Heute ist Palmsonntag, ich bin vom Kirchenjahr her gesehen vor 66 Jahren in Stützerbach von meinem Vater Helmut Wohlfarth in der Trinitatiskirche mit a l l e n meinen Mitschülern der 8. Klasse, die zu unserem Pfarrbezirk gehörten, eingesegnet worden.
Und habe die Goldene Konfirmation und die darauf folgende auch dort gefeiert mit denen, die noch nicht gestorben waren, nicht krank waren oder aus anderen Gründen verhindert, oder nicht kommen wollten!
Ich nehme an, einige unter uns könnten Ähnliches erzählen.
So vielfältig wie das Leben so spielt.
Als Pfarrer in Thüringen war ich traurig, dass wir uns gebeugt haben und
nicht das alte Konfirmations – Datum zurückgeholt haben nach 1989.
Mein Lieblingspfarrer der Pfarrergeneration, die das nicht mehr so erlebt hat wie ich, weil die Jugendweihe inzwischen das bestimmende Ritual geworden war in der DDR, hat sich nicht gebeugt und in seinem Kirchspiel Palmsonntag als Konfirmations-Sonntag benannt. Und die Gemeinde war dankbar. Sehr dankbar. Ich kenne die Diskussionen.
In unserer postsozialistischen Jugendweihegesellschaft und nach wie vor finanziellen Abhängigkeit von den Steuereinnahmen der EKD fand ich das bemerkenswert.
An all das habe ich mich erinnert, als ich den Predigttext aufgeschlagen hatte.
Es ist wie wenn ich ein Lied höre.
Der vorgeschlagene Predigttext in diesem Jahr zu Palmarum ist aus einem Brief an die Gemeinde zu Philippi, Phipperbrief 2, 5-11. Philippi, die erste europäische Gemeinde, die Paulus und sein Mitarbeiter Silas gründeten. Ein Argument für die Unesco, diese Stadt als Weltkulturerbe zu behandeln.
Gerade wenn ich alte Texte lese, tut das oft Wunder, wenn ich sie – auch zu Hause – laut lese.
Dann klingt er.
Philipperbrief 2 5 – 11
5 Seid so unter euch gesinnt, wie Jesus Christus auch war. 6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, 7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. 8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. 9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, 10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, 11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.
Ich erinnere mich weiter an meine Konfirmation:
Konfirmation ist die Bestätigung der Taufe.
Ich habe als aktiver Pfarrer mit den Konfirmanden und Konfirmandinnen gesungen: Jesus Christus herrscht als König und gehofft, dass wir das nicht vergessen, dass wir alle noch einen dritten Namen haben neben unserem Vor – und Zunamen: Chrestos – Christus, der Gesalbte, der König.
Und: wir sind durch die Taufe in seinen Tod zu neuem christlichen Leben bestimmt, um zu werden wie er.
In seiner Nachfolge.
Ja, wir werden zum Christus dem, der bedrängt ist, der verfolgt ist, der arm ist, diskriminiert, verachtet.
Wir sind: Christen und Christinnen durch die Taufe.
Wir werden Christen, um es mit Luther zu sagen.
Wir werden, was wir sein sollen in Christus Jesus.
Wir sind Brüder und Schwestern, Kinder Gottes durch Christus unseren Mitbruder und Herrn.
Das feiern wir zu Weihnachten in seiner Geburt, zum Karfreitag in seinem Tod und zu Ostern in seiner Auferstehung.
Mensch sein.
Leiden wie ein Mensch, schlimm leiden wie alle Menschen auf der Welt, die heute im Krieg sind, im Verbrechen Menschen gegen Menschen.
Die dem Tod nahe sind.
In Krankheit, Not und Verzweiflung.
Da ist uns Gott am nächsten in seinem Sohn Jesus Christus, der ist wie wir und wir wie er- durch ihn. Unser KYRIOS, unser HERR.
Luther übersetzt es so: Ein jeder sei gesinnt wie Jesus Christus auch war.
Wir sollen Christen werden.
Wo können wir das lernen? Dazu gibt Auskunft die neuere Übersetzung: Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesusentspricht.
In der Gemeinde können wir es lernen. Zu Pfingsten unter Führung des Geistes Gottes, Seines Heiligen Geistes. Wie Jesus es versprochen hat in seinen Abschiedsreden.
Ja, wir benötigen dieses Übungsfeld für die Liebe zu Gott und unserem Nächsten.
Deswegen gibt es Kirche und Gemeinde mit allen ihren Funktionen: Taufe, christliche Erziehung, Konfirmation. Verantwortliches Handeln.
Gemeinde als Leib Christi als OIKOS, Haus des HERRN. Gottesdienste als Friedensdienste und Lobpreisgottesdienste.
Dieser Christushymnus, das Glaubensbekenntnis des Paulus, das er nicht nur der Gemeinde in Philippi an s Herz legt, meint für uns jetzt und hier:
Wir sind Befestigte nach unserer Taufe in Bekenntnis und Auftrag für unserer Gemeinde und Kirche in unserer Welt.
Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können , ob wir jung sind oder alt, Mann oder Frau.
Palmarum,
der Name des Sonntags, diesmal nicht aus einem Psalm, handelt von dem Einzug Jesu in Jerusalem. Die Menschen breiten ihre Kleider aus und die Kinder brechen Zweige von den Palmen.
Aus Ehrfurcht und Begeisterung.
Wir haben manchmal diesen Sonntag gespielt im Mittelgang einer großen Kirche mit Kindern, die sich wiegen wie Bäume – Palmen im Wind und wollten daran erinnern, dass die Bäume, die Wurzeln haben, sich wiegen und die keine haben, brechen.
Con – firmare – befestigen indem wir auf den Herrn schauen und uns nicht abbringen lassen nach dem Motto: heute so und morgen so.
1.Die älteste Kirche der Welt steht in Jerusalem und heißt Grabeskirche
(Grave Church). Sie hat einen Fehler: Der Altar steht nicht im Osten, sondern im Westen. Tote wurden nach alter christlicher Ordnung so gebettet, dass sie nach Osten schauen, wie die Gläubigen nach Osten schauen, wenn sich sich in einer Kirche befinden und zum Altar blicken.
Das ist die Regel.
Die Regel wird bestätigt durch die Ausnahme.
Die Grabeskirche will den Ort der Kreuzigung Jesu bezeichnen und ich glaube am meisten – archeologisch gesehen – dieser griechischen Deutung.
Golgatha.
Wenn du die Kirche betrittst siehst du ein Bild: Abraham und Isaack 1.Buch Mose, Kapitel 22, die Verse 1 – 19 als Vorspann des Leidensweges Christi.
Mit einem guten Ende.
Hervozuheben Vers 8 als Antwort auf die Frage seines Kindes Isaack:“Wo ist das Schaf ?“
„Mein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer.“
Ich verstehe das Bild in der Grabeskirche so: als Hinführung zu Jesus Christus: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.
2. Das Wichtigste an diesen Passionsgeschichten ist der Bundesgedanke.
Abram, später Abraham, steht in einem Bund.
Gott schließt ihn.
Er bietet Abraham und allen seinen Nachfahren – denken sie bitte ruhig auch an den Begriff der Abrahamitischen Religionen – einen Bund an. Für die Zukunft. Für jeden einzelnen, für ganze Völker, die dem Vater des Glaubens verheißen sind.
Und er will ihn immer wieder erneuern. Erst mit Abraham, dann mit dem Volk durch die Propheten Gottes.
Mit uns auch. Durch Christus.
Und er wird immer wieder gebrochen.
Und – erneuert s. Jesaja 61 8 – 11: Verheißung und Freude.
Besiegelt durch Christus, dürfen w i r sagen.
Das alles soll der Betrachter dieses Bildes in der Grabeskirche sich in Erinnerung rufen.
Abraham, Isaack, Rettung zum Leben als Sinnbild und Deutung für das Geschehen von Golgatha.
3. Aus den Abschiedsreden des Christus an seine JÜNGER wie es das Johannesevangelium berichtet: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. Euer Herz soll sich freuen und Eure Freude soll niemand von euch nehmen.
Jesus selber steht jetzt für dieses Bündnis zwischen Gott und den Menschen.
Dazu die Propheten,Altes Testament Jesaja 61, 8 – 9: Denn ich bin der Herr, der das Recht liebt und Raub und Unrecht hasst; ich will ihnen den Lohn in Treue geben und einen ewigen Bund mit ihnen schließen.
B u n d.
Bündnis mit Gott als Grundlage für Treue, Liebe und Hoffnung, die jetzt zwischen Menschen möglich scheint. Ein erneuerter Bund, den die Propheten des Alten Bundes da aufrufen.
Und man soll ihr Geschlecht kennen unter den Heiden und ihre Nachkommen unter den Völkern, dass, wer sie sehen wird, erkennen soll, dass sie ein Geschlecht sind, gesegnet vom Herrn.
Alleinstellungsmerkmal in der Geschichte Gottes mit seinem Volk.
In Christus weiterführend auch für uns.
Der Bundesgedanke durchzieht das ganze von der modernen Bibelwissenschaft sogenannte erste Testament.
Die Propheten sehen die Zukunft des Bundes.
Und wir dürfen das als einen Hinweis sehen, dass für die christliche Gemeinde und Kirche dieser Bund gilt. In Christus.
Angefangen bei den Vätern, angefangen nach dem Paradies und dem Sündenfall.
Angefangen mit Noah, mit allen Müttern und Vätern; besonders einprägsam für uns eben bei Abraham, der so auf die Probe gestellt wird in seinem Glauben, seiner Hoffnung und Liebe, dass wir es lernen das Vaterunser zu beten, wie es Jesus uns lehrt: Und führe uns nicht in Versuchung(6. Bitte).
Jesaja singt sein Lied weiter:Ich freue mich im Herrn und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott, denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet.
So singen schließlich die Menschen, die in diesem Bund sicher und geborgen sind und wissen: Gott ist bei ihnen. Amen.
4 Da brachen sie auf von dem Berge Hor in Richtung auf das Schilfmeer, um das Land der Edomiter zu umgehen. Und das Volk wurde verdrossen auf dem Wege 5 und redete wider Gott und wider Mose: Warum habt ihr uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier, und uns ekelt vor dieser mageren Speise. 6 Da sandte der HERR feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben. 7 Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den HERRN und wider dich geredet haben. Bitte den HERRN, dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für das Volk. 8 Da sprach der HERR zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. 9 Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.
