SALOMONISCHES URTEIL

Liebe Gemeinde, noch einmal die Texte für den Heutigen Sonntag in Erinnerung bringen und wenigstens anlesen, zu Hause dann weiter lesen, es lohnt sich.

Das erste Testament, Epistel, Evangelium: JEREMIA 1, 4-10; Philipper 3,7-14; Evangelium Mt 13, 44 – 46.

Der Prophet wird berufen.

Der Apostel stellt sich vor als jemand der um Christi willen alles, aber auch alle stehen und liegen läßt.

Und das Evangelium beschreibt den Kaufmann, der alles verkauft um des Reiches Christi willen, den Landwirt, der nur diesen Acker haben will, der er weiss, darin liegt der Schatz begraben, den er sucht – und gefunden hat.

Das sind sehr wuchtige Texte heute, die uns da angeboten werden in unserem Gottesdienst.

Radikale Texte.

Dabei haben wir noch nicht einmal alle gehört. Z.B. den Vorschlag zum Ersten Testament als 1. Lesung. Wir begnügen uns in der Regel mit zwei Lesungen oder sogar mit der einen: das Evangelium – und könnten vielleicht gar nicht alle zusammen – fassen.

Was da auf uns zu kommt.

Wie gut sind doch die Lieder, die schon unsere Vorfahren gesungen und gebetet haben, in denen all die Dinge ausgesprochen und gesungen werden, die unser Christsein ausmachen.

„Gott des Himmel und der Erden…“ rufen wir den HERRN an…“Vater Sohn und Heiliger Geist, der es Tag und Nacht lässt werden, Sonn` und Mond uns scheinen heißt.“ Da sind wir erst einmal eingebettet in Gottes Gute Schöpfung, die uns zugesagt ist in der Geschichte der großen Katastrophen, die in der Bibel erzählt werden: Es soll immer Tag und Nacht sein, Frost und Hitze…

Sie erinnern sich…

Wir haben das mit den Jugendlichen, die jetzt an den Schalthebeln von Macht und Entscheidung sitzen – von ihrer Generation her, gebetet und Gott an sein Versprechen erinnert in unserer Atomangst im sogenannten Kalten Krieg, als sich die Atomraketen in Deutschland Ost und Deutschland West gegenüberstanden. Und der Physiker von Weizsäcker sich einen Atombunker bauen ließ in seinem Garten.

Von diesem HERRN über Leben und Tod, Schmerz und Heil, der seiner Welt den Regenbogen gespannt hat, dass sie nicht vergisst den Bund des Lebens mit seiner Schöpfung lässt sich JEREMIA und all die anderen Propheten und Missionare berufen, damit sie das Wort Gottes verkündigen können, das Frieden stiftet zwischen Gott und den Menschen und den Menschen untereinander…

…wenn sie Seinen WEG gehen und nicht in die Irre und in die Orientierungslosigkeit. Nimm und lies das Buch der Bücher!

Lies sich NATHAN berufen, um DAVID, den Vater des weisen Königs SALOMO zu Vernunft, Verstand und Rechenschaft zu bringen.

Zum Eingeständnis seiner Schuld, damit er und JUDA leben können.

ISRAEL.

Und unser eigentlicher Vorschlag zur Predigt an diesem Sonntag?

„Und der HERR erschien Salomo im Traum des Nachts und Gott sprach: Bitte, was ich dir geben soll! Salomo sprach: Du hast an meinem Vater David, deinem Knecht, große Barmherzigkeit getan, wie er denn vor dir gewnadelt ist in Wahrheit und Gerechtigkeit und mit aufrichtigem Herzen vor dir, und hast ihm auch große Barmehrzigekit erwiesen und ihm einen Sohn gegeben, der auf seinem Thron sitzen sollte, wie es denn jetzt ist. Nun, Herr, mein Gott, du hast deinen Knecht zum König gemacht an meines Vaters David statt. Ich aber bin noch jung, weiß weder aus noch ein. Und dein Knecht steht mitten in deinem Volk, das du erwählt hast, einem Volk, so groß, dass des wegen seiner Menge niemand zählen noch berechnen kann. So wolltest du deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, damit er dein Volk richten könne und verstehen, was gut und böse ist. Denn wer vermag dies dein mächtiges Volk zu richten? Das gefiel dem HERRN gut, dass salomo darum bat. Und Gott sprach zu ihm: Weil darum bittest und bittest weder um langes leben noch um Reichtum noch um deiner Feinde Tod, sondern um Verstand, zu hören und recht zu richten, siehe, so tue ich nach deinen Worten. Siehe, ich gebe dir ein weises und verständiges Herz, sodas

Gott erscheint selber im Traum, nicht wie dem Mose am Eingang des Zeltes.

Aber wie dem Jakob, der die Engel hinauf und herabsteigen sieht, als er auf der Flucht ist.

Der HERR fragt den Neuen König, was er sich für seine Regierungszeit wünscht.

Keinen Reichtum haben wir gehört.

Kein Langes Leben, haben wir gehört.

Sondern Weisheit.

Salomo wird jung beschrieben in den Königsbüchern zu Beginn seiner Herrschaft.

Aber er ist nicht zu jung, sich Weisheit zu wünschen.

Er ist kein jugendlicher Tor oder einfältiger Greis.

Er weiß, was Macht bedeutet.

Er will sie gebrauchen.

Nicht missbrauchen.

Er wird entscheiden müssen was gut und böse ist.

Er wir ja und nein sagen lernen.

Und nicht nur sowohl als auch, damit es schön bequem ist in der Ausstattung der Thronfolge.

Oder für die nächsten Wahlen.

Ja, er ist Schicksal.

Er wird Schicksal.

Über Leben und Tod.

Über Krieg und Frieden.

