Großen und die Kleinen. Lasst uns Gott bitten, dass die Sorgen nicht unseren Glauben ersticken und dass die Begeisterung für das Gute anhält und der Regen nicht alles, waswir gehört haben wegspült. AMEN.“
Eine sehr kurze Heilsarmeepredigt. dachte F. … Aber okay. Es wurde noch ein Lied gesungen und dann löste sich die Versammlung auf. Ah – die russischenChöre! Wo sind sie? Sonntag. AUFERSTEHUNG? Der Westen ist so kurz angebunden. Na ja….Er nahm sich ein Hotelzimmer in der Nähe des Bahnhofes.
Was soll nun aus Anne werden?
Ganz einfach. Sie geht auf ein Schiff. Im Hafen liegen welche. Genügend Große und Kleinere. Sie muss mit den Leuten ins Gespräch kommen, damit sie mitgenommen wird als ermäßigt. So viel Geld hat sie nicht mit bekommen von zu Hause. Sie wird sich in eine Kneipe setzen. In so eine Hafenkneipe in Hamburg und sehen, was sich machen lässt.
Es lässt sich eigentlich gar nichts machen.
Die romantischen Zeiten sind vorbei. Also nimmt sie ihr Handy und ruft bei der nächstbesten Reederei an, um zu erfahren wie das heute so geht. Vorschläge. Angepasst ihren finanziellen Eckwerten. Ihrem Chip. Sie sagen ihr, ab wann sie sich einzufinden hätte in einem Reisebüro der und der Reederei. Unterkategorie der Großen Reederei. Der Übergeordneten. – Nächste Woche. So schnell geht es nicht. Aber nächste Woche gibt es die Möglichkeit mit einem Schiff nach Amerika zu kommen. Auf einem Tanker oder Containerschiff als Mamsell, die den Matrosen das Essen ausgibt in der Kombüse. Wenn sie es so macht, muss sie gar nichts bezahlen. Im Gegenteil, sie bekommt etwas für Amerika. Sie verdingt sich. Sie hat Zeit. Viel Zeit. Sie wird erst nach Weihnachten, im Frühjahr anfangen, Germanistik in Amerika zu studieren. Wenn sie es schafft, alte Verbindungen wieder aufzunehmen.
Gut, dass sie ein Handy hat. Sie wird immer das Gefühl haben, in der großen weiten Welt zu Hause zu sein. Zumindest nicht unterzugehen. Bildlich gesprochen. Gut, dass die Finnen das Handy erfunden haben, als die Sowjets keine Gummistiefel mehr brauchten in ihren Kolchosen. Gut für die Finnen. Gut für die Russen? Gut für alle anderen in der globalisierten Welt nach dem Fall der Mauer in Berlin und dem Schleifen der Zäune in Ungarn und überall…Der zivile Krieg. Der Kalte ist vorüber. Jeder gegen jeden. Der Globus quietscht und eiert. Das Gerede vom Globus und vom Globalisieren und EINE WELT.
Na ja.-Die Großmutter hat auch ein Handy. Ihre Freundin auch in Hamburg.„Hallo Großmutter, wie geht es dir?“„Bestens, mein Kind!“ – Pause.„Und dir?“ – Pause. Lange Pause.„Ich hatte interessante Zugbekanntschaften. Einen Zugbegleiter, der Geschichten erzählte. Sehr eigentümliche Geschichten. Von einem Weinberg und den Arbeitern dort im Süden, am Mittelmeer.“„Die biblische Geschichte vom Weinberg?“„Ja, genau die.- Er hat es auch nicht verschwiegen.“„Heutzutage ist ja wieder alles möglich. Vielleicht liegt das an den Türken. Die zeigen ja auch, was sie glauben. Und die Amerikaner, mein Kind, sollen auch so sein. Es bleibt ihnen ja auch gar nichts anderes übrig, mein Kind, wenn sie so viele Nationen bei sich aufnehmen mit und jeder einen anderen Glauben hat als der andere.“
Lange Pause.-„Nicht etwa keinen, wie bei uns.“
Lange Pause.-„Aber er ist nicht aufdringlich geworden oder so etwas in der Art. Es war ein sehr angenehmer Mann. Wie in den alten Büchern, die du in der zweiten Reihe zu stehen hast.“-„Was hast du denn noch erlebt?“ „Ich fahre erst in einer Woche übers Meer nach Amerika.“ „Aha!“ „Ja, ich kann bei einer Freundin übernachten und schau mich noch in Hamburg um.“ „Na, gut.”
“Ich melde mich wieder.“
Anne stand auf der Brücke in Hamburg, auf der sich sonst Liebespaare treffen. Ob sie Schlösser für ihre ewige Treue anschließen wie anderswo, wusste sie nicht. Aber sie hat davon gelesen, von einer Brücke in Köln. Brücken gibt es viele auf der Welt und noch mehr Treffpunkte für Liebespaare. Berühmte und weniger berühmte. Brücken über das Wasser. Manchmal über sehr großes Wasser wie in Holland. Über sehr klares Wasser und sehr schwarze Strudel! Über reißende Flüsse und Abgründe in fernen Ländern, über Gleiskörper der Deutschen Bahn und anderer Bahnen auf der Welt. Früher hießen sie im Osten Deutschlands Reichsbahnbrücken, in der DDR. Und auch im 3. Reich und vorher.
Auf Leben oder Tod wie in den Sonetten.Wie zwischen Potsdam und Westberlin –
Glienicke. Agenten werden ausgetauscht. Kameras sind nicht erwünscht. Check Point – Charlie – nein das ist keine Brücke, sondern ein Übergang. Manchmal ist auch eine Brücke ein Übergang. Ein Punkt. Ein Wendepunkt? Nein. – Doch. Es ist ein Nadelöhr. Wo kein Kamel durchkommt in Jerusalem und anderswo.Das Wasser ist viel zu tief. Wenn jemand die Nordsee als Brücke verstehen wollte. Sie ist es, ja! Zwischen den Völkern, weil die Menschen Schiffe gebaut haben. Den Wind ausgenutzt. Die Ebbe berechnet und die Flut. Und alle Faktoren zusammen gerechnet…..Na, bitte! Wind, Segel, das weite Meer und das Land dort drüben. Ja, aber wenn du meinst: Die Ostsee! Was ist das schon! Ein Binnenmeer. Keine Ebbe, keine Flut. Und du hast kein Segelschiff, wo du den Wind nutzen kannst und die Flut. Und auch keinen Motor, weil der gehört wird, sondern nur ein Schlauchboot. Das geht noch? Vielleicht.
Oder nur deinen Übermut.
Die schreckliche Selbstüberschätzung.
Das nackte Leben.
Jetzt unter den Scheinwerfern durch.
Glück gehabt.
DIE SUCHSCHEINWERFER.
JA, DIE SUCHSCHEINWERFER
DER NATIONALEN VOLKSARMEE, die uns bewachen.
Niemandsland.- Endlich Fischer aus Dänemark, die nicht schlafen am Morgen, sondern dich sehen, wie du kämpfst mit letzter Kraft, um in die Freiheit zu gelangen. Grenzerfahrung, Gotteserfahrung. Todesangst.
Ja, Freiheit.
Aus ACH DOSTOJEWSKI (Haag und Herchen)
Das Buch beinhaltet fingierte Gespräche mit Dostojewski, einen gemeinsamen Theaterbesuch. Die Erfindung einer Geschichte für die 3. Generation, die auf einem Segelschulschiff vor Irland stoppt und dann weiter geführt wird in dem Roman AMERICA (epubli) und DER GRÜNE SALON (epubli) und noch andauert als DANACH (in Arbeit).
Die zitierten Gleichnisse: Matthäus 20 1-16, Matthäus 13 1-9.
Gebet: Herr schenke uns die Geduld, die wir brauchen, damit wir die Wunder Deiner Werke begreifen können und so Deine Geburt, Dein Kreuz und Deine Auferstehung feiern können in den schönen Gottesdiensten des HERRN.
„Meinen Frieden gebe ich Euch“, hast Du gesagt. Gib, dass wir ihn benutzen zum Wohl unserer Nachbarn, in unseren Familien, dort, wo du uns hingestellt hast. In Arbeit und Beruf. In allen unseren Mühen in dieser Zeit. AMEN
Endlich klingelt es einmal wieder in unserer Zweisamkeit.
Nachts.
Wir fahren auf und stehen in den Betten.
„Geh du!“
„Nein du!“
Als ob wir wüßten, wer es war.
Grauen.
Tatsächlich, es stehen zwei Kapoleute vor der Tür, die gehört haben, es sollen sich Weihnachtskerzen aus rot-und weißgefärbtem Wachs in unserer Wohnung befinden.
Im Keller.
Zum Anzünden am Heiligen Abend.
„Nie und nimmermehr!“ rufen sie im zweistimmigen Chor. „Unterstehen Sie sich!“
Wir fragen, auch zweistimmig (Tenor und Sopran),
wer sie geschickt hat.
Sie antworten: „Das Amtsgericht. Es ist untersagt, Kerzen zum Anzünden aufzubewahren.“
„Warum?“
„Es ist eine Gefährdung.“
„Wieso?“
„Wachs brennt und außerdem haben Sie eine Fichte
aus dem Kirchenwald Mannichswalde im Thüringisch-Sächsischen Grenzgebiet – extra schön – geschlagen.
Wir haben das Gespräch mit dem zuständigen Pfarrer abgehört.“
„Dürfen Sie das?“, fragen wir zu zweit in die fahle Lichtdämmerung der Beleuchtungsanlage im Wohnpark Nr. 8 -13.
„Wir dürfen alles, wenn es um die Sicherheit der Bürger geht und um ihre Gesundheit.“
Zweistimmiges Kapolied:
„O-O-O b e r s t e P r i-o-r i-t ä-t ä t !“
(Tenor-Kopfstimme und Bariton).
Dieser Refrain, diese Strophe kam immer wieder.
Und es hallte zurück aus dem naheliegenden Wald.
Wir konnten es nicht mehr hören und knallten, unhöflich wie wir sind, die Tür zu.
Da brachen sie sie auf. Die Tür.
Wir ahnten nicht, daß sie es ernst meinen.
Die schwarzen Helme der Sicherheitsleute glänzten im Mondlicht und strahlten unter den Parkleuchten, die die Nacht so grell fade erscheinen lassen, daß es einen umtreibt.
Nur eine flackert und geht stundenlang aus.
Worüber sich alle freuen.
Aber es darf nicht sein.
Es hätte längst gemeldet werden müssen und abgestellt, also angestellt.
Ohne Flackern und Pause.
Der Hausmeister hat bestimmt deswegen
ein schlechtes Gewissen.
Ich fürchte, es hat ihm schon jemand gesteckt.
Oder auch nicht.
Weil sich wirklich a-a-a-lle freuen.
Ausnahmsweise.
Also wir gehen einmal davon aus,
daß der Hausmeister es gar nicht weiß,
weil im Morgenlicht, wenn er kommt,
alle europäischen Birnen nur noch Glas sind,
ohne brennenden Docht.
Abgeschaltet.
Obwohl – im Winter stimmt das nicht ganz.
Inzwischen haben sie die Tür wieder aufbekommen
und wir stehen zitternd vor Kälte und Schreck.
„Lassen Sie uns durch! Haussuchung!“
Neulich Nacht hatten wir die Schweine zu Besuch, die wälzten sich in der Lake unterm Dornenstrauch. Nur ihre Spuren hatten wir am nächsten Tag zu Gesicht bekommen. Das war doch was. Einen Kurzbericht wert an die Enkel.
Aber das?
Sie nahmen ihren Helm nicht ab und stürmten die Wohnung.
Sie fanden nichts.
Dann zeigten wir ihnen den Weg.
Auf dem Wohnparkweg ums Haus durch den Haupteingang in den Keller.
„Aber bringen Sie erst das Schloß in Ordnung“, sagte ich und zog eine Pistole, die ich mir bei einem Waffenhändler in Tirol gekauft hatte unter Vorlage einer Berechtigung. Sie wurden nervös. Bloß keinen Aufruhr mitten in der Nacht unter Ausleuchtung aller Details.
Sie rannten zu ihrem Überfallwagen und brachten
ein Ersatzschloß, das sie einsetzten mit Hilfe eines Schlossers, der die ganze Zeit auf der hinteren Sitzbank geschlafen hatte. Niemand hatte damit gerechnet, daß wir ihnen die Tür vor der Nase zuknallen.
Am wenigstens der Schlosser, ein friedlicher Mann.
Nun haben sie ihn also wachgerüttelt.
Nach all dem nun hinunter zur richtigen Kellertür.
Dort lagen sie: die Schachteln mit roten und weißen Christbaumkerzen.
Vom Schwarzmarkt.
Aus Rußland eingeschmuggelt, sagte uns vertrauensvoll unser Händler.
Eins, zwei, drei, vier mal zugreifen und hinein in den Beutel aus schwarzem Samt.
Keine Verhaftung aber Beschlagnahmung.
Wieder oben.
Sie gingen zu ihrem Jeep.
Kein Gruß.
Der Handwerker stand auf dem Parkweg, auf dem er gewartet hatte. Dann stürzte er als erster auf den Jeep zu und riß die hintere Tür auf.
Endlich war die Aktion abgeschlossen.
Irgendwo gibt es Löcher in dem Zeittunnel,
über den die roten und weißen Christbaumkerzen
zu uns gekommen sind. Das Geheimnis ist beschädigt worden. Ja, es hat jemanden so in Aufregung versetzt, daß er geplaudert hat. Vielleicht auch angezeigt bei den obersten staatlichen Behörden.
Wir mußten nun eine elektrische Baumkette kaufen.
Europäische Norm, dachte ich.
Aber mein Frau nahm mich beiseite: „Sie sind dumm, sie haben nicht nachgeschaut unter dem Rost, auf dem sie gestanden haben, als sie geklingelt haben, mitten in der Nacht. Den sie fast durchgetreten haben, als sie mit Gewalt das Schloss zerstörten, indem sie sich dagegen stemmten.“
Februar– Oder der Grundriß einer Wohnung.
Anfang Februar. Plötzlich klingelt es – wieder.
Es hat tagelang nicht geklingelt.
Auch nicht nachts.
Der Postbote, der das Paket des Nachbarn los werden möchte?
Der Nachbar selber, der es endlich wissen möchte?
Was geschehen war.
Neulich nachts.
Uns trennt nur ein schmaler Fußweg und beidseitig so etwas wie ein grüner Graben.
„Vorsicht Ökologie“, rufen die Ewiggestrigen.
Es gibt ja keinen Frühling, Sommer, Herbst und Winter mehr und man erkennt an den Stoppelfeldern, über denen die Drachen hoch fliegen nicht mehr, ob es wirklich Herbst ist. Stoppelfelder vielleicht noch als Erkennungsmarke einer Jahreszeit. Eben kurz nach der Ernte. Wann ist die. Na ja – ungefähr noch wie früher.
Aber Drachen.
Geht doch an die Ostsee.
Dort fliegen sie immer.
Oder in Kopenhagen haben wir sie über die Dächer fliegen sehen mitten im Sommer, von einem Fenster aus gehalten.
Nichts stimmt mehr.
Sofort der Pflug.
Sofort kommt der Samen in das Land.
Fruchtfolge.
Also, der Graben ist immer grün. Man könnte meinen, es ist Kunstrasen.
„Alles nur Deko“, singt der Chor in der Parkaue.
Und dann noch einmal die Ewiggestrigen:
„Vorsicht Ökologie!“
Das Regenwasser läuft besser ab nach den Berechnungen.
Die Büsche in den Gräben sind kurz gehalten.
Sie sollen dem Haus nicht schaden und uns keine Dunkelheit bereiten.
Dabei wollen wir sie, die Dämmerung des Gebüschs, wenn die Sonne hernieder scheint im Sommer.
„Nein, nein, nein!“ rufen einige Bewohner. Sie wollen noch mehr eigene Fahrzeuge.
„Und überhaupt nicht mit dem Bus fahren!“
„Hört auf mit dem Gemaule“, schaltet sich der Hausmeister, der auch als Parkwächter fungiert, zwischen die streitenden Parteien.