Liebe Gemeinde,
ich habe mir meine Kinderbibel hervorgeholt und die Bilder von Schnorr von Carolsfeld bestaunt.
Gerade das, wo die Menschen mit Schlangen kämpfen, die Feuer speien und einen tödlichen Biss haben. Eine Strafe, die Gott gesandt hat, weil die Kinder Israel murren, nicht nur gegen ihren Anführer Moses, sondern auch gegen Gott, wie es die Stuttgarter Auslegung benennt.
In vorigen Zeiten war es berechtigt zu jammern: kein Wasser kein Brot, aber jetzt. Damals hat Gott das Manna mit dem Tau geschickt am Morgen und den Mose befähigt Wasser aus dem Felsen zu schlagen. Keiner ist verhungert oder verdurstet.
Aber jetzt?
Ja, das ewige Manna, immer dasselbe und diese Dürre. Müssen wir diesen Weg entlang gehen. Ist das Gottes Wille? Wir hätten bei den Fleischtöpfen Ägyptens bleiben sollen. Da waren wir in Sicherheit und hatten unser Auskommen.
Dass sie Sklaven waren, haben sie scheinbar vergessen. Aber was nützt die Freiheit ohne ausreichend zu Essen und zu trinken.
Ihr dauerndes Lamento.
Bis dahin, dass sie Aaron beauftragten ein Goldenes Kalb – wie in Ägypten zu gießen, dass sie anbeten könnten, denn der unsichtbare Gott unterhält sich zwar auf Augenhöhe mir Mose, aber wir haben nichts davon.
Diesmal schickt ihnen der HERR nicht gebratene Tauben für den Vitaminhaushalt und auch keinen Mundschenk, damit sie eine Abwechslung haben.
Nein der HERR wird zornig.
„Ach Herr, wende doch deinen Grimm von uns.“
Er hat ihnen geholfen in der Not, in der Sklaverei, am Roten Meer. Und sie haben seine
Herrlichkeit gesehen und seine Macht: Sein starker Arm reicht weit über Ägypten hinaus bis an das Ende der Welt.
Und nun klagen sie ihn an. Sie haben sogar schon Schlachten geschlagen, als man sich ihnen in den Weg gestellt hat. Diesen Umweg wollen sie nun nicht mehr mitmachen und nicht noch länger in der Wüste wandern.
Sie lästern Gott und glauben ihm nicht mehr.
Das kommen sie: die Schlangen, nichts als Schlangen, die Schlangenbrut.
Der Tod geht umher wie die schwarze Pest. Die Kobras.
Das Volk Israel stößt an seine Grenzen in seiner Freiheit – auch Gott gegenüber, von dem sie diese Freiheit ja bekommen haben und Mose ständig versucht sie zu gestalten, ständig.
Nicht als Weg – Werf – Ware, sondern nachhaltig.
Sie vergessen woher sie kommen und wer sie geschaffen hat. Sie werden gottvergessen und landen in der Katastrophe. Sie rennen zu Mose: Bitte IHN er soll die feurigen Schlangen von uns nehmen.
Wir haben gesündigt.
Wir wissen es und fühlen uns schuldig.
Wir wissen es jetzt.
Die alte Geschichte.
Wie immer.
Ständig, nachhaltig.
Gott hört ihr Schreien wohl und befiehlt Mose, eine Schlange aus Kupfer zu formen und an einem Stab zu erhöhen.
Wer auf diese eherne Schlange schaut, wird errettet und soll nicht des Todes sterben.
Wer nicht auf sie blickt, sondern auf die Schlangen ringsum, die zischen und keinen Sand fressen, sondern ihr Gift versprühen werden in die Körper der Fliehenden und Schlafenden, in die Körper der um sich Schlagenden, wird sterben.
Die Schmiede hämmern aus dem Kupfer des Landes EDOM die Schlange und befestigen sie an dem hohen Holz und Mose fordert auf: Blickt auf d i e s e Schlange! Und ihre werdet leben!
So spricht der Herr.
Die Klugen tun es.
Gerettet.
Eine schöne uralte Geschichte aus dem Numeri-Buch der Bibel.
Johannes zitiert sie und ist sich sicher, dass schon damals das Kreuz Christi damit gemeint sein muss. Denn Christus ist von Beginn der Schöpfung an.
Ebenso Paulus, der Missionar, schöpft aus seinem Buch, die Bibel, in der diese Geschichten alle stehen, damit wir klug werden.
Die Äskulap-Schlange als Zeichen der Heilung. Das kennen wir. Am heutigen Sonntag REMINISZERE erleben wir dieses Zeichen des Volkes Gottes mit, zu dem wir als Gemeinde Jesu Christi gehören.
Wir ziehen ja mit durch Zeit und Ewigkeit vor seinen Thron und schauen nicht weg, wenn wir unterwegs sein Kreuz sehen, sondern gehen darauf zu und sagen DANKE VATER, dass du uns deinen Sohn gesendet hast, der alle wiederkehrende Schuld auf sich geladen hat, damit wir leben können und nicht zusammen brechen, sondern er – und aufersteht von den Toten mit uns, die wir an ihn glauben. Der Wüsten sind nicht weniger geworden auch der Umwege nicht, die unsere Geduld strapazieren. Und Nahrung zum Leben, Manna des Himmels brauchen wir auch. Oh, das wir nicht Steine bekommen, wenn wir Brot zum Leben benötigen, zum geistlichen Leben in Christus. Und dass wir uns dazu nicht an die falschen Brotgeber wenden und bitten: Herr wir haben Durst und Hunger für unsere Seelen.
Wir beten:
„Herr, gib uns Deinen Segen auf unserer Wanderschaft zum Ewigen Leben und lass uns dankbar das Gute aus deiner Hand empfangen. Sei Du uns selber Wegzeichen, damit wir nicht in die Irre gehen.“
Wenn wir das Wort orthodox benutzen, kann man an sehr Vieles denken.
Orthodoxe Kommunisten vor der Wende waren hartgesottene Leute, die absolut nicht infrage kamen für notwendige Reformen auch in der sozialistischen Gesellschaft.
In der evangelischen deutschen Kirchengeschichte ist orthodox das Jahrhundert nach Luther, vertreten durch Paul Gerhardt, Johann Sebastian Bach, um nur die bekanntesten zu nennen.
Wir können auch sagen strenges Luthertum, dass aber gerade auf musikalischem Gebiet Großes hervorgebracht hat z.B. für unser Gesangbuch.
Und dann eben orthodox, wo es eigentlich herkommt: Das Christentum, wie es aus dem Frühkatholizismus sich herausgebildet hat bis um das Jahr 1000 der Große Knall kam. DAS SCHISMA, dass die Christenheit gespalten hat. In den Osten und den Westen. Rom das Zentrum des Westens: Römisch-Katholisch. Konstantinopel, Hagia Sophia, das Zentrum der Ostkirche, der Orthodoxie.
Nun muss man sich das nicht so vorstellen, also ob nach irgend einem Konzept und Vertrag sich plötzlich zwei sehr verschieden Kirchen gegenüber gestanden haben. Nein, das waren Prozesse, die da abliefen. Die Verträge und so weiter kamen hinterher, leider immer erst dann, wenn es brenzlig wurde und man diplomatisch miteinander umgehen musste. Natürlich war dann auch schließlich immer Macht im Spiel. Einfluss u.s.w.
Am meisten ist mir das klar geworden bei meiner Wanderung auf dem ATHOSGEBIRGE. Ich komme erschöpft in einem Kloster an und bitte den zuständigen Mönch um eine Übernachtungsmöglichkeit, die er mir auch zugesteht. Gastfreundlich umsonst. Und mehr: Sie können gerne zwei Nächte hier bleiben. Ich mag Lutheraner. Ich hatte ihm erzählt, dass ich ein gebrauchter Thüringer Lutheraner sei und jetzt in Berlin lebe. Er hatte in München studiert an einer theologischen Fakultät, wo gleichermaßen lutherische, römisch-katholische und orthodoxe Theologie gelehrt wurde. Gottesgelahrtheit in drei Glaubenssprachen: Gerade weil es ein Glaubensbekenntnis gibt, das wir auch beten in jedem Gottesdienst.
Eine großartige Sache, was die Bayern da machen, dachte ich mir. Ich hatte davon noch nichts gehört.
Also ich blieb zwei Nächte und habe ein bisschen in der Küche geholfen und Bohnen geschnippelt aus eigenem Anbau. Nahe am Meer, an einem sonnigen Hang.
Vor meiner Verabschiedung fragte ich den gastfreundlichen Mönch: Was ist denn nun der Unterschied zwischen Rom und Konstantinopel, Kiew, Moskau, Bulgarien, Rumänien, Griechenland, der Mönchsrepublik, Belarus, dem christlichen Palästina?
Den Christen und Christinnen, die orthodox getauft sind und denen, die römisch getauft sind.
Da hat er mich groß angeschaut und erst einmal gar nichts gesagt.
Aber dann doch: Die einen sind eben lateinisch und die anderen griechisch.
Und das sind wir.
Damit musste ich mich zufrieden geben.
Ja, ja LATEIN, die Sprache der Klarheit, des Denkens, der Kirche, jedenfalls der katholischen und in Folge damit auch der unsrigen, hervorgegangen aus der Reformation. Dem 2. Schisma. Für uns wichtig. Und für die Katholiken. Aber kaum für die Orthodoxie. Für den Osten.
Die Protestanten im Norden haben kein Mittelmeer, hat einmal der Metropolit von Thessaloniki, der zweitgrößten griechischen Stadt, gesagt.
Ihr könnt das alles nicht verstehen.
Ein Journalist der Berliner Zeitung hatte ihn ausgefragt, warum die Leute so religiös seien.
Also: jetzt haben wir erst einmal einen Gegensatz, der uns hilft.
LATEINISCH – GRIECHISCH.
Der Thessalonicher-Brief kann lateinisch gelesen werden. Und er kann griechisch gelesen werden.
Die VULGATA ist lateinisch und KOINE ist sozusagen die Umgangssprache der PAX ROMANA, des römischen Friedensreiches. Weltreiches. Ein Umgangs-Griechisch. Sozusagen das, was heute die englische Sprache als Weltsprache bedeutet. Schließlich ist ja die Kultur der Griechen die Mutter unserer Kultur, damit natürlich auch der römischen. Oder umgekehrt. Jedes römische Haus, das etwas auf sich hielt, hatte griechische Lehrer, die die Kinder unterrichteten. Also Leute, Sklaven aus dem Vorgänger-Reich des Römischen Weltreiches.