Die folgende Geschichte, die das belegt ist weltberühmt, so weltberühmt, dass sie der Dichter Bertold Brecht auf die Bühne des Berliner Ensembles brachte und auf alle Bühnen der Welt.

Wo am Abend widersprochen werden soll, was an Unrecht am Tage geschehen wird und schon geschehen ist.

Wenn es wirklich sinnerfülltes Theater ist.

Mit Sinn und Verstand.

Sie kennen diese Geschichte auch. Zwei Frauen, in unserem Text werden sie Huren genannt, bekommen ein Kind am Abend des Tages. Und an einem Morgen wachen beide Frauen auf ohne einen Mann auf den sie sich berufen könnten oder zu Hilfe rufen könnten. Und bei einer der beiden Frauen findet sich das Kind tot.

Kindstod?

Die Anklägerin benennt den Grund anders: Meine Nachbarin hat im Schlaf ihr eigenes Kind erdrückt und es heimlich ausgetauscht mit meinem lebendigen Kind. Ich soll jetzt ein totes Kind haben. Aber ich habe es mir angeschaut: es ist nicht das Kind, welches ich geboren habe.

Beide Frauen treten vor den König und er hört sich die Geschichte an.

Es geht um Tod und Leben.

Salomo sagt, holt mir ein Schwert.

Und als das Schwert vor den König gebracht wurde, sprach der König: Teilt das lebendige Kind in zwei Teile und gebt dieser die Hälfte und jener die Hälfte“.

Da sagte die Frau, deren Sohn lebte, zum König – denn ihr mütterliches Herz entbrannte in Liebe für ihren Sohn – und sprach: Ach mein Herr, gebt ihr das Kind lebendig und tötet es nicht.

Jene aber sprach: Es sei weder meines noch deines; lasst es teilen!

Da antwortete der König und sprach: „Gebt dieser das Kind lebendig und tötet es nicht; sie ist seine Mutter“.

Und ganz Israel hörte, von dem Urteil, das der König gefällt hatte, und sie fürchteten den König; denn sie sahen, dass die Weisheit Gottes in ihm war, Gericht zu halten.

Noch immer halten hoffentlich die Leute den Atem an, wenn diese Geschichte von der salomonischen Weisheit auf allen Weltbühnen aufgeführt wird.

In welchem Zusammenhang auch immer.

Wie sehr versteht man nach diesem Bibel – Report aus dem Gerichtsaal des Königs Salomo das Gebet des Richters, bevor der den Gerichtssaal betritt.

„Gib mir Weisheit, oh Gott.“

Im Umgang mit Männern und Frauen, im Umgang mit Jungen und Alten.

Dass ich Frieden stifte, wo man sich hasst, dass ich verbinde, wo man sich verletzt.

Dass ich versöhne, wo Krieg ist zwischen Nachbarn, zwischen Brüdern und Schwestern. Zwischen Nationen und Kulturen. Konfessionen und Religionen.

„Herr, mache mich zum Werkzeug Deines Friedens“.

Es wird nicht immer gelingen.

Siehe,das vierfache Ackerfeld, mit dem uns JESUS hilft, gelassen zu bleiben.

„Keine Gewalt!“

„Mache Du mich zum guten Land, dass Frucht bringt.Und Frieden stiftet, wo Hass ist.“

„Sei Du der Weg, die Liebe zum Leben, die Vergebung für mich. AMEN“.

.

Lesung in Leipzig

Auszug aus einem Brief:

„… ach, Dostojewski, jetzt machen sie dich auch noch schlecht: Gute Literatur ? – ja, aber deine Weisheiten?

Wie bei deinem Bruder Tolstoi.

Behalte sie doch lieber für dich.

Inzwischen gibt es Einiges, wo über dich so gesprochen wird. In angesehenen Tageszeitungen, Kultur – Kolumnen

aller Art.

Ich möchte keine Namen nennen.

Du weißt schon.

ACH DOSTOJEWSKI, komm heraus

aus deiner Hütte in Tirol.

Oder sitzt du schon auf dem Felsenvorsprung am Berg und wartest auf den Bergrettungsdienst.

Auf den Heli, wie die jungen Sportler sagen.

Die Eventisten.

Also, besser bleibe darinnen.

In deiner Hütte, Höhle oder wo immer.“

Begegnung

2.Begegnung – aber…

10.12.2007

„Weiter“ –

heißt ein „Fenster“ -in der weiten Welt des Nicht-Wirklichen.

Wir bleiben aber stehen beziehungsweise sitzen. Wie am Schluß des Wartens auf Gott. Wir gehen nicht, obwohl wir es ständig im Munde führen.

Vielleicht ist Pilgern die Lösung.

Du mußt es nur anklicken mit einer „Maus“ – oder mit dem sanften Druck Deiner Hände. Mit Deinem Fingerspitzengefühl, welches Du trainieren musst, indem Du jeden Morgen zu Deiner alten schönen Weihnachtsblockflöte greifst und darauf spielst: „Fröhlich soll mein Herze springen…“

„Klicken“ ist einfacher.

Laptop ist elegant.

Der Rechner ist mächtig gewaltig.

„Weiter“.-

Du weißt nie, was kommt und hast Angst, daß sonst etwas passiert, explodiert. Wenn Du die falsche Taste drückst, den „Pfeil“ auf das falsche Wort lenkst.

Dann stelle ich mir Bin Laden vor, wie er vor seinem Laptop sitzt und scheinbar zufällig auf „Weiter“ -drückt. Und das war das Entscheidende. In aller Stille die Vorbereitung und die Ausführung.

Der Horror kommt auf leisen Pfoten wie ein Tiger, der ein Kalb sucht.