Also kein Nachbar?
Auch nicht einer von den vielen gegenüber vom Fußweg: Doppeltes Längshaus.
Wir sind Parterre. Eigentlich Souterrain.
Und wenn es klingelt, stehen sie sofort im Haus,
in der Wohnung. Wenn du erst einmal aufgemacht hast.
Kennst du die Geschichte vom Schuhmacher, der auf Jesus wartet, weil im Traum ihm jemand gesagt hat: „Der wird dich morgen besuchen!“
Du kennst sie nicht? Hol‘ es schleunigst nach.
Nimm und lies und mach dich auf!
Hau auf die Trommel, die du finden wirst,
damit sie aufwachen: die Schläfrigen und Müden.
Du weißt auch nicht, wer wirklich kommt?
Der Mensch kommt, du wirst lachen, der Mensch, der gerade verlorengegangen ist. Der sich verliert im ganz und gar Unmöglichen und andern unsäglichen Dingen.
Aber es sind die Armen, vergiß es nicht.
Nimm und lies den Schriftsteller Tolstoi,
oder wo es sonst noch zu finden ist.
Du wirst es selber sehen.
„Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an“,
spricht CHRISTUS DER HERR.
Erinnere dich an den russischen Schuhmacher im Souterrain.
Hat es wirklich geklingelt, ich bin allein zu Haus.
Und mach nicht jedem auf.
Es ist in der Dämmerung eines grauen Februarnachmittags.
Gut, daß die Büsche kurz geschoren sind,
sonst wäre es dunkel, gerade jetzt.
Wie recht haben sie: die Grünzeugflotte des Senats und die Kolonnen für die Bepflanzungen.
„Gut, dass die Büsche kurz geschoren wurden, gegen unseren Widerstand“, werden wir uns immer wieder zuflüstern, wenn es ernst wird.
„Und du erkennst niemanden mehr in der Dämmerung,“ murmeln wir einträchtig in voller Harmonie mit allen Bewohnern des Wohnparks.
Vor allen Dingen kommen ja auch noch die Wölfe von Polen herüber. Die Zeiten ändern sich.
Einen Spion haben wir nicht. Also öffne ich die Tür. Und wieder stehen zwei Männer in schwarzer Uniform mit der Aufschrift vor der Tür. Sie halten mir einen Beutel unter die Nase. Er kommt mir bekannt vor.
„Gehört der Ihnen?“
„Nein, aber ich habe ihn schon gesehen.“
„Wann?“
„Vor Weihnachten.“
„Erzählen Sie!“
Ich bat sie, herein zu kommen, aber sie wollten nicht.
Es muß POLIZEI sein. Schwarze Klamotten…
Die betreten nicht so einfach eine fremde Wohnung ohne einen Hausdurchsuchungsbefehl.
Einer von beiden dreht sich nach links so, daß ich auf seinem Rücken in großen Buchstaben
POLIZEI lesen kann im Dämmerlicht
des späteren Nachmittags.
Diese bewaffneten Uniformierten. Sie hüten sich davor, die Bürgerinnen und Bürger in Angst und Schrecken zu versetzen. Bei der deutschen Geschichte.
Sie sind scheu.
Die beiden schwarzen Polizisten halten mir immer noch den schwarzen Beutel hoch vor meine Nase.
„Entschuldigen Sie, wenn Sie nicht hereinkommen wollen, dann muß ich den Türstopper durchtreten, damit ich nicht immerzu die Tür mit meinen Händen aufhalten muß. Das ist hinderlich, wenn ich mit Ihnen rede.“
„Ist Ihre Frau nicht zu Hause?“
„Warum?“
„Sie war Zeuge eines Vorfalls in der Zeit vor Weihnachten“.
„Wie ich auch?“
„Ja.“
Sie redeten im Wechsel einzeln oder im Chor
und endlich übergab der eine dem anderen den Beutel. Und sie hielten ihn nicht mehr ständig vor mein Gesicht.
„Wollen Sie nicht doch hereinkommen. Es ist Februar. Und der Wind macht die Wohnung kalt.“
Das haben sie eingesehen und sie kamen in den engen Vorraum und ich konnte zwei Schritte rückwärts gehen aus dem kleinen Vorraum, in dem die fremden Männer standen in Uniformen mit der Aufschrift POLIZEI,
aber ohne Namen.
Ich ging rückwärts durch die zweite Tür in den wesentlich größeren Mittelraum, von wo aus Wohnzimmer, Wintergarten, Küche, Arbeits-Dienstzimmer und das Zimmer mit der Um – die – Ecke – Schlafmöglichkeit abzweigen.
Alle Türen waren verschlossen und die beiden Polizisten waren nicht neugierig, so wenig, daß sie nicht einmal um eine Ecke geschaut hätten.
Gute Preußen am Süd-Ost-Rand Berlins.
Nach einer langen schweigenden Minute sagten sie dann aber doch:
„Ach wissen sie, wir nehmen Ihr Angebot an!“
„Welches?“
„Von vorhin!“
„Platz nehmen?“
Sie nicken im Chor.
Ich öffne die Wohnzimmertür und führe sie in den Wintergarten, der daneben liegt.
Die Tür ausgehängt, weil es meine Frau so wollte.
Ich zünde die Kerze an auf dem Tisch und bitte,
Platz zu nehmen.
Die Herren haben jetzt die Möglichkeit nach draußen zu blicken, dahin, von wo sie gekommen sind.
Wenn sie nicht zu abgelenkt sind von den Unmassen
an Bildern, die alle Wände schmücken.
Ah, ja, da kommen die Heimkehrer von der Arbeit auf dem Laufsteg und die hübsche Verkäuferin aus der Boutique von einem Großmarkt am See.
„Sie wissen inzwischen, warum wir geklingelt haben?“, der eine.
„Noch nicht ganz!“
„Weil wir Ihnen etwas zurückbringen möchten!“
Pause.
„Was Ihnen zu Unrecht abgenommen wurde.“
„Damals mitten in der Nacht, vor Weihnachten?“
„Richtig!“
„Sie sehen ähnlich aus – wie… die… damals!“
Pause.
Weiter: „Ich weiß nicht mehr genau, ob der Schriftzug POLIZEI auch auf ihrem Rücken zu lesen war.“
„Das können sie ja auch nicht, weil im Mondlicht und in dem fahlen Licht der Parkbeleuchtung das nicht so einfach war“, sagt der andere.„Ach so, ja. Sie standen uns ja auch nur gegenüber. Und dann der Überfall, Haussuchung. Wir waren froh, Sie in den Keller zu den Kerzen führen zu können.“ Dabei haben sie nicht an Lesen gedacht?“, der Linke vor der Wand mit Blick auf die Verglasung. „Kapo, Kapo,“ und weiter: „So geisterte es durch das fahle Licht in unseren Köpfen.“
„Na ja, Sie gingen ja auch vorneweg und haben ihnen nie auf den Rücken geschaut. Ein richtiger Polizist wird immer auf so etwas achten.“
Um zu zeigen, wie vertrauensvoll anders die Situation diesmal war, standen sie auf und drehten sich um.
„Lesen Sie!“
„Ihr Kollege hat sich vor der Tür bewußt so gedreht, daß ich den Schriftzug gut erkennen konnte. Auch in der Dämmerung eines späten Nachmittags im Februar: Polizei!“
„Sehen Sie“, der eine.
Wir alle drei: „POLIZEI!“
Berliner Polizei.
Die Sanftmütige.
Überhaupt keine Bullen.
„Und neulich?“
„Lassen wir das jetzt. –
Wir sind hier, um Ihnen zu sagen, daß alles seine Richtigkeit hatte. – Sehen Sie, hier sind Ihre ROTEN KERZEN aus Wachs.“
Der Linke öffnete den schwarzen Beutel, der mir so bekannt vorkam und zeigte sie mir.
Lange Pause im Wintergarten. Jeder sah den anderen an in der Dämmerung. Dann machte einer der Besucher das elektrische Licht an und telefonierte.
Der andere blies das Teelicht aus.
Im Chor der Linke und der Rechte: „Wir möchten aus Sicherheitsgründen noch die andere Packung haben.“ Keine Antwort von meiner Seite.
„Wir wissen, wo sie ist.“
„Deswegen hätten Sie uns auch nicht herein bitten müssen.“
„Viel zu viel Umstände.“
Der etwas Rundlichere – bei genauerem Hinsehen: „Die schwarze Tasche gehört uns“.
„Bitte gehen Sie vor die Tür und hebeln sie den Rost aus!“
„Warum?“
„Weil Sie dort die restlichen ROTEN KERZEN versteckt haben.“
„Unsere Recherchen haben ergeben, daß Sie doppelt so viel rote altdeutsche Wachskerzen bei dem Händler, der inzwischen in den Ruhestand gegangen ist, gekauft haben. Unsere Kollegen sind noch in der Ausbildung und haben sich mit der Hälfte zufrieden gegeben.
Sie haben natürlich auch Fehler gemacht: Grob, verwüstend u.s.w.“
Schweigen.
„Aber jetzt sind wir gekommen und erschrecken Sie nicht in der Nacht. Das machen nur Anfänger.“
Der Hagere: „Bitte gehen Sie jetzt!“
Er zog eine Pistole.
Ich stürzte durch alle Türen unter das Glasdach des Einganges, riß den Rost hoch und war froh, daß meine Frau noch nicht bis dahin gekommen war, wirklich alle Dekorationen in den Keller zu bringen.
„Hier, die Kerzen!“
„Danke!“
„Darf ich noch eine Frage loswerden?“
„Woher?“
„Ja, woher.“
„Der Nachbar hat es uns gesagt. – Geben Sie es doch zu, wie gefährlich es ist, einen Baum anzuzünden!“
Sie erhoben sich aus unseren Korbstühlen. Der eine steckte seinen Revolver wieder ein und der andere schmiss die doppelt gefüllte Tasche über die Schulter. Dann gingen sie zurück in den immer dunkler werdenden Tag. Sie warfen das Auto an.
Scheinwerfer – und surften davon.
Ich weiß bis heute nicht, ob es Polizisten waren oder andere vergleichbare Menschen, die sich umgezogen hatten, um ordentlich zu sorgen – für ihren Kiez.
Das Buch ist im Eigenverlag erschienen und in allen Portalen und Buchhandlungen erhältlich.
Aktuelle Hinweise
Der 2. Russische Tag am Sonntag dem 19. 1. 25 im Haus BETHLEHEM/Seitenroda bei Kahla in Thüringen.
Überschrift „Christen für Frieden mit Russland“.
Ich durfte dort den hier in Berlin mehrfach gehaltenen Gemeinde-Vortrag wiederholen: „Was ist Orthodoxie?- Kirche im Osten.“ Mit einem schönen ECHO.
Bei Bedarf wiederhole ich diesen Vortrag, falls ein besonderes Interesse an diesem Thema besteht. Bitte anschreiben Fam.Wohlfarth@t-online.de
Wiederholung des Vortrages SIMONE WEIL am Mittwoch d. 19. 2. 25 in Berlin -Müggelheim um 19.00 in der KITA der Evangelischen Kirchengemeinde Müggelheim, Ecke Müggelheimer Straße/Ludwigshöhe-Weg.
Nächster GD/A, Leitung Pfarrer Michael Wohlfarth, Sonntag 30.03.2025 in der Dorfkirche zu Müggelheim. Die Kirche ist geheizt. Mit freundlichen Grüßen M.W.
Gestern war Musik auf der Kirchenwiese bis weit nach Mitternacht,
weil die Christbäume verbrannt wurden
unter großem HALLOO und mit einer liebenswürdigen Fress-Bude
daneben:“PETERSON“.
Auf Rädern wie ein Hirtenwagen, in der Heide.
Altmodisch grün und angestrichen wie bei POLE POPPENSPÄLER.
Da möchte ich zeichnen können.
Ich bin nicht hingegangen,
weil ich das Bäumchen
mit den den echten roten Kerzen
darauf
noch nicht
in den Ofen schmeißen wollte,
sondern
anschauen.
Aber die Nacht habe ich doch den Baum geschnappt und auf die Terasse gestellt. Er hat nicht genadelt. Ich habe ihn gegossen regelmäßig, der Ständer hat das hergegeben- der kleine Baum. Spielraum für Wasser.
Nordmann – Tanne.
Tännchen, gekauft im Flug, nicht geholzt mit Axt im eigenen Wald oder im dem der Berliner Forsten, der Brandenburger, der Sachsen-Hautevolee.
Um die Ecke der Umzäunung, wo sie alle standen, die Großenund die Kleinen und warteten auf den Kauf, den Käufer,
beziehungsweise der bärtige junge Mann, der den Laden schmiss und aus der Hütte trat, nachdem er uns bemerkte.
„Zwanzig
rund mit Netzverhüllung“.
Durch geschoben.
Ab in s Auto und aufgestellt auf der Terasse
bis zu dem Abend,
der heilig ist in der Nacht.
Die Nächte sind noch nicht vorbei.
Nur die 12 heiligen Nächte, wie sie mir Anna erzählte, als ich Kind war und jugendlich.
Sie sind wohl nie vorbei.
Auch im Sommer nicht und warten auf den Tag Christi.
2.
Das ist das Eine.
Das Andere der Stern aus Herrnhut in der Lausitz, gleich nebenan und weltweit inzwischen mit dem Geschick, welches du haben musst, wenn du die Zacken wählst und zusammensetzt mit Haken und Ösen. Wie ein Christliche Dogmatik, einsehbar und im Kleinen.
Er hängt tief über der Tür, wenn Du zu uns kommst. Er leuchtet Dir heim. Und das ist gut so. Denn Weihnachte ist heim gehen und himmlische Heimat und irdische zugleich. Deswegen feiern wir. Aus keinem anderen Grund und hoffen es wirklich, dass Frieden kommt im Kleinen und im Großen.
Im Herzen und in der Welt.
Oh GOTT, wir bitten Dich darum.
In diesem Augenblick.
Redaktionelle Anmerkung: Das Titelbild zeigt einen Findling aus der rauhen nord-und ostdeutschen Landschaft, aufgestellt auf Initiative des Umweltkreises Berlin Müggelheim.
Endlich frei, keine Kirchenglocken zu Silvester. Nur Knaller und Raketen. Der gestirnte Himmel über mir wird verbrannt.
Gott sei Dank gibt es keinen Krieg und die Angsthasen im Tiergarten werden ihre Höhle gefunden haben, wenn sie meinen, die Welt geht unter. Sie geht ja nun schon einige Jahre unter am Brandenburger Tor.
Nur, – die Hasen haben nicht solch eine Nachhaltigkeit aufzuweisen, was ihre Lebensuhr angeht.
Und wer weiß, ob sie es weitersagen, sukzessive von Wurf zu Wurf, wo sich die Unterkünfte befinden, wenn es wieder losgeht am letzten Abend des Jahres.
Wir lieben doch die Tiere sonst so, aber darüber hat sich anscheinend noch keiner Gedanken gemacht. Keine. Oder sollten wir unseren Spaß über alles stellen?
Jedenfalls haben wir uns aufgemacht. Gefahren durch den Harry-Potter-Wald. Nicht, wie aufgestellt. – Nein. – Als Kulisse. Sie wissen schon. Oder doch? – Aber gut verschleiert, als ob die Wildnis echt sei. Herumliegende Bäume. So ein richtiges Schaulaufen der Förster und ihrer guten Zusammenarbeit mit den modernen Wissenschaften des Waldes und der Heide. Schlecht gestapeltes Holz. Referenzgebiete noch und noch. Biotope.
„Nur das Einhorn, wo ist das.“
Der große Eber ist schon da.
Und da flieht auch schon einer in dem Gespensterwald.
Vor sich selber? Wo er doch dachte, er findet sich dort.
Neulich sahen wir ihn noch wie er unter einer Eiche im Herbst ständig Kontakte suchte – per Handy – mit dem Kybernetos, dem Steuermann. Danach betrieb er seine Gymnastik weiter in dem verwahrlosten Kiefernwald, wo die Stämme so rot schimmern, wenn die Sonne untergeht wie bei Emil Nolde im Bild.