Es hängt eben doch Vieles zusammen.
Obwohl es sich so unterschiedlich dargestellt hat bei meinem Gästemönch:
Die sind lateinisch.
Wir sind griechisch.
Er wollte sagen: Wir denken anders.
Pfarrer Jabs ehemals Mahlsdorf, jetzt Schöneweide, erzählt mir nach einem Mittagsgebet, daß er eine Trauung in Griechenland hatte und Kontakt auch zu dem Popen dort, wo er war.
„Wir verändern nichts. Dann wird es nur schlimmer. Ja, wir haben keine Gremien, die laufend darüber befinden, was sich ändern muss. Dann wir es nur noch schlimmer. Jedenfalls nie besser.“
Scheinbar eine Kirchenerfahrung.
Und wie ich meine, auch eine Lebenserfahrung.
Auch eine politische Erfahrung.
Wie wir wissen.
Meine Bauern in Thüringen hätten dazu gesagt: Gut so. Sie machen Ihr Zeug, Herr Pfarrer. Gelt?
Konservativ.
Aber orthodox ist doch noch etwas anderes.
Etwas ganz anderes.
Nicht das Schriftprinzip ist es, was das Volk bewegt. Sondern das Bild. Die IKONE.
Griechisch: EIKON.
JESUS darf berührt werden. JESUS zum Anfassen. Ja, er darf, muss geküsst werden.
Auweia die Hygiene!!!
Ich hatte es erst gar nicht so leicht mit diesen zum Teil unheimlichen Ikonen.
In der Stadt Mariens, der Athosrepublik vorgelagert, gab es herrliche Ikonenmalereien.
Golden. Hell.
Sie geben das BILD CHRISTI WEITER. BILD FÜR BILD. Die Maler. Nie geändert. Immer das EWIG GLEICHE. UND DOCH NEU. IMMER WIEDER NEU. Das ist für mich Protestanten das Eigentliche an der Orthodoxie. Die Tradition ist Malen. Priester sind Maler. Wir haben die Wende begonnen in Altenburg/Thüringen mit der Einladung des Erzpriesters von Leipzig, auch ein Ikonenmaler.
Ein großer Künstler.
Er sprach über Perestroika und Glasnost in der Sowjetunion.
Das hat uns viele Seiten OV – STASI eingebracht.
Wir haben den berühmten Sagorsker Priesterchor eingeladen über die Deutsch-Sowjetische Freundschaft…Wie praktisch die ROK arbeitet, kann sichtbar gemacht werden an der Praxis, wer Pope wird und wer mehr…
Das was die Römische Kirche ausmacht, ihre Jurisdiktion (sehr lateinisch, weltlich, römisch) ist nicht das erste. Sondern das Bild. Verträge sind vielleicht deshalb nicht so ihre Sache. Jedenfalls legen sie sie oft ganz anders aus als wir.
So, das war das Zentrum der Orthodoxie, der Athos Ausgangspunkt im Gegensatz zum Zentrum des Römisch-katholischen Glaubens: Vatikan.
Wir müssen aber noch etwas sagen zur RUS, Kiew, Das Heilige Russland. Das Christentum kam nach Russland über die Meere, die Ströme aufwärts. Es war ein orthodoxes Christentum. KIEW war die Hauptstadt, durch die Mongolenstürme flohen aber dann die Repräsentanten nach Moskau und blieben dort.
Das Russische Reich ist nicht denkbar ohne Christentum und umfasste als Heiliges Russland die Ukraine, Russland und Weißrussland. Wladimir Putins Argumentation nach dem Kommunismus. Nach Lenin und Stalin, Chruschtschov und Breshnew. Ziel Erreichung einer NATION (TAZ).
Die PAX SOVIETIKA ist zusamengebrochen, weil die Ideologie zusammen gebrochen ist. Und die Menschen klammerten sich an die Kirche als einzige übrig gebliebene Größe, die Glasnost und Perestroika nicht weggespült hat.
Im Gegenteil (Dr. Feige, Magdeburg).
„Haben die Popen nicht die Flugzeuge geflogen gegen die Wehrmacht, die Panzer gesteuert gegen den Fritzen, die Faschisten, wie die Polit-Kommissare sagten.
Vaterland und Kirche gehören doch zusammen.
Es war eine Erfahrung, die nicht vergessen wurde: Aus dem Sozialistischen System, dass kaum verteidigt werden konnte, ohne Emotion, ohne Bild wurde der Große Vaterländische Krieg, der das Volk zusammen geschweißt hat, wie jeder Krieg. Durch das große Leid!
Jede Gefahr.
Jede Not.
Wenn auch nach dem Sieg fast wieder vergessen, es blieb diese Erinnerung: Ehen wurden nicht mehr so schnell geschieden per Postkarte.
Im Gegenteil: Familie wird GROSS GESCHRIEBEN (Quelle Prof Döpmann, HU Berlin, Ökumenische Theologie, Spezialist für die Orthodoxie).
Kollegen unterwegs in der osteuropäischen Ökumene erzählen, wie das ist vor einem gemalten Christus in der Leitungsreihe mit den orthodoxen Amtsträgern zu sitzen, der auffährt wie ein Adler aus der Höhle des Todes.
Der Auferstandene im Hintergrund.
Als unglaubliche Ikone.
So will Kyrill die Wiederauferstehung der Russischen Nation feiern.
Als Sieg auch gegenüber dem Westen.
Dem verdorbenen protestantischen Westen, den sowieso niemand versteht.
Kyrill bekundet, das er viel besser mit dem ISLAM zurechtkommt – man höre und staune – als mit der doch immerhin artverwandten katholischen RELIGION als mentalem Block.
Das Christentum auf dem Athos kam mir immer sehr asiatisch vor.
Die Gesänge.
Die Musik.
Bei aller Geopolitik sollte man auch einmal einen Blick auch die konfessionelle Weltkarte werfen, um etwaigen Eurozentrismus zu überwinden.
Der sowieso fatal ist.
Oft jedenfalls.
Wegen seines Hochmuts.
Bild ist nicht gleich Liturgie. Erst recht nicht WORT. Wenn wir die orthodoxe Welt verstehen wollen in ihrem kulturellen Anspruch, kommen wir nicht umhin zu sagen, hier droht ein Kulturkampf. Gerade jetzt in dem europäischen Krieg Russland/Ukraine. Wir sollten zurück- kehren zur Diplomatie, zu einer Sprache, die mindestens den Frieden sucht und nicht den Krieg.
Alle Religionen verbindet das Gebet.
Das sollten wir uns leisten wie die Studierenden in München, wenn sie lutherisch, katholisch und orthodox zusammen gebetet haben: Das Gebet der Christenheit.
Danke für die Aufmerksamkeit.
Ergänzung zu Ostkirche – Orthodoxie nach dem 3. Vortrag in Berlin-Müggelheim
Um der intellektuellen Redlichkeit willen folgender Anhang zum Block Ostkirche-Orthodoxie im Frühjahr d. J. 24; anlässlich des ersten Vortrages mit Gespräch in den Gemeinderäumen der Martin – Luther-KAPELLE und dem 2.Vortrag mit Gespräch in St. Nicolai (Kapelle): Im Sinne des Völkerrechtes ist der Einmarsch der Armee der Russischen Förderation in die Ukraine rechtswidrig Gerade deswegen muss der Konflikt auch von seiner religiösen Seite her beleuchtet werden. Das haben wir getan in unserem BLOG.
Den religiösen Überlegungen muss aber ein politischer Block voran gestellt werden bezw. Aspekte dieser Art nachgetragen werden, die aus den politischen Konsequenzen folgen.
Vor und nach der europäischen Zeitrechnung WENDE/FRIEDLICHE REVOLUTION haben sich u.E. folgende Dinge zugetragen, die hier als Fragen erscheinen sollen.
1. Wer ist der Rechtsnachfolger der Sowjetunion?
2. Wer ist berechtigt die Nuklearwaffen nach dem Zusammenbruch der SU zu übernehmen und
unter welchen Bedingungen.
3. Gilt die Schenkung der KRIM an die Regierung der Ukrainischen Sowjetrepublik nicht nur innerhalb der bestehenden Sowjetunion? Und unter deren Bedingungen?
4. Hätten „die Russen“ nicht nach der Auflösung bezw. während der Auflösung der Sowjetunion ihr Geschenk zurück verlangen können anstatt einen Sonderstatus auszuhandeln mit der Erlaubnis der Weiterführung des Kriegshafens. – Wer ist die Rechtsnachfolgerin?
Als Preis für die Wiedervereinigung Deutschlands hat Genscher zugesagt:Kein Schritt über die Oder, was die NATO angeht. Die Schritte kamen dann aber doch sehr schnell und Gorbatschow wurde von Deutschlands Kanzler Kohl verlockt, darauf einzugehen, lieber die Milliarden in Empfang zu nehmen für die Unterbringung und Integrierung der Armeen auf deutschem Boden in der neuen Heimat RUSSLAND. Die NATO rückte vor, immer weiter bis nach Polen, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Albanien. Dort gefeiert und willkommen geheißen, am meisten im Baltikum und dort sicher mit einer Berechtigung, an der niemand einfach so vorbei konnte bei aller Friedensliebe und Vorsicht. Eingedenk der Geschichte des Zarenreiches in allen seinen Facetten. Gerade auch für Deutsche ein Punkt in der Geschichte des Ostens jenseits der Weichsel.
ABER DER ANDERE PUNKT ist eben genau der, dass wir eine Verpflichtung haben. Gorbatschow wurde versprochen, dass der Abzug der Sowjetarmee aus der DDR nicht bedeutet, dass die NATO, die dann nachrückt einfach weiter marschiert. Insofern haben wir ein Versprechen abgegeben, um die politische Einheit Deutschlands zu ermöglichen. Und dieses Versprechen ist gebrochen. Oder hat sich Gorbatschow kaufen lassen im Rahmen der Kohlschen Scheck-Diplomatie auf Druck von Bush senior. Jedenfalls hat er sich das Versprechen Genschers nicht „schriftlich“ geben lassen mit Unterschrift und Datum und Ort. Gorbatschow war unser Freund. Ich war in der Russischen Botschaft und habe kondoliert, nachdem das Kondolenzbuch dort ausgelegt und bekannt gegeben worden war. Er war mein Freund, weil mein Sohn auf dem Leipziger Ring war und meine Frau und ich auch – später – als es nicht mehr so brenzlig war. Wir haben gerufen GORBI, GORBI, GORBI – hilf uns. Dass nicht geschossen wird!!! Dachte er, der Westen ist nun auch sein Freund, gerade weil die eigenen Leute ihn vielleicht als zu gutmütig und ungeeignet angesehen haben, um ihre Interessen wirklich zu vertreten.