Noch schlimmer, wenn es Bin Laden nicht selber macht, sondern seine Jünger, denen es um ihre Würde geht. Aber wenn sie Gottes Ebenbild sind und deswegen ihre Würde auch unantastbar bleibt, warum haben sie es dann nötig sich so zu wehren. Sie haben noch nichts vom Leiden gehört. Dostojewski. Nein, nein Dostojewski. Oder liege ich da falsch.

Also weiter! Dostojewski, auf unserem weiten „Dialog-Feld“ des Theodor Fontane nicht, sondern auf dem des reichsten Mannes der Welt weil er diese Maschine erfunden hat, mit der wir gerade so schön spazieren gehen in der Götzendämmerung des Friedrich Nietzsche .Mit einer Panflöte auf dem Grammophon.

Du weißt also, wie es uns geht. Die Werte verfallen. Nein, sie wandeln sich, wie immer in der Weltgeschichte, die unser Gericht ist, wenn ihr Ziel Gott ist. Ich weiß es. Nur Zitate. Aber immerhin wieder der Geschichtsschreiber Schiller und der andere große deutsche Geschichtsschreiber Ranke. Ja, ja ich möchte mich und dich gleichermaßen neugierig machen. Reg Dich nicht auf. Schick mir eine Mail und erzähle mir alles über eure Schulweißheiten, die du so verachtest. Das wäre doch eine schöne kantianische Pflichtübung

Sozusagen in eurer russischen Enklave. Du sollst dich nicht schon wieder aufregen. Es geht weiter. Keine Angst. Nichts geht unter. Nichts geht verloren. Alles kommt wieder. Wie der Prediger sagt und nicht Christa Wolff, die Frau, die den DDR-Bürgern so gut es ging Geschichten erzählt hat. Früher dachte ich, sie hätte es heimlich, ohne dass ihre Genossen es bemerkten, von Günther Grass abgeguckt, bi s ich begriff …Von wegen Grass, nein das Predigerbuch, 3. Kapitel. „Was gestern gewesen ist, wird morgen sein.“ Schade, ich habe meinen Schülern beigebracht das die intellektuelle Redlichkeit damit beginnt, dass ich Quellen angebe… Ich bin ja nur ein Ossi. Ein „Zoni“.

Und bei den Römern heißt es in abgewandelter Form: Nichts Neues unter der Sonne… Alles schon da gewesen.

Wir müssen nichts restaurieren, Es kommt sowieso.

In unserem evangelischen Glauben, lieber Bruder, singen wir „Ich bring alles wieder…“ Wir singen und beten das mit Paul Gerhard aus Luckenwalde und Berlin. Immer noch. Er meint den, der vor der Tür steht. Der alles wieder bringt.

Wer weiß, wer das ist, der da vor der Tür steht. Weiß Leo auch. Ist es gar unser Feind. Du erinnerst dich, er bringt dem verfeindeten Bruder den Bruder zurück und der ist Christus. Du erinnerst dich an die Erzählungen im Schneesturm. Im Gutshaus.- Das gilt auch für unsere Völker, für unsere Vaterländer. Gorbatschow kam doch aus einer gläubigen Familie, haben uns Evangeliums – Baptisten in der Ukraine erzählt, als sie noch zur großen siegreichen Sowjetunion zählte. Euer Landsmann Gorbatschow hatte es gerade aufgegeben, die Speerspitze der Revolution Lenins sein zu wollen. Jetzt herrscht Frieden. Nein, nein keine Ruhe, im Gegenteil. Eine heilsame Unruhe ist ausgebrochen. Sie ist furchtbar für diejenigen, die nicht wissen, das Frieden nicht die Abwesenheit von Kampf bedeutet, sondern dass Gott uns nahe ist. Advent. So hast du das doch auch gesehen. Oder obliegen wir da einer optischen Täuschung. Nein, nein bestimmt nicht.

Kennst du den LETZTEN ADVENT? Den jemand beschrieben hat für ein Opfer der Sowjetmacht, das unter Lebensgefahren die heilige Grenze der Sowjetunion von Westen überschritten hat, um zu sehen, wer in den unterirdischen Gängen der Angst und des Terrors übrig geblieben war von des GLAUBENS GENOSSEN. Da werden Gottesdienste gehalten in Angst und Not.

Und im Seufzen der Kreatur nach Freiheit…

Ja, Dostojewski, erzähle mir etwas über die Dämonen, die gefallenen Engel, die herabgestürzt sind wie Satan auf das Feld der Erde.

Du hast es gewußt.

Wir werden es Dir nicht vergessen.

Nein, die Demokratie ist nur furchtbar, wenn sie gottlos ist. Wenn das Teilen der Macht nur auf Kalkulation beruht. Wenn die Politik, die dabei herauskommt ohne Prinzip ist. Ohne Begründung. Amerika ist gar nicht schuld. Wie schön, wenn man Sündenböcke hat und das Gericht damit aufschiebt. Gottes Mühlen mahlen langsam, haben die ehrlichen deutschen Handwerkersfamilien, die Eure Zarin so mochte, gesagt. Ich würde solche Sprich -Worte

nicht sofort in den Vorgarten werfen zu den Idyllen der Gartenzwergfamlien.

Es hat ewig keine Zukunft, wenn die Demokratie, die Tugenden braucht, als Prügelknabe dient. Wie- haut den Lukas. Kennst du dieses Sprich- Wort. Unser Volk ist nicht so schlecht, wie es manche machen, aber es ist der Leute Verderben- die Sünde. Der Hochmut, dass das Geschöpf ohne den Schöpfer auszukommen glaubt. Sicher die Wiege der Demokratie ist nicht nur England und die Schweiz, sondern –vielleicht zuerst Griechenland, die Polis. Gerade deshalb – wie schwach war sie und ausgesetzt all denen, die den leichtesten Weg gehen wollen. Demokratie braucht Tugend und Anerkennung, Glaube, Liebe und Hoffnung.