„Kennen Sie Nolde?“
„Hallo- o- o“, schallt es zurück.
„Kennen Sie Nolde?!“, fragte ich noch einmal.
„Halli – Halloh!“
„Sie kennen ihn nicht?“
Und nach einer sehr langen Pause:
„Eigentlich sch – a – a – a – de“, im Chor der Waldfreunde.
Vorausgesetzt natürlich, es ist gerade keine totale Sonnenfinsternis, weil der Mond des Tages sich vor die Sonne des Abends schiebt und dunkle Gewitterwolken den ganzen Tag über uns einen sonnenfreien Tag bescherten. Nur dann sieht der Kiefernwald manchmal aus wie bei Emil Nolde.
„Wer war es?“
„Wer?“
„Na, der, der Kontakt suchte unter der deutschen Eiche mitten in der Schweinemast mit Eicheln im Herbst.“
„Ich weiß es nicht. Vielleicht ein Therapeut. Vielleicht ein Patient.“ „Vielleicht wird einfach etwas dokumentiert. Jemand hat sich zur Verfügung gestellt.“
Meine kleine Enkeltochter und ich nickten ihm zu, weil unser Einkaufsweg an seinem Standort entlang ging. Und mir lag daran, daß wir schnell in unser Ghetto zurückkamen. In unseren Wohnpark für Besserverdienende, die sich pro Quadratmeter siebeneurofünfzig leisten können.
Ins Reservat Zehlendorf des Ostens. Müggelheim.
Ich schaute aber doch zurück und sah, wie er seine Übungen fortsetzte im Takt der Matrix und dann entsprang. Wohin? Kam er wirklich nicht aus der Predigerschule von nebenan, die ihre Kandidaten in den Berliner Müggelwald schickt zur Meditation?
Eber waren schon immer gewaltige Tiere, die Angst und Schrecken eingeflößt haben. Vielleicht nur den Schneidern, leicht wie Schmetterlinge, die auf Kirchturmspitzen den nächsten Etat beraten.
Also, einen haben wir gesehen, wenn er durch den Wald trabt und mit großen bösen Augen an den Zäunen verharrt.
„Weil die Menschen ihnen ihren Lebensraum genommen haben“, so der Naturschützer Ohm.
Heute ist Winter. Der letzte Tag im Jahr.
„Das Einhorn?“- dafür war es noch nicht spät genug. Dunkel schon.
„Ja, ja, der Harry-Potter-Wald“, sagt meine Frau.
„Allet Harry, sagt der Berliner“, sage ich .
„Gib Gas, Gustav!“- Wir müssen da durch!
Wir müssen unbeschadet durch diesen Wald, wenn wir
pünktlich zum Sammelpunkt kommen wollen bei dem
S-Bahn-Chaos in Berlin.
Der Westen ist nicht einmal in der Lage, die S-Bahn in Berlin zu übernehmen. Was können die eigentlich. So ein Pfusch. Die Straßenbahnen haben sie auch abgeschafft.
Nur die U-Bahn. Die ist Klasse. U-1 und so. Na Sie wissen schon, was ich meine.
„Wir kommen!“
Keine Sau kreuzt die Piste, kein Igel die Loipe, kein grauer Wüstenfuchs der Stadt Berlin sieht uns mit seinem Elendsgesicht und der Elendsfarbe seines Fells an. Das hätten wir uns auch verbeten. Weißt Du wie laut wir da gehupt hätten.
Und die Wölfe sind noch nicht in Aussicht.
Sie sollen Schafe gerissen haben in der Lausitz. Keine Kinder überfallen. Wir müssen keine Republikaner werden und darauf bestehen: „Das Recht des Freien Mannes heißt WAFFEN TRAGEN.“ Weil der Staat uns nicht schützt. Oder gegen Abtreibung sein. So sind sie eben – diese rechten Amerikaner.
„Und bitte etwas mehr Nachhaltigkeit im Programm.“
Aber nun kommt die MÜGGELSEEPERLE. Du siehst die Ufer des Müggelsees. Schneise. Riesiger Parkplatz. Kaum ein Auto. Erlesene Gäste aus Nah und Fern? Dann – RÜBEZAHL aus dem Riesengebirge ruft zu uns herüber:„Ein gutes neues Jahr!“ Wir rufen zurück und fahren weiter die Gerade vorbei am CHAUSSEEHAUS auf dem Damm, links die Trift. Kiezer Feld. Dahme. Schlösschenweg.
„Was wohnen da für Leute?“
„Jetzt nicht. Weil wir zum Sammelpunkt müssen.“
Und nicht zu den Riesenaquarien.
Salvador Allende. Laßt uns diesen Vers woanders singen. Zu den Chaostagen. – Heute ist Silvester.
Wo waren wir eigentlich stehengeblieben. Wir gingen nicht durch einen grasgrünen Wald, aber wir haben NACHTHEIDE vergessen. Die Station. Steig du mal aus dort. Der Bus neigt sich zum Asphalt, damit die Stufe nicht zu hoch ist. Wir leben in einer freundlichen Welt, nur die Herzen erstarren vor Kälte, weil die Freundlichkeit eine Erinnerung nach vorne geworden ist, eine ewige Wiederholung – ohne den Frühling, den wir alle so bitter nötig haben, den warmen Regen, der die Erneuerung bewerkstelligt und den Segen bringt. Die Erneuerung der freundlichen Menschheit. Ja, aber nun? Geh in den kalten grasgrünen Wald, auf dem der Schnee lastet von den Wochen der Weihnacht. Nein, ich greife vor, beziehungsweise – ich renne der Zeit hinterher mit meinem Schreiben. Wir wollten doch gar nicht auf die Heide in dieser Nacht, sondern die Raketen uns um die Ohren fliegen lassen aus Bosnien, aus dem Irak, aus Afghanistan und sonst woher, Südkorea nicht, nein das wäre vermessen zu sagen, auch im Scherz. Iran? Ja, ebenso, sicherlich.
Ja, fallen Sie doch nicht gleich in Ohnmacht gnä-diges Fräulein. Meine Gnädigste, wie Frau Müller aus Rumänien zu sagen pflegt, wenn sie nach Deutschland kommt, in das Land des Ersten und Zweiten Deutschen Fernsehens. Von den anderen Kanälen haben wir ja sowie so den Rand voll. Bis zum Umfallen voll. Daß nichts mehr hineingeht.
Es ist so. Ja, wirklich, die Langeweile, die Armut und sexy. Was sollen wir da machen. Ich stelle mich doch nicht auf das Bett, wenn es um zwölf ist am einunddreißigsten im Dezember – und mache dann was? Na nichts. Ich schalte das Fernsehen ein, wo sie in altdeutschen Filmen zu jenen Zeiten den Volksempfänger auf volle Pulle gedreht haben, allerdings gab es da „Freude schöner Götterfunken“, die Gloriosa oder so was ? – Alles schaut gespannt auf die eingespielte Uhr, das Brandenburger Tor und dann – na ja eben das Feuerwerk. Det kannste oorijenal ham. Dacht ick. Und bin los. Zwölf Uhr Mittags. Det wird een echter Western.
Det mit dem Reichsrundfunkgebäude war schon janz schön nahe an die Stalinorgeln in der Wirklichkeit des Deutschen Reiches, was zugrunde gegangen ist aus Hochmut und Grausamkeit gegenüber allem, was Odem hat. Jetzt haben wir nur den Spaß. Wer denkt schon an so wat. Steigen Se ein in den Zug der großen Vergnügung und Verjüngung abends halb acht, damit wir och ja nischt versäumen, sagt der Lautsprecher Bahnhof Köpenick, nachdem der Bus nun endlich angekommen war und nicht aufzuhalten ist durch Gespenster der Vergangenheit und des deutschen lichten Kiefernwaldes im Winter nach Weihnachten am letzten Tage im alten Jahr. Durch Enthusiasten nicht, die einen Jagdschein gemacht haben und wild drauflos schießen im spitzen Winkel, damit niemand zu schaden käme. Durch die wilden Schweine nicht, die sich köstlich amüsieren von wegen der Jäger, die auf sie anlegen. Und dann geht nischt los. Auspuff verstopft. Durch niemanden und nischt. Der wilde Eber hat gutmütig aus dem Gebüsch gezielt und der Reifen ist heil geblieben und die Frontscheibe nicht gesplittert. Wär ja auch schlimm gewesen im Bus mit vielen Leuten, aber auch im Auto mit Vieren.
Das S-Bahn-Chaos fährt schon seine Trichter, habe ich bei einer rumänischen Schriftstellerin gelesen. Strudel.
Jawohl, es entstehen laufend Strudel und die Menschen stellen sich auf zu Fenstern und bilden ein Menschenhaus im zweiten oder ersten Programm. Kußfreiheit stand neulich in der Zeitung. Wenn du mitmachst und einen Partner oder eine Partnerin mitbringst auf den Platz vor der Oper, wirst du fotografiert und kommst in die Zeitung. Aber das war in Wirklichkeit für eine Inszenierung eines Opernregisseurs. Ja, ja, diese Mechaniker. Kußfreiheit. Viele Küsse. Viel Liebe. Sollte die Botschaft sein. Es sollte ausgiebig geküsst werden. Innig. Kein Schmatzerl. Ick weiß im Moment nich, ob es een Weinchen dafür gab am Ende im Foyer der Staatsoper. Iss ja ooch ejal. Zu Hause oder dort. Oder wo du grad bist.
Wo sind wir denn? – Auf alle Fälle in der Bahn nach Berlin von Köpenick aus, was ja ein extra Teil ist. Ganz früher sächsisch, sagen die Katholiken, also in sächsisch katholischen Zeiten. Kannst du vernachlässigen, sagt der Berliner. Unsere Stadt ist jung. Erst mit Schinkel und so, aber das Schönheitsideal an Hand der Prinzessinnen ist gut. Und Luise auch. Und die Kirchenjuste hat viel für die Arbeiter getan, daß sie nicht in die Kneipe gehen, weil zu wenig Kirchen da sind in dem riesigen Gebiet.
Aber Geschichte? In den Wäldern, auf den Seen, wenn sie zugefroren sind, kannst du über Wasser gehen. Mußt nur auf die Eislöcher zum Fische rausholen aufpassen, dass du nicht stolperst. Wenn der Nebel kommt und die Schneeflocken die Sicht versperren. Gut, wenn da einer eine grüne Lampe an das wilde Südufer stellt.
Geschichte? Ja, eben. Wie können sie Raketen losschießen in den Himmel, die mich immer erinnern an das Fernsehen von den Kriegen und an die Reichsrundfunkreden und die jüdischen Witze vor dem Reichstagsgebäude Nalepastraße 20 bis 50. Sie können, weil der Berliner nich vergnügungssüchtig ist, aber seine Repräsentation und das Amusement so nötig hat nach den Nächten vor über sechzig Jahren, als sie hell waren wie die Sonnenschmelze und das Feuer ein Sturm war wegen der Flugzeuge mit Bomben an Bord.
Außerdem, es sind ja gar nicht nur Berliner. Die meisten kommen mit Sonderzügen wie zu einem Fußballspiel, wie ich, der es satt hat, um Mitternacht auf den Knopf zu drücken und dann geht es los. Im ausgebrannten Himmel die Silhouette des Wahrzeichens mit der Bahnhofsuhr. Feuerwerk. Sträuße am Himmel über dem Tiergarten. Ganz Deutschland sieht es. Jetzt hat das Neue Jahr begonnen. Nur für die Schlafmützen nicht. Die vergessen haben, den Fernseher anzuschalten. Erstes Programm. Breitwand. Heimkino. Na ja, oder so ähnlich.
„Wir wollen das Original!“ rufen die Sprechchöre zu Hunderten, wenn sie sich formieren und hoffen, dass der KGB die Schilder richtig herum gehängt hat und nicht etwa die fröhlichen Menschen zu Tausenden und Abertausenden desorientiert. Es sind ja durchaus dienstbare Geister, umzufunktionieren für eine gute Sache – wie den GROSSEN ZUG. Wir laufen also im Karree um das Eigentliche herum im grasgrünen Wald, in der Nähe scheppert ein See, die Eisschollen plätschern im Teich, die Wasservögel fliegen erschreckt auf, weil es zu viele sind, die da kommen. Ich bin mitten unter ihnen. Morgen wird es in der Berliner zu lesen sein. Eine Million. Die größte Party der Welt. Der Regierende ist stolz über alle Maßen. Berlin wächst. Das Schwein grunzt und ist überhaupt nicht bissig in seinem Versteck.
Noch keine Rakete. Kein Himmelsstrauß aus Feuer, ganz ungefährlich. Nichts Chinesisches. Kein Böller. Aber ein bisschen Mitgebrachtes. Die Flasche am Mund in der Hand im Gehen.
Die Jugend tut sich keinerlei Zwang an. Aber an der Pforte zum Entscheidenden wird ihr der Spaß vergehen. Jugendliche Wächter, ehrenamtliche Jäger zielen auf die Flaschen am Mund in der Hand.
„Nichts da!“ brüllen auch sie im Chor.
„Keine Flaschen am Mund in der Hand!“
„Hier wird nicht öffentlich gepinkelt und es kommen keine Scherben vor, verstanden ihr Penner?“
„Wir haben verstanden!“ rufen die Penner im Chor und schmeißen im Takt ihre Grün- und Braunflaschen in den Container.
„Recycling! Recycling!“
Nun gehen sie befreit von der Last ihrer Flasche am Mund und in der Hand durch die Menschenschleuse in den großen Gang.
Es gibt viele Aufmärsche in Berlin. In Ostberlin, Friedrichsfelde noch ganz andere auf dem Zentralfriedhof.
Wir gehen etwa zwei Stunden ums Eck. Immer im Grünen und dürfen nicht herüber springen in den grasgrünen Wald, meine Frau und ich, die wir uns an den Händen fassen wie damals als die Mauer überwunden war und wir Geld abholen sollten. Hänsel und Gretel, ein deutsches Märchen in der Dunkelheit des Waldes. Hexe. Ofen. Gerettetes Hänsel. Gerettetes Gretel. Alles. Nach Hause auf dem Weg, den die schwarzen Hitchcockvögel leer gefressen hatten. Die Spur war weg. Endlich der Schwan, der uns hinüber gleiten lässt in den Westteil der Stadt.
Wir hatten etwas gegessen auf der einen Seite des Quadrates, das zu umgehen war.
Eigentlich wollten wir etwas Deftigeres. Vielleicht Bayrisch. Net? NJET. – Da, der Koreaner. Jeder bekommt dort etwas. Gut organisiert.
Was fiel uns ein, als wir hunderttausendfach um den Berliner Tiergarten zogen. Die Lichter des Karussells blinken durch das Laubwerk.
Abgesperrt. Du musst schon in den Gängen bleiben. In Viererreihen. – „Reih dich ein?“
Was hat der Grass da neulich geschrieben? GUSTLOFF. Übers Eis. Was ist das für ein Zug. Durch die Jahrtausende. Wüsten. Das Eismeer. Die Erde ist rund. Wir merken es nur nicht auf unserer Scheibe.
Joseph Haydn. Die Jahreszeiten. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Musik im Ohr. Die Landschaft voller Fenster durch die du den Himmel schaust. Er ist nicht ausgebrannt des Tages und des Nachts, wenn der Mond seinen vorausberechneten Bahnen folgt und die Sterne nach den gestellten Horoskopen der Astrologen glühen.