Lange passierte nichts. Die NATO marschierte. In der Ukraine gab es ein HALT!Sie wollten jetzt die NATO auch haben als Schutzmacht, jedenfalls die LEUTE VOM MEIDAN. Die anderen nicht.
Die Russen nicht. Der Osten. Der WESTEN SCHON. Der rechtmäßig gewählte ukrainische Präsident wurde zum Teufel gejagt. Zu Putin. Und da haben wir nun den Teufel.
Change. Das Zauberwort und die Frage dazu:haben die USA, wie schon oft ausprobiert, Change angewendet, auch in Osteuropa, gerade in der Ukraine.
Ist die Meidan-Revolution streng genommen ein Putsch und keine Revolution, weil der geflohene Präsident mehrheitlich gewählt wurde.
Revolution der Würde. Der Teufel steckt in Detaille. Das ist aber nicht meine Aufgabe, die Detailles zu ermitteln. Also bleibt völkerrechtswidriger Einmarsch 2022. Krieg bis heute. Der europäische Teil der Ukraine hat nun geputscht oder nicht. Es ist der Beginn des Krieges. Später des unerklärten Krieges seitens Russland. Gerechtfertigt mit der Geschichte in Ermangelung des Rechts in unserem Sinne.
Ein jüdischer Rabbi in der Ukraine erklärt das so: Russen und Verträge? Sie haben eine anderes Konzept: Geschichte, Religion, Orthodoxie. Moral. Sie haben zu lange gewartet und geschlafen als es darum ging, einen ordentlichen Vertrag vorzuschlagen. Sie haben das Bild. Nicht die Schrift. Sie glauben ein moralisch-religiöses Recht zu besitzen. Ihr Land das Heilige Russland.
Ein große Problem. Es muss gelöst werden nicht mit Parolen und Phrasen der Freiheit, sondern mit den politischen Mitteln einer Supermacht, die weiß, was sie tut.
Im Interesse Amerikas und der übrigen Welt.
2.Anhang
Als ehemaliger DDR-Bürger muss unbedingt von mir hinzugefügt werden, dass e s in Russland keine Kirchensteuer gibt. Durch Spenden(z.B.Kerzen) wird die Kirche finanziert. Es gibt kein ausgeklügeltes Kirchensteuersystem, aber dafür das Selbstverständnis, dass jeder Russe orthodox ist und getauft sein muss. Das alles entspricht durchaus „griechischer Denkweise und nicht der lateinischen“.
Ebenfalls hinzugefügt: Der DDR-Sozialismus in seiner Symbolik hat große didaktische Anleihen gemacht bei der ruhmreichen Sowjetunion, deren Hintergrund das Bild ist, die Ikone. Die ROK. Die zaristische Kirche.
Natürlich mehr als ein Paradigmenwechsel, ein Farbenwechsel in der liturgischen Gestaltung von WEISS zu GRÜN zu LILA zu WEISS.
Mehr als ein Farbenwechsel.
Ein Weg.
In dem Gleichnis an dem 2.Sonntag vor den Fasten, geht es um das Wort Gottes, dass seinen Weg finden wird, so wahr der Regen fällt und nicht wieder zurück in den Himmel kommt, von wo er gekommen ist.
Wie das WORT, dass bei GOTT ist.
Und GOTT WAR DAS WORT.
Es ist ein zweischneidiges Schwert steht in der Epistel (Hebräer 4,12-13)
12 Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. 13 Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft geben müssen.***
Predigt zum Sonntag Sexuagesimae in der Stadtkirche Berlin-Köpenick
Musiker Janus Pelmani, Prediger und Liturg Michael Wohlfarth
Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,
am Donnerstag Maria Lichtmess.
Ende der Weihnachtszeit nach dem alten katholischen Festkalender.
Heute 2.Sonntag vor den Fasten. –
Weihnachten ist die eine Sache, Ostern die andere.
„Last uns hinaufziehen nach Jerusalem“, sagt Jesus zu seinen Jüngern.
„Lasset uns mit Jesus ziehen“, singen die Gemeinden in Generationen.
SEXUAGESIMAE , das ist 60 Tage vor Ostern.
Nach der Krippe das Kreuz. Aus demselben Holz geschnitzt. Denn Ostern ohne das Kreuz Jesu gibt es nicht. So billig ist es nicht zu haben. Die Gnade nicht. Gar nichts. Dann wäre es ja auch nicht viel wert.
Es wäre beliebig.
Auf dem Weg nach Jerusalem geschehen wunderbare Begegnungen mit Gott, unserem Herrn und Heiland.
Jesus, der Lehrer.
Jesus in seiner Menschlichkeit.
Das Reich Gottes.
Was ist es.
Wir haben in der Lesung des Evangeliums das Gleichnis Jesu VOM SÄMANN, wie es bei Lukas 8, 4-8 aufgeschrieben ist, gehört.
Markus erzählt auch, wie Jesus mit diesem Gleichnis vom Samen als dem Wort Gottes in seiner Heimat Galiäa am See Genezareth die Menschen zum Hören bewegen möchte.
Dann aber nimmt er den Sämann selber zum Gleichnis für das, was seine eigentliche Botschaft ist: Das Reich Gottes.
Markus 4
Und er sprach(Vers 26): Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft 27 und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. 28 Von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. 29 Wenn aber die Frucht reif ist, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.
Sicher kennen viele das Bild „Säemann“ von Vincens van Gogh, dem großen niederländischen Maler.
Von einer Intensität, wie sie nur wirkliche große Kunst vermitteln kann, wo das Menschliche und das Göttliche gleichermaßen aufeinandertreffen.
Oder die Erinnerung von Huldrych Zwingli: “Wenn ich als Kind am Rande des Ackers saß und meinen Vater sah, wie der den Samen warf, glaubte ich den lieben Gott zu sehen.“
Ja, Frühling, Sommer, Herbst und Winter, die Jahreszeiten, die unser Leben schön machen, wenn wir zu sehen verstehen und zu lieben.
Sie haben es in sich:
Zuerst die Saat, dann das Wachsen und schließlich der Schnitter, die Ernte.
Warum wohl können wir so gut nachvollziehen, was die Bauern auf ihren Traktoren, die Händler und Transporteure der Ernte meinen, wenn sie in unsere Stadt ziehen bis zum Brandenburger Tor. Weil wir uns letztlich das bewahrt haben, was uns zu Menschen macht und in die Nähe Gottes bringt: Die Erkenntnis, dass wir zwar Freie sind aber auch gebunden. Gebunden an den Zyklus der Schöpfung, die uns Gott aufgetragen hat, zu bewahren. Und damit uns selber bewahren. Ich rede hier nicht von Diesel und Subventionen, sondern von einer schlichthinnigen Abhängigkeit wie das Daniel Schleiermacher ausgedrückt hat. Natürlich hat das auch politische Konsequenzen. Klein in Klein, engro.
Ja, und ich rede hier von Religion.
Ja, von dem Gleichnis Jesu, der das Wort VON SELBST /AUTOMATE hier benutzt. Das Gegenteil von unangebrachtem Aktivismus.
GNADE ist angesagt.
Diese SYMPATHIE mit den Leuten vom Lande, die die Erde im Winter ruhen lassen, um im Frühling zu säen und im Sommer zu ernten, die habe ich auf Anhieb auch.
Wenn ich die herrlichen Aussprüche großer Leute zu diesem Thema höre, Bilder großer Maler sehe:
Da ist etwas.
Das Geheimnis Gottes.
Dass Reich Gottes.
BASILEIA THEOU.
Das Reich Gottes ist mitten unter Euch, sagt Jesus. Ihr merkt es nicht?
Er hat noch mehr Bilder auf Lager dafür: Das Senfkorn, das winzig kleine Senfkorn, dass ein Baum wird, in dem die Vögel nisten und Schutz und Schatten suchen.
Das Tragende ist das WORT Gottes, das am Anfang war.
Das Wort des Schöpfers von Himmel und Erde, welches wir bekennen.
Das WORT, welches GOTT selber ist, CHRISTUS“.
Dieses Wort wird unter die Leute gebracht wie Samen auf das Land, erklärt Jesus, der Menschensohn.
Wenn es guten Boden findet ist es wie die selbstwachsende Saat.
Wir sind der Boden.
„Mach mich zum guten Lande“, singen wir.
Gebet
Herr mache uns zu gutem Land, dass wir Dein Wort aufnehme können und es Früchte bringt in unserem ganz privaten Leben, in unserer Gemeinde und Kirche, in unsrer Arbeitswelt, in unserem Amt und Ehrenamt. Lehre du uns selber im Glauben und im Gebet. Lass uns dein Reich spüren. AMEN.
Prophetie des alten Bundes
10 Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, 11 so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende. 12 Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen. 13 Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen und Myrten statt Nesseln. Und dem HERRN soll es zum Ruhm geschehen und zum ewigen Zeichen, das nicht vergehen wird.
Ausstellung der „Zeichenstunde“ in der Mittelpunkts-Bibliothek Berlin-Köpenick Januar 2023.
Predigt Lutherkapelle Uhlenhorst (Köpenick-Nord) Januar 24
Liebe Gemeinde,
Was sind das heute wieder für Epiphanias-Texte, die uns aufgegeben sind?
Epiphanie. Erscheinung des Herrn.
Da ist der ewig brennende Dornbusch, dem sich der Hirte MOSE nähert. Seine, unsere Gottesoffenbarung für alle Religionen in unserem Kulturkreis: Judentum, Christentum, Islam.
Feuer. Feuer. Feuer. Feuer auch des HEILIGEN GEISTES.
Dann die Gemeinde in Korinth, dieser Hafenstadt in allen Facetten des Hungers nach Leben, die PAULUS besucht hat, um dort zu predigen: „Kommt her, die ihr hungrig seid, ich will euch satt machen, die ihr durstig seid, spricht der HERR , sein HERR und GOTT. „Hier ist das Wasser des Lebens umsonst“.