Sie braucht Nächstenliebe, Solidarität. Wenn sie zum Religionsersatz wird, ist sie eine Ideologie, raffinierter als alles anderen Ideologien, tot und utopisch, virtuell und traumhaft, wie bei einem Mondsüchtigen, der angesprochen wird und vom Dach fällt. Sie braucht keine Leute, die den Fluß von der Quelle

und vom Meer trennen und den Kreislauf des Lebens zerlegen, um ihn zu beherrschen. Demokratie an sich gibt es gar nicht. Sie ist eine Staatsform, eine bessere, als die Schlechtere, wie uns ein Brite belehrte, als die Diktatur des Proletariats in Deutschland zu Ende ging.

Nein, die Demokratie ist nicht nur englisch. Oder gar amerikanisch und französisch. Ein Held Friedrich Schillers steht in allen Schulbüchern. „Der Tell“, nach dessen Rütlischwur mit seinen Eidgenossen auf einer Wiese bei Küßnacht in der Schweiz unsere Nationalhymne gesungen wird. Und nach nichts anderem. “Der Tell“, der die Freiheitsglocke läutet und die Sehnsucht nach Einigkeit, Geschwisterlichkeit als den Grundton aller Verschiedenheit als das eigentlich Menschliche auf seine Fahne schreiben läßt. Beziehungsweise Dein Schiller tut das, lieber Fjodor.

Da habt Ihr vielleicht doch als Rechtgläubige Nachholbedarf. Aber andererseits- Ihr kommt ja in Eurem Glauben aus Griechenland. Euer Christentum jedenfalls ist ein hellenistisches.

Wie redet Tolstoi von dem großen Barbar, dem Shakespeare, meinem Lieblingsdichter? –

Also wenn Ihr nicht das allerchristlichste Altengland nehmen könnt zum Studieren wie eine holländische Fregatte weiland Euer großer Zar, versucht es über die griechischen Buchstaben.

Uns fällt das auch schwer als ehemaliger Sowjetrepublik. Wir sind Euch doch so oder so ziemlich nahe gekommen, als Verlierer dem Sieger.

Natürlich ist Mütterchen Russland, Väterchen Zar – bei Frost hört es auf- viel gemütlicher als Demos und Kratos. Was ja so viel wie Volksherrschaft, auch Rat, Sowjet bedeuten sollte.

Und das wird nichts ohne Autorität. Ohne echte Autorität. Ohne europäische Werte. Ohne christliche Erfahrungen in unserer aller Geschichte, von Sieg bis Scheitern, von Hybris bis Demut. Und wehe, wenn das Wort Gnade untergeht und immanent missverstanden wird als zwischenmenschliche Angelegenheit ohne Gottesbezug!

Geht das Wort Gnade verloren? Was kommt dann? Dann ist es gnadenlos. Aber gerade Könige konnten dieses Wort verlieren, weil sie selber nicht mehr in der Gnade leben wollten. Was war dann mit dem Gottesgnadentum?

Die Monarchie ist nicht die Lösung. Höchstens, dass der Tyrannenmord einfacher ist, als ein demokratisches System nicht in Bürokratie verkommen zu lassen.

Der Sonnenkönig bei uns ist der Kunde. Er ist gnadenlos und der Verkäufer noch gnadenloser. Gnade uns Gott.

„Das muß doch Dein Anliegen sein: Gott ist König. Dann brauchen wir keine Könige, die uns gnädig sind. Aber die Ebenbildlichkeit des Menschen, die Rettung des Menschlichen durch Christus, der als Retter und Richter vor der Tür steht und anklopft – wir warten ja darauf.

Daß wir Geschöpfe sind, geboren und nicht bürokratisch oder elektronisch, oder technokratisch auf die Welt gekommen sind, sondern eine Mutter haben und einen Vater, wenn wir das vergessen bei allem „weiter“, sind wir die erbärmlichsten

Kreaturen, die es gibt, die alle Armut in den Schatten stellen und jenseits von Erniedrigung und Beleidigung, jenseits aller Würde nicht leben und nicht sterben können.

Das muß doch Dein Anliegen sein, euer Anliegen sein Ihr Russen in Eurem riesigen Land. Das ist doch das eigentliche Geheimnis des Frieden und der Freiheit. Die Demokratie ist doch nur ein Mittel und nicht ein Ziel.“

„Was sollen wir denn nun hierzu sagen?“

Wir fragen mit dem Apostel, mit den Juden und den Christen, Mit Euch. Mit Dir.

14.Januar 2008

5. Begegnung – Krieg und Schrecken

Die Leidenschaft Deiner Soldaten, Russland, haben uns Angst gemacht. Da helfen auch die riesigen Standbilder nicht, in Treptow nicht, an der Wolga nicht, geschmolzen aus Kirchenglocken und Standbildern der Besiegten.

Manche sollen sich bekreuzigt haben, als sie die Zivilisation gestürmt haben, wie die Indianer den Senf bei George Washington zu einem Festessen am späteren Abend, zu dem sie geladen waren als Abgeordnete ihres Stammes.

Manche sollen geplündert und gebrandtschatzt haben, obwohl alle sich schon längst ergeben hatten in ihr Schicksal. Oder in die letzten Züge gekommen sind nach Westen.

Oder auf die Schiffe, die dann untergegangen sind. Oder sind wirklich nur achtlos brennende Zigaretten in die Wohnungen, die dürr waren, geworfen worden in der großen Müdigkeit nach

den langen Märschen und Kolonnen….?

Ihr habt die meisten Opfer gebracht, um den nationalen deutschen Sozialismus zu besiegen.

Den Faschismus Italiens.

Die Rote Armee. Ihr hattet gute Offiziere? Noch erzogen in den Kadettenanstalten des Zaren Nicolaus? Zum Teil. Wie aus „Krieg und Frieden“…Gutes Kriegsmaterial aus Amerika?