„Kein Burnout?“ – „Keine Behandlung nötig!“ –
„Aber was willst du mit den vielen Glühlampen anstellen?“ – Lange Pause! -„Du willst sie verbessern. Ich weiß.“
„Allet Neon?“ ruft der Chor, der sich im Hintergrund hält der Szene. „Berliner Schnauze!“ „Und Mutterwitz“, ruft ein anderer. Die Werbung verneint ihre Produkte, weil sie die himmlische Nacht verblödet und die Dunkelheit singt mit: „Geiz ist geil!“
„Hörst du den Chor der Vampire…“
Chor: „Und die stummen Katharinen müssen auf die Dächer steigen und brüllen, bis die Stadt aufwacht, die den Schlaf sucht. Sich unruhig hin und her wälzt oder eben in dem Großen Zug ist, der im Eck um das Grün sich bewegt in der Mitte.“
Gegenchor: „Die Gebete müssen aufsteigen, weil der Weltuntergang droht.“
Ich ziehe zu Hause die Rollläden bis auf den letzten technischen Punkt, um nur das nicht zu hören, wie das Brüderlein draußen in den hellen Morgen ruft: „Es brennt es brennt, das Städele brennt! Soll es so weitergehen?“
„Dann demonstriert doch endlich gegen alles. Gegen das schlechte Wetter, damit ihr in den Urlaub fahren könnt. Daß die Flugmaschinen nicht rutschen dürfen auf den Pisten, wenn sie landen oder aufsteigen sollen in ihrer Pracht, um die Sonne zu verletzen, den Mond und die Sterne. Daß die Flüge nicht abgesagt werden dürfen weil auch ich endlich in den Urlaub fahren möchte!“
Einer aus der Masse: „Tut euch zusammen. Entwerft Plakate und klebt sie an die Litfasssäulen, wenn ihr es bezahlen könnt, oder macht es bei Nacht und Nebel. Die Polizei ist liberal und der Staat hat kein Geld!“
Eine andere: „Es hat genug geregnet. Es hat genug geschneit. Wir sind dagegen!“
Und tatsächlich, überall hängt an den Bäumen: „Wer kommt mit zur Großdemonstration, zum großen Umzug am Silvesterabend?“ Fibriert es in allen Drähten, die zur Verfügung stehen. Ist heiß umstritten in allen Kolumnen. Erklingt es in allen Tonlagen in den siebenhörnigen Orchestern. Und alle sind gekommen zum großen Umzug, die Gelegenheit nutzend.
Es wird gegensätzlich gemurmelt: „Von Natur haben sie noch nie etwas gehört.“„Von Naturgeschichte auch nicht.“„Aber von Evolution.“„Irgendjemand muß doch schuld sein da oben“, entgegnen wir. „Wenn es nicht die Regierung ist, dann eben die Splittergruppe der Opposition“, pflichtet uns jemand bei. In der Dunkelheit erkennen wir niemanden im Tiergarten zu Berlin.
Neurose. Keine Nacht, in der die Schafsaugen glühen.
Wir teilen die Stadt mit Füchsen, Steinmardern, Oberförstern und anderen Tieren. Sie alle wollen den Ausgleich. Bis das Land in einer Ebene mit dem Wasser spielt. Der Sand sich verläuft und kaum merklich deine Sandale umspült wird. Alles gut, wenn es nicht weiter steigt das Wasser, wenn es nicht wieder zurückgeht und wir wieder im Trockenen latschen bei d e n Temperaturen, wenn wir im Sommer an die Nehrung fahren werden, zu den Landzungen, zu dem zerklüfteten Küsten, zu den Bodden und Meeren. Zu den Segeljachten. Ich stelle mir jetzt den Sommer vor. Obwohl die Kälte nicht eisig ist und es beim Koreaner gut geschmeckt hat. Der Genuß wird uns schon noch vergehen. Die Waage wird so nicht gehalten werden können und es gibt eine neue.
Wo ist eigentlich die Mitte. Wer bestimmt sie? Wer ist die Mitte. Eine Gruppe, eine Partei. Eine Institution. Eine wissenschaftliche Richtung?
Jetzt ist Winterreise.
Wir sind dem Aufruf gefolgt und wollen das ORIGINAL zur Jahreswende: jetzt haben wir es und sitzen gemütlich zu Hause. Verachten die Fernsehnation.
Jetzt ist Wintermärchen.
Jetzt ist Franz Schubert.
Jetzt ist Genricha Geine auf russisch.
Heinrich Heine in deutsch und französisch.
Jetzt ist Silvester. Be Berlin! Sei Berlin! Auf allen Kanten der Bahnsteige ist es zu lesen gewesen. Der Winter hat es eliminiert. Jeden Motor schmückt es trotzdem noch.
Jetzt ist die Zeit der Gnade! Nicht morgen. Nicht übermorgen. Nicht gestern. Nicht vorgestern. Kauft die Zeit aus, solange es Tag ist und die Krämer ihren Laden nicht verschließen. Tanze! Solange gespielt wird. Oder höre ich die Stadtpfeifer nur durch das Grün der Wälder, den Weg entlang und sehe die Lichter der Riesenräder, die sich drehen. Und sie dreht sich doch? Die Bettler als Einzige suchen den Takt. Wir werden sehen, wenn nur endlich der Marsch sein Ende hat in dem Schlamm.
Weißt du die Hoffnung, die so viele haben in langen Märschen in Tälern und auf den Bergen der Begeisterung. Um dem Elend zu entgehen.
Erinnere dich an die schwarzen Blöcke, an die roten Blöcke. Wie gut hast du es jetzt. Im Viereck zu laufen vorbei an den Absperrungen: Erinnere dich an die wilde Flucht. An die wilde Jagd.
Weißt du, du läufst um Leipzig und nach dem siebenten Mal ist die feierliche Übergabe, der Sieg. Die Mauer in Berlin wird freigegeben für jeden und jede, die ein Stück davon aufheben möchten. Die Scheibe ist zu Ende. Die STASI ist zur Rentnervereinigung mutiert. Der Gehorsam bleibt. Für die Nächsten.
Also lauf bis zum Eingang in die Vergnügungsmeile. In die Schleuse, wo die Container stehen und die ehrenamtlichen Jäger, die nach den Flaschen zielen und schießen, wenn du sie nicht in hohem Bogen im Müllkasten platzierst. Wenn sie voll sind, werden sie sofort abgeholt und mit Kränen auf die Plattform des Müllwagens verladen. Dafür wird ein neuer herabgelassen. Gut, bestens, ausgezeichnet organisiert. Man hat ein sicheres Gefühl, wenn man die Schneematschstraße von der Siegessäule bis zum Brandenburger Tor betritt.
Aber halt, wie sind wir eigentlich hierher gekommen. War da nicht ein Stacheldraht, eine leere Wiese mit dem ehemaligen Führerhauptquartier der letzten Tage darunter. Niemandsland. Preußischer Landtag. Wo stoßen denn die zwei Welten aufeinander. Die erste Welt und die zweite Welt. Die dritte lassen wir einmal draußen vor. Da rechnet es sich besser.
Stacheldraht? Das verwechselst du. Hier waren Mauersteine und Absperrungen. Doch vielleicht auch Stacheldraht. So weit sind wir nicht gekommen. Schon das Brandenburger Tor war nur aus einhundert Meter Entfernung zu besichtigen, wie unsere Soldaten es bewacht haben.
Weißt du, wir schreiben das Jahr zweitausend und neun und wenn wir am Tor sind zweitausend und zehn. Der Platz ist voll bebaut mit den Gebäuden der neuen Mitte, der Schrödermitte. Wenn du auch noch immer merkst, wenn du die Zone verlässt und umgekehrt.
Na und dann der Reichstag auf der anderen Seite. Ja, ja, deshalb die Umbögen und die Ecken und die Quadrate und Dreiecke, bis du dort bist, wo du hin sollst. Wenn du hin willst. Die Göre leuchtet wie ein Engel in klassischer Eleganz. Engel uff Berlin. Keen bisschen Barock. Nee gar nich. Da falln dir alle deine Sünden ein und die Herfahrt.
Auto.
Schneetreiben und Gespensterwald beim CHAUSSEE- HAUS und in der NACHTHEIDE, beim MÜGGEL-SEEPERLE-Hotel und bei olle RÜBEZAHL aus Schlesien. Allet Mügge. Keene Sau. Endlich Köpenick und Stadtbahn, die fährt in die WUHLHEIDE, wo du – na jut ick gebe es zu – am liebsten aussteigen würdest wegen die Mädchen bei Zillebildern, frech und entblößt vor hundert Jahren.
Na, aber nee, wir fahren durch. Wir wolln ja zu
Silvester nach Westen und von da aus bis an die Grenze
zurück um det Jefühl zu haben: Wir waren ooch da!
Wo allet passiert.
Also nix Wulheide. Schon janich im schönsten Winter, der ja ooch reizend sein kann und erotisch, wenn du zu Hause bleibst. Na. Kiekebusch kennst de doch ooch. Oder? Was issn mit Karls Horst. Det heeßt KARLSHORST, hat ein Museum, den Krieg betreffend, den die Sowjets gewonnen haben. Du weißt schon, was ich meine. Die Kommandantur. Jetzt Museum. Da steigen wir ooch nich aus. Von wegen Rennbahn jetzt im Schneegestöber mit russische Vollbluthengste aus dem Ural. Nee, weiter geht’s. Die Bahn zischt. Alles fliegt vorbei. Auch die vielen Züge auf den hunderten von Gleisen und den Werkstätten, die dem Chaos zuliebe wiedereröffnet werden. Keiner steigt aus. Heute nicht. Weil Silvester ist.
Wir haben noch etwas vergessen. Nicht die Zeit, die unwiederholbare, nicht das Chagrinleder, in welches das Schicksal hinein gewoben wurde durch eine gütige Fee oder Honoré de Balzac, die den Lauf der Dinge bestimmen sollen nach ihren Vorgaben oder Handschriften, nach den Horoskopen der schönen Wahrsagerinnen an den mondbeschienenen Sumpfwiesen und Lichtungen am großen See.
Nicht den Text, den ich spielen werde auf der Bühne des Lebens.
Außerdem, wozu gibt es Souffleusen, Friseusen, Masseusen, Trainer und Trainerinnen, Wortverdreher, Redenschreiber. Sie werden für ein Trinkgeld dir beispringen, wenn du versagst.
Nein, aber wir haben vergessen, wie es gewesen ist in der Nacht und deshalb nicht wissen, was morgen sein wird am Tag, und welches von den vielen Zielen, die sich anbieten, wir wählen sollen.
Zum Beispiel am Glücksrad in der Meile zwischen Siegessäule und Wagen, da benötigst du kein Ziel, da kannst du alles vergessen haben, wer du bist, wo du herkommst, wohin du willst, was du sein wirst. Da bist du glücklich und bringst das Rad zum Drehen.
Oder am Schießstand mit den vielen Blumen. Da
brauchst du kein Ziel, weil dir jede Blume gleichermaßen mißfällt, aber du schießt trotzdem. Obwohl du gar keinen Grund hast.
Darum gehe dort hin, weil du deine Vergangenheit vergessen hast und du kein Ziel hast. Geh in die Meile. Laß dich quetschen und drängen. Nimm kein Kind mit.
Es ist zu gefährlich, wenn Tausende sich drängen zu einem Ziel, daß es nicht gibt, aber nachdem wir insgeheim verlangen. Daß uns treibt. Es soll offenbar werden. Deswegen sind wir ja schließlich hier. Wir wollen doch alle diesen großen Fischzug. Diesen EX.. Wir haben doch alles stehen und liegen lassen und folgen ihm nach, als ob der Feind vor der Tür steht und du mußt weg.
Weg. Weg!
Wir konnten gar nicht so schnell sehen, wie wir gelaufen sind. Wir haben uns den Mund zu gehalten, um nicht aufzufallen durch unseren heißen keuchenden
Atem. Wir haben die Liebe vergessen, um durch die Tore zu kommen.
Der Paß wird verriegelt. Nach diesem Anstieg.
Das Nadelöhr mit dem Kamel verstopft. Es kann nicht vorwärts und nicht zurück.
Laß alles hinter dir, was dich belastet. Schau nicht zurück, damit du nicht erstarrst wie Lots Weib und wirf dich in den Strom, der alles verheißt und dich trägt wie er das brennende Blatt der Buche im Herbst trägt, wenn er anschwillt und zum Meer sich ergießt.
„Also jetzt seid ihr da, Glücksräder, Schießbuden, Stoffpuppen in den schwarzen Löchern des Kosmos,“ seufzt einer neben mir.
Wir wälzen uns zuerst in die andere Richtung, wie glückliche Schweine im Schlamm des Tauwetters. Die Goldene Göre lockt. Dort ist Musike drin. Wir schwingen die Hüften und denken an RUMMELSBURG, Schönheide, Wuhlheide, KIEKEBUSCH, der schöne Name und die noch schönere Vorstellung, BETRIEBSBAHNHOF.
Auf einmal ist Berlin Berlin.
Ein Berlin. – „Eine Stadt, die sich gewaschen hat.“ „Sehn Se, das ist Berlin!“
Die sein soll und ihre Geschichte ist nicht zu lang, als dass man sie sich nicht merken könnte. Hoffentlich holen uns nicht die Gespenster ein, gerade jetzt nicht, wo wir alles vergessen und alles eins ist.
„Live.“
„Stop!“
Wir klatschen und wenden uns, auf die Sekunde, Tausende. Kein Nachklatscher. Das wirkt. Wie einstudiert. Ist es auch. Der Tanzmeister hat seine Arbeit gut gemacht.
Weil wir merken, der Fluß fließt nach oben. Wie in den russischen Wundern, den sieben. Alles zurück. Zum Tor. Je weiter wir nach oben kommen, um so mehr Buden und Sänger auf Band und die Leute sind so ausgelassen, daß sie sich drehen wie verrückt im Takt .
„Rummel- rummel- rummel – ja!“
„Wuhle- Wuhle- Gänschen. Was wackelst du mit dem Schwänzchen?“
„Macht doch hier endlich mal Betrieb auf dem Bahnhof!“, ruft mein Nachbar wieder dazwischen, obwohl ja nun weiß Gott genug Betrieb ist und Schweinereien mit dem Wettergott wegen dem Eis und dem Schnee und vor allen Dingen gerade heute mit der Nässe.. „Pfui Teufel!“
Immer muß er mich begleiten, der Nachbar Schmidt.
„Ich will jetzt auch mein Vergnügen. Ich will jetzt nicht
nachdenken, wo komme ich her, wo gehe ich hin. Sondern, ich will Spielzeug sein.“ Sagt der philosophisch Interessierte zu seiner Begleiterin, einer Dame von Westberliner Welt.
„Wer bedient die Kurbel?“, ruft dort einer von hinten. Er meint das Karussell. Es dreht sich ihm nicht schnell genug.
Mir ist es jetzt schon zum Kotzen. Und was fällt uns ein: Max Liebermann neben dem Brandenburger Tor.
„Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich …“
Gut, daß wir nichts weiter gegessen haben als ein wenig koreanisch. Ums große Eck. Beim Niemandsland. Wo der Metallzaun steht. Als Absperrung.
„Kennst du Kanada?“- singt der Chor, den die Hüpfburg angeheuert hat und das Riesenrad, daß die Leute auf den Kopf stellt. Und das Schußgerät, bei dem nichts passieren kann, weil jeder Mensch angeschnallt wird, auch wenn er Kopf steht, amüsiert er sich, weil er nicht herunterfallen kann, sondern nur den Atem anhält in dem Betrieb zwischen Himmel und Erde. Großer Bahnhof des Vergnügens. Wir machen gar nix. Wir vergniechen uns, sagen se in meiner Heimat.
„Kennen Sie Emil Nolde? Mit den roten Kiefern im Licht des Abends?“ , ruft mir plötzlich der Waldgeist aus dem Osten zu.
„Kennst du die Nixen, die aus dem See steigen im Paradies des Ostens und das Lied der Verführung singen vom Grund. Wenn sie heraufsteigen, umkränzt. Und die Tänzerinnen der Südsee, die – gerade angekommen mit der Bentley – den Käptn umgarnen, dem es gar nicht so wohl ist in seiner Haut. Das kann ja ein Abend werden im Sommer.“
„Laß doch diese Geister und genieße den Abend jetzt, so doch gleich der Goldregen beginnt.“ Sagt die Freundin meiner Frau, die wir getroffen haben und die jetzt das große Wort führen will.