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“
Und:JESUS, der Weg.
Ja, die quicklebendigen Korinther haben eine Gemeinde gegründet und bauen sie noch immer auf und bedürfen deshalb der Führung und Leitung durch ihren Missionar.
Von Ferne.
Noch besser, wenn er gegenwärtig ist, zum Anfassen.
PAULUS weiß das.
Aber er hat noch mehr christliche Gemeinden zu begleiten, ist auf den Straßen der pax romana unterwegs: hungrig und durstig , ein Narr in CHRISTUS, wie er den queren und woken Korinthern schreibt.
Er hungert um CHRISTI Willen, er leidet Durst um Gottes willen, er folgt seinem HERRN, ist den Griechen ein Grieche, den Juden ein Jude, den Heiden ein Heide und den Orthodoxen ein Orthodoxer.
Er trägt das Kreuz seiner undefinierbaren Krankheit, die wie ein Seil sich immer wieder um ihn legt.
Er bittet Gott, dass er ihn gesund macht.
Und freut sich wie alle Zeugen des Evangeliums über die, die in der Wahrheit wandeln und nicht in der Lüge und im Schein.
Das hellt auf.
„Daran genesen wir, an der Freude in GOTT“, habe ich gelesen bei einer berühmten modernen Nachfolgerin.
Es gab immer Menschen, die einen ähnlichen Weg gingen und gehen in der Christenheit. Frauen und Männer. Heilige und Sünder, bis der HERR sie fand.
Wie der Hirte in der Wüste, der das Verlorene sucht – und findet.
PAULUS war nicht mit auf dem Berg, von dem wir gehört haben im Evangelium.
Wo PETRUS und JOHANNES sagen:lasst uns bleiben und Hütten bauen.
Hier ist es schön.
Der Apostel hat andere Erlebnisse mit dem HERRN JESUS.
Als der ihn fragt, warum verfolgst du mich…
Er, der Feind der Christen, wird zum Werkzeug seines HERRN und geht für ihn in s Gefängnis, lässt sich schlagen, verspotten.
„Wir sind der Welt ein Schauspiel geworden.“
„Narren in Christus“.
Der Dornbusch, der brennt. Der Berg der Verklärung, auf dem Jesus sich offenbart und die Jünger stärkt, dass sie an den SOHN GOTTES glauben können!
Und wir? …
…Tragen das Licht der Erscheinung Gottes in Jesus Christus wie ein Weihnachtsgeschenk, wie einen Schatz mit uns in unseren dürftigen Gefäßen, wie der Apostel Paulus schreibt. Können es mitnehmen in dieses Neue Jahr 2024.
Ja, wir können sogar Licht sein für viele andere Menschen auf diese wunderbare Weise. Gerade in dieser Zeit, in der wir nicht wissen, was sie bringt. Frieden, Krieg, Wohlstand oder Absturz. Gesundheit oder Krankheit, Tod oder Leben.
„Wir haben aber diesen Schatz (wie) in irdenen Gefäßen… wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserem Leibe, damit auch das Leben Jesus an unserem Leibe offenbar werde“.
Der Apostel ist ein Zeuge für die Gemeinde Jesu in der Hafenstadt am Mittelmeer – und für uns, unsere Kirche und Gemeinde. Dass wir nicht den Mut verlieren! Weil wir als Gerufene und Getaufte das Licht Jesu wie einen Schutzschild um uns haben.
Gott segne uns alle.
AMEN.
Winter in Köpenick, Ausstellung des Zeichenzirkels „ZEICHENSTUNDE“ in Berlin – Köpenick 2023 im Januar
3. Sonntag nach Epiphanias
Predigt Müggelheim (Berlin) Januar 24
Liebe Gemeinde, ein Text aus der Bibel, die Jesus gelesen hat, die seine Bibel war. Die jüdische Bibel. Theologen reden heute gerne vom 1. Testament Gottes an sein Volk. Wir haben das 2. Testament also nicht das alte, sondern das neue, so unser Sprachgebrauch.
Altes und Neues Testament. Das eine in hebräisch, das andere in griechisch. Weswegen Leute, die die Heilige Schrift in der Ursprache kennen lernen wollen, warum auch immer, beide Sprachen lernen müssen. Sonst können sie nicht Theologie studieren. Jedenfalls nicht in diesem klassischen Sinne.
Heute ist es das Buch 2. Könige. Also ein Königsbuch. Nach dem Zusammenbruch des Davidischen
Großreiches mit dem abschließenden Glanz des König SALOMO, einem Sohn des Harfespielers und Liederdichters DAVID, zerfiel das Reich in Diversität und Patchwork. Es wirkte wie ein Flickenteppich und Juda und Israel verkamen zu Spielbällen der mächtigen Babylonier und anderer
ambitionierter Mächte um die Staaten der 12 Stämme Israels herum. Insofern ging es Israel/Juda/Samaria nicht anders als anderen Reichen in der Weltgeschichte bis auf den heutigen Tag. Die Theologen des alten Bundes deuten das natürlich auf ihre Art: Abfall von Gott, dem Herren, Vielgötterei. Die Moral bis hinein in den Klerus schwindet. Die Wahrheitsliebe. Die Lüge kriecht aus allen Fugen, wenn überhaupt noch etwas aus Fug und Recht besteht.
Aber Gott wendet sich nicht ab von Seinem Volk.
Und beruft Propheten und Ratgeber, um die Stimme der Weisheit zur Geltung zu bringen. Der Weisheit letztendlich des Schöpfers von Himmel und Erde, wie sie und wir es auch in unseren Glaubenszeugnissen singen, beten und bekennen.
Der eigentlich Sinn eines jeden Gottesdienste.
2.Könige 5 9-15, 19a
9 So kam Naaman mit Rossen und Wagen und hielt vor der Tür am Hause Elisas. 10 Da sandte Elisa einen Boten zu ihm und ließ ihm sagen: Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder heil und du wirst rein werden. 11 Da wurde Naaman zornig und zog weg und sprach: Ich meinte, er selbst sollte zu mir herauskommen und hertreten und den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen und seine Hand über der Stelle bewegen und mich so von dem Aussatz befreien. 12 Sind nicht die Flüsse von Damaskus, Abana und Parpar, besser als alle Wasser in Israel, sodass ich mich in ihnen waschen und rein werden könnte? Und er wandte sich und zog weg im Zorn. 13 Da machten sich seine Diener an ihn heran, redeten mit ihm und sprachen: Lieber Vater, wenn dir der Prophet etwas Großes geboten hätte, würdest du es nicht tun? Wie viel mehr, wenn er zu dir sagt: Wasche dich, so wirst du rein! 14 Da stieg er ab und tauchte unter im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte. Und sein Fleisch wurde wieder heil wie das Fleisch eines jungen Knaben, und er wurde rein. 15 Und er kehrte zurück zu dem Mann Gottes samt seinem ganzen Gefolge. Und als er hinkam, trat er vor ihn und sprach: Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen außer in Israel; so nimm nun eine Segensgabe von deinem Knecht.
19 Er sprach zu ihm: Zieh hin mit Frieden!
Ausgerechnet der König von Aram, der gerne auf Raubzügen in Israel unterwegs ist mit seiner Soldateska, schreibt für seinen kranken Hauptmann einen freundlichen Geleitbrief, weil der Hauptmann ihn bittet ausgerechnet nach Israel reisen zu dürfen, um dort Heilung zu finden. Allerdings nicht bei dem israelischen König, sondern bei dessen Propheten und Ratgeber ELISA, dem Nachfolger von Wundermann ELIA.
Das hat sein Dienst-Herr nicht so richtig kapiert – scheinbar – und ist lieber auf seiner Königs-Ebene geblieben, sehr zum Verdruss des Kollegen in Israel: “Bin ich Gott, dass ich töten und lebendig machen könnte, dass er zu mir schickt, ich solle den Mann von seinem Aussatz befreien? Merkt und seht, wie er Streit mit mir sucht?“ Es steht wieder Krieg in den Sternen und ein Nachfolger der großen Königs-Dynastien Israels zerreißt seine Kleider. Das bedeutet Zorn und Schande.
Ein guter Prophet kennt die Stimmung in dem Land und stopft seine Ohren nicht zu, wenn es um Krieg und Frieden geht: “Lass ihn zu mir kommen, den Hauptmann Naaman, den Oberbefehlshaber der Aramäer!“
Und er geht, der König hört auf, seine Kleider zu zerreißen und gibt einen Wink. Der Heide, ja der Feind Naaman setzt sich in Bewegung mit seinen Gastgeschenken in Richtung Samaria, wo der Prophet zu Hause ist. Der Mann Gottes – wenn es auch der falsche Gott ist – bleibt die Hoffnung.
ER hält an mit seinem ganzen Tross, mit seinem ganzen Pomp, mit all seiner Glorie und hofft auf den alten Glanz seiner Haut.
Aber der Prophet macht sich rar. Er erscheint nicht.
Sondern ein Bote richtet ihm aus, er soll das und das tun.
„Da wurde Naaman zornig und zog weg…unverrichteter Dinge.“
Warum diese Schande in Israel, Juda, Samaria. Die Ziele seiner Kriegszüge. Womit er punkten kann in seiner Hierarchie. Jeder Sieg, jedes junge Mädchen als Sklavin ein Pluspunkt in der Politik seiner Karriere. Wobei das eigentliche Wunder eben genau solch ein junges Mädchen aus dem Lande Israel war. Es wurde gut behandelt in der Küche der Familie. Sie war der Anlass der Hoffnung.
Und half den Sorgen auf der Familie: “Ach, dass mein Herr wäre bei dem Propheten in Samaria! Der könnte ihn von seinem Aussatz befreien.“ Da war kein Hass, aber Nächstenliebe, nicht Feindesliebe, würde ich behaupten. So weit sind wir noch nicht. Wir sind im alten Testament. Noch nicht in der Bergpredigt. Christus ist die Zukunft.
Aber Vernunft und guter Wille sind trotzdem, sind immer gefragt. Alle Dinge, die dem Frieden dienen und der Freiheit des Lebens und seinem Wohlstand: SHALOM nennt das der Israelit, die Israelitin. Das brachten sie mit in jede Gefangenschaft und haben das Wohl der Stadt, des Dorfes gesucht mit ihren Gebeten, ihrem Segen, der von Abraham auf sie gekommen ist.