Wir haben die Kriegsfilme gesehen, die Friedensfilme waren, weil der Schrecken des Krieges

nicht verheimlicht wurde.

Und die Politniks mit der Kalaschnikow hinter der Linie? Die haben wir nicht gesehen, in Filmen nicht, im Theater nicht. Ist das ein böses Märchen der faschistischen Propaganda.

Sogar eure Gefangenen wurden als Verräter umgebracht, wenn sie lebend nach Hause kamen. Nicht alle.

Stimmt das? Großes Russland, was machtest du uns bange in unserer kleinen deutschen Sowjetrepublik.

Lebt die Raubkatze noch.

Stalin.

Dschingistan.

Eure Filmemacher entdecken jetzt menschliche Züge an ihm.

Plus sibirische Kälte und Tundra, so weit die Füße tragen.

Elektrizität. Und Dunkelheit

Was ist Kommunismus.

Ja, ja.

Nein, nein.

Sei Euer Wort.

Und was darüber ist, ist von Übel.

Sonst will ich euch ausspucken, wie lauwarmes Wasser.

Spricht der Herr.

Letzter Advent.

Apokalypse.

Offenbarung des Menschen?

Nein, des Bösen.

Aber Tiere sind nicht böse, nur Menschen.

Aus Abend und Morgen ward der erste Tag.

Der Zweite.

Der Dritte.

Der Vierte.

Der Fünfte.

Der Sechste.

Der Siebte.

Und der ist heilig.

Die heilige schwarze Erde. Unverkäuflich. Unvermietbar. Wieviel Erde braucht der Mensch?

Ihr konntet Eure Leute nicht damit ernähren. Ihr habt euch die Erde nicht untertan gemacht, wie es die Schöpfungsgeschichte der Bibel als Zukunft für den Menschen ausweist. Deshalb mußtet Ihr in Amerika, eurem Erzfeind, Getreide kaufen und in Kanada. Schande, sage ich als Bauer. Eure Theorie war falsch.

So weit wie euer Land,

so groß wie eure Leidenschaften,

so schön wie eure Gesänge,

so traurig wie eure Lieder,

so wild, wie eure Tänze,

so klangvoll wie eure Vokabeln.

So schrecklich der Genitiv des Genitivs in dem

Parteichinesisch des Neuen Deutschland

und der Prawda?

So unendlich wie unsere Sehnsucht am Meer.

Was ist das für eine Energie.

Soll ich mich verirren im Advent in Eis und Schnee

in den Ruinen der gesprengten Kirchen,

zwischen den Gräbern der Priester,

Genickschuß,

das Grab zuvor selber gegraben;

zu Helden geworden die Feiglinge in Eurer Armee

durch diese Gegenüberstellung mit dem Kommissar Terror.

Stalin.

Stahl.

So hart.

Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben.

(Nicolai Ostrowski: „Wie der Stahl gehärtet wurde“.)

Was ist das für eine Geschichte. Die Geschichte mit dem Eis… In uns und zwischen uns.

Warum hat Kafka geschrieben, hat er es vorausgesehen auf deutscher Seite.

Unseren Gulag.

Die Vernichtung alles Sozialen und alles Menschlichen.

Letzen Endes

zwei Seiten einer Medaille.

Rasse und Klasse.

21.Januar 2008

6. Begegnung – aber die heißen Tränen der Freude und der Trauer schmelzen das Eis.

Die Liebe Deiner schwankenden Gestalten, der Frauen und Männer. Ihre Reue. Ihre Vergebung.

Die Heiligkeit Deiner armen Leute.

Der Spieler in seiner Verzweiflung.

Gott wird ihn zu sich nehmen.

28.Januar 2008

7. Begegnung – aber die Dämonen.

Sie sind nicht kalt, weil sie hassen. Soziale Kälte Fehlanzeige. Geldteufel. Nein.

Freiheitskämpfer. Idealisten. Und setzet Ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein(Schiller).

Kulturpubertät ist ausgestorben.

Gedichte werden geschrieben in dem fahlen Licht nach dem Verhör.

An Gott glauben wir nur noch, wenn wir die Orgel hören(Sartre).

Die Pfarrerstochter aus dem Schwarzwald hat davon etwas gewusst, als sie die Welt verändern wollte – mit Gewalt. Nicht umsonst hat das die alte Bundesrepublik erschüttert. Die dachte, doch alles richtig gemacht zu haben. Zu richtig? – Wir haben unterdessen in der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik angestanden vor der tschechoslowakischen Botschaft, um zu unterschreiben, das wir gegen den Einmarsch der Roten Armee sind in Prag, Dostojewski. Kannst du dir das vorstellen. Bomben haben wir nicht gebastelt.

Wir waren für den Frieden in unserem kleinen Restdeutschland, der soundsovielten Sowjetrepublik, in dem die Spuren nicht restlos beseitigt waren, die an den Krieg erinnert haben.

Aber inzwischen fallen uns wieder die Dämonen ein, von denen Du so viel wußtest, Dostojewski.

Und wir, die wir an der Ecke stehen, in den Büschen hocken. Auf den Wiesen liegen, wissen es: Sie sind immer schon dagewesen, ganz kurz vorher, das Teelicht brennt noch.

Und trotzdem flüstert es einer dem anderen ins Ohr: „Unsere Kinder sollen es einmal besser haben.“

Und wer schreit es von den Dächern?- Niemand. Denn, wie sie in der Nebenstraße lauern auf die goldene Zarenkutsche und von Hand zu Hand geht zärtlich die selbst gebastelte Bombe, die geworfen wird, sobald sich die Kutsche in Reichweite befindet mit der ganzen Familie.