Es vergeht eine Zeit, ein Stunde. Keiner sagt mehr etwas, weil es eng wird und enger. Und alle wollen es nicht zugeben, daß jetzt der Spaß bald aufhört, wenn das so weitergeht.
Da ruft jemand nach mir.
Wer ist es?
Da erst bemerke ich, daß wir getrennt wurden.
„Ich komme zu dir. Halte aus. Halte dich fest an einem Stein oder lege dich auf den Ast von dem Baum des Lebens, damit du nicht weggetragen wirst von dem Menschenstrom an das andere Ufer und dort hängen bleibst im Gebüsch der Stromschnelle.“
Ich mache die Bewegungen eines Schwimmmeisters, der nicht schwimmen kann, um zurück zu kommen und erreiche tatsächlich die Ertrinkende, reiche ihr die Hand und ziehe sie aus dem Wasser nach oben. Der Strom schwillt an. Da treibt ein Kind und ruft den Namen seines Vaters, wie er ihn von der Mutter kennt. Der rettet den Kleinen und verflucht den Tag, wo er sich eingelassen hat auf das Original der Party aller Partys.
Gut, das wir den Wald im Rücken haben und sein Sausen wohl hören als die Grundmelodie des Abends von Anfang an. Aber nicht nur den Wald der roten Stämme, sondern auch die Berge mit ihren Fichten.
Das gibt uns Kraft, wenn wir den Lindenbaum hören unserer Kindheit, wenn er anfängt zu erzählen. Wir stemmen uns gegen den Strom und kehren um und verlassen seitwärts das Brausen. Hinter den Absperrungen finden wir uns wieder.
Dort wo die Orangenen die Böller aufstellen für den
Himmelstanz um 12 Uhr abends. Unversehens und unversehrt.
Gott sei es gedankt.
Es ist uns zu Ohren gekommen, daß es überhaupt kein Ziel gibt in der Bewegung, sondern: daß nur alles Spaß sei, ohne Ernst.
Was gab es am Ende? – Das Tor mit der Troika.
Davor eine Bühne mit verkleideten Männern. Die tragen die Frauen zum Singen. Ich höre die Lautsprecher durch die Bäume des Tiergartens. Es ist eine riesengroße Bühne. Es wäre besser, wenn niemand da wäre, dann könnte man die Sinnlosigkeit des Unternehmens besser erkennen. Aber so lungern sie um sie Bühne herum, zerdrücken ihre besten Teile, wenn sie nicht acht geben auf den Ansturm zur Unzeit. Alles brandet auf an der Bühne und wendet sich.
Endlich der Gott, auf den wir warten? NEIN!
Eine riesige Flasche, auf der steht CO-CA-CO-LA.
Das ist der Kick.
Keiner wagt etwas zu sagen. Alle kreischen laut auf. Nicht einmal ein Kind ruft, daß er ja keine Kleider an hat. Ich habe doch Kinder gesehen. Eine Laola bewegt sich zur Siegessäule zurück, auch die, die die Flasche nicht sehen, kreischen. Sie fassen sich an den Händen und tanzen um die Flasche herum. Sie heben die Hände hoch wie zu einem Gottesdienst. Und rufen: „Silvester, komm.! Nimm uns mit. In Dein Reich. Wir sind happy,
weil wir alles vergessen können bei dir. Wir danken Dir dafür.“
Die Flasche ist so hoch, daß sie schwankt. Aber sie stürzt nicht. Alle berühren sie und werden diese Berührung weitergeben an die armen Zeitgenossinnen, die diesen Abend nicht miterleben können – aus welchen Gründen auch immer.
„Das Original der Jahreswende von 2009 zu 2010“, rufen im Chor eine Million. Und der Ruf setzt sich fort in allen Fernsehanstalten der Welt, in allen Rundfunkanstalten Europas, auf vielen Plätzen der Republik.
Oh, wie es dröhnt, oh wie es dröhnt, ohne PAX in den Ohren. Oh wie es stöhnt, oh wie es stöhnt auf der Bühne, wenn die schwitzenden Männer die Frauen tragen und die Frauen mit ihren Reizen nicht sparen dürfen, damit der Anziehungspunkt erhalten bleibt. Der Rhythmus des ohrenbetäubenden Lärms mit der Oberstimme aus Sopran treibt uns noch weiter in die Dunkelheiten des Tiergartens, die Kaninchen laufen um ihr Leben, die Kanzlerin winkt und wünscht die Energie, die wir brauchen, um aus dem Schlamassel wieder heraus zu kommen.
Plötzlich geht das Feuerwerk los und wir fassen uns an den Händen wie damals, als wir auf der Oberbaumbrücke – oder war es am Naturkundemuseum – an den Händen faßten, weil wir wußten, die Deutschen hatten etwas ausgehalten – den Kalten Krieg. Und vielleicht ein wenig durch ihre gemeinsame Sprache dem Weltfrieden einen Dienst erwiesen. Haben wir nicht damals so geweint, wie Hänsel und Gretel, die zurückfanden aus der Welt der Grausamkeiten.
Das Feuerwerk geht eine halbe Stunde und die Massen strömen zurück in die Züge und auch wir lassen uns tragen wie auf einer Woge auf den Bahnsteig und hoffen auf Züge in die richtige Richtung, und auf ein Auto, nicht angezündet inzwischen von feiernden Politikern und Politikerinnen, weil es nicht zu erkennen war, ob es zu DC gehört oder nicht. Weil es vielleicht auf dem Bürgersteig stand, der mit Sand und Schnee zugeschüttet war. Wir haben es gefunden.
Niemand hat es umgeworfen oder etwa eine Barrikade daraus gebaut gegen die Feinde.
Und wir sind ohne Zwischenfälle zu Hause angekommen, um auszuschlafen den ganzen Tag. Wie kann man so aus dem Rhythmus kommen.
Wie kann man sich so vergessen.
Wir haben keine Glocken gehört.
Die Welt war stumm.
Nur ab und an Schüsse, Raketen des kalten Friedens.
Sprachlos.
„Gnade.“
Schweigen.
Wer ist es, zu dem wir beten sollen.
JESUS CHRISTUS
Sonst kommen wir um.
In der Langen Weile des Friedens.
Den wir proklamieren.
Um nicht zu sterben.
In der Küche jenes Bürgerhauses in dem sich unter dem Sofa ein Mitglied der Bader-Meinhof-Gruppe versteckt hielt wärend einer Hausdurchsuchung. Es: Sie/Er ist nicht gefunden worden. – Die Lesung des Verlages AUF DER WARFT fand am Vorabend der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse statt (FBM). Im Erscheinungsjahr des Titels „Berliner Erzählungen-Heile Welt“ 2014. Die eigentliche Lesung der Autoren dieses Verlages fand dann in der lang gestreckten Diele statt.
Ich saß als Zuhörer auf jenem Sofa.
Eleganter COUCH.
Als Vorleser am Ende, am Fenster.
Die Ausgabe mit dem Ostberliner Fernsehturm war die erste, als CD heraus gekommen und als elektronisches Buch (Machtwort-Verlag Dessau).
Geselllschaft für Deutsche Sprache in Münster/Universität. Der Vorsitzende des Bezirkes Münster und Herausgeber Klaus Siewert lädt ein in die Uni (ehemals Westfälische Wilhelms-Universität). Zu sehen Barbara Höhfeld/1.von links(gelesen „Kindertreu“) und Barbara Fischer-Reitzer/2.von links („Lillit“).Neben Wohlfarth(„Berliner Erzählungen-Heilie Welt“)
Wissen Sie, manchmal wäre ich am liebsten katholisch. Wissen Sie, warum? Sie können es sich nicht denken? Wegen MARIA. – Die Maler des Abend-Landes haben sie als sehr schöne Frau gemalt. Die Vor-Bilder waren meist junge Mädchen, je nach dem Geschmack der Zeit oder des Malers angezogen.
Ich gebe zu – diese Frauen- und Mädchenbildnisse haben mein Ideal von Schönheit maßgeblich beeinflusst. Und ich bin meinen Eltern dankbar, daß sie so schöne Marienbilder in unseren Zimmern aufgehängt hatten. – In Süddeutschland bin ich froh, wenn ein Marienbild in einem Restaurant hängt. Dann weiß ich, dass hier kaum Männerphantasien so blühen können, dass sie sich schließlich in verbalen Schweinereien über das andere Geschlecht abkühlen müssen. Pornographie und Maria schließen einander aus. Emanzipation ist natürlich. Die Psychologen nennen das Archetyp – Maria! Maria ist der Typ des Beginnens, des Anfangs. Mit ihr kommt Gott in diese Welt. Er wird Mensch….
In der Kirche, in der ich Pfarrer bin, hängt ein Gebet, von einem 12jährigen Mädchen geschrieben auf einem Zettel an der Gebetswand: „Lieber Gott, ich glaube, dass du ein guter Mensch bist. Leider lerne ich dich jetzt erst kennen. Ich wünsche dir zu Weihnachten, dass alle deine Wünsche und Hoffnungen, die du für die Welt und in der Welt hast, in Erfüllung gehen.“ Das Gebet ist unterschrieben mit Yvonne, 6. Kl. – Das Geheimnis der Maria! Das Geheimnis des Heiligen Abends, der Weihnacht. Das Problem des Joseph – ich habe es bisher noch nie einfacher gelesen als in diesem Gebet und mir fällt dazu der Text des Propheten ein: „Die mich suchen, die finden mich nicht, aber die mich nicht suchen, die finden mich, spricht Gott der Herr.“ – Achten Sie doch einmal darauf, was Bilder für einen Einfluß in Ihrem Leben haben. Wir brauchen sie. Auch das Bild der Mutter, des Vaters, des Kindes, der Heiligen Familie. Gemalte Bilder! – Wir beten in den Kirchen um die Heiligung der Ehen! –
Vielleicht gehört auch ein wenig das Stroh dazu, die Tiere, eine Armut, die aus Innen glänzt, um es mit dem großen Dichter Rainer Maria Rilke zu sagen.
Ist es nicht das , was uns Weihnachten so anziehend macht, so heimelig… Daß uns der Wohlstand nicht aller Dinge überdrüssig werden läßt…. Und daß die Jugend die Vorbilder nicht durch uns verliert, sondern Maßstäbe, Sehnsucht, Weg und Ziel geschenkt bekommt. Und dass wir das beim anderen, beim Nächsten immer wieder vermuten und entdecken – Menschlichkeit. Die Menschwerdung Gottes.
Und ich fände auch nicht schlimm, wenn mancher Junge auf der Suche ist nach seiner Maria. Wenn Männer und Frauen Maßstäbe setzen und das Leben nicht wertlos wird, weil die Gnade Gottes zu billig verkauft wird. – Ich bleibe evangelisch, aber die Maria finde ich trotzdem gut. Frohe Weihnacht!
Vor zwei Jahren geweiht. Altenburg Dezember 22. Der Text oben aus „Predigen auf dem Markt“ ( Fromm-Verlag Saarbrücken und epubli Berlin). Die Predigt ist eine Kolumne, geschrieben für die Einwohner des Landkreises Altenburger Land im ersten unzensierten Blatt, gegründet von Ingo Schulze (Literat, damals Dramaturg im Altenburger Landestheater) und anderen Mitstreitern der 89IGER Revolution in Deutschland.-Ich stehe zu jedem Wort, dreißig Jahre später. Es hilft mir sogar, wenn ich mich erinnere. Ich hoffe, Ihnen auch.
Aufführung „MESSIAS“ von Georg Friedrich Händel in der Bearbeitung von Wolfgang Amadeus Mozart 8. 12.24 (2.Advent)
Zum Bild: mit der freundlichen Erlaubnis der Christuskirche Oberschöneweide (Berlin) und der Chorsängerin (Sopran) in der Kantorei Köpenick (Berlin), die uns dieses Bild gesendet hat, hoffen wir Ihnen Mut zu machen, mitzusingen in dieser Heiligen Zeit.
Damit das Böse nicht Raum gewinne und nicht der Hass, sondern die Liebe.
Die einzige Sprache, die im Himmel gilt, wie mir die evangelische Familien – Communität ojc aus Anlass ihres 20 – jährigen Bestehens aus Reichelsheim (Odenwald) jetzt per Plakat zukommen ließ.
Leuchte, mein Stern leuchte, führe mich zu dem Ereignis des Jahrhunderts, zu
Den Ereignissen des Jahrhunderts, dass ich immer dort bin, wo viel los ist und ich nichts verpasse – das könnte die magische Beschwörung einer lebenshung-
rigen Generation sein – immer gewesen sein. Oder ist es in Wirklichkeit der
stille Glanz nicht der grellleuchtenden Sterne, sondern des einen von Bethlehem, der uns lehrt, dass im Unscheinbaren, ja oft in der Armut die Größe liegt. – Was
haben wohl die gebildeten, die Magier, die Wissenschaftler, die Studierten, die Zauberer gesucht, als sie den Stern der Jahrtausende gesehen haben und ihm
folgen? Sie haben Weisheit gesucht, Macht, Menschen zu beherrschen, Reich-tum des Geistes, Wissen ist Macht, Esoterik, Spiritualität, Geheimwissen. – Und was haben sie gefunden? Das Einfache, das Schlichte, ja das Alltägliche war das Geheimnis des Lebens und des Glaubens, der Religion und Spiritualität.
Das Kind wurde ihnen zum Gericht über alles Streben ihrer Eitelkeiten und sie sanken ehrfurchtsvoll auf die Knie und schämten sich ihres Hochmutes. –
Leuchte, mein Stern, leuchte, leuchte in meiner Dunkelheit und in der Dunkel-
heit meiner Zeit und aller Zeiten, der Zeit meiner Eltern und Voreltern, des Krieges, der Kriege, die Zerstörung, Unglauben und Wut produzierten, Hass und Klassenhass, Unbarmherzigkeit und Unfrieden auf Dauer, Stacheldraht für Andersdenkende und Andersglaubende, Rassenwahn und Größenwahn. Leuchte
in Auschwitz, du gelber Davidsstern, leuchte in den Gefängnissen Stalins und Ulbrichts, du Stern Jesu, leuchte in unsere dunkle Vergangenheit, damit die Zukunft licht sei für uns und unsere Kinder. Zwei Dreiecke, gleichschenklige,
gegeneinander gelegt, zwei Dreiecke, die das Auge Gottes symbolisieren, sind
ein Stern, der Stern Judas, der Stern an Eisenbaums Jackett in Schindlers Fabrik,
auf seiner Liste. – Du stehst auf dem Gottesacker und siehst dir die Gräber an, was siehst du? Du siehst einen Stern vor dem Geburtsdatum eines Menschen. Datum heißt auf Deutsch Geschenk. Es ist Lateinisch. Die Geburt eines Menschen ist ein Geschenk. Die Geburtsrate in der ehemaligen Zone ist dramatisch gesunken, einmalig in der Menschheitsgeschichte. Das ist ein totalitärer Vorgang. Es ist zuviel käuflich. Oder? Wir kommen damit nicht zurecht. Es ist nicht nur ein Gefühlsstau, ein Kulturstau ist das, ein Zivilisa-tionsstau….. – Es ist Weihnachten. Der Stern von Bethlehem leuchtet wieder. Er lockt die Weisen aus dem Morgenland. Lockt er auch uns mit unseren Erfahrungen 40 Jahre Sozialismus, 5 Jahre Postsozialismus, vier Jahre Wieder-vereinigung ? Und der Schock sitzt tief, der Kulturschock! Oder wiegen die Alt-
lasten zu schwer, und wire können uns nicht mehr auf den Weg machen in den Wüstensand……? Das Wunder ist das Kind, vielleicht im Luxus noch größer als im Elend. Alltäglich eigentlich. Das ist der Trost. Wie ofr haben das Eltern schon empfunden in Notzeiten, in guten Zeiten, in schlechten Zeiten. Das Wunder ist das Leben, das sich nicht selber genügt, das ewige Leben? Ein Wunder, sagen wir, wenn wir noch natürlich empfinden können und uns freuen können. – Der Stern sagt mehr. Gott i s t das Geheimnis der Welt. Der Stern über der Felsengrotte in Bethlehem sagt unendlich mehr, und deswegen kann er uns auch ermutigen. Das ist das Kind in der Armut, das Kind in der Krippe. Das Kind ist Jesus. Der Stern ist der Stern der Verheißung, der Hoffnung, der Rettung. Wir haben den Richter erwartet, eigentlich das jüngste Gericht, aber Christus ist gekommen, das Kind in der Krippe. Die Krippe ist aus Holz. Sehr
irdisch, Kreuze sind auch aus Holz. Vor einem anderen Datum – es ist auch gegeben von Gott – steht es. Stern und Kreuz verweben sich ineinander. –
Leuchte, mein Stern, leuchte, in der Dunkelheit des Aufruhrs, in der Aben-teuerlust der Jugend, in der Unlust und dem Murren der Alten. In dem Besser-
Wissen des Mittelalters. In der Herrschsucht der Männer und der List der
Frauen. – Alle haben wir einen Lebensstern. Manche gucken nach dem Horoskop, um seine Bahn vorausberechnen zu können wie die Magier vor zweitausend Jahren und die Esoteriker von heute und die Sekten von vor-
gestern. Seit Christi Geburt, seit 1994 Jahren ist der Lebensstern der Stern Christi, ist unser Weg, an dessen Rand Kreuze zu finden sind, der Weg Christi. Sein Stern ist unser Stern, sein Kreuz ist unser Kreuz. Geheimnis des Glaubens,
Geheimnis des Lebens, auch wenn es uns nicht bewusst ist. Ob wir es bejahen
oder nicht. – Natürlich kann man da auch von einem Kulturkreis sprechen.