Deswegen hat der Hauptmann die Schande auf sich genommen und ist nicht als kraftstrotzender Militär, sondern letzt endlich als Bettler in Samaria erschienen, vor der Tür des Propheten, der in nicht all zu ferner Zukunft die Aramäer in die Irre führen wird, wenn sie wieder habgierig werden. Aber nie in ihre Vernichtung. Der immer den Frieden, SHALOM, im Blick hat in der Lebensgeschichte seines Volkes, von Gott geliebt und damit in seiner eigenen. Der zum Wohle seines Landes wirkt.
Die Leute um Naaman beruhigen ihn und ermuntern, es doch zu versuchen: in den glitzekleinen Jordan zu steigen sich zu waschen, wie es der Bote Elisas ausgerichtet hat.
Der Versuch lohnt. Er wurde heil.
Aber nun will er doch wenigstens umkehren auf dem Weg, der nun ein Weg der Heilung und des Friedens, der Gnade geworden ist …Er möchte seine Geschenke loswerden.
Wenn auch der Prophet ablehnt.
Er ist nicht käuflich.
Er macht es nicht für Geld.
Er hat einen anderen Lohn.
Erst recht ist da keine Korruption und keine Bestechung.
Dass der Diener des Elisa die schöne Geschichte verdirbt und heimlich die Geschenke dem Naaman abluchst für sich, versteht sich, tut der Heilstat des ELISA keinen Abbruch und dem Wunder in der Küche der Frauen zu Hause beim Hauptmann des Königs von ARAM. Wo Güte und nicht Zorn die Oberhand gewinnen. Denn – wir bleiben in einer unerlösten Welt und warten mit den Juden auf den Messias. Dass er kommt – sie-, dass er wiederkommt-wir.
Gebet: „Herr schenke uns den Glauben, dass wir überleben können und Deine Herrlichkeit verkünden. Wie Naaman. Mit ihm“.
und ist das ursprüngliche Weihnachtsfest in der Christenheit. In den ersten Jahrhunderten wurde Epiphanias für und vor Weihnachten gefeiert, habe ich neulich in einem Gottesdienst zur Einleitung der darauf folgenden Predigt gehört.
Erscheinung, Erscheinung des HERRN.
Epiphanie.
Die folgende Predigt, gehalten in einem Berliner Dorf im Südosten Berlins, greift das Thema auf eine ganz andere zwischenmenschliche Art auf. Da gibt es Güte, wo nicht erwartet. Licht, wo eigentlich Feindschaft, Räuberei und Grobheiten. Frieden wo Krieg. Wunder über Wunder. Aber auch Verschlagenheit, Blindheit und Borniertheit. Erlösung in einer unerlösten Welt in der Perspektive des CHRISTUS. In dem Volk Gottes.
Liebe Gemeinde, wieder ein Text aus der Bibel, die Jesus gelesen hat, die seine Bibel war. Die jüdische Bibel. Theologen reden heute gerne vom 1. Testament Gottes an sein Volk. Wir haben das 2. Testament also nicht das alte, sondern das neue, so unser Sprachgebrauch.
Altes und Neues Testament. Das eine in hebräisch, das andere in griechisch. Weswegen Leute, die die Heilige Schrift in der Ursprache kennen lernen wollen, warum auch immer, beide Sprachen lernen müssen. Sonst können sie nicht Theologie studieren. Jedenfalls nicht in diesem klassischen Sinne.
Heute ist es das Buch 2. Könige. Also ein Königsbuch. Nach dem Zusammenbruch des Davidischen
Großreiches mit dem abschließenden Glanz des König SALOMO, einem Sohn des Harfespielers und Liederdichters DAVID, zerfiel das Reich in Diversität und Patchwork. Es wirkte wie ein Flickenteppich und Juda und Israel verkamen zu Spielbällen der mächtigen Babylonier und anderer
ambitionierter Mächte um die Staaten der 12 Stämme Israels herum. Insofern ging es Israel/Juda/Samaria nicht anders als anderen Reichen in der Weltgeschichte bis auf den heutigen Tag. Die Theologen des alten Bundes deuten das natürlich auf ihre Art: Abfall von Gott, dem Herren, Vielgötterei. Die Moral bis hinein in den Klerus schwindet. Die Wahrheitsliebe. Die Lüge kriecht aus allen Fugen, wenn überhaupt noch etwas aus Fug und Recht besteht.
Aber Gott wendet sich nicht ab von Seinem Volk.
Und beruft Propheten und Ratgeber, um die Stimme der Weisheit zur Geltung zu bringen. Der Weisheit letztendlich des Schöpfers von Himmel und Erde, wie sie und wir es auch in unseren Glaubenszeugnissen singen, beten und bekennen.
Der eigentlich Sinn eines jeden Gottesdienste.
2.Könige 5 9-15, 19a
9 So kam Naaman mit Rossen und Wagen und hielt vor der Tür am Hause Elisas. 10 Da sandte Elisa einen Boten zu ihm und ließ ihm sagen: Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder heil und du wirst rein werden. 11 Da wurde Naaman zornig und zog weg und sprach: Ich meinte, er selbst sollte zu mir herauskommen und hertreten und den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen und seine Hand über der Stelle bewegen und mich so von dem Aussatz befreien. 12 Sind nicht die Flüsse von Damaskus, Abana und Parpar, besser als alle Wasser in Israel, sodass ich mich in ihnen waschen und rein werden könnte? Und er wandte sich und zog weg im Zorn. 13 Da machten sich seine Diener an ihn heran, redeten mit ihm und sprachen: Lieber Vater, wenn dir der Prophet etwas Großes geboten hätte, würdest du es nicht tun? Wie viel mehr, wenn er zu dir sagt: Wasche dich, so wirst du rein! 14 Da stieg er ab und tauchte unter im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte. Und sein Fleisch wurde wieder heil wie das Fleisch eines jungen Knaben, und er wurde rein. 15 Und er kehrte zurück zu dem Mann Gottes samt seinem ganzen Gefolge. Und als er hinkam, trat er vor ihn und sprach: Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen außer in Israel; so nimm nun eine Segensgabe von deinem Knecht.
19 Er sprach zu ihm: Zieh hin mit Frieden!
Ausgerechnet der König von Aram, der gerne auf Raubzügen in Israel unterwegs ist mit seiner Soldateska, schreibt für seinen kranken Hauptmann einen freundlichen Geleitbrief, weil der Hauptmann ihn bittet ausgerechnet nach Israel reisen zu dürfen, um dort Heilung zu finden. Allerdings nicht bei dem israelischen König, sondern bei dessen Propheten und Ratgeber ELISA, dem Nachfolger von Wundermann ELIA.
Das hat sein Dienst-Herr nicht so richtig kapiert – scheinbar – und ist lieber auf seiner Königs-Ebene geblieben, sehr zum Verdruss des Kollegen in Israel: “Bin ich Gott, dass ich töten und lebendig machen könnte, dass er zu mir schickt, ich solle den Mann von seinem Aussatz befreien? Merkt und seht, wie er Streit mit mir sucht?“ Es steht wieder Krieg in den Sternen und ein Nachfolger der großen Königs-Dynastien Israels zerreißt seine Kleider. Das bedeutet Zorn und Schande.
Ein guter Prophet kennt die Stimmung in dem Land und stopft seine Ohren nicht zu, wenn es um Krieg und Frieden geht: “Lass ihn zu mir kommen, den Hauptmann Naaman, den Oberbefehlshaber der Aramäer!“
Und er geht, der König hört auf, seine Kleider zu zerreißen und gibt einen Wink. Der Heide, ja der Feind Naaman setzt sich in Bewegung mit seinen Gastgeschenken in Richtung Samaria, wo der Prophet zu Hause ist. Der Mann Gottes – wenn es auch der falsche Gott ist – bleibt die Hoffnung.
ER hält an mit seinem ganzen Tross, mit seinem ganzen Pomp, mit all seiner Glorie und hofft auf den alten Glanz seiner Haut.
Aber der Prophet macht sich rar. Er erscheint nicht.
Sondern ein Bote richtet ihm aus, er soll das und das tun.
„Da wurde Naaman zornig und zog weg…unverrichteter Dinge.“
Warum diese Schande in Israel, Juda, Samaria. Die Ziele seiner Kriegszüge. Womit er punkten kann in seiner Hierarchie. Jeder Sieg, jedes junge Mädchen als Sklavin ein Pluspunkt in der Politik seiner Karriere. Wobei das eigentliche Wunder eben genau solch ein junges Mädchen aus dem Lande Israel war. Es wurde gut behandelt in der Küche der Familie. Sie war der Anlass der Hoffnung.
Und half den Sorgen auf der Familie: “Ach, dass mein Herr wäre bei dem Propheten in Samaria! Der könnte ihn von seinem Aussatz befreien.“ Da war kein Hass, aber Nächstenliebe, nicht Feindesliebe, würde ich behaupten. So weit sind wir noch nicht. Wir sind im alten Testament. Noch nicht in der Bergpredigt. Christus ist die Zukunft.
Aber Vernunft und guter Wille sind trotzdem, sind immer gefragt. Alle Dinge, die dem Frieden dienen und der Freiheit des Lebens und seinem Wohlstand: SHALOM nennt das der Israelit, die Israelitin. Das brachten sie mit in jede Gefangenschaft und haben das Wohl der Stadt, des Dorfes gesucht mit ihren Gebeten, ihrem Segen, der von Abraham auf sie gekommen ist.
Deswegen hat der Hauptmann die Schande auf sich genommen und ist nicht als kraftstrotzender Militär, sondern letzt endlich als Bettler in Samaria erschienen, vor der Tür des Propheten, der in nicht all zu ferner Zukunft die Aramäer in die Irre führen wird, wenn sie wieder habgierig werden. Aber nie in ihre Vernichtung. Der immer den Frieden, SHALOM, im Blick hat in der Lebensgeschichte seines Volkes, von Gott geliebt und damit in seiner eigenen. Der zum Wohle seines Landes wirkt.
Die Leute um Naaman beruhigen ihn und ermuntern, es doch zu versuchen: in den glitzekleinen Jordan zu steigen sich zu waschen, wie es der Bote Elisas ausgerichtet hat.
Der Versuch lohnt. Er wurde heil.
Aber nun will er doch wenigstens umkehren auf dem Weg, der nun ein Weg der Heilung und des Friedens, der Gnade geworden ist …Er möchte seine Geschenke loswerden.
Wenn auch der Prophet ablehnt.