Egal, ob Ihr dafür nach Sibirien kommt in die Verbannung oder an Ort und Stelle erschossen werdet. Das ist nicht der Punkt. Sondern, ob es einen Gott gibt. Der atheistische Terror. Nicht der religiöse! Wie heute bei denen, die ihre Heilige Schrift, den Koran, nur halb kennen . Wie bei allen, die etwas nur halb kennen, was ihnen angeblich heilig ist.

„Erst müssen wir klären, ob es einen Gott gibt, oder nicht!“

Der ganze Anschlag läuft Gefahr, zu scheitern.

Der Haß droht zu erlöschen. Weil jemand zur Unzeit die Gretchenfrage stellt.

In deutschen Dramen fragt das Mädchen in der Umarmung des Kusses. Oder nach dem Kuß.

Und da gehört sie auch hin, sagen wir klassischer Weise. Ihr seid so furchtbar modern. Ihr Russen. Müßt Ihr in solchen gesellschaftlichen Momenten, in solchen geschichtlichen Sekunden solche Fragen aufs Trapez bringen. Das hindert doch jedweden Fortgang der Handlung. Hat Gott mit dem Terror etwas gemein. Er hat doch mit dem Leben etwas gemein.

Mit dem Leben von Männern und Frauen. Mit dem Leben von hochfahrenden Gelehrten, denen der Teufel ein einfaches Mädchen in den Weg stellt. Das ist doch das Welttheater. Und der Tragödie tiefster Sinn.

Deine Fragen sind anders, Dostojewski. Sie sind anderer Natur. Russischer? Nein. Das glaube ich auch nicht.

Das ist unser Problem, was wir mit Dir und Schiller und vielen anderen haben.

„Kein Gott keine Werte.“ Gott – los. Sinn –los. Wert – los. Vielleicht ist das schlicht der Idealismus, vielleicht sogar der deutsche, der in Misskredit gekommen ist durch die

Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus, den die Sowjets und die Amerikaner besiegt oder in Folge kopiert haben in dem Großen Vaterländischen Krieg, zu dem die Popen ebenso aufgerufen haben, wie die Bolschewiki. Immerhin wurden seit dem Eure Ehen nicht mehr durch das Schreiben einer Postkarte in der großen ruhmreichen Sowjetunion geschieden.

Und bei uns sind viel zu viele Kinder ohne Väter aufgewachsen. Bei euch auch?

Die Väter sind im Krieg geblieben, die Söhne haben alles versucht. Und die Töchter.

Wie lange dauert es, ehe die Wunden verheilen.

Wie kann man ein Attentat aufhalten mit der Frage nach Gott.

Wie kann man ein Attentat begründen mit der Antwort, weil es Gott gibt. Nur den einen.

Tyrannenmord in der Ballade.

In Prag um die Ecke.

Freiheitskampf.

Terror.

Wer ist wer?

Wo ist wer?

Segne die Bombe, die ihn treffen soll.

Bonfoeffer.

Dostojewski.

Setze einen Namen ein.

Für N.N.

Für den weißen Flecken.

5.Februar 2008

8.Begegnung – die Frage nach Gott und niemand antwortet.

Ich darf Dir ein Beispiel erzählen: In einem wunderschönen Garten sitzen sie, die gerne diskutieren und etwas verändern wollen, die Philosophen und Aktionäre. Und fragen nach Gott. Wieder.

Weil alles zusammengefallen ist an Weltbildern, die man sich mühsam aufgebaut hatte, um die Teilung der Welt zu erklären in Gute und Schlechte. Aber die Erniedrigten und Beleidigten waren nicht einzuordnen. Und auf einmal fiel die Teilung der Welt auseinander in viele kleine Teilchen, bis man sah, dass es ja ein Ganzes war, trotz olschewiki, Menschewiki, Sozialrevolutionäre und Kapitalisten. Die Rechnung war nicht aufgegangen: Das Paradies auf der einen Seite und die böse Welt auf der anderen. Nein, die Mauer fiel, die alles trennen sollte und mit Wächtern besetzt war, die es auch nicht mehr wussten zum Schluß. Warum sie eigentlich da waren. Also erinnerte man sich an die alten Zeiten vor der großen Revolution und auch an Dich, der Du von Dämonen sprachst, während andere sie Befreier nannten. Sie hören auf einmal wieder, dass es den Menschen gab, der eine Seele hatte und ein Schicksal. „Und wenn Du dem Menschen seine Seele nimmst, ist er gefügig.“ In einem Märchenstück von Jewgeni Schwarz hörten wir das ungläubig auf der Bühne. Das Märchen heißt der DRACHE und wurde wie eine Fabel erzählt, in der die Schurken nicht beim Namen genannt werden dürfen.

Also sie saßen in diesem Garten, schön wie ein Paradies auf Erden. Aber die Flugzeuge kamen laufend geflogen und machten einen Lärm, dass man sein eigenes Wort nicht verstand.

Und da hörten sie auf zu fragen und meinten, sie müssten erst einmal eine Umweltgruppe bilden gegen den Lärm, eine Bürgerinitiative. Damit viele Unterschriften gesammelt werden könnten gegen den Lärm und dafür, dass die Flugzeuge eine andere Strecke fliegen. Nicht gerade über diesen schönen Gärten, die angelegt worden waren,, als es noch gar keine Flugzeuge am Himmel über den Gärten gab. Und auch keine gewaltigen Flugplätze in der Nähe mit den berühmten Schausonntagen, wenn am Himmel die Flieger ihre Kunststücke

zeigen. Sie konnten ja auch wirklich nicht ihr eigenes Wort verstehen und weder Fragen noch Antworten stellen oder geben. Also ist aus der Frage nach dem Allmächtigen diese Antwort entstanden: „Laßt uns zuerst eine Umweltgruppe bilden, damit wir dann in Ruhe weiter diskutieren können über Gott und die Welt.“

Übrigens: Sie hätten nur in ihre Wohnungen zu gehen brauchen und die Fenster verschließen –mit doppeltem Glas- und sie hätten keine Flugzeuge gehört. Nicht als Störung. Nur als hinnehmbares Geräusch. Ein Geräuschpegel.