Aber nein, heute abend wollen wir es so sagen. Wir wollen es uns wieder bewusst machen, das Geheimnis der Menschwerdung Gottes, an der wir teil-haben durch unseren Glauben an Jesus Christus. GOTT will in uns Wohnung nehmen. JESUS bleibe meine Freude! – Das Geheimnis der stillen heiligen Nacht. Geheimnis der Weihnacht. Geheimnis des gläubigen Herzens. Gott schenke uns Frieden und Stärke und das Licht …. Leuchte, mein Stern, leuchte, leuchte in Russland und der Ukraine, aber besonders in mir, damit ich Frieden bringe, wo man sich haßt, Mut, wo Angst ist, Leben, wo Tod. AMEN
Genauer gesagt in Ostthüringen. Das ist eine Kleinstadt. Mein Großvater hat hier nach dem 1.Weltkrieg Arbeit gefunden:Bürgermeister.
Sie hatten ihm gesagt in Hohensalza – nach dem siegreichen Polenaufstand: Du kannst hier bleiben und die polnische Staatsbürgerschaft annehmen. Das ist die Bedingung. Dann kannst Du Dein Haus behalten, die Villa, die Dir Dein Freund entworfen hat in Friedenszeiten. Du solltes aber gehen, wenn Du das nicht willst.
Wenn Du kein Pole werden willst: GEH! Geh nach Deutschland. Geh nach Thüringen. WOHI – IN. GEH WOHI – IN…?
Ja, er wollte nicht die polnische Staatsbürgerschaft annehmen und verkaufte seine Villa für einen Apfel und ein Ei.
In Thüringen, jedenfalls in Pössneck, war gerade Wahl. Die Sozen suchten einen Bürgermeisterkandidaten. Da es gute Sozialdemokraten waren, fanden sie es nicht schlimm, dass ihr Kandidat Otto von Bismarck über seinem Scheibtisch zu hängen hatte, dass er Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei war und Kontakt zu Journalisten hatte, die dieser Partei nahe standen oder gar selber als Mitglieder geführt wurden. Sozial-Liberale Koalitionen gab es schon immer. Allerdings lebten Mitglieder dieser kleinen Partei gefährlich. Siehe Walter Rathenau, der auch zu dieser Gruppe gehörte.
Der Journalist Theodor Heuss, erster Präsident der Bundesrepublik Deutschland war mit dem promovierten Juristen Friedrich Arter bekannt und in Zürcher Blättern erschienen Gedichte meiner Großmutter Theodora Arter, geborene Dilloo. Friedrich Arters Vorfahren waren Schweizer und Theodor Heuss schrieb in Zürich.
Ein Politiker der DDP trat immerhin Kapp entgegen auf den Stufen des Reichstages, als der ihn übernehmen wollte.“Wo ist ihre Legitimation?“ Kapp hatte keine und ist umgekehrt auf den Stufen des Reichstages.
Alle anderen Parteigänger- und Führer waren längst geflohen. (Quelle: Ernst von Salomon in dem Roman „FRAGEBOGEN“/Rowohlt.)
In der Legislatur meines Großvaters in Pössneck kam wiederum Tessenow, der Baumeister aus dem Bauhaus zu Besuch und zur Geltung.
„Gehen Sie ein Stück ostwärts die Straße entlang. Die Autostraße, die in Richtung Neustadt an der Orla führt. Sie kommen rechter Hand zu einer Siedlung. Zwei Straßen. Parallel zur Hauptstraße“. In einem Cafe unweit des Rathauses.
Gewissermaßen vor der Siedlung steht eine Schautafel: Mein Großvater und seine Frau vor einem Siedlungshaus. Von Tessenow entworfen, mit dem er schon vor dem Krieg – in Friedenszeiten – gebaut hatte: in Hohensalza. Der Bürgermeister ist mit hinein gezogen in den beispielhaften sozialen Wohnungsbau in Thüringen. In den Gries.
Dazu der Text, der Ihnen alles erklärt. Es gibt noch eine dritte Straße auf der anderen Seite der Straße Richtung Neustadt. Auch Bauhaus. Auch Tessenow. Nach zu lesen in den Berichten zum Tessenow- Jahr des Denkmalamtes als nachgeordnete Behörde der Regierungskanzlei in Erfurt. Herausgekommen im Reinhold-Verlag Altenburg. Ja, dort war ich lange Zeit Gemeinde-und Jugendpfarrer und freue mich, dass ausgerechnet diese Geschichte in Altenburg gedruckt wird
Carsten Liesenberg:Die Tessenow-Siedlungen in Pößneck
Hätte ja eigentlich in Pössneck gedruckt werden müssen, dieser alten Drucker-Spiel- und Papierstadt. Die vielen roten Backsteingebäude zeugen davon.
Durch das Tessenow-Jahr hat Pössneck gewonnen und durch eine Gartenbau-Ausstellung danach. So kommt eines zum anderen. Eines baut auf dem anderen auf. Thüringen braucht das. Nicht nur Thüringen – ich weiss.
Die Frau des Bürgermeisters ist nicht in die Kränzchen gegangen der Fabrikbesitzer-Frauen. Sicher übel genommen, wa? Sie war fromm und hat sich gekümmert und g e s e h e n, wie am Morgen die Arbeiterfrauen ihr entgegen kamen mit den Kindern.
Fröbel und sein Kindergarten waren ihr immer gegenwärtig, erzählte meine Tante Josephine. Sie ging in die Bibelstunden der Landeskirchlichen Gemeinschaft. Und sie stritt mit Ihrem Sohn: erst Gott und dann das Vaterland. Auch mit ihrem Mann. Eine streitbare Theologentochter. Ihr Mann ein Liberaler, eigentlich fast Schweizer Güte, wie besagte Tante es ausdrückt in den Biografien der Zeiten, die sie beschreiben hat – für uns.
Unsere Quellen.
Unsere Mutter ist in Pößneck geboren worden. 1920. Mein Großvater ist von den Sozen nicht wieder gewählt worden. Er hat mit Hilfe der Noske-Truppen Arbeiteraufstände und rechte Putschisten zu zügeln versucht. Mit Erfolg und mit den Mitteln, die nach dem 1.Weltkrieg die Weimarer Republik angeboten hat und von den Kräften vor Ort umgesetzt wurden. Es war nicht immer friedlich. „Keine Gewalt!“ war in Leipzig 1989!!!
Die Bewaffnung der Arbeiterklasse nicht nur als Hauptziel Lenins, wie wir es gelernt haben an der Universität in Berlin, wenn wir im roten Konfirmanden – Unterricht sassen, als Pflichtfach für Theaterwisschaft und auch evangelische Theologie.
„Bewaffnung der Arbeiterklasse“. Lenin wusste das. Andere auch.
Und hielten dagegen, um einen Bürgerkrieg zu verhindern. Auch Rathenau. Die Anführer wurden über die Äcker geschleift, erzählt mir ein Feund der Familie Arter in Pössneck, ein Nachkomme von Freunden, als er in Altenburg auf dem Bahnsteig steht und wir auf den Zug warten, nach einem Gemeindetreffen.
Ich weiß nicht, ob mein Großvater das wußte.
Ich hoffe nicht.
Aber das sind Realitäten. Keine Gute-Nacht-Geschichten. Es war harte Zeit.
Die zweite Legislatur gehörte nicht Dr. Arter:“ Er ist doch nicht so wie wir!“ – Die Konservativen haben nicht gereicht, die das erste Mal gegen ihn gestimmt haben.
Es wird gezählt.
Es gibt die Zahl.
Nicht nur das Bild.
So schön es auch ist.
Von daher stimme ich nicht in das Lied der Politikverächter ein. Die ganze Familie hat darunter gelitten. Sie sind wieder zurück gegangen in den Osten, woher sie kamen. Nicht ganz so weit. In die Neumark. Nach Landsberg an der Warthe. Wo in der Nähe die Familie eine Ziegelei besass. Für die roten Backsteine, die bis nach Pössneck reichten. Ja, genau die. Sie gibt es überall. Im Norden. Im Osten und in Thüringen.
Wir haben die Stadt besucht und auf der anderen Seite der Orla eine Fabrikantenvilla gefunden, in der wir kurios übernachtet haben. Und paradox. Nach Thüringer Klössen im Rathaus.
Aber das wäre eine neue Geschichte für diese Stadt und dieses Land.
Machen wir es gut. Besser? – glaube ich nicht.
Aber mit Gottes Hilfe, sonst geht es gar nicht.
Mit freundlichen Adventsgrüßen
Michael, der älteste männliche Enkel.
TSCHÜSS – A DIEU – Weihnachten wird es uns hoffentlich leichter machen. Ein halbes Jahr ist das Ganze nun her. Diese Spaziergänge, Übernachtungen und Gespräche. Nur eines hat uns wirklich entsetzt. In dieser Stadt kein Gottesdienst an diesem denkwürdigen Sonntag d.18.8.24. und auch keine Anzeige an der Kirchentür:WO DENN?
Kapitel II Ein Spaziergang auf der anderen Seite
Kapitel III – vor dem Spaziergang im Regen die Besichtigung „Am Gries“
Pössneck
Ausruhen Ende August, Anfang September. Es waren der Feiern sicher zu viele und Gäste, die nicht erwartet wurden und solche, die nicht kamen. Aber doch, aber doch. Alles gut?
Es wird alles gut, weil Christus auferstanden ist (Sören Kierkegaard)
Und nun: Seid stille im HERRN, lese ich Monate später.
Gustav Heinemanns Rede auf dem Essener Kirchentag 1950: „Unsere Freiheit wurde durch den Tod des Sohnes Gottes teuer erkauft. Niemand kann uns in neue Fesseln schlagen, denn Gottes Sohn ist auferstanden. Lasst uns der Welt antworten, wenn sie uns furchtsam machen will: Eure Herren gehen, unser Herr aber kommt!“
Einen gesegneten Advent!
Berlin 1. Advent 1.Dezember 2024 Margard und Michael Wohlfarth mit herzlichen Grüßen!
Kommentar einer Pößneckerin
Wunderschöne Bilder. Macht Lust, die Stadt neu zu entdecken. Vielen Dank. Ja, ich bin in Pößneck geboren und war dann dort auch noch mal mit Andreas Schaller im PfarramtLeider kann ich Ihre Nachricht an mich nicht finden. Habe mich sehr über Ihre Nachricht gefreut. Social media ist meine Schwachstelle. Einen gesegneten 2. Advent Ihnen und Ihrer Frau.
Liebe Leser meines Blogs, neulich hatte ich einen Termin an einem Sonntag: Gedächtniskirche Berlin, K Damm, 18.00 Uhr. Mal sehen wer predigt. Es war ein Motettengottesdienst mit Predigt von Kathrin Öxen, einer führenden Mitbewerberin im Wittenberger Internet-Predigt- Kreis.
Natülich hatte ich keinen Termin. Deswegen gehe ich lieber in eine Kirche, die jeden Sonntag offen hat. Sogar 10.00 Uhr oder auch abends. Oder wann. Das ist in meiner Heimatgemeinde so und auch am K Damm. CHOCHOSCHO.OKAY. GUT.
Es war kein trauriger Tag im November, an dem die Dichter reisen, womöglich aus dem sonnigen Süden ins rüde Berlin. Ich lasse mir das nicht traurig machen, wiewohl ich GENRICHA GENE liebe, wie auch Kleist und andere mehr. Deshalb vorher Kaffee – ROSTBRENNEREI Seitenstraße K Damm. Eine Tiefe.
Ein Quadrat. An dem sitz ich und bestell` russischen Zupfkuchen und einen italienischen Cafe. Kommt auch wirklich, wenn auch nicht schnell.
Es ist noch e i n Platz frei an dem Quadrat. Mir gegenüber. Mal sehen wer kommt.
Da kommt jemand.
Eine Frau mittleren Alters, die sich später als junge Großmuter entpuppt. Vier Kinder zur Welt gebracht hat und im Bundestag war, um über Corona und Folgen zu diskutieren. Mein Thema nicht. Weil ich immer noch davon ausgehe, dass jeder Arzt einen Schwur schwört, nicht wegen einer Verschwörungstheorie, sondern den des HYPOKRATES. Und wenn er Christ ist bittet er Gott um Hilfe bei jedem Patienten und jeder Patientin. Ich weiß von einem Chirurgen in Crimmitschau/Sachsen aus Erzählungen der Ureinwohner dort, der sich vor jeder Operation nicht gescheut hat zu knien und Gott um seinen Beistand zu bitten. Kurz: ein Arzt handelt in der Liebe des Schöpfers zu seinen Geschöpfen. Ich möchte davon ausgehen, dass das in der Pandemie auch so war und nicht der Pharmazieverkauf die Hauptrolle spielte. Wir sollten alle vielmehr davon ausgehen und dann allerdings auch um den Mut des Patienten bitten, der widerspricht, wenn es darauf ankommt. So war m.E. die Grundlage unserer Unterhaltung.
So ein rheinisches Kind aus Essen, wie sie mir später bestätigte: auch noch katholisch. Ja, Rheinland. Der Zug fuhr ab gegen ACHT. Bahnhof ZOO.
„Kann ich mitgehen vorher in die Motette?“
„Klar, gehen wir zusammen.“
Aber vorher ein Ereignis für jemanden, der BLOG schreibt, aber nicht so recht weiß ob das ankommt. Bei dem Stichwort BLOG sage ich: „Ich habe auch einen Blog“. Sie zückt das Handy und notiert den CODE https://kaparkona.blog.
„Der Blog hat auch noch einen Namen: Michael Wohlfarths Blog.“
„Ja, da kenne ich Sie.“
Ich bin baff. Sie aber auch. Berlin. Millionen. Auf einmal sitzt man sich gegenüber.
Als der Gottesdienst vorbei ist, verabschiede ich mich in diesem würdigen Rahmen der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und laufe und steige auf meinen Bahnsteig Richtung Erkner. Die DREI. Sie kommt. Die S-Bahn.
Ich weiss nicht einmal mehr ihren Namen. Aber ich wünsche ihr alles Gute im Streit um den rechten Weg. Und Gesundheit an Leib, Seele und Geist. Wir waren sehr offen im Austausch. Und haben nichts ausgelassen. Die AfD nicht, die Pandemie nicht. Die Verschörungstheorien nicht. Kyrill nicht. Die Russen nicht. Den Kapitalismus nicht.
„Ein schöner Abschluss dieses Tages“, sagt sie. Sie ist besser in den Gesängen als ich.
Warum müssen wir uns gegenseitig immer so schlecht machen???!!!