Er ist nicht käuflich.
Er macht es nicht für Geld.
Er hat einen anderen Lohn.
Erst recht ist da keine Korruption und keine Bestechung.
Dass der Diener des Elisa die schöne Geschichte verdirbt und heimlich die Geschenke dem Naaman abluchst für sich, versteht sich, tut der Heilstat des ELISA keinen Abbruch und dem Wunder in der Küche der Frauen zu Hause beim Hauptmann des Königs von ARAM. Wo Güte und nicht Zorn die Oberhand gewinnen. Denn – wir bleiben in einer unerlösten Welt und warten mit den Juden auf den Messias. Dass er kommt – sie-, dass er wiederkommt-wir.
Gebet: „Herr schenke uns den Glauben, dass wir überleben können und Deine Herrlichkeit verkünden. Wie Naaman. Mit ihm“.
Fast ebenso alt wie der Rückgang der Mitgliederzahlen der christlichen Kirchen ist die Sprachlosigkeit ihrer Prediger. Gedanken zum Ort Gottes in einer Zeit tiefer Glaubenskrise
Sebastian Kleinschmidt
23.12.2023
Wo sind wir, wenn wir Musik hören? hat der Philosoph Peter Sloterdijk einmal gefragt. Er meinte nicht, im Konzertsaal oder in der Kirche. Er meinte, wo wir geistig sind.
Ehe wir das Rätsel auf die Religion beziehen und überlegen, wo wir sind, wenn wir von Gott reden oder hören, möchte ich es auf Johann Sebastian Bach anwenden. Wenn wir Oratorien, Passionen und Kantaten von Bach hören – dem Komponisten, den man den fünften Evangelisten nennt und dessen Klangwelt der schlagendste Gottesbeweis ist – und uns fragen, wo wir sind, wenn wir uns ihnen hingeben, bin ich versucht zu antworten: Im Himmel – mit Gedanken an die Erde. Auf Erden – mit Gedanken an den Himmel. In der Ewigkeit – mit Gedanken an das Jetzt. Im Jetzt – mit Gedanken an die Ewigkeit. In Gottes Brust – mit Gedanken an die Menschen. In der Menschen Brust – mit Gedanken an Gott.
Bis in solche Höhen weitet sich der Raum, bis in solche Tiefen dehnt sich die Zeit, wenn wir geistliche Musik von Bach hören. Die Welt, die in ihr aufsteigt und ihren Glanz verströmt, ist eine zweite, nichtreale Welt, ein Universum, das nur in unsrer Vorstellung besteht.
So viel zu Bach, der fast alle seiner Werke mit „Soli Deo Gloria“ unterschrieb. Und nun zu Gott. Wo sind wir, wenn wir Ihn vernehmen; wo, wenn wir auf Seine Stimme hören? Die Antwort lautet: gleichfalls in einer vorgestellten Welt, die jedoch vom religiösen Menschen als reale Welt geglaubt und an geweihten Orten in Kult, Gebet und Liturgie ehrfurchtsvoll vergegenwärtigt wird.
Doch wie dem Gott begegnen, wie von ihm sprechen? Dem Höchsten, den niemand sehen kann und niemand sehen darf und niemand je gesehen hat? Auch Moses nicht, auch Jesaja nicht. Moses vernahm nur Gottes Stimme, Jesaja sah nur Gottes Füße. Der auferstandene Christus sagt zu Thomas, dem zweifelnden Jünger: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“
Auf dreierlei Weise kann sich der Mensch auf Gott beziehen. In Gestalt seiner Realitätsbejahung, in Gestalt seiner Realitätsverneinung, im Exempel seiner Realitätsvermutung. Als These oder Antithese oder Hypothese. Im Modus des „Er ist“ oder des „Er ist nicht“ oder des „Als ob er ist“. Im Zustand des Glaubens, im Zustand des Unglaubens, im Status der Annahme.
Wahrhaftig existieren kann ein lebendiger Gott nur im Glauben und einem dadurch ermöglichten Raum der Imagination. Was aber, wenn der Glaube verblasst, wenn die Quelle religiöser Vorstellungskraft versiegt? Dann droht auch der Gott verloren zu gehen.
Prekäre Glaubensstärke Die heutige Situation besonders in der evangelischen Kirche ist in punkto Glaubensstärke augenscheinlich prekär. Fast scheint es so, als wüsste der moderne, aufgeklärte, mehr und mehr säkularisierte Mensch mit dem Gottesbild der Christen nichts mehr anzufangen. Wie sonst sollte man sich die massenhaften Austritte aus der altehrwürdigen Institution erklären? Entweder brauchen die Menschen Gott nicht mehr oder sie wenden sich von der praktizierten Art der Gottesrede ab.
Und so stellt sich die Frage, ob und, wenn ja, warum der Mensch überhaupt der Gottesrede bedarf. Man macht sich die Sache nicht zu leicht, wenn man sagt, dass die Selbstreflexion des Menschen hinsichtlich seiner Stellung in der Welt nicht nur erfordert, sich im Spiegel der Tiere, das heißt im Spiegel der Wesen unter ihm zu betrachten, sondern auch im Spiegel des Wesens über ihm.
Dazu gehört, dass der Mensch anthropologisch so angelegt ist, dass er in Sachen Orientierung nicht allein aus seinem Wissen schöpfen kann. Denn er bewegt sich immer in zwei Welten, der real gegebenen und der vorgestellten. Das Wissen aber bezieht sich auf die wahrgenommene reale Welt, nicht auf die unsichtbare fiktionale. In deren Räumen dominiert der Glaube.
Kooperation mit Kunst und Poesie Die Glaubenswelt der Religion ist mit der Aufklärung in die Defensive geraten. Durch ein energisches Korrelieren von Wissen und Glauben bekam das Wissen die besseren Karten. Glaube erschien plötzlich als defizitäre Erkenntnis. Es hat lange gedauert, bis es den Theologen dämmerte, dass man die Religion in eine Sackgasse bugsiert, wenn man sie in eine falsche kognitive Rivalität zur Wissenschaft stellt. In Wahrheit konkurriert Religion nicht mit Wissenschaft, sondern kooperiert mit Kunst und Poesie. Es gilt zu begreifen, dass das religiöse Bewusstsein nicht die wirkliche, sondern eine vorgestellte Welt bezeugt. Und dass die vorgestellte Welt orientierende Kraft hat für die wirkliche Welt. Dass sie Freiräume für Geist und Herz erschafft, die sich ohne „Illusion“ nicht ergeben.
Gott wird durch Argumente rationalen Wissens, durch Materialismus und historisches Bewusstsein in immer größere Ferne gerückt. Er kann uns nur durch eine wechselseitige Befruchtung von religiöser und ästhetischer Einbildungskraft wieder näherkommen. Wir müssen das „Unirdische“ der Religion von der Pflicht irdischer Beweise entlasten und auf diese Weise ernstmachen mit dem Gedanken, dass die Religion nicht die Kontrahentin der Wissenschaft, sondern die Schwester der Poesie ist. Der Streit zwischen Glauben und Wissen führt zu nichts. Allein das Erkennen der Verwandtschaft von Religion und Kunst weitet das Blickfeld.
Warum die Welt des Glaubens nicht im Konjunktiv betrachten? Als ob es Gott gäbe, als ob es Engel, Teufel und Dämonen gäbe, die Unsterblichkeit, die Auferstehung von den Toten, den Fluch und den Segen, das Gericht, die Gnade, die Erlösung und die Vergebung. Das gilt auch für den Gedanken der Geschöpflichkeit aller irdischen Wesen. Es mag ja sein, dass Gott eine Idee des Menschen ist. Aber zu dieser Idee gehört es, dass nicht Gott eine Idee des Menschen, sondern der Mensch eine Idee Gottes ist. Gerade durch diesen Blickwechsel vermag die Religion Sinn und Orientierung zu geben. Und Orientierung braucht der Mensch, auch wenn er Agnostiker oder Atheist ist. Er ist das einzige Geschöpf auf Erden, das sie braucht. Die Tiere haben den Instinkt. Sie wissen nicht, dass sie nichts wissen. Der Mensch, das sokratische Tier, weiß, dass er nichts weiß. Und über allem – so glauben die einen und bestreiten die andern – thront einer, der weiß, dass er weiß.
Klarheit über die Winkel des Herzens Von diesem Wissen machen wir uns keine Begriffe, und können es nicht, da es unsere Geisteskapazität auf unvorstellbare Weise übersteigt. Was wir aber glauben, ist, dass das Wissen Gottes nicht zuletzt ein Wissen über uns ist. Und das bis hinein in die verborgensten Ecken unseres Innern. „Herr, der du aller Herzen kennst“ (Apg 1,24) lautet eine der Hauptstellen für den theologischen Topos der Kardiognosie, der Herzenserkenntnis Gottes. Gemeint ist, wie der Neutestamentler Klaus Berger kommentiert, „dass Gott lückenlose Klarheit über jeden Winkel des Herzens besitzt, denn er ist Schöpfer und Richter“. Dieses „denn du allein kennst das Herz aller Menschenkinder“ (1 Kön 8,39) ist eine der bedeutsamsten Aussagen, die der Mensch je über Gott gemacht hat. Und nicht nur im Indikativ, noch im Konjunktiv, im Als ob, hat sie Wahrheit und Kraft.
Wenn wir von der Geschwisterlichkeit von Religion und Poesie sprechen, braucht es Beispiele, am besten von heute. Der Dichter Christian Lehnert aus Leipzig ist ein solches Beispiel. Das für ihn entscheidende Bindeglied zwischen beiden Reichen ist die Epiphanie. Die eine widerfährt uns unirdisch, die andere irdisch. Augenblickshaft und flüchtig sind sie beide. Mit Begriffskonstruktionen ist hier nichts zu gewinnen, nur mit Glauben an das Kommen der Erscheinung. Der Dichter steht im Warten und Erwarten. Er betreut die Geduld. Er verrät nicht den Glauben an das Wissen. Er ist sicher: Schönheit und Güte des Menschen kommen von dem, was er glaubt, nicht von dem, was er weiß.