Aber der Sommerabend war zu schön und der Nachmittag bei Kaffee und Kuchen.

Sie wollten nicht in die Häuser gehen bei solch schönem Wetter und die Fenster verschließen, damit man den Lärm nicht hört. Sie wollten die schöne freie Natur. Sie wollten den Wind um die Nase- nicht zu stark! – Das Zwitschern der Vögel. In machen Gegenden auch das Murren der Kreatur: Schweine grunzen, Füchse stehen auf und kommen immer näher, wenn sie betteln. Elstern kreischen, wenn sie etwas funkeln sehen.

Also schrien sie sich an – wenn die Flugzeuge zu tief anflogen- daß sie jetzt erst einmal einen Zirkel zum Schutz der Natur

gründen müßten. Das hätte ja schließlich auch etwas mit Gott zu tun, der die Welt geschaffen hat und Schöpfer des Himmels und der Erde ist.

Und sie gingen hinein in ihre Häuser und schlossen die Fenster an einem schönen Sonntag nachmittag, um über die Einzelheiten zu sprechen. Wie, wann, wo, wer. Und sie wählten einen Sprecher. Aus ihren Reihen.

Dabei ist es haargenau dieselbe Situation, die Du beschreibst. Es geht um Tod und Leben und nicht um Badehose und Niveacreme gegen die Einwirkungen der Sonne.

„Du vergißt den Wohlstand“, meldete sich fast das erste Mal D. zu Wort.

„Geht es um Wohlstand?“, fragte ich zurück.

„Nein!“ -schreit D. mich an, weil ein Flieger zu nahe gekommen war.

„Um was dann?“

„Um Freiheit!“

Dieses Wort wurde verschluckt von der Boeing am Himmel, die die Fluggäste zurückbringt aus der großen weiten Welt, die ihre Freiheit genießen wollen, jetzt nachdem der Wall gefallen ist und die Piloten in alle Richtungen steuern, wenn nur jemand das Flugbenzin bezahlt und die Askese nur von wenigen praktiziert wird: Nicht Fliegen. In der Hütte bleiben. Mit Holz heizen. Das Weite suchen, den Dressurbogen, wo die Stille früher gewesen ist.

„Also selber Grenzen ziehen, nachdem sie verschwunden sind.

Aber seine eigenen Grenzen erfahren, das wollen die Abenteurer doch auch. Gott erfahren. Freiheit.“

„Und die Beter!“, sagt D.

„Die Terroristen wollen es auch. Aber mit Gewalt.“, fügt er nach längerem Überlegen hinzu.

Und weiter:„Die einen müssen dazu Gott anrufen, die anderen ihn abschaffen in der Geschichte.“

Ich lasse es so stehen.

Dramatisches Gedicht

Lesungen am 11.Juli und am 22.Juli. Einmal in einem Haus der Generationen in Leipzig, von meiner Frau vermittelt.Das andere mal – zum 2. Mal – in der schönen Stadt Heidelberg. Vielleicht hat jemand Lust mich einzuladen im Sommer. Ich lese gern. Hier ein paar Vorschläge. Wer lieber selber liest im stillen Kämmerlien oder an einem See In Mecklenburg oder wo es stürmischer zugeht. Das meiste ist im Handel erhältlich.

Nächstr Gottesdienst Pfr.i.R. Michael Wohlfarth: Nicolaikapelle, Köpenick, Trift 9.00 Uhr erster Sonntag im August. Herzliche Einladung.

Johannes

Johannesevangelium, 1.2.3. Brief des Johannes. Johanneische Gemeinde.Das superdeutsche Wort HANS. Hans im Glück. Zuletzt hat er nichts mehr. Aber seine Freiheit. Ist das Gnade?-

Am ersten Sonntag nach dem Fest der Dreifaltigkeit wurde nach der Predigtordnung uns empfohlen, über den 1. Brief des Johannes zu predigen. Und zwar über das 4. Kapitel, die Verse 13 bis 21.

Weitere Lesungen für diesen Sonntag sind angegeben im prophetischen Buch des Jeremia und dann das Evangelium nach Lukas, Kapitel 16, 19 – 31.

Der Prophet warnt vor Leuten, die schöngeistige Literatur mit Heiliger Schrift verwechseln. Er verurteilt nicht Träumereien und Phantasie. Aber man soll sie nicht auf einen Sockel stellen, mit dem, was die Bibel sagt und warum sie es sagt.

Keinen Etikettenschwindel bitte!

„Das Wort Gottes ist scharf wie ein Schwert nach zwei Seiten hin.“

Dem entsprechend die Erzählung vom armen Lazarus in der zweiten Lesung als Evangelium. „Der vor des Reichen Türe liegt und die Hunde lecken seine Geschwüre“, wie eine neuere Übersetzung sich liest. Da ist ein himmelweiter Unterscheid – zuletzt, wenn der Reiche schmort in seiner Hölle und der Arme wird getröstet in Abrahams Schoss – und Spötter finden darin die Vertröstung auf ein Jenseits. Sie haben nichts, aber auch gar nichts verstanden. Natürlich fällt mir dabei ein, wie ich das in der DDR ausgelegt habe: den Klassenunterschied. Klassenkampf. Brüder zur Sonne zur Freiheit. Weltjugendtreffen in Berlin und wir stehen in der Nacht im geteilten Berlin unterhalb der Überführung der S – Bahn über die Friedrichstrasse. Streit: das Grundproblem ist das Klassenproblem. Sozialer Sprengstoff.

Und:Hören sie die Propheten nicht und Mose nicht, hören sie auch nicht, wenn ein Toter aufstünde und täte sie warnen – die Reichen, die nichts abgeben und den Armen vor ihrer Tür liegen lassen.

Und Armut ist für mich nicht nur pekuniär zu definieren.

Das Elend.

Wo ist das Mit-Leiden?

Als Jugendpfarrer wusste ich, wie sehr das junge Leute umtreibt. Damals, heute.

„Und setzt ihr nicht das Leben ein – nie wird euch das Leben gewonnen sein“ – Friedrich Schiller.

In meiner ersten Pfarrstelle haben wir das Gleichnis im Altarraum gespielt und haben auch dabei an den barmherzigen Samariter gedacht, der auch keine Zeit hatte und trotzdem geholfen hat, als er den sah, der unter die Räuber gefallen war.

Damit sind wir dann wirklich bei dem Brief an eine Gemeinde, die im Aufbau begriffen ist – welche Gemeinde ist nicht im Aufbau begriffen? D.h. in welcher Gemeinde müssen nicht Schwerpunkte gesetzt werden – oder sich erinnert werden, was der SCHWERPUNKT ist: Jesus Christus im Heiligen Geist in uns und mit uns, damit wir keine Angst haben, wenn es darauf ankommt und wir nicht fliehen, wo wir bleiben müssen.

Pfingstpredigt.

Jawohl.

Predigt in der Dynamik des DREI IN EINEM. Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Versuchen Sie sich einzulesen.

Der Gute Hirte

In tiefsten DDR- Zeiten gab es einen offiziellen Lehrertag. Da wurden zu Hause Würste in einen extra Beutel gepackt oder besonders schöne Blumen gebunden. Die Bauerngärten in Ost – Thüringen waren auch zu schön, als dass nicht alle Besucher stehen bleiben mussten um zu bewundern, was da wuchs.

Keiner stolperte einfach so in einen Vierseithof, sondern verharrte und bewunderte – und besprach.

Lehrertag.

Lehrerinnen, ein wichtiger Beruf.

Die Schulkinder überreichen zu Beginn der Stunde ihre Geschenke.

„Hoffentlich wird aus der 3 eine 2.“

Die Hoffnung ist berechtigt. Sie soll es ja auch immer geben.

So denken Eltern und Kinder, Großeltern und Enkelkinder.

Also ein Schelm, der Arges dabei denkt.

Wirklich.

Und Pfarrer – Tag? Den gab es offiziell nicht. Beileibe nicht. Niemals und nimmer.

Etwa auch Lehrer- Christenlehrer?

„Das wollen wir nicht.“

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Den gibt es auch heute nicht, wie es auch den Lehrertag natürlicher Weise nicht gibt.

Trotzdem könnte zum Hirtensonntag jemand auf die Idee kommen, dem Christenlehrer, dem Jungscharleiter – immer auch LEITERIN – an diesem Tag MISERICORDIAS DOMINI – eine besondere Freude zu machen, um sich zu bedanken dafür, dass er ein guter Leiter, eine gute Leiterin, ist und Dank sagen nicht nur dem Menschen gegenüber, der redlich und freudig seinen Beruf ausübt, sondern auch Gott gegenüber.

Nichts ist selbstverständlich.

Hirte. Pastor.

Hirtin. Pastorin.

„Soll ich meines Bruder Hüter sein?“

Ja, das sollen wir in Christi Namen.

Das können wir.

Ich wünsche allen, die Hirtin oder Hirte sein wollen, alles Gute – mich eingeschlossen – damit wirklich alles gut wird.

Amen.

Quasimodogeniti 23

Der erste Sonntag nach Ostern ist ein Taufsonntag. Taufe ohne Ostern ist unvorstellbar.

Wir taufen in den Tod Christi, damit wir mit ihm auferstehen zu neuem Leben (Brief des Apostel Paulus an die Gemeinde in Rom).

Quasimodogeniti ist nicht wie sonst üblich der Anfang eines Psalms. Diesmal ist es ein Auszug aus einem Brief des Apostel Petrus: Wie die neugeborenen Kindlein sollen wir die Milch des Evangeliums trinken, damit wir wachsen im Glauben. Also die Getauften sind gemeint. Diejenigen, die Christen oder Christinnen geworden sind.

Petrus kennt die Gefahren. Er kennt die Gleichnisse Jesu. Vor allen Dingen das vom vierfachen Ackerfeld. Da gibt es den Weg, auf dem viel Samen zertreten wird. Oder die Vögle fressen ihn auf. Und er kann nicht aufgehen. Da gibt es die Dornenbüsche, unter die der Same fallen kann. Und er erstickt an diesem Ort. Und den Felsen gibt es. Dort verdorrt die schwache Pflanze. Es fehlt ihr der Boden. Und dann gibt es das gute Land. Dort geht der Same auf und bringt hundertfältige Frucht.

Diesmal vergleicht er die Neugetauften mit Säuglingen, die der Muttermilch bedürfen. Damit sie wachsen.

QUASIMODOGENITI.

Ich wünsche Ihnen weiterhin eine gesegnete Osterzeit und Begegnungen mit Menschen, die Ihren Glauben stärken.

Karwoche, Gründonnerstag und Karfreitag

In der Nacht, als Jesus verraten war … der Beginn einer Predigt in einer evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde am Grün – Donnerstag in der Mitte Berlins.

Nahm er das Brot…

…und den Wein.

Brot und Wein, die uns heil machen wollen in unserer kranken Welt, die in Propaganda und Verlust der Mitte versinkt.

Wer ist denn die Mitte?

Das ist Christus, unser Herr und Heiland, mit dem wir leben und sterben wollen, so der Heidelberger Katechismus.