Einen gesegneten Ewigkeitssonntag!
Ihr/Euer
Michael Wohlfarth
Aus PREDIGEN AUF DEM MARKT / epubli und Frommverlag, aufrufen unter: Alle Bücher von Michael Wohlfarth/ in Oberzeile Internet.
Diese Predigten sind Kollumnen bis auf wenige Ausnahmen, geschrieben für die erste unabhängige Wochenzeitung im Altenburger Land, gegründet von Ingo Schulze nach den Friedensgebeten in der Brüderkirche in Altenburg/Thüringen (Neunziger Jahre, letztes Jahrtausend, letztes Jahrhundert).
Totensonntag
Totensonntag,
November, Schauer,
Kränze liegen an der Mauer,
aber dann im Advent
ein Lichtlein brennt… –
Das ist der erste Vers eines Krippenspiels, das ich mit Christenlehre-Kindern
des Altenburger Landes in Thonhausen und Mannichswalde vor Jahren
„gedichtet“, gesungen und eingeübt habe. In den Zeiten des real-existierenden
Sozialismus. Das hat mir z.B. der Staatssicherheitsdienst chronologisch sehr schön festgehalten: Der Aufbau einer Kinderarbeit im Zeichen des Getauft-
Seins. Nachzulesen im Operativvorgang „Vermittler“. Christen besuchen mit Nicht-Christen die Friedhöfe und trauern. Das muß gelernt sein – Trauerarbeit.
Vergangenheit bewältigen. – Christen glauben vielleicht im Unterschied zu Nichtchristen (hier sind nicht die anderen Religionen gemeint), daß sie letztendlich nur Vergangenheit bewältigen können, trauern können und glauben, in der Liebe und in der Hoffnung zu Gott hin, der für sie einen Namen hat: Christus, der stärker ist als der Tod und Vergänglichkeit scheint. Christen glauben, dass sie es in der Beziehung gut haben, daß sie an den Gott des Himmels und der Erde glauben, an den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist, wie es in einem Gesangbuchvers heißt. Vielleicht bleibt dann auch noch Kraft zum Trost für andere ….. Wie wichtig ist das Erinnern. Gute Erinnerungen machen stark, sagt der Blutzeuge des christlichen Glaubens, nach dem eine Straße in Altenburg Nord benannt worden ist: Dietrich Bonhoeffer, der mit aufrechten preußischen Offizieren das Attentat gegen Hitler vorbereitet hat, weil er in ihm das Böse sah – und deshalb kurz vor Kriegsschluß aufgehängt worden ist von den Nazis. Wenn es ihn nicht gegeben hätte, hätte es vielleicht gar keine Kirche mehr gegeben in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands. Wenn es ihn und viele und viele anderem Zeugen des Glaubens nicht gegeben hätte. – Erinnerung ist Erlösung, sagt die jüdische Weisheit. Deswegen gehen die Menschen an die Gräber im Gedenken …. Deswegen spricht auch die Kirche nicht vom Totensonntag, sondern von Ewigkeitssonntag: im Angesicht des Todes werden wir gewiß, was wirklich von Dauer ist, was über uns und unser Leben hinausweist, was wirklich bedeutend ist, was uns Halt gibt und Hoffnung. – Was uns die Angst nimmt vor der Zukunft , was uns nicht fallen lässt, sondern stark macht für das Leben, was unsere Antwort ist und unsere Verantwortung. Und welche Fragen auftauchen und welche Zweifel…. Christen glauben, dass es kein „Friedhofsfrieden“ ist, der uns umfängt, wenn wir am Totensonntag zu den Gräbern gehen, sondern der Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft. Wir sind Bewegte, wenn wir zurückkommen in den Alltag, den grauen Novemberalltag, und ergreifen das Licht des Advents, wie die Kinder, die jetzt dreißig sind oder deren Kinder wieder im oben zitierten Krippenspiel, was sie selber mitgeschrieben haben. – Ich wünsche allen einen gesegneten Sonntag, daß jeder den Trost empfängt, den er sich aufgemacht hat zu suchen.
Plötzlich kehrte sie um. Nicht weil ihr Handy klingelte und ihr in Erinnerung rief, das und das soll sie doch bitte mitbringen von ihrem Urlaubstrip nach Hause nach Berlin oder etwas jetzt zu essen, was in der Küche von ihrem Vater Horst Leskow, seiner Frau Marianne und seiner Schwiegermutter Elise fehlte.
Nein, eine innere Stimme, die sie zur Ruhe rief in all dem, was gerade im Schwarzwald nach dem Besuch des Grabes immer wieder auftauchte nicht wie Treibgut, das könnte man unberücksichtigt lassen, es wäre eben im Fluss der Dinge, nein wie etwas Lebendiges. Das Berücksichtigung finden muss.
Verdrängen geht gar nicht.
Die Kirchenglocken haben längst aufgehört zum Mittagsgebet zu rufen.
Der Besuch im Pfarrhaus hat viel zu lange gedauert.
Sie kehrte trotzdem um zum Ort ihrer Taufe und ihrer Konfirmation.
Die Großmutter hatte viel Wert darauf gelegt, auch wenn der Vater nicht so recht wusste, was das alles zu bedeuten hätte.
„Deine Frau, die Mutter von Anne, würde sich wundern, wenn ihr Kind nicht aufgehoben wäre in der Gemeinschaft der Gläubigen,“ sagte sie zu ihrem Schwiegersohn. Und so wurde Anne getauft. Ihr Vater hat sich gefügt, wie eigentlich immer, seit dem er auf der anderen Seite der Demarkationslinie lebte. Das war jetzt seine Heimat, der Schwarze Wald wie er ihn nannte. Er hatte seine erste Frau nach dem Zusammenbruch der DDR in Berlin kennen gelernt. Berlin ganz und nicht nur halb. Halb? ZWEIDRITTEL WEST und EINDRITTEL OST, so war die Lage. Sie war auch unternehmungslustig genug, um aus ihrem Wald angereist zu kommen, um zu sehen, was es denn nun auf sich hat mit dem Osten. Wo die Sonne aufgeht und nicht unter. Sie wollte Lehrerin werden und war dementsprechend neugierig. Dabei ist sie auf den Soldaten gestoßen, der in Zivil wissen wollte, wie die Feindinnen so sind, wegen der er in Thüringen schießen sollte, wenn er eine sähe, wie sie sich am Zaun zu schaffen machten. Jedenfalls- Angelika war hübsch und nicht übertrieben, nicht einmal schräg oder zu sehr gefärbt. Natürlich. Das war schon immer sein Idol. Schon von zu Hause her. In seinem Erzgebirge. Dort hatte er nach seinem Mittelschulabschluss KFZ-Schlosser gelernt an Hand der Wartburgs und Trabanten, die dort gefahren wurden in der Mehrzahl aber bei Leibe nicht in jedem Haushalt. Wartburg weniger als Trabant. Viel weniger. Noch weniger Moskwitsch oder Skoda aus dem tschechischen Bruderland. Der Pfarrer war der einzige, der nicht so lange warten musste, wie die anderen, um zu einem Trabant zu kommen aus Zwickau. Das wussten sogar die Leute, die nicht zur Kirche gehörten. Die zu allermeist. Seine Eltern gehörten nicht dazu. Sie waren Kommunisten von zu Hause aus. SED-Mitglieder im Gegensatz zu den anderen, die nicht zur SED gehörten, nein, darüber hinaus auch noch jeden Sonntag in die Kirche gingen. So fromm war das Erzgebirge. Um so mehr hat ihn der Glemmer des Westens aufgesogen. Aber er war stabil genug, um nicht darauf herein zu fallen. Nein, er nahm sich sofort vor, nicht etwa Berufssoldat zu werden in der vereinigten deutschen Armee, sondern etwas aus seinem gelernten Beruf zu machen: Meister, selbständig. Und warum nicht Autos reparieren auf der andern Seite, wo die Volkswagen und Opel fuhren, sagte er sich, nachdem er Angelika aus dem anderen westlichsten Mittelgebirge in Deutschland kennen gelernt hatte. Und auch noch im verrückten Berlin.
So schnell ging das nicht. Vorstellungsbesuch bei den Eltern hin und her. Begutachtung frommes und unfrommes Nicken. Hand in Hand durch die Dörfer laufen. Tuscheln, wie es sich gehört. Aha, aha. Und so weiter.
Jedenfalls vor einem Schaufenster geschah es. Auf der anderen Straßenseite stand ein sehr hübsches Mädchen aus dem Westen. Sie spiegelte sich im Fenster, vor dem Horst Leskow stand. Er dreht sich um und winkte. Sie winkte zurück. Solche Dinge gibt es. Sie trafen sich wieder und immer wieder, jeden Tag, den sie in Berlin verbrachten. So ist das und so geht das. Wen es gut geht. Es geht bekanntlich nicht immer gut. Hier ging es gut. Und alle waren dankbar in diesen wirren Zeiten. Und sollten das auch, denn nichts ist selbstverständlich, dass etwas gut geht. Es kann immer auch ganz anders kommen. Böse, böse.
Und dann kam es auch, weil aus Gräuel Gräuel kommen, weil sich nichts geändert hat, weil es Schuld gibt auf Erden, die um sich greift, die andere mit hineinreißt in den Strudel des Flusses. Und Du kommst nicht mehr heraus. Die Hochzeit in Schönhausen. Die Eltern von Horst kamen angereist aus dem schönen Erzgebirge in guten Klamotten aus DDR-Zeiten, wenn es da Empfänge gab und so. Sie waren stabil und nicht gierig nach dem Neuen.Sie gingen brav mit in die Kirche und der Pfarrer war gnädig in seiner Predigt und die Trauung war wundervoll. Selbst der Papa und die Mama aus dem Osten mussten das sagen später bei Kaffee-Trinken im Gasthof zur Grünen Tanne. Sie waren ja Rituale gewohnt, nur etwas anders mit Bildern von Lenin und Stalin ganz früher in der DDR. Mit Denkmälern von Thälmann dann, dem Sohn seiner Klasse. An denen man Blumen niederlegte. Fahnen noch und noch. Religion war das auch. Eine andere. Macht, eine andere.
Alle gingen freundlich miteinander um. Die Eltern von Anne und die von Horst. „Immer schön allmählich“, sagen die Großeltern, die sich auskannten im WESTEN. Und ein bisschen Geld hatten. Und so kam es. Der solide gelernte Beruf des Trabant-Bauers, dem es Spaß machte, Mercedes, Volkswagen und Opel kennen zu lernen und in Gang zu halten, die schöne Frau an seiner Seite, die ihre Ausbildung zur Grundschullehrerin zu Ende brachte. In dieser Zeit. Horst bewirbt sich wegen dem Meistertitel mit Erfolg. Er konnte die Werkstatt seines Schwiegervaters selbständig übernehmen und später eine Tankstelle dazu setzen. Alles gut.
„Weil Christus auferstanden ist“. Das wusste vielleicht Marianne. Mit Sicherheit Elise, die Großmutter und ihr Mann Erich im Glauben, in dem sie gelebt haben in Arbeit und Not. Und der ihnen geblieben ist, weil sie immer abgegeben haben von dem Segen, der auf ihnen lag.
Nun hat er sich die Kleider vom Leib gerissen und ist in die Oder gesprungen den Grenzfluss zwischen den Deutschen jetzt und den Polen. Er schwimmt und schwimmt und wird abgetrieben. Aber er schafft es, die Kleider auf den Rücken gebunden. Schafft es, die Papiere vergraben zu haben um als Flüchtling zu gelten, ein neues Leben zu beginnen mit Namen und tadellos nackt und bloss.
So sind sie gekommen damals zu uns, die Roma und die Sinti. Sie kennen die Umwege gut in Europa. Ihre Vorfahren sind sie gegangen und gefahren mit ihren Leiterwagen und haushohen Zelten. Spitz. Bunt die Röcke der Frauen. Die Maler haben zu tun, wenn sie sie sehen.
Und die Millionen nach dem letzten Krieg, wie wir lange Zeit gehört haben von den Alten? Sie sind kaum geschwommen, sondern mit den letzten Zügen über die Brücken gemacht klopfenden Herzens, weil sie alles, alles wirklich zurück lassen mussten. Und wenn sie geschwommen sind, sind sie untergegangen in den Wellen der eisigen Ostsee, als das Schiff sank. Gustloff.
Das waren die Deutschen, die Adolf Hitler nicht verhindert hatten, die Stalin fürchteten. Die Ostpreußen hinter der Weichsel. Die gekreuzigt wurden, als sie gekommen sind. Die Feinde. Die Russen, die gar keine waren. Und sie sind nicht angekommen. Viele nicht. Umgekommen unterwegs. Verhungert. Erschossen. Ich weiß es nur aus Filmen. Mir ging es gut. Aber die meisten doch sind angekommen. 12 Millionen. Angekommen.
Wo?
Die Flucht, die Flucht.
Immer ist sie präsent im Leben.
Oder du päppelst sie durch, die Flucht.
Lebenserhaltend.
Ach, sind wir froh, wenn es Frieden bleibt nun endlich nach der totalen Kapitulation der NS-Schergen. Wie soll ich es sonst sagen. Mir fehlen die Worte. Nie wieder Krieg. Nie sollst du ein Gewehr anfassen. Nie wieder. Damit es nicht auf die Falschen gerichtet wird. Oder wieder auf DICH SELBER! Daher kommen wir aus der Sowjetzone, die nicht die Speckgürtel umgelegt bekamen durch den Marshall-Plan und anderes mehr. Die sich einreihen mussten in die Reihen der FDJ, der Pionierorganisation mit rotem und blauen Halstuch. Das war ihr Gürtel. Kargheit und Askese inbegriffen. Stabilisiert. Davon leben wir heute noch, denn es sind Werte. „Verstehen Sie das bitte dialektisch!“- sagt der, der dem anderen sein ostdeutsches Leben erzählt. Der mit dem Speckgürtel, was sagt der darauf? Nichts. Er hört es sich an, wenn es ein freundlicher christlicher Mensch ist. Und versucht zu verstehen. Zumindest tut er so, weil er vor allen Dingen gut erzogen ist und höflich.
„Nur wir haben den Krieg verloren“, sagen manche in Thüringen, nachdem die Amis abgezogen sind, um sich mit den Franzosen und den Engländern die Stadt Berlin zu teilen. Den WESTEN BERLINS.
Meine Frau weiß, dass die Russen mit Ponny-Wagen einmarschiert sind, nachdem die Schwarzen Schockolade verteilt haben an die Kinder und das Weite gesucht haben Richtung Norden: Berlin, Berlin, Berlin. SEI DU BERLIN. Das war auch in Leipzig so, südlich der Elbe. Und erst die Frauen, die sich eingelassen hatten mit den schmucken Soldaten. Das war doch etwas. Nun sind sie weg und die Russen kommen. Das Machtspiel, die Rochade.
„Ja, den Amerikanern haben wir zugewunken.“ Wie viele haben sich aufgemacht, um über die neuen Demarkationslinien zu kommen, In den Westen. In den Westen.
Andere hofften, das geht nicht lange. Das System nicht und BBC verkündete jeden Tag, dass alles zusammenbricht. Der Kommunismus wird den Krieg nach dem Krieg nicht gewinnen.
„Haltet durch!“Propaganda. Nicht nur Lenin wusste das. Wie wichtig sie war. Londoner Rundfunk. Und heute wieder Hetze. Kriegshetze.
Es ist spannend. Es muss so kommen, wenn man nicht leben kann, ohne diese Spannung.
„Es ist spannend.“
Die Flüsse. Die Flusslanschaften. Im Schwarzwald ist es mehr die Tanne, die dunkle. Anne setzt sich in die Kirche, um sich auszuruhen. Ihr fallen die Bilder ein von einem jungen Mann, der mit einem Z auf dem Rücken plötzlich in ihrer Schiffskabne sitzt. Er solidarisiert sich mit Russland, mit Weissrussland und der Ukraine. Mit den heiligen Russland. Er sucht die Heile Welt. Er will nicht mehr für den amerikanischen Geheimdienst arbeiten. Anne wollte nie, dass irgend jemand für einen Geheimdienst arbeitet. Für sie war das die Vergangenheit, aus der sie kam, die DDR. Ihr Vater hat ihr genügend davon erzählt. Sie hat ihn gelöchert und ausgequetscht wie eine Zitrone. Sie wollte unbedingt wissen: Wer bin ich, wo komme ich her. Immerhin war ihr Vater Grenzsoldat zwischen zwei Welten. Die eine Welt kollabiert und die andere weiß nicht mehr wozu sie da ist.
Nachfolgebuch zu: DER GRÜNE SALON, AMERIKA (epubli) Ach, Dostojewski.(Haag und Herchen)
Diese beiden deutschen Soldaten aus dem Berchtegadener Land haben uns angesehen bei unserem ersten Dorfrundgang in Oberteisendorf. Den Schaukasten insgesamt an der Kirchenwand neben dem Eingang seht Ihr oben in der Eröffnung.
Danke an die freundliche Bewirtung jeden Morgen im Bauernhof NEUHAUSERHOF, verantwortlich SISSY LANG.
Lästert wenn Ihr wollt. Ich bin dankbar, dass es Menschen gibt, die die Wirkichkeit nicht verdrängen müssen, weil sie den Gekreuzigten und Auferstandenen kennen.
Das Kruzifix auf dem Hof (Prozession/Station).
Mit freundlichen Grüßen! Michael Wohlfarth aus dem Urlaub 2023.
Liebe LeserInnen, ich werde heute das Vorwort zur ersten Auflage von PREDIGEN AUF DEM MARKT, eine Predigt daraus und eine Erklärung zu den Ereignissen nach 1989 in meiner Heimatstadt Altenburg in Ostthüringen, in meinen Blog stellen. Sie wissen: am 9. Oktober war ein Jahrestag, der 35. Jahrestag der Friedlichen Revolution. Vor 35 Jahren war der Umzug um die Stadt Leipzig – wie mit Posaunen – und die Mauer fiel – in Berlin. Der Stacheldraht war schon geschnitten in Ungarn. An der Grenze zu Österreich.
Die Straßenbahnen fuhren nicht. Wir haben die Luft angehalten. Ich bin in das Telefonhäuschen an der Post am RING gerannt und habe die Nummer meines Pfarramtes gewählt, die auch die Nummer von meinem zu Hause war. Damals war noch nicht alles so getrennt. Das war genau um 18.32 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit.
„Es wird nicht geschossen!“ Das war die Botschaft für meine Frau, die sich Sorgen machte wegen unserem ältesten sohn und auch mir. Ich habe dies Nachricht später wörtlich in meiner Telefonakte „Altenburger Akademie“ OV gefunden mit Uhrzeit. Ich selber habe nicht, wie man das heute vielleicht machen würde, auf die Uhr geschaut. Habe auch kein Handy dabei gehabt. Wie gesagt: Telefonhäuschen außen vor. Leider ist diese Zelle dann schon nach 10 Jahren nicht mehr da gewesen.
Höchstens auf die Dächer auf denen Cameras installiert waren, haben wir geschaut. Nicht die von ARD oder ZDF oder SFB oder RIAS waren dort oben, sondern die tausend Augen des Staatssicherheitsdienstes. Aber sie haben nur beobachtet. Es ist nicht geschossen worden. Warum? Das weiß niemand so genau. Das ist Geschichte. Das sind Sekunden, Minuten, Stunden, Tage.
Da werden die so genannten Tages-Losungen der Hernnhuter Brüdergemeine sinnfällig und eine goße Hilfe, in goßen Nöten der Ungewissheit.
Die unten abgedruckte Predigt wurde von mir gehalten zur Einführung des Stadtparlamentes in Altenburg. In der Kirche, von der aus die Demonstationszüge infolge der Montagsdemonstrationen in Leipzig losgingen, über den Markt, duch die Gassen, zur SED-Kreisleitung. Die Brüderkriche, „meine“ Kirche war von 1988 an bis ins Jahr 2007 meine Dienstkriche.
Sie ist jetzt – mit unvergänglicher Kreide gezeichnet – bei uns in Berlin. Zu sehen auf einem großen Schieferziegel. Das Bild ist von einem Lehrer des von uns mit anderen gegründeten Spalatin-Gymnasiums gezeichnet worden. In unserem Vorgarten an einen Fliederstrauch gelehnt, erinnert es mich jeden Tag, an das was gewesen ist und an das was sein könnte, wenn man die Hoffnung nicht aufgibt im Glauben an Jesus Christus. Unseren HERRN.
Ein Geschenk des Grafikers und Zeichenlehrer aus Kürbitz,Stefan Knechtl, initiiert von meinem damaligen Vikar, jetzt Pfarrer Sven Thriemer in Pölzig – mit 20 Dörfern.
Sie können die Predigt in dem Band nachlesen: PREDIGEN AUF DEM MARKT. In diesem Band sind mir alle wichtigen Andachten (Kolumnen) dieser Zeit enthalten, z. T. in Briefform an die Gemeinden, die sie lesen sollten. Und zwar in der ersten demokratischen Wochenzeitung(„Altenburger Wochenblatt“) die 1990 für Altenburg und das Altenburger Land initiert worden war von Ingo Schulze und einem Kreis, der aus den Vorbereitungskreisen für die Friedensgebete hervorgegangen war. Und dann waren die Kolumnen immer wieter zu lesen in den Folge-Blättern bis zur Leipziger Volkszeitung als Osterländer Volkszeitung (Tageszeitung). Es gab stehenden Applaus in der Landessynode für die ersten christlichen Andachten in säkularen Zeitungen in Thüringen überhaupt.
Das Buch ist in unserem Verlag herausgekommen (epubli).Und ich bin immer wieder darauf angesprochen worden. Die Auflage der Blätter war höher als die Zahl der Haushalte im gesamten Landkreis Altenburg (Altenburger Land).
Vorwort zum Buch PREDIGEN AUF DEM MARKT
Eigentlich handelt es sich um eine Nachwort, denn alle Worte, die Sie hier lesen werden, alle Sätze, Predigten, Andachten, Zeitungskolumnen als Deutungs- und Begleitworte für die schwierige Zeit nach 1989 sind schon gesagt, gedruckt worden, um eine Öffentlichkeit herzustellen für Kirche und Gemeinde nach der 40-jährigen Ghettoisierung in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Aber vor allen Dingen: um Menschen – die auch nicht der Kirche angehörten – es sind die meisten in der post-sozialistischen Jugendweihe-Gesellschaft – auf diese Weise zu erreichen. Daher der paulinische Titel des Buches. In einer Thüringischen Mittelstadt mit 12 Prozent Kirchenzugehörigkeit. Nach dem Wegfall der Blauhemden für Pioniere und FDJler, der Kampfgruppenanzüge, der tausendfachen Losungen an Wänden innen und außen, Fahnen – mit dem Ersatz der tausendfachen Werbung gab und gibt es ein sozusagen multikulturelles Vakuum und daher große Anfälligkeit besonders unter Jugendlichen. Es ist sicher kein Zufall, daß Frau Zschäpe rumänische Wurzeln hat und in Thüringen groß geworden ist.
Ein Pfarrer, der zwanzig Jahre mit seiner Familie im Evangelischen Jugendzentrum w o h n t e neben der größten Kirche eines Landstriches, der die entlassenen Arbeiter weinen hörte, wenn sie nachts betrunken „unsere Gasse“ herunter kamen, lernte neu, daß sich Wende aus dem Griechischen katastrophe herleitet. – Er und seine Frau fühlten sich verantwortlich.
Dieselben Arbeiter hatten in seiner Kirche den Sturz Erich Honeckers „ausgerufen“, darin das erste Mal in ihrem Leben eine nicht zensierte Rede gehalten, sprechen gelernt – und beten.
Ich möchte mich bei der Leipziger Volkszeitung bedanken, dem Altenburger Kurier, der Stadt Altenburg, dem Landkreis Altenburger Land, die mit mir gut zusammen gearbeitet und die vielen Jahre auf „exklusive Nutzungsrechte“ verzichtet haben – seitdem es möglich wurde durch den Sieg der Friedlichen Revolution.
Es hat auch Spaß gemacht, als Erwachsenenbildner und Jugendpfarrer das eigentliche Anliegen des Herbstes 89 in einem Detail zu verwirklichen: Öffentlichkeit herstellen. Für Kirche und Theologie buchstabiert: „Auf dem Markt predigen“. Ich hoffe, dem geneigten Nach-Leser auch..
Berlin im Rückblick, Himmelfahrtstag 2013
Unmittelbar nach dem gehaltenen Festvortrag „25 Jahre Altenburger Akademie“
Michael Wohlfarth
POLIS
PREDIGT zur Ökumenischen Fürbitte in der Brüderkirche
anlässlich der Konstituierung der Stadtverordnetenversammlung
der Stadt Altenburg nach den ersten freien Kommunalwahlen
in der Geschichte der DDR am 6. Mai 1990
Liebe Gemeinde, liebe Mandatsträger!
Es ist sicher ein gutes Zeichen und wird bestimmt gerade auch von den älteren Menschen in unserer Stadt, die jetzt so unsicher sind, weil die Zeit umbricht,
so verstanden, wenn Konstituierung (sich Zusammenfinden, in den Stand gehen)
von uns als eine Sache angesehen wird, in der wir uns vergewissern müssen:
wo kommen wir her, wo gehen wir hin, wer sind wir, ja auch, wer waren wir.
Was sind unsere Traditionen, was ist unsere Herkunft, wo liegt die Kraft dessen, was wir für wahr halten. Was wir glauben, was wir träumen auch, möchte ich mit sagen dürfen. Wo sind die Grundlagen, nachdem wir den Teppich weggezogen haben (oder ihn weggezogen bekamen), unter dem der Schmutz liegt. – Wir müssen innehalten. Wir werden uns besinnen müssen, damit wir ein wichtiges Stück Stadtgeschichte Altenburgs rückblickend verarbeiten und bewältigen lernen. Trauerarbeit ist angesagt. Gleichzeitig signalisiert dieser heutige Gottesdienst den Neubeginn – mit Gottes Hilfe. Wir wundern uns ja sowieso schon, dass wir soweit gekommen sind in den Wirren dieser geschichtsträchtigen Zeit. – Jesus spricht: „ Der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener.“ – Ich finde, das ist ein gutes Wort aus dem Evangelium . Es ist zu einer Gruppe, zu einer bestimmten Gruppe von Menschen gesprochen, die sich vorher mörderisch gezankt haben, wer von ihnen der Beste und der Größte sei. Aber die sich zusammentun. Was bleibt ihnen weiter übrig? Ein gutes Wort – und dazu ist das Evangelium sicher in die Welt gekommen durch Gottes Willen und gnädige Fügung -, das uns innehalten lassen kann, egal, welcher Gruppe, welcher Partei, welcher Koalition, welchem politischen Lager wir auch angehören mögen. Weil dieses Wort das Unterste zu oberst setzt, weil es uns in Erinnerung ruft, wozu wir alle da sind: zum Dienst. Am Allgemeinwohl, sicher. Der Dienstgedanke ist uns leider abhanden gekommen in all den Jahren. Die Freiheit zum Dienen vor allen Dingen. Ein großer Verlust. Es wurde hohl und hohler, korrupt und korrupter. – Dieses Wort relativiert und lässt die Jungen ebenso zu Wort kommen wie den Chef, den Diener ebenso wie den Herren… Es schafft Spannung, die man aushalten muß. Es entspannt, wo falsche Herrschaftsformen für Unterdrückung und Etiketten-schwindel gesorgt haben. Es macht gelassen. Es bringt Sachebenen zustande, wo Gefühle drohen überhand zu nehmen. Ein großer König in der deutschen Geschichte, die teilweise preußisch geschrieben wurde, hat gesagt: „Ich bin der erste Diener meines Staates“. Wenn er das demütig gemeint hat, ist das sicher etwas von dem, was wir nötig haben, und dann ist es sicher auch christlich und menschlich: beauftragt sein, emphatisch denken, Politik f ü r den anderen machen, nicht meinen Vorteil suchen, sondern der Stadt Bestes. Maßstab für gute Politik ist der Maßstab des Menschlichen. – Gott möge Ihnen beistehen, dem Auftrag Ihrer Wähler nach bestem Wissen und Gewissen gerecht zu werden zu unser aller Wohl, zum Wohl der Stadt, daß das Vornehmste wieder der uneigennützige Dienst ist und die Last der Verantwortung ebenso viele Kräfte des Tragens und Dienens freisetzt. – AMEN.
Friedliche Revolution ist Arbeit und Mut
Die Zeiten, als sich Arbeitsgruppen bei uns in der Brüderkirche in Altenburg trafen, um einen gesellschaftlichen Neuanfang zu wagen, sind m. E. noch lange nicht vorbei. Nur die Menschen sind andere, die Namen – nicht alle – die Ziele sind dieselben geblieben: Erneuerung! Nur die Formen sind vielleicht anders geworden, der Inhalt ist geblieben: Sehnsucht nach einer heilen Welt in einer kaputten Welt. Damals bildeten sich Arbeitsgruppen während der Friedens-gebete. Heute ist das auch noch so. Nur: das Friedensgebet ist unter dem Namen MITTAGSGEBET bekannt geworden. Und die Arbeitsgruppe könnte man nennen: Communität für den Tag, eine Initiative von Senioren für unsere Stadt. Es lohnt sich zu erinnern, um festzustellen: die Formen ändern sich vielleicht, nicht die Inhalte. Jedenfalls nicht die, auf die es ankommt in einem fruchtbaren Leben. Vielleicht meinen das die Juden wenn sie sagen, ERINNERUNG IST ERLÖSUNG. – Wenn ich mir die alten biblischen Geschichten anschaue, merke ich immer wieder, daß es nicht so viel anders ist, als damals, heute! Und ich nehme mich auch nicht mehr so wichtig in meinem Fortschritt, weil ich merke, die Liebe, die Hoffnung, der Glaube waren damals das tragende Lebensmotiv und sind es heute. Damals gab es Liebeskummer, Tod und Sehnsucht nach Vollendung. Und heute auch. Das geht mir nicht nur so mit der Bibel, sondern auch, wenn ich mir eine ausgegrabene Stadt anschaue. Alles da, vielleicht keine Autos. Das war es aber auch schon. So mein Eindruck. Geschichte ist gesund, um seinen Größenwahn aufgeben zu können. Das alles meint das Wort ERINNERN. Ein Sonntag, geneigter Leser und geneigte Leserin, hat für mich deshalb einen besonders schönen Namen. Er heißt REMINISCERE! Er fällt in die Zeit der Leidenschaften, der Passion, der Buße, der Auferstehung. ERINNERE DICH! – Wer sich nicht erinnern will, hat keine Geschichte und damit auch keine Werte für sein Leben, die ihn tragen! Wer sich nicht erinnern kann (nach einem Unfall: unzählige z. T. gute Filme handeln davon), ist schwer geschädigt. Wer eine Zukunft haben will, muß sich erinnern wollen und Gott danken, daß er es kann. Sicher auch das Geheimnis von „DRESDEN“ oder„So weit die Füße tragen“, falls Sie diese Filme gesehen haben. Erinnerung ist ERLÖSUNG? Ja, wir dürfen sogar GOTT daran erinnern, daß er uns Zukunft versprochen hat. Auch das ist ein Teil unserer Gebete im Christlichen Glauben. Und nicht nur sonntags. Einen gesegneten Sonntag mit guten Erinnerungen und Sammeln von Kräften für den Alltag morgen und übermorgen für Sie!
Merken sie, wie unheimlich aktuell die Wende ist. Vielleicht ist sie immer. Auch jetzt. Gerade jetzt. Schlafen Sie gut wegen dem Sonntag und trotz der Wahlen in Amerika. Oder sollten wir WACHEN und BETEN wie Jesus in Getsemani. Eins schließt das andere nicht aus. Im Gegenteil.Sie bedingen sich: Ruhen und wachen! Einen gesegneten Sonntag.