Was aber glauben wir? Das ist eine der großen Fragen, die Lehnerts Werk durchziehen. Doch ist es bei ihm weniger eine Frage des Zweifels als eine des Offenhaltens. Offenhalten, damit etwas einströmen kann. Alles Verweisen auf das Religiöse geschieht lautlos, wie im Verborgenen, in äußerster Diskretion. Die Poesie unterwirft sich nicht. Gott ist ihr ein unbewohnter Name, „ein reines, leeres Feld“. An einer Stelle heißt es: „Was ich glaube, ist ganz unverstanden.“ Im Gedichtband „Windzüge“ findet sich der Zweizeiler: „Der Gott, den es nicht gibt, in mir ein dunkler Riß, ist meiner Seele nah, sooft ich ihn vermiß.“
Lehnert ist einer, der erst spät zur Religion fand. Er ist gewissermaßen als Erwachsener in sie eingewandert. Einwanderer sind immer auch Auswanderer. Sie verlassen ihr Herkunftsland, weil ihnen dort etwas fehlt.
Was aber fehlt dem, dessen geistige Existenz ohne Gottesbezug ist? Lehnert würde sagen: Es fehlt ihm der Sinn dafür, dass etwas fehlt. Am Ende ist es ein Fehlen am Wort, dem religiösen Wort, dem reinigenden, heilenden, tröstenden, fragenden, verheißenden, verwandelnden Wort, an einem Wort der Zusage, einem Wort, das selig macht und nicht aus Menschenmund ist.
Zurück zum kraftvollen Wort Zu solchem Wort muss die Kirche zurückfinden, wenn sie die Krise überwinden will, in der sie steckt, eine Krise, die durch weitere Politisierung und noch größere Nähe zum Zeitgeist nicht zu überwinden ist. Wenn es die Prediger nicht schaffen, aus tiefentheologischer Sprachlosigkeit und uninspirierter Gottesrede herauszufinden, helfen nur Poeten. Der Schweizer Pfarrer Kurt Marti sagte einmal: „Vielleicht hält Gott sich einige Dichter, damit das Reden von ihm jene heilige Unberechenbarkeit bewahre, die den Priestern und Theologen abhandengekommen ist.“
Vergessen wir nicht: Die Sprache des Glaubens ist ein großes Geschenk der Religion. Sie schafft Heimat in einer Welt, in der wir Gott die Ehre geben. Diese Welt reicht weit über das Ich des einzelnen Menschen und seinen Horizont hinaus. Religion ist außerweltliche Beheimatung des von innerweltlicher Unruhe getriebenen menschlichen Geistes. Sie kündet, um mit Blaise Pascal zu sprechen, vom „Glück des Menschen mit Gott“ und vom „Elend des Menschen ohne Gott“.
Für Ohren, denen das wie aus der Zeit gefallen klingt, sei daran erinnert, dass es eine Ehre des Glaubens ist, unzeitgemäß zu sein.
Dr. Sebastian Kleinschmidtist Essayist und Verfasser zahlreicher Schriften zu Literatur, Philosophie und Religion. Er war u.a. von 1991 bis 2013 Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Sinn und Form“ und ist Mitherausgeber der in der Evangelischen Verlagsanstalt erscheinenden Reihe „Georgiana. Neue theologische Perspektiven“. Zuletzt erschienen „Kleine Theologie des Als ob“ (Claudius Verlag) und „Lob der Autorität“ (Matthes & Seitz, beide 2023). www.eva-leipzig.de
Das dogmenhermeneutische Modell des Christentums ist in seiner Komplexität und Universalität mit kosmischem Anspruch ein bemerkenswertes und bewunderungswürdiges kulturhistorisches Erbe…
Blog Michael Wohlfarth e-mail Adresse: Fam.Wohlfarth@t-online.de
Leuchte, mein Stern leuchte, führe mich zu den Ereignissen des Jahrhunderts, dass ich immer dort bin, wo viel los ist und ich nichts verpasse – das könnte die magische Beschwörung einer lebenshungrigen Generation sein – immer gewesen sein.
Oder ist es in Wirklichkeit der stille Glanz nicht der grellleuchtenden Sterne, sondern des einen von Bethlehem, der uns lehrt, dass im Unscheinbaren, ja oft in der Armut die Größe liegt. – Was haben wohl die gebildeten, die Magier, die Wissenschaftler, die Studierten, die Zauberer gesucht, als sie den Stern der Jahrtausende gesehen haben und ihm folgen? Sie haben Weisheit gesucht, Macht, Menschen zu beherrschen, Reichtum des Geistes, Wissen ist Macht, Esoterik, Spiritualität, Geheimwissen. – Und was haben sie gefunden? Das Einfache, das Schlichte, ja das Alltägliche war das Geheimnis des Lebens und des Glaubens, der Religion und Spiritualität. Das Kind wurde ihnen zum Gericht über alles Streben ihrer Eitelkeiten und sie sanken ehrfurchtsvoll auf die Knie und schämten sich ihres Hochmutes. Leuchte, mein Stern, leuchte, leuchte in meiner Dunkelheit und in der Dunkelheit meiner Zeit und aller Zeiten, der Zeit meiner Eltern und Voreltern, des Krieges, der Kriege, die Zerstörung, Unglauben und Wut produzierten, Hass und Klassenhass, Unbarmherzigkeit und Unfrieden auf Dauer, Stacheldraht für Andersdenkende und Andersglaubende, Rassenwahn und Größenwahn. Leuchte in Auschwitz, du gelber Davidsstern, leuchte in den Gefängnissen Stalins und Ulbrichts, du Stern Jesu, leuchte in unsere dunkle Vergangenheit, damit die Zukunft licht sei für uns und unsere Kinder. Zwei Dreiecke, gleichschenklige, gegeneinander gelegt, zwei Dreiecke, die das Auge Gottes symbolisieren, sind ein Stern, der Stern Judas, der Stern an Eisenbaums Jackett in Schindlers Fabrik, auf seiner Liste. – Du stehst auf dem Gottesacker und siehst dir die Gräber an, was siehst du? Du siehst einen Stern vor dem Geburtsdatum eines Menschen. Datum heißt auf Deutsch Geschenk. Es ist Lateinisch. Die Geburt eines Menschen ist ein Geschenk. Die Geburtsrate in der ehemaligen Zone ist dramatisch gesunken, einmalig in der Menschheitsgeschichte. Das ist ein totalitärer Vorgang. Es ist zuviel käuflich. Oder? Wir kommen damit nicht zurecht. Es ist nicht nur ein Gefühlsstau, ein Kulturstau ist das, ein Zivilisationsstau… Es ist Weihnachten. Der Stern von Bethlehem leuchtet wieder. Er lockt die Weisen aus dem Morgenland. Lockt er auch uns mit unseren Erfahrungen 40 Jahre Sozialismus, 5 Jahre Postsozialismus, vier Jahre Wiedervereinigung ? Und der Schock sitzt tief, der Kulturschock! Oder wiegen die Altlasten zu schwer, und wir können uns nicht mehr auf den Weg machen in den Wüstensand……? Das Wunder ist das Kind, vielleicht im Luxus noch größer als im Elend. Alltäglich eigentlich. Das ist der Trost. Wie oft haben das Eltern schon empfunden in Notzeiten, in guten Zeiten, in schlechten Zeiten. Das Wunder ist das Leben, das sich nicht selber genügt, das ewige Leben? Ein Wunder, sagen wir, wenn wir noch natürlich empfinden können und uns freuen können. – Der Stern sagt mehr. Gott i s t das Geheimnis der Welt. Der Stern über der Felsengrotte in Bethlehem sagt unendlich mehr, und deswegen kann er uns auch ermutigen. Das ist das Kind in der Armut, das Kind in der Krippe. Das Kind ist Jesus. Der Stern ist der Stern der Verheißung, der Hoffnung, der Rettung. Wir haben den Richter erwartet, eigentlich das jüngste Gericht, aber Christus ist gekommen, das Kind in der Krippe. Die Krippe ist aus Holz. Sehr irdisch, Kreuze sind auch aus Holz. Vor einem anderen Datum – gegeben – auf dem Stein, auf dem Holz. Wie die Geburt.
Stern und Kreuz verweben sich ineinander. –
Leuchte, mein Stern, leuchte, in der Dunkelheit des Aufruhrs, in der Abenteuerlust der Jugend, in der Unlust und dem Murren der Alten. In dem Besser – Wissen des Mittelalters. In der Herrschsucht der Männer und der List der Frauen. – Alle haben wir einen Lebensstern. Manche gucken nach dem Horoskop, um seine Bahn vorausberechnen zu können wie die Magier vor zweitausend Jahren und die Esoteriker von heute und die Sekten von vorgestern. Seit Christi Geburt, seit 1994 Jahren ist der Lebensstern der Stern Christi, ist unser Weg, an dessen Rand Kreuze zu finden sind, der Weg Christi. Sein Stern ist unser Stern, sein Kreuz ist unser Kreuz. Geheimnis des Glaubens, Geheimnis des Lebens, auch wenn es uns nicht bewusst ist. Ob wir es bejahen oder nicht. – Natürlich kann man da auch von einem Kulturkreis sprechen.
Aber nein, heute Abend wollen wir es so sagen. Wir wollen es uns wieder bewusst machen, das Geheimnis der Menschwerdung Gottes, an der wir teil haben durch unseren Glauben an Jesus Christus. GOTT will in uns Wohnung nehmen. JESUS bleibe meine Freude! – Das Geheimnis der stillen heiligen Nacht. Geheimnis der Weihnacht. Geheimnis des gläubigen Herzens. Gott schenke uns Frieden und Stärke und das Licht …. Leuchte, mein Stern, leuchte, leuchte in Russland und Jugoslawien aber besonders in mir, damit ich Frieden bringe, wo man sich hasst, Mut wo Angst ist, Leben, wo Tod.
Amen. Amen. Amen.
Diese Predigt wurde 1994 in der Brüderkirche zu Altenburg gehalten und soll heute besonders gelten in der Epiphaniaszeit 2024.
Also 30 Jahre später. Schreiben Sie mir, was sie sagen wollen. Wenn, ja wenn…
Michael Wohlfarth, diese Predigt ist abgedruckt in :“Predigen auf dem Markt“ epubli berlin und Frommverlag Saarbrücken. Folgend literarische Visitenkarte. Hergestellt nach BB (BerlinBuch)
Anthony Lowe, Altenburg oben : sagen wir New York und Perspektiven seiner Heimatstadt.
Und fotografiert
Edgar Nönnig
Winterbilder Thonhausen und Wettelswalde im Landkreis Altenburg (ehemals Schmölln), meine erste Pfarrstelle in Thüringen von 1975 bis 1